Wenn die Luft raus ist

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Wenigstens kann man die Reifenpanne hier in Ruhe beheben … Foto: Mr Hicks46/flickr

Paff! Das Geräusch beim Aufprall auf die Felskante lässt keinen Zweifel offen: Noch ein paar Sekunden, dann wird die Luft raus sein. Da hilft nichts: Der Schlauch muss gewechselt oder repariert werden, andernfalls ist Schieben angesagt. War der Luftdruck im Reifen doch zu tief? Oder hätte sich die Panne schon durch die Wahl des richtigen Materials vermeiden lassen?

Verstärkte Karkassen

Ein breiterer Reifen senkt das Pannenrisiko auf jeden Fall. Der Nachteil: Er wiegt auch mehr. Genauso schlagen verstärkte Karkassen, welche die Reifen vor seitlichen Beschädigungen und Durchschlägen schützen, mit mehr Gewicht zu Buche. Zwischen 800 und 1000 Gramm bringt so ein Reifen auf die Waage, jeder der führenden Hersteller wie Schwalbe, Maxxis, Michelin oder Continental hat ihn im Programm. Er empfiehlt sich besonders auf schnellen, ruppigen Downhills, bei denen man nicht auf jedes Gramm achten muss. Tourenfahrer werden dagegen wohl eher einen schmaleren und leichteren Reifen wählen.

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Das Zwei-Kammern-System von Schwalbe. Foto: Schwalbe

Als «unplattbar» rühmt Schwalbe einen Reifen, der mit einer fünf Millimeter dicken Einlage aus elastischem Spezialkautschuk versehen ist. Für Fahrer, die sich auf Abfahrten und Rennen orientieren, verfolgt der Hersteller noch einen anderen Ansatz: Beim «Procore»-System ist der Luftdruck in zwei Kammern verteilt. In der äusseren ist der Luftdruck extrem niedrig, wodurch der Reifen eine besonders gute Traktion hat. In der inneren, die direkt auf der Felge liegt, ist der Luftdruck hoch. Dadurch knallen Schläge nicht bis zur Felge durch.

Immer populärer: Schlauchlos

Auch wer ganz ohne Schlauch, also «tubeless», unterwegs ist, reduziert das Pannenrisiko. Aber ganz gefeit vor Pannen ist man damit trotzdem nicht. Auf Touren ist es also gut, noch einen Notfallschlauch im Gepäck zu haben. Damit das Tubeless-System funktioniert, müssen Reifen und Felge passgenau aufeinander abgestimmt, die Felgen mit einem Band luftdicht verschlossen sein. Dichtflüssigkeit verhindert bei einer kleinen Verletzung des Reifens, dass Luft entweicht. Die Latexmilch muss regelmässig erneuert werden, am besten alle zwei bis drei Monate. Kleinere Beschädigungen wie Durchstiche durch Dornen dichtet sie dann sofort ab. Ausserdem kann man mit niedrigerem Luftdruck fahren und profitiert dadurch von mehr Grip sowohl im Anstieg als auch in der Abfahrt.

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Schweizer Tüftelei: Arbeiten mit Latexmilch. Foto: milKit

Nicht jeder ist davon überzeugt. «Zu aufwendig, zu viel Sauerei beim Nachfüllen», beklagt sich manch einer. Doch auch dafür gibt es mittlerweile eine sinnvolle Lösung: Spezialventile, wie die der Schweizer Tüftler von milKit, ermöglichen es, die Milch zu messen und nachzufüllen, ohne dass die Luft aus dem Reifen gelassen werden muss. Das funktioniert in der Praxis bestens. Für die schnelle Pannenhilfe unterwegs bieten sich auch Reparatursets wie die Maxalami an, mit der das Loch zugepfropft wird. Ganz neu auf dem Markt: Huck Norris, eine dämpfende Schaumstoffeinlage, die – ganz wie der (Beinahe-)Namensvetter – jeden Schlag abfangen soll. Schont Reifen und Felgen, gleichzeitig soll der Tubeless-Aufbau einfacher sein. Ich werde das mal ausprobieren. Aber egal für welche Lösung man sich entscheidet: Völlig pannenfrei wird man trotzdem nicht ganz davonkommen.

7 Kommentare zu «Wenn die Luft raus ist»

  • Willi Arnold sagt:

    Roli, mach dich mal mit Tubeless-Reifen und ihrer Montage vertraut. Um den Reifen zu setzen und dicht zu kriegen ist initial ein sehr hoher Luftdruck notwendig, den man auch mit einer üblichen Standpumpe nicht schnell genug hin kriegt: die Luft entweicht, bevor der Reifen an die Felge gepresst wurde. Mit Pressluft, meist auch mit CO2-Kartuschen, geht’s hingegen.

    Für diese erste Belüftung des Reifen kann man u.a. auch eine solche Pumpe nutzen: https://www.bike24.de/1.php?content=8;product=147954;menu=1000,5,71;pgc%5B25%5D%5B108%5D=1;orderby=3

  • Peter sagt:

    Tubeless ist das Zauberwort, eine Sauerei gibt es höchstens beim Pneuwechsel. Wichtig für Tubeless ist eine breite Felge, dann ist das
    ganze Prozedere leicht. Natürlich sollten die Pneus auch Tubeless ready sein, früher war es manchmal mühsam die Dinger dicht zu bekommen. Aber die heutigen Reifen halten die Luft perfekt, dauerndes Nachpumpen ist kaum mehr nötig. Nachfüllen geht genauso wie von Michi beschrieben, schnell, einfach und sauber. Die Vorteile von Tubeless sind enorm, nie mehr Durchschläge und Pannen wegen Löchern. Einzig auf Frost reagiert die
    Dichtflüssigkeit empfindlich. Sonst bleibt die Milch problemlos ein halbes Jahr flüssig.

  • Eduard J. Belser sagt:

    Ich habe mit breiten Reifen ab 47 mm von Schwalbe, regelmässigen Kontrollen des Luftdrucks und, wenn nötig, Nachpumpen bisher gute Erfahrungen gemacht. Dies obwohl mein Liegetrike drei Räder und damit eine um 50% grösser Chance für einen Platten hat als ein zweirädriges Velo. Man sollte auch immer einsatzfähiges Flickzeug und einen Reserveschlauch mitführen, damit es so Murphy weniger Freude macht, einem mit einem Platten zu ärgern. Da der Fahrer eh der schwerste Teil des Systems Velo-Mensch ist, sollte man sich nicht wegen ein paar Gramm leichtere, aber pannenanfälligere Reifen antuen.

  • Michi sagt:

    Tubeless ist für mich die beste Wahl. Lohnt sich aber nur, wenn das Bike regelmässig bewegt wird. Das Umrüsten ist auch keine Zauberei, sofern man nicht allzu gisplig ist. Kann nicht ganz nachvollziehen, warum es da Tüfteleien braucht. Felge abdichten, Reifen sehr gut aufpumpen (> 3 Bar), Luft ablassen, Ventileinsatz herausschrauben, Milch einfüllen und wieder aufpumpen. Klar, ein Kompressor ist dabei sehr hilfreich. Habe ich aber auch nicht und so gehe ich halt mit den Rädern zur nächsten Tankstelle.
    Wie viel Milch nachgefüllt werden muss, hängt sicher von verschiedenen Faktoren ab – Temperatur, aber auch die Beschaffenheit der Trails (z.B. Dornen). Bei mir haben die Reifen auch nach sechs Monaten noch flüssige Milch drin (Schütteltest). Und die Füllung war eine kleine Flasche (59ml).

Kommentar

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