Blogs


Autorenarchiv

Wellen statt Berge

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 14. Mai 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Schweizer als Ski- und Snowboardlehrer? Klar. Schweizer als Surflehrer? Hmm, nicht so selbstverständlich. Dennoch ist auf fast jeder Welle, egal ob in Europa, Australien, oder Asien, ein Schweizer Akzent zu hören, auch wenn er durch Englisch, Spanisch oder Französisch maskiert wird. Und in Galizien in Spanien eröffnet gerade das schweizerisch-deutsche Surfcamp Waverocker. Organisatoren sind der in Nebikon im Kanton Luzern aufgewachsene Tom Egli sowie Bernd Geissler und Ines Ruetz aus Deutschland, die auf der Suche nach der perfekten Welle ihre Ozean-armen Heimatländer zumindest vorübergehend hinter sich gelassen haben. Sie wollen nicht nur selbst surfen, sondern ihre Begeisterung für den Sport auch anderen vermitteln.

Ich habe die drei in der Atlantic Surf Lodge in Vieux-Boucau-les-Bains in Frankreich getroffen, einem kleinen Ort mit langem Sandstrand zwischen Bordeaux und Biarritz. Dort fand gerade der NARS Surf Coach Lifesaver Award Kurs statt, ein Ozean-Lebensrettungskurs, den Surflehrer alle zwei Jahre wiederholen müssen, um ihre Akkreditierung zu behalten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin die einzige Nicht-Surferin im Kurs. Aber als Stand-up-Paddlerin und Instruktorin möchte ich so viel wie möglich über Wasserrettung lernen, weil es Sicherheit gibt, interessant ist und mich Meer und Wellen einfach faszinieren.

Die Sehnsucht nach dem Meer

Immer wieder müssen wir die Abläufe für das Retten von Ertrinkenden, bewusstlosen Erwachsenen und Kindern üben und zudem demonstrieren, wie wir mit und ohne Soft-Boards Ertrinkende aus dem Meer ziehen können. Ausserdem wird Theorie gepaukt und die Fitness mit Lauf- und Schwimmtest bewertet. Am Ende steht eine Prüfung und Assessor Dean Gough, Instruktor, Lifeguard und Surflehrer aus Wales, schaut genau hin, dass keine Fehler passieren. Denn die Routinen müssen sitzen, auch und gerade wenn es stressig wird. Am nächsten Tag geht es für die Teilnehmer, die noch keine Surflehrer-Akkreditierung von der International Surfing Association haben, weiter. Sie paddeln schon um 6:30 Uhr morgens im Neoprenanzug für ihre erste Lektion durch unruhige Wellen und kaltes Wasser, selbst wenn die Bedingungen durch starken Wind alles andere als ideal sind.

Zugegeben, ich bin überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit die Teilnehmer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, die alle nicht am Meer aufgewachsen sind, durch die brechenden Wellen schwimmen, paddeln oder tauchen, Strömungen erkennen und auch richtig schwierige Wellen mit ihren Surfboards erwischen. Meine Einschätzung: Auch wenn sie nicht am Meer aufgewachsen sind, könnte man sie fast für Einheimische halten. Noch überraschter war ich, als ich erfuhr, dass die meisten der Teilnehmer nicht als Dreijährige von ihren Eltern in den Mini-Neoprenanzug gesteckt und aufs Surfbrett gestellt wurden, sondern sich den Surf-Virus erst als Jugendliche eingefangen haben. Seither haben sie alles darauf ausgerichtet, so viel Zeit wie möglich am Meer zu verbringen, bei jedem Praktikum und jedem Studienaufenthalt zählte nur das Kriterium: Gibt es dort gute Wellen?

Nun scheint die Sehnsucht nach dem Meer in der Schweiz besonders verbreitet. Jodie Winkler, Managerin der Atlantik Surf Lodge zählt viele Schweizer zu ihren Gästen und zwei der Mitarbeiter stammen aus Bern. «Was Trendsportarten angeht, sind die Schweizer immer vorne mit dabei,» sagt sie. «Sie sind einfach sehr aufgeschlossen.» Als Wassersportlerin kann ich die Sehnsucht nach dem Meer gut verstehen, auch ich versuche, so oft wie möglich ans Meer zu kommen. Doch natürlich frage ich mich, wo sie herkommt, denn in der Schweiz gibt es genug Möglichkeiten, auch ohne Meer einen richtigen Adrenalin-Kick zu bekommen. Was meinen Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Mit Krafttraining zu mehr Ausdauer

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 9. Mai 2013

Ein Gastblog von Yvonne Störzer*

Starkes Stück: Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy, die späteren Gesamtsieger des 698-Kilometer-Rennens Cape Epic, in einem Tunnel auf der 6. Etappe. (Bild: Keystone, 23. März 2013)

Starkes Stück: Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy, die späteren Gesamtsieger des 698-Kilometer-Rennens Cape Epic, in einem Tunnel auf der 6. Etappe. (Bild: Keystone, 23. März 2013)

Geht nicht! Das denken sich die meisten Menschen, wenn es darum geht, Kraft- und Ausdauersport zu kombinieren. Das mag daran liegen, dass Kraftsport oft mit Gewichtheben und Bodybuilding assoziiert wird. Zu viele Muskeln und damit zusätzliches Gewicht sollten insbesondere ambitionierte Ausdauer-Mountainbiker tunlichst vermeiden. Gezielt eingesetztes Krafttraining kann jedoch auch die Leistungsfähigkeit von Ausdauersportlern verbessern. Ich spreche aus eigener (positiver) Erfahrung.

Ausdauersportler sollten das gewohnte Ausdauertraining um ein gezieltes Kraft- und Beweglichkeitsprogramm ergänzen, um stärker zu werden. Wichtig bei diesem Programm ist, dass die Bewegungen mit hoher Intensität und ohne Pausen ausgeführt werden. Oberstes Ziel ist es, gleichzeitig Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer zu trainieren. Neben der Leistungssteigerung tritt ein positiver Nebeneffekt ein: Mehr Abwechslung im bisweilen tristen Trainingsalltages eines Ausdauersportlers.

Übungen für überall

Wie aber kann ein solches Kraft- und Beweglichkeitstrainings aussehen? Das Gute an diesem Trainingskonzept ist, dass mit wöchentlich zwei zusätzlichen Trainingsstunden bereits bedeutende Leistungssteigerungen erzielt werden können. Hierfür braucht man sich auch nicht an irgendwelche Kraftmaschinen abzumühen. Zahlreiche Übungen können jederzeit und überall ausgeführt werden.

Ein konkretes Beispiel für einen sinnvollen Workout: 21 Liegestützen, 21 Burpees, 21 Kniebeugen. Danach ist allerdings noch längst nicht Schluss, denn dann wird diese Abfolge 15 bis 20 Minuten lang wiederholt (je nach gewünschter Intensität auch länger). Sie sind nicht beeindruckt? Probieren Sie es aus und Sie werden sehen, dass die Übungen sehr anstrengend sein können und manch einer – schneller als ihm lieb ist – seine persönlichen Limiten erreicht.

Der Körper passt sich an

Die berechtigte Frage sei gestellt: Weshalb plötzlich so kurze Trainingseinheiten, wenn Ausdauerathleten doch üblicherweise sich stundenlang auf ihren Mountainbikes abmühen? Die Antwort liefern neueste Studienergebnisse, die bewiesen haben, dass sich der Körper dank solch ungewohnt starker Trainingsanreize viel schneller anpasst als bei einer dreistündigen Trainingsausfahrt.

Neben den bereits erwähnten Übungen setze ich persönlich beispielsweise auch Langhanteln mit den entsprechenden Gewichten ein. Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht, dass die Gewichte so gewählt werden, dass ich nach rund fünf Wiederholungen an meine Grenzen komme. Gewichtheben mit leichteren Gewichten, kurzen Pausen zwischen den Sets und folglich vielen Wiederholungen verändern zwar die Muskelform/-grösse, aber sie helfen nicht, schnellere und kräftigere Muskelkontraktionen zu fördern.

Die richtigen Reize

Nehmen wir als Beispiel zwei gleiche Mountainbiker, die sich nur hinsichtlich der Muskelkraft unterscheiden – der stärkere Läufer wird über jede Distanz besser sein. Wenn der eine Läufer beispielsweise 10 Prozent mehr Gewicht bei den Kniebeugen mit einer Langhantel heben kann, dann müssen die Muskeln nicht so stark arbeiten, um den Körper in Bewegung zu bringen. Daraus schliesse ich, dass er auch als Ausdauersportler bessere Ergebnisse erzielen wird. Müssen Muskeln nicht so hart arbeiten, dann benötigen sie auch weniger Sauerstoff, was folglich als Kombination verschiedener Faktoren auch zu einem tieferen Puls führt.

Letztlich geht es darum, mittels Kraft- und Beweglichkeitstrainings die richtigen Reize zu setzen, um optimale Trainingserfolge zu erzielen. Dabei sollte keinesfalls vergessen gehen, den ganzen Körper einschliesslich Rumpf und Oberkörper zu trainieren und nicht bloss auf die Beine zu fokussieren. Ausdauertraining und Krafttraining schliessen sich also nicht aus, sondern gehören zwingend zusammen.

Was halten Sie vom Konzept, mittels Krafttraining die Ausdauerleistung zu verbessern? Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Autorin? Wie machen Sie sich fit für die grossen Mountainbiketouren?

*Yvonne Störzer ist leidenschaftliche Rennvelofahrerin, Bikerin und Läuferin. Um Bestleistungen erbringen zu können, befasst sie sich vor allem auch mit der Ernährung, die einen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.

Mehr Experimente bitte!

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 9. April 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Dieser Winter war sehr ungewöhnlich. Nicht nur, weil er gefühlt immer noch andauert, sondern weil ich von Januar bis März auch anders trainiert habe als sonst. In den vergangenen Jahren hatte ich Anfang April sicher schon 600 bis 700 Kilometer im Kajak zurückgelegt, auch Krafttraining und Joggen standen zumindest teilweise auf dem Trainingsplan. In diesem Jahr waren es bisher gerade mal 200 Kilometer im Kajak, noch nicht richtig viel, finde ich. Allerdings sind Langstreckenfahren bei Kälte und Nässe nicht besonders produktiv, weil sich die Muskeln schneller verkrampfen und Dauererkältungen der Fitness auch nicht besonders zuträglich sind.

Aber viel wichtiger war: Ich wollte mal wieder etwas Neues ausprobieren. Zu viel Routine ist einfach nicht meine Sache. Also ersetzte ich das Krafttraining und Joggen durch Schwimmen und Paddeln auf dem Stand-up-Paddleboard (SUP). Meine Trainingsphilosophie: das Lustprinzip. Wenn ich Lust hatte, Schwimmen zu gehen, drehte ich meine Runden im Schwimmbad, wenn mir nach Stand-up-Paddeln war, machte ich eben das.

Dass ich das Glück hatte, noch eine Woche auf Fuerteventura in der Wärme auf dem Stand-up paddeln zu können, machte das neue Trainingsprogramm nur besser. Und beim kurzen Osterurlaub am Luganer See war das Training im Kajak oder auf dem SUP schon allein wegen der wunderschönen Landschaft ein absoluter Genuss.

Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass ich einen recht ausgeprägten Bewegungsdrang habe: Lustprinzip heisst bei mir deshalb selten, auf dem Sofa sitzen und Schoggi essen, sondern eher, mich irgendwie zu bewegen, am liebsten draussen – auch wenn ich der Schoggi oder den Gummibärchen hinterher auf jeden Fall etwas abgewinnen kann.

Aber alles in allem bleibt meine Trainingsmethode ein Experiment. Schliesslich will ich in diesem Jahr ein paar anspruchsvolle Langstreckenrennen fahren und ob die Vorbereitung reicht, muss sich zeigen. Ich fühle mich fit und denke, dass ich von der Grundlagenausdauer genau dort bin, wo ich sein sollte, aber kann ich mich auf mein Gefühl verlassen?

Ich konnte es nicht erwarten, zu testen, wo ich denn nach dem Winter in Sachen Fitness und Kondition so stehe. Eigentlich war mein erstes Rennen der Saison erst für den 20. April geplant, aber als ein Freund vergangene Woche ein Mail schickte mit der Frage, ob ich beim Zeitfahren beim WSV Schwörstadt mit dabei sei, entschloss ich mich spontan, mitzumachen. Rund 12 Kilometer lang war die Strecke und es war ein Massenstart für alle Bootsklassen, also für Einer- und Mannschafts-Outrigger sowie für Einer-, Zweier, und Viererkajaks geplant (siehe Video unten).

Ich war ziemlich nervös, nicht so sehr, weil ich mir um die Zeit Sorgen machte, sondern eher, weil 12 Kilometer ziemlich unangenehm werden können, wenn man nicht fit ist oder sich die Strecke nicht richtig einteilt. Dennoch fuhr ich relativ zügig vom Start weg und versuchte ein gutes Streckentempo zu halten. Schon nach den ersten paar Hundert Metern merkte ich, dass es gut lief. Es machte einfach einen Riesenspass, mich auf dem Wasser mal wieder so richtig auszutoben – mit anderen, denen die knapp 3 Grad Kälte auch nichts ausmachten und die auch Spass am Langstreckenfahren haben. Nach der Wendeboje nach 6 Kilometern spürte ich keinen grossen Energieverlust und konnte mit einem für mich guten Tempo weiterfahren. Als ich dann nach dem Rennen noch meine Zeit erfuhr, war ich ganz zufrieden: Experiment geglückt, der Bruch mit der Routine scheint sich auszuzahlen. Ich  werde weiter auf Experimente setzen.

Und Sie? Was machen Sie, um Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen? Welche Experimente sind geglückt? Oder haben Sie auch schon einmal richtig daneben gelegen?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Velo-Love oder die Rückkehr aufs Bike

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 4. April 2013

Ein Gastblog von Yvonne Birker*.

Genau vier Wochen nach meinem unglücklichen Abflug vom Bike habe ich meinen Arzttermin im Spital von Queenstown. Zwischenzeitlich hatte ich versucht, mich möglichst still zu halten und die Zeit mit etwas Sinnvollem auszufüllen. Somit drückte ich knappe vier Wochen die Schulbank, um ein «Cambridge University Advanced English»-Diplom mit nach Hause zu nehmen. Dieses wirkt sich hoffentlich positiv auf die Stellensuche nach meiner Rückkehr aus. Das Röntgenbild meines Schlüsselbeins zeigt, dass zwar alles auf gutem Weg ist, der Knochen aber noch nicht durchgebaut hat. Ich darf mich wieder bewegen, bis zur Schmerzgrenze und mit gegebener Vorsicht. Seine volle Stabilität werde der Knochen aber erst nach weiteren vier Wochen wieder erreicht haben.

Tolle Diagnose, was sollte ich nun damit genau anfangen? Ich befinde mich im Paradies für jeden Biker und bin natürlich heiss darauf, möglichst rasch wieder auf meinen zwei Rädern zu sitzen. Vernunftsgemäss müsste ich damit noch etwas abwarten, da ich einen erneuten Sturz wohl noch nicht wegstecken könnte. Vorsichtig Downhillbiken ist etwas, das einem wohl nur ein Nicht-Downhillbiker raten kann. Ich beschliesse, einfach auf mein Gefühl zu hören und beginne mit Liegestützen, Schwimmen und selbst erfundenen Physiotherapie-Übungen, um meine Beweglichkeit zurückzuerlangen.

Ein Freund leiht mir sein Allmountain-Bike aus. Damit werde ich nun zuerst vorwiegend hochfahren, um meine Fitness wieder aufzubauen. Vor meinem ersten Ride bin ich regelrecht nervös. Ich suchte mir für meine ersten Versuche den «7 Miles Track» in Queenstown aus. Das ist ein Netzwerk von flowigen Singletrails. Es geht relativ gut, ich bin zwar anfangs noch etwas wackelig unterwegs, doch habe ich kaum Schmerzen und könnte platzen vor Glück darüber, wieder auf dem Bike zu sitzen. Das Leben ist grossartig!

In den folgenden Tagen erklimme ich verschiedene Berge in der Umgebung und habe mächtig Spass daran. Wer mich kennt, mag dies mit gewissem Unglauben lesen, da ich normalerweise nicht gerade ein Fan des Hochfahrens bin… Nun vielleicht werde ich ja durch den Unfall fitter als je zuvor? Nach dem Trebel Cone Peak und dem «Moonlight Track», steht der «Skyline»-Bikepark auf dem Programm, in umgekehrter Richtung, nämlich von unten nach oben. Natürlich folgt nach dem Aufstieg eine Abfahrt und das ist der Moment: Ich bin zurück im Bikepark! Die Zeit ist gekommen, um mein Allmountain-Bike wieder gegen Knieschoner, Integralhelm und mein Giant Glory einzutauschen.

Darauf erlebe ich herrliche Tage mit meinen Freunden beim Shuttlen in den Remarkables, am Coronet Peak und im Queenstown Bikepark. Auf dem Bike ist das atemberaubende Panorama Neuseelands einfach noch tausendmal schöner. Und endlich kann auch ich die Tracks fahren, von denen ich die letzten Wochen immer wieder gehört habe… Natürlich gehe ich die Sache noch ziemlich locker an, schliesslich freue ich mich auch auf einen langen Bikesommer in der Schweiz. Abschliessend kann ich sagen, dass der Schlüsselbeinbruch ein relativ glimpflicher Unfall für mich war. Abgesehen davon, dass der Knochen eine etwas unförmige Gestalt angenommen hat und der Bikerucksack nun auf einen abstehenden Knochensplitter unter der Haut drückt, bin ich absolut beschwerdefrei. Mental habe ich keine Probleme. Im Gegenteil, ich bin einfach nach der Wartezeit umso dankbarer und motiviert, um jeden Ride zu geniessen.

Wie haben Sie die Rückkehr aufs Bike nach einer Verletzungspause erlebt?

PS: Viele Grüsse aus Australien, wo ich gerade die «Great Ocean Road» erkunde…

*Yvonne Birker ist seit 2003 aktive Bikesportlerin und DH Bike Spezialistin. Sie bietet über den Shop Citycycles (Bern und Zürich) die «Sister Rides» an, dies sind Bike Kurse für Frauen, im Gravity Bereich. Sponsoren: GIANT, FOX, ADIDASeyewear, Schwalbe, Citycycles.

Wie viel zählt Freundschaft am Berg?

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 27. März 2013

Heute ein Gastblog von Christian Andiel*.

Benedikt Böhm Manaslu

Der deutsche Speed-Skibergsteiger Benedikt Böhm und sein Team bei der Abfahrt vom Manaslu (8164). Hier im Eisbruch auf 6270 Meter. (Foto: Dynafit-GoreTex-Team)

Benedikt Böhm sitzt in der Hotellobby, und er hat sich dort bereits zum Gespräch eingerichtet. Um ihn herum zwei Laptops, der 35-jährige Extrembergsteiger aus München hat seine Leidenschaft als Geschäftsführer eines Sportartikel Herstellers (Dynafit) zum Beruf gemacht. Er zeigt die beeindruckenden Fotos, zu jeder gibt es eine Geschichte, nicht alle sind schön. Als er im September 2012 eine Speedbegehung am Manaslu (8164 Meter) erfolgreich beendete, hatte er zuvor hautnah ein Lawinenunglück miterleben müssen. Elf Menschen starben, viele andere konnten von Böhm und seinen 5 Bergsteigerkameraden, die im Camp direkt daneben gelagert hatten, gerettet werden.

Benedikt Böhm und Team

Das Team von Benedikt Böhm (links): Sein langjähriger Freund Sebastian Haag (Mitte) und Constantin Pade auf dem Mera Peak (6476 Meter) im Himalaja. Im Hintergrund Everest und Lhotse. (Foto: Dynafit-GoreTex-Team)

Auf vielen Fotos ist Sebastian Haag zu sehen. Die beiden sind seit Jahren gemeinsam unterwegs, sie sind dicke Kumpel mit der gleichen Philosophie: So wenig Gepäck wie möglich, keine Hilfe von Sherpas, dafür immer die Ski dabei, damit die Zeit in der Todeszone ab 7000 Meter so kurz wie möglich wird. 2009 wurde diese Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Die Abfahrt vom Vorgipfel des Broad Peak wurde zum Überlebenskampf, vor allem auch deshalb, weil sich Haag überforderte und nicht im Camp zurückblieb, sondern Böhm nachstieg. Als Böhm den Film über diesen Kampf sieht, sagt er der «Welt am Sonntag»: «Ich finde mich selbst sehr unsympathisch in diesem Film, grauenhaft, ganz schlimm.»

Benedikt Böhm

Sebastian Haag mit Ski am Manaslu. Ein anderes Team (links im Bild) ist zu Fuss auf- und abgestiegen. (Foto: Dynafit-GoreTex-Team)

Wie funktionieren Freundschaften in diesen extremen Bedingungen? Kann es so etwas überhaupt geben, wenn es irgendwann ums nackte Überleben geht?

Im Film «Am Limit» der Brüder Alexander und Thomas Huber über ihre Speedbegehung am El Capitan («The Nose») gibt es einen sehr speziellen Moment. Zuerst war das Vorhaben nach einem Sturz von Alexander gescheitert, Thomas reagierte mit Trost und Mitgefühl, kein Wort des Vorwurfs. Der zweite Versuch misslingt wegen einer Schwächephase von Thomas, nun aber reagiert Alexander mit einer Kälte und vorwurfsvollen Bemerkungen, die fast schon an Gehässigkeit grenzen. Der Film endet hier, und die Gedanken waren eigentlich klar: Die beiden klettern nie mehr gemeinsam! Ein Jahr später stellen die Huberbuam einen neuen Rekord an der «Nose» auf.

Sind es Schicksalsgemeinschaften, die weit über das hinausgehen, was wir unter einer Freundschaft verstehen? Wir, die wir eben nicht regelmässig in Lebensgefahr schweben, uns nicht in der Todeszone aufhalten, nicht ungesichert glatte Wände hochklettern?

Reinhold Messner hat für einige der aufsehenerregendsten Nachrichten in dieser Hinsicht gesorgt. Mit Peter Habeler bestieg er als Erster den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff, mit Hans Kammerlander stand er auf sieben 8000ern, mit Arved Fuchs durchquerte er die Antarktis zu Fuss. Mit allen zerstritt er sich. «Das Problem», sagt Messner, «sind nicht die Bergsteiger untereinander. Das Problem sind immer Dritte, die sich von aussen einmischen.» Verleger, Journalisten, Freunde. Er erzählt dann von einem Rückflug aus dem Himalaja, als ihm jemand die Zeitschrift «Stern» in die Hand drückte, Habeler hatte dort vom Everest erzählt, und dass er halt als Erster oben war. Messner fand die Darstellung verfälscht, fuhr vom Flughafen sofort zu Habeler, «und der Peter hat mir gesagt: Das sei halt der Verleger des Buches gewesen, der wollte eine Schlagzeile, damit es sich besser verkauft.» Habeler habe ihm versprochen, die Stelle zu korrigieren, was er nie getan habe.

Benedikt Böhm glaubt nicht, dass es nur Dritte sind, die eine Freundschaft gefährden. Er sieht die Sache viel schlichter. «Es gibt immer wieder Freundschaften, die zerbrechen, die auseinandergehen, die einfach enden, oder die nach einer Krise wieder funktionieren», sagt er. Egal, ob diese in der Schule, im Beruf, im Sportverein oder wo auch immer geschlossen worden seien. Böhm und Sebastian Haag sind längst wieder gemeinsam unterwegs.

*Christian Andiel ist Sportredaktor und Produzent beim «Tages-Anzeiger».

Hinweis: Lesen Sie morgen Donnerstag, 28. März 2013, auf der Alpinismusseite im «Tages-Anzeiger» das grosse Interview mit Benedikt Böhm über den Sinn seiner Speedbegehung am Manaslu.

Warum ist Schwimmen nur so anders?

Outdoor-Redaktion am Dienstag den 12. März 2013

Ein Blog von Siri Schubert*

Die Schweizerin Swann Oberson während den Olympischen Spielen 2012 in London, August 2012. (Keystone/Laurent Gillieron)

Schwimmen braucht mehr als nur Kondition: Die Schweizerin Swann Oberson schwimmt während den Olympischen Spielen 2012 in London in der Diziplin «Frauen Open Water», 9. August 2012. (Keystone/Laurent Gillieron)

Es ist schon frustrierend. Eigentlich halte ich mich für eine einigermassen fitte Ausdauersportlerin: Am Sonntag nach dem morgendlichen Training im Kajak noch 20 Kilometer zu joggen macht mir nicht viel aus und auch bei Wettkämpfen auf dem Stand-up-Paddleboard oder im Surfski sind meine Lieblingsdistanzen Strecken ab 10 Kilometer aufwärts. Inzwischen erwarte ich es schon fast, im letzten Drittel des Rennens noch einige Konkurrenten zu überholen. Denn müde werde ich nur selten. Dachte ich. Bis ich im Winter damit begann, regelmässig zu schwimmen. Beim ersten Mal hing ich schon nach 100 Metern Kraulschwimmen luftschnappend am Beckenrand. Peinlich. Also versuchte ich es nochmal, langsam, ruhig, mit 3er-Atmung. 300 Meter. Dann war mir wieder die Luft ausgegangen und der Puls in die Höhe geschossen. Und nach einer Stunde im Becken fühlte ich mich ziemlich ausgelaugt. Wie kann das sein? Wo ist meine Kondition hin? Warum ist Schwimmen nur so anders?

Es könnte mir ja egal sein, denn auch kürzere Strecken schwimmen macht Spass, aber nachdem ich im Sommer öfter mal im Bodensee geschwommen bin, habe ich es mir in den Kopf gesetzt, eine Seeüberquerung zu machen, vielleicht noch nicht in diesem Sommer, aber definitiv sobald ich fit genug bin. Der Schweizerische Schwimmverband listet eine ganze Reihe von Events im Sommer und bietet zudem noch Trainings, Tipps und Tricks an. Motivation genug also, um meine Ausdauer beim Schwimmen zu verbessern.

Schlechte Technik – diagnostizierten Freunde, denen ich von meiner mangelnden Kondition beim Schwimmen erzählte. «Ausatmen unter Wasser ist das Wichtigste», sagten andere und verwiesen mich auf Websites wie Swimsmooth.com und Total Immersion Swimming. Da ich wirklich gerne schwimme, trainiere ich inzwischen auch beim SLRG Basel mit, doch – ganz untypisch für mein sonstiges Faible für lange Distanzen – liebe ich hier die Sprints. Nach 50 Metern Kraul den Puls so richtig zu spüren ist ein tolles Gefühl und bei Serien wie 8 mal 50 Meter macht auch meine Kondition halbwegs mit. Inzwischen habe ich gemerkt, dass ich mit meinem Ausdauerproblem beim Schwimmen nicht allein bin. Triathleten-Foren sind voll von Fragen nach richtiger Schwimmtechnik und Tipps zum Verbessern der Ausdauer im Wasser.

Doch so langsam steigere ich auch meine Schwimm-Kondition. 1000 Meter Kraul mit 3er-Atmung sind inzwischen machbar und ich denke, dass sich die Distanz auch noch erhöhen lässt. Jetzt freue ich mich schon auf wärmere Temperaturen und darauf, mal zu probieren, wie weit ich beim Schwimmen im See komme – ohne Wende nach 25 oder 50 Metern, ohne Orientierungshilfe in Form von schwarzen Balken und Kacheln am Boden und mit allerlei Pflanzen und Fischen im Wasser. Ich bin sicher, dass das eine ganz neue Herausforderung bietet und bin gespannt, wie ich mich in der Umgebung fühle. Doch eines weiss ich heute schon: Ich freue mich darauf, wieder draussen zu sein, und mich in einer natürlichen Umgebung zu bewegen. Ganz egal, ob ich nach 50 Metern in den Bruststil wechseln muss oder erst nach 1500. Und längere Strecken im Meer stehen auch auf dem Programm, spätestens im Mai, wenn ich die Ausbildung zum NARS Surf Coach Lifesaver in Frankreich mache.

Was sind Ihre Erfahrungen beim Schwimmen? Wie haben Sie Ihre Ausdauer verbessert?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

Auch Zuschauen macht Spass!

Outdoor-Redaktion am Donnerstag den 7. März 2013

Ein Gastblog von Yvonne Birker*.

Regelmässige Outdoorblog-Leser wissen es bereits: Ich befinde mich zurzeit in Neuseeland, bin aber leider etwas lädiert. Mein Schlüsselbein benötigt Zeit, um zusammenzuwachsen und ich habe beschlossen, mich im kitschig-schönen Actionsport-Mekka Queenstown niederzulassen. Das war ein guter Entscheid. Denn hier komme ich biketechnisch zumindest als Zuschauerin auf meine Kosten.

Innerhalb der letzten zwei Wochen standen gleich zwei grosse Events mit internationalem Touch auf dem Programm: Der Farmjam (siehe Video unten)  und das Redbull «Roast it». Der Farmjam lockte Anhänger der Freestyle-Disziplinen FMX, Dirtjump und BMX irgendwo ins südlichste Niemandsland, auf die abgelegene Farm von drei ziemlich verrückten Brüdern. Diese haben dort ein beachtliches Setup an Jumps und Obstacles aufgestellt, auf dem sich einige namhaften Grössen der Szene aus Australien, Neuseeland aber auch Übersee (von hier aus gesehen) im Jamformat um die Ohren fuhren. Darunter auch der Spanier Andreu Lacondeguy, der gleich in allen drei Disziplinen antrat und der Schweizer Ramon Hunziker, mit seinem Dirtbike. «Rämu» kann man zurzeit als das helvetische Aushängeschild im Freestyle/Freeride-Biken bezeichnen. Er fuhr letzten Herbst als erster Schweizer im legendären Redbull Rampage Contest mit und überzeugte mit soliden Runs.

Nur eine Woche später geht in Queenstown an der Gorge Road ein Raunen durch die Menge. Soeben hat ein BMXler beim vierten Anlauf einen unglaublichen Transfer geschafft. Das heisst, er ist vom Absprung einer Jump-Line in die Landung einer anderen gesprungen. «Roast it» ist ein Contest, ausschliesslich für Freestyle-BMXler. Im Jam-Format machen 20 Rider im Final die Titel «Best Trick», «Best Line» und «Best Overall Impression» unter sich aus. Der Jumppark ist eine riesige Spielwiese an Kickern und Features. Oft befinden sich mehrere Fahrer gleichzeitig auf dem Kurs. Somit  wird sogar das Zuschauen zur puren Herausforderung. Es ist faszinierend, was die Freestyle-BMX-Fahrer mit ihren kleinen, ungefederten Bikes an Action zeigen. Ich bin schwer beeindruckt. Freestyle-BMX ist eine Disziplin die in Amerika gross, in der Schweiz aber leider fast gänzlich unbekannt ist. Ramon Hunziker erklärt, dass es bei uns keine Contests dieser Art gibt. Er sitzt heute ebenfalls auf der Zuschauertribüne, da BMX ja nicht seine Disziplin ist.

Die BMX-Tricks, die wir heute zu sehen bekommen sind zumeist äusserst technisch. Besonders anspruchsvoll meint Ramon, sei zum Beispiel die sogenannte «Cashroll», ein kombinierter Sprung aus 360-Grad-Drehung und Backflip. Das Level wird ständig auf neue Ebenen gepusht und die Tricks inspirieren auch Ramon, um sein eigenes Repertoire auf dem Dirtbike stetig weiter auszubauen. Der Hauptunterschied zwischen BMX und Dirtbike besteht darin, dass beim BMX aufgrund der grösseren Wendigkeit und des leichteren Bikes technischere Tricks möglich sind. Beim Dirtbiken hingegen sind die Jumps um einiges grösser. Laut Ramon geht der Trend eher weg von klassischen Dirtjump-Events, hin zu den sogenannten Slopestyles. Dies ist eine Kombination von grossen Elementen, wie Stepdowns, Stepups, Wallrides sowie verschiedenen Table- oder Doublesprüngen. In der Schweiz organisiert Ramon übrigens mit seinem Bruder Jerome und der Flying Metal Crew das «Swatch Rocket Air» www.rocketair.ch . Wer Lust hat Freestyle-Bike-Luft live in der Schweiz zu schnuppern, dem empfehle ich dringend am 12. und 13. April 2013 den Weg nach Thun.

Ramon Hunziker bereitet sich hier in Neuseeland auf die neue Saison vor und möchte nächsten Herbst auf jeden Fall wieder am Rampage starten. Für Interessierte lohnt es sich bestimmt, ihn den kommenden Sommer über im Auge zu behalten. Nachdem ich die grösste Enttäuschung über meine Zwangspause – ausgerechnet in Neuseeland – überwunden hatte, schlüpfte ich in die Rolle der Zuschauerin. Dabei hatte ich jede Menge Spass und es gelang mir, mich an den Leistungen und der Befriedigung anderer zu erfreuen.

Liebe Leser und angefressene Sportler, empfinden Sie beim Sport ausschliesslich Befriedigung, wenn Sie sich selber verwirklichen und auspowern können, oder schauen Sie auch gerne zu und inspirieren sich an den Erfolgen Anderer?

Ich wünsche «Rämu» viel Glück für die kommende Saison und geniesse meinen eigenen neuseeländischen Spätsommer, ab heute wieder auf zwei Rädern…

*Yvonne Birker ist seit 2003 aktive Bikesportlerin und DH Bike Spezialistin. Sie bietet über den Shop Citycycles (Bern und Zürich) die «Sister Rides» an, dies sind Bike Kurse für Frauen, im Gravity Bereich. Sponsoren: GIANT, FOX, ADIDASeyewear, Schwalbe, Citycycles.

Stadt-OL: Blinddate mit Schreckmomenten

Outdoor-Redaktion am Montag den 25. Februar 2013

Der heutige Gastblog ist ein Erfahrungsbericht von Jörg Greb. Der Journalist hat kürzlich an einem Orientierungslauf in der Stadt Chur teilgenommen. Aufmerksamen Lesern ist sein Blog über den Jungfrau-Marathon noch in Erinnerung.


So etwas von peinlich. Ein Debakel. In Chur wollte ich mich in einem Stadt-OL versuchen – ich, der langjährige OL-Journalist und «textliche Temporär-Begleiter» unserer Weltmeister Simone Niggli, Daniel Hubmann, Matthias Merz, Matthias Kyburz und Matthias Müller. Und ich scheiterte kläglich.

Klar, ich muss mich an der eigenen Nase nehmen. Ich ignorierte warnende Stimmen. Startete schier wie die Profis, nahm nach dem Startkommando die Karte, richtete sie hurtig nach Norden aus, verschaffte mir laufend einen Überblick und stürmte los. Beschwingt ins Verderben. Denn ich lief nach zwei Hausecken und einer 90-Grad-Drehung sogleich in die falsche Richtung. Erst als ich in einen Kreisel einbog, der auf meiner Karte nirgends zu finden war, schrillten die Alarmglocken. Ich bin aus der Karte «herausgelaufen». Ich sah nur noch einen Ausweg: zurück zum Start und alles nochmals von vorn.

Ich lief also nochmals los, im «Rucksack» ein Handicap von rund zehn «Strafminuten». Dieses Blackout versuchte ich abzuhaken, doch das wollte nicht richtig gelingen. Ich wusste nun zwar, wo ich unterwegs war und wohin ich wollte. Doch das reichte nicht. Jetzt befand ich mich mit den Distanzen auf Kriegsfuss. Was bedeute der Massstab 1:4000? Ein Zentimeter entspricht 40 m – das war ich mir nicht bewusst und hatte ich weit und breit nicht im Gefühl. Zudem unterliefen mir immer wieder Fauxpas: Wählte die falsche Strasse an der Kreuzung, lief in einen Hinterhof ohne Ausgang, stand vor einem geschlossenen Gartenzauntor.

Verständnis von Simone Niggli

Es ist zum Heulen. Ich frage mich, womit diese Fehlleistungen zusammenhängen: mit mangelnder Intelligenz, Null-Talent, an der mangelnden Eigen-Organisation oder der geringen Erfahrung. Nach dem Rennen beginne ich nach Erklärungen zu suchen. Ich kontaktiere Simone Niggli. Und staune. Die 20-fache Weltmeisterin spricht, als könne sie mitfühlen. «Auch ich hätte schon am liebsten aufgegeben», sage sie und verweist auf das Mitteldistanzrennen der Heim-WM des letzten Jahres in Lausanne, als sie den Weg zum zu einem falschen Posten las, in der Fachsprache an einem administrativen Fehler scheiterte. Auf mich gemünzt meint sie: «Sie sind in den Lauf hineingeschossen, wären stattdessen am Start besser hingestanden, hätten einige Sekunden investiert, um sich zu orientieren und den Weg vorauszuplanen.»

Meine Schwierigkeiten führt sie weniger auf Unfähigkeit, denn auf mangelnde Erfahrung zurück. Daraus schliesst sie:  «Es wäre nicht gut gewesen, Sie hätten hier wirklich zugeschlagen.» Auch wenn meine Konkurrenten nicht wie sie die Erfahrung von weit über 1000 Wettkämpfen mitgebracht haben dürften, war kein weiterer Nobody dabei. «HAL ist die anspruchsvollste Kategorie neben der Elite, da sind routinierte Leute am Start, und in einem solchen Umfeld mag es wenig leiden.» Doch Simone Niggli macht mir Mut, motiviert mich zu weiteren Versuchen: «Übung macht den Meister, und Fortschritte lassen sich sehr rasch erzielen.» Und sie verweist darauf, dass womöglich eine Einsteiger-Kategorie für mich  erfolgsverheissender wäre. «Da sind die Routen einfacher und Tücken geringer», betont sie.

Freude trotz allem

Nun brennt mir die Frage auf der Zunge, was denn Stadt-OL für die Profis attraktiv macht. «Die Postenstandorte sind in der Regel einfach», sagt Simone Niggli. Die Herausforderung besteht darin, das hohe Lauftempo mit dem Sich-Orientieren zu verbinden. «Im Stadt-OL jagen sich Entscheide in kurzen Intervallen, da geht alles sehr schnell», verdeutlicht sie. Entscheidungsfreude ist gefragt, ständiges Vorauslesen der nächstens folgenden Herausforderungen, höchste Konzentration während der Renndauer von rund einer Viertelstunde, das Reduzieren des Kartenbildes auf das Wesentliche für den Lauf, agieren, statt reagieren, trotz allem auch Geduld aufbringen, vielleicht gar abzubremsen, hinzustehen und schliesslich die Fähigkeit, auch mit Fehlern umzugehen.

Also ähnliche Aufgaben, wie ich sie zu erfüllen habe, nur auf einem ganz andern Level. Das wirkt herausfordernd. Für mich steht fest: Ich nehme nochmals Anlauf. Denn mit etwas Verzögerung machte sich trotz allem Freude bemerkbar. Dieser Stadt-OL war spannend, speziell und verbunden mit einem Kennenlernen von Chur, wie es sonst kaum möglich scheint. Im Terminkalender suche ich nach weiteren Startmöglichkeiten und stosse auf einige: Weinfelden (14.4.), Tenniken (17.4.), Sissach (24.4.), Huttwil (28.4.), Unterägeri (5.5.), Spiez (26.5.), Zunzgen (26.5.), Einsiedeln (5.6.), Winterthur (23.6.), Rapperswil (25.6.) oder Männedorf (2.7.).

Und zur Vervollständigung seien hier noch die Fakten zu meinem desolaten Abschneiden aufgeführt: Dank grosser Vorsicht und gemächlichem Joggingtempo tauchten die Kontrollposten 3 bis 18 mehrheitlich dort auf, wo ich sie vermutete. Aber toll war meine Leistung deswegen nicht. Die Detailauswertung – diese wird auf dem Internet unter www.solv.ch nach jedem grösseren Lauf aufgeschaltet – blieb ernüchternd. 17 von 19 Abschnittszeiten waren die schlechtesten, eine die zweitschlechteste und nur der Zieleinlauf vom letzten Posten bis ins Ziel entlang des Markierungsbandes reichte für einen hinteren Mittelfeldplatz. Über 55 Minuten war ich unterwegs. Der Sieger (Philipp von Arx) benötigte etwas über 17. Jetzt schmunzelt Simone Niggli: «Das zeigt klar eine tolle Seite des Orientierungslaufs auf: Physische Vorteile sind durch technische Fehler und Unzulänglichkeiten rasch verspielt oder anders ausgedrückt: Konditionelle Mängel lassen sich durch kartentechnisches Flair kompensieren.»

Wegen Olympia: Chefredaktor am Rande des Nervenzusammenbruchs

Outdoor-Redaktion am Mittwoch den 20. Februar 2013

Am 3. März 2013 entscheidet die Bündner Stimmbevölkerung über die Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 in St. Moritz und Davos. Was es bedeutet, den Beeinflussungsversuchen und «bemerkenswert engen Scheuklappen» von Befürwortern sowie Gegnern ausgesetzt zu sein, beschreibt heute Gastblogger *David Sieber, Chefredaktor der «Südostschweiz».

Ein Mann traegt die Olympischen Ringe auf seiner Skijacke, am Samstag, 8 Dezember 2012 in St. Moritz. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)..

Ein Mann trägt die Olympischen Ringe auf seiner Skijacke, 8. Dezember 2012 in St. Moritz. (Keystone/Alessandro Della Bella).

Outdoor? Ich selber bin derzeit mehr indoor. Nicht nur wegen der Kälte. Und auch nicht, weil ich vor angeblich medial zu kurz gekommenen Politikern in Deckung gehen muss. Sondern weil die kommende Olympia-Abstimmung eine Riesenkiste ist und uns entsprechend auf Trab hält. Mein Hauptjob ist es momentan, der Redaktion den Rücken freizuhalten, sie aus dem Schussfeld zu nehmen. Denn geschossen wird. Von links und rechts. Aber zum Glück nur mit Platzpatronen. Doch auch diese können nerven. Die ewige Knallerei hat mir vor kurzem die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Hier kann man das nachlesen: «Chefredaktor am Rande des Nervenzusammenbruchs».

Wie immer in Abstimmungskämpfen zeichnen sich Befürworter und Gegner durch bemerkenswert enge Scheuklappen aus. Sie sind schlicht nicht mehr fähig, einen Schritt zurückzutreten und das Geschehen nüchtern zu analysieren. In Sachen Olympia ist das noch ein wenig prekärer als üblicherweise.

Kein Wunder, es geht ja am Ende des Tages um viel Geld. Geld, von dem man weiss, woher es kommt (von der öffentlichen Hand) und was damit bezweckt wird (Kandidaturkampagne, Infrastrukturbauten, Durchführung der Spiele), aber nicht so genau, wohin es geht. Oder anders gesagt: Es hängen sich schon jetzt viele an den Topf, aus dem dereinst Honig fliessen soll. Klar, dass all jene, die das grosse Geschäft wittern, schon rein emotional nicht fähig sind, eine andere Sichtweise zu akzeptieren.

Und dann gibt es natürlich auch die, die das Kantonsgebiet zum Freilichtmuseum verklären, und lieber an ein paar vergammelten Maiensässen vorbei schneeschuhen, als auf dem beheizten Laaxer Porsche-Sessellift an der grossen weiten Welt zu schnuppern. Das ist als solches ja auch kein Problem. Solange man daraus nicht eine quasireligiöse Weltanschauung konstruiert, die mit dem wirklichen Leben der Bergbevölkerung nichts zu tun hat. Ihre Vorschläge, was man mit dem Geld (das ohne Olympia ohnehin nicht fliessen würde) alles tun könnte, sind sympathisch, aber realpolitischer Nonsens.

Natürlich kann man mit guten Gründen für oder gegen olympische Winterspiele in Graubünden sein. Und ich bin sicher, gute Gründe werden am Schluss auch den Ausschlag geben. Denn es sind weder Turbos noch Fundis, welche die Abstimmung entscheiden, sondern ganz normale Stimmbürgerinnen und -bürger. Sie werden unbesehen aller Querelen hinter den Kulissen entscheiden. Jetzt, mitten in der Wintersaison, vielleicht während sie auf einer Skitour sind oder auf dem Skilift oder in der Bergbeiz (oder in der warmen Stube, dringend auf den Sommer hoffend). Aber jeder mit seinem eigenen Graubünden-Bild – und einer Gemeinsamkeit: Die Berge sind immer ein wichtiger Teil davon.

Sagt ein Unterländer, indoor.

*David Sieber, gebürtiger Baselbieter, ist seit 2009 Chefredaktor der «Südostschweiz». Er lebt in Chur.

Diskushernie – wie weiter im Sport?

Outdoor-Redaktion am Montag den 18. Februar 2013

Bandscheibenvorfall und Diskushernie: Was bedeutet das genau? Und darf man trotzdem Sport treiben? Das sagt unser Running-Doc Dr. med. Martin Narozny-Willi*

Ein Bandscheibenvorfall schränkt die Bewegungsfreiheit stark ein.

Ein Bandscheibenvorfall schränkt die Bewegungsfreiheit stark ein.

Symptome
Eines Morgens wachen Sie auf mit Rückenschmerzen und massiven Schmerzausstrahlungen in das rechte Bein. Im weiteren Tagesverlauf nehmen die Schmerzen zu und ausserdem wird auch noch die Kleinzehe des rechten Fusses taub. Jetzt beschliessen Sie, doch zum Arzt zu gehen.

Untersuchung
Dieser fragt Sie nach dem Beginn der Beschwerden, nach Husten- oder Pressschmerz sowie nach Harn- oder Stuhlinkontinenz. In der Untersuchung bestätigt er Gefühlsstörung an der Kleinzehe und stellt gleichzeitig fest, dass Sie auf dem rechten Fuss nicht mehr kraftvoll auf die Zehenspitze stehen können. Zudem lässt sich der Achillessehnenreflex rechts nicht mehr auslösen. Als er Ihnen im Liegen noch das gestreckte rechte Bein vorsichtig anhebt, durchfährt ein elektrisierender Schmerz ihr Bein. Mit dem ins Bein ausstrahlenden Rückenschmerz, der Sensibilitätsstörung, dem Kraftausfall und dem fehlenden Reflex haben Sie alle Zeichen, die auf einen Bandscheibenvorfall, auch Diskushernie genannt, hinweisen.

Anulus Nucleus

Anulus, Nucleus

Diskushernie

Diskushernie.

Anatomie
Ein Wirbelsäulensegment setzt sich aus zwei Wirbelköpern und der dazwischen liegenden Bandscheibe zusammen. Die Bandscheibe besteht wiederum aus einem Faserring (anulus fibrosus) und einem gallertigen Kern (nucleus pulposus). Wenn der Faserring kleine Risse bekommt, kann der Gallertkern immer weiter nach aussen drängen, bis er schliesslich gegen den Rückenmarkskanal vorfällt. Dann spricht man von einem Bandscheibenvorfall oder einer Diskushernie. Viele Menschen haben eine Diskushernie, welche gar keine Beschwerden bereitet. Dazu kommt es erst, wenn die vorgefallene Bandscheibe gegen eine Nervenwurzel drückt. Es folgt eine fatale Reaktion: Durch den Druck und durch chemische Substanzen, die mit dem Gallertkern aus dem Zentrum der Bandscheibe austreten, kommt es zur Entzündung und zum Anschwellen der Nervenwurzel, womit sie sich zusätzlich selbst stranguliert.

Bandscheibenvorfall

MRI: Bandscheibenvorfall.

MRI
Der Nachweis einer Diskushernie wird heute im MRI erbracht. Dort kann gezeigt werden, welche Diskushernie auf welchen Nerv drückt, so wie es bereits der Arzt in der Untersuchung vermutet hat. Das MRI ist eine harmlose Untersuchung ohne Belastung von Röntgenstrahlen. Das Bild wird durch ein starkes Magnetfeld erzeugt und liefert alle nötigen Informationen für die weitere Behandlung.

Therapie
75 bis 80 Prozent der Diskushernien lassen sich konservativ, d.h. ohne Operation therapieren. Die Behandlung umfasst verschiedene Massnahmen. Einerseits muss die körperliche Aktivität den Schmerzen angepasst werden. Langes Verharren in liegender, sitzender oder stehender Position ist ungünstig. Abwechselnde Positionen werden viel besser toleriert. In der akuten Phase sind sicher Schmerzmittel nötig, um überhaupt durch den Tag und auch die Nacht zu kommen. Bei massiven Beschwerden kann meist im selben Röntgeninstitut, wo auch das MRI durchgeführt wurde, eine Cortisoninjektion an die Nervenwurzel durchgeführt werden, um die entzündliche Reizung abklingen zu lassen, was innerhalb von kurzer Zeit bereits zu einer Verbesserung der Beschwerden führt. In der Physiotherapie werden im akuten Stadium die verspannten Muskeln behandelt, sowie entlastende Übungen für die Nervenwurzel instruiert. In einer weiteren Phase wird dann die Rückenmuskulatur gestärkt und der Belastungsaufbau durchgeführt. Nach 3 Monaten haben sich die Symptome bei 75 Prozent der Patienten deutlich gebessert. Es ist sogar möglich, dass sich die Diskushernie im weiteren Verlauf über die Jahre hin wieder spontan zurückbildet.

In gewissen Fällen muss aber auch operiert werden:

  1. Sollte es durch die Kompression mehrerer Nervenwurzeln zu einer Harn- und Stuhlinkontinenz kommen, dann handelt es sich um einen Notfall, der innerhalb von 24 bis 48 Stunden operiert werden muss.
  2. Auch bei einem zunehmenden Ausfall von Kraft und Sensibilität am Fuss sollte rasch operiert werden.
  3. Wenn die Schmerzen während sechs Wochen trotz konservativer Therapie nicht abnehmen, sollte ebenfalls eine Operation in Erwägung gezogen werden, da die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Besserung dann deutlich abnimmt.

Bei der Operation wird der Teil der Bandscheibe, der gegen die Nervenwurzel drückt, entfernt. Dies geschieht in Vollnarkose durch einen Schnitt hinten am Rücken von ca. 5 bis 6 cm Länge. Oft befürchten Patienten als Komplikation die Durchtrennung eines Nervs. Dieses Risiko ist aber äusserst klein. Selten kann es zu einer Einblutung mit Kompression des Nervs, einer Verletzung der Rückenmarkshülle oder einer Wundheilungsstörung kommen.

Operatives und konservatives Vorgehen im Vergleich
Die unmittelbare Verbesserung des Beinschmerzes wird durch die Operation schneller erreicht. Im weiteren Verlauf bis zu zwei Jahre nach Krankheitsbeginn sind keine signifikanten Unterschiede in der Entwicklung der beiden Methoden bezüglich Schmerz, Patientenzufriedenheit und Arbeitsfähigkeit festzustellen. Im Vier-Jahresverlauf sind laut Studien die Resultate für die operierte Gruppe leicht besser. Dennoch muss die Operationsindikation für jeden Fall einzeln beurteilt werden, um nicht unnötig zu operieren.

Rückkehr zum Sport
Diese Zeitspanne ist individuell äusserst verschieden. Als grobe Richtlinie gilt, dass mit leichter körperlicher Anstrengung nach sechs Wochen begonnen werden kann. Sportarten mit gleichförmigen, kontrollieren Bewegungen wie Fahrradfahren, Nordic Walking und Schwimmen sind für den Aufbau besser geeignet als Spielsportarten mit stop an go, Richtungswechsel und Gegnerkontakt. Vorsichtiges Lauftraining ist ca. nach drei Monaten wieder möglich und eine vollständige Belastung nach fünf bis sechs Monaten. Auch Spitzensport ist sowohl nach konservativer, wie auch operativer Therapie mit entsprechender Rehabilitation und muskulärem Aufbau wieder möglich.

*Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. Medbase Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base.