3 Kilo weniger in 30 Tagen

Es kostet Kraft, nie schwach zu werden – vor allem bei dieser Auslage. Foto: iStock

Es kostet Kraft, nie schwach zu werden – vor allem bei dieser Auslage. Foto: iStock

Ende Februar. Nur noch wenige Wochen bis zur T-Shirt-Saison. Falls Sie damit liebäugeln, ein paar Kilo abzunehmen, aber keine Lust auf Hungern haben, dann könnte das «Verzichtfasten» eine Idee sein. Keine Angst: Verzichtfasten hat nichts zu tun mit dem krassen Fasten, bei dem nur Tee und Wasser «gegessen» wird. Es ist eine Neuinterpretation der antiken, christlichen 40-tägigen Fastenzeit – und kommt immer mehr in Mode. Auch bei Leuten, die mit der Kirche nichts am Hut haben, so wie ich.

Anders als beim strengen kirchlichen Fasten, bei dem von Aschermittwoch bis Ostern kein Fleisch und kein Alkohol genossen wird, entscheidet beim Verzichtfasten jeder selber, was er während der 40 Tage sein lassen möchte. Das muss nicht unbedingt Nahrung sein. Es geht darum, alltägliche Gewohnheiten zu überprüfen und allenfalls zu korrigieren. Wer zum Beispiel sein halbes Leben auf Facebook verbringt, kann sich überlegen, ob das wirklich nötig ist. Falls nicht, verbringt er während der Fastenzeit weniger Zeit auf Facebook, oder er bleibt der Plattform ganz fern. Ganz nach persönlichem Gusto. Weitere typische Gewohnheiten, die schleichend und ungewollt überhandnehmen, sind etwa der tägliche Fernsehkonsum, zu wenig Bewegung, zu viel shoppen, zu viel arbeiten, zu viel lästern etc.

Verzicht ist der Luxus der Zukunft

Trendforscher sagen, es verwundere wenig, dass das Verzichtfasten immer mehr Anhänger finde. Unsere Konsumgesellschaft sei vom Überfluss übersättigt. Die Leute sehnten sich nach einer Reduktion, nach dem Einfachen, nach einer Auszeit vom Materiellen, nach bewusster Entbehrung. Verzicht sei der Luxus der Zukunft.

Ich habe letztes Jahr beim Verzichtfasten mitgemacht und werde es dieses Jahr wieder tun. Denn es war lehrreich. Für Körper und Psyche. Zu meinen grössten Lastern zähle ich den übermässigen Zuckerkonsum. Schoggi, Cremeschnitten, Panettone am Meter. Bei mir gibt es keinen Tag ohne gezuckerte Nahrung, zumal ich aus Bequemlichkeit auch gerne zu Convenience-Food griff. In fast jedem Fertigfood steckt eine erschreckende Menge «versteckter Zucker». Etwa in Salatsaucen, Fertigpizzas, Schinken, Big Mac – auch wenn sie nicht süss schmecken.

40 Tage ohne weissen Zucker

Also beschloss ich, 40 Tage auf alles zu verzichten, was weissen Zucker enthält. Das zwang mich, täglich frisch zu kochen und meine Zeit anders zu organisieren. Überrascht hat mich, dass ich nach 30 Tagen 3 Kilo abgenommen hatte, obschon ich das nicht beabsichtigte, stets grosse Portionen ass, auch Kohlehydrate und fettiges Fleisch. Zum Dessert süsse Früchte – nur eben keinen weissen Zucker. Zudem mied ich Alkohol, und beim Kochen liess ich Fertiggewürze weg, da sie künstliche Aromastoffe, Geschmacksverstärker und zum Teil auch Zucker beinhalten. Sport trieb ich ganz normal weiter. Statt Snickers und Biberli ass ich auf meinen Bergtouren Brot und Käse, Dörrfrüchte, Salznüsse und selber gemachte, zuckerfreie Riegel (die Rezepte folgen nächste Woche hier im Outdoorblog). 

Die Kocherei und der Verzicht auf Alkohol stellte kein Problem dar. Doch nach ungefähr vier Wochen begannen die Gelüste nach Süssigkeiten meine Gedankenwelt zu dominieren – wie bei einer Süchtigen auf Entzug! Ich war schockiert. Es kostete mich Kraft, nie schwach zu werden. Durchzuhalten machte mich aber irgendwie zufrieden und stolz. Ich führte eine Challenge gegen mich selber – und für mich selber. Ostern wurde schliesslich zu einem unvergesslichen Tag mit selbst gebackenem Schokoladenkuchen, der mir so göttlich schmeckte wie nie zuvor ein Kuchen.

Den Kompass justieren

Positiv am Verzichtfasten finde ich: Es dauert 40 Tage. Also relativ kurz und dennoch lange genug, um zur Besinnung zu kommen und unnötige Gewohnheiten zu korrigieren. Fertigfood und künstliche Aromastoffe meide ich bis heute. Das Gewicht blieb stabil. Süssigkeiten esse ich zwar, aber deutlich bewusster. Doch neuerdings beobachte ich, wie ich öfter ohne nachzudenken Cremeschnitten im Viererpack kaufe – und manchmal alle aufs Mal verputze. Es wird Zeit, meinen Zuckerkompass für nächstes Jahr wieder neu zu justieren. Auf die 40-tägige Challenge freue ich mich schon.

Bald ist es wieder so weit: Die Fastenzeit beginnt dieses Jahr am 1. März – und endet am Karsamstag, 15. April (sonntags ist jeweils Cheat Day). Sind Sie auch dabei?

12 Kommentare zu «3 Kilo weniger in 30 Tagen»

  • Pete J. Probe sagt:

    Mit den ständig wechselnden sog. `Diäten´ wird nur Geld gemacht und sonst gar nichts.
    Früher galt die einfache sog. `fdh´ (friss die Hälfte) – Regel. Da waren die Nahrungsmittel auch noch nicht durchsetzt mit Zucker und anderen Suchtstoffen ohne Ende.
    In dieser Hinsicht hat Natascha `ein altes Fass´ aufgemacht, dem ich nur beipflichten kann.
    Außerdem noch mit dem Hinweis, beim Einkaufen auf allen Verpackungen auch das `Kleinstgedruckte´ genau zu studieren, denn letztlich richtet sich der Markt nach dem Verbraucher.
    Ich habe versucht, das in meinen Beiträgen zu verdeutlichen:
    https://4alle.wordpress.com/category/ernahrung/
    Doch scheint das kaum jemanden zu interessieren.
    Vielen Dank soweit mit Gruß an Natascha Knecht!!
    PJP

  • A. Koch sagt:

    Machen meine Frau und ich nun schon eine ganze Weile. 2x pro Jahr nota bene. Advents- und Fastenzeit. Ich kein Tropfen Alkohol, Sie keine Guezli :-)

    Der andere Trick, den ich nun auch wieder 1-2 Mal pro Woche anwenden ist, das Abendessen ganz auszulassen. Nach dem Mittagessen ist die Nahrungsaufnahme für den Tag „gegessen“. Funktioniert ohne Problem; halbe Stunde leicht hungrig zur Abendessenszeit und das war’s. Einzig muss man hart bleiben – ein bisschen etwas naschen und der Kohldampf ist sofort da…

    • Pete J. Probe sagt:

      Hallo,
      das finde ich sehr interessant, eine oder sogar zwei Mahlzeiten einfach auszulassen.
      Bei uns wird abends warm und gesund gegessen. Und morgens esse ich gegen 11 Abendbrot :-).
      Funktioniert auch!!

  • Christoph Bögli sagt:

    Meiner Erfahrung nach ist es eher so, dass je weniger man z.B. Süssigkeiten oder Süssgetränke konsumiert, desto unattraktiver wird das Ganze. Mittlerweile finde ich die klebrige Süsse von Cola nahezu unerträglich und Standard“kuchen“/“schokolade“-Zuckerbomben öden richtiggehend an. Mag auch individuell sein, aber ich denke, dass sich diese Anpassung erst langfristig und graduell einstellt.

    Was ich wiederum als Problem von all diesen Fastenkonzepten und Verzichtsperioden sehe: Diese sind per Definition zu kurz und gleichzeitig meist radikal, um wirkliche Änderungen zu bewirken. Zwar kann etwas hängen bleiben, wahrscheinlicher ist aber, dass man die im Gehirn verankerte Glorifizierung des Problemprodukts nur verstärkt. Langsamer, aber bewusster Reduzieren wäre da wohl sinnvoller.

  • Hans Deutsch sagt:

    Wieso „weisser Zucker“?

    -> „Übrigens ist sogenannter brauner Zucker, Rüben- oder Rohrzucker nicht besser für Ihre Gesundheit als weisser Zucker. Brauner Zucker ist oft sogar nur weisser Zucker mit zugesetzten Farbstoffen und anderen Chemikalien.“

    • Christoph Bögli sagt:

      Die krude Logik dahinter ist wohl, dass raffinierter Zucker weitaus am häufigsten vorkommt, insbesondere in klassischen Problemprodukten wie Softdrinks oder Süsswaren, man also eine grosse Palette an (Fertig-)Produkten damit ausschliesst. Allerdings ist das keine sehr durchdachte Perspektive und wird zu einem Bumerang, wenn man dann den weggelassenen „weissen Zucker“ eins zu eins mit Rohzucker, Fructosesirup, Agavendicksaft, etc. ersetzt. Was durchaus nicht selten vorkommt – auch weil sich entsprechende Produkte immer mehr ausbreiten, die nicht mit klassischem Kristallzucker gesüsst wurden – und natürlich wenn überhaupt eher kontraproduktiv wirkt..

  • Quasimodo sagt:

    Ich finde Verzichtfasten eine super Idee. Und auf Zucker zu verzichten würde mir auch passen. Advert es machen sie zum Beispiel mit Brot- oder Pizza-Teig (natürlich selbst gemacht). Die Hefe mag etwas Zucker ganz gerne, um auf Turen zu kommen. Auch Tomatensauce benötigt etwas Süssendes, um die Säure auszubalancieren. Künstlicher Süssstoff erachte ich nicht als Alternative.

    • maia sagt:

      Hefe braucht einfach etwas länger um ohne Zucker auf Touren zu kommen und ich bin noch nie auf die Idee gekommen an selber gemachte Tomatensauce Zucker zu geben.

      • beatrice sagt:

        @maia,

        ein bisschen zucker verstaerkt den eigengeschmack der tomate :-)

      • maia sagt:

        @beatrice: Ich kenne diese Theorie schon. Aber erstens kann ich das nicht bestätigen. Mir ist es dann einfach zu süss. Zweitens kann man trotzdem in den 40 Tagen darauf verzichten.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Statt Zucker kann man bequem andere Kohlenhydrate (Stärke) konsumieren. Der Körper wandelt sie in Zucker um. Nur wer auf die Idee kommt, z.B. die Atkins-Diät (keine Kohlenhydrate, nur Eiweiss & Fett) auszuprobieren, muss wissen, dass er damit seine Serotonin-Versorgung im Gehirn durcheinander bringt und auch die Menge an Melatonin verringert. Anders ausgedrückt: man ist über Tag gereizter und schläft schlechter. Manche entwickeln sogar eine Depression und schlucken vom Arzt verordnetes Serotonin!?!
    Etwas in seinem Leben zu ändern, macht immer Sinn. Doch statt sich aufs Fasten-Essen zu konzentrieren, sollte man sich mehr bewegen/Sport treiben. Denn Sport führt dazu, das Richtige in den richtigen Mengen zu essen d.h. der Körper verlangt nach dem, was ihn beim Sport treiben unterstützt.

    • Rolf Hinnen sagt:

      Das mit dem Sport stimmt nur bedingt. Ich bin jahrelang regelmässig abends Rad gefahren (alle zwei Tage) ohne etwas abzunehmen. Ich musste jeweils vor dem fahren essen sonst hatte ich den Hammermann. Auch nach dem Radfahren hatte ich wieder extrem Hunger und habe dann eine grössere Portion als normal gegessen. Erst seit ich auf andere Sportarten umgestiegen bin (Gym, Wandern !) ist es auch mit dem Gewicht runter.

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