Das schönste Bänkli der Schweiz

Diese Woche von Vitznau auf die Wissifluh (LU, SZ)

  • Auf dem Schiff von Luzern nach Vitznau.

  • Begnadetes Klima: Vitznau.

  • Beim Buholz fährt die Seilbahn zur Wissifluh, der wir zu Fuss zustreben.

  • Vor dem Eintritt in den Bergwald: Der inselartige Bürgenstock im Vierwaldstättersee.

  • Sankt Antoni, der spirituelle Zwischenstopp.

  • Nach Sankt Antoni wird der Pfad schmal ...

  • ... und abschüssig, an manchen Orten gibt es Ketten.

  • Wir sind oben, gleich wird eingekehrt.

  • Das Berghotel Wissifluh liegt halt schon herrlich.

  • Und dieser Blick von der Terrasse!

  • Im Abstieg bei Märis kommen wir zu einem Traum von Bänkli.

  • Wiesland vom Feinsten ...

  • Kuorez, hier kehren wir noch einmal ein.

  • Gleich sind wir zurück am See. Zuerst passieren wir noch das Hotel FloraAlpina.

Wir fahren auf dem Vierwaldstättersee von Luzern nach Vitznau, rundum locken die Wanderziele. Beim Aussteigen haben wir das Rigimassiv vor uns. In der Flanke hockt auf halber Höhe die Wissifluh, zum einen eine Felswand, zum anderen eine Wiesenterrasse mit einem Restaurant – dort hinauf wollen wir.

Hinter der Wissifluh, dies vorausgeschickt, erhebt sich ein Berg, der einem irgendwie Unbehagen zufügt. Er heisst nämlich Vitznauerstock oder Gersauerstock, je nachdem, ob man Luzerner ist oder Schwyzer. Der Auswärtige kann sich nicht neutral verhalten und fühlt sich von der Namenssituation terrorisiert. Es bräuchte einen dritten Namen. Wir einigen uns, den Berg nur «Dingsstock» zu nennen.

Palmen am Weg

Wir legen los, begeben uns in den Hang, sichten Palmen, Vitznau ist von der Sonne begnadet. Am oberen Dorfrand passieren wir bei Buholz zwei Seilbahn-Talstationen. Die eine Kleinbahn führt zum Bauernweiler Hinterbergen, die andere zur Wissifluh.

Josephine nimmt die Seilbahn, Knieprobleme. Wir anderen kommen alsbald in steiles Gelände. Wenigstens hält der Wald die Sonne ab. Auch so schwitzen wir und freuen uns über die Rast bei Sankt Antoni, einem groben Unterstand mit einer Heiligennische.

Die Abenteuerpassage

Gleich nachher vollziehen wir eine Spitzkehre, gehen nun in Südrichtung, und der Bergpfad wird abenteuerlich. Schmal führt er im abschüssigen Wald um die Felswände herum, einige Stellen sind seilgesichert, richtig ausgesetzt ist das nicht, weil die Bäume den Tiefblick einigermassen verhindern.

Bei der Seilbahn-Bergstation ist der Spuk vorbei, wenig später erreichen wir das Restaurant Wissifluh. Josephine erwartet uns. Wir haben reserviert, was das Betreiberpaar schätzt, das nicht nur wirtet und ein Hotel unterhält, sondern auch biobauert.

Wie in Rio

Es dauert, bis die vorbestellten Älplermagronen kommen, doch der Blick von der Terrasse entschädigt. Er serviert als Ganzes, was wir im Aufstieg in Teilansichten genossen: den See, die schmale Halbinsel des Bürgenstockmassivs, Stanserhorn und Buochserhorn – und irgendwie sind die Farben so intensiv, als sei dies Rio de Janeiro.

Wieder coupiert, ansonsten aber harmlos der Abstieg; wir haben die meiste Zeit den See vor uns. Die Kinder einer Familie stossen Entzückensschreie aus, die einem zutraulichen Hund von irgendwo gelten. Bei Märis kommen wir zu einem Bänkli, das mir Tage zuvor Redaktionskollege Thomas Zemp, ein Innerschweizer, ans Herz gelegt hat. Wer hier sitzt, wird in der Tat nicht wieder aufstehen wollen, er hat ein Landschaftsgemälde vor Augen. Eventuell ist dies das schönste Bänkli der Schweiz.

Kuorez, das Rätselwort

Weiter unten kommen wir zum Gartenrestaurant Kuorez. Ich bin stolz darauf, im Nachhinein, dass meine Theorie zu dem Flurnamen stimmt. In manchem Schweizer Dialekt, trage ich den anderen vor, heisst ein Konrad «Chueret»; daher deute ich «Chueretz» als Genitiv von «Konrad». Stimmt! Bei der Bezeichnung handelt es sich um den Rest der Formulierung «Konrads Matten». So belegt es ein Dokument von 1641.

Wir trinken etwas, schauen und schwelgen, ziehen endlich weiter. Einige Zeit später sind wir unten am See und gleich darauf in Vitznau. Das war gut. Unromantisch gesagt – im Stil des Ökonomen: Im Verhältnis zum eher kleinen Aufwand an Wanderzeit generierten wir enorm viel Wanderfreude. Die Erlebnisrendite dieser Route ist gross.

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Route: Vitznau, Schifflände (oder Bushaltestelle) – Buholz (Wissfluh-Seilbahn, Talstation) – Sankt Antoni – Müllersegg – Wissifluh, Bergstation – Wissifluh, Hotel – Märis – Oberrengg – Ebnet – Kuorez – FloraAlpina – Bushaltestelle FloraAlpina – Vitznau, Schifflände (oder Bushaltestelle).

Wanderzeit: 3 Stunden. Wer bei der Haltestelle «FloraAlpina» aufhört, braucht 20 Minuten weniger.

Höhendifferenz: je 555 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 235 T Rotkreuz und 245 T Stans, 1: 50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Grossartige Bergwanderung mit eindrücklichem Blick auf den Vierwaldstättersee samt seinen Gipfeln. Im Aufstieg zwischen Sankt Antoni und der Wissifluh-Seilbahn-Bergstation einige schmale Abschnitte mit Ketten. Die leichte Ausgesetztheit wird praktisch eliminiert durch den Baumbestand.

Höhepunkte: Die Schifffahrt von Luzern zum Auftakt. Der Abenteuerfaktor nach Sankt Antoni. Die Terrasse der Wissifluh mit einer Märchenaussicht. Der Abstieg mit dem See samt Bürgenstock vor Augen.

Kinder: Von der Länge her ideal. Im Aufstieg muss man sie auf der erwähnten Passage im Auge behalten.

Hund: Geht gut.

Einkehr: Wissifluh. Zum Restaurant gehört ein Biobauernhof. Wer essen will, reserviert per Telefon: 041 397 13 27. Sehr sympathisch ist das Restaurant Kuorez mit toller Terrasse auf halbem Weg talwärts. Ebenfalls täglich offen.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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3 Kommentare zu «Das schönste Bänkli der Schweiz»

  • Simone Dettwilet sagt:

    Wirklich tolle Wanderung, kann ich nur empfehlen. Gestern bei schöntstem Wtter ausprpbiert. Nicht zu empfehlen war das Rest. Wissi Flueh. Leider nämlich am Sonntag am 13h zu, nicht mal etwas zu trinken gab es. Also lieber gleich etwas von Vitznau mitnehmen und dann auf dem Bänkli geniessen. Wurde mir dann auch von einem einheimischen Paar bestätigt. Die Beizer sind seien eher unzuverlässig. Dafür umso empfehlenswerter das Rest. Kuorz..

  • Ursula Sobota sagt:

    Lieber Thomas Widmer, das ist jetzt aber nicht ganz gerecht: beim Rest. Kuorz schreiben sie sehr sympathisch, beim Rest. Wissiflueh, nur, dass sie lange auf die Älplermaggeroni warten mussten. Wir verweilten letztes Jahr für 3 Nächte auf der Wissiflueh und das Essen und die Gastfreundschaft waren unübertroffen. Haben Sie den Muni auch kennengelernt? Den Kräutergarten gesichtet?
    Das Bänkli, ja, das Bänkli ist ein Traum.

  • Bildermacher sagt:

    Alleine wegen dem Bänkli bei Märis werde ich diese Wanderung machen.
    Danke für den schönen Tipp

Kommentar

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