«Der Schuh weisser Menschen»

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Viele Kunden von New Balance haben die Freude an ihren Schuhen verloren. Foto: @juliacastix, Twitter

Auf Twitter kursieren von brennenden Turnschuhen oder solchen, die demonstrativ ins den Abfall geschmissen wurden – obwohl sie noch neu waren. Was ist passiert? Das in Boston ansässige Unternehmen New Balance betreibt in New England fünf Fabriken mit 1400 Angestellten. Der überraschende Wahlausgang fand bei New Balance Anklang, weil Trump anders als sein Vorgänger Barack Obama das Transatlantische Handelsabkommen ablehnt. Die Sportartikelfirma erwartet, dass die Gefahr durch die Konkurrenz aus dem Osten damit gebannt wird und die amerikanischen Hersteller einen Vorsprung erhalten. In einem Interview sagte New Balance-Kadermann Matthew LeBretton: «Wir stiessen bei der Obama Administration auf taube Ohren und hoffen, dass es mit Herrn Trump nun in die richtige Richtung geht.»

Boykott-Forderungen

Dieses Statement löste heftige Empörung aus. Auf den sozialen Netzwerken dokumentierten Twitterer, Facebooker, Instagramer und Snapchatter ihren Unmut: Videos von brennenden Schuhen machten die Runde. Es kursierten Fotos von Schuhen, die in Toiletten endeten. Etliche setzten ein Zeichen, indem sie die Turnschuhe in die Geschäfte zurück brachten. Alle Beschwichtigungs- und Rechtfertigungsversuche des Unternehmens scheiterten. Die Äusserungen haben seine Kundschaft in zwei Lager geteilt: Trump-Kritiker rufen zum Boykott des Schuhherstellers auf, während Rassisten die New Balance Treter kurzerhand zum «offiziellen Schuh weisser Menschen» ernennen.

Der amerikanische Schuhfabrikant wird zu recht für seine Äusserung gegeisselt. Nicht etwa, weil er seine Marktposition schützen will. Mit seinen Äusserungen hat Kadermann LeBretton aber die wertvollsten Güter des Sportes mit Füssen getreten: Die politische Neutralität und Unabhängigkeit. Diese Werte sind gerade in Zeiten der Migration von immenser Bedeutung. Sport kann Menschen vereinen, ungeachtet der politischen Konflikte. Durch diese Werte finden traumatisierte Kinder auf dem Fussballplatz ihr Lachen wieder. Flüchtlinge können durchs Laufen an der frischen Luft gemeinsam mit Einheimischen das Erlebte Schritt für Schritt hinter sich lassen.

Die Stärke des Sports

Sport kennt keine herkunftsbedingte Kommunikationsgrenzen, er verbindet Menschen durch die Sprache der Emotionen. Das macht ihn zum besten zwischenmenschlichen Vermittler. Politische Äusserungen wie jene von LeBretton gefährden diese kostbare Fähigkeit. Die Sportgeschichte zeigt zwar, dass Nationen und Athleten sehr wohl politische Zeichen gesetzt haben – etwa mit dem Boykott Olympischer Spiele. Zu recht, denn damit protestierten sie gegen Verstösse gegen die Menschlichkeit und gegen die Verletzung eben jener Grundwerte des Sports. LeBrettons Äusserungen sind aber ausschliesslich wirtschaftlich motiviert. Deshalb gilt für New Balance: Schuster bleib bei deinen Leisten!

21 Kommentare zu ««Der Schuh weisser Menschen»»

  • Raymond Allaman sagt:

    Vor der Brexit-Abstimmung machte Premier League-CEO Richard Scudamore mehrmals öffentlich deutlich, dass er für den Verbleib in der EU plädiert. Muss ich jetzt mein Liverpool-Leibchen verbrennen? Schliesslich war diese Aussage ebenfalls „ausschliesslich wirtschaftlich motiviert“ und die PL-Clubs treten damit statt den Ball „die wertvollsten Güter des Sports mit Füssen.“

  • Werni Sägesser sagt:

    „…gerade in Zeiten der Migration…“ Fr. Wertheimer scheint die Migration für Gottgegeben zu halten. Dass eine Mehrheit von Ständen und Schweizern die MEI angenommen hat, ist Fr. Wertheimer entgangen. Wieso will etwa die Hälfte der Bevölkerung jeden in die CH aufnehmen? Was ist eigentlich los? Und erzählen Sie, Fr. Wertheimer, einmal den muslimischen Fussballern bei uns oder in Europa, dass sie nicht immer verletzt oder krank sein sollen, wenn mal gegen Israel gespielt wird. Da sieht man die „neutrale“ Gesinnung sehr gut.

    • Flori Antha sagt:

      Sägesser: Migration ist gottgegeben (oder so ähnlich). Was glauben Sie denn, wie Ihre Vorfahren in die Schweiz gekommen sind? Und warum glauben Sie spricht man heute in der Deutschschweiz nicht mehr die Vorgängersprachen des Rätoromanischen? Weil Ihre Vorfahren gekommen sind!

  • Roland K. Moser sagt:

    Vereine und Verbände haben politisch und konfessionell neutral zu sein, ausser der Vereinszweck ist ein politischer (Partei) oder religiöser (IZRS, IS).
    Firmen müssen es nicht sein, sollten aber bei bestimmten Themen sicher nichts sagen.
    Bei gewissen politischen Aktivitäten wie Umweltschutz kann man sogar Werbung damit machen, z.B. Patagonia.

  • Christian Eckerlein sagt:

    Liebe Frau Werthmüller
    Ich bin zwar auch alles andere als begeistert von der Wahl Trumps und definitiv ist da New Balance in ein Fettnäpfchen getreteten – wenn auch diese Aussage (hoffentlich) einen rein wirtschaftlich motivierten Hintergrund hatte. Wie auch immer, weder macht es die Welt besser wenn nun alle ihre New Balance Schuhe verbrennen, noch ist so, dass die anderen grossen Sportartikelhersteller sich „politischer Neutralität und Unabhängigkeit“, geschweige denn sonstigen hehren Idealen des Sports verschreiben würden. Das scheint mir ziemlich blauäugig. Da geht es knallhart um Profit und Marktanteile, nichts anderes. Die von Ihnen genannte Menschlichkeit würde ja z.B. darin bestehen, einen Existenzsichernden Mindestlohn zu bezahlen – etwas wovon wir leider weit entfernt sind.

  • Peter Gruber sagt:

    Ich werde auch in Zukunft die tollen NB Schuhe kaufen und tragen. Für was die Marke im Untergrund stehen soll und ob irgendwelche Irren ihre Schuhe abfackeln ist mir ja sowas von egal, es könnte mir fast nicht egaler sein.

  • Frank Rosebrock sagt:

    Der Manager hat keine politische Aussage gemacht (und schon gar keine rassistische, in keiner Weise!), sondern eine wirtschaftliche. Und er hat offensichtlich Recht mit seiner Auffassung, dass es seiner Firma damit besser gehen wird. Warum also die ganze Aufregung…

  • Sven Örensohn sagt:

    Dümmer gehts nimmer, Schuhe kaufen um sie wegzuwerfen -> die selben reden von Foodwaste. Das soll noch einer verstehen? Wo ist eigentlich die politische toleranz geblieben? Ich höre nur noch Dubel, Idiot, Schafseckel und ähnlich Beleidigungen eine Diskussion mit zwei verschiedenen Meinungen gibt es wohl nicht mehr. Es ist Zeit die politische intoleranz (politische Korrektheit) aus der Weltgeschichte zu verbannen.

  • erich heim sagt:

    das new balance schuhe die ausstaffierung von den neuen rechten gehören ist mir seit längerem bekannt. fragen sie mal engländische fussballfans wofür ’new balance‘ wohl steht.

    das peinlichste bild, dass ich diesbezüglich mal in gesehen habe:
    einer der sich als dezidiert linker aus dem kapitalismuskritischen kunstlager national einen namen macht (und an einer kunstschule doziert), kommt von seiner amerikareise mir NB’s zürich und hat keine ahnung wofür im untergund diese ’neue balance‘ stehen soll.

    • Hans Müller sagt:

      Muss sich ein Schuhehersteller vielleicht dafür entschuldigen, wenn ein paar englische Hooligans und Faschisten den Namen Firmenschuhs neu interpretieren? Wie grotesk ist das denn? Müssen jetzt alle Hämmer dieser Welt verbrannt und eingeschmolzen werden, weil Kommunisten (kein Deut besser als Faschisten) Hammer und Sichel als ihre Symbole zweckentfremdet haben? Warum distanzieren Sie sich nicht öffentlich von Ihrem Nachnamen (und entschuldigen sich dafür), den Sie mit Aribert Heim teilen?

  • Markus Homm sagt:

    Hmm erstaunlich, das lässt ein Sportartikelhersteller mal was tolles von sich fallen, nämlich dass er gegen ein Freinhandelsabkommen ist, das sämtlich Bevölkerungsschichten in die Armut treiben wird, und wird von allen Angegriffen..hmm die Linke sind so unglaubwürdig geworden, dass mal als verzeifelter Bürger rechts beginnt zu wählen…lächerlich

  • Manuel Mitteling sagt:

    ich bin weiss, hätte für Hillary gestimmt wäre ich amerikaner und besitze 12 paar vom Schuh New Balance 574. Nicht als Statement , sondern weils der bequemste Laufschuh ist, den ich kenne.

    Jeder der sich ein paar kauft, um es dann anzuzünden, sollte das geld lieber mal für wohltätige Zwecke spenden.

  • Hans sagt:

    „Dass Asien eine Bedrohung für die gesamte Bekleidungsbranche ist, ist doch seit langem jedem klar.“
    Wo ist das Problem, wenn man sich schützen will?

    • U. L'Tra sagt:

      Er darf sich schon schützen wollen, aber er soll einfach gefälligst die Klappe halten. Weil, sonst wird Sport politisch. Das ist ganz schlimm und Fussballspiele zum Beispiel, sind überhaupt immer ein Hort der Friedlichkeit. Und in Zeiten der Migration ist es wichtiger, dass das Sportturnier verbindet und ohne Probleme über die Bühne geht. Was vorher und nachher passiert ist nicht so wichtig.

      • Peter Gruber sagt:

        Blödsinn, niemand soll die Klappe halten. Die Globalisierung ist Raubrittertum und das darf man so auch kundtun.

        • Flori Antha sagt:

          Globalisierung ist Raubrittertum? Ohne Globalisierung wäre die Schweiz arm wie eine Kirchenmaus. Ach so, Sie möchten nur die Teile der Globalisierung, die Ihnen nützen, nicht diejenigen, die vielleicht anderen Menschen im Ausland nützen.

  • Markus sagt:

    Schwach Frau Wertheimer, sehr schwach; den Frust über die Nichtwahl von Frau Clinton an einem Sportartikelhersteller auszulassen. Der Sport hat seine politische Unschuld schon längst verloren. Da nützen auch eine paar friedliche Fussballspiele zwischen palästinensischen und israelischen Kinder nichts.
    Sportliche Grossveranstaltungen werden und können nur noch in autokratisch regierten oder mit Korruption verseuchten Ländern durchgeführt werden. Jeder hohe Funktionär ist Teil des Systems und unglaubwürdig. Da ist mir ein Sportartikelhersteller geradezu symphatisch der sagt, dass ihm ein Präsident Trump aus wirtschaftlicher Sicht willkommener ist als Frau Clinton. Im Gegensatz zum Sport mit all seinen verlogenen Spitzenfunktionären, sind sie wenigsten ehrlich.

    • Pia sagt:

      Lieber Markus, vielen Dank für die aufmerksame Lektüre und den Kommentar! Schön regen wir hier zum diskutieren an. Der Beitrag hat allerdings nichts mit meiner politischen Präferenz zu tun – ich würde mir damit schliesslich die Legitimation nehmen, eben diese Grundwerte des Sports hochzuhalten und ins gleiche Fettnäpfchen treten wie New Balance. Ob Hillary Clinton oder Donald Trump ist in meinem Text nicht die Frage – es geht um die Fähigkeiten des Sports und seiner Vertreter.

  • Christoph Mathis sagt:

    Die Argumentation von Pia Wertheimer überzeugt nicht.
    Ein Sportschuhhersteller ist in der gleichen Lage wie ein Jeansfabrikant oder eine Hutmanufaktur. Es geht um die Wirtschaftlichkeit von Arbeitsplätzen, und wie man Kundenbedürfnisse zufriedenstellt. Dass Asien eine Bedrohung für die gesamte Bekleidungsbranche ist, ist doch seit langem jedem klar.
    Dass New Balance in besonderer Weise die Ethik des Sports hochhalten sollte, finde ich naiv. Muss sich denn ein Nahrungsmittelhersteller mit dem Hunger in der Dritten Welt beschäftigen?
    Und bei der Forderung nach Neutralität des Sports geht es allein um den Kampf, wer ihn für sich instrumentalisieren darf. Sportler sollen strikt neutral sein, aber Politiker dürfen gerne Missbrauch mit dem Image des Sports treiben!

    • Pia sagt:

      Lieber Christoph, danke für den Gedanken. Selbstverständlich darf ein Unternehmen – egal welcher Branche – für seine Existenz, für seinen Profit stark machen! Trotzdem hat ein Sporthersteller eine ethische Verantwortung die Grundwerte seines „Motors“ – hier der Sport – zu schützen. Er sichert sich damit nicht nur langfristig seine eigene Existenz, denn ohne diese Grundwerte geht der Sport und damit die Daseinsberechtigung der Hersteller zugrunde. Sporthersteller – und damit mein ich nicht nur New Balance – schreiben sich aber in all ihren Werbungen, Videos und so weiter die zentrale Werte des Sports gross auf die Fahne. Dieser Oportunismus ist stossend.

      • Hugo Knüsel sagt:

        Inwiefern unterscheidet sich denn dieser Opportunismus von allen anderen Bereichen unserer Geselschaft in der ALLES fürs Marketing instrumentalisiert wird und zu Geld gemacht wird? Oder nehmen Sie all diesen Bio- und Landliebe-Scheiss der Grossverteiler ebenfalls für bare Münze?! Der Sport ist letzlich immer auch ein Spiegel der Gesellschaft.

Kommentar

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