Zuerst in die Höll und dann ins Häftli

Diese Woche eine Rundwanderung von Büren an der Aare aus (BE)

  • Büren an der Aare, schöne Halbnebelstimmung. Am Nidau-Büren-Kanal geht es aus dem Ort.

  • Auf dem Holzsteg über die Alte Aare, die von Aarberg kommt.

  • Stimmung im Gebiet der Alten Zihl.

  • Die Safnernbrücke ist weniger romantisch.

  • Wieder im Grünen, pardon: Braunen.

  • Der Abstecher zum Beobachtungsturm lohnt sich. Was sieht man? Andere Wanderer, allenfalls. Viel Natur. Und Vögel.

  • Still, sonst hauen die Vögel ab.

  • Etwas später beim Denkmal von 2000 im Gebiet Fahrmatten. Es erinnert an das einstige Internierungslager (Polenlager) des Zweiten Weltkriegs.

  • ...was ist sie baufällig!

  • Wenig später, weiter vorn Richtung Büren.

  • Im Stedtli von Büren endet die Wanderung. Wirtschaften hat es genug.

Wasser regiert diese Wanderung. Dazu kommt Geschichte: Büren an der Aare, wo wir unterwegs sind, beherbergte im Gebiet Häftli während des Zweiten Weltkriegs ein Internierungslager. 6000 polnische Soldaten lebten dort, es folgten zivile Flüchtlinge, Juden, Russen, Italiener. Genau ein Gehütt steht aus der damaligen Zeit noch, dazu gibt es ein Denkmal.

Nun zum Wasser. Büren liegt am Nidau-Büren-Kanal, der begradigten Aare. Da ist aber auch die Alte Aare, die durch die Korrektur sozusagen entmachtet wurde. So weit die Geografie. Und nun laufen wir los, wobei wir vorerst dem Kanal Richtung Biel folgen. Ob wir am Bahnhof starten oder bei der Bushaltestelle im Städtchen, spielt keine grosse Rolle.

Ein Schild fordert Stille

Bald sind wir aus dem Ort. Eine lange Gerade führt weg vom Kanal zu einem Steg über die Alte Aare. Büsche, Bäume, Ried, Schilf, Enten, sehr schön. Nach dem Bauernweiler Meienried geht es so weiter, wir landen in den Auen der Alten Zihl.

Eine Strasse unterbricht die Romantik. Wir nehmen die Safnernbrücke, kommen auf die andere Seite des Nidau-Büren-Kanals, halten retour. Die Höll zur Linken erweist sich als Geländestück zwischen Wasserarmen. Der Abstecher in sie hinein lohnt wegen des Beobachtungsturms. Still soll man sein, fordert ein Schild. Vögel sind scheue Kreaturen.

Das «Concentrationslager»

Wieder auf der Strasse, erreichen wir bald den nächsten Wanderabzweiger nach links, er führt ins Gebiet Fahrmatten, Teil des Häftli. So heisst das viel grössere Pendant zur Höll. Wieder eine gefangene Fläche: Auf der einen Seite umkurvt von der verspielten Alten Aare, auf der anderen begrenzt vom schnurgeraden Kanal. Das Häftli gleicht in der Form der gleichnamigen Kleiderschliesse von einst, daher der Name.

Mit «Häftling» hat das Wort also nichts zu tun. Die Polen, die hier bis 1942 lebten, waren ja auch keine Häftlinge, sondern eben Internierte. Sie hatten in Frankreich gegen die Deutschen gekämpft und gelangten in die Schweiz. Man entwaffnete sie und brachte sie in Lagern unter, wie es das internationale Recht vorsah. 6000 waren es im Häftli in 120 Baracken. Das Grossdorf hiess in den Anfängen «Concentrationslager». Immer wieder wurden Klagen laut über die Härte der Bewacher, schlechtes Essen, mangelnde Hygiene.

Die Wäscherei ist noch da

Das Denkmal aus dem Jahr 2000 sehen wir, sobald wir ins Häftli eingebogen sind, zur Rechten beim Waldstück nah der Höll: drei aufeinandergesetzte Granitblöcke. Eine Tafel erinnert an das Lager und zeigt einen Barackenplan. Das einzige vom Lager übriggebliebene Gebäude, die Wäscherei, sehen wir nordwestlich in 150 Metern Luftlinie. Es hat einen auffälligen roten Kamin und ist total verlottert.

Der Rest der Wanderung führt durchs Häftli retour nach Büren. Dort sollten wir das Städtchen besichtigen: herrlich, trotz der nervenden Autos. Im Café oder Restaurant ist auch Zeit, dem Damals nachzusinnen. Oder nachzulesen, wie das war mit dem Lager. Der Luzerner Historiker Jürg Stadelmann hat die Geschichte vorbildlich aufgearbeitet; wer die zwei Wörter «Häftli» und «Lager» zusammen googelt, kommt zu seiner Dokumentation samt Fotos und Plänen.

Etwas hat sich allerdings verändert, seit er sie ins Internet stellte: Damals stand auch noch das Küchengebäude. Mittlerweile ist es weg, der Bauer hat das altersschwache Ding abgerissen.

Karte Widmer ganze Schweiz

Route: Bahnhof Büren oder Bushaltestelle «Büren an der Aare, Städtli» – Uferweg Nidau-Büren-Kanal – Steg über die Alte Aare – Meienried – Feuchtgebiet Alte Zihl – Safnernbrücke – Uferweg Nordseite Nidau-Büren-Kanal – Abstecher Beobachtungsturm und retour – Abzweiger vom Uferweg nach Fahrmatten – Interniertenlager-Denkmal – Gebiet Wisleren – Steg Alte Aare – Holzbrücke – Büren. Die gesamte Strecke ist ein gelb signalisierter Wanderweg, einzig der kurze Abstecher (circa 200 Meter zum Denkmal) nicht.

Wanderzeit: 2 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: praktisch keine.

Wanderkarte: 233 T Solothurn, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Wie die Anreise. Büren ist per Zug von Biel via Busswil erreichbar. Oder mit dem Bus vom Bahnhof Grenchen-Süd.

Charakter: Leicht. Viel Natur. Für die ganze Familie. Viel Hartbelag.

Höhepunkte: Der erste Anblick der kanalisierten Aare bei Büren. Die Ried-Auen-Landschaften bei der Alten Aare und der Alten Zihl. Die Besteigung des Vogelbeobachtungsturms. Das Denkmal, das an das einstige Interniertenlager erinnert.

Kinder: Vorsicht, viel Wasser!

Hund: Gute Sache. Aber er muss oft an der Leine gehen.

Interniertenlager: Der Link zu einer vorbildlichen Dokumentation. – Digitale Koordinate des letzten Baus des Lagers ganz nah beim Denkmal, der Wäscherei:  47.14482, 7.34227.

Einkehr: In Büren. Getestet (und sehr gemocht): Il Grano. Gehobenes Lokal im ehemaligen Kornhaus am Wasser, hervorragende Küche. So/Mo Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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