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Artikel-Schlagworte: „Behavioral Economics“

Ihre Bank hört nicht zu? Dann macht sie einen schweren Fehler!

Gerhard Fehr am, Donnerstag 15. März 2012

Die Worte, die Patrick Raaflub, Direktor der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA, Ende Februar in Bern an die Öffentlichkeit richtete, waren sehr deutlich: Die Schweiz drohe zu einem “Kundenschutz-Entwicklungsland” zu verkommen, sagte er, weil mangels entsprechender Rahmenbedingungen zu viele Kunden von ihren Finanzdienstleistern unangemessen beraten werden. Und weiter:

“Problematisch sind die mangelhafte Transparenz und die schlechte Verständlichkeit des Informationsmaterials für strukturierte Finanzprodukte. […] Noch heute sind viele Dokumente, mit denen Banken, Versicherer oder externe Vermögensverwalter Anlageprodukte bewerben, sehr schwer verständlich und für einen Laien kaum zu durchschauen. Noch immer besteht also die Gefahr, dass Anleger Finanzprodukte kaufen, die nicht für sie geeignet sind.”

Raaflubs Botschaft ist klar: Menschen übergeben einer Bank nicht nur täglich ihr Geld, sondern erlauben ihr sogar, in der Zwischenzeit damit Geschäfte zu tätigen. Das ist ein Akt höchsten Vertrauens und Grundlage jedes Bankgeschäfts. Und eine Bank, die kein Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern mehr geniesst, weil sie nicht auf deren Probleme und Wünsche hört, sondern vor allem versucht, standardisierte Produkte zu verkaufen, ist mittelfristig zum Scheitern verurteilt.

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Die Worte, die Patrick Raaflub, Direktor der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA, Ende Februar in Bern an die Öffentlichkeit richtete, waren sehr deutlich: Die Schweiz drohe zu einem “Kundenschutz-Entwicklungsland” zu verkommen, sagte er, weil mangels entsprechender Rahmenbedingungen zu viele Kunden von ihren Finanzdienstleistern unangemessen beraten werden. Und weiter:

“Problematisch sind die mangelhafte Transparenz und die schlechte Verständlichkeit des Informationsmaterials für strukturierte Finanzprodukte. […] Noch heute sind viele Dokumente, mit denen Banken, Versicherer oder externe Vermögensverwalter Anlageprodukte bewerben, sehr schwer verständlich und für einen Laien kaum zu durchschauen. Noch immer besteht also die Gefahr, dass Anleger Finanzprodukte kaufen, die nicht für sie geeignet sind.”

Raaflubs Botschaft ist klar: Menschen übergeben einer Bank nicht nur täglich ihr Geld, sondern erlauben ihr sogar, in der Zwischenzeit damit Geschäfte zu tätigen. Das ist ein Akt höchsten Vertrauens und Grundlage jedes Bankgeschäfts. Und eine Bank, die kein Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern mehr geniesst, weil sie nicht auf deren Probleme und Wünsche hört, sondern vor allem versucht, standardisierte Produkte zu verkaufen, ist mittelfristig zum Scheitern verurteilt.

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Gut gegen Finanzblasen: Insiderhandel statt Transparenz

Matthias Sutter am, Montag 12. März 2012

Egal, ob man es mit Humor versucht wie der deutsche Comedian Chin Meyer oder mit einem Blick in die Niederlande des frühen 17. Jahrhunderts – wer Finanzblasen erklären möchte, steht vor dem Problem, dass man immer erst dann klüger ist, wenn die Blasen längst geplatzt sind und sich daraus nur mehr wenig für die Zukunft ablesen lässt. Das hat auch damit zu tun, dass manche Ökonomen selbst zu diesem Zeitpunkt noch gerne darüber streiten, ob es sich in dem jeweiligen Fall um eine Blase gehandelt hat oder nicht. Sie sind ein Marktzustand, in dem sich Preise nicht mehr durch fundamentale Daten erklären lassen. Und sie entstehen, wenn immer mehr Käufer auf steigende Preise spekulieren. Das treibt die Preise nach oben, bis die Blase platzt – und wieder hat es niemand kommen gesehen.

Die einzige Möglichkeit, um das Entstehen von Blasen anhand empirischer Daten unter kontrollierten Bedingungen zu erforschen, bleiben Laborexperimente. Dort können wir sie in kleinen Versuchsmärkten züchten. Und vor allem lässt sich im Labor messen, wie sich die Blasenbildung verhält, wenn man die Rahmenbedingungen eines Marktes ändert.

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Egal, ob man es mit Humor versucht wie der deutsche Comedian Chin Meyer oder mit einem Blick in die Niederlande des frühen 17. Jahrhunderts – wer Finanzblasen erklären möchte, steht vor dem Problem, dass man immer erst dann klüger ist, wenn die Blasen längst geplatzt sind und sich daraus nur mehr wenig für die Zukunft ablesen lässt. Das hat auch damit zu tun, dass manche Ökonomen selbst zu diesem Zeitpunkt noch gerne darüber streiten, ob es sich in dem jeweiligen Fall um eine Blase gehandelt hat oder nicht. Sie sind ein Marktzustand, in dem sich Preise nicht mehr durch fundamentale Daten erklären lassen. Und sie entstehen, wenn immer mehr Käufer auf steigende Preise spekulieren. Das treibt die Preise nach oben, bis die Blase platzt – und wieder hat es niemand kommen gesehen.

Die einzige Möglichkeit, um das Entstehen von Blasen anhand empirischer Daten unter kontrollierten Bedingungen zu erforschen, bleiben Laborexperimente. Dort können wir sie in kleinen Versuchsmärkten züchten. Und vor allem lässt sich im Labor messen, wie sich die Blasenbildung verhält, wenn man die Rahmenbedingungen eines Marktes ändert.

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Sichtbare Verluste tun besonders weh – versteckte sind genau so teuer

Jean-Robert Tyran am, Donnerstag 8. März 2012

Dass die Verlustaversion manche Anleger um langfristige Gewinnchancen bringt, habe ich schon in meinem letzten Artikel beschrieben. Die verhaltensökonomische Forschung zeigt darüber hinaus aber auch, dass Anleger oft zu stark von der Angst vor gut sichtbaren bzw. merklichen Verlusten geleitet sind und dabei weniger merkliche Verluste ignorieren, wie sie zum Beispiel durch Inflation entstehen.

„Sichtbar“ sind Verlustarten, die der Investor leicht aus dem Gedächtnis abrufen kann, die gerade stark in den Medien besprochen werden oder die kognitiv leicht zu verstehen sind.

In Geldgrössen zu denken ist natürlich, kann aber leicht in die Irre (also zu „Geldillusion“) führen (siehe dazu etwa Shafir, Diamond und Tversky 1997 oder Tyran 2007). Eine Art von Verlusten, die stark „unmerklich“ ist, entsteht durch die schleichende Erosion des Vermögens durch Inflation. Diese Art von Verlusten wird von Investoren oftmals zu wenig beachtet.

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Dass die Verlustaversion manche Anleger um langfristige Gewinnchancen bringt, habe ich schon in meinem letzten Artikel beschrieben. Die verhaltensökonomische Forschung zeigt darüber hinaus aber auch, dass Anleger oft zu stark von der Angst vor gut sichtbaren bzw. merklichen Verlusten geleitet sind und dabei weniger merkliche Verluste ignorieren, wie sie zum Beispiel durch Inflation entstehen.

„Sichtbar“ sind Verlustarten, die der Investor leicht aus dem Gedächtnis abrufen kann, die gerade stark in den Medien besprochen werden oder die kognitiv leicht zu verstehen sind.

In Geldgrössen zu denken ist natürlich, kann aber leicht in die Irre (also zu „Geldillusion“) führen (siehe dazu etwa Shafir, Diamond und Tversky 1997 oder Tyran 2007). Eine Art von Verlusten, die stark „unmerklich“ ist, entsteht durch die schleichende Erosion des Vermögens durch Inflation. Diese Art von Verlusten wird von Investoren oftmals zu wenig beachtet.

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Kleiner Schubs, grosse Wirkung: Sanfter Paternalismus lässt uns besser entscheiden

Ernst Fehr am, Montag 5. März 2012

Bis vor wenigen Jahren war das ökonomische Verständnis von Menschen klar umrissen. Der Mensch ist ein rationales Wesen. Er weiss, was gut für ihn ist. Er kennt seine Präferenzen und kann für sich optimale Entscheidungen treffen, die zu ihm passen. Er isst, was er für richtig hält. Er kauft das Auto, das ihm den grössten persönlichen Nutzen bringt. Und auch seine finanziellen Angelegenheiten gestaltet er so, dass er für den Ruhestand optimal vorgesorgt und genug Ersparnisse für die Erfüllung aller Pläne hat.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung viel getan. Wir wissen heute viel mehr über das Verhalten, die Vorlieben und die Präferenzen des Menschen und wie sie sich auf Unternehmen und Märkte auswirken.

Die Menschen brechen zum Beispiel regelmässig Vorsätze, hören nicht zu rauchen auf, obwohl es sie krank macht und sparen viel weniger als sie sich vorgenommen haben. Das bedeutet zwar nicht, dass der Mensch nicht in vielen Situationen seine Probleme rational angeht, doch bei wichtigen Entscheidungen ist er nicht immer in der Lage, für sich die besten Entscheidungen zu treffen.

Es braucht allerdings nicht viel, um ihn dabei zu unterstützen. Ein paar sanfte Stupser (auch “Nudges” genannt) können schon helfen, wie die folgenden drei Beispiele zeigen.

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Bis vor wenigen Jahren war das ökonomische Verständnis von Menschen klar umrissen. Der Mensch ist ein rationales Wesen. Er weiss, was gut für ihn ist. Er kennt seine Präferenzen und kann für sich optimale Entscheidungen treffen, die zu ihm passen. Er isst, was er für richtig hält. Er kauft das Auto, das ihm den grössten persönlichen Nutzen bringt. Und auch seine finanziellen Angelegenheiten gestaltet er so, dass er für den Ruhestand optimal vorgesorgt und genug Ersparnisse für die Erfüllung aller Pläne hat.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung viel getan. Wir wissen heute viel mehr über das Verhalten, die Vorlieben und die Präferenzen des Menschen und wie sie sich auf Unternehmen und Märkte auswirken.

Die Menschen brechen zum Beispiel regelmässig Vorsätze, hören nicht zu rauchen auf, obwohl es sie krank macht und sparen viel weniger als sie sich vorgenommen haben. Das bedeutet zwar nicht, dass der Mensch nicht in vielen Situationen seine Probleme rational angeht, doch bei wichtigen Entscheidungen ist er nicht immer in der Lage, für sich die besten Entscheidungen zu treffen.

Es braucht allerdings nicht viel, um ihn dabei zu unterstützen. Ein paar sanfte Stupser (auch “Nudges” genannt) können schon helfen, wie die folgenden drei Beispiele zeigen.

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Die Abneigung der Anleger gegen Verluste – und ihre fatalen Folgen

Jean-Robert Tyran am, Donnerstag 1. März 2012

Niemand verliert gern Geld. Die verhaltensökonomische Forschung hat allerdings gezeigt, dass viele Menschen übermässig darauf bedacht sind, Verluste zu vermeiden. Diese Fixierung auf mögliche Verluste (auch „Verlustaversion“ genannt) ist nicht nur typisch für viele Menschen – sie kann auch dafür sorgen, dass wir uns langfristige Gewinne entgehen lassen.

Was bedeutet Verlustaversion?

Die Verlustaversion ist ein wesentlicher Bestandteil der von Daniel Kahneman und Amos Tversky 1979 formulierten Prospect Theory, einer Theorie zur Bewertung von Investitionen („risky prospects“). Menschen bewerten eine Investition oftmals nicht nach ihrem Endergebnis, sondern in Bezug auf einen Referenzpunkt, typischerweise dem Preis zum Zeitpunkt des Kaufs des Aktivums. Verlustaversion bezeichnet die relative Gewichtung dieser Gewinne und Verluste: Verluste wiegen im Urteil von Entscheidungsträgern oft viel schwerer (etwa doppelt so schwer) als gleich grosse Gewinne.

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Niemand verliert gern Geld. Die verhaltensökonomische Forschung hat allerdings gezeigt, dass viele Menschen übermässig darauf bedacht sind, Verluste zu vermeiden. Diese Fixierung auf mögliche Verluste (auch „Verlustaversion“ genannt) ist nicht nur typisch für viele Menschen – sie kann auch dafür sorgen, dass wir uns langfristige Gewinne entgehen lassen.

Was bedeutet Verlustaversion?

Die Verlustaversion ist ein wesentlicher Bestandteil der von Daniel Kahneman und Amos Tversky 1979 formulierten Prospect Theory, einer Theorie zur Bewertung von Investitionen („risky prospects“). Menschen bewerten eine Investition oftmals nicht nach ihrem Endergebnis, sondern in Bezug auf einen Referenzpunkt, typischerweise dem Preis zum Zeitpunkt des Kaufs des Aktivums. Verlustaversion bezeichnet die relative Gewichtung dieser Gewinne und Verluste: Verluste wiegen im Urteil von Entscheidungsträgern oft viel schwerer (etwa doppelt so schwer) als gleich grosse Gewinne.

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Erfolgreich sparen mit mentalen Budgets

Gerhard Fehr am, Montag 27. Februar 2012

Foto: voobie, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wenn man Menschen fragt, ob Sparen prinzipiell eine wichtige Tugend ist, dann beantworten sie dies meist mit einem klaren Ja. Ob es um grössere Wünsche geht, die man sich oder seinen Liebsten gerne erfüllen möchte, eine Rücklage für schlechte Zeiten, die Ausbildung der Kinder oder einen monatlichen Zusatzbetrag für die Zeit nach der Pensionierung – es gibt kaum rationale Gründe, die gegen das Sparen sprechen.

Und doch ist es für uns Menschen so schwer, kurzfristig auf Konsum zu verzichten und etwas Geld auf die hohe Kante zu legen. Sparziele werden eben meist nicht erreicht, obwohl es für uns gut und rational wäre, monatlich ein wenig Geld abzuzwacken und auf unser Sparkonto einzuzahlen.

Doch wie erreicht man nun seine Sparziele?

Für eine Lösung dieses Problem hat auch Carolyn Geer im Wall Street Journal recherchiert. Sie war dafür bei IDEO, einer internationalen Design- und Innovationsberatung. IDEO ist nicht nur versiert im Design von Computermäusen und Haushaltsgeräten, sondern Dank Kunden wie der Bank Of America auch im Thema Geld. Oder genauer: darin, wie Menschen mit Geld umgehen und wie man sie zu einer nachhaltigeren Sparstrategie anregt.

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Foto: voobie, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wenn man Menschen fragt, ob Sparen prinzipiell eine wichtige Tugend ist, dann beantworten sie dies meist mit einem klaren Ja. Ob es um grössere Wünsche geht, die man sich oder seinen Liebsten gerne erfüllen möchte, eine Rücklage für schlechte Zeiten, die Ausbildung der Kinder oder einen monatlichen Zusatzbetrag für die Zeit nach der Pensionierung – es gibt kaum rationale Gründe, die gegen das Sparen sprechen.

Und doch ist es für uns Menschen so schwer, kurzfristig auf Konsum zu verzichten und etwas Geld auf die hohe Kante zu legen. Sparziele werden eben meist nicht erreicht, obwohl es für uns gut und rational wäre, monatlich ein wenig Geld abzuzwacken und auf unser Sparkonto einzuzahlen.

Doch wie erreicht man nun seine Sparziele?

Für eine Lösung dieses Problem hat auch Carolyn Geer im Wall Street Journal recherchiert. Sie war dafür bei IDEO, einer internationalen Design- und Innovationsberatung. IDEO ist nicht nur versiert im Design von Computermäusen und Haushaltsgeräten, sondern Dank Kunden wie der Bank Of America auch im Thema Geld. Oder genauer: darin, wie Menschen mit Geld umgehen und wie man sie zu einer nachhaltigeren Sparstrategie anregt.

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