Der Fuchs und die müden Jäger

Diese Woche eine Rundtour von Gettnau nach Ebersecken (LU)

Wir steigen in Gettnau aus dem Zug, es nieselt, es schneeregnet, es schneielet. Auf den Nebensträsschen liegt grauer Pflotsch.

Gibt es bessere Verhältnisse für uns Wanderer? Nässe und Kälte vertreiben das meiste Volk vom Gelände, die Biker bleiben zu Hause. Die Landschaft wird an diesem Tag weitgehend mir und meinem Grüppli gehören; die Höfe, die wir passieren, werden verlassen wirken, kein Mensch zu sehen. Sogar die Hunde haben sich verkrochen.

Nassefüssewetter, hurra!

Wir attackieren den Hang vor uns, passieren eine Kiesgrube, gelangen in den Schonauwald. Jäger kommen uns entgegen mit ihren Flinten, grüssen freundlich – und was jetzt kommt, ist wahr, ich habe Zeugen! Hinter den Jägern huscht ein Fuchs über den Weg, was sie nicht merken. Es ist, als hätte das schlaue Tierchen begriffen, dass die Jäger müde sind. Und auf dem Heimweg.

Nun sind wir in einem weiten Hügelland. Der Hellerhof, der Zenzenhof, der Hünkihof ziehen vorbei, wir gehen teilweise auf Strassen, die meiste Zeit aber in den vom Schneeregen pastellgrün gebleichten Wiesen und im Wald. So circa auf der Höhe von Oberschlempen merken wir, dass die Schuhe nicht mehr dichthalten – Nassefüssewetter.

Das Seilzieherdorf

Wir atmen durch, lassen die Arbeitswoche los, atmen die kalte Luft, jeder Zug ist Genuss. Bald geht es abwärts, auf den Rickenbach zu, an dem Ebersecken liegt. Beim Grüt, wo wir auf der Nachmittagsetappe wieder durchlaufen werden, biegen wir links ab und erreichen schnell unser Mittagsziel.

Über Ebersecken muss man mindestens vier Dinge wissen. Erstens hat es im Dorfwappen einen fidelen Eber. Zweitens ist seit diesem Frühling das Manko behoben, das Ebersecken schweizweit in die Schlagzeilen brachte; es hatte bis zur Installation einer 21-Meter-Antenne jahrelang keinen Handyempfang. Drittens ist Ebersecken in einer bestimmten Sportart eine internationale Grossmacht, seine kächsten Leute wurden in dieser Domäne schon Schweizermeister und Weltmeister: im Seilziehen, jawohl.

Anti-Schischi

Und viertens ist die Sonne zu nennen, ein Landgasthof, den ich schätze. Er schafft den Spagat, Gault-Millau-würdig zu sein und doch eine Dorfbeiz ohne Schischi. Wir kehren ein, geniessen die Wärme, essen, wunderbar.

Drei Stunden haben wir für diese erste Etappe gebraucht, und es wäre gewiss unser gutes Recht angesichts der Hudelei und des diffusen Lichts draussen, per Bus den Heimweg anzutreten. Man kann es aber auch anders sehen: Das Wetter reizt zum Widerspruch, es verlockt dazu, die Garstigkeit auszuprobieren und auszuhalten.

Und am Schluss ein Bier

Wir stürzen uns also in die Etappe zwei. Der Nachmittag ist deutlich leichter als der Morgen. Wir wandern die meiste Zeit abwärts oder geradeaus, folgen vorerst, abschnittsweise in geringer Distanz, dem Rickenbach. Dann die Luthern, die oben beim Napf entspringt und alte Wandererinnerungen wach werden lässt. Sie entlang ziehen wir vorwärts, bis Gettnau in Sicht kommt.

Es dunkelt ein, als wir wieder am Bahnhof sind, an dem wir Stunden zuvor starteten. Ein Bier im Restaurant gegenüber beschliesst die Wanderung, und als wir dann den Zug besteigen, ist es schon fast Nacht. So ist der Winter, die Tage sind kurz und gerade darum unheimlich schön.
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Route: Gettnau Bahnhof – Vorderguggi – Schonauwald – Hellerhof – Zenzenhof – Hünkihof – Grossweid – Oberschlempen – Unterschlempen – Kället – Grüt – Ebersecken – Grüt – Gläng – Oberfeld – Tschopen – Niderwil – Gettnau Bahnhof.

Wanderzeit: 5 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: je 440 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 234 T Willisau, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Kürzer: Nur den ersten Teil laufen, Gettnau bis Ebersecken. 3 Stunden, 325 Meter auf- und abwärts.

Charakter: Abseitiges Bauernland mit Hügeln und Waldstücken, viel Naturwegen und dazwischen ab und zu Hartbelag. Bei viel Schnee mühsam; dann braucht man auf einigen Abschnitten die Schneeschuhe.

Höhepunkte: Die Ankunft in Ebersecken, die Einkehr daselbst. Winter an der gluckernden Luthern. Das Schlussbier in Gettnau.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Sonne in Ebersecken, ein Mix aus anspruchsvoller Gastronomie und Dorfbeiz. Reservieren, 062 756 25 14. Normalerweise am Montag Ruhetag. – Weihnachtswoche: 24. ganzer Tag geschlossen. 25. bis 17 Uhr. 26. ganztags geöffnet. Silvester nur am Abend geöffnet. – Betriebsferien vom 1. bis 9. Januar.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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4 Kommentare zu «Der Fuchs und die müden Jäger»

  • Beatrice sagt:

    Haha, als Jaegerin musste lachen bei dem Geschichtli mit dem Fuchs und den müden Jägern. Es ist tatsächlich so, dass die Tiere doch recht schlau sind und deshalb die hiesige Jagd durchaus auch fair ist und den Tieren immer wieder die Chance gibt unbeschadet davon zu kommen. Ich war einmal im Thurgau auf der Herbstjagd eingeladen. An diesem Tag waren nur die Reh-Geissen schiessbar und die Böcke nicht. So kam es dann, dass sich mir ein frecher Rehbock bis auf 5 Meter näherte, um mich herum schlich und dann erhobenen Hauptes davontrampelte (nicht mal hochfluechtig sondern sehr gemächlich) als er sicher war, WAS ich genau war. Ich musste nachher laut lachen! Das schlaue Kerlchen, so schien es, wusste genau, dass ihm an diesem Tag garantiert niemand um die Lauscher (Ohren) schiessen wird.

  • Thomas Widmer sagt:

    Lieber Herr Peter. Die Sonne scheint nicht jeden Tag. Aber die Landschaft dort ist grossartig auch bei Schlechtwetter. Und in Ebersecken sind die Leute durchaus freundlich. Also: Sie müssen irgendwann hin.

  • Herbert Peter sagt:

    Die Sonne scheint nach den Bildern zu urteilen nur im Namen der Beiz. Nicht gerade gemütlich, dieser Vorschlag. Sind die Eingeborenen wenigstens freundlich oder werfen die auch noch mit Steinen nach Fremden ? :-)

    • Werner Holliger sagt:

      Vielleicht wird der Vorschlag für Sie gemütlicher, Herr Peter, wenn Sie den Weg abkürzen, dafür ein wenig länger in der Sonne verweilen und danach Ihre Schritte entlang der Luthern gen Nebikon lenken, statt nach Gettnau. Und wenn Sie sich in der Sonne die richtige Sonne (die, welche viele Sonnenstunden brauchte, um es zu werden) gegönnt haben, scheint die Sonne trotzdem ;-)

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