Die Zukunftssorgen der Eltern

«Mach dir keine Sorgen, Papa!»: Doch der Beschützerinstinkt bleibt – ein Leben lang. (iStock)

Gib dein Bestes, bleibe entspannt und vertraue darauf, dass es gut kommt. Etwa so lautet mein Motto. Kollege Tschannen würde es Mantra nennen. Meist klappt es mit der Umsetzung ganz gut. Doch immer mal wieder schleichen sich Zweifel und Sorgen in Brust, Kopf und Magengegend und setzen sich dort für eine Weile fest.

Mach dir nicht so viele Gedanken, sagt mein Mann in solchen Momenten. Es kommt schon gut, und eigentlich ist doch alles in Ordnung. Du und ich, wir geben unser Bestes.

Ja, das stimmt schon. Doch hoffentlich reicht das? Je älter unsere Kinder werden, desto mehr Vertrauen müssen wir haben. In sie, in ihren Weg, die Zukunft. Wir können nur hoffen, dass jene Worte und Werte, die wir ihnen mitgegeben haben, auch angekommen sind. Wir müssen ihnen vertrauen, dass sie mit Kollegen auf dem Pausenplatz abhängen, aber nicht während der Schulstunden. Ihnen glauben, dass sie nicht schon kiffen oder trinken – und hoffen, dass es weiterhin so bleibt. Auch dass sie ihren Lebensmut behalten, ihren Platz finden, ehrlich und zufrieden sind, hoffentlich auch glücklich. Und wenn sie in Problemen stecken, wir sie unterstützen können, weil sie uns noch immer vertrauen.

Von Tag zu Tag weniger Einfluss

Vertrauen haben: Dass dies einem speziell als Mutter oder Vater nicht immer leichtfällt, beschreibt eine Mamablog-Leserin aus Thun sehr schön. Die Mutter zweier kleiner Kinder schrieb mir diese Woche ein berührendes Mail, woraus ich mit ihrem Einverständnis gewisse Stellen zitieren möchte:

«Ich habe beim Lesen der Nachrichten plötzlich einen Gedanken gehabt, der mich kurz erschüttert hat: Es geht um den jungen Attentäter, der den russischen Botschafter in Ankara erschossen hat. Er war Jahrgang 1994: gerade einmal Anfang 20. Noch fast ein Kind also. Und er hat höchstwahrscheinlich noch lebende Eltern. Als mir das bewusst wurde, musste ich an meine beiden Kinder (2 Jahre und 7 Monate) denken. All diese Unschuld, dieses Potenzial, dieses pure Lebensgefühl. Wie lange wird das wohl noch so sein?»

Die junge Mutter schreibt von der Gewissheit und der damit einhergehenden Sorge, dass der Einfluss auf die Kinder von Tag zu Tag geringer wird, weil sie täglich selbstständiger werden:

«Das ist wunderbar zu beobachten, ist aber auch schwierig, macht Respekt und manchmal Angst. Nicht nur, weil es schwer ist, loszulassen, sondern auch, weil man merkt, wie sie wirklich eigene Personen werden, ihren eigenen Wertekanon beginnen aufzubauen, ihre eigenen Prioritäten setzen und man dieses manchmal kaum mehr beeinflussen kann.

Das nagende Gefühl der Sorge

Auch die Eltern des Ankara-Attentäters haben bestimmt ihr Bestes gegeben. So wie sicherlich die meisten Eltern von Amokläufern, Attentätern, Militanten jeglicher Façon… Alle haben versucht, ihren Kindern gute Werte mitzugeben und sie in Liebe und Respekt zu erziehen, in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext – das zumindest glaube ich ganz fest. Und trotzdem gibt es diese schwarzen Schafe, Menschen, die den Weg verlieren und Recht und Unrecht nicht mehr unterscheiden können. Warum? Wo hätte man ansetzen können, sollen, müssen? Wäre es überhaupt zu verhindern gewesen?

All dies ging mir durch den Kopf, als mein Telefon mit Bildern meiner zwei Kleinen neben der Tageszeitung lag und ich mich zu beruhigen versuchte. Ich kann weiterhin nur versuchen, meinen Kindern eine gute, geborgene Kindheit zu ermöglichen, ihnen Grenzen aufzuzeigen, Werte mitzugeben, an die ich glaube, und diese auch vorzuleben. Aber schiefgehen kann immer etwas. Da bleibt dieses kleine nagende Gefühl der Sorge… und das bleibt wohl für immer.»

Berührende Gedanken, die wohl alle Eltern kennen. Kinder zu haben, bedeutet auch Liebe, Freude, Selbsterkenntnis. Vor allem aber heisst es zu vertrauen. In die Kinder, die eigene Familie, die Welt.

In diesem Sinne wünsche ich allen frohe Weihnachten.

Lesetipp: «Entspannt trotz Weihnachten» mit 10 Ratschlägen von Nadia Meier.

74 Kommentare zu «Die Zukunftssorgen der Eltern»

  • Saijmon sagt:

    Phillip Roth: „Ein amerikanisches Idyll“
    Die Lektüre kann hilfreich sein

  • Mindi sagt:

    Interessant ist die Eingrenzung des Verantwortungsgefuehls: viele Beitraege beziehen sich auf den Einfluss der Eltern auf die Kinder, der hilfreich/nutzlos sein kann. Man betrachtet also die Eltern/Kind Beziehung als die Grenze des persoenlichen Einflusses…die Welt ausserhalb scheint dann bedrohlich, und die Eltern zaehlen auf ihre gute Vorbereitung des Kindes bei dessen Schritt in diese kalte Welt. Ich lebe mit meiner Familie in den USA (9-jaehrige Zwillinge). Enorm bedenklich ist hier die Erosion der Gesellschaft, wo z.B. unverrueckbare Werte aus meiner Kindheit nicht bekannt sind oder kaum wahrgenommen werden. Ein einzelner Mensch kann eine errodierte Gesellschaft nicht heilen. In unermuedlicher Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Menschen ist dies jedoch nicht mehr so aussichtslos.

  • Sportpapi sagt:

    Wenn unsere Kinder mal gut herauskommen, haben wir einen tollen Job gemacht, sie gut erzogen, waren positive Vorbilder.
    Wenn nicht – wir können unsere Kinder nicht erziehen…

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Nein, Sie können Ihren Kindern ein gutes Vorbild sein, oder nicht, aber Sie dürfen sich nicht über ein Versagen in Ihrer Erziehung wundern, wenn Sie KEIN gutes Vorbild geben.

      Sehen Sie: meine Mutter ermahnt meine Kinder, dass sie mit vollem Mund nicht reden sollen und dass während des Essens die Ellbogen nicht auf den Tisch gehören, während meine Mutter selber den Mund voll und ihre Ellbogen auf dem Tisch hat. Glauben Sie, dass meine Kinder mit 14 und 17 meine Mutter in einer solchen Situation noch ernst nehmen? Solches können Sie einem Kleinkind bringen, aber sicher keinem Teenie.

      • elena sagt:

        Genau, und das ist der springende Punkt: Zu viele Eltern sind heute nicht einmal mehr dazu fähig oder schlicht zu faul und zu dumm, sich gegen einen „Teenie“ zu widersetzen und jammern dann ganz oft, dass sie nicht wissen, wieso ihre …… missraten sind, derweil sie von allem Anfang an alles daran gesetzt haben, genau dies zu fördern.

    • Alpöhi sagt:

      Ja, das ist immer so: Der Erfolg hat viele Väter und Mütter, aber der Misserfolg ist ein Waisenkind 😉

  • Alpöhi sagt:

    Bis 12 Jahre: Säen.
    Ab 12 Jahre: Waxhsen lassen und zuschauen, was reift.
    Dauernd: Drandenken, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.

    Säen und ernten.
    Was der Mensch sät, das erntet er.
    Das gilt nicht nur für Landwirte.

    • Adina sagt:

      Stimmt alles (bis auf das „x“ in „wachsen“) 🙂 Danke!

    • Sportpapi sagt:

      Wir werden das Gras auch in höherem Alter fleissig düngen. Muss ja nicht schneller wachsen, aber gesund.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Sportpapi

        Nur ist die Sache schon fast gelaufen, wenn das Kind 12 ist.

      • Adina sagt:

        Sportpapi, vor allem bei Söhne (Sie haben 3 davon, stimmt’s?) sollte man fleissig düngen und ebendiesen erlauben bis im höheren Alter bei Mama zuhause zu bleiben (die idealerweise ausschliesslich Hausfrau ist). Die Welt braucht ja auch Verlierer (rumalbern off) …. aber hey, Sie müssen das jetzt nicht verstehen, keine Bange!
        (Nehmen Sie’s mir bitte nicht übel, wenn’s geht, vorweihnachtlicher Stress einfach 😉 )

      • Martin Frey sagt:

        Mir gefallen persönlich extensive Magerwiesen besser. Sie sind ökologisch wertvoll und geben (sorry Tamar) auch die bessere Milch.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Sportpapi

        absolut einverstanden!
        Es ist mir ein Rätsel wie bei 12 Jahren da eine Grenze gezogen werden kann, und die Sprüche bezüglich „Peergroup!!!“ kann ich auch nicht mehr hören, das mag für US mit ganz anderen Lebensverhältnissen gelten, aber sorry tut mir leid, für unsre nun auch schon grösseren Kinder sind immer noch wir wichtige Ansprechpersonen, und nein, es kommt mir nicht in den Sinn das seltsam zu finden- eher die Ansicht dass sich dann fast alles Wichtige zwangsläufig nach aussen verlagern würde.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Tamar von Siebenthal

        das finde ich heikel, es ist eben nicht alles gelaufen, im Gegenteil, nun geht es ans tiefverwurzeln; wenn man diese Haltung als Aufforderung nimmt sich zurücklehnen zu können (ich denke nicht, dass Sie es tun), es hätte sich jetzt ja erledigt, dann gibts womöglich ein unangenehmes Aufwachen.

        Jeder Garten sich selbst überlassen, bei besten Startbedingungen und geschaffenen Grundlagen, wird ziemlich chaotisch werden und die guten Früchte werden nicht mehr reiche Ernte bieten…

      • Adina sagt:

        Sorry dass ich heute schon wieder etwas ausgerastet bin, aber heute ist eigentlich ein anderer junger Mann, 24 Jahre alt, in den Schlagzeilen. Er ist getötet worden. Klar.
        Und trotzdem traurig, vor allem für seine Eltern, die bestimmt auch haben es stets gut machen wollen, einfach das grösste Drama. Sehr Schade, so was. (Und wenn’s ein Terrorist war)

      • Alpöhi sagt:

        @Brunhild
        Ich erlebe es so (und bin damit nicht allein): Mit ca. 12-14 (Pubertät) geht eine Art „Türe“ zu, und die Kinder werden zu Jugendlichen, die sehr viel weniger zugänglich sind für elterliche Ideen als vorher. Sie beginnen die Welt zu hinterfragen und denken sich ihren Teil.

        Von „Zurücklehnen“ kann natürlich keine Rede sein.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Adina

        hm, meinen Sie den Vorfall in Mailand?
        Das wird nun aber ein bisschen absurd, oder?
        Was sollen denn da die Eltern der Angeschossenen sagen welche nun Weihnachten im Spital verbringen dürfen?
        Oder war das eher ein zynisches auf die Spitze treiben um zu zeigen, dass es an sehr seltsame Orte führt wenn man sich in bei extremen Entwicklungen zu sehr einfühlt?

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Alpöhi

        das hinterfragen und den eigenen Teil denken habe ich schon vor 12 erlebt; und bis jetzt ging es immer irgendwie Hand-in-Hand.
        Ich hatte aber auch nie die innere Einstellung (und persönlich denke ich, dass das vielleicht auch Auswirkungen hat) dass meine Zeit am ablaufen ist weil bald die Peergroup oder so übernimmt.
        Untereinander herrscht eine offene Atmosphäre in der es auch mal kracht, aber wir tauschen/ teilen uns den Alltag und was uns beschäftigt.

      • Adina sagt:

        @Brunhild: Ja. Natürlich fühle ich mit allen betroffenen Eltern mit. Ich möchte manchmals so gerne halt weniger mitfühlen.
        Noch ein tragisches Beispiel: Amy Winehouse. Da gab es genug publicity dazu. Und so durften wir mitansehen wie untröstlich ihre Mutter an ihrem Grab weinte. Und da habe ich eben mitgeweint. Mir vorgestellt, wie schlimm es wäre die eigene Tochter zur Grabe tragen zu müssen. Trotzdem kreisten gleichzeitig Gedanken in meinem Kopf, darüber, ob die Eltern mitschuld sind, was diese womöglich falsch gemacht haben, wie kann man so was bei den eigenen Kindern vermeiden…
        Wie Sie es selber sagen: Schwierig zu beantworten so was.

      • Adina sagt:

        Zu Amy Winehouse sage ich nur noch das hier:
        https://www.youtube.com/watch?v=rgYogbr9nDc
        und das hier:
        https://www.youtube.com/watch?v=Ta2TQkZ9PIA

        Schöne Weihnachten allerseits!

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Brunhild

        Natürlich brauchen die Kinder mit 12 noch Rückhalt. Mit gelaufen meinte ich, dass wenn man es bis 12 versaut ist, dann nichts mehr zu machen ist.

        @ Martin Frey

        Wir produzieren Bio, aber auch unsere Kühe hinterlassen Hinterlassenschaften, die wir irgendwo hinschütten müssen, aber garantiert keine Kunstdünger oder sonstige Chemikalien.

        @ Adina

        Da muss ich leider ML zustimmen: dieser Mann wurde dazu erzogen, das zu tun was er getan hat. Seine Eltern sind sehr stolz auf ihn.

      • Sportpapi sagt:

        „Da muss ich leider ML zustimmen: dieser Mann wurde dazu erzogen, das zu tun was er getan hat. Seine Eltern sind sehr stolz auf ihn.“
        Ist das so?

      • Sportpapi sagt:

        „…. aber hey, Sie müssen das jetzt nicht verstehen, keine Bange!“
        Ok, da bin ich froh…

      • Sportpapi sagt:

        Zusammenfassend: Es ist für mich einfach ein Spruch, der immer wieder gebracht wird, aber der keine Evidenz hat. Im Gegenteil. Man kann erziehen, man kann fördern, man kann Grundlagen legen, die eine Entwicklung fördern oder behindern.
        Wir haben bei unseren Kindern eine Aufgabe und eine Verpflichtung. Und dennoch meinte ich es oben auch ernst: Wenn es dann doch nicht geklappt hat, kann es dennoch immer noch sein, dass wir schlicht keine Chance hatten. Denn ja, natürlich hat das Kind auch ein eigenes Wesen, einen eigenen Willen.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Sportpapi

        Ja, das ist so. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden sie stolz auf ihren Sohn sein. Bestimmt gibt es da auch Solche, die einfach durch die Maschen der Erziehung gefallen sind, aber grundsätzlich geht die Saat auf, die man säät. Wenn ich Mais pflanze, werde ich ziemlich wahrscheinlich keinen Weizen ernten.

        Selbstverständlich haben auch Sie keine Garantie dafür, dass die Saat des Guten, die Sie Ihren Kindern mitgeben auch fruchtet, aber die Tendenzen sind sicher da. Also nicht verzagen, sondern frohen Mutes nach vorne schauen.

        Ich habe es bei meinen Kindern ganz alleine geschafft und in einer intakten Familie sind fie Chancen suf gutes Gelingen doch viel grösser.

      • Adina sagt:

        @Tamar, zu Anis Amris Mutter, aus der Tagi am 22.12.2016:
        „“Ich möchte, dass die Wahrheit über meinen Sohn aufgedeckt wird“, sagte die Mutter der AP. Wenn er wirklich der Täter sei, müsse er die Verantwortung dafür übernehmen. Sie werde sich dann vor Gott von ihm lossagen.“
        Das hört sich nicht nach Stolz an.
        Manchmals meint man Mais gesät zu haben, aber in der Tat hatte man, unbewusst, eben Weizen gesät. Da gäbe es noch einen passenden Spruch dazu: „Der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert“.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Adina

        „sie werde sich dann vor Gott von ihm lossagen“

        bringt einen Aspekt ins Spiel der mich in diesem Ganzen viel mehr interessiert, nämlich was macht es mit uns Eltern wenn eines unserer Kinder bewusst oder als „nicht dran gedacht“ bleibenden Schaden verursacht?
        Ist zuunterst nicht genauso Stolz, wenn wir dann zu „das ist nicht mein Sohn“ (so klang es ja auch nach dem norwegischen Inselmassaker) greifen?

        Es kann ja gar nicht sein dass unser eigenes Kind, resp wenn unser eigenes Kind, dann hat es so gar nichts mit uns zu tun, dass wir uns das Recht eines „mich davon lossagen“ in Anspruch nehmen dürfen? Verantwortung und Liebe sehen für mich anders aus.

      • Brunhild Steiner sagt:

        2/
        es klingt heroisch und opferbereit, aber eigentlich ist es feige, man weigert sich, sich vertieft mit möglichen Hintergründen, eventuell vorhandener Mitverantwortung auseinanderzusetzen und deklariert mit der Los-sagung dass es nichts, aber auch überhaupt nichts mit sich und seinem eigenen Umgang mit dem Leben/Gesellschaft und allem anderen zu tun hat.

        Wir bleiben immer Eltern, egal welche schmerzhaften Wege unsere Kinder einschlagen. Selbst dann wenn wir tatsächlich keinerlei Verantwortung dafür hätten, ihre Eltern sind wir dennoch.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Adina

        Teil 1 hängt offenbar, habe mich auf die Aussage des Vaters bezüglich Norwe gen bezogen

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Adina

        @ Brunhild

        Da beziehe ich meine Aussagen, dass Ausnahmen die Regel bestätigen, dass Manche durch die Maschen der Erziehung fallen, ohne Schuldzuweisungen an Frau Amri.

        Wohingegen: viele Amis sind ja auch stolz auf Ihre Väter, Söhne, Ehemänner und Brüder, wenn diese für Gott und Vaterland in den Krieg ziehen. Der Unterschied zwischen amerikanischer Kriegsführung und terroristischen Anschlägen von Islamisten ist mir je länger je weniger ersichtlich.

        Und dann unterscheide ich noch von Terroristen und Amokläufern. Amoklöufer sind in der Regel sehr behütet aufgewachsen ( zb Fritz Leibacher aus Zug) und die Tat sehr persönlich und nicht religiös. Die Motive von Breyvik sind mir nicht mehr geläufig, aber die Tat wurde soviel ich weiss als Amok bezeichnet.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Adina Teil 1
        „sie werde sich dann vor Go tt von ihm lossagen“

        bringt einen Aspekt ins Spiel der mich in diesem Ganzen viel mehr interessiert, nämlich was macht es mit uns Eltern wenn eines unserer Kinder bewusst/fahrlässig bleibenden Schaden verursacht?
        Ist zuunterst nicht genauso St olz, wenn wir dann zu „das ist nicht mein Sohn“ (so klang es ja auch nach dem norw egischen Inselmas saker) greifen?
        Es kann ja gar nicht sein dass unser eigenes Kind, resp wenn unser eigenes Kind, dann hat es so gar nichts mit uns zu tun, dass wir uns das Recht eines „mich davon lossagen“ in Anspruch nehmen dürfen? Verantwortung und Liebe sehen für mich anders aus.

      • Adina sagt:

        @Bruhhild, ich fürchte ich verstehe doch was Sie meinen. A.A. soll der Stolz seiner Mutter gewesen sein, hat dann durch seine Tat in Berlin seine Mutter vor dem ganzen Heimatsort beschämt und somit sehr enttäuscht!…
        Ich weiss nicht wie die Mutter von A.A. oder Mitch Winehouse ihrem Sohn bzw Tochter gegenüber wirklich tickten, wie gross die Rolle von Stolz dabei war.
        Aber ich denke dass wenn Eltern ihre Kinder nur als Erweiterung des eigenen Selbst sehen, die einem endlich „vollkommen“ und/oder sehr Stolz machen sollten, dann soll man sich nicht wundern wenn das Kind plötzlich ein Selbstzerstörungsweg einschlägt. Leider.

  • Hans sagt:

    „Er war Jahrgang 1994: gerade einmal Anfang 20. Noch fast ein Kind also.“ Wow, dieses Zitat wird einfach so übernommen, ohne Kommentar? Mit 18 ist man volljährig.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Dieser Ankara-Verweis, resp dass dies offenbar für die mail-Schreiberin so stark war, stört mich immer noch. Aus all den inzwischen hier stehenden Erläuterungen.

    Viel wahrscheinlicher ist wohl, dass unsere Kinder aufgrund von Fahrlässigkeit, Besserwissenwollen, „wird schon nichts schiefgehen“ uä andere an Leib und Leben gefährden, ob durchs eigene Fahrverhalten auf vier Rädern, im Beruf und dadurch entstehende Schäden.

    Bei vielen Tätigkeiten gibt es eine Null-Toleranz was Fehlverhalten betrifft, diese einzufordern erscheint mir immer herausfordernder zu sein.
    (Man beachte bloss mal die die vielen am Steuer, welche nicht bloss das Steuerrad oder die Kupplung in den Fingern haben…)

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Danke liebe Brunhild, Sie schaffen es immer wieder, mrine Gedanken mit viel Diplomatie auszudrücken, rine Eigenschaft, bei der ich vergessen habe anzustehen, als der Hergott diese verteilt hat.

      Tja, ich tauge nicht zur Politikerin

    • Muttis Liebling sagt:

      Der Bezug ist unglücklich gewählt und stört mehr, als es dem Thema nutzt. Deswegen sollten man diesen Aspekt auch nicht weiter vertiefen. Politische Überzeugungen sind weitgehend Familien- invariant. Margot Honecker und Wolf Biermann sind im selben Elternhaus aufgewachsen, warum praktisch Geschwister.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Die Kupplung in den Fingern, Brunhild..?!

      Oh jemine 😉

      • Brunhild Steiner sagt:

        Der Gangschalthebel?
        Oder besser „in Handflächenkontakt“?

        Also was auch immer, jedenfalls kein „Fremdobjekt-Kontakt“ welches sich negativ auf die Aufmerksamkeit auswirkt…

        fröhliche Weihnachten 🙂

      • Jan Holler sagt:

        Für Motorräder gilt das. Also nicht ganz falsch.

      • Zufferey Marcel sagt:

        Dir auch fröhliche Weihnachten, Brunhild 😉

        Jan Holler: Und Amerikanische Wagen haben die Automatenschaltung häüfig am Lenkrad und die Handbremse am Boden links neben dem Gaspedal 😉

  • Zufferey Marcel sagt:

    Man kann nur hoffen, richtig. Die entsprechenden Weichen im schulischen Bereich hat man früh- und mitunter gegen alle Wiederstände- (durch)gesetzt. Alles Weitere wird sich von alleine ergeben. Man sollte den Einfluss der Eltern auf die Entwicklung der Kinder nicht überschätzen: Da sind noch eine Reihe anderer Faktoren mit entscheidend. Leider, muss man schon fast sagen.

    Was Straftäter anbelangt: Für die einen haben sich die Eltern gar nie interessiert, die anderen wissen nicht einmal genau, wer sie sind und wo sie gerade leben (Platzspitzbabies), so traurig das klingt. Aber für die überwiegende Zahl der Eltern ist der straffällig gewordene, zumeist verzogene und verwöhnte Rotzlöffel natürlich ein Musterbeispiel von einem Sohn (oder einer Tochter).

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Ja sicher: alle Attentäter, Kinderschänder und Mörder sind von wohlwollenden Eltern mit den besten Gedanken an Nächstenliebe und so weiter erzogen worden…..

    Wie unendlich bescheuert muss man sein, um eine solche Aussage zu machen? Bei solch dummen Leuten staunt es mich immer wieder, dass sie das Atmen nicht vergessen. Ich möchte mal hoffen, dass solche Personen nur die Sonderschule besucht haben und nicht studiert sind, ansonsten muss ich mir ab sofort bei jedem Arztbesuch Sorgen um die Gesundheit meiner Liebsten machen.

    Erziehung ist völlig zwecklos, denn früher oder später tut der Nachwuchs das, was ihnen die Eltern vorleben. Nicht immer, aber fast immer.

    • Lala sagt:

      Wieso so agressiv?
      Es gibt nun mal nicht nur schwarz und weiss.
      Nicht alle Kinder aus schwierigen Verhältnissen werden selber schwierige / schlechte Eltern. Genau so werden nicht alle Kinder aus gutem, liebevollem Elternhaus gute Menschen. Dies ist eine viel zu einfache Sichtweise
      Ich meine mich zu erinnern, das Sie sich wiederholt sehr negativ über den Kindsvater Ihrer Kinder geäussert haben. Dann hätten auch Ihre Jungs schlechte Karten fürs Leben, denn auch ein abwesender Vater prägt.
      Etwas mehr differenziertheit würde vielen stehen.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Bitte lesen Sie meinen Kommentar richtig, dann verstehen auch Sie meine einfache Erläuterung.

        Alkoholismus ist erblich, was heisst, dass ein Alkoholiker mit Sicherheit bei seinen direkten Vorfahren ein Alkoholiker vorhanden ist, was aber im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass alle Kinder von Alkoholikern ebenfalls Alkoholiker werden, denn sonst wäre ich selber einer.

        Was meine Kinder angeht: nun, ich bemühe mich, Gegensteuer zu geben. Bisher ist mir das gelungen und dass der Erzeuger sehr wenig Interesse an meinen Kindern zeigt, kommt meinen Bemühungen sehr zugute. Sie sehen ihren Erzeuger max 5 Mal jährlich. Dafür haben sie in meinem jetztigen Mann ein gutes Vorbild, hoffe es zieht.

      • maia sagt:

        @Tamar von Siebenthal: „….dass ein Alkoholiker mit Sicherheit bei seinen direkten Vorfahren ein Alkoholiker vorhanden ist….“ – wo haben Sie denn dieses „Weisheit“ her?

    • Alpöhi sagt:

      Genau: Erziehung ist zwecklos, denn sie machen einem doch alles nach.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Jep

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ maia

        Als Abkömmling von Alkoholikern ( min. Urgrossvater, Grossvater, Vater) habe ich mich mt diesem Thema beschäftigt, zuma es eine Zeit gab, wo ich an der Schwelle war, selber zu einer Säuferin zu werden. Aus verschiedenen Quellen war da ersichtlich, dass je näher fie letzte Alkigeneration her ist, je grösser die Gefahr und je mehr Generationen der letzte Alkoholiker her ist, desto unwahrscheinlicher eine solche Sucht ist. Ausnahmen bestätigen die Regel.

        Was meine „Weisheit“ angeht: obwohl mir eine gute Ausbildung verwehrt wurde, so bilde ich mir doch ein, einigermassen intelligent zu sein, was mir auch immer wieder im Freundeskreis und bestätigt wird, welche alle ohne Ausnahme eine gute bis sehr gute Bildung genossen haben und zwar auch akademisch bis zum Diplom-Physiker.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Sie können es also unterlassen, mich für blöd zu halten und dürfen mir ruhig zutrauen dass ich mehr kann, als nur bis 2 zu zählen, obwohl ich nur eine Verkaufslehre gemacht habe!

  • Jan Holler sagt:

    „Auch die Eltern des Ankara-Attentäters haben bestimmt ihr Bestes gegeben.“
    Mit solcher Gefühlsduselei tut man seinen Kindern keinen Gefallen. Nein, nicht alle Eltern erziehen ihre Kinder mit Liebe und Fürsorge. Ich würde mal eher anfangen, eine etwas mehr realistische Einstellung gegenüber der Welt zu haben und das den eigenen Kindern auch zu zeigen. Sich das Leben so schönzureden ist der Anfang grosser Lebenslügen. Und umgekehrt ist ein solches Sich-Sorgen-machen auch nicht gut. Mir kommt das vor, als hätte man sich erst jetzt mit dem auseinander gesetzt, was einen erwartet, wenn man Kinder auf die Welt stellt. Zudem setzt man sich und(!) die Umwelt und(!) die Kinder damit unter Druck, es „richtig zu machen“. Ebenfalls schlecht.

  • Herbert Peter sagt:

    Wir sollten uns wohl von der Vorstellung veranschieden, alles beeinflussen zu wollen oder zu können. Tragen Sie in Ihrem kleinen Wirkungskreis das Beste bei und Sie haben schon mehr als genug getan. Von unseren Kriegs-Generationseltern haben wir ein Bett, ein Pult, ein Fahrrad, eine solide Ausbildung und viel viel Wärme erhalten. Es war genug und hat für einen eigenen Lebensweg gereicht. Dies vielleicht als Trost.

    • Muttis Liebling sagt:

      Wobei es ohne Wärme genau so gut gegangen wäre.

      • Adina sagt:

        ML, jetzt muss ich aufpassen dass ich Ihnen nicht auch noch Recht gebe.
        Meine Mutter, ein Kriegskind, zum Teil im Waisenhaus aufgewachsen und sonst viel unter Nonnen („Nur Frauen um sich zu haben, das ist nicht lustig“, hat sie immer wieder gesagt…) hat stets wenig bis keine Wärme ausgestrahlt.
        Und trotzdem ist es ihr gelungen für mich da zu sein bzw mir das Gefühl zu geben sie sei für mich da und unterstützte mich nach bestem Wissen und Gewissen.
        So gesehen ja, es ging gut genug, und ob es noch besser hätte gehen können ist jetzt eigentlich nicht mehr relevant. Sie hat ihren Job getan, jetzt bin ich dran, für meine Kinder.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Adina, es ist bisweilen sinnvoll, sich auf die gegensätzliche Position zu setzen. Wenn menschliche Wärme so wichtig wäre, hätten 98% aller bisher lebenden Menschen ein schreckliches Schicksal gehabt.

        Oder sagen Sie mal der immer grösser werdenden Gruppe chronisch Kranker und Behinderter, Gesundheit sei das Wichtigste im Leben. Dann können Sie die Betroffenen auch gleich öffentlich verhöhnen.

      • Adina sagt:

        @ML, eher „gesund werden“ statt „Gesundheit“. Und falls unheilbar (wie zB Hirntumor oder manch Persönlichkeitsstörungen) dann „Wünsche alles Gute!“, mehr kann man dazu doch nicht sagen.

        Ob es ernstzunehmende Studien, die einen Zusammenhang zwischen Zugang zur menschlichen Wärme und Gesundheitszustand untersuchen, ob es solche Studien gibt, das wissen Sie wahrscheinlich besser.
        Mir ist nur bewusst dass zB eine enge Mutter-Baby Beziehung (auch die körperliche, natürlich, Stillen inklusive) sich positiv auf das spätere Wohlbefindes des kleinen Menschens auswirkt, eine sehr sinvolle Annahme (meine Mutter wurde 2 Jahre lang gestillt, bin mir sicher das hat viel von ihren schlimmen Kindheitserlebnisse wieder wettgemacht).

    • tststs sagt:

      Die heilige Dreifaltigkeit in der Wirkungsforschung (egal ob Psychologie, Medien, Suchtforschung etc):
      1/3 wird „positiv“ geprägt (und schlägt den gleichen Weg ein)
      1/3 wird „negativ“ geprägt (und schlägt genau den gegenteiligen Weg ein)
      1/3 wird – scheinbar – nicht geprägt (und schlagen irgendeinen Weg ein)

  • Brunhild Steiner sagt:

    „Auch die Eltern des Ankara-Attentäters haben bestimmt ihr Bestes gegeben. So wie sicherlich die meisten Eltern von Amokläufern, Attentätern, Militanten jeglicher Façon… Alle haben versucht, ihren Kindern gute Werte mitzugeben und sie in Liebe und Respekt zu erziehen, in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext – das zumindest glaube ich ganz fest. “

    Schwierig.
    Es gibt inzwischen Bücher und Interviews von betroffenen Eltern, und für einen Teil treffen die Aussagen bestimmt zu. Aber nicht für „alle, das glaube ich ganz fest“, dazu reicht ein Blick in unsre Jugendabteilungen oder ein Gespräch mit Betroffenen die eine Jugendnotschlafstelle oä aufsuchen.
    Auch schwierig wenn „kultureller Kontext“ mit „Liebe/Respekt“ verbunden wird.

    • Brunhild Steiner sagt:

      2/
      wenn wir unter „Liebe/Respekt“ das Anstreben/Wahrung von individueller Entfaltung, freie Persönlichkeit, freie Meinung und hinterfragen/kritisieren dürfen, andere Meinungen/Überzeugungen stehenlassen können verstehen- oder eigentlich die Umsetzung der Kinderrechte; dann ist das eben nicht in „allen kulturellen Kontexten“ so gelebt. Was Auswirkungen haben kann, wenn zusätzliche Faktoren dazukommen.

      • Brunhild Steiner sagt:

        So gesehen würde ich es besser finden wenn für dieses Thema keine Seitenlinien eröffnet worden wären, und ich finde es wichtig dass uns grundlegende Unterschiede klar sind und wir dies nicht verdrängen- weil „so schlimm kann es ja gar nicht sein, weil es nicht sein darf“.
        Wenn selbst bei uns Zwangsheiraten ein Problem sind- und kein „kürzlich importiertes“, dann ist es eben teilweise sehr wohl sehr schlimm!

      • Brunhild Steiner sagt:

        4/
        Die grundsätzlichen Ängste kann ich gut nachvollziehen und erlebe ich auch selber.
        Ob unser Bestes dann wirklich das Beste, oder genau für dieses Kind das Beste war- wer weiss; und ob es dann wegen oder „trotz“ diesem Bestem „gut“ rausgekommen ist?
        Was man jedenfalls mit Sicherheit weiss (Resilienzforschung), eine Bezugsperson die wirklich für einem da ist, der man vertrauen kann und von der man sich angenommen fühlt, kann vieles wettmachen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Würde sich eine schweizerische Mutter mit einer türkischen und einer russischen zusammensetzen, wäre schnell klar, dass die beiden letzteren viele gemeinsame Werte haben, welche mit denen der Schweizerin nicht decken. Für die beiden CH- Lieblingstugenden Empathie und Eigenverantwortung fänden sich nicht einmal passende Übersetzungen. Die benutzt ausserhalb der vielleicht 10 reichsten Staaten niemand.

      Es gilt wohl die Regel, je reicher, umso nebensächlicher, sprich subjektiver die Erziehungsziele und umso stärker die irreale Erwartung, mit Erziehung die Kinder mehr als nur marginal beeinflussen zu können.

      Der Attentäter von Ankara allerdings wurde vermutlich genau dazu erzogen. Er hat mutmasslich seine Eltern nicht enttäuscht und das kann auch ich respektieren.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        „…und das kann auch ich respektieren.“
        naja, keine allzugrosse Überraschung angesichts anderer Verlautbarungen zum Thema (Bergsteiger und so), wobei, obwohl es diesmal einen Vertreter eher auf Ihrer Linie liegenden Staates getroffen hat?

        Ansonsten einverstanden, Menschen die in totalitäteren Strukturen aufwachsen sind nicht unbedingt mit unserem Biotop gleichzusetzen- und doch finden sich auch in totalitären Staaten Menschen, die sich gewaltfreiem Widerstand verschrieben haben, „unsere Biotop-Standarts“ als etwas anstrebenswertes empfinden, und dafür zu grossen Opfern bereit sind.

      • Adina sagt:

        @Brunhild, zu Ihrem letzten Satz um 08:42:
        Ich bin in einer Diktatur aufgewachsen und wage es zu behaupten es gibt mindestens eine Handvoll Menschen (hier in der Schweiz zB) die schon immer in Freiheit leben durften und denen Freiheit weniger Wert ist als mir. Und weil es so schön weihnachtet, noch der einzige Schweiz-Witz aus meiner Heimat, den ich kenne 🙂
        „- Könnte die Schweiz jemals kommunistisch sein?
        – Das könnte sie schon! Aber es wäre Schade.“
        Frohe Weihnachten!

  • Doris sagt:

    Rückblickend erkenne ich solche Bedenken wieder, die ich damals als Mutter eines ziemlich heftig Pubertierenden auch hatte. Kommt alles gut? Findet er den Rank? Alles ging gut. Wichtig ist, die Stärken zu fördern, Anerkennung auch in scheinbar unbedeutenden Dingen auszusprechen, nicht auf den Schwächen herumzureiten. Da sein. Aber auch die Kinder nach und nach zu Eigenverantwortung heranziehen. Wichtig sind die ruhigen, gemeinsamen Mahlzeiten der Familie, bitte ohne elektronische Ablenkungen, dafür mit dem Erzählen, wie es denn heute so lief, Interesse zeigen, unterstützen. Nachher ist ein guter Chef in der Lehre wichtig oder ein guter Mentor im Studium. Ich wünsche allen eine schöne Weihnacht mit den Kindern, wie schnell sind sie aus dem Haus und in alle Welt verstreut.

  • Martin Frey sagt:

    Grundsätzlich sehr einverstanden, diese Gefühle, dieses Loslassen kennen Eltern nur zu gut.
    „Alle haben versucht, ihren Kindern gute Werte mitzugeben und sie in Liebe und Respekt zu erziehen, in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext – das zumindest glaube ich ganz fest.“
    Das wiederum glaube ich nicht unbedingt, auch wenn es für die meisten unter uns zutreffen mag. Aber die Unterschiede der Erziehungsarten, der Methoden, der Werte sind doch sehr verschieden, nicht nur zwischen den Kulturen. Wenn man etwas genauer hinschaut, kommt das meiste eben nicht von ungefähr. Kinder mutieren nicht einfach so zu hasserfüllten nihilistischen Fanatikern, sondern sind doch weitgehend geprägt durch ihr familiäres und soziokulturelles Umfeld. Kinder sind immer auch Produkte ihrer Eltern.

    • mila sagt:

      Ich würde das etwas anders ausdrücken, Martin: die Kinder sind dann ‚Produkte‘ ihrer Eltern, wenn diese es verpassen, die Kinder zu Eigenständigkeit im Denken und Handeln zu begleiten. Für mich bedeutet das unter anderem, dass ich meinem Kind meine Werte nicht ‚aufpfropfe‘, sondern versuche zu vermitteln, weshalb sie mir wichtig sind und ich daran festhalte. In der Hoffnung, dass etwas davon (im guten, lebensdienlichen Sinn) in der Sturm-und-Drang-Phase hängen bleibt. Aber mein Kind ist, mit Khalil Gibran gesprochen, nicht mein Kind. So bequem es sein mag, wenn es in den ersten Jahren artig folgt, so wenig ist das eine Eigenschaft, die ich fürs restliche Leben für sonderlich erstrebenswert erachte. Entsprechend versuche ich die Erziehung, oder eben: Begleitung, zu gestalten.

      • Martin Frey sagt:

        Wieder mal haben Sie all das besser formuliert als ich es könnte, mila. 🙂
        Ja, bin völlig einverstanden. Ich würde auch nie von aufpropfen reden, und ein ‚artiges‘ Kind mag vordergründig bequem aber nie das Ziel sein.
        Aber allein dadurch, wie wir reden, was wir vorleben, prägen wir unsere Kinder ungemein. Ein ganzer Wertekanon wird ihnen so permanent mitgegeben. Und es ist nun mal ein Unterschied, ob Offenheit, Nächstenliebe, auch ehrliche und authentischen Kommunikation zur Normalität gehört oder nicht. Oder ob nicht oder kaum kommuniziert wird, Gewalt zum Alltag gehört, und von Kind an Feindbilder (aka Schuldige am eigenen Schicksal) gepflegt werden um das eigene Versagen zu rechtfertigen.
        Wir machen bei uns einfach zu oft den Fehler, von uns auszugehen.

      • mila sagt:

        Das sehe ich wiederum exakt so wie Sie: Gewalt ist auch, von Kindern praktisch Kadavergehorsam gegenüber den Eltern zu fordern, wie das in manchen Kulturen stark im Erziehungsvordergrund steht. Es scheint dann nur, als würde das Kind rebellieren, wenn es selbst in Gewalt abgleitet – im Grunde tauscht es nur einen ‚Herren‘ gegen einen anderen (vermeintlich besseren). Zum Leid aller, eigenem wie fremdem.

    • mila sagt:

      Ist das einfach? Nein, es ist eine Gratwanderung. Aber eine schöne. Denn ich bin gezwungen, meinen Werten selbst treu zu bleiben und stetig anzuwägen, welche elterliche Intervention von meiner Seite dem langfristigen ‚Erziehungsziel‘ von Sozialkompetenz, Eigenständigkeit und Selbstverantwortung dient. Nur scheinbar einfacher ( und entsprechend verlockender) scheint es, wenn man sich dabei nach feststehenden Regeln (unter)ordnen kann… aber was sag ich: ich stehe noch ganz am Anfang. Fragen Sie mich in 10, 15, 20 Jahren wieder, was ich zu diesem Thema denke. 😉

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        mila und Martin Frey

        Wie immer die Weisheit in Person.

        Ich habe es auch nicht so mit Erziehung: ich vermittle meinen Kindern Werte, die ich selber lebe.

      • Martin Frey sagt:

        „Ich habe es auch nicht so mit Erziehung: ich vermittle meinen Kindern Werte, die ich selber lebe.“
        Das ist Erziehung, Tamar.

        Besinnliche und schöne Weihnachten allerseits.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Martin Frey

        Ich persönlich asoziere Erziehung mit Dressur, so wie ich das erlebt habe, deswegen mag ich diesen Ausdruck nicht.

        Auch Ihnen frohe Festtage.

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