Die globale Ungleichheit in 10 Charts

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Verschärfte Gegensätze: Junge Frauen posieren mit einem Obdachlosen in New York. Foto: Reuters

Das Thema Ungleichheit bewegt die Gemüter. In zahlreichen Ländern floss im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte ein immer grösserer Teil der Einkommen an die obersten Schichten der Bevölkerung.

Mit dem Buch des französischen Ökonomen Thomas Piketty, «Capital in the Twenty-First Century», hat die Diskussion an Dynamik gewonnen. Mein Kollege Markus Diem Meier hat Piketty und sein Werk bereits in diesem äusserst lesenswerten Blogbeitrag eingehend vorgestellt.

Für ein Mal beschränke ich mich in diesem Beitrag auf wenig Worte und lasse einige Grafiken sprechen. Alle stammen aus der faszinierenden World Top Incomes Database, die Piketty zusammen mit seinen Kollegen Emmanuel Saez und Anthony B. Atkinson aufgebaut hat.

Sie haben von 28 Staaten die Einkommensverteilung der Bevölkerung über Zeiträume von teilweise mehr als hundert Jahren erhoben und katalogisiert. Wo immer möglich haben sie dabei auf offizielle Daten der Steuerbehörden zugegriffen.

Beginnen wir mit einem unverdächtigen Beispiel: Schweden.

Die folgende Grafik zeigt den prozentualen Anteil der gesamten Einkommen, den die bestverdienenden 1 Prozent des Landes erhalten (seit 1947):

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Aktuell sind es etwas mehr als 7 Prozent. Das heisst, die reichsten 1 Prozent verdienen 7 Prozent der Einkommen in Schweden. In den frühen Achtzigerjahren waren es bloss 4 Prozent.

Jetzt wird’s spannender: Italien (Daten seit 1974):

NMTM_Piketty_Italy

Dort absorbieren die bestverdienenden 1 Prozent rund 9,5 Prozent der gesamten Einkommen. Auch in Italien war der niedrigste Wert in den frühen Achtzigerjahren zu verzeichnen.

Nehmen wir mal etwas Exotischeres: Kolumbien (Daten seit 1993):

NMTM_Piketty_Colombia

Dort entfallen mehr als 20 Prozent der Einkommen auf die reichsten 1 Prozent.

Hier der guten Ordnung halber, damit sie nicht beleidigt sind, noch Frankreich (seit 1946):

NMTM_Piketty_France

Insgesamt gesehen eine relativ stabile Entwicklung, mit Extremwerten zwischen 7 Prozent und knapp 10 Prozent der Einkommen, die an die bestverdienenden 1 Prozent gehen.

Ein eindrückliches Bild zeigt Japan (Daten seit 1886):

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In der Ära vor dem Zweiten Weltkrieg war Japan eine relativ ungleiche Gesellschaft, in der rund 20 Prozent der Einkommen an die reichsten 1 Prozent gingen – analog zu Kolumbien heute.

In den Jahrzehnten nach dem Krieg herrschten in Japan dagegen schwedische oder französische Verhältnisse, mit einem Anteil zwischen 7 und 10 Prozent, der an die «Top 1%» geht.

So, und jetzt kommen wir zur Schweiz (Daten seit 1933):

NMTM_Piketty_CH

Aktuell verdienen die «Top 1%» etwas mehr als 10 Prozent der gesamten Einkommen in der Schweiz, was deutlich mehr ist als in Frankreich oder Schweden. Das Band verläuft allerdings recht stabil; in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren gingen rund 8,5 Prozent an die reichsten 1 Prozent.

Die nächste Grafik zeigt den Anteil der Einkommen in der Schweiz, der an die bestverdienenden 10 Prozent geht:

NMTM_Piketty_CH2

Ihr Anteil ist seit den frühen Neunzigerjahren von unter 30 Prozent auf aktuell etwas über 33 Prozent gestiegen.

Erhellend ist die Betrachtung des Einkommensanteils in der Schweiz, der an die bestverdienenden 0,1 Prozent des Landes geht:

NMTM_Piketty_CH3

Dieser Wert ist seit den frühen Neunzigerjahren signifikant angestiegen und beträgt gegenwärtig gut 4 Prozent. Mit anderen Worten: Die 8000 bestverdienenden Personen in der Schweiz absorbieren mehr als 4 Prozent der gesamten Einkommen im Land.

Und nun kommen wir zu den USA.

Die folgende Grafik zeigt wiederum den Einkommensanteil der bestverdienenden 1 Prozent der Vereinigten Staaten (seit 1913):

NMTM_Piketty_USA

Die rote Kurve zeigt den Einkommensanteil der «Top 1%». Die blaue Kurve zeigt den Einkommensanteil dieser Gruppe inklusive Kapitalgewinne.

Von allen gezeigten Ländern hat sich in den USA in den letzten drei Jahrzehnten die eindrücklichste Entwicklung abgespielt: Seit den frühen Achtzigerjahren ist der Einkommensanteil, der an die bestverdienenden 1 Prozent der Bevölkerung geht, von 8 Prozent auf aktuell fast 20 Prozent angestiegen. Werden die Kapitalgewinne einbezogen, beträgt der Anteil gut 22 Prozent.

Das ist ein Mass an Ungleichheit, wie es sonst nur in Staaten wie Kolumbien zu beobachten ist und entspricht dem höchsten Wert seit Ende der «Roaring Twenties», kurz bevor die Grosse Depression ausbrach.

Und hier der schönste Chart:

NMTM_Piketty_USA2

Er zeigt den Einkommensanteil, der in den USA an die bestverdienenden 0,1 Prozent der Bevölkerung geht (blau wiederum mit Kapitalgewinnen). Der Wert hat sich seit den späten Siebzigerjahren mehr als vervierfacht, von unter 2 auf knapp 9 Prozent, respektive gut 11 Prozent mit Kapitalgewinnen.

Die 314’000 bestverdienenden Amerikanerinnen und Amerikaner erhalten mehr als 9 Prozent der gesamten Einkommen im Land.

Food for Thought.

Hier noch ein Thema in eigener Sache: In diesem und diesem Blogbeitrag haben wir bereits auf die wachsende Kreditblase in China hingewiesen. Michael Pettis, Finanzprofessor an der Universität Peking, erklärt in diesem ausgedehnten Interview, das meine Kollegin Elisabeth Tester mit ihm geführt hat, wie es um Chinas Wirtschaft steht und wo die Gefahren lauern.

Und hier noch eine Frage aus unserer «Chart des Tages»-Reihe: Welches ist die bislang heftigste Aktienbaisse (einer namhaften Börse) aller Zeiten? Hier die Antwort.

35 Kommentare zu «Die globale Ungleichheit in 10 Charts»

  • ast sagt:

    Gemäss der 93 Jahre alten Lis Kirkby aus Australien, die soeben an der University of Sydney älteste Doktorandin des Landes wurde, habe man nichts hinzugelernt zur Depression in den 1930er Jahren gegenüber der Weltwirtschaftskrise 2008 und danach. Frau Kirkby erlebte nicht nur beide Finanzkrisen selbst, sie schrieb jetzt darüber ihre Doktorarbeit. Darin kommt sie zum Schluss:

    „Die Sparmassnahmen treffen am härtesten ältere Menschen, Behinderte und Bedürftige. Die Grossen kommen dagegen davon.“

  • Eigentlich eine Binsenweisheit. Erfolgreiche Wertschöpfung ist heute auf immer mehr Kapital angewiesen. Die Kapitalgeber werden entsprechend stärker entlohnt.
    Folglich sind die finanzkräftigen Investoren die Gewinner im Wertschöpfungsprozess.
    Konkret: Die vollautomatisierte Fabrik braucht viel Kapital aber nur noch wenige Werktätige mit immer weniger Qualifikation.
    Der Rationalisierungsdruck scheint hauptsächlich eine Folge der Globalisierung zu sein.
    Die Dinge so sehen, wie sie sich im Raum stoßen. gez. R. R.

  • Knaus Karl sagt:

    Zu den niedrigen Einkommen sind hinzu zu zählen:
    Prämienverbilligungen Krankenkasse, Differenz Miete Soz. Wohnungsbau, 50% zu tiefe Kosten öffentlicher Verkehr (obere Einkommensschicht fährt Auto), Kostenübernahmen durch Firmen, Ergänzungsleistungen, Sozialhilfen usw usw …..
    Und wo noch alles Subventionierungen, Kostenübernahmen? Personalverbände, Gewerkschaften waren und sind enorm erfinderisch…….

  • Mark Champion sagt:

    Mir würde es interessieren wie die Entwicklung das Top 10% aussehen würde ohne das Top 0.1% oder Top 0.5%. D.h. Es ist klar dass das Top 0.1% ein riessen Einfluss hat, aber wieviel wäre es ohne dieses Einfluss?

  • Marcel Senn sagt:

    Darum verwundert es ja auch nicht, dass gewisse Rechtspolitische Kreise sich darum bemühen den sogenannten Mittelstand mit allen möglichen Mitteln gegen die Unterschichten aufzuhetzen – im den USA die Tea Party Kreise, bei einem Teil auf mit religiösen Motiven angereichert, basierend auf Calvin: Dass Erfolg und Wohlstand ein Zeichen von Gottgefälligkeit sei und die Armen darum auch selberschuld seien, dazu wird auch immer gerne der amerikanische Traum erwähnt — nur beruht der halt auf einer mathematischen Lüge — weil es nicht JEDER schaffen kann.
    Der „Amerikanische Traum“ gründet auf der Vorstellung, die USA seien eine Meritokratie und Leistungsgesellschaft. Aktuelle Studien über soziale Mobilität zeigen hingegen, dass der erreichbare soziale Status eines Menschen in den USA sehr viel mehr von seiner Herkunftsfamilie und deren sozialer Klassenzugehörigkeit abhängt, als dies zum Beispiel in Westeuropa der Fall ist. Chancengleichheit ist nicht gegeben. Als Ursache hierfür wird die stark gestiegene ökonomische Ungleichheit angeführt!
    .
    In der Schweiz wird dieser zunehmende Klassenkampf vor allem über Volksinitiativen geführt. Vor allem die Milliardäre und Multimillionäre der SVP haben diese Problematik begriffen und versuchen die Mittelklasse mit allen Mitteln auf ihre Seite zu bringen – sie haben ja auch ein eher leichtes Spiel – die Mittelklasse verbündet sich eher mit der Oberschicht als mit den Unterschichten – da sie sich von jener als deren „Trittbrettfahrer“ schlichtweg mehr davon versprechen.
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    Immerhin ein Hoffnungsschimmer sind Vereinigungen wie http://givingpledge.org/ wo mittlerweile 122 sehr reiche Personen sich dazu verplichten, einen Teil ihrer Vermögen wieder der Gesellschaft zukommen zu lassen.
    Allerdings ist auch da fraglich, wieviele es wirklich ernst damit meinen und für wieviele das einfach ein PR Instrument ist um sich einen philantropischen Anstrich zu geben und nicht einfach der hässliche Reiche zu sein.
    Z.B. Paul E. Singer – Hedge Fund Manager und Multimilliardär nimmt es in Kauf Argentinien in der Hold-Outfrage eventuell wieder in den Konkurs zu treiben, weil ihm rund 600% Rendite insgesamt in 10 Jahren (er kaufte die Bonds damals zu 10-15% – Wert heute rund 75%) zuwenig sind und er über 1500% Rendite will!
    Bei soviel Gier kann ich die Philantropie schlichtweg nicht mehr erkennen!

    • Josef Anton sagt:

      Das Problem in Bezug auf Argentinien dürfte eher bei deren Regierung resp. deren Bürokraten liegen, welche wie jede andere Regierung sich nicht an eine nachhaltige Finanzpolitik halten wollte. Irgendwann dürfte das Wort „Konkurs“ wie eine Erlösung klingen, nach dem Motto besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

      • Marcel Senn sagt:

        Gebe ja zu, dass Argentinien ein etwas spezieller Fall ist, die Regierung teilweise ineffizient und auch korrupt ist, zuviel Geld verteilt wird etc (nebst ein paar guten Sachen die CFK doch auch noch vollbracht hat), das Problem aber ist die Signalwirkung eines Urteils in dieser Angelegenheit – es werden bald noch andere Staaten in finanzielle Bedrängis kommen, die Staatsanleihen fallen und wenn dann die Geier über die Länder herfallen und die Bonds zu Spotpreisen kaufen und dann ein Maximum rauspressen wollen — irgendwo hörts auf — mit über 600% wäre Singer genügend entschädigt worden (in insgesamt 10 Jahren) — was wollen denn diese gierigen Typen noch…100% Rückzahlung und die ganzen Zinsen rückwirkend plus noch Zinseszinsen und Verzugskosten (und wir sprechen hier von Zinssätzen von +/- 10%!!! in v.a. USD-Papieren)
        Im Juni wird der amerikanische Supreme Court wohl ein Urteil fällen in dieser Causa – das wird eine Signalwirkung auf die ganze Welt haben – wie weit dürfen Hedge Funds & Co gehen im globalen Casino? Gibt es noch ethische, moralische und legale Grenzen wenn ganz Bevölkerungen betroffen sind?
        Bin gespannt…
        „Konkurs“ das waren sie ja schon Ende 2001/2002 – eigentlich hätte Argentinien gar nichts mehr zurückzahlen sollen, wie das so üblich ist nach einem Staatskonkurs – wenn Sie schon von Erlösung schreiben. 93% der Bondholder haben das Angebot angenommen, die Geier, die gar nichts verloren haben wollen aber dafür umso mehr….irgendwo hörts doch auf, oder Josef Anton?

        • Josef Anton sagt:

          Wie Sie richtig sagen, hätte die Regierung gar nichts mehr zurückzahlen sollen oder müssen. Der nachfolgende Absatz erklärt nicht einzig Argentinien, sondern ist für jeden Staat gültig.

          Es geht weniger darum, inwiefern Regierungen (nicht Staaten, denn Staaten beinhalten auch das Volk) weiter erlaubt wird, ihre Anmassung und Erweiterung von Macht voranzutreiben und die Bevölkerung einfach zusieht. Wie langsam erkennbar sein dürfte, handeln diese staatlichen Organisationen nicht wirklich zum Wohle der Bevölkerung sondern in erster Linie zu ihrem eigenen Wohle, indem sie sich immer mehr Macht über die mehr oder weniger sich passiv verhaltende und immer stärker infantilisierte Bevölkerung aneignen und missbrauchen. Die Schulden einer Regierung müssen irgendwann von der Bevölkerung als nicht erfüllbares Versprechen klassifiziert werden, womit sich die Möglichkeit eröffnet, dass die Bevölkerung sich aus einer durch diese Bürokraten geschaffenen Scheinwelt der „finanzialisation“ und der damit verbundenen Versklavung lösen und neu anzufangen kann. Es ist in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, bis ein Politiker sich vor das Volk stellt und all diese finanziellen Verträge symbolisch vor der Bevölkerung in Stücke zerreisst und deren Inhalt als Verletzung der ursprünglichen Menschenrechte (Freiheit, Individualität, Eigentum) erklärt und gewählt wird.

  • Thomas Binder sagt:

    Wirtschaftsfreundlich darf nicht verwechselt werden mit superreichenfreundlich. Nur eine für sie sehr wohl verträgliche partielle Rückverteilung des Kapitals von den Superreichen an die fast global verarmenden Staaten mittels „Superreichtumssteuer“ kann den Mittelstand entlasten und unsere dann wieder soziale Marktwirtschaft und den sozialen Zusammenhalt nachhaltig stabilisieren.

  • Stefan Wiesendanger sagt:

    Die interessante Frage ist: warum steigt gerade in den USA der Anteil der obersten x% und wer sind diese Leute? Diest ist die Folge von Niedrigzinsen und der darauf aufbauenden Kreditexpansion. Die Profiteure sind diejenigen, welche die Erträge dieser zum Nulltarif geschaffenen Kredite nutzen können.

    Wie geht das konkret? Mir ist eine Firma bekannt, die 1m CHF Gewinn pro Mitarbeiter erzielt. Diese streichen in der Ueberzeugung, wertvolle Arbeit zu leisten, entsprechende Saläre ein. Wenn man genauer hinschaut, steht der Firma 100m CHF Kapital pro Mitarbeiter zur Verfügung. 1% Gewinn darauf zu erzielen, ist nun wirklich keine Hexerei, wenn dieses Kapital praktisch nicht verzinst werden muss und die damit finanzierten Assets durch dieselben Niedrigzinsen nach unten abgesichert sind.

    Tiefe Zinsen bedeuten, dass jeder sich wie diese Firma praktisch gratis Kaufkraft verschaffen kann und diese Kaufkraft vom Bankensystem automatisch „geschaffen“ wird. Sind Finanz-Akteure zu verurteilen, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen? Ich meine nein, das ist sogar ihre Aufgabe.

    Das Problem ist, dass zu billiger Kredit nachhaltiges Wachstum behindert. Gierige, unvorsichtige, zu selbstsichere Persönlichkeiten kriegen über die Kredite, die sie aufnehmen, einen wachsenden Anteil der Kaufkraft in die Hände. Das Gewerbe und die Industrie, welche solide wirtschaften und brav Investitionen aus dem Ertrag finanzieren, werden verdrängt, da sie eine Rentabilität von sagen wir 10% voraussetzen, welche ihnen die Rückzahlung des Kredits erlaubt.

    Natürlich ist für den einzelnen Unternehmer ein Kredit zu 1% billiger als einer zu 10%. Was er aber übersieht:,jeder dahergelaufene Konkurrent kann zu den gleichen 1% völlig wahnsinnig Investitionen finanzieren. Jede Private Equity Gesellschaft kann ihm die Firmen, die er selber gerne gekauft hätte, zu völligen Phantasiepreisen vor der Nase wegschnappen. Sein Liquiditätspolster wird von der Bank für einen Carry zwischen Nullzinsen und Staatsanleihen benutzt, von dem er selber nichts hat.

    Die Behauptung, dass das Gewerbe und die Industrie niedrige Zinsen brauche, ist eine Legende. Nur die Finanzbranche profitiert davon. Zinsen von 10% würden gnadenlos aussieben, nur die produktivsten Investitionen zulassen, vorsichtiges Verhalten und Kompetenz belohnen, und „sparen um zu investieren“ wieder populär machen statt grenzenlos Kaufkraft über jedermann zu ergiessen, der dafür die hohle Hand macht. Das ist vertrauen ohne die Einforderung von Verantwortung und damit die Wurzel einer daraus notwendigerweise erwachsenden Katastrophe.

    • Stefan Wiesendanger sagt:

      PS: ich h abe nichts mit dem Stefan W. im Rest der Diskussion zu tun.

    • Stefan Wiesendanger sagt:

      Präzisierung zum letzten Satz:
      Grenzenlos Kaufkraft über jedermann zu ergiessen, der dafür die hohle Hand macht, ist vertrauen ohne die Einforderung von Verantwortung. Mindestkapitalanforderungen sind ein untauglicher Versuch, die fehlende Verantwortung von den kreditgebeneden Banken einzufordern. Hohe Zinsen sind der Mechanismus, der Verantwortung beim Kreitnehmer erzeugt.“

  • Johann sagt:

    Mich stört hier einfach die ungleichmässige Skalierung der Graphen, die macht jede optische Vergleichbarkeit zunichte. Da sieht dann eine Veränderung von 5% in der Schweiz ähnlich dramatisch aus wie eine von 15% in Japan. Dennoch ein sehr interessanter Artikel.

  • Stefan W: sagt:

    Interessant wäre m.E., nicht nur das Einkommen, sondern auch das Vermögen zu betrachten. Also: Wieviele Prozent des Bodens, der Produktionsmittel, des Kapitals usw. besitzt das reichste Prozent? Denn der Einfluss des Vermögens auf die Politik und auf die Ungleichheit und damit die Unzufriedenheit der Bevölkerung ist eher grösser, als der des Einkommens.

  • Luca sagt:

    Was für ein Programm wird hier benützt, um die Grafiken darzustellen?

  • Anton Keller sagt:

    Mich interessiert schlichtweg nicht, was die Reichsten 10% Vermögen und Einkommen haben, sondern was die anderen 90% haben.

    Wenn ein Reicher dazukommt, so werden die anderen absolut gesehen deswegen nicht ärmer sondern reicher, weil sie weniger Steuern zahlen müssen. Klar, sind diese relativ ärmer geworden. Relative Armut kann per se nicht behoben werden. Selbst Millionäre sind mausarm im Vergleich zu den Milliardären.

    • Josef Marti sagt:

      Das ist unzutreffend. Bei den sog. Armen ist natürlich sowieso nichts zu holen; jedoch zahlt der Mittelstand über den Konsum und Verbrauch immer mehr Seuern, je mehr Reiche da sind, weil letztere massiv steuerprivilegierte Einkommen aus der Gewinnquote (Zinsen, Mieten/Pachten, Profite) haben, während die Lohnquote keine Steuererleichterung bekommt, im Gegenteil die indirekten Steuern in Form von MWST, Konsum u. Verbrauchssteuern nehmen rasant zu bevor das der Konsument überhaupt realisiert, und obendrauf wird noch der Pendlerabzug gestrichten. Es ist erstaunlich, dass diese schon lange praktizierte Verlagerungstaktik der Lasten auf den Massenkonsumenten nicht erkannt wird; die kommende UStR III lässt grüssen.
      Diese ganze Einkommens und Vermögensschere wäre ohne die Steuersenkungsorgien der letzten 30 Jahre niemals möglich. Wenn am Schluss der Milliardär eine Belastung von 15% hat und die Sekretärin 35% gehts ja wohl nicht anders.
      Überdies hat die Gewinnquote unzählige legale Steueroptimierungsmöglichkeiten um prinzipiell steuerbare Vermögenserträge via offshore Konstrukten in steuerfreie Dividenen zu transferieren.

      • Hannes Müller sagt:

        Ich würde meine Dividenden gerne steuerfrei haben. Aber das geht nicht. Die Erleichterung mit der Steuerreform wurde vom Staat einfach kompensiert, indem der Firmenwert hinaufmultipliziert wurde, und so zahlt man die Reduktion bei der Einkommenssteuer einfach über die Vermögenssteuer.

    • Stefan W: sagt:

      Sie sitzen m.E. einem von BigMoney gern kolportierten Fehlschluss auf. Beispiel:Sie verteilen eine Million Franken auf tausend Leute. Jeder bezahlt, sagen wir, 10% Steuern. Damit bekommt der Staat 100000 an Steuergeldern. Dazu kommt, weil die tausend Leute diese tausend Franken praktisch vollständig zum Leben brauchen und ausgeben, weitere 8% an MWSt, also total 180000.-. Ausserdem wird die Wirtschaft durch den Fluss des Geldes stimuliert.

      Jetzt verteilen Sie dieselbe Million so, dass einer 500000 bekommt, die anderen je 500. Der Reiche bezahlt, sagen wir, 30% Steuern, die Armen netto noch 5%. Direkte Steuereinnahmen somit 125000. Dazu kommen 40000 an MWSt von den Armen und 200 vom Reichen (Weil der auch nur einmal zu Mittag essen kann, gibt er nicht mehr sein ganzen Geld aus). Also Gesamteinnahmen an Steuern in diesem Beispiel 165200. Und ein Teil des von Allen erarbeiteten Geldes ist dem Wirtschaftskreislauf entzogen, weil der Reiche es nicht hier ausgibt, sondern irgendwo, nicht selten im Ausland, anlegt.

      Daher, doch: Die Ungleichheit schadet uns allen ganz direkt. Ganz davon zu schweigen, wie sehr es uns letztlich schadet, wenn ein grosser Teil der Bevölkerung unzufrieden ist und sich nicht mehr fair behandelt fühlt.

    • Thomas Müller sagt:

      @Marti da liegen Sie einem Fehlschluss auf weil Sie die Steuerbelastung in % mit Steuerbelastung in CHF verwechseln. Nach Ihrer Logik müsste bei jedem pauschal besteuerten Milliardär die Sekretärin mehr bezahlen um die tiefen x% auszugleichen.
      In CHF bezahlt aber der Milliardär ein vielfaches der Sekretärin selbst bei viel tieferen Prozentwerten. Da die Kosten des Staates aber nicht überdurchschnittlich Anwachsen hat der Staat mehr Einnahmen nicht weniger.

      • Josef Marti sagt:

        Das ist gleich doppelt falsch. Sie verstehen nicht den Unterschied zwischen direkten Steuern und indirekten Steuern; zudem ist zu unterscheiden zwischen klassischen Steuern und Gebühren und Abgaben und Lenkungssteuern. Selbstverständlich wachsen die Staatskosten mit Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum wie in jeder wachsenden Unternehmung die Bilanzsumme wächst.
        Im CH Bundesbudget machen inzwischen die MWST, Alkohol- Tabak- Treibstoffzoll- CO2 und weitere Verbrauchssteuern den weitaus höchsten Teil der Einnahmen aus. Von den zusätzlich auf kantonaler und kommunaler Ebene anfallenden Abgaben will ich gar nicht erst anfangen. Ziel des Establishments ist schliesslich die vollständige Abschaffung der direkten Steuern ausser für den Lohnausweisempfänger; das macht dem Unternehmer nichts aus, weil er steuerprivilegierte und AHV-freie Dividende statt Lohn beziehen kann. Aufwachen aus dem Delirium ist angesagt.

        • Maiko Laugun sagt:

          @Josef Martin:

          „Governments don’t want well informed, well educated people capable of critical thinking. That is against their interests. They want obedient workers, people who are just smart enough to run the machines and do the paperwork. And just dumb enough to passively accept it.“

          By George Carlin

        • Josef Anton sagt:

          “You compare the nation to a parched piece of land and the tax to a life-giving rain. So be it. But you should also ask yourself where this rain comes from, and whether it is not precisely the tax that draws the moisture from the soil and dries it up. You should also ask yourself further whether the soil receives more of this precious water from the rain than it loses by the evaporation?”
          ― Frédéric Bastiat

    • Ursula Badertscher sagt:

      Herr Keller, wer glauben Sie denn, bezahlt all die leistungslosen Kapitaleinkommen der Superreichen?
      Diese Zinsgelder wurden bei unserem schuldenbasierten Geldschöpfungssystem bekanntlich gar NIE geschöpft und fehlen daher in der Gesamtgeldmenge. Sämtl. Zinsen u. Zinseszinsen müssen die Kreditnehmer somit zuerst den andern Marktteilnehmern durch Übervorteilung abjagen! Wenn Sie leistungslos ihr Vermögen vermehren wollen, müssen also immer zuerst andere entweder verlieren, oder aber mit ihrer Schuldenbereitschaft zur Neugeldschöpfung beitragen.
      Dieser systembedingte realwirtschaftliche Verlust den die Kapital-EK der Superreichen erfordern, kann mit dem bisschen Steuern die sie bezahlen müssen, jedoch gar nie kompensiert werden!

      • Josef Anton sagt:

        @ Ursula

        Es geht weniger um „leistungslose“ Kapitaleinkommen, sondern um aufgrund der von den Zentralbanken garantierten Geldentwertung (welche das Risiko vom Risikoträger auf die Währung resp. auf die Allgemeinheit umverteilt) und damit erlaubt, dass die Reichen dementsprechend mit viel höherem Hebel als der Durchschnitt arbeiten kann. Die wirkliche Umverteilung basiert auf dem Hebel auf die antizipierte Geldentwertung und nicht aus den eh bald vernachlässigbaren Zinsen.

      • jeker Ernst sagt:

        Ursi, Sie liegen goldrichtig !
        Ernsti

  • trillian sagt:

    Sehr schöne Zusammenstellung der Daten. Sehr aufschlussreich, und teilweise auch sehr überraschend. Vielen Dank!

    Einziger Kritikpunkt: die y-Achse sollte jeweils bei Null beginnen, damit man das Ausmass der Schwankung auf einen Blick realistisch abschätzen kann.

    z.B. die Schwankung der „top income shares Switzerland“ der bestverdienenden 10% sieht auf dem ersten Blick gewaltig aus. Die y-Achse geht aber von 29.5% bis 34%. Würde die Achse bei 0% beginnen, sähen die Schwankungen nicht sehr dramatisch aus. Eine konsequente Darstellung hilft auch wirklich gravierende Schwankungen auf Anhieb als solche zu erkennen.

    • Johnny Smith sagt:

      Schliesse mich dem Lob und der Kritik an.

    • urs lehmann sagt:

      Ditto.
      Das mit den Grafiken gilt generell, hinzu kommt das mit der logarithmischen Skala auf der y-Achse.

  • Reto Burgener sagt:

    Die Zeit um die 60er und 70er Jahre war sozialer und bezeichnenderweise auch politisch gemässigter und freiheitlicher als heute. Man könnte auch sagen, die Linken haben sich damals noch stärker für sozialen Fortschritt und für die Stärkung der Rechte von Minderheiten eingesetzt. Jetzt haben wir eine Ueberregulierung, die einengt, einen Mob, der nicht mehr an Demokratie und Gleichheit glaubt, und wie man sieht auch eine sich verstärkende Ungerechtigkeit. bei den Einkommen. Und zwar massiv. Jetzt haben wir den Sozialabbau, den Abbau persönlicher Rechte und die Richtung hin zur totalen Ueberwachung der Bürger.

    • Peter Singer sagt:

      Der Mob, der nicht mehr an Demokratie und Gleichheit glaubt dürfte meist vom Populismus einer Partei beeinflusst worden sein, die einer kleineren Bevölkerungsgruppen Vorteile verschafft, dabei aber einer grossen Gruppe Vorteil verspricht, wenn man nach unten tritt und nach oben buckelt. Mit zahlreichen gefährlichen Vorstössen findet man immer wieder sogenannte schwarze Schafe bei Sozialempfänger, Invaliden, Ausländer. Vergehen der Politiker decken oft ihre Gesinnung auf. Viele Anhänger werden auch einfach „gekauft“ indem sie als Lieferanten auftreten. Und was ist mit Kontakten zu ausländischen Rechtsradikalen?

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