Ein Blog von Siri Schubert*
Schweizer als Ski- und Snowboardlehrer? Klar. Schweizer als Surflehrer? Hmm, nicht so selbstverständlich. Dennoch ist auf fast jeder Welle, egal ob in Europa, Australien, oder Asien, ein Schweizer Akzent zu hören, auch wenn er durch Englisch, Spanisch oder Französisch maskiert wird. Und in Galizien in Spanien eröffnet gerade das schweizerisch-deutsche Surfcamp Waverocker. Organisatoren sind der in Nebikon im Kanton Luzern aufgewachsene Tom Egli sowie Bernd Geissler und Ines Ruetz aus Deutschland, die auf der Suche nach der perfekten Welle ihre Ozean-armen Heimatländer zumindest vorübergehend hinter sich gelassen haben. Sie wollen nicht nur selbst surfen, sondern ihre Begeisterung für den Sport auch anderen vermitteln.
Ich habe die drei in der Atlantic Surf Lodge in Vieux-Boucau-les-Bains in Frankreich getroffen, einem kleinen Ort mit langem Sandstrand zwischen Bordeaux und Biarritz. Dort fand gerade der NARS Surf Coach Lifesaver Award Kurs statt, ein Ozean-Lebensrettungskurs, den Surflehrer alle zwei Jahre wiederholen müssen, um ihre Akkreditierung zu behalten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin die einzige Nicht-Surferin im Kurs. Aber als Stand-up-Paddlerin und Instruktorin möchte ich so viel wie möglich über Wasserrettung lernen, weil es Sicherheit gibt, interessant ist und mich Meer und Wellen einfach faszinieren.
Die Sehnsucht nach dem Meer
Immer wieder müssen wir die Abläufe für das Retten von Ertrinkenden, bewusstlosen Erwachsenen und Kindern üben und zudem demonstrieren, wie wir mit und ohne Soft-Boards Ertrinkende aus dem Meer ziehen können. Ausserdem wird Theorie gepaukt und die Fitness mit Lauf- und Schwimmtest bewertet. Am Ende steht eine Prüfung und Assessor Dean Gough, Instruktor, Lifeguard und Surflehrer aus Wales, schaut genau hin, dass keine Fehler passieren. Denn die Routinen müssen sitzen, auch und gerade wenn es stressig wird. Am nächsten Tag geht es für die Teilnehmer, die noch keine Surflehrer-Akkreditierung von der International Surfing Association haben, weiter. Sie paddeln schon um 6:30 Uhr morgens im Neoprenanzug für ihre erste Lektion durch unruhige Wellen und kaltes Wasser, selbst wenn die Bedingungen durch starken Wind alles andere als ideal sind.
Zugegeben, ich bin überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit die Teilnehmer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, die alle nicht am Meer aufgewachsen sind, durch die brechenden Wellen schwimmen, paddeln oder tauchen, Strömungen erkennen und auch richtig schwierige Wellen mit ihren Surfboards erwischen. Meine Einschätzung: Auch wenn sie nicht am Meer aufgewachsen sind, könnte man sie fast für Einheimische halten. Noch überraschter war ich, als ich erfuhr, dass die meisten der Teilnehmer nicht als Dreijährige von ihren Eltern in den Mini-Neoprenanzug gesteckt und aufs Surfbrett gestellt wurden, sondern sich den Surf-Virus erst als Jugendliche eingefangen haben. Seither haben sie alles darauf ausgerichtet, so viel Zeit wie möglich am Meer zu verbringen, bei jedem Praktikum und jedem Studienaufenthalt zählte nur das Kriterium: Gibt es dort gute Wellen?
Nun scheint die Sehnsucht nach dem Meer in der Schweiz besonders verbreitet. Jodie Winkler, Managerin der Atlantik Surf Lodge zählt viele Schweizer zu ihren Gästen und zwei der Mitarbeiter stammen aus Bern. «Was Trendsportarten angeht, sind die Schweizer immer vorne mit dabei,» sagt sie. «Sie sind einfach sehr aufgeschlossen.» Als Wassersportlerin kann ich die Sehnsucht nach dem Meer gut verstehen, auch ich versuche, so oft wie möglich ans Meer zu kommen. Doch natürlich frage ich mich, wo sie herkommt, denn in der Schweiz gibt es genug Möglichkeiten, auch ohne Meer einen richtigen Adrenalin-Kick zu bekommen. Was meinen Sie?
*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.























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