Archiv für die Kategorie „Alpin“

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Die 5 grössten Gefahren am Uetliberg

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 22. April 2015

Ein Beitrag von Thomas Hürzeler*:

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Wer in der Natur Zärtlichkeiten austauscht, sollte sich der Gefahren bewusst sein. Foto: Georgi Licovski (Keystone)

Mit dem Einzug des Sommers häufen sich wieder die Fälle von Bergnot am Uetliberg. Erst kürzlich musste die Rega an einem Tag drei Personen retten, die weder vor noch zurück wussten. Wir wollen hier einige Ursachen dieser Unglücksfälle nennen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem Ziel, grundsätzlich auf die nicht zu unterschätzenden Gefahren am Uetliberg hinzuweisen.

Mit der Erfindung der GPS-Geräte wurde die gute alte Wanderkarte zum bibliophilen Sammelstück. War schon das Lesen einer Karte nicht jedem Wanderer gegeben, so sind die Ansprüche mit dem digitalen Hilfsmittel nochmals erheblich gestiegen. Oft führt eine einzige falsche Einstellung oder ein missweisender Track ins Elend. So wurde ein tragischer Fall bekannt, in dem ein erfahrener Wanderer vom Tram überfahren wurde. Als er sich gemäss GPS-Anzeige auf dem Planetenweg befand.

Neben der Überprüfung der Alkoholvorräte bildet eine genaue Abklärung der Wetterverhältnisse die Basis für jede Wanderung. Am Berg kann das Wetter innert Minuten umschlagen. Wer sich nur auf das «Uetliberg hell»-Schild am Tram verlässt, kann sehr schnell im dicken Nebel stehen. Im Nebel vom Weg abzukommen, das schafft nun wirklich jeder. Und bringt sich selber und die Rettungskolonne in höchste Gefahr.

Der masslosen Selbstüberschätzung fallen immer wieder auch scheinbar routinierte Wandersleut’ zum Opfer: Dem Vernehmen nach sollen einzelne unbedarfte Flachlandwanderer sogar versucht haben, die legendäre Extrembesteigung des Uetlibergs mit Sauerstoff zu wiederholen. Es kann nicht genug gewarnt werden: Auch diesem Berg, und mag er sich noch so harmlos geben, ist mit Respekt und Ehrfurcht zu begegnen.

In dasselbe Kapitel fällt auch das Thema der Akklimatisation: Wer eben von Tauch- oder Badeferien am Toten Meer zurückgekehrt ist, muss sich zwingend auf Zürichsee-Höhe akklimatisieren, bevor er den Uetzgi-Gipfel in Angriff nimmt. Orientierungslosigkeit ist eines der ersten und gefährlichsten Symptome der gefürchteten Höhenkrankheit.

Gerade im Frühjahr und bei Paaren spielt auch das Balzverhalten mit. Der humane Hormonhaushalt, wissenschaftlich auch als «Kopulationsperiodizität» bezeichnet, scheint seine Hand und mehr im Spiel zu haben. Zwar präsentieren heute etliche Leute des öffentlichen Desinteresses ihre amourösen Taten im Scheinwerferlicht der Medien. Aber der gemeine Homo sapiens zieht es noch immer vor, sich zum Werkeln am Fortbestand der Menschheit ins Unterholz zu schlagen. Wie leicht kann es da im Taumel der Sinne geschehen, dass sich jemand an einem sicheren Ast festhält, der sich im Nachhinein als menschliches Weichteil entpuppt.

Und Sie? Wie halten Sie es mit den Gefahren am Uetliberg?
Diskutieren Sie mit Ihren Wanderkameraden, und suchen Sie weitere Beispiele.

Thomas Hürzeler.*Thomas Hürzeler ist Autor, Fotograf, Musiker, Gleitschirmpilot und Unternehmer mit der ersten klimaneutralen Druckerei der Schweiz. 2003 gelang ihm die Erstbesteigung des Uetlibergs MIT Sauerstoff. Sein Expeditionsbericht erschien soeben in 5. Auflage und kann wieder bestellt werden (hier nachzulesen).

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Wenn Berge neue Namen bekommen

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 15. April 2015

Ein Beitrag von Emil Zopfi*:


Der Wunsch des Bundespräsidenten stiess bei der Gemeinde Zermatt auf offene Ohren: Die Ostspitze des Monte-Rosa-Massivs heisst seit letztem Oktober Dunantspitze, zu Ehren des Gründers des Roten Kreuzes Henry Dunant. Auch der höchste Schweizer Gipfel nebenan trägt den Namen einer historischen Persönlichkeit: 1863, im Gründungsjahr des Schweizer Alpen-Clubs, wurde das Gornerhorn mit dem Segen des Bundesrates zur Dufourspitze. Der Kartograf und General im Sonderbundskrieg ist damit sozusagen zum «höchsten Schweizer aller Zeiten» erhoben.

Die Walliser, die damals zum besiegten Sonderbund gehörten, haben sich damit abgefunden. Auch dass ein anderer ihrer Gipfel, das Ulrichshorn in der Mischabelgruppe, nach dem Zürcher Melchior Ulrich benannt ist, einem reformierten Theologen aus der «Üsserschwiiz», der bei der Erstbesteigung 1848 dabei war.

Louis Agassiz, Gletscherforscher und Rassist

Es gibt in den Schweizer Alpen etwa dreissig Gipfel, die nach Persönlichkeiten benannt sind, vor allem nach Alpenpionieren und Gletscherforschern aus dem «Goldenen Zeitalter des Alpinismus» nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Berner Oberland erzählen unter anderen Altmann, Agassizhorn, Hugihorn, Scheuchzerhorn und Studerhorn von diesem Tauffest der Alpenpioniere. Im Glarnerland beehrten sich Gründungsmitglieder des Alpen-Clubs mit dem Speichstock und dem Hauserhorn.

Die Verewigung bedeutender und weniger bedeutender Persönlichkeiten in den Gipfelnamen gab jedoch immer wieder zu Diskussionen Anlass – besonders auch in jüngster Zeit. Zum Beispiel als ruchbar wurde, dass Louis Agassiz nicht nur ein Gletscherforscher war, sondern auch ein ausgekochter Rassist. Nach Amerika ausgewandert, wollte er unter anderem durch die Fotografie eines Sklaven namens Renty die Minderwertigkeit schwarzer Menschen «beweisen». Die Kampagne «Démonter Louis Agassiz» und ein Vorstoss im Parlament forderten 2007 vom Bundesrat die Umbenennung des Agassizhorns in Rentyhorn. Der verwies auf die zuständigen Kantone und Gemeinden im Berner Oberland und Wallis, doch die sagten «Nein!».

Im Namen der Berge

Die Initianten präsentierten in der Folge einen neuen Vorschlag: Das Agassizhorn sollte seinen rassistisch befleckten Namen behalten, ein noch unbenannter Gipfel in der Nachbarschaft zum Rentyhorn erkoren werden, Pt. 3745 gemäss Landeskarten. Also Täter und Opfer in Ewigkeit versteinert und vereint. Die weise Lösung passte nun aber einigen Walliser Politikern nicht in den Kram. Im November lancierten sie die Idee, das Agassizhorn nach dem fast vergessenen Walliser Gletscherforscher Jean-Pierre Perraudin (1767–1858) zu benennen. Sicher eine gute und politisch korrekte Wahl.

Aber soll man überhaupt Berge um- und neu benennen? Ihre Namen sind in einem historischen Kontext entstanden, sie erzählen Geschichte, und die Geschichte wird bekanntlich nicht besser, wenn man sie nachträglich korrigiert. Löscht man das Agassizhorn aus den Landeskarten, so müsste man konsequenterweise auch alle anderen Berge mit Personennamen auf ihre politische Korrektheit prüfen. Zum Beispiel die Gertrudspitze in den Engelhörnern, auf eigenen Wunsch nach der britischen Alpinistin und Archäologin Gertrude Bell (1868–1926) benannt. Als Geheimdienstmitarbeiterin nahm die «ungekrönte Königin des Irak», wie man sie nannte, wesentlichen Einfluss auf die britische Kolonialpolitik im Nahen Osten. Wohin diese schliesslich führte, sehen wir heute.

SCHRIFTSTELLER, AUTOR,*Emil Zopfi ist Rentner, Schriftsteller und lebt in Zürich. Er ist seit über fünfzig Jahren Bergsteiger und Kletterer. www.zopfi.ch

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Eine EU-Flagge provoziert Hüttengäste

Natascha Knecht am Mittwoch den 8. April 2015
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Skitourenparadies: Die Fornohütte (SAC) steht im Grenzgebiet von Oberengadin und Bergell. Fotos: zvg

Erst reist man auf den Malojapass im Kanton Graubünden. Dort klebt man die Felle auf die Tourenski, marschiert vier Stunden durch eine Bilderbuchlandschaft bergan und erreicht so die Fornohütte. Wie viele SAC-Hütten steht sie oberhalb des Gletschers auf einem Felssporn. Aber anders als vor anderen SAC-Hütten weht hier zur Begrüssung keine Schweizer Fahne im Wind, sondern eine Europaflagge – und dieser Umstand gibt zu reden.

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Seit Sommer 2013 Fornohüttenwart: Beat Kühnis.

Immer wieder wird Beat Kühnis, der 29-jährige Schweizer Fornohüttenwart, darauf angesprochen. Die EU-Flagge hier oben war seine Idee. Er hisst sie eigenhändig und mit Überzeugung. «Sie ist ein Willkommenszeichen für unsere Gäste aus dem gesamtmitteleuropäischen Raum», so Kühnis. «Eigentlich dürfen sich von der Flagge auch alle Schweizer als Europäer angesprochen fühlen, zumindest geografisch. Doch das tun offenbar nicht alle.»

Kühnis sagt, die Flagge polarisiere überraschend stark, «insbesondere unter den Schweizer Gästen». Manche finden sie toll und sympathisch, andere komplett deplatziert. Zwei Meinungen, zwei Lager. Auch auf Facebook: «Was soll denn die Kriegsflagge? Unpassend!», schreibt einer.

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Sieht man nicht alle Tage: EU-Flagge vor einer SAC-Hütte.

«Wir sind international hier oben»

Vor seiner Hütte auf 2574 Meter über Meer eine Europafahne zu montieren, beschloss Beat Kühnis nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative vor einem Jahr. «Wir haben rund fünfzig Prozent ausländische Gäste hier oben. Wir sind international. Die Grenze zu Italien ist nur einen Kilometer entfernt, und das Abstimmungsresultat war mir gegenüber unseren Gästen peinlich. Mit der Flagge will ich signalisieren, dass bei uns alle vorbehaltlos willkommen sind.» Kommt hinzu, dass die Fornohütte letzten Sommer ihr 125-jähriges Bestehen feierte und ihre alte, zerfetzte Schweizer Fahne ersetzt werden sollte.

Dass seine Kritiker grundsätzlich ausländerfeindlich eingestellt sind, glaubt Kühnis nicht. Es seien eher «Schweiz-Verbundene», welche die Bergwelt noch als heiligen, idyllischen Rückzugsort betrachten würden, als Urschweiz, ein Überbleibsel aus Heimatfilmen. Und in dieser Vorstellung hat die rot-weisse Fahne einen traditionellen Wert. Er selber, betont Kühnis, sei politisch neutral gesinnt. «Die Flagge bedeutet nicht, dass ich für einen EU-Beitritt bin.»

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«Auf Forno ist der Himmel immer blau.»

Keine Weisung vom SAC

Die Fornohütte gehört der SAC-Sektion Rorschach, Kühnis ist Pächter und kann selber entscheiden, welche Flagge vor seiner Hütte weht. «Vom SAC gibt es keine Weisung und von der Sektion auch nicht», sagt er. Und es sei für ihn trotz der Diskussion kein Thema, die gelb-blaue Flagge auszutauschen. Sie ist sein Markenzeichen geworden, mit dem er auch wirbt. Etwa: «Auf Forno ist der Himmel immer blau» – das sei eine klare Anspielung, sagt er.

Manche finden das «mal was anderes». Für andere ist die himmelblaue Farbe auf dem Stück Stoff im Schweizer Hochgebirge eine Provokation. Wobei die Einstellung keine Frage der Generationen sei, sagt Kühnis. «Dass ältere Bergsteiger konservativer sind als junge, ist ein Vorurteil.»

So sah es früher bei der Fornohütte mit der Schweizer Fahne aus: hier anklicken.

Was ist Ihre Meinung?

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Expedition ins Datengebirge Wikipedia

Natascha Knecht am Mittwoch den 1. April 2015

Von Emil Zopfi*

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Der Alpinismus droht seine Geschichte zu verlieren: Dieses Bild stammt aus den Schweizer Bergen. Mehr ist nicht bekannt.  Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Rentner sollten Freiwilligenarbeit leisten, heisst es. Und so hat sich der Rentner aufgemacht, sein Wissen über die Berge, ihre Besteiger(innen) und Beschreiber(innen) ins Wissen der Welt zu übersetzen, das da heisst: Wikipedia! «Die freie Enzyklopädie», wie sich das Online-Lexikon nennt, ist auch eine Art Gebirge, ein Datengebirge mit über dreissig Millionen Einträgen weltweit. Aufgehäuft von einem Heer von fleissig und freiwillig Daten sammelnden Ameisen.

Den Ausschlag gab eine Bekannte, die über ihren Vater einen Eintrag verfasst hatte. Er war ein Bergsteiger, dessen Namen vergessen ist, der jedoch zur Kletteravantgarde der Nachkriegszeit gehörte und unter anderem die Erstbesteigung des Ruchenfensterturms in den Urner Alpen schaffte.

Alpinismus droht allmählich zu einer geschichtslosen Disziplin zu werden: Speedrekorde und extreme Höchstleistungen auf allen Kanälen, alles andere Schnee von gestern. Man muss nur mal durch alte Kletterführer blättern und sie mit neuen vergleichen. Einst waren es literarisch-kulturelle Werke mit Informationen zu Geschichte, Geografie, Geologie, Pflanzen und Tieren eines Gebiets, dazu mit Beiträgen über Erstbegeher und Erstbegehungen und kunstvoll gestalteten Routenskizzen. Heute muss man froh sein, wenn neben mehr oder weniger sorgfältig ausgearbeiteten Topos die Namen der Erschliesser noch aufgeführt sind, der Vorname nur als Buchstabe, vom Datum allenfalls die Jahreszahl. In der nächsten Ausgabe fehlt dann auch das.

Gratisarbeit in einem Ameisenstaat

Wer kennt noch einen Alfred Amstad, Hans Haidegger, Seth Abderhalden oder John Salathé, wer den Gründer des Schweizer Alpen-Clubs oder prominente Kletterpionierinnen wie Loulou Boulaz, Mäusi Lüthy oder Silvia Metzeltin? Wikipedia? Fehlanzeige – bis vor kurzem. Denn inzwischen hat der Wikipedia-besessene Rentner zugeschlagen, das heisst, einiges nachgetragen. Gut siebzig Beiträge bisher – und die Liste ist noch lang. Viel Gratisarbeit, denn Lohnschreiberei widerspricht der Wikipedia-Ethik.

Eine Expedition ins Datengebirge ist ein harter Lernprozess. Das Gebirge ist ziemlich zerklüftet, die Routenbeschreibungen oft wenig hilfreich. Auf Schritt und Tritt überwachen einen Killerameisen, die sich auf jeden neuen Eintrag stürzen, ihn begutachten, verbessern, verschlimmbessern oder eben killen. Wer Herrscher ist in diesem Schattenreich, ist schwer auszumachen. Es gibt sogenannte Administratoren, die irgendwie gewählt oder auserwählt werden, doch scheint die Wikipedia-Demokratie ähnlich zu funktionieren wie die Befehlskette im Ameisenstaat.

Shitstorm wegen «Kletterclub Üetliberg»

Nun gut, der Rentner hat Glück. Die meisten seiner Einträge sind vom Schattenkabinett der Ameisenkönigin gnädigst für Wikipedia-würdig befunden und stehen gelassen worden. Diskussionen gab es etwa um den Begriff «Goldenes Zeitalter des Alpinismus». Laut hiesigen Alpinhistorikern begann es 1855 mit der Erstbesteigung der Dufourspitze und endete mit dem Matterhorn 1865, was ja eigentlich Sinn macht. Der Versuch, das auch im englischsprachigen Wikipedia zu synchronisieren, wurde mit wüsten Beschimpfungen abgewehrt. Die britischen Mountaineers setzen den Beginn aufs Jahr 1854 und die nicht so bedeutende Viertbesteigung des Wetterhorns durch Sir Alfred Wills und zwei Grindelwalder Bergführer.

Einen veritablen Shitstorm entfachte das Ansinnen, den historisch interessanten «Kletterclub Üetliberg» wikipediamässig zu verewigen. «Nicht relevant!», knurrte ein anonymer Ameisenbär aus der Schweiz, der sich als Experte für Eisenbahnen in der Wiki-Hierarchie hochgedient hatte. Also offenbar als kompetent galt für Fragen des Uetlibergs – da führt ja schliesslich eine Bahn hinauf. Der Eintrag wurde gelöscht. Ein hilfreicher Geist, vermutlich ein Sachse, fand dann doch noch eine salomonische Lösung. Wer sie erfahren will, der google!

Meine Einträge sind hier einsehbar.

SCHRIFTSTELLER, AUTOR,*Emil Zopfi ist Rentner, Schriftsteller und lebt in Zürich. Er ist seit über fünfzig Jahren Bergsteiger und Kletterer. www.zopfi.ch

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Genug von der Ski-Maschinerie

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 26. März 2015

Ein Gastbeitrag von Malin Auras*

Das französisch-schweizerische Skigebiet Les Portes du Soleil gehört mit 200 Bahnen zu den grössten der Welt: Sessellift in Champéry VS. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Das französisch-schweizerische Skigebiet Les Portes du Soleil gehört mit 200 Bahnen zu den grössten der Welt: Sessellift in Champéry VS. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Grösser, schneller, perfekter – in den Skigebieten wird ausgebaut, erweitert, verbunden und modernisiert. Die Lifte werden schneller und komfortabler, die Pisten perfekt und lückenlos beschneit, die Infrastruktur stetig ausgebaut. Ziel ist es, den Skifahrern möglichst bequem Zugang zu möglichst vielen Pistenkilometern zu verschaffen und ein abwechslungsreiches Drumherum zu bieten. Schliesslich sollen die Gäste in der nächsten Saison wiederkommen – und nicht über Langeweile klagen.

Die Möglichkeit, die knappe Ferienzeit effizient zu nutzen, ist das Gebot der Stunde. Man fährt mit den Ski bis vor die Haustüre, entdeckt an einem Tag diverse Täler und Hunderte, perfekt präparierte Pistenkilometer, lässt sich in beheizten Sesselliften kutschieren und hat alle Einkaufsmöglichkeiten und Wellnessangebote vor Ort.

Klein, aber fein

Trotzdem sind wir mittlerweile nur noch in überschaubaren, wenig überlaufenen Skigebieten unterwegs. Mir genügt ein schöner Skiberg mit ein paar guten Abfahrten und möglichst viel unverbautem, abwechslungsreichem Gelände. Ich entscheide mich bewusst für Gebiete, die nicht aus Pistenautobahnen zwischen endlosen Verbindungswegen und -liften bestehen. Mit einer Ski-Infrastruktur, die sich den Bergen anpasst, statt sie zu überlagern. Ein Gebiet, in dem die Kinder noch «Geheimwege» entdecken, Schanzen finden und Tiefschneeabkürzungen ausprobieren können.

Nirgendwo kann ich mich besser entspannen als im Skiurlaub. Gerade im Winter, wenn man viel zu Hause sitzt, bietet das Skifahren die Möglichkeit, den ganzen Tag draussen zu verbringen. Ich tausche den hektischen Alltag gegen die Einsamkeit der Berge, das perfekt Organisierte gegen das Abenteuerliche, industrialisierten Raum gegen möglichst unverbaute Natur.

Erlebnisbremse

Aber wo bleibt das Abenteuer, wenn die Skigebiete immer besser organisiert sind? Wo bleibt da der Kontrast zu unserem perfekt durchgeplanten Alltag? Finden wir die – in unserer Zeit so propagierte – «Entschleunigung» bei immer schnelleren Liften und endlosen Vergnügungsangeboten? Wo bleiben Ruhe und Erholung, wenn sich tausend Leute auf endlosen Pistenautobahnen tummeln? Und was ist mit der Schönheit der Berge, wenn rundherum nur ein konstruierter Mega-Spielplatz zu sehen ist?

Der Gigantismus in den Skigebieten ist gut für die Liftbetreiber, die Gäste anlocken müssen. Gut für die Hoteliers, die ihre Zimmer vermieten wollen. Gut für alle, die vom Fremdenverkehr abhängig sind. Aber ist immer grösser, schneller, perfekter gut für uns Skifahrer? Brauchen wir das wirklich?

Idylle oder Gigantismus: Was suchen Sie in den Skiferien? Sind kleine, unmoderne Skiresorts noch überlebensfähig? Wie stehen Sie zum weiteren Ausbau der Skigebiete?

Malin*Malin Auras ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für das deutsche Skimagazin «Planet Snow». Am liebsten – wenn auch viel zu selten – ist sie auf zwei Brettern in den Schweizer Bergen unterwegs.

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Wildschutz für die Wirtschaft

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 25. März 2015

Ein Gastbeitrag von Dominik Osswald*

Für ihn gibt es laut Bundesgericht immer «andere Orte»: Tourengänger im Wallis, mit Blick auf das Matterhorn. Foto: JM Fumeau (Flickr)

Für ihn gibt es laut Bundesgericht immer «andere Orte»: Tourengänger im Wallis, mit Blick auf das Matterhorn. Foto: JM Fumeau (Flickr)

In Zinal und in Nendaz wurden neue Seilbahnen gebaut. Die Konzessionen dazu erteilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) unter der Bedingung, dass der Kanton Wallis Kompensationsmassnahmen ergreift. Konkret: neue Wildruhezonen. An beiden Orten wurden daraufhin andere Hänge im Tal zu Wildruhezonen erklärt, womit beliebte Touren- und Freeridegebiete von der Landkarte verschwanden. Die lokalen Bergführer und SAC-Sektionen fühlten sich übergangen und zogen den Fall ans Kantonsgericht, das sie abblitzen liess. Weiter gings zum Bundesgericht – auch dort ohne Erfolg.

Der Entscheid lautet: Weder Bergführerverband noch SAC müssen miteinbezogen werden, wenn der Kanton Wallis Wildruhezonen erlässt. Mitreden dürfen nur die lokalen Tourismusvereine. Man kann davon ausgehen, dass das auch für die restliche Schweiz gilt.

Das ist befremdlich. Skigebiete richten einen Umweltschaden an, den jene zu kompensieren haben, die gezielt die Skigebiete meiden wollen. Das Bundesgericht befand, dass die Tourengänger genügend alternative Möglichkeiten hätten. Im Entscheid steht: «(...) ihre Wahl kann ohne weiteres auf andere Orte fallen, ohne dass ihre Freizeitbeschäftigung gefährdet oder stark eingeschränkt wird.» Angesichts der zahlreichen Möglichkeiten in den Bergen tönt das nachvollziehbar.

Wirtschaft, Wohlstand, nicht Naturverbundenheit

Dennoch gibt es einen Denkfehler. Jeder kennt ihn: Man erkläre der Grossmutter, dass ihre Lieblingsbluse morgen in die Kleidersammlung wandert. Man kaufe eine neue. Kann man es verstehen, dass sie das nicht will, weil sie an ihrer Bluse hängt? Rational gesehen, nein. Menschlich gesehen, ja. Und das ist auch die Konstellation, wo Bergsportler und Richter aufeinandertreffen. Das gegenseitige Unverständnis war programmiert. Es verwundert nicht, dass die Gerichte der Ansicht waren, dass die Bergsportler juristisch zu wenig geltend machen konnten, weshalb sie ausgerechnet auf diese Gebiete nicht verzichten können.

Es ist der klassische Interessenkonflikt einer orts- und naturverbundenen Minderheit, die von einem wirtschaftlich motivierten Kollektiv in die Schranken gewiesen wird. Per Kolumbus hat das überall auf der Welt stattgefunden. Spätestens Disney pflanzte uns mit Pocahontas eigentlich das Bewusstsein ein, dass die Sympathie der Minderheit gehört. Doch im echten Leben wollen wir Wirtschaft und Wohlstand, nicht Naturverbundenheit.

Kampf für Gerechtigkeit

Und so wiederholt sich Pocahontas heute unverändert. Zum Beispiel in Malaysia, im Bundesstaat Sarawak. Dort wo unser letzter echter Held, Bruno Manser, sein Leben liess. Er kämpfte um die Regenwälder zusammen mit den einheimischen Indigenen, den Penan. Für Holzproduktion und Palmölplantagen wurde praktisch der ganze Regenwald abgeholzt. Gouverneur Mahmud Taib erteilte Holzschlagkonzessionen – ohne Mitspracherecht der indigenen Minderheiten.

Heute führen Mansers Nachfolger seinen Kampf für Gerechtigkeit fort. Sie helfen den Penan, ihr Anrecht auf den Regenwald vor Gericht geltend zu machen – etwas, das sie bis anhin kaum schafften. Wieso? Das Gericht befand jeweils, dass die Penan nicht begründen konnten, wieso sie nun genau auf diesen oder jenen Urwaldbaum angewiesen waren. Und plötzlich war der Regenwald weg. Dafür gab es Palmölplantagen, Holz für Teakmöbel und eine Menge Geld für den Gouverneur, der seine Entscheide unter dem Deckmantel «Entwicklung des Bundesstaats Sarawak» fällte.

Die Schweizer Verhältnisse mögen heilig sein dagegen. Aber sie sind im Ansatz identisch. Zwar wird hier um Wildschutz gestritten, also eigentlich um das Gegenteil von dem, wonach Mahmud Taib strebt. Doch man darf sich davon nicht täuschen lassen. Man kann es auch beim Namen nennen: Die Entscheide fallen dahin, wo das wirtschaftliche Interesse liegt, egal ob in Malaysia oder in der Schweiz. Palmölplantagen breiten sich auf Kosten der Penan aus. Skigebiete auf Kosten der Tourengänger.

«Wildschutz» heisst der Deckmantel.

Dominik Osswald*Dominik Osswald ist freischaffender Journalist und Alpinist. Er lebt in Basel.

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Sprung vom Kilimandscharo

Natascha Knecht am Mittwoch den 18. März 2015

Am 10. Februar 2015 sprang der Russe Valery Rozov als erster Mensch mit Wingsuit und Fallschirm vom Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. Unser Gastautor Thomas Senf* begleitete das russische Team mit der Kamera:

Wie immer war ich für den Funkverkehr mit dem Bodenpersonal kurz vor dem Absprung zuständig. «Noch eine Minute», sagte ich. Das Zeichen, dass alle Kameras laufen müssen und ab jetzt keine weiteren Anweisungen mehr kommen. «Pray to God, nimm das Mikrofon zur Seite», knarzte es aus dem Funkgerät in meiner Jackentasche. Was zum Geier war da unten los? Doch dafür hatte ich jetzt wirklich keine Zeit mehr. Jeden Moment wird Valery Rozov in seinem Fledermauskostüm als erster Mensch vom Kilimandscharo springen. Für mich als Fotograf bedeutet das, dass ich etwa eine Sekunde Zeit habe, um das Foto zu machen, für das sie mich für zwei Wochen nach Tansania geschickt hatten. Valery begann sein «Ready, set …». «Einen Moment», kam es in gebrochenem Englisch von rechts. Alex hielt seine Videokamera etwas ungläubig vor sich. «Meine Speicherkarte ist voll», sagte er seelenruhig. Solcherlei Lappalien brachten mich schon lange nicht mehr um den Verstand. Schliesslich war ich ja nicht zum ersten Mal mit den Russen unterwegs.

Dabei hatte es für unsere Verhältnisse gar nicht schlecht begonnen. Also gut, eigentlich wären wir schon ein Jahr früher gegangen, aber dann hatte Valery sich beim Skifahren die Hüfte gebrochen. In der Luft bewegt er sich eindeutig besser als im Schnee. Unser nächster Versuch war an der russischen Wirtschaftskrise gescheitert. Solche kleine Auf und Ab gehören aber zu Russland wie Wodka und Stöckelschuhe.

Träume von Surferinnen im Biwak

Am Abend vor meinem Abflug hatte ich alles so weit gepackt. Noch schnell Kreditkarten, Telefon und Pass eingepackt. Pass – wo zum Teufel war der jetzt wieder? Nachdem das Haus zum dritten Mal auf den Kopf gestellt worden war, fing ich an zu überlegen, ob ich mir den Arm brechen solle, um eine plausible Begründung zu haben, wieso ich nicht kommen konnte. Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er lag auf der Gemeindeverwaltung. Nach einem Telefonat, einem Dankesgebet, in einer 500-Seelen-Gemeinde zu wohnen, und einer guten Flasche Wein aus meinem Keller war ich bereit für Afrika.

Als Bergfotograf hatte ich schon in unzähligen kalten Biwaknächten von einem Surf-Shooting geträumt. Umgeben von schönen Frauen im Bikini. Nur um dann doch immer wieder neben bärtigen und übel riechenden Jungs aufzuwachen. Umso mehr schien mein Leben eine glückliche Wendung zu nehmen, als wir von der lokalen russischen Agentur in Empfang genommen wurden. Lange blonde Haare auf noch viel längeren Beinen wehten im Wind wie in einer Folge von Russlands «Next Topmodel». Schon bald hatte ich aber mit meinen wenigen Brocken Russisch verstanden, dass wir statt der Blondine einen jungen Ukrainer als Guide dabeihaben würden.

Wodka als Erste Hilfe

Im dritten Camp auf 4700 m teilte sich unser Team. Die eine Hälfte würde am Wandfuss warten, um den Flug und die Landung von unten zu dokumentieren. Wir wollten weiter zum Gipfel steigen und einen möglichen Absprungplatz suchen. Allerdings vermissten wir noch unseren ukrainischen Freund, der nicht zum Frühstück erschienen war. Plötzliche laute Rufe auf Russisch und eine gewisse Hektik liessen nichts Gutes vermuten. Tatsächlich war er über Nacht schwer höhenkrank geworden und jetzt fast nicht mehr ansprechbar. Zum Glück hatten wir aber wie bei fast allen Expeditionen Sergei, unseren Doktor, dabei. Bis jetzt hatte er mich nur mit Wodka verarztet, das dafür umso regelmässiger und mit wissenschaftlich fundierten Begründungen. Eine Erste-Hilfe-Flasche trägt er stets griffbereit in der Jackentasche. Wider Erwarten stellte ich aber fest, dass er tatsächlich noch über andere Medikamente verfügte. Mit einer gewaltigen Spritze und einem schnellen Abtransport ins Tal wurde Schlimmeres verhindert. Dabei hatte ich schon die Schlagzeile vor mir gesehen: «Russen ermorden Ukrainer am Kilimandscharo». Der weitere Aufstieg verlief weitestgehend ereignislos.

Die Wand mit dem Absprungplatz war vom letzten Camp nur über den höchsten Punkt zu erreichen. So bestiegen wir in den folgenden drei Tagen den Gipfel fünfmal. Damit sorgten wir für einige Verwirrung am Gipfelkreuz. Immer wieder stiegen wir über eine schuttbedeckte Flanke zum Gipfel, um auf der anderen Seite des Berges wieder zu verschwinden, ohne auch nur den Kopf zu heben. Zurück blieben ein paar verdutzte Gesichter von Gipfelstürmern, welche sich mit Tränen in den Augen in den Armen lagen und fleissig Selfies schossen.

Pray to God

Und jetzt standen wir also hier am Absprung und wechselten erst einmal die Speicherkarte von Alex’ Videokamera. Damit waren alle Sorgen gelöst, und Valery flog einem Vogel gleich dem tansanischen Dschungel entgegen. Stunden später im Camp am Wandfuss, mit der letzten verbliebenen Erste-Hilfe-Flasche des Doktors, löste sich auch noch der rätselhafte Funkspruch auf. Pray to God war der Name des Trägers, der mit einem Kameramann mit einem riesigen Objektiv weiter unten am Berg unterwegs war. Fasziniert von der Technik und der bevorstehenden Action, hielt er das ganze Material fest umklammert und verhinderte damit die freie Bewegung der Kamera. Ein Totalausfall der alles entscheidenden Aufnahme war damit programmiert. Nur die volle Speicherkarte 1500 Meter weiter oben am Berg sorgte für genug Zeit, um die missliche Situation zu lösen.

Alles in allem ein Trip ohne erwähnenswerte Vorkommnisse mit meinen russischen Freunden.

Thomas Senf*Thomas Senf ist Fotograf, Alpinist und diplomierter Bergführer. Mit Freunden gelang ihm u. a. die Erstbegehung der Nordwand am Arwa Tower und der Route Harvest Moon am Thalay Sagar in Indien. Mit der Kamera begleitet er Extremkletterer auf Expeditionen in der ganzen Welt. Er lebt bei Interlaken BE. www.thomassenf.ch

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Kanonenweisse Pisten

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 12. März 2015

Gastbeitrag von Malin Auras*

(Keystone/Alessandro Della Bella)

Perfekte Pisten dank Kunstschnee: Schneekanone in Arosa. (Keystone/Alessandro Della Bella)

Es ist schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Es war der wahrscheinlich schneeärmste der schneearmen Winter Anfang der 90er. Ich sehe uns noch ganz genau auf der grauen Steintreppe unserer Schule sitzen – schluchzend vor Enttäuschung. Eine Gruppe 14-jähriger Mädchen, die Gold-Mädchen der Landesmeisterschaft vom Vorjahr, die Skilanglauf-Mannschaft unserer Kleinstadtschule. Und das alles nur, weil die Schul-Skiwettkämpfe im Langlauf wegen Schneemangel abgesagt werden mussten.

Das kann uns heute nicht mehr passieren. Die Schneekanonen werdens richten. Wenn wir alljährlich an Silvester in den Skiurlaub fahren, werde ich schon längst nicht mehr unruhig, wenn kurz vor Weihnachten die Webcam noch grüne Bilder zeigt. Klar, toll ist das nicht, aber irgendwas geht immer.

Dieses Jahr gab es dann aber trotzdem Tränen – bei den Kindern. Dabei war eigentlich alles perfekt. Wir kamen gleichzeitig an. Wir und 1 Meter wunderbarer, lockerer, glitzernder Neuschnee. Das Original von Frau Holle. Ein Traum! Bei der Talabfahrt war dann aber Schluss mit lustig: Die Schneekanonen liefen auf Hochtouren, um zusätzlichen Schnee zu produzieren. Statt mit feinem, weichem Neuschnee wurden wir auf der Talabfahrt mit eisigem Kunstschnee konfrontiert. Das Schlimmste war aber der künstliche Schneesturm, der in den Kindergesichtern wie Nadeln stach und auf den Skibrillen eine dünne Eisschicht hinterliess, die kaum mehr wegzuwischen war. Das Ergebnis: Tränen statt Traumabfahrt.

Waren es früher einzelne, stark beanspruchte Stellen, die mit Schneekanonen fahrbar gemacht wurden, können heutzutage bis zu 100 Prozent der Pisten beschneit werden. Schneeproduzent – bestimmt gibt es dieses Berufsbild schon. Letztens habe ich sogar gelesen, dass mittlerweile satellitengestützte Systeme den Einsatz des teuren Kunstschnees noch effizienter gestalten. Die Pistenraupe erkennt die Dicke der Schneedecke und identifiziert genau diejenigen Stellen, an denen noch was fehlt vom kostbaren Weiss. Das reduziert die Schneeproduktion und damit den Energie- und Trinkwasserverbrauch. Klingt super. In der Theorie.

In der Praxis wird aber immer mehr beschneit, mehr Berglandschaft «umgebaut», um Speicherteiche zu schaffen, Leitungen zu verlegen, Strom zu erzeugen und Trassees anzulegen. Die technische Schnee-Erzeugung ist ein immenser Eingriff in die Natur. Wollen wir, dass aus den unberechenbaren Bergen ein industriell durchorganisierter Vergnügungspark wird? Wollen wir, dass die Bedingungen immer mindestens okay sind? Der Skiurlaub vollständig planbar? Sicherheit statt Naturerlebnis? Der nächste Schritt wäre dann eine Überdachung der Pisten – neben dem Schnee ist ja auch das Wetter ein ziemlicher Unsicherheitsfaktor. Dann wäre es in den Bergen beinahe so kalkulierbar und langweilig wie in einer Skihalle. Mir jedenfalls ist ein Skiurlaub mit echtem Schnee lieber – trotz der möglichen Enttäuschung, wenn die Verhältnisse schlecht sind. Dafür freut man sich dann doppelt über jeden Zentimeter Neuschnee!

Was halten Sie von der künstlichen Beschneiung von Skipisten? Würden Sie auch weniger perfekt präparierte Pisten akzeptieren? Planen Sie Ihren Skiurlaub oder Ihre Skiausflüge lange im Voraus, oder gehören Sie eher zu den Kurzentschlossenen?


Bestritten, aber weit verbreitet: Schneekanonen. (Welt der Wunder/Youtube)

Malin*Malin Auras ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für das deutsche Skimagazin «Planet Snow». Am liebsten – wenn auch viel zu selten – ist sie auf zwei Brettern in den Schweizer Bergen unterwegs.

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Splitboard? Eine geteilte Freude

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 11. März 2015

Ein Beitrag von Jost Fetzer*

Tipps und Tricks im Umgang mit dem Splitboard. Video: Vimeo.

Der Trend kann nicht mehr übersehen werden, denn plötzlich sind sie auf allen Bergspitzen anzutreffen. Wie früher in den 80ern, als plötzlich jeder Hipster einen Monoski fuhr, oder in den 90ern, als ganze Horden von Big-Foot-Fahrern die Après-Ski-Bars bevölkerten und so schnell wieder verschwanden, wie sie aufgetaucht waren.

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Halb Board, halb Ski. Bild: Flick.com

Das wirklich heisse Gerät des aktuellen Jahrzehnts aber nennt sich Splitboard: ein längs teilbares Snowboard, das mit entsprechender Bindung und Fellen das Touren wie auf Ski erlauben soll. Bereits Ende des letzten Jahrtausends tauchten Berichte auf über das Board, das die unendliche Freiheit verspricht. Und ebenso lange hält sich das Gerücht, dass ein zersägtes Snowboard nicht doppelte Freude bedeutet, sondern doppeltes Leid. Unterdessen sollen die Splitboards und die Bindungssysteme jedoch so weit ausgereift sein, dass sich selbst ein Skeptiker die Frage stellen muss: Kann das Splitboard die Schneeschuhe ablösen?

Eine Meinung muss her und ein Splitboard! Letzteres kann bei der Zürcher Manufaktur Radical gemietet und ausgiebig getestet werden. Der erste Eindruck ist durchwegs positiv: Die Verarbeitung ist top, die beiden Bretthälften lassen sich passgenau und leicht zusammenfügen, und die montierte Spark-Bindung ist überraschend steif. Auch das Systemgewicht von knapp 6 kg inklusive Fellen ist akzeptabel für ein Brett von 166 cm Länge.

Am Pizol erwarten mich ideale Testbedingungen: Neuschnee, Wind, Wolken und keine Spur auf den Gipfel. Im Aufstieg bis zur Wildseeluggen gewöhne ich mich an die überdimensionierten Ski mit 132 mm unter der Bindung. Die erste Herausforderung ist die kurze Abfahrt mit offener Bindung und Fellen runter zum Wildsee. Ein Umrüsten des Boards für diese kurze Strecke lohnt sich nicht, doch die Fahrt wird kein Vergnügen. «1:0 für die Schneeschuhe», denke ich und ziehe meine Spur über den tief verschneiten See hoch zum Gletscher. Hier spielt das Splitboard seine Trümpfe aus: Kraftsparend gleiten die zwei Hälften über den unberührten Pulverschnee. Mit Schneeschuhen wäre das Spuren eine Qual.

Nebel zieht auf, es beginnt zu schneien, und der Gletscher wird steiler. Beim Traversieren finden die Ski selbst im Neuschnee nur schlecht Halt: Der Kantendruck ist schwach, zu breit sind die Ski und zu indirekt ist die Kraftübertragung von Softboot und -bindung. Am 30 Grad steilen Gipfelhang helfen zuerst noch die Harscheisen. Die Zacken der Schneeschuhe würden locker greifen, die breiten Harscheisen des Splitboards hingegen versagen ihren Dienst im abgeblasenen Hang. Das Vertrauen ins Splitboard schwindet, also kommt das Brett auf den Rücken, und die letzten Höhenmeter bis zum Skidepot müssen zu Fuss zurückgelegt werden.

Noch nicht ganz überzeugt stehe ich auf dem Pizol und baue das Board zusammen. Selbst mit Handschuhen dauert der Umbau nur ein paar Minuten. Nun muss mich die Abfahrt überzeugen, oder das Thema Splitboard ist ein für alle Mal erledigt. Und siehe da, im Tiefschnee spielt das Brett seine Stärken aus, fährt spielerisch und doch mit Biss und hat Auftrieb ohne Ende.

Versöhnt biege ich zum Schluss der Tour auf die Skipiste ein. Vermag das Splitboard auch auf hartem Schnee zu überzeugen? Der Schnitt längs durch das Brett lässt die Nose bei höheren Tempi flattern, und folglich ist der Kantengriff weniger präzis und aggressiv als bei einem vergleichbaren Brett. Ist das Splitboard ein klassisches Zweitboard? Wahrscheinlich ja, doch wer erst mal mit Snowboardtouren angefangen hat, der wird nicht mehr häufig auf die Piste zurückkehren – egal ob mit Splitboard oder mit Schneeschuhen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Splitboards, oder sind Sie ebenfalls überzeugter Schneeschuh-Snowboarder?

jost *Jost Fetzer ist Bildredaktor beim «Tages-Anzeiger» und passionierter Berggänger.

Outdoor

Eisiger Thriller in der Eigernordwand

Natascha Knecht am Mittwoch den 4. März 2015
Luftige Kletterei: Dani Arnold und sein Sicherungspartner Mario Fullin.

Dani Arnold realisiert die erste Winterbegehung der alpinen Sportkletterroute «Deep Blue Sea» am Genferpfeiler in der Eigernordwand. Links im Bild sein Sicherungspartner Mario Fullin.

Für Kinogänger ist «Deep Blue Sea» ein Horrorthriller. Kletterer dagegen kennen «Deep Blue Sea» als ausgesetzte, sehr steile, anhaltend schwere und sparsam abgesicherte Sportklettertour am Genferpfeiler in der Eigernordwand. Begangen wurde diese 320 Meter lange Route im Schwierigkeitsgrad 7b+ bisher nur im Sommer. Denn selbst an Hitzetagen, wenn das Thermometer im Flachland über 30 Grad Celsius anzeigt, muss man sich hier warm anziehen.

Der Urner Extremalpinist Dani Arnold (31), der sich dort am wohlsten fühlt, wo andere vor Kälte schlottern, hat nun die erste Winterbegehung von «Deep Blue Sea» realisiert. Am 12./13. Februar 2015 kletterte er die neun Seillängen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Kletterfinken und ohne Handschuhe.

Zwei Tage lang gefroren: Dani Arnold.

Zwei Tage lang gefroren: Dani Arnold.

Mit Socken in die Kletterfinken: Warm wurde es trotzdem nicht.

Mit Socken in die Kletterfinken: Warm wurde es trotzdem nicht.

Dani Arnold, was war Ihre Motivation, «Deep Blue Sea» im Winter anzugehen?
Für mich war es ein Test für künftige Expeditionen. Ich wollte wissen, wie schwer ich in dieser Kälte klettern kann.

Diesen Test hätten Sie auch im Klettergarten machen können.
Klar, aber das wäre mir zu langweilig gewesen. Widrige Bedingungen reizen mich mehr. Der Genferpfeiler ist sehr eindrücklich, man hat schon ab der ersten Seillänge einige Hundert Meter Tiefe.

Wie erreicht man den Einstieg von «Deep Blue Sea» im Winter?
Gleich wie im Sommer. Mit dem Unterschied, dass wir mit den Schneeschuhen von der Station Eigergletscher die Westflanke hochgestiegen sind und dass wegen der hohen Wechten die Abseilstelle etwas schwierig zu finden war.

Die Abseilstelle?
Ja, in gut 3000 Meter Höhe seilt man vom Westgrat etwa 100 Meter in die Nordwand ab und quert dann über ein Felsband hinüber zum Einstieg von «Deep Blue Sea».

Wie lief dann die Kletterei?
Die ersten drei Seillängen (6b+/7a) sind recht einfach. Dann folgt die Schlüsselseillänge (7b+). Am Anfang und am Ende ist sie technisch, das heisst kleine Griffe von etwa 1 Zentimeter. Dazwischen befinden sich zwei boulderartige Stellen, die Kraft erfordern. Diese haben noch gut funktioniert, beim letzten Zug bin ich jedoch aus der Route geflogen. Ich habe dann noch zweimal versucht, diese Seillänge rotpunkt zu klettern, also sturzfrei. Aber ich hatte keine Chance mehr.

Weshalb? Sie klettern 8b-Routen, also einiges schwieriger.
Weil der Fels sehr kalt war und es sich unter den Fingern wie Kondensat anfühlte, klammerte ich wohl etwas zu hart, was in die Unterarme geht. Sie pumpten jedenfalls, und mit meiner Maximalkraft war es vorbei. Zudem erzeugen die Kletterfinken an so kaltem Kalkstein bedeutend weniger Reibung. Insgesamt ist diese Seillänge etwa 25 bis 30 Meter hoch und beinhaltet etwa 2 bis 3 Meter Überhang.

War die Kälte ohne Handschuhe und in Kletterfinken überhaupt auszuhalten?
Sie war das Problem der ganzen Begehung. Am Anfang half es noch, die Arme zu kreisen und zu schütteln. Aber irgendwann waren die Finger so kalt, dass auch das nichts mehr nützte. Nach jeder Seillänge wechselte ich von den Kletterfinken in die Bergschuhe, bis mein Sicherungspartner Mario Fullin ebenfalls aufgestiegen war. Er hatte die Bergschuhe immer anbehalten, arbeitete sich mechanisch am Seil hoch. Insgesamt bekamen wir das ganze Kälteprogramm zu spüren.

Sie biwakierten in der Wand im Portaledge, einer portablen Liege. Warum? Normalerweise dauert die Kletterei für «Deep Blue Sea» sieben Stunden.
In dieser Kälte klettert man deutlich langsamer als im Sommer, und die Tage sind kürzer. Das Portaledge schlugen wir nach der 4. Seillänge auf. Während wir uns einrichteten, kam die Sonne für 15 Minuten. Das war wunderschön, dafür kühlte es danach umso mehr ab.

Schliefen Sie gut?
Nein. Den Rucksack mit der Verpflegung und das Portaledge zogen wir, wie beim Big-Wall-Klettern typisch, am Seil hoch. Um Gewicht zu sparen, nimmt man nur das Nötigste mit. Darum verzichteten wir auch auf Isoliermatten und lagen direkt auf dem dünnen Nylon des Portaledge. Weil das Körpergewicht die Daunen der Schlafsäcke komprimierte, wurde es von unten sehr kalt. Das war mühsam, wir froren die ganze Nacht, obschon es nur etwa minus 5 Grad war.

Ein Portaledge für zwei Personen und schöne Ausicht auf die Grosse Scheidegg und das Wetterhorn (rechts).

Schlafen mit Aussicht: Ein Portaledge für zwei Personen, Panorama mit Grindelwald, Grosser Scheidegg und Wetterhorn (rechts).

Am nächsten Morgen ging es gleich mit zwei 7a+-Seillängen weiter, gefolgt von einer 7b+.
Es war ein Kaltstart. Ohne Möglichkeit zum Aufwärmen. Meine Hände und Füsse waren von der Nacht unterkühlt. Als ich loskletterte, wurde ich aber erstaunlich schnell warm. Weil mir wegen des Sturzes am Vortag die Rotpunktbegehung bei diesem Versuch sowieso nicht gelungen war, machte ich schnell vorwärts, kletterte von Haken zu Haken.

Insgesamt klingt dieses Abenteuer nach vielen Stunden des Leidens. Würden Sie die Tour wiederholen?
Ja, unbedingt. Ich war jetzt der Erste, der «Deep Blue Sea» im Winter versucht hat. Die Begehung ist mir gelungen, aber ich möchte die Route noch sturzfrei klettern.

Damit es als erste Winter-Rotpunktbegehung gilt, müssten Sie das bis zum 21. März schaffen.
Ich hoffe, dass die Verhältnisse in der Wand bis dahin nochmals stimmen und ich mir dann auch zwei Tage freinehmen kann.

Haben Sie keine Angst, dass Ihnen ein anderer zuvorkommt?
Möglich ist alles. Aber es würde der Kletterethik widersprechen. In der Szene weiss man nun, dass ich mir dieses Ziel gesetzt habe. Es ist unüblich und nicht kameradschaftlich, jemandem ein Projekt wegzuschnappen. Anders sieht die Sache aus, sollte ich es in diesem und nächsten Winter nicht schaffen. Und selbst dann darf man davon ausgehen, dass der Anwärter oder die Anwärterin mich erst kontaktieren würde.

Tipp: Extremalpinist Dani Arnold tourt derzeit mit seiner Vortragsreihe «Der Grenzgänger» durch die Schweiz. Am Montag, 16. März 2015, um 19.30 Uhr im Volkshaus Zürich. Tickets und Infos: www.explora.ch / daniarnold.ch


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