Die Ogitour

Diese Woche von Kandersteg zum Blausee (BE) – und weitere Ideen.

  • Kandersteg, Bahnhof.

  • Einer von vielen Gipfeln rundum.

  • Winteridyll.

  • Ein Hüsli wie aus dem Märchen.

  • Ebene Fläche weiter unten.

  • Freudiger Rückblick: Die Sonne kommt.

  • Selbstporträt des Winterwanderers.

  • Perfekte Gehverhältnisse.

  • Der Weiler kurz vor der Strasse.

  • Bei der Bushaltestelle Blausee.

  • Gegenüber das Kassenhäuschen. Derzeit zahlt man keinen Eintritt.

  • Der Blausee, ein Berner Bijou.

  • Gleich am See liegt das Hotel.

Mich begeistert die Idee, in Adolf Ogis Heimat Kandersteg zwei kurze Gehstrecken mit zwei Besichtigungen zu kombinieren. Daraus ergibt sich auch eine Hommage an den Alt-Bundesrat.

Beginnen wir mit einem Dorfrundgang. Den soll jeder selber gestalten, interessante Dinge zu sehen gibt es noch und noch. Vor zwei Jahren, als Wanderautor Fritz Hegi in Kandersteg sein neues Buch vorstellte, war Ogi der Vernissagestar. Er zeigte uns schwindelhoch an dem einen Berg die Lawinenverbauungen Fisi, die sein Vater mitgebaut hatte. Das Schulhaus nannte er «meine Universität». Auch liess er Staatsbesuche wieder aufleben. Der französische Präsident Mitterrand habe auf Visite spontan zu ihm gesagt: «Und jetzt will ich Ihren Vater und Ihre Mutter sehen.» Bewegend der Besuch in der uralten Kirche.

Ogi erwähnte, dass draussen an der Kirchenwand sein Urgrossvater begraben sei, der als Bergführer für ein paar Engländer 1860 Mit-Erstbesteiger der Blüemlisalp war.

Sibirien nach Berner Art

Alsbald nehmen wir die Gondelbahn hinauf zum Oeschinensee. Er liegt 25 Minuten von der Bergstation entfernt. Im Kessel, der von dramatischen Felswänden gesäumt ist, sieht man oft Eisfischer – Sibirien im Kanton Bern. Toll das Restaurant am See.

Wieder unten in Kandersteg, wandern wir länger. Die Route zum Blausee dauert anderthalb Stunden. Bis «Underem Büel» am Ortsausgang gehen wir westseitig der Bahnlinie oder folgen ostseitig der Kander. Dann geht es durch den verschneiten Wald abwärts. Und dann immer vorwärts, wobei die Berge zur Rechten faszinieren. Der Weg ist ausgeschildert; ob er auch offen ist, weiss Kandersteg Tourismus.

Nordische Flechten

Bald weitet sich das Tal, sonnengeschwärzte Häuser und Ställe allenthalben. Im Gebiet Mitholz nehmen wir die Brücke über den Fluss, kommen bei der Teuffematti durch einen Weiler, erreichen die Strasse mit dem Bus von Kandersteg nach Frutigen. Etwas weiter unten finden wir die Bushaltestelle, die Pizzeria Conventino und – ganz nah – den Blausee.

Stille herrscht; das Hotel-Restaurant ist noch ein paar Tage geschlossen. Entstanden ist der See vor 15’000 Jahren durch einen Felssturz. Wir sind ihm dankbar. Da sind die gewaltigen Felsbrocken. Die nordisch anmutenden Flechten und Moose. Die Spiegelungen auf dem Wasser.

Kaviar in Frutigen

Mit dem Bus fahren wir nun hinab nach Frutigen zur nächsten Attraktion. Das Tropenhaus ist ab morgen wieder offen. Die Kombination aus Störzucht und Tropengarten mit Guaven, Erdnüssen, Süsskartoffeln, Papayas, Lychees, Zimt und Vanille ist umso exotischer, als man durch die Scheiben auf verschneite Berge schaut. Im Restaurant kann man Stör essen und Kaviar probieren.

Entstanden ist das Tropenhaus beim Bau des Neat-Lötschbergtunnels. Man bohrte eine Quelle an, welche nun das Wasser des Tropenhauses heizt. Wenn wir uns überlegen, wer massgeblich den neuen Tunnel ins Wallis propagierte, sind wir wieder am Anfang der Kolumne. Es war Adolf Ogi.

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Route Kandersteg–Blausee: Kandersteg, Bahnhof – Winterwanderweg auf der Westseite des Bahnhofs bis Usser Meri. Alternativ kann man dieses Stück ostseitig der Schienen laufen, also die Kander entlang – Underem Büel – Teuffematti – Strasse Kandersteg–Frutigen – Bushaltestelle Blausee an dieser Strasse – Blausee – retour zur Bushaltestelle.

Wanderzeit: 1 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 50 Meter auf-, 320 abwärts.

Wanderkarte: 263 T Wildstrubel, 1:50’000.

Verlängerung: Weiter den Talweg hinab bis Frutigen und zum Tropenhaus in zwei Stunden.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Weginfo: Kandersteg Tourismus weiss, ob der Weg offen ist. Telefon 033 675 80 80.

Tipp eins: Kandersteg besichtigen, die reformierte Kirche ist ein Must.

Tipp zwei: Die Oeschinensee-Gondelbahn nehmen. Oben in kurzer Wanderei auf signalisiertem Winterweg hinab zum See (hin und retour 50 Minuten). Dort kann man im Hotel-Restaurant einkehren.

Tipp drei: Besuch des Tropenhauses Frutigen: Störzucht, riesiger Tropengarten, Restaurant, Shop. Die Betriebsferien enden am 20. Januar 2017, danach wieder regulär offen mit Ruhetag Montag.

Bus: Linie Kandersteg–Frutigen. Kandersteg und Frutigen sind per Bahn erschlossen.

Charakter: Leichte Winterwanderung mit flankierenden Unternehmungen.

Höhepunkte: Die gewaltigen Berge um Kandersteg. Der stille Wald einige Zeit nach Kandersteg auf dem Weg zum Blausee. Der Anblick des um diese Jahreszeit rummelfreien Blausees.

Kinder: Keine Probleme.

Hunde: Keine Probleme.

Einkehr: In Kandersteg Pizzeria Conventino gleich bei der Blausee-Bushaltestelle. Di/Mi Ruhetag. Mo/Do/Fr 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr. Sa/So 11.30 bis 21 Uhr. – Hotel-Restaurant am See: täglich geöffnet, gediegene Küche. Betriebsferien bis und mit 26. Januar.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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1 Kommentar zu «Die Ogitour»

  • Martin Fürst sagt:

    … wieso nicht vom Bahnhof Kandersteg auf die Blümlisalphütte wandern und gleichentags zurück? Tipp: Nicht später als 12:00 Uhr loslegen!

Kommentar

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