Ausland


Renzo Ruf am Montag den 24. August 2009

Wenn die Ehefrau sich zu Wort meldet.

Die grossen amerikanischen Zeitungen kennen die Institution eines Ombudsmanns – ein ehemaliger Journalist ist damit beauftragt, Klagen aus der Leserschaft über ungerechtfertige Berichterstattung oder über das Fehlverhalten von Journalisten nachzugehen. Das Resultat wird meist in einer Kolumne publiziert.

Am Sonntag drehte sich die jüngste Kolumne von Andrew Alexander, dem Ombudsmann der «Washington Post», um Clinton Cole. Der Mann war jüngst die Hauptperson eines langen Artikels über Menschen, die ihren Job verloren haben, aber trotzdem noch wochenlang am Morgen das Haus verlassen — weil sie Angst vor negativen Reaktionen der Nachbarn haben, wenn diese über die Arbeitslosigkeit erfahren.

Die Geschichte wurde auch im Internet gelesen; Ombudsmann Alexander berichtet von zahlreichen gehässigen Kommentaren. Pikanterweise stammte einer dieser Kommentare von Lori Cole, der Ehefrau von Hauptperson Clinton Cole. Sie schrieb auf der Webseite der «Washington Post», dass Clinton wegen seiner schlechten Arbeitsleistung entlassen worden sei. Ausserdem sei ihre Ehe kaputt und sie verlange die Scheidung. Auch die 13-jährige Tochter meldete sich daraufhin zu Wort: Ihr Vater habe psychische Probleme, schrieb sie.

Clinton Cole war gemäss Ombudsmann Alexander baff.  Er habe mit Leserreaktionen gerechnet, aber geglaubt, die «Post» entferne ehrenrührige Kommentare umgehend. Die Ausrede der Redaktion: Das sei nicht mehr möglich gewesen, nachdem zahlreiche Leser auf die Aussagen von Coles (Noch-) Ehefrau Bezug genommen hätten.

Clinton stellt sich natürlich auf den Standpunkt, er habe keine psychischen Probleme. Und er sei auch nicht wegen ungenügendem Einsatz entlassen worden, sondern einer Restrukturierung zum Opfer gefallen. Die Redaktion versuchte dies abzuklären, fand aber Beweise für beide Theorien. Letztlich lässt sich also aus der Geschichte nur einen Schluss ziehen: Wer mit vollem Namen und Foto in der Zeitung erscheint, der geht in der grossen, weiten Welt des Internet ein grosses Risiko ein

Renzo Ruf am Donnerstag den 20. August 2009

Die Macht der Plastiksäcke

Seattle an der amerikanischen Westküste gilt unter seinen Bewohnern als avantgardistischer Flecken: Die idyllisch an einer Buch gelegene Grosstadt im Staat Washington hat den Ruf eines Schrittmachers für populärkulturelle Trends: So veränderte das 1971 in Seattle gegründete Kaffeehaus Starbucks das Konsumverhalten von Millionen – und verankerte den Begriff «Latte» im Wortschatz der Amerikaner.

Doch nun hat sich die Bevölkerung von Seattle geweigert, auch in Sachen Recycling eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Am Dienstag lehnten die Stimmberechtigten in einem Referendum eine Gebühr auf Plastik- und Papiersäcken in der Höhe von 20 Cents (22 Rappen) mit 57 Prozent der Stimmen ab. Die Gebühr war vorigen Sommer vom demokratisch beherrschten Stadtparlament genehmigt worden; damit sollte die Flut von 360 Millionen Plastiksäcken eingedämmt werden, die jährlich über die Verkaufstheken in der 602.000 Einwohner zählenden Stadt schwappt. Viele dieser Tragtaschen landen nach einmaligem Gebrauch im Kehricht, auf einer Müllhalde oder schlicht auf der Strasse. Das hat auch mit ihrer Beschaffenheit zu tun: Im Gegensatz zu ihren Schweizer Gegenstücken werden amerikanische Säcke häufig aus hauchdünnem Material hergestellt.

Umweltkreise haben den Säcken deshalb schon lange den Kampf angesagt. Als diesbezüglicher Pionier gilt die Stadt San Francisco in Kalifornien. Bereits vor zwei Jahren, als der Erdölpreis auf neue Höchststände kletterte, verbot die dortige Stadtregierung die Ausgabe von Plastiksäcken. Stattdessen wurde der Gebrauch von wieder verwertbaren, stabilen Tragtaschen propagiert. «Ich hoffe, andere Städte und Staaten werden unserem Beispiel folgen», sagte damals ein Mitglied der Exekutive von San Francisco. Und tatsächlich zogen einzelne Gemeinden nach: Los Angeles beispielsweise beschloss diesen Sommer einen Bann von Plastiksäcken. Auch in Washington wird nach einer finalen Antwort auf die traditionelle Frage der hiesigen Supermarkt-Kassiererinnen gesucht, die beim Verpacken der Lebensmittel jeweils «Paper or plastic?» («Papier oder Plastik?») sagen. In der US-Hauptstadt wird über die Einführung einer Gebühr auf Plastiksäcken in Höhe von 5 Cents debattiert.

Aber noch nie zuvor wurde dazu die direkt betroffene Bevölkerung befragt – wohl mit gutem Grund, wie sich nach dem heftigen Ringen in Seattle zeigt. 1,4 Millionen Dollar pumpten die Gegner unter Federführung der American Chemistry Council, einer Lobby-Vereinigung der chemischen Industrie, in den Abstimmungskampf. Sie bezeichneten die Kampagne gegen die Plastiksäcke als eine Hexenjagd der Umweltschützer. Den Anhängern einer Sackgebühr standen hingegen weniger als 100.000 Dollar zur Verfügung. Man sei von der Plastikindustre besiegt worden, die eine «Angstkampagne» geführt hätten, beklagten sich die besiegten Umweltschützer gestern bitterlich. Tatsächlich hatten die Befürworter die Gebühr geschickt als Steuer bezeichnet und damit wohl im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld die Sympathien vieler Konsumenten gewonnen.

Renzo Ruf am Mittwoch den 12. August 2009

Elvis lebt

Was macht eigentlich ein Gouverneur, der von einer Welle des Volkszorns aus dem Amt gejagt wurde und auf seinen Korruptionsprozess vor einem Bundesgericht wartet? In sich gehen? Memoiren schreiben? Nein, schliesslich handelt es sich hier um Amerika. Deshalb tingelt Rod Blagojevich, Ex-Regierungschef des US-Bundesstaates Illinois, nun als Elvis-Imitator durchs Land.  Wieviel er für seinen Auftritt am vorigen Wochenende in Chicago erhielt, ist übrigens nicht bekannt. Und noch ein Schmankerl für Elvis-Fans: Er wurde tatsächlich gefragt, ob er «Jailhouse Rock» singen könne. Aus mir unbekannten Gründen entschied er sich aber für «Treat me nice».

Renzo Ruf am Mittwoch den 5. August 2009

Terroristenjäger abgesetzt

Zur Abwechslung eine gute Nachricht von der amerikanischen TV-Front: NBC scheint zur Kenntnis genommen zu haben, dass es sich bei der neuen Show «The Wanted», über die ich kürzlich schrieb, um eine Fehlgeburt handelt. Schlechte Kritiken — hier ein besonders bissiges Beispiel — hätten die Verantwortlichen wohl noch hingenommen; aber die Zuschauerzahlen waren ganz einfach grottenschlecht. Deshalb werden vorhand keine neue Folgen der Show gezeigt.

Damit landet wohl auch eine bereits recherchierte Episode über den angeblichen ruandischen Kriegsverbrecher Leopold Munyakazi im Archiv. Wer mehr über den sehr interessanten Fall lesen will, findet einen Artikel in der Zeitschrift «The New Republic».

Renzo Ruf am Freitag den 17. Juli 2009

Der neue Botschafter spricht!

Am Donnerstag hatte Don Beyer, der designierte US-Botschafter in der Schweiz (und in Liechtenstein), seinen ersten öffentlichen Auftritt. Beyer, der 59-jährige ehemalige stellvertretende Gouverneur von Virginia, musste vor dem aussenpolitischen Ausschuss des Senats antreten — zusammen mit drei anderen designierten Botschaftern.

Die Veranstaltung dauerte weniger als zwei Stunden. Die beiden einzigen anwesenden Senatoren — Jeanne Shaheen aus New Hampshire und Richard Lugar aus Indiana — stellten den vier Kandidaten einige nette Fragen. Und die Kandidaten gaben einige nette Antworten. So fragte Shaheen den künftigen Botschafter Beyer, wie wichtig denn die in Washington laufenden Verhandlungen über die Steuerprobleme der UBS seien. Beyer antwortete, dass es sich dabei um eines der drei wichtigsten Problemen im Verhältnis zwischen den USA und der Schweiz handle. Er könne aber natürlich nicht auf die laufenden Gespräche zwischen den beiden Regierungen eingehen. Beyer wies aber auch darauf hin, dass die Schweiz in den vergangenen Monaten wichtige Zugeständnisse und Fortschritte gemacht habe. Wenn er bestätigt werde, versuche er den Dialog mit der Schweizer Bevölkerung und der Regierung noch zu verbessern, kündigte Beyer weiter an.

Beyer wollte auf Nachfrage nicht weiter ins Detail gehen. Er gebe erst Interviews, wenn er in Bern in sein Amt eingesetzt worden sei, sagte er. Immerhin beantwortete er aber die Frage nach seiner Verbundenheit mit der Schweiz: Er habe dort Ferien gemacht, sagte er.

Bekanntlich erhielt Beyer den Posten, weil er sich in den vergangenen zwei Jahren an vorderster Front für die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten eingesetzt hatte. Er ist ein erfolgreicher Autohändler, der sein Geld mit Importwagen aus Europa und Asien gemacht hat. Auf die Frage von Senator Lugar, warum er denn sein Geschäft an seine Tochter übergeben wolle, antwortete er lachend: «Senator, sie haben wohl in letzter Zeit nicht mitverfolgt, wie es dem Autogeschäft geht.»

Renzo Ruf am Sonntag den 12. Juli 2009

UBS will mehr Zeit (Breaking News)

Normalerweise bin ich ja nicht für Breaking News zuständig. Aber soeben wurde in Miami bekannt gegeben, dass die UBS-Verhandlung — die morgen hätte stattfinden sollen — verschoben werden soll. Die Grossbank hat sich mit dem amerikanischen Justizministerium darauf geeinigt, eine Pause für Verhandlungen hinter den Kulissen einzulegen. Ein neuer Termin soll auf den  3. und 4. August angesetzt werden. Der Richter muss dem Begehren aber noch zustimmen.

Manuel Gnos am Freitag den 3. Juli 2009

Im «Bund» vom 03.07.2009

Leere Kassen in Kalifornien
In den Kassen des Bundesstaates Kalifornien fehlen 26,3 Milliarden Dollar. Deshalb kommt die öffentliche Hand in der grössten Volkswirtschaft der USA ihren Verpflichtungen nur noch teilweise nach.

Renzo Ruf am Donnerstag den 2. Juli 2009

Obama kämpft mit den Emotionen

Politik hat viel mit Emotionen zu tun. So verbinden zahlreiche Amerikaner den gescheiterten Versuch von Präsident Bill Clinton, das amerikanische Gesundheitswesen zu reformieren, noch immer mit «Harry» und «Louise» – einem fiktiven Ehepaar, das vor 15 Jahren in den TV-Spots der republikanischen Opposition die Hauptrolle spielte und dessen Reformkritik im Mittelstand auf eine breite Resonanz stiess. Kein Wunder also, legt das Weisse Haus nun, da Präsident Barack Obama einen erneuten Reformanlauf nimmt, grossen Wert auf die Meinung des Durchschnittsbürgers. Seit Wochen sind deshalb kranke und besorgte Amerikaner aufgerufen, im Internet dem Präsidenten ihre Erlebnisse und Ideen mitzuteilen.

Debby Smith, eine 53-Jährige aus dem Hinterland von Virginia, liess sich nicht zwei Mal bitten. An einer Informationsveranstaltung, die Obama am Mittwoch in einem Vorort von Washington durchführte, erzählte Smith dem betroffenen Präsidenten ihre herzerweichende Krankengeschichte. Sie leide unter Nierenkrebs, sagte sie, «und ich  habe keine Möglichkeit, ihn zu behandeln». Ihr fehle das Geld dafür, weil sie aufgrund der gesundheitlichen Probleme arbeitslos sei und damit auch ihre Krankenversicherung eingebüsst habe. Auch sei sie nicht berechtigt, staatliche Unterstützung zu erhalten. Sie erfülle die Bedingungen für das Hilfsprogramm Medicare nicht und sei für die Altersvorsorge noch zu jung. «Ich weiss, wie es weiter gehen soll», sagte sie dem Präsidenten direkt ins Gesicht.

Smith ist nicht alleine – in den USA gibt es je nach Schätzung bis zu 50 Millionen Menschen, die aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen keine Krankenversicherung besitzen. Obama nannte die Frau deshalb am Mittwoch «Beispiel Nummer eins», wieso das Land nicht länger auf eine Reform warten könne. Dann umarmte er sie – zum Erstaunen der anwesenden Journalisten, die den Präsidenten eher als emotionslosen Strategen kennen – und sagte: «Ich will nicht, dass Sie glauben, sie seien ganz alleine.»

Dennoch scheint die Rechnung des Weissen Hauses nicht aufgegangen zu sein. In der Berichterstattung über die Informationsveranstaltung wurde Smiths Schicksal nur am Rande erwähnt. Ins Zentrum rückte vielmehr die Art und Weise, wie das Weisse Haus den Anlass kontrolliert hatte. So wurde genüsslich vermerkt, dass alle Fragen, die dem Präsidenten aus dem Publikum gestellt wurden, von demokratischen oder gewerkschaftlichen Aktivisten stammten – auch Debby Smith engagiert sich für Organizing for America, einer Lobby-Gruppe aus dem Umfeld des Präsidenten.

Diese Kontrollwut könnte sich letztlich als Eigentor erweisen. Gemäss Meinungsumfragen unterstützt eine Mehrheit der Bevölkerung Obamas Reformplan im Grundsatz. Gleichzeitig, und etwas Unlogisch, gibt es aber auch grosses Unbehagen über die geschätzten Kosten von über 1000 Milliarden Dollar und die grössere Rolle, die der Staat spielen soll. Der Präsident versucht deshalb mit öffentlichen Auftritten, die Kritik der Republikaner zu widerlegen, die Reform sei letztlich nur eine kaschierte Steuererhöhung, mit der in Amerika ein staatlich kontrolliertes Gesundheitssystem eingeführt werden solle. «Wir wollen die guten Teile des Systems beibehalten und die schlechten ersetzen», versicherte Obama am Mittwoch. Ob diese Botschaft unter kritischen Demokraten und Republikanern angekommen ist, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Renzo Ruf am Mittwoch den 24. Juni 2009

Der eigenwillige Mark Sanford

Mark Sanford war schon immer als eigenwilliger Politiker bekannt. Zu Beginn seiner Karriere, als Mitglied des US-Repräsentantenhauses, pflegte der Republikaner im Büro auf einem Futon zu schlafen – um so das Geld für eine Absteige in Washington zu sparen. Als Gouverneur von South Carolina lieferte er sich in den vergangenen sechseinhalb Jahren wahre Abnützungsschlachten mit dem Staatsparlament, dessen republikanische Mehrheit sich gegen seine Finanzpolitik – Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen – wehrte. Und auch mit US-Präsident Barack Obama legte sich Sanford unlängst an: Er weigerte sich, einen Teil des für South Carolina reservierten Geldes zur Ankurbelung der Konjunktur zu akzeptieren. Erst nach einem entsprechenden Gerichtsurteil knickte er ein.

Geschadet haben diese Konfrontationen dem 49-Jährigen bisher nicht. Im Gegenteil: In konservativen Kreisen genoss der religiöse Sanford dank seiner Integrität und seiner Ideologie grosses Ansehen. Bereits wurde er als möglicher Anwärter auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2012 genannt.

Doch nun hat es der Südstaatler, Vater von vier Kindern, mit seiner Eigenwilligkeit wohl ein bisschen übertrieben. Und das kam so: Am vorigen Donnerstag verschwand Sanford plötzlich wie vom Erdboden. Weder den Medien, noch den Sicherheitskräften oder seinem Stellvertreter – einem Republikaner – gelang es, den Regierungschef des 4,4 Millionen Einwohner zählenden Bundesstaats zu kontaktieren.

Auch seine Frau war keine Hilfe: Am Montagnachmittag sagte Jenny Sanford, dass sie keine Ahnung über den Aufenthaltsort ihres Mannes habe. Er habe «etwas Schreiben wollen» und um eine Auszeit gebeten – just am Vatertag, den die Amerikaner am vergangenen Sonntag begingen. Aufgrund der zahlreichen Medienanfragen sah sich das Büro des Gouverneurs einige Stunden später gezwungen, eine schriftliche Stellungnahme abzugeben: Sanford sei Wandern gegangen und zwar auf dem Appalachian Trail – einem 3500 Kilometer langen Wanderweg entlang der Ostküste, der von Maine bis Georgia führt und unter Naturfreunden äusserst beliebt ist.

Diese dürre Auskunft vermochte die aufgeschreckten Politbeobachter nicht zu beruhigen. Im Gegenteil: Am Dienstag jagten sich die Gerüchte über den verschwundenen Gouverneur. Eine Quelle, der linkslastige Internet-Blog Daily Kos, behauptete gar, Sanford sei ein Nacktwanderer. Denn am Sonntag fand auf dem Appalachian Trail der jährlich begangene Nacktwanderertag statt – verbotenerweise, natürlich.

Doch gestern stellte sich nun heraus, dass die ganze Geschichte nicht stimmte. Eine Journalistin traf den Gouverneur am Flughafen von Atlanta an, als er aus einem Flugzeug stieg – das aus Buenos Aires kam. Der Gouverneur sagte, dass er einige Tage in Argentinien ausgespannt habe. Zuerst habe er Wanderferien machen wollen, doch dann entschied er sich spontan für «etwas Exotisches». In der Tat.

Am Nachmittag folgte dann eine der wohl eigenwilligsten Pressekonferenzen in der Geschichte von South Carolina: Nach einigem Hin und Her — Sanford sagte, der Appalachian Trail sei tatsächlich sehr schön — erklärte der Gouverneur, wieso er dieses ganze Lügengebilde aufgebaut hatte: Wegen eine aussereheliche Affäre, die er ein Jahr lang mit einer Frau aus Argentinien hatte. Mit Tränen in den Augen sagte Sanford, dass der Abstecher nach Südamerika den einzigen Zweck gehabt habe, diese Affäre zu beenden. Wow. Auch stellte sich heraus, dass ihn seine Frau bereits vor zwei Wochen verlassen hat.

Und natürlich hat die New York Post bereits die entsprechende Schlagzeile zur Geschichte: Love Is In The Aires. Nett.

Renzo Ruf am Dienstag den 23. Juni 2009

Europäische Dankbarkeit

Bisweilen gibt es für Europäer auch Gründe, den Republikanern dankbar zu sein. Ein Beispiel gefällig? Am Montag blockierte die Minderheitspartei im Senat die Schaffung einer nationalen Tourismusbehörde. Diese hätte über eine 10-Dollar-Gebühr finanziert werden sollen, die jeder Tourist bei der Ein- oder Ausreise hätte bezahlen müssen. Das sind zwar dank dem stetigen Verfalls des Dollars nicht viel mehr als 10 Franken — aber damit kann man hier eine warme Mahlzeit finanzieren. Das Geld hätte zur Promotion des Reiseziels USA im Ausland benutzt werden sollen. Bisher gibt es keine solche Werbekampagne.

Interessant daran ist, dass die Konservativen nichts gegen die PR-Behörde oder die Gebühr haben. Vielmehr scheiterte das entsprechende Gesetz während einer Abstimmung übers Prozedere. Zwischen der demokratischen Mehrheit und der republikanischen Minderheit war nämlich ein Streit um Ergänzungsanträge entbrannt. Dazu muss man wissen: Eine Einheit der Materie gibt es im amerikanischen Gesetzgebungsprozess nicht. So wurde letzte Woche eine Verschrottungsgebühr für Occasionautos in ein Nachtragskredit für die Kriege in Afghanistan und Irak verpackt. Item. Ein Demokrat wollte das Gesetz mit dem Passus ergänzen, wonach die nationalen Behörden den Gerüchten nachgehen dürfen, die steigenden Benzinpreisen würden durch Spekulanten verursacht. (Ich habe es ja gesagt: Es gibt keine Einheit der Materie in den USA.) Dagegen sprachen sich aber die Republikaner aus. Deshalb blockierten sie das ganze Gesetz. Und den Demokraten fehlen eine Handvoll Stimmen, um auf das Minimum von 60 Ja-Stimmen zu kommen. Kompliziert? Ja, einverstanden. Aber bei der nächsten Reise in die USA sparen Sie 10 Dollar.