Die grossen amerikanischen Zeitungen kennen die Institution eines Ombudsmanns – ein ehemaliger Journalist ist damit beauftragt, Klagen aus der Leserschaft über ungerechtfertige Berichterstattung oder über das Fehlverhalten von Journalisten nachzugehen. Das Resultat wird meist in einer Kolumne publiziert.
Am Sonntag drehte sich die jüngste Kolumne von Andrew Alexander, dem Ombudsmann der «Washington Post», um Clinton Cole. Der Mann war jüngst die Hauptperson eines langen Artikels über Menschen, die ihren Job verloren haben, aber trotzdem noch wochenlang am Morgen das Haus verlassen — weil sie Angst vor negativen Reaktionen der Nachbarn haben, wenn diese über die Arbeitslosigkeit erfahren.
Die Geschichte wurde auch im Internet gelesen; Ombudsmann Alexander berichtet von zahlreichen gehässigen Kommentaren. Pikanterweise stammte einer dieser Kommentare von Lori Cole, der Ehefrau von Hauptperson Clinton Cole. Sie schrieb auf der Webseite der «Washington Post», dass Clinton wegen seiner schlechten Arbeitsleistung entlassen worden sei. Ausserdem sei ihre Ehe kaputt und sie verlange die Scheidung. Auch die 13-jährige Tochter meldete sich daraufhin zu Wort: Ihr Vater habe psychische Probleme, schrieb sie.
Clinton Cole war gemäss Ombudsmann Alexander baff. Er habe mit Leserreaktionen gerechnet, aber geglaubt, die «Post» entferne ehrenrührige Kommentare umgehend. Die Ausrede der Redaktion: Das sei nicht mehr möglich gewesen, nachdem zahlreiche Leser auf die Aussagen von Coles (Noch-) Ehefrau Bezug genommen hätten.
Clinton stellt sich natürlich auf den Standpunkt, er habe keine psychischen Probleme. Und er sei auch nicht wegen ungenügendem Einsatz entlassen worden, sondern einer Restrukturierung zum Opfer gefallen. Die Redaktion versuchte dies abzuklären, fand aber Beweise für beide Theorien. Letztlich lässt sich also aus der Geschichte nur einen Schluss ziehen: Wer mit vollem Namen und Foto in der Zeitung erscheint, der geht in der grossen, weiten Welt des Internet ein grosses Risiko ein



Seattle an der amerikanischen Westküste gilt unter seinen Bewohnern als avantgardistischer Flecken: Die idyllisch an einer Buch gelegene Grosstadt im Staat Washington hat den Ruf eines Schrittmachers für populärkulturelle Trends: So veränderte das 1971 in Seattle gegründete Kaffeehaus Starbucks das Konsumverhalten von Millionen – und verankerte den Begriff «Latte» im Wortschatz der Amerikaner.

