Der Dialog der Völker fand nicht statt

Diese Woche von Langwiesen via Rheinau nach Lottstetten (ZH/TG/D)

  • Langwiesen, es wintert auf dieser Wanderung schwach.

  • Es geht aufwärts Richtung Kyburgerstein.

  • Hochwacht Wildensbuch, der Aussichtsturm bietet grad kaum Aussicht.

  • Die Alemannenhöhle liegt nah beim Turm, aber auf Thurgauer Boden.

  • Abgang nach Wildensbuch.

  • Im reizenden Rudolfingen. Der Volg (r.) hat offen, wir trinken einen Kaffee.

  • Flaches Zürcher Weinland.

  • Unterführung vor Oerlingen.

  • In Marthalen.

  • Schöner Punkt kurz nach Marthalen.

  • Die Rheinau zeigt sich.

  • Die Klosterinsel, Kanton Zürich vom Feinsten.

  • Die Brücke beim Salmen führt direkt nach Deutschland.

  • Mit diesem Biberschaden soll sich die EU herumschlagen.

  • Deponie auf dem flachen Feld vor Lottstetten.

  • Noch zehn Minuten, dann gibt es ein deutsches Bier.

  • Lottstetten, der Bahnhof.

Es schneeregnete, als wir eines Vormittags bei der S-Bahn-Station Langwiesen unweit von Schaffhausen ausstiegen. Es würde eine lange Wanderung werden, wusste ich als Planer. In der Tat: Als wir von Lottstetten den Zug heimwärts nahmen, dunkelte es schon ein.

Dazwischen lag Abwechslung. Zuerst eroberten wir uns einen Höhenzug. Wir stiegen auf durch den Wald, gingen auf der Grenze der Kantone Zürich-Thurgau, der historische Kyburgerstein zeigte es an. Endlich die Hochwacht Wildensbuch mit einem Koloss von hölzernem Aussichtsturm, 37 Meter hoch und 100 Tonnen schwer.

Die Infotafel macht hungrig

Den Aufstieg schenkte ich mir, der Himmel war diesig; weil ich ein anderes Mal oben gewesen war, wusste ich, dass man bei klarer Luft die Vulkankegelchen des Hegaus sieht. Neu war mir die Alemannenhöhle, die ganz nah auf Thurgauer Boden liegt. Bereits in der Mittelsteinzeit um 8500 vor Christus lagerten in ihr Jäger. Sie brieten das Getier, das sie erlegt hatten; wir bekamen beim Lesen der Infotafel Hunger.

Wir stiegen ab nach Wildensbuch: ein reizendes Dörflein. Wechselten hinüber nach Rudolfingen, wieder reizend, Riegelbauten allenthalben. Im Volg besorgten wir uns Kaffee, wärmten die Finger am heissen Getränk. Dann weiter, nun übers flache Land, ins ebenfalls reizende Oerlingen und ins noch viel reizendere Marthalen.

Die Zürcher Fata Morgana

In Marthalen assen wir gut im Rössli, das auch schon ein paar Hundert Jahre da steht, natürlich auch ein Fachwerkbau. Wir waren angetan und gedachten Marthalens noch lange, nachdem wir es bereits verlassen und ins Radholz eingetaucht waren. Bei einer früheren Wanderung hatten wir in diesem Wald Jäger angetroffen, falls ich mich recht entsinne, jagten sie nach Wildsauen. Oder bilde ich mir das ein?

Wie eine Fata Morgana zeigte sich die Rheinau: das Kloster auf der Rheininsel kann jederzeit einen Bildband «Das Abendland» zieren. Und die Doppelschleife des Flusses bewirkt im Besucher, dass er die Himmelsrichtungen vergisst und sich unwirklich fühlt. Wir schauten uns das Klosterareal an, das mittlerweile zum Musikzentrum umfunktioniert ist, und mussten doch bald weiter. Wer essen will: Neuerdings wird im Augarten sehr gut gewirtet, höre ich.

Das ist Sache der EU

Beim Salmen – dort habe ich bereits gegessen, ausgezeichnet! – wechselten wir in der gedeckten Holzbrücke hinüber nach Deutschland und schwenkten auf den Rhein-Uferweg flussabwärts ein. Die vom Biber angenagten Bäume taten mir leid, ich dachte aber auch: Okay, das ist nicht mein Problem, wir sind jetzt in der EU.

Bald darauf, nachdem wir via Balm auf eine Ebene gekommen und eine Deponie passiert hatten, kamen wir in Lottstetten an. Die Wanderung endete beim Bahnhof, dessen Bedienung der SBB obliegt. Bevor wir heimfuhren, tranken wir etwas im Dorf. Mein Pils mundete, und ich fand, es wäre jetzt an der Zeit, dass wir an unserem langen Tisch mit den Einheimischen ins Gespräch kämen.

Ich wandte mich also an meinen bis anhin wortkargen Tischnachbarn. Es stellte sich heraus, dass er wie seine drei Begleiterinnen mit dem Auto zum Shoppen nach Lottstetten gekommen war, er war aus Zürich. Überhaupt schienen praktisch alle Gäste des Lokals wie wir selber Schweizer zu sein. Also kein Dialog der Völker.

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Route: Langwiesen (Bahnstation an der S-Bahn-Linie von Schaffhausen nach Diessenhofen und Stein am Rhein) – Kyburgerstein – Rossbuck – Hochwacht Wildensbuch, Turm – Alemannenhöhle – retour zum Turm – Wildensbuch – Waldheim – Rudolfingen – Längenriet – Oerlingen – Marthalen – Radholz – Rheinau, Kloster – Rheinau, Salmen – gedeckte Holzbrücke nach Deutschland – Balm – Deponie – Lottstetten – Lottstetten, Bahnhof SBB.

Wanderzeit: 6 Stunden.

Höhendifferenz: 365 Meter auf-, 327 abwärts.

Wanderkarte: Am besten die 1:60’000-er-Karte «Schaffhausen/Winterthur» von Kümmerly+Frey.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Lottstetten liegt in Deutschland, der Bahnhof wird aber durch die SBB bedient. Direkte S-Bahn nach Zürich.

Kürzer: Wanderende in Rheinau, Bus zum Bahnhof Marthalen. 4 3/4 Stunden. 

Charakter: Weit und wunderbar mit Abwechslung: Höhenzüge, flaches Land, Fluss und Auen.

Höhepunkte: Die Alemannenhöhle und der Turm der Hochwacht Wildensbuch. Die reizenden Dörfer Wildensbuch und Rudolfingen. Marthalens Fachwerkbauten-Herrlichkeit. Das Kloster Rheinau bei der Doppelschleife des Rheins wie eine Fata Morgana.

Kinder: Weit. Am Rhein muss man auf sie aufpassen.

Hund: Weit. Garantiert wird er so schmutzig wie glücklich.

Einkehr: Z.B. im Rössli Marthalen, gute Küche, schönes historisches Haus. Mo und letzter Sonntag im Monat Ruhetag. Rheinau, Augarten (Mo Ruhetag) oder Salmen (Di/Mi Ruhetag).

Kafihalt: Im Volg Rudolfingen kann man einkaufen (Wein vom Ort) und bekommt Kaffee. Mo bis Fr 8 bis 12 und 16 bis 18.30. Sa 8 bis 12.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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