Freie Bahn für den Wettkampfneuling

Regelmässig Wasser zu sich nehmen: Marc Jäggi teilt wertvolle Lauftipps. Foto: Urs Jaudas

Noch 14 Wochen bis zum «jüngsten Tag». Noch 14 Wochen Zeit, um in den Leistungsbereich meines mächtigen Gegners vorzudringen. Eine zentrale Erkenntnis können wir aber schon heute aus dem ganzen Experiment ziehen: Liebe Genussmenschen. Wer in seinem Sport-Lebenslauf dermassen grosse Lücken hat wie ich, der wird gegen einen sportlichen Zeitgenossen mit langjähriger, regelmässiger und lückenloser Bewegungsbiografie nur mit sehr viel Aufwand und perfekten Bedingungen eine Chance haben. Was bleibt, ist die (leise) Hoffnung, dass der Spitzensportler unter den Genussmenschen, Peter «The Running Weather Frog» Wick, seinen Leistungszenit demnächst überschreitet und begleitet von der Überheblichkeit eines Favoriten unbemerkt Richtung Mittelmass stagniert.

Die Running Challenge ist jetzt in einer entscheidenden Phase. Während Peter am vergangenen Samstag mit seinem Tennis-Team um den Aufstieg in die nächsthöhere Stärkeklasse kämpfte (ich sage ja, der Mann ist polysportiv unterwegs), absolvierte ich den ersten Lauf-Wettkampf meines Lebens. Den 30. Wylandlauf in Andelfingen. Mein erster richtiger Test auf dem Weg vom Genussmenschen zum Halbmarathon.

Aufwärmen bis zur Erschöpfung

Um 15 Uhr ging ich mit der Startnummer 173 in der Kategorie C (gut aussehende Männer um die 40) auf die rund 14,8 km lange, wunderschöne Strecke. Vorbei an Korn- und Gemüsefeldern, durch kühlende Wälder, über eine historische Holzbrücke zurück zum Start/Ziel am Ortsrand der Gemeinde Andelfingen (Resultate und Ranglisten finden Sie hier.)

  • Noch lacht er: Der Autor (l.) vor seinem «ersten richtigen Test».

  • Das Rennen ist das Ziel: In Andelfingen ...

  • ... startet der 30. Wylandlauf – mit Marc Jäggi.

  • Die rund 14,8 km lange Strecke führt vorbei an Feldern ...

  • ... und durch kühlende Wälder. Fotos: Marc Jäggi

Begleitet wurde ich von meinem Arbeitskollegen, Radio-1-Redaktor und Kampfläufer Adrian «Marathon-Man» Sutter. Er absolviert pro Saison gefühlte 365 Läufe und gehört zu den fittesten Journalisten im Medienzirkus. Knapp geschlagen nur von meinem Coach Pia Wertheimer. Sie hat mir vor dem Lauf freundlicherweise ein paar Ratschläge mit auf den Weg gegeben, die Wettkampfneulinge unbedingt beachten sollten. Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, demnächst auch zum allerersten Mal in eine Wettkampfsituation kommen, hier die wichtigsten und nützlichsten Punkte:

  • Schlafen Sie genug und seien Sie möglichst früh im Startgelände. Sie sind schon aufgeregt genug und sollten Ihrem Körper und Geist nicht noch mehr Stress zumuten.
  • Suchen Sie die Toiletten möglichst früh auf. Kurz vor dem Start «müssen» alle noch kurz für «kleine Jungs» und «kleine Mädchen». Dies kann besonders bei den Mädchen zu längeren Schlangen vor den WC-Boxen führen.
  • Aufwärmen ja, aber bitte nicht bis zur Erschöpfung. Der Lauf beginnt erst mit dem Startschuss.
  • Bitte keine Food-Experimente. Es gilt: Was der Läufer nicht kennt, frisst er nicht. Verhalten Sie sich ernährungstechnisch, wie Sie es sich gewohnt sind, und hören Sie nicht auf gutgemeinte, Ihnen jedoch unbekannte Nahrungsergänzungs-Tipps von Freunden und Bekannten. Sonst geht der Lauf in die Hose. Sprichwörtlich.
  • Viel trinken! Vor und während dem Lauf regelmässig Wasser zu sich nehmen. Das kühle Bier gibt es dann im Ziel.
  • Entscheiden Sie sich für bequeme, wettergerechte Laufkleidung. Bei unsicherer Witterung funktioniert der Zwiebellook am besten. So können Sie Temperaturschwankungen und Regen mit der Kleidung ausgleichen.
  • Vorsicht vor zu grosser Euphorie! Die Wettkampf-Atmosphäre und der Publikumszuspruch verführen leicht zu riskantem Ausdehnen der eigenen Leistungsfähigkeit. Auch rüstige Rentner, die einen in Grund und Boden laufen, animieren oft zu unvernünftigem Ehrgeiz.
  • Verklemmen Sie sich einen Schlusssprint. Gegen Ende des Laufes ist die Muskulatur besonders anfällig für eine Zerrung.

Das Allerwichtigste aber ist: Geniessen Sie Ihren ersten Wettkampf und haben Sie Spass. An diesen Lauf werden Sie sich ein Leben lang erinnern. Möglichst positiv, hoffentlich!

1 Kommentar zu «Freie Bahn für den Wettkampfneuling»

  • stefan klade sagt:

    guete Tag Marc
    immer wieder herrlich, deine Gedanken und deine Schreibweise zu lesen – ein Genuss und ein Dankeschön schon mal dafür.
    du solltest dich ja am besten kennen und Erfahrungen vom der Six-Pack-Challenge mitnehmen – du juu riimemberrr :-) und ich bin überzeugt, dass auch diese Herausforderung meisterlich zu Ende gebracht wird – wenn auch mit körperlichen Schmerzen, offene Blasen, Krämpfe, Gedanken des Aufgebens, Hassgedanken der grundsätzlichen Idee etc. etc. – einfach so das übliche, was einem in einem solchen Halbmarathon alles in den Sinn kommt…
    natürlich wirst du auch ab und an ein positiver Gedanke haben – wenn du z.B. im Ziel nicht bereits nach 15min im Zelt an der Infusion liegst, oder das wohlverdiente Bierchen nicht gleich wieder hergibst.
    weiterhin viel Erfolg

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