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Entmachtung der Zentralbanken?

Tobias Straumann am Montag den 18. März 2013
Fed. (Keystone)

Werden die Zentralbanken mächtiger oder eher nicht? Im Bild: Hauptsitz der Fed in Washington. (Foto: AFP)

Zurzeit ist die Kritik an den Zentralbanken etwas stiller geworden, aber sie ist keineswegs verschwunden. Viele sähen es gerne, wenn die Zentralbanken damit aufhören würden, das Bankensystem in grossem Stil mit Liquidität zu versorgen. Einige möchten die Zentralbanken sogar ganz entmachten, indem sie die Einführung des Goldstandards oder die Abschaffung des staatlichen Notenmonopols fordern.

Es ist schwer abzuschätzen, ob diese Kritik eine Änderung der Verhältnisse herbeiführen wird. Zwar haben die Zentralbanken momentan genug politische Unterstützung für ihre expansive Geldpolitik. Aber diese Unterstützung ist alles andere als bedingungslos. Trotzdem besteht Grund zu Optimismus. Denn das letzte Mal, als die Zentralbanken entmachtet wurden, büssten sie für ihre Untätigkeit, nicht für ihren Aktivismus.

In den 1930er-Jahren liessen sie es nämlich zu, dass das Bankensystem kollabierte und die Gesamtwirtschaft in den Abgrund riss. In den USA war die Passivität der Zentralbank besonders gravierend. Die Geldmenge M2, die nicht nur den Notenumlauf, sondern auch die Bankkredite umfasst, schrumpfte zwischen 1929 und 1933 von 45 auf 30 Milliarden US-Dollar:

Die Folge dieser Untätigkeit war, dass die Zentralbank unter die Fittiche des Finanzministeriums geriet - nicht nur in den USA, sondern auch in Grossbritannien, Frankreich, Italien und Skandinavien. Der Krieg verstärkte die Tendenz zur Domestizierung der Geldpolitik. Nach 1945 gab es nur wenige Zentralbanken, die sich ungestört ihrer Aufgabe widmen konnten. Die Schweizerische Nationalbank und die Deutsche Bundesbank waren Ausnahmen, welche die Regel bestätigten.

Es gibt noch einen weiteren Grund anzunehmen, dass die Stellung der Zentralbanken nicht ernsthaft gefährdet ist, wiederum beruhend auf der historischen Evidenz. Denn jedes Mal, wenn die Inflation zum Problem wurde - in den frühen 1920er-Jahren, den späten 1940er-Jahren und den 1970er-Jahren -, entschloss sich die Politik, die Unabhängigkeit der Zentralbanken zu stärken, nicht zu schwächen. Deutschland ist ein gutes Beispiel: Nach der Hyperinflation von 1923 schirmte man die Reichsbank wirksam gegen die Politik ab, 1948 gründete man die Bank Deutscher Länder, aus der die Deutsche Bundesbank hervorging.

Wenn also das von den Kritikern befürchtete Szenario einer Inflation in ein paar Jahren eintreten sollte, ist nicht mit einer Entmachtung der Zentralbanken zu rechnen. Es könnte sogar das Gegenteil eintreten, dass nämlich die Zentralbanken noch mächtiger werden, als sie es schon sind.

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57 Kommentare zu „Entmachtung der Zentralbanken?“

  1. Linus Huber sagt:

    Die Zentralbanken haben sich in dieser Krise schon eine enorme Machfuelle angeeignet in der Form von unkonventionellen Massnahmen, welche den Rahmen der Geldpolitik sprengen und immer staerker als Finanzpolitik fungiert. Es ist schwerlich vorstellbar, dass sich diese Machtfuelle noch stark erweitern laesst, jedoch laesst es sich sehr gut vorstellen, dass im Zeitpunkt, an welchem erkannt wird, dass die gegenwaertigen extremen Massnahmen nicht wirklich zum Ziel fuehrten, eine wirkliche Entmachtung dieser Institutionen die Folge sein mag.

    Die gegenwaertigen Massnahmen wirken zwar temporaer und oberflaechlich betrachtet, jedoch wird das System dadurch immer unstabiler und gefaehrdet schrittweise die Rechtsstaatlichkeit und demokratischen Werte zu solch einem Ausmass, dass die Entscheidungstraeger sich schwerlich ungeschoren werden verabschieden koennen im gegebenen Zeitpunkt.

    • Alois Krieger sagt:

      Das Paradoxe daran ist, dass die Notenbanken ihre Macht erhalten haben, weil vom Staat abhängige Notenbanken die Geldwertstabilität nicht gewähren konnten. Jetzt werden die Notenbanker vor und nach ihrer Amtszeit von Investmentbanken bezahlt und diese profitieren vom Gratis-Geld.

      Die Leute, die jetzt den Notenbanken weniger Macht gewähren wollen, möchten wieder eine seriöse Geldpolitik. Sie wären vor 50 Jahren dafür gewesen, den Notenbanken mehr Macht zu verleihen. Damals setzten sich die Notenbanken für Geldwertstabilität ein.

  2. Linus Huber sagt:

    Betrachtet man das Drama in Cyprus, muss ich lachen, wie unbesonnen und orientierungslos diese Entscheidungstraeger herumtorkeln. In einem Fall, wenn eine Bank Konkurs geht, ist es ganz normal, dass zuerst das Aktienkapital und dann die Bondholder zur Rechenschaft gezogen werden. Ich bin ueberzeugt, wenn dieser Weg eingeschlagen wird, die Bankkunden mehr oder weniger ungeschoren davon kommen. Aber eben, es herrscht nur noch reine Willkuer und die Kosten von Risiko wird einfach umverteilt.

    Ob IMF oder EZB, beide sind darin massiv verwickelt. Dies zeigt nur auf, wo gross die Machtfuelle dieser Institutionen heute geworden ist.

    • Ich bin nicht sicher, ob lachen die passende Reaktion auf das “Drama in Zypern” ist, immerhin hat die Unbesonnen- und Orientierungslosigkeit der herumtorkelnden Entscheidungsträger die Kapazität, ganze Volkswirtschaften in den Ruin zu treiben. Solange die von die Zentralbanken geschöpfte Geldschwemme hauptsächlich dazu verwendet wird, Aktienmärkte zu alimentieren (welchen Volkswirtschaftlichen Nutzen hat eigentlich die Tatsache, dass das Eigentum an Firmen 1 Million mal pro Sekunde wechseln kann?!?), sehe ich keinen Anlass zum (Galgen-)Humor., obwohl ich sonst eigentlich zynisch genug bin, um über alles einen Witz machen zu können.

      Die Idee des Vollgeldes scheint mir vor diesem Hintergrund jeden Tag überzeugender, und ich werde wohl dem Verein Monetäre Modernisierung eine Spende zukommen lassen müssen.

    • Anh Toan sagt:

      @Linus Huber: In einem Fall, wenn eine Bank Konkurs geht, ist es ganz normal, dass zuerst das Aktienkapital und dann die Bondholder zur Rechenschaft gezogen werden. Ich bin ueberzeugt, wenn dieser Weg eingeschlagen wird, die Bankkunden mehr oder weniger ungeschoren davon kommen.

      Die Bankkunden kommen mehr oder weniger ungeschoren davon, solange die Einlageversicherung zahlt, der zypriotische Staat wäre aber pleite, wenn seine Banken pleite gehen würden, und könnte die Forderungen aus der Einlageversicherung nicht begleichen.

      Lese ich Ihre Stellungnahmen, muss ich lachen: Einerseits wettern Sie gegen inflationäre Geldpolitik zum Abbau der Schulden, werden dann tatsächlich einmal, wie Sie doch immer veralngen, die Guthaben abgeschrieben, dann bezeichnen Sie das als unbesonnen und orientieriungslos.

      Ich rate Ihnen in Zukunft präziser zu sein: Die Guthaben der Anderen sollen abgeschrieben werden ist Ihr Ansatz.

      • Linus Huber sagt:

        @ Anh Toan

        Es ist immer interessant, wie Sie aus Prinzip mir widersprechen.

        Anstelle der 5,8 Mia. von den Bankkunden, staende bei den 4 boersenkontierten Banken zur Verfuegung:

        1,4 Mia. Eigenkapital
        2,0 Mia. Bondholder & preferred Stockholders
        2,4 Mia. (von 14.3 Mia) Zentralbanken Guthaben, welches in den Buechern ausgewiesen werden.

        Diese Berechnung zaehlt keine Beteiligung der auslaendischen Banken auf Cyprus mit ein. Bevor Bankkunden geschaedigt werden, muessten dieses Kapital zuerst in Anwendung kommen.

        Aber wie gesagt, wenn man einmal den Weg der Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit verlaesst, zieht ein Problem das naechste nach, aehnlich wie beim Luegen.

        Ist es notwendig, die Zyprioten zu bestehlen? Nein.

        • Anh Toan sagt:

          Schreiben Sie das Aktienkapital ab, müssen Sie die Banken neu kapitalisieren. (Aktien sind keine Forderungen, allenfalls sehr spezielle, ihr Wert steht nirgendwo als Schuld in den Büchern, es steht der Nominalwert in der Bilanz der Gesellschaft, unabhängig vom effektiven Wert. Die Bondholder sind primär andere Banken, Pensionskassen und Lebensversicherungen, ich vermute in erster Linie aus Zypern. Die Zentralbankguthaben dürften insbesondere der zyppriotischen Nationalbank zustehen.

          Im Kern ist es ganz eingach: Zypern ist, konsolidiert man Banken und Staatm, überschuldet: Entweder die Zyprioten bezahlen (Schreiben Forderungen ab, oder inflationieren eine eigene Währung) oder das Ausland bezahlt (schreibt Forderungen ab oder schiesst Geld ein). Das Ausland hat dazu aber keine Verpflichtung (ausser dass Zypern mittels Staatsbankrott das Ausland zum abschreiben von Forderungen zwingen kann), und ist nur bereit zu zahlen, wenn auch die Zyprioten (und mit Ihnen die griechischen und russischen Schwarzgelder) ihren Anteil zahlen. Wollen sie das nicht, sagen Schäuble und Merkel, die EZB und die EU, ja auch der IMF und noch ein paar andere: Niet!

          Ich widerspreche nicht aus Prinzip Ihnen, ich widerspreche inhaltlich widersprüchlichen, unlogischen Aussagen.

          • Anh Toan sagt:

            Ist es notwendig, die deutschen Steuerzahler zu bestehlen?

          • Anh Toan sagt:

            Diue Zypprioten haben in unverantwortlicherweise Kredite gewährt an insolvente zypritische Banken, mit einer Einlagegarantie eines insolventen zyppriotischen Staates, und nun wheren Sie sich dagegen, ihre Forderungen abzuschreiben:

            War Kredite gewährt ist selber dafür verantwortlich, diese nur jemandem zu gewähren, der sie zurückzahlöen kann, ansonstzen soll er selber das Risiko tragen und dieses nicht auf die Allgemeinheit abwälzen, weil dies untergräbt Rechtsstsaatlichkeit und Menschlichkeit:

            Ich bleibe dabei, wären Sie konsequent, müssten Sie Hurra rufen, nicht lachen, wenn Sie Ihre Meinung einigermassen konsistent vertreten würden.

            Be careful, what you wish for!

          • Linus Huber sagt:

            Natuerlich ist das Abschreiben von fehlerhaft erteilten Krediten ein ganz normaler Vorgang und eine rein marktwirtschaftliche und rechtsstaatliche Situation im Falle des Konkurses, welcher ansteht. Wir erleben einzig eine Konkursverschleppung, da die Kredit- resp. Schuldenmenge nur dauernd noch hoeher geschraubt wird und dadurch um so fragwuerdiger wird.

            Wen es mit dem rechtsstaatlichen Weg trifft, ist grundsaetzlich nicht eine Frage, welche durch die Willkuer der Zentralbanken zu regeln ist, sondern es muss dort sein, wo das Risiko eingegangen wurde. Alles andere ist korrupt.

            Ich bin sehr konsistent in meinen Argumenten und Ueberlegungen. Sollten Sie die Zusammenhaenge nicht erkennen, tut es mir leid, dass ich mich nicht klar genug ausdrueckte.

            Natuerlich widersprechen Sie mir aus Prinzip, ansonsten Sie sicherlich ueber die vielen vergangenen Monate einen Kommentar gefunden haetten, welchem Sie beigestimmt haetten, wie ich dies ebenfalls auch in Ihrem Falle gerne bewerkstellige, wenn sich die Gelegenheit bietet.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Meine persönliche Meinung deckt sich weitgehend mit Ihrer, dennoch kann ich nicht Anerkennung äussern, wenn diese Meinung in unqualifizierter Weise dargelegt wird. Sie proklamieren Schlagworte, einfache Lösungen, letztendlich Worthülsen und Platidüden ohne Aussagekraft. Was bitte ist Menschlichkeit? Was bitte ist Entwertung derselben? Das ist doch nur Wortmüll, nicht mal unterhaltsam.

            @ast oder @ralph sommerer schreiben Kommentare, mit denen ich selten inhaltlich übereinstimme, ich jedoch dennoch als durchaus bereichernd empflinde, weil eine intelligente Aussage gemacht wird. Nur sehr ausnahmsweise äussere ich Zustimmung hier, in erster Linie wenn ich denke, dass etwas wirklich hervorgehoben werden muss.
            Als die Meldung zu Zypern kam, war ich gespannt, was der Herr Huber nun sagt: Ob er sich nervt, dass noch immer 94 bzw 90 Prozent der unverantwortlich gewährten Kredite nicht abgeschrieben werden, sondern der Allgemeinheit überlastet, vielleicht einen Schritt in die richtige Richtung sieht, aber irgendwie wusste ich, er findet es falsch, nur wusste ich nicht, wie er dies NICHT begründet.

            Herr Huber, es gibt keine einfache Lösungen für komlexe Probleme, die Welt ist nicht schwarz und weiss, nicht jeder Kredit der uneinbringlich wird, wurde unverantwortlich gewährt, nicht einmal alle Reichen sind böse (John Lennon war reich, Vivienne Westwood ist reich), Schulden sind nicht immer schlecht, Geld wird manipuliert, es wächst nämlich nicht in der Natur, sondern wird von Menschen gemacht, auch mit den Händen (ob am Computer oder beim Münzprägen mit Goldanteil), Inflation ist vielleicht auch nützlich, zumindest in gewissen Situationen, der gesunde Menschenverstand versteht nicht alles besser als die Wissenschaft, Rechtsstaatlichkeit ist relativ (Notrecht).

            Linus said, hey Anh T you said there’s my problem
            I’m not so sure ’bout what’ is true
            He said I let you in my big secret Linus
            The final truth is – there is no truth

            frei nach Bob Geldof: Nice’n’neat)

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Jetzt sind Sie endlich ein wenig spezifischer.

            Es ist aehnlich wie beim Luegen, wenn man einmal damit angefangen hat, muss man dauernd neue Luegen einsetzen, um die vergangenen nicht auffliegen zu lassen. Das gleiche trifft auf rechtsstaatliche und marktwirtschaftliche Inhalte zu, wenn man einmal diesen Weg verlassen hat, muss man staendig neue Massnahmen treffen um die vergangenen Abweichungen von diesen Prinzipien zu korrigieren. Es entwickelt sich ein Umfeld von zunehmender Unsicherheit, in welcher die Willkuer der Entscheidungstraeger erblueht. Oder in anderen Worten, die Werte der marktwirtschaftlichen Regeln, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie werden untergraben. Dies in sich wird sich mittelfristig negativ auf das Konsumverhalten auswirken, was heute noch nicht erkannt wird. Diese Entwicklung kann man nicht empirisch argumentieren, da es sich um nicht erfassbare Verhaltensveraenderungen handelt, sondern eher das Gebiet der Sozialwissenschaften und Psychologie betreffen.

            Das gleiche betrifft den Begriff Menschlichkeit. Jeder Mensch ist mit altruistischen Gefuehlen ausgestattet, welche je nach Gesellschaftsmodell gefoerdert oder unterdrueckt werden koennen. Ich betrachte die gegenwaertige Entwicklung (sowie die Politik der Geldentwertung) insofern, dass dadurch genau diese Werte reduziert werden, indem man die Selbstverantwortung und Freiheit systematisch reduziert und dadurch der Einzelne sich nicht mehr im gleichen Ausmasse mitverantwortlich fuehlt fuer das Funktionieren der Gesellschaft. Es handelt sich eher um das Studium des Verhaltens der Bevoelkerung als einzig um wirtschaftswissenschaftliche Theorien.

            Es ist richtig, dass alles natuerlich relativ ist. Darum fokusiere ich mich staerker auf die Richtung einer Entwicklung und nicht um den Status Quo in sich. Es liegt mir fern zu behaupten, dass die Loesungen einfach sind, sondern sie unterliegen einem langwierigen politischen Prozess, welcher jedoch einmal in Gang kommen muss.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Ich moechte hier noch ein wenig auf die demokratischen Werte zu sprechen kommen. Wie Sie mir sicherlich ebenfalls unterstellen, handelt es sich ebenfalls um eine Worthuelse, wenn ich aussage, dass die demokratischen Werte untergraben werden, durch die willkuerlichen Manipulationen der Entscheidungstraeger. Jedoch entwickelt sich schrittweise eine Reaktion, welche das Pegel in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen lassen duerfte ueber die kommende Zeit.

            Die Wahlen in verschiedenen Laendern duerfte mittelfristig die Willkuer der Entscheidungstraeger in die Quere kommen. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Elite jedesmal zittert, wenn in einem Land wieder Wahlen anstehen und indirekt oft auch Drohungen gegen die Bevoelkerung ausgesprochen werden, um den Ausgang zu beeinflussen. Je staerker jedoch die Unzufriedenheit waechst, umso hoeher werden die Anti-Establishment Kraefte sich entfalten. Das Festhalten am Status Quo wird mittelfristig unmoeglich werden (z.B. etabliert sich zur Zeit auch in Deutschland eine Anti-EU Partei). Auch der Erfolg Ron Pauls in den USA ist als ein Symptom dieser Entwicklung zu werten.

            Die grosse Gefahr liegt darin, dass die Elite versuchen wird (wie Sie korrekt Notrecht auffuehren), beim Ausbruch der naechsten Krise sich noch mehr Macht zu anzueignen und uns noch staerker der Willkuer auszusetzen. Entsprechende Entwicklungen in Bezug auf innenpolitische Gewalts- und Ueberwachungsinstrumente sind bereits im Gang in vielen Staaten.

            Aufgrund der auf die Massmedien beruhende Meinungsbildung weiss die Bevoelkerung groesstenteils nicht, wo genau der Grund fuer das Problem liegt, sondern es werden die Symptome bekaempft (z.B. Abzocker Initiative oder Occupy-Bewegung).

            Was immer auch kommen wird, zweifelsfrei (fuer mich) werden wir an Kaufkraft verlieren. Einzig der Weg dazu liegt noch im Ungewissen.

          • Linus Huber sagt:

            Auch das zyprische Problem ist eigentlich nichts anderes als die Reaktion demokratischer Kraefte. Die deutschen Politiker haben diesen Vorschlag der teilweisen Enteignung der Sparer aus innenpolitischen Ueberlegungen getroffen, da sie das Risiko einer Wahlschlappe im kommenden September vermeiden wollten.

      • ast sagt:

        nur nebenbei, die mit den Einlagen gleichrangigen Anleihen wurden in Zypern nicht beschnitten. Der Zugriff selbst auf die Einlagen von Kindern, Arbeitslosen und Behinderte um die Banken zu retten (um nichts anderes geht es) und dann diesen noch als Ersatz für den Verlust Bankenaktien “auszuzahlen” kann nicht mehr mit einer regulären Regulierung der Marktwirtschaft in Einklang gebracht werden. Dies ist Zitronensozialismus.

        • Anh Toan sagt:

          @ast: Dass die Anleihen nicht auch beschnitten wurden, stört mich auch, wie gesagt, ich vermute dabei hätten zypriotische Anleger über Pensionskassen viel mehr geblutet. Da ich hinter einem Verhandlungsergebnis nicht unbeding Leichtfertigkeit oder Bösartigkeit vermute, denke ich, es gibt vermutlich einen überzeugenden sachlichen Grund dafür. Deutsche Banken zumindest könnten Schäuble und Merkel viel billiger und weniger wahlchancenschädigend retten. Geld für deutsche Banken ist weniger schädlich als Geld für zypriotische Banken. Also retten sie zumindest zypriotische Banken. Würden sie dabei nicht auch deutsche Interessen schützen, wäre Hochverrat zu prüfen.

          Mir gefällt an der Geschichte die Progression, dass die Schwarzgelder an die Kasse kommmen und der Betrag für die Kleinen zumindest relativ bescheiden ist (2-5 Monatseinkommen auf der Bank, inkl Mietkaution und Kindersparkonti also 3% eines Jahreeinkommens erscheint mir kein übetriebenes Angebot an die deutschen Steuerzahler, welche das Finanzsystem rekapitalisieren sollen). Mir hätte besser gefallen, 0% bei den Kleinen und dafür 10+X% bei den Beträgen ab 100’000 EUR, und vor allem frage ich mich, ob damit die Sicherheit der griechischen etc. Banken hinterfragt wird und letztendlich mehr Probleme entstehen.

          Aber mein Kommentar war keine grundsätzliche Beurteilung der Vorgänge in Zypern, sondern an Linus Huber gerichtet, der nicht erkennt, dass ein wesentlicher Teil der Depositen auf Zypriotischen Banken mit “Vorsicht” schreienden Zinssätzen angelockt wurden, und darum die Regelung exakt dem entspricht, was er immer verlangt: Wer Risiken eingeht, soll den Verlust tragen und nicht die Allgemeinheit.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Sie haben recht mit dieser Aussage “ein wesentlicher Teil der Depositen auf Zypriotischen Banken mit “Vorsicht” schreienden Zinssätzen angelockt wurden”. Ich persoenlich haette nie mein Geld bei solch einer Bank hinterlegt (nur als Beispiel gemeint: ich habe sogar mein Guthaben bei der UBS schon anfang 2008 abgehoben).

            Was Sie hier aber verschweigen, ist die implizierte Sicherheit fuer Deposite auf Banken, welche dauernd gepredigt wird von Entscheidungstraegern, sowie die Verletzung marktwirtschaftlicher und rechtsstaatlicher Regeln. Grundsaetzlich sind saemtliche Banken Bankrott, wenn sich eine genuegend hohe Anzahl Kunden dazu entschliesst, ihr Geld in bar aufzubewahren und es entsprechend abzieht. Das ist das System der auf fraktionalen Reserven beruhenden Banken. Viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst, da dieses Thema selten in den Massenmedien angesprochen wird.

          • Anh Toan sagt:

            @Linus Huber: Zum Nachdenken angeregt haben Sie mich mit Ihrer Vernüpfung von implizierter Staatsgarantie und Rechtsstaatlichkeit:

            Eine implizierte Staatsgarantie ist im Recht nicht vorgesehen, sonst wäre es eine explizite Staatsgarantie. Wird eine implizierte Staatsgarantie erfüllt, handelt der Staat also ohne ensprechende Rechtsgrundlage. Der Staat darf ohne Rechtsgrundlage in Notstandssituationen handeln, also mal kurz, wenn er muss. In diesem Fall handelt es sich aber um eine implizite (systembedingte) Staatsgarantie, nicht eine implizierte.

            Was verletzt nun Rechtsstaatlichkleit? Das Erfüllen einer implizierten Staatsgarantie, die keine implizite Staatsgarantie ist. Umgekehrt ist das Nichterfüllen einer implizierten und nicht impliziten Staatsgarantie Rechststaatkonform.

            Impliziert ist eine Verbform (Es wird impliziert) während implizit (hier) ein Adjektiv ist, es beschreibt die Staatsgarantie.

            Wir müssen präzis sein, um Aussage mit Inhalt zu machen, sonst können wir auch sagen “bla bla bla”.

          • Linus Huber sagt:

            @ Anh Toan

            Ich kenne die genauen Bestimmungen der Einlagegarantie der EU nicht, weiss jedoch, dass die Entscheidungstraeger durch ihre Aussagen generell implizieren, dass Einlagen bei Banken sicher sind. Inwiefern dies nun die Regeln der Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit verletzt, erlaube ich mir ein wenig auszufuehren.

            Wie wuerden sich die Bankkunden verhalten, wenn keine Staatsgarantie besteht? Banken waeren wirklichen Marktkraeften ausgesetzt, vor allem, wenn die zusaetzliche Unterstuetzung (Liquiditaet durch Zentralbanken) ebenfalls wegfallen wuerde. Das Risikoprofil wuerde sich insofern veraendern, dass risikoreiche Geschaeftsmodelle mit einer bedeutend hoeherer Zinslast zu rechnen haetten. Die Kunden wuerden einer hoeheren Eigenkapitalquote als Zeichen der Soliditaet einer Bank viel groessere Bedeutung beimessen.

            Es handelt sich um erhebliche Summen, welche dadurch zugunsten der Banken umverteilt werden. Ich denke einmal, dass die Verletzung der Regeln der freien Marktwirtschaft einigermassen offensichtlich ist. Warum aber erklaere ich, dass die Rechtsstaatlichkeit verletzt wird?

            In der Verfassung fast saemtlicher westlicher Nationen wird dem Eigentumsrecht eine hohe Bedeutung zugemessen. Durch das Umverteilen der Kosten von Risiko wird in Essenz jedoch genau dieses Eigentumsrecht tangiert, indem verdeckt und damit fuer die Bevoelkerung nicht klar ersichtlich, eine Umverteilung ablaeuft, welche einer massiven Subvention gleichkommt. Die Bankenlobby einen ausgezeichneten Job gemacht, da sich die meisten Leute dessen gar nicht bewusst sind. Wenn wir z.B. die Subventionen an die Bauern diskutieren, handelt es sich um eine klar ersichtliche Situation. Im Fall der Banken jedoch, findet eine verdeckte Umverteilung statt, welche der formellen Rechtsstaatlichkeit gerecht sein mag, jedoch nicht einem angemessenen demokratischen Entscheidungsprozess unterworfen wird und die Umverteilung dadurch die verfassungsrechtlichen Eigentumsrechte verletzt.

  3. Rolf Schumacher sagt:

    “jedes Mal die Unabhängigkeit der Zentralbanken zu stärken”. Das ist eine bizarre Aussage. Die Zentralbanken sind NICHT unabhängig nur weil sie von der nationalen Politik nicht beeinflusst werden können! Die Zentralbanken sind über die BIZ straff hierarchisch organisiert. Das Direktorium der BIZ wird immer von denselben Grossmächten besetzt. Die BIZ arbeitet völlig intransparent und deren Mitarbeiter geniessen volle Immunität. Der Machtmissbrauch ist in kaum einer zentralistisch geführten globalen Organisation derart gigantisch wie in der BIZ. Die Nationalbanken sind zudem am Gängelband des IWF und der Weltbank. Beide Organisationen werden von denselben Kräften regiert! Lagharde ist den konservativen US-Kräften genauso nahe wie der ewig US-amerikanische Weltbankdirektor! Die Abhängigkeit sprich Unfreiheit der Zentralbanken ist erschreckend. Erschreckender noch, dass die wahren Entscheidungsträger (wer beeinflusst die BIZ-Weltbank etc Direktoren) unbekannt sind und deren Instiutionen komplett ausserhalb jeglicher juristischen Zugriffsmöglichkeit sind. Auch wenn diese Weltgelddiktatoren unsichtbar sind, existieren sie und beeinflussen knallhart die Nationalbanken.

    • Linus Huber sagt:

      Gut dargestellt; die Mafia ist ein Kinderfarten im Vergleich.

      • Rolf Zach sagt:

        Wie fördert man Wachstum, wenn die Einkommensverteilung in einer Volkswirtschaft einseitig verteilt ist und man die beibehalten will. Oder bildlich gesprochen, wie wäscht man den Pelz ohne ihn nass zu machen. Man fördert ein expansive Geldpolitik, bei der sich die Mittelschichten und sogar die Unterschichten verschulden. Die Immobilien-Blase in den USA war nicht nur gut für die Bauwirtschaft und die mit ihr verbunden Industrien. Sie vergrösserte auch die Anzahl der Beschäftigten im Dienstleistungs-Sektor (Sub-Prime!). Die Mittelschichten konnten mehr konsumieren dank der Zunahme ihres Netto-Vermögens und nicht wegen Lohnerhöhungen. Die Krise wäre in den USA noch viel schlimmer geworden, hätten sie das gleiche Hypothekar wie wir. Es braucht deswegen keine Verschwörung und keine entsprechenden Institutionen, die Gier, das kurzfristige Denken und die Dummheit der Beteiligten genügen.

        • Rolf Zach sagt:

          Korrektur: Es muss heissen: Die Krise wäre in den USA noch viel schlimmer geworden, hätten sie das gleiche Hypothekarrecht wie wir. Es ist darauf hinzuweisen, dass die amerikanischen Hypotheken Gülten sind, d.h. die Liegenschaft ist verschuldet, nicht der Eigentümer persönlich.

      • Anh Toan sagt:

        Kinderfarten finde ich grandios, um Sie einmal zu loben, kritisieren werde ich nicht mehr!

        • Rolf Schumacher sagt:

          Die Mafia ist nicht bloss ein Kinderfarten dagegen sondern mittragender Teil dieser Elite. Nota Bene die Cosa Nostra hat die Bank of Italy gegründet, welche heute Bank of America heisst und die zweitgrösste Bank der Welt ist. Nota noch bener, dass Unicredit (Berlusconi-P2) die Nummer 1 im Ostgeschäft ist. Nota noch viel bener, dass Sergio Ermotti zuerst bei Bank of America, dann bei Unicredit (Vizedirektor) war und jetzt CEO der UBS ist. Nota ebenfalls bene, dass das UBS-interne Kontrolloberhaupt Axel Weber lange BIZ-Direktor für die Deutschen war. Würde man Biographien der Spitzen der europäischen Grossbanken genau unter die Lupe nehmen, würde man sehen, dass die Mafia zusammen mit der alten Geldelite (JP-Morgan, D-Bank etc) den Tarif für die Restwelt durchgibt. Wer sich nicht an deren Vorgaben hält, wird zum Schurkenstaat und komplett isoliert (siehe Iran). Die iranische Nationalbank ist gegen diese Gilde völlig machtlos, unsere wäre es auch. Mitgehen oder Untergehen sind die Optionen für Nationalbanken und nationale Politiker.

        • Linus Huber sagt:

          Wie Sie sicherlich wissen, heisst fart auf english Furz. Vielleicht war dieser Kinderfurz ein im Unterbewusstsein kreierter Fehler, hey.

  4. Walter Kunz sagt:

    Soso, die FED ist also eine sog. Staatsbank

    • Rolf Zach sagt:

      Es ist ein Verbund von 12 Banken mit Zentralbankfunktion, die wohl privaten Banken gehören, aber von der Bundesregierung in Washington mittels Federal Reserve Board gesteuert wird. Auch unsere SNB gehört den Kantonen und privaten Aktionären, aber zu sagen haben sie nichts. Der Bundesrat bestimmt das Direktorium. Mehr bei WIKIPEDIA.

    • Walter Kunz sagt:

      Unter Euro – med.dk. ist u. a. zu lesen: Das Federal Reserve System ist letztendlich im Besitz von Rothschild in London, während die US-Aktionäre Rothschild unterliegen..?

    • Linus Huber sagt:

      Die Zentralbanken sind teil des Staates, da der Staat die Macht hat, das gewaehrte Geldmonopol aufzuloesen. Aufgrunde dessen, versucht die Zentralbank mit den Regierungen zu kooperieren.

      Die inflationaere Geldpolitik ist eine schleichende und allgemein unbemerkte Konfiszierung des Vermoegens der Gesellschaft. Selbst Keynes erkannte in seinen fruehen Jahren die Fragwuerdigkeit der dauernden Geldentwertung.

  5. ast sagt:

    Vor Kurzem hat der IWF der SNB gar Rückhalt ausgesprochen bei der Schwächung des Frankens -und gleichzeitig weitere Massnahmen vorab abgesegnet. Ich vermute dass die Handlungskompetenzen der Notenbanken eher ausgeweitet als zurückgefahren werden.

  6. Rolf Zach sagt:

    Es ist eine Binsenwahrheit, aber trotzdem kann man es nicht genug wiederholen. Die Geldverfassung eines Landes, ob dies nun eine Zentralbank oder eine Metallwährung ist, kann nie die Politik ersetzen, geschweige die sozialen und wirtschaftlichen Konflikte eines Landes lösen. Der hervorragende Artikel erwähnt die Politik der wichtigsten Zentralbanken in den 30er Jahren. Man könnte auch die Politik einer Zentralbank erwähnen, die durch eine verantwortungsvolle und stabile Geldpolitik aufgefallen ist, nämlich die Zentralbank von Salazar’s Portugal. Dieses Land hatte ähnlich wie die Schweiz, während des 2. Weltkriegs einen schönen Goldschatz aufgebaut. Trotzdem war die Volkswirtschaft dieses Landes eine Katastrophe. Die Portugiesen hatten die höchste Emigrantenrate in Europa. Trotz reichen Rohstoff-Kolonien kein Wirtschaftswachstum und eine Bildung, die eine der letzten Plätze in Europa einnahm. Sogar Franco-Spanien ging es wirtschaftlich besser als Portugal trotz einem grausamen Bürgerkrieg. Friedmann und seine Neoliberalen reden immer von der Geldmengenpolitik und dem Fehler der Geldmengen-Kontraktion der US-Zentralbank der 30er Jahre, dabei war diese gar nicht bewusst gemacht. Im Gegenteil, schon damals versuchte die FED Gegensteuer zu geben. Aber dies wurde verhindert durch einen Präsidenten Hoover, der absolut nicht begreifen wollte, dass er etwas für die Kaufkraft des amerikanischen Mittelstandes tun musste, der durch den Börsensturz 1929 arg gebeutelt war. Die US-Zentralbank hat damals die Zinsen massiv gesenkt. Es hat nichts geholfen. Übrigens war Hoover ein absolut honoriger Mann und ein hervorragender Minen-Ingenieur. Mit Roosevelt trat ein Mann auf die Bühne, der sofort etwas tat. Ein gutes Beispiel ist seine Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, auch heute für Südeuropa zu empfehlen. Das Wirtschaftswachstum der Salazar-Zeit war
    schwächer als dasjenige von Franco-Spanien.

    • Rolf Schumacher sagt:

      Unter Roosevelt wurde der Goldstandard aufgelöst und der Dawes und vor allem der unsägliche Young-Plan umgesetzt. Dieser Plan erlaubte es Hitler an die Macht zu kommen.
      Gute Zusammenstellung der Hitler Investoren findet man hier: http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2010/08/03/wer-finanzierte-hitler-und-die-nsdap/

      “Schlußendlich waren die Mitglieder und Berater der Dawes- und Young-Kommissionen nicht nur mit New Yorker Finanzinstituten verbunden, sondern, wie wir später noch sehen werden, gleichzeitig auch Direktoren von Firmen, die zu jenen deutschen Kartellen gehörten, welche Hitler zur Macht verhalfen”, schreibt Sutton, und kommt zum Schluß: “Der Beitrag, welchen der amerikanische Kapitalismus an die deutschen Kriegsvorbereitungen vor 1940 leistete, kann nur als phänomenal bezeichnet werden. Er war zweifellos entscheidend für die deutsche Militärkapazität.”

      … und setzt sich fort im Young-Plan – 1930

      Laut Hitlers Finanzgenie, Hjalmar Horace Greeley Schacht, war im Grunde der Young-Plan dafür verantwortlich, daß Hitler 1933 an die Macht gelangte.

      Ende des Aufsatzes–Roosevelt Berater.
      “Hanfstaengl, einst ein persönlicher Freund Hitlers, führte Hitler 1922 in die Münchener Gesellschaft ein. Hanfstaengl wurde 1931 Leiter der NSDAP Auslandspresse und blieb es bis 1933. Enttäuscht von Hitler ging er 1937 nach England und anschliessend in die Vereinigten Staaten. Während des 2. Weltkrieges wurde er Berater Roosevelt’s und der Hearst Presse. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte bis zu seinem Tode in München.”

    • Linus Huber sagt:

      In typischer Manier von Oekonomen, waehlen Sie die Reaktion der Zentralbanken im Angesicht einer Krise. Den Ursprung der Krise , welcher auf der vorhergehenden inflationaeren Geldpolitik verbunden mit dem einhergehenden Kreditboom (zumindest mitverantwortet von den Zentralbanken) beruht, wird hingegen ausgeblendet. Wenn die Zentralbanken nicht in der Lage sind, das Kreditvolumen im System einigermassen zu beeinflussen und die Nachhaltigkeit, welche sehr eng mit der Systemsicherheit gekoppelt ist, zu gewaehrleisten, ist es wohl an der Zeit, ihnen das Monopol streitig zu machen. Aber wie auch in anderen Bereichen der Elite, wird jenen, welche Fehler gemacht haben, noch mehr Kompetenzen gegeben.

      • ast sagt:

        Herr Huber, kommt drauf an wie man “Fehler” definiert. Gemäss des deutschen Finanzministers Schäuble geht es nicht Ohne (Zitat 18. November 2011 in der NYT) „Wir können eine politische Union nur erreichen, wenn wir eine Krise haben.“

        • Linus Huber sagt:

          Krisen sind keine Naturereignisse, sondern das Resultat vergangener Entscheide, welche eine nicht nachhaltige Entwicklung erlaubten und/oder foerderten. Wenn Sie den Entscheidungstraegern unterstellen wollen, dass diese eine Krise absichtlich herbeifuehrten, bewegen wir uns auf einer erheblich bedenklicheren Ebene des korrupten Verhaltens, womit die Verschwoerungstheoretiker schlussendlich richtig liegen wuerden.

          • ast sagt:

            «Wenn europäische Regierungen klammheimlich sieben bis zehn Prozent der Vorsorgeersparnisse ihrer hart arbeitenden Bürger an einem Freitagabend nach Geschäftsschluss enteignen können, zu was sind sie dann sonst noch fähig? Wieso sollte man da noch Geld auf dem Konto behalten? Wollen sie einen Sturm auf die Bank verursachen?»

            Zitat von Davis Jeffries, USA.

            Herr Huber, sie können jeden Ökonomen fragen, ich kenne niemanden der nicht einen Bankenrun in einer solchen Situation für möglich hält. Jeder würde davor warnen, ausnahmslos. Das muss den Politikern bewusst gewesen sein, zumal ein Herr Schäuble ja auch kein Idiot ist. Auffallend nun, niemand will die Verantwortung übernehmen.
            Es wäre eher eine Verschwörungstheorie anzunehmen dass die Politiker dermassen dumm wären, die Gefahr nicht erkannt hätten. Man müsste die Verschwörung aufstellen dass diese EU-Eliten unter Drogen gehandelt hätten, oder die Mehrheit von Ihnen unter Intelligenzstörungen leiden.

      • G. Nardone sagt:

        @Linus Huber: Dieses Monopol aber teilen die Zentralbanken bereits mit den Geschäftsbanken! Sie wollen also, dass die Geschäftsbanken über dieses Monopol verfügen, was sie zum Teil ja auch bereits haben, und zwar über die Schöpfung von Buchgeld. Sie sind wohl der Meinung, dass private Institute immer mehr besser “mit Geld umgehen” können als staatliche? Dass Private viel besser für Nachhaltigkeit & Systemsicherheit garantieren können, wenn sie nur mehr Freiheiten hätten, und nicht von staatlicher Instanz reguliert würden? Aber diese Experimente werden seit ein paar Jahrzehnten bereits mehr oder weniger in einigen Staaten gemacht: Ergebnis = Weltwirtschaftskrise & Chaos!
        Es ist nicht die expansive Geldpolitik der Zentralbanken die die Systemsicherheit gefährdet, sondern der freie, unregulierte Kapitalverkehr. Zentral-/Notenbanken reagieren eher auf die wirtschaftlichen Missstände, das Chaos das heute in der Finanz- & Realwirtschaft existiert. Und wenn der freie Kapitalverkehr ja so eine tolle Sache ist, warum werden dann nicht auch analog, der Kohärenz halber, nicht auch die Regeln & Gesetze im Strassenverkehr abgeschafft? Freie Fahrt für alle … die “Strasse (Markt)” wird alles regeln! Ja, das wird sie auch ganz bestimmt … es fragt sich aber “INWIEFERN” …
        Aber Sie erliegen ja der Ideologie, ohne empirischem Nachweis, dass der freie Markt alles regelt, bringt alles ins Gleichgewicht. Womit Sie teilweise auch recht haben, nur, es ist kein “ABSOLUTES” Gleichgewicht, sondern nur ein “RELATIVES” Gleichgewicht. An sich bzw. absolut sagt nämlich dieses Gleichgewicht nichts aus …

        • Linus Huber sagt:

          @ Nardone

          Ein interessantes Beispiel fuehren mit dem Strassenverkehr auf. Kuerzlich wurde eine Untersuchung in einem noerdlichen Staat gemacht, wo die Verkehrsampeln entfernt wurden. Das Resultat war, dass sich der Stau massiv resultierte. Es geht also nicht darum, keine Regeln zu haben, sondern erstens die richtigen und zweitens so wenig wie moeglich.

          Es geht nicht darum, dass jemand anders ein Monopol auf Geld erhaelt, sondern darum, dass der Mensch die Freiheit erhaelt zu bestimmen, was oder welche Waehrung ihm am besten zusagt. Geschichtlich betrachtet waehlten die Menschen in solch einem freien System immer die Edelmetalle als Geld, da in seiner physischen Form nicht manipulierbar und nicht von Korrision betroffen.

          Der Markt wuerde tatsaechlich Nachhaltigkeit regeln, da jeder einzelne Anleger sich ueber das verwendete Geschaeftsmodell eines Institutes Gedanken machen wuerde und die Eigenkapitalquote in dieser Beziehung ein wichtiger Faktor darstellen wuerde.

          Die gegenwaertige Krise beruht nicht auf der Deregulierung in sich, sondern auf der ankerlosen und inflationaeren Geldpolitik der Zentralbanken ueber die vergangenen Jahrzehnte, welche den Kreditboom mindestens zuliess, wenn nicht gar foerderte. Die Deregulierung wurde ebenfalls aufgrund der Empfehlung der Zentralbanken bewerkstelligt, was einzig aufweist, wie stark die Bankenlobby schon an Gewicht gewonnen hatte. Bestaende keine implizierte Garantie durch Staaten und Zentralbanken, haette jeder einzelne das Risiko bei seinen Anlagen bedeutend ernsthafter betrieben, womit der Kreditboom nicht dieses Ausmass erreicht haette.

          Die Bildung der heutigen massiven Ungleichgewichte sind im Endeffekt nichts anderes als das Resultat inflationaerer Geldpolitik der vergangenen vielen Jahrzehnte.

          • Linus Huber sagt:

            Um das Ganze ein wenig bessere in einen Zusammenhang zu setzen, will ich hier noch ein wenig ausholen.

            Es hat sich ueber die letzten Jahrzehnte eingebuergert, dass wenn ein Finanzinstitut ein Problem hatte, sich die Zentralbank und Regierung sich einmischten und den Schaden sozusagen groesstenteils umverteilten auf die Allgemeinheit. Dies fuehrte direkt zu der problematischen Entwicklung, in welcher die Finanzindustrie sich bestaerkt fuehlte von diesem Mechanismus und somit einen immer hoeheren Hebel in Einsatz brachten. Jener, welche sich diesem Trend widersetzte, wurde zum Mauerbluemchen oder einfach aufgekauft.

            Der Ursprung des Dilemmas liegt also in der Einmischung des Staates und der Zentralbanken, welches vor vielen Jahrzehnten begann, indem schrittweise die Risiken immer staerker falsch bewertet wurden (da deren Kosten vom Risikonehmer auf die Allgemeinheit umverteilt wurden). Dort muss der Ansatz einer Loesung liegen.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: “wo die Verkehrsampeln entfernt wurden” – Ja, das weiss ich ungefähr, es war in Belgien oder Holland, mit guten Resultaten. Doch das sind nur die Verkehrsamplen, sind nicht die einzigen Reguliermassnahmen, haben diese auch die Geschwindigkeitslimiten überall entfernt? Dann sagen Sie, es bräuchte die “richtigen” Regeln & 2. so wenig wie möglich. Doch wenn es “richtige” Regeln braucht, ist die Anzahl der Regeln völlig irrelevant! Das Relevante ist ja der Zweck der “Richtigkeit” der Regel an sich.
            Sie befürworten also einen Wettbewerb von Währungen, glaube das entspricht ja den Ideen der Österreichischen Schule. Kann ich nicht beurteilen, könnte gar nicht schlecht sein. Doch die Art von Währung die wir heute haben, FIAT-Geld, ist das kleinste Problem, eigentlich gar keins an sich, im Gegenteil, es ist Fortschritt. Was Edelmetallwährung betrifft: Ist es denn nicht erstaunlich, dass nirgendswo eigentlich eine Edelmetall gedeckte Währung existiert? Obwohl die meisten Menschen das wollen? Da haben sich die Staaten zusammen wohl gegenüber ihrer Bevölkerung verschworen und gedeckte Währungen global abgeschafft? Ja, genau das haben sie getan. Und wehe dem, der eine Edelmetall-Währung eigenständig einführen will, Ghadaffi lässt grüssen … Da fackelt die internat. Gemeinschaft nicht lange, nach all den Opfer, um so ein globales System zu bewerkstelligen. Doch will, darf & soll ich nicht mehr darüber sagen, weil es eine sehr traurige & geheime Geschichte ist bzw. war. Und warum hat eine internat. Gemeinschaft Edelmetall-Geld im Geheimen abgeschafft? Nicht aus irgendwelchen Lobbies oder Privatinteressen, sondern gerade zum Schutz ihrer Völker. Es geht auf Adam Smith zurück, der meinte; Edelmetall-Währungen seien die grösste Gefahr für den Weltfrieden & sollten somit abgeschafft bzw. “zentralisiert” werden. Doch Papa-Staat konnte seinen Kindern keinen reinen Wein einschenken, weil sie offensichtlich nicht auf der Höhe war bzw. heute noch ist, es zu VERSTEHEN!

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Und es gibt noch weitere Gründe die gegen Edelmetall-Währungen sprechen: 1. Sind sie sehr wohl manipulierbar; wenn Geld mit einem fixen Goldpreis z.B. fixiert ist & es daneben einen freien Gold-Markt gibt, bei der der Preis ja täglich unterschiedlich sein kann, haben wir einen logischen Zirkelschluss & öffnet Tür & Tor für Geldwert-Manipulationen. 2. Sind sie zu knapp für den ständig wachsenden Geldbedarf einer ständig wünschenswert wachsender Wirtschaft, bedeutet hohes Risiko einer Deflations-Gefahr, was wir ja im Laufe der Geschichte hatten aufgrund dessen. 3. Ist es uneffektiv, vergeuderisch & geradezu irrational, mit viel Aufwand, Edelmetalle aus “Löchern” zu fördern, um sie danach in andere “Löcher” bzw. Tresore zu verstauen, die dann dort völlig nutzlos rumliegen, denn wir würden, wie seit dem Mittelalter, kaum Edelmetalle benützen um Transaktionen auszuführen, sondern doch nur Schuldscheine, Wechsel, Checks, Banknoten der Bank oder heutzutage Plastikkarten & Onlinebanking für eingelagertes Gold! Anstattdessen könnten Edelmetalle sehr nützlich sein für Zahnärzte, in der Elektronik, in der Medizin & als Spurenelemente in unserer Nahrung, nebst Schmuck natürlich. 4. Selbst wenn Edelmetalle nicht der Korrision unterliegen, heisst das noch lange nicht, dass sie ihren Preis stabil behalten in Zukunft. Selbst wenn Gold seit 1000en von Jahren eigentlich seinen Geld-Preis recht stabil hielt, heisst nicht, dass es dasselbe für alle Zukunft gilt. Der Wert bzw. Preis einer Materie wie Edelmetall ist ja nicht wirklich determiniert von der Materie an sich oder ihrer Knappheit, sondern ich behaupte von der Arbeit bzw. von den Arbeitslöhnen diese zu fördern! Denn eines Tages, mit fortschrittlicher Technologie, wird es möglich sein, Edelmetalle künstlich & sehr billig herzustellen! Oder auf Kometen, Asteroiden & anderen Planeten Edelmetalle in Massen abzubauen.

            Die Sache ist ja die; wir wollen ja Edelmetall-Geld zum SPAREN & nicht als Tauschmittel …

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Der Zweck der Erfindung des Geldes ist ja 1. Eine zählbare Einheit zu haben, um Werte zu BEWERTEN. Zahlen eignen sich wunderbar dafür an. Geld ist ja heute nur noch “Zahl” mit der man “BeZAHLT”. Ein Massstab wie kg, Liter, Meter usw. Die Werte die man bewertet mit dem Massstab Geld sind die Güter & Dienstleistungen, sprich die Leistungen der leistenden Menschen. Der direkte Leistungs-Tausch am Markt, die ja die Arbeitsteilung erst erforderte, wurde damit auf zweifache Weise enorm erleichtert & wie die Arbeitsteilung, hat die Erfindung des Geldes die gesamtwirtsch. Produktivität geradezu in neue Dimensionen geführt, anstelle dass alle nur noch Eigenversorger wären. Mit der Zeit haben wir ja erstaunlicherweise völlig vergessen, dass es in der Wirtschaft immer noch um Leistungs-Tausch von Güter & Dienstleistungen geht! Geld bzw. Zahlen die man heute bekommt für Leistungen, sind ja offensichtlich nicht die Gegenleistung dafür! Sondern sie sind eine allgemein akzeptierte FORDERUNG nach Gegenleistungen wie Güter & Services. & wo eine Forderung, muss irgendwo in einer Buchhaltung auch eine Verpflichtung in der selben Summe bestehen, geht nicht anders, ist buchhalterische Logik. Geld ist heute eine Forderung & Verpflichtung nach Leistungen bzw. WErten, aber nicht Wert an sich. In der Vergangenheit hatten wir diese reine abstrakte Funktion mit einer Materie verbunden, wie Edelmetalle usw., heute haben wir zum Glück Informatik.

            Doch hier kommt der springende Punkt mit dem Sparen. Denn wir können nur schwer z.B. Kartoffeln auf die Seite legen um diese dann in 10, 20 oder 40 Jahren, wenn wir dann in Pension gehen, etwas zu essen haben. Doch um die “Kartoffeln” geht es ja schlussendlich, mit Zahlen alleine kann ich ja nicht leben. Wobei Sie können ja heute dafür Edelmetalle benützen um zu sparen, denn Zahlen bzw. heutiges Geld kann man makro-ökonomisch nicht sparen! Wenn alle Geld sparen heute, werden makro-ökonomisch Erträge bzw. Löhne gekürzt!

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone (uebrigens ein sehr attraktiver Name)

            Der wirkliche Grund der Aufhebung des Goldstandards liegt darin, dass er den Spielraum fuer Manipulationen der Zentralbanken begrenzte. Jedoch genau das Ausreizen des zusaetzlichen Spielraumes fuehrte zu der heutigen Krise.

            Die Massenmedien haben ihren Job gut erledigt in Ihrem Fall.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Danke fürs Schmeicheln. Wobei “Linus” finde ich übrigens attraktiv. So, genug der Liebkosungen & zurück zu den Prügeln :-)

            “Die Massenmedien haben ihren Job gut erledigt in Ihrem Fall” – In Ihrem Fall wohl nicht, Sie sind offenbar noch ein ziemlich sturer & widerstandsfähiger Kandidat :-) Aber darf ich fragen, inwiefern, in meinem Fall die Massenmedien mich gut ausgebildet haben? Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich nicht von denen bezahlt werde. Ausserdem, hatte ich nicht wirklich den Eindruck, Sie seien ein Verschwörungstheoretiker, die ja genauso, ständig die “bösen, manipulierenden Massenmedien” kritisieren. Was ja eher “einen Phantom jagen” gleichkommt! Oder sind die “Massenmedien” einfach nicht genug gebildet in ihren Augen?

            “Der wirkliche Grund der Aufhebung des Goldstandards liegt darin, dass er den Spielraum fuer Manipulationen der Zentralbanken begrenzte. Jedoch genau das Ausreizen des zusaetzlichen Spielraumes fuehrte zu der heutigen Krise.” – Und dieser Absatz, muss ich zugeben, verstehe ich nicht. Hab mehr den inhaltlichen Eindruck davon, dass die Katze sich in seinen eigenen Schwanz beisst.

        • G. Nardone sagt:

          @Linus Huber: Und nochmals, was Inflation (Preissteigerung) betrifft. Ist empirisch nachgewiesen, ist Wissenschaft; in jeder Volkswirtschaft, gibt es die Korrelation zwischen Lohnstückkosten und Preis-Entwicklung. Löhne im Verhältnis der Produktivität determinieren die Preise; Lohnstückkosten über der Produktivität determiniert die Inflation. Die Zentralbanken finanzieren natürlich die Inflation, doch sind nicht DIREKT dafür verantwortlich! Wenn heute die Nationalbank 1 Mio Franken jedem Bürger in die Hände gibt, verändern sich in diesem Moment ja noch keine Preise auf dem Markt! Denn die Preise werden ja auf dem Markt determiniert. Es kommt ganz darauf an, was die Menschen nun mit diesem Geld anfangen, inwiefern sie dieses Geld ausgeben.

          Die herrschende Wirtschafts-Wissenschaft, die sog. Neo-Klassik will das (Korrelation zwischen Lohnstückkosten & Preisen) aber nicht wahrhaben, genauso wie die Markt-Ideologen, die einfach nur den Markt isoliert und losgelöst von ihrer eigentlichen & offensichtlicher Einbettung eines grösseren Zusammenhangs betrachten. Völlig vergessen haben, dass der Markt im Kontekt bzw. auf dem Fundament der Arbeitsteilung beruht. Und dass die makro-ökonomischen Gesetze gerade das Gegenteil der mikro-ökonomischen sind. Und wir haben eine Mikro- in Kontekt einer Makro-Ökonomie aufgrund der Arbeitsteilung. Die herrschende Wissenschaft betrachtet aber alles aus einer Mikro bzw. Eigenversorger-Perspektive!

          Aber man darf das eben nicht wahrhaben wollen, sonst bricht das ganze Haus dieser Wissenschaft auseinander, weil gerade fundamental, empirisch falsch. Und ich hab völlig Verständnis dafür, denn ist schwer, wenn auch irrational, ein über Jahrzehnte gepflegtes Weltbild komplett verändern zu müssen, da bricht fast eine Welt zusammen. Nein, nur ein “Bild” der Welt, nicht die Welt an sich. Es ist heute wie mit der Autorität der kath. Kirche, die ja 500 Jahre brauchte um öffentlich anzuerkennen, dass der Planet nicht flach ist!

          • Linus Huber sagt:

            @ Nardone

            Ich schaetze Ihren Versuch, die Zusammenhaenge aufzudecken. Der Elefant im Zimmer ist jedoch die inflationaere und ankerlose Geldpolitik der vergangenen vielen Jahrzehnte, welche das Verhalten der Bevoelkerung schrittweise in einer Art und Weise veraenderte, welche schlussendlich in einer Krise endete, welche die nicht existierende Nachhaltigkeit aufdeckt. Wie Sie weiter oben erklaeren, soll Geld die Funktion eines Massstabes erfuellen. Wenn Sie ein Haus bauen und jeden morgen ist der Meter um 1% kuerzer, was glauben Sie wie sich dies auf das Konstrukt auswirken wird. Genau so hat die dauernde und langfristige Geldentwertung einen zwar in offiziellen Statistiken nicht messbaren, jedoch in Bezug auf gesellschaftliche Werte einen wichtigen Einfluss. Es entstehen gesellschaftsschaedigende Entwicklungen indem Kurzfristigkeit, Verantwortungslosigkeit, Antisoziales Verhalten, Wegwerfgesellschaft, Spekulation, Lug und Betrug gefoerdert werden. Dies sind alles nicht messbare Werte und deswegen nicht erfassbar fuer Oekonomen, sondern es handelt sich um qualitative Aspekte. Es sind die Langzeitauswirkungen geldentwertender Politik, welche mich faszinieren.

            Ich betrachte Oekonomie mehr als ein Studium der Verhaltensveraenderung der Bevoelkerung und Akteure im System als das Analysieren von Aggregaten, welche schlussendlich einzig eine Situation erklaeren, jedoch nicht die wirklichen sondern nur oberflaechlichen Gruende der Entwicklung erforschen.

          • G. Nardone sagt:

            @Linus Huber: Dass die sozio-psychologischen negativen Veränderungen in einem Zusammenhang stehen mit “expansiver Geldpolitik” ist eine interessante These. Kann sein, aber die staatlichen Zentralbanken sind nicht die Einzigen. Auch private Geschäftsbanken können Geld schaffen, besser BuchGeld. Siehe Investment-Banking, in der hauptsächlich in einem globalen Casino gezockt wird, anstelle in soziale Werte investiert. Allein Zentralbanken dafür verantwortlich machen, ist zu einfach. Vielfach werden sie eben immer dann in die Pflicht gerufen, wenn es bereits in der Wirtschaft kriselt, was dann meistens, oder immer, eine Absatzkrise ist, in Zusammenhang mit ungleicher Verteilung. Und die Mittel, nebst Leitzinsen, eben neues Geld ist. Wenn sie dabei aber nicht entscheiden dürfen, wofür es benützt wird, wessen Schuld ist es? Und eine Inflation von X % wird ja von den wichtigsten Zentralbanken gerade bewusst gefordert, um die brachliegenden Geld-Spar-Vermögen eben Beine zu machen! Geld sparen ist ja für den Einzelnen eine wünschenswerte & verständliche Sache, aber volkswirtschaftlich eben nicht. Die Aufgabe ist es diesen Gegensatz zu überwinden. Und ist es nicht die ständig, blinde & irrationale Vernarrtheit in Geld, das den Blick auf die Dinge trügt?

          • Johnny Smith sagt:

            Mist, auch bei mir verschwindet ein längerer Kommentar im Nirvana… zweiter Versuch:

            Ich widerspreche Ihnen nicht, Herr Nardone, dass es eine Korrelation zwischen Inflation und Lohnkosten gibt. Bei der Frage allerdings, ob die Lohnkosten den Lead haben sprich zu höherer Inflation führen oder umgekehrt, tendiert die Wissenschaft dazu, dass Lohnkosten wegen Preisinflation ansteigen und nicht umgekehrt. Mehr dazu bspw. im extrem lesenswerten Blog von Mike Ashton alias ‘inflation trader’ (https://mikeashton.wordpress.com).

            ZB zitiert er eine Studie vom Cleveland Fed aus dem Jahr 2000 (http://www.clevelandfed.org/research/PolicyDis/pd1.PDF):
            “…there is little reason to believe that wage inflation causes price inflation. In fact, it is more often found that price inflation causes wage inflation….wage inflation does a very poor job of predicting price inflation throughout the 1990s, while money growth and productivity growth sometimes do a better job.”

            Oder an anderer Stelle eine etwas ältere Studie von Fama:
            “Fama wrote the paper which, back in the early 1980s, pointed out that if you modeled inflation as a result of monetary factors and Keynesian factors (unemployment, e.g.), the Keynesian factors didn’t add anything.”

          • G. Nardone sagt:

            @Johnny Smith: Sie sagen, oder was die herrsch. Wissenschaft meint, dass Lohnkosten nicht den Lead haben betr. Preisinflation, sondern darauf reagieren bzw. sich anpassen. D.h. Zentralbanken sind schuld. Das ist nicht ganz richtig. Was sie nicht verstehen ist; die Lohnkosten müssen, also als Bedingung, nach einer Preisinflation ansteigen, ansonsten vermindert sich die vorher verursachte Preisinflation wieder! Wenn die Zentralbanken neues Geld in Umlauf bringen und das in höhere Nachfrage als Angebot mündet, entsteht doch Preisinflation, einverstanden? Aber 1. Bedingung: Nur wenn das zusätzliche Geld in zusätzliche Nachfrage mündet, nicht auf Konten, Tresoren usw. brachliegt. 2. Bedingung der Preisinflation: Das zusätzliche Geld als Nachfrage kann man ja nur einmal ausgeben, und diese Ausgabe hat in der ersten Phase den Preisanstieg ja verursacht oder? Aber was geschieht nun, wenn das zusätzliche Geld, das einkassiert wurde auf der Angebotsseite, von den Unternehmen, nicht wieder zur Nachfrage-Seite, als höhere Löhne logischerweise, zurückfliesst bzw. UMLÄUFT? Was geschieht dann mit den Preisen? Genau, die vermindern sich wieder!
            Der Denkfehler der herrsch. Wissenschaft ist, dass sie es als GEGEBEN hinnehmen, dass Zentralbanken Geld in Umlauf bringen & dann das zusätzliche Geld auch in UMLAUF bleibt. Nein, dass das zusätzliche Geld in Umlauf ist & bleibt bzw. FLIESST, dafür kann logischerweise die Zentralbank nicht Einfluss nehmen. Nur wieder über höhere Löhne REALISIERT bzw. verstetigt sich die über eine bestimmte Periode höhere Nachfrage erzeugte Inflation.

          • G. Nardone sagt:

            @Johnny Smith: Hab noch etwas vergessen zu erwähnen, um das Dogma oder das Märchen, dass die Noten-/Zentralbanken die Verursacher von Inflation sind, die bösen & mächtigen Zentralbanken, die unser Geld entwerten, zu entmystifizieren. Scheint mir fast, als wären die Ökonomen der herrschenden Wirtschafts-Wissenschaft Verschwörungstheoretiker! Die behaupten nämlich Ähnliches.

            Preisfrage: Wenn nämlich zusätzliches Geld von den Zentralbanken, in zusätzliche Investion bzw. Produktion bzw. Angebot, mit zusätzlichen Arbeitsstellen & das in eine zusätzliche Nachfrage mündet, ensteht dann eine Preisinflation? Und in diesem Zusammenhang: Dürfen heute Zentralbanken eigenmächtig entscheiden, wie man das von ihnen neu geschaffene Geld eben einsetzt?

  7. Rolf Schumacher sagt:

    In der Bundesverfassung steht folgender paradoxer Text.

    Art. 99 Geld- und Währungspolitik

    1 Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes; diesem allein steht das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten zu.

    2 Die Schweizerische Nationalbank führt als unabhängige Zentralbank eine Geld- und Währungspolitik, die dem Gesamtinteresse des Landes dient; sie wird unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes verwaltet.

    3 Die Schweizerische Nationalbank bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven; ein Teil dieser Reserven wird in Gold gehalten.

    4 Der Reingewinn der Schweizerischen Nationalbank geht zu mindestens zwei Dritteln an die Kantone.

    a) Kann eine Bank unabhängig sein, die gleichzeitig unter Aufsicht des Bundes steht (wie ist diese Aufsicht überhaupt geregelt?) Hat das Volk ein Mitspracherecht (Referendumsmöglichkeit) immerhin geht es ja um die nationale Devise?
    b) Ist eine Bank unabhängig deren Direktor als einfaches Mitglied einer übergeordneten internationalen Organisation (BIZ) UNTERSTEHT??

    Eine dicke Lüge und fettes Paradoxon, das da in der heiligen Bundesverfassung steht.

    • Alois Krieger sagt:

      Kein Notenbankchef untersteht dem BIZ. Die BIZ wurde 1930 zur Abwicklung der Reparationszahlungen des 1. Weltkrieges gegründet, später hat sich die Organisation neue Betätigungsfelder gesucht. Sie setzt jetzt z.B. Standards in der Bankenaufsicht (z.B. Basel III). Aber die Mitgliedsstaaten sind nicht verpflichtet, diese Standards einzuhalten. Basel III wird z.B. in den USA nicht vollständig umgesetzt.

  8. Michael Schwarz sagt:

    Die schnelle Rettung der Zentralbank in Notfällen, sind zu begrüssen. Weil solche Massnahme von Zentralbanken ausgeht, wirkt schnell, aber kurzfristig. Deshalb sind sie für kurzfristige Stabilisierung des Marktes gut geeignet. Aber was Fed in letzten 4 Jahren betrieben hat, sind keine Massnahmen für Notfälle. Die Zentralbank insbesondere Fed mischt in der Wirtschaftspolitik rein, manipuliert sie die Preise und Kurse. Deshalb muss SEC der Fed anklagen, wegen Kursmanipulation. Warum die Hedgefund Manager für Insidergeschäfte und Kursmanipulation verklagt werden, aber der Fed nicht – Fed geniesst keinen Sonderstatus.

    • Linus Huber sagt:

      Formell moegen Sie recht haben, aber ich bezweifle, dass sich ein Chef einer westlichen Zentralbank dem starken Einfluss des FED (Zentralbank der Leitwaehrung) widersetzen wird.

  9. Johnny Smith sagt:

    Ich habe zwei Kommentare.

    1. Unabhängigkeit der Zentralbanken und Machtfülle der Zentralbanken müssen nicht identisch sein bzw. müssen sich nicht synchron in die gleiche Richtung entwickeln. Es wäre ja möglich, dass die Zentralbanken wie erwähnt und wie in der Vergangenheit unabhängiger würden, aber dass gleichzeitig deren Kompetenzen und Machtfülle wieder auf das frühere Mass zurückgestutzt wird.

    2. Der Artikel scheint im zweitletzten Absatz zu implizieren, dass Inflation definitiv ein Problem wird. Ich kann mich angesichts der Entwicklung der letzten Jahre dem durchaus anschliessen. Sicher aber, ist das natürlich nicht.

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