Tour de Surprises

Diese Woche von Lenzburg zum Esterliturm und retour.

  • In Lenzburg fällt der Staufberg mit der Kirche auf. Fotos: Thomas Widmer

  • Der Treppenweg – gut, ist noch nicht Hochsommer!

  • Oben.

  • In der Kirche.

  • Blick von der Kirchterrasse.

  • Wieder unten, im Agrarland.

  • Grabhügel aus der Hallstattzeit.

  • Bei Birren zwischen Lenzburg und Seon queren wir die Bahngeleise.

  • Mammut mag ich. Und nein, ich bin nicht gesponsert.

  • Nah der Sigismühle überqueren wir den Aabach.

  • O du schönes Wiesland.

  • Der Esterliturm.

  • Was man oben...

  • ... so sieht. Der See ist natürlich der Hallwilersee.

  • Am Fünfweiher.

  • Schloss Lenzburg und rechts der Hügel Gofi. Bald sind wir wieder am Bahnhof Lenzburg.

Am Bahnhof Lenzburg startete ich, die Sonne schien. Auf dem Wanderweg hielt ich südwärts. Ich hätte aber ebenso gut meine Augen führen lassen können: Direkt vor mir lag die Kirche auf dem Staufberg.

Über einen Treppenweg erklimmt man den Berg, der eigentlich ein Hügel ist – oben Rundsicht. Und die Kirche samt ihren Nebengebäuden, dem Sigristenhaus etwa, das einst als Beinhaus begann. Die Kirche sei lange in hugenottischer Hand gewesen, erklärt ein Schild; die Hugenotten waren Frankreichs Protestanten, die brutal verfolgt wurden. Die steinreiche Familie Brutel de la Rivière floh in den Aargau, erwarb die Herrschaft Schafisheim, an Etienne Brutel, 1683 bis 1752, erinnert beim Portal eine Gedenktafel.

Ein Friedhof der Vorzeit

Ich stieg ab, wanderte über die Ebene weiter Richtung Süden und geriet bald in den Wald. Überrascht hat mich bei der Buechrüti die Gartenbahn Staufen, ein Minibähnli, auf dem zu bestimmten Tagen jedermann mitfahren darf, das nächste Mal ist es am 25. Juni so weit.

Wenig später leitete mich im Niederholz ein Schild zu einem Friedhof der Vorzeit mit vier Grabhügeln. Schon die Menschen der Bronzezeit begruben wohl an diesem Ort ihre Toten, später in der Hallstattzeit (gut 500 vor Christus) wurde der Platz sicher genutzt.

Kinderlachen und Grillgeruch

Nun wich ich vom Wanderweg ab, navigierte mit der Karte über einen Forstweg ins freie Gelände, querte bei Birren die Bahnlinie von Lenzburg nach Seon und kam in ein Gewerbeviertel mit einer Niederlassung von Mammut, dem Unternehmen Wanderausrüstung.

Bei der Sigismühle wechselte ich auf die andere Seite des Aabaches. In weitem Bogen umkurvte ich, nun wieder auf dem Wanderweg, den Hügel Chrüzbiger und drehte nach Norden; alsbald begann der Rückweg nach Lenzburg. Aufwärts ging es mit mir, und irgendwann hörte ich Kinderlachen und roch Grillgeruch.

Die 48-Meter-Nadel

Vor mir eine Betonnadel, der Esterliturm. 48 Meter ist er hoch. Er gilt als höchster strikt zu Aussichtszwecken erbauter Turm der Schweiz. Der Sockel war vom Rauch der brätelnden Familien umschwadet. Im Inneren stieg ich auf, ab und zu gab es Klappsitze für die, die auf den 253 Stufen der Spiraltreppe leiden. Oben noch viel mehr Weitsicht als auf dem Staufberg. Vor allem das Blau des Hallwilersees tat es mir an.

Hernach improvisierte ich wieder, ging parallel zum Wanderweg, aber etwas weiter westlich und stieg zu einem kleinen Bach ab, der den Fünfweiher speist. Auch dieser erwies sich als Attraktion: überall Velos, Jogger, Wanderer, Familien mit Picknicktaschen. Der Fünfweiher ist das Relikt einer Serie von Weihern des 16. Jahrhunderts, damals angelegt als Löschwasserlieferanten im Brandfall.

Ein Hügel namens Gofi

Als ich aus dem Wald kam, hatte ich vor mir zur Rechten den Hügel mit dem lustigen Namen Gofi und links davon den Nachbarhügel mit Schloss Lenzburg; schockiert konstatierte ich, dass Terrassenhäuser den Schlosshügel angefressen haben. Der Rest der Wanderung war ein Auslaufen am Aabach, wobei ich immer wieder, etwa zur Waffenfabrik Hämmerli oder zur Oberen Mühle, historische Informationstafeln vorfand und las.

Doch, bei dieser Aargauer Wanderung hatte alles gestimmt. Das Wetter sowieso. Aber auch die Route: nicht zu lang, nicht zu kurz. Und die Sehenswürdigkeiten lösten sich in perfektem Takt ab.

Route: Lenzburg SBB – Staufen – Staufberg – Gartenbahn Staufen – Hallstattgräber im Niederholz. Ab da ohne Wanderschilder auf Wald- und Wiesenwegen via Birren zur Sigismühle. Ab der Mühle wieder auf dem Wanderweg: Esterliturm – Bärenloch – Fünfweiher – Bad – Obere Mühle – Lenzburg SBB

Wanderzeit: 3 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: Je 285 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 224 T Olten und 225 T Zürich, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Ergiebige Wanderung mit viel Natur, einige Stücke auf Hartbelag.

Höhepunkte: Zweimal der Rundblick, zuerst vom Staufberg, dann vom Esterliturm. Die stillen Hallstattgräber im Wald.

Kinder: Eine gute Sache.

Hund: Auch eine gute Sache.

Einkehr: Viele Möglichkeiten in Lenzburg.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

++

3 Kommentare zu «Tour de Surprises»

  • Michel Piazza sagt:

    Sehr schön beschrieben, Herr Widmer. Vielen Dankl!
    Ja, der Aargau bietet viel Sehenswertes.
    Wenn Sie das nächste mal in Lenzburg sind, besuchen Sie das Heimatmuseum.
    Dieses hat eine aufschlussreiche Ausstellung über die römische Anwesenheit in dieser Gegend und eine beeindruckende Sammlung von russischen Ikonen.
    Zudem sollten Sie den 5 Sterne Laden besuchen, der gleich bei dem gleichnamigen Gebäude ist, dass Sie vielleicht bei Ihrem Rückweg am Abach gesehen haben, der Strafanstalt von Lenzburg.

    Herzliche Grüsse
    Michel Piazza
    Staufen

  • Werner Holliger sagt:

    Einmal mehr findet sich im Tagi eine schöne Wanderung, danke.

    Doch im Artikel vermisse ich eine weitere surprise: Die auf Bild 4 festgehaltenen Glasfenster aus der Zeit um 1430 – 1440, welche ein Verweilen wirklich lohnen…

  • Doris sagt:

    Freue mich immer sehr über die detaillierten Schilderungen und danke dem Autoren Herrn Widmer für seine stets liebevollen Landschaftsbeschreibungen, Tipps etc. Stets ein Highlight.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.