Lieber Winter, ist Frau Holle alterskrank?

Purer Schnee, pure Freude: Doch wann schüttelt Frau Holle endlich so richtig Ihre Decken für uns? Foto: ZargonDesign (iStock)

Lieber Winter

Hey Buddy, alles klar bei dir? Ich schreibe dir, weil meine Kumpels und ich soeben über ein Kadermitglied in deinem Team gesprochen haben. Und mit «soeben» meine ich: während der vergangenen zwei Monate fast jeden Tag. Wir fragen uns, wie es deiner Schnee-Chefin Frau Holle geht. Was bei ihr auf dem Plan steht. Ob sie in dieser Saison noch für einen ausgedehnten Besuch zu uns in die Alpen kommt. Oder ob wir die neu gekauften Skihosen auf Ebay versteigern und mit dem Geld in den Süden klettern gehen sollen. Wir sind ratlos.

Da wir wissen, dass Frau Holle zu deinen langjährigen Mitarbeiterinnen gehört, glaubten wir lange, sie sei womöglich alterskrank geworden. Sie habe nicht mehr die Kraft, unsere Berge volle Pulle einzuschneien. Doch dann stalkten wir sie auf Facebook und entdeckten Videos, die zeigen, dass die Grande Dame noch ganz fit im Schritt ist und rauschende Partys mit astreinem weissem Pulver feiert. In Kanada!

Ist Frau Holle sauer auf uns?

Lass Frau Holle herzlich von uns grüssen und gib ihr ein High-Five von uns, lieber Winter. Sag ihr bitte, dass wir uns über ihren guten Gesundheitszustand sehr freuen – und dass sie bei uns mindestens so willkommen ist wie bei den Kanadiern. Sag ihr bitte auch, dass wir Freudentränen in den Augen haben, weil sie diese Woche endlich ein paar Flocken vom Himmel fallen lässt. Doch sie hat uns leider so wenige Schneewolken geschickt, dass es nur für ein kleines Schneeschäumchen reicht – und nicht einmal im ganzen Alpenraum. Wir sind darum stark verunsichert. Ist Frau Holle sauer auf uns? Will sie sich rächen? Weil wir uns in den sozialen Medien über sie lustig machen und diese grässlichen Bilder von grün-braunen Berghängen mit Kunstschneelinien verbreiten? Falls ja: Es tut uns leid. Wir nehmen alles zurück.

Wir entschuldigen uns auch, sollte Frau Holle beleidigt sein, weil sie bei uns stets von allen möglichen und unmöglichen Seiten angeschossen wird. Sie kann machen, was sie will: Bei uns findet sich immer ein Motzer. Wenn es richtig schön schneit, beklagen sich die Skigebiete, dass sie beachtliche Mehrarbeit leisten müssen, aber dafür zu wenig Subventionen kriegen. Wenn es normal Schnee gibt, jammern die Wintersportregionen ebenso – damit keinem in den Sinn kommt, die Subventionen zu kürzen. Gleichzeitig lassen sie mit Hochdruck Abertausende Schneekanonen laufen, was wiederum von den Umweltschützern kritisiert wird. Mit anderen Worten: Zwischen November und April muss Frau Holle für jede Art von Misere den Kopf hinhalten. Ja, sie ist ein Opfer.

Können wir Frieden schliessen?

Lieber Winter, sag Frau Holle, sie solle es machen wie der Nebel: Er ist mit Abstand die verhassteste Erscheinung der kalten Monate. Aber er lässt sich nicht beirren und bleibt hartnäckig über dem Flachland hocken. Richte ihr bitte aus, wir Schneefreunde seien einer Depression nahe – und auf Entzug. Grosse und regelmässige Lieferungen dieses weissen Pulvers würden uns sehr glücklich machen. Jetzt ist Januar, unsere Tourenausrüstung liegt längst parat. Hey Buddy, was meinst du? Kannst du Frau Holle noch ermuntern?

5 Kommentare zu «Lieber Winter, ist Frau Holle alterskrank?»

  • Ralf Schrader sagt:

    Frau Holle mag nicht mehr selbst und hat sich ins altersgerechte Wohnen am Nordpol zurück gezogen. Da, wo sie einst geboren ist.

    Vorher hat sie sich, wie wir wissen, zwei Nachauftragnehmerinnen gesucht. Die Goldmarie hat reich geheiratet und nun schüttelt nur noch die Pechmarie. Pech für uns.

  • Herbert Peter sagt:

    Da der Schnee launischer und kärglicher wird, prüfen wir alternative Wintertätigkeiten. Frau Holle kann bei fortschreitender Klimawrwärmung auch nichts machen. Positiver Nebenaspekt, Es lässt sich manche Garnitur teurer Outdoor-Kleider sparen.

  • Leo Schmidli sagt:

    Der Winter ist heute gerade einmal 2 Wochen alt geworden. Wahrscheinlich ist die Mitarbeiterin Frau Holle noch in der Probezeit. Also Geduld…

  • Werner Munter sagt:

    Liebe Natascha. Im Januar 1964 waren die Kleine Scheidegg und das Lauberhorn bis zum Gipfel grün. Wir benutzten die seltene Gelegenheit, um den Jungfrau-Ostgrat erstmals im Winter zu begehen. Weil die Verhältnisse so günstig waren, hängten wir ein Woche später noch den Mittellegigrat am Eiger an. In 7 Stunden von der Mittellegi-Hütte bis Eigergletscher, traumhaft, aber saukalt. Seit einigen Wochen mache ich täglich Touren in Arolla mit microspikes, der Schnee trägt wunderbar, mein Hund weiss es zu schätzen. Sich den Verhältnissen anpassen war schon immer das Geheimnis der guten Alpinisten. Der Schnee kommt bestimmt. Ich wünsche Dir einen schönen Winter mit viel Puverschnee, die Muotataler Wetterfrösche haben es versprochen….

  • Michael sagt:

    Vielleicht liebe Frau Knecht kann aber Frau Holle gerade mit High-Five, von Drohnen verfolgten Youtube Bloggern und andauernden Handytelefonieren nichts anfangen ? Die Menschheit hat doch die Schneekanonen entwickelt, vielleicht denkt sie nur, sollen die doch die Arbeit übernehmen. Sie selber wird doch immer nur angefeindet – entweder ist sie zu spät mit dem Schnee, oder er fällt zu wenig, oder er fällt an einer anderen Stelle, im Frühjahr fällt er dann zu lange. Da hätte ich irgendwann auch keine Lust mehr !

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