Mutter macht Betriebsferien

 

Und plötzlich ist da so viel Zeit: Zum länger schlafen, lesen, Kaffee trinken. Foto: iStock

Und plötzlich ist da so viel Zeit: Zum Länger-Schlafen, Lesen, Kaffeetrinken. Foto: iStock

Die ersten Tage vergingen, als würde ich durch Gelatine waten. Alle Bewegungen schienen mir gebremst. Selbst wenn ich eine Tasse in die Spüle stellte, kam es mir vor, als täte ich dies in Zeitlupe. Plötzlich war da so viel Zeit zwischen den Dingen, die an einem Tag erledigt werden mussten, nichts war mehr durchgetaktet. Ich begann Zeitschriften liegen zu lassen und das Bett nicht mehr zu machen, wie früher, als ich noch keine Kinder hatte. Die Person, die ich einmal gewesen war, gab es also immer noch, stellte ich erstaunt fest.

Es ist ein seltsames Gefühl, ohne die eigenen Kinder Ferien zu machen. Mal fühlt es sich an, als habe einem jemand gerade eine Kreditkarte in die Hand gedrückt und gesagt, man solle sich doch nun bitte sehr alles kaufen, worauf man gerade Lust habe, und man steht dann nur da und ist überwältigt ob all der Möglichkeiten, die sich einem auf einmal bieten. Dann wieder hängt die freie Zeit an einem wie eine ausgeleierte Hose, man weiss gar nicht, wohin damit, die Filme, die man schon lange sehen wollte, hat man sich inzwischen alle angeschaut, und so reizvoll scheint ein weiterer Kinobesuch nun auch nicht.

Zeit für Gespräche

Es wäre mir nie eingefallen, für zwei Wochen alleine in die Schweiz zu gehen, in meine Heimat, die ich vor bald drei Jahren verlassen hatte, als ich mit meiner Familie nach Lissabon zog. Aber als sich vor kurzem auf einmal diese Möglichkeit auftat, griff ich zu. Es war wie ein Geschenk, das ich frühestens in ein paar Jahren erwartet hätte. Mein Mann war in einem Kurs in den USA, meine Kinder gut versorgt bei ihren Grosseltern, die sie vermisst hatten. Und ich, ich hatte auf einmal so viel Zeit wie seit langem nicht mehr, um Freundinnen zu sehen, meinen Bruder und meine Mutter, um meine Cousinen und Tanten zu besuchen.

Zum ersten Mal seit Jahren würden wir uns nicht atemlos über unsere Lebensumstände aufdatieren müssen, und trotzdem bliebe noch Zeit, um nicht nur über das zu reden, was gerade ist, sondern vielleicht auch anzutasten, was einmal war, was hätte sein können, was wird. Wir würden uns erlauben dürfen, ein Gespräch ausfransen zu lassen, vielleicht sogar zu schweigen, im Wissen, dass wir den Faden am nächsten Tag wieder aufnehmen könnten. Ich würde den Luxus haben, zwei Wochen lang bei den Menschen zu sein, die in meinem Herzen zwar unverrückbar sind, aber im Alltag meistens Platz machen müssen.

Der Klumpen im Bauch

Derweil erzählten mir meine Kinder täglich, was sie bei Oma so trieben und wer alles zu Besuch kam. Mein Mann nutzte seine Mittagspause dazu, mir von seinen Forschungsvorhaben zu berichten. Eine glückliche Familie, die gerade zwei Wochen Betriebsferien macht.

Kürzlich war ich zum ersten Mal ohne meine Kinder in den Ferien, und dieser Text wird nicht damit enden, dass ich es nach drei Tagen kaum mehr aushielt ohne sie – und mit einem Klumpen im Bauch immer und immer wieder dieselben Videoclips von ihnen auf dem Handy anschaute. Das kam dann erst nach zehn Tagen.

46 Kommentare zu «Mutter macht Betriebsferien»

  • Jaryginber sagt:

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  • lolapola sagt:

    da gäbe es dann auch noch den umgedrehten artikel unter dem titel
    „mutter macht betriebsferien“ im sinne von: die mutter macht im haushalt nur noch das was sie anbetrifft. kocht zum beispiel nur noch wenn sie lust hat, räumt nur noch ihre eigenen sachen weg…..

  • Karl von Bruck sagt:

    @Liebling – Ihre Einschaetzung stimmt insofern, als die Natur das Programm fuer die notwendigsten (Re)aktionen zum Ueberleben des Kindes bis dieses (weg)laufen kann, mitliefert. In Zeiten der Produktivitaetssteigerung durch Arbeitsteilung, statt dass jede(r) alles selber bastelt, kann Mutter durchaus zu einem Beruf veredelt werden, den das KESBerlitheater gar mit bis zu weit ueber 2000 Franken pro bvereemuttertes Kind und Monat auf dem Puckel des Zahlvaters oder der Gemeinde vergoldet. Auch im Haushalt gibts vom Ueberlebensdillettieren ueber eine Grundausbildung in einer Ruebli-RS fuer einen Sparkleinbuergerhaushalt bis hin zu einer gewieften Gouvernante zur Fuehrung eines perfekten Grossbuergerhaushaltes Stufen, die eine natuerliche Neigung und Eignung zu besseren Diensten

    • Muttis Liebling sagt:

      Ein bisschen wirre, Ihr Beitrag. Aber passt zum Blog, der auch mit betriebswirtschaftlichen Vokabular beeindruckt.

      In spätbürgerlichen Gesellschaften, wie der Schweiz, gibt es den Beruf Mutter. Vor 1870 gab es den nirgends und überwiegend gibt es den nicht. Nur weiss man das doch, wenn man in diesen Staat hineingeboren ist und hat keinen Grund, hinterher zu klagen.

      Die oben geschilderten grenzpathologischen Muttergefühle dienen dann auch der retrograden Rechtfertigung dieses ‚Berufes‘.

      Meine Mutter und alle Frauen aus meinem ersten Leben sind nach dem Abstillen wieder arbeiten gegangen. Niemand war von Beruf Mutter, für alle war das bio- soziale Nebenbeschäftigung, wie Atmen, Herz- Schlagen- Lassen und die Wohnung sauber machen.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Meine Gattin hätte nach der Geburt des zweiten Kindes 1 Jahr für 100% und die folgenden 2 Jahre für 60% Gehalt zu Hause bleiben können. Hat sie aber nicht gemacht, hat stattdessen 3 Schichten in der Krankenpflege gearbeitet und sich im Abendkurs zur Fachkrankenschwester Chirurgie ausgebildet. Das ging, weil ich Student war und mir meine Zeit einteilen konnte.

        Die 7 Jahre zwischen Eheschliessung und Einschulung unserer Tochter waren die intensivsten unserer Familie. Da haben wir alles gleichzeitig gemacht, gearbeitet, studiert, Kinder erzogen. Gewohnt haben wir in einem Zimmer im Schwesternwohnheim. Küche und Bad zur Mitbenutzung. Stellen Sie sich das heute vor, 2 Erwachsene mit hohem Anspruch, 3- Schicht- Arbeit und Medizin studieren und das in einem 24 qm Zimmer.

      • Muttis Liebling sagt:

        3/ Aber das Entscheidende war, Margret war 19 und ich 21, als das begann. Da hat uns das nichts ausgemacht. Als ich dann Facharzt war, promoviert, meine Frau inzwischen Sozialamtsleiterin, waren wir 33 und 35 und die Kinder gross. Da konnte sich jeder zur richtigen Zeit auf seinen Beruf konzentrieren.

        Es gab keine Widerspruch zwischen Beruf und Familie, weil die in unterschiedlichen Zeitkanälen liefen. Bis 30 vor allem Familie, danach vor allem Beruf und dann hat man ja noch richtig viel Zeit, ohne zu Hause auf quengelnde Kinder zu treffen, oder Termine mit denen organisieren zu müssen.

        Als ich 33 war, bin ich das erste Mal für ein Jahr allein ins Ausland gegangen. In der Gegend war Familie nicht so günstig. Aber ich habe da nicht jeden Tag zu Hause angerufen.

      • Muttis Liebling sagt:

        5/ So war dann die Familie nach 26 Jahren vorbei, denn es gab keinen Grund, die nach Erwachsenwerden der Kinder fortzuführen. Streitigkeiten gab es keine Nennenswerten. Verdient haben wir im Mittel das gleiche, aber Geld war nie ein Thema. Das fällt am Rande ab, wenn man sich seine beruflichen Wünsche erfüllt. Die erfüllt man sich nicht wegen Geld.

        So war es konsequent, sich nach dem gemeinsamen Ziel Kind zu trennen. Ich möchte nie wieder nach Hause kommen und da wartet jemand auf mich. Wenn man in einer Gedankenwelt let, können Menschen nur stören. Man macht es aber trotzdem einmal. Wegen der Reproduktion, nicht wegen Gefühle. Gefühle habe ich nicht.

        Das war meine Neujahrsgeschichte, allen, die das gelesen haben, ein erfüllendes 2017. Jeder das, was er mag.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        selbst wenn man es unter dem Label „bio-soziale Nebenbeschäftigung“ platziert,
        man kann diese Beschäftigung in einer weiten Skala von komplett unqualifiziert bis zu qualitativ hochstehend ausführen.
        Das „wirklich Gute“ fällt den Wenigsten einfach so in den Schoss, wie übrigens die meisten Fertigkeiten nicht, sie müssen erarbeitet, geübt und trainiert sein.

      • Brunhild Steiner sagt:

        2/
        Was das besser klarkommen-können mit einfacheren Lebensverhältnissen betrifft gehe ich sehr mit ihnen einig.
        Zwei unserer Kinder werden sich bis zu ihrem Auszug ein Zimmer teilen, und dieses ist nicht sehr gross. Damit befinden sie sich in einer Minderheit, viele können sich das überhaupt nicht vorstellen.

        Das andere, hochgelobte „funktionieren im Sozialstaat“, so viel Gutes hat diese Unterwerfung in ein übergeordnetes System ohne wirkliche Wahlfreiheit, ob nun DDR oder UdSSR ua, nun nicht gebracht.
        Da hab ich lieber die Freiheit mein Muttersein als Beruf anzusehen (was ich in dieser Ausschliesslichkeit nicht tue) als in Unfreiheit und Unterdrückung leben zu müssen- die Stasiakten sind übrigens heute noch nicht aufgearbeitet.

      • Muttis Liebling sagt:

        Freiheit ist ein grosses Wort, Brunhild. In der DDR gab es eine andere Form davon. Niemand konnte arbeits- oder wohnungslos werden. Trotzdem gab es Arbeits- und Wohnungslose, weil die das wollten. Es endete im Regelfall in der Gerichtspsychiatrie. Aber wer nicht wollte, wurde das nicht.

        Wahlfreiheit halte ich bis heute für einen Artefakt. Aber dagegen muss man nicht angehen, das löst sich von selbst. Es gibt den ökologischen Fussabdruck und wer den überschreitet, landet in der Wüste. Der Westen macht das, was passiert, wenn man die Aorta spitz ansticht. Verbluten nach innen, obwohl es aussen unblutig aussieht.

        Ich habe nur noch den Impetus, das vorher zu sagen und zuzuschauen, wenn es passiert. Ändern möchte ich nichts.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wir wissen, dass alles was kommt auch wieder geht.
        Warum tut es dann immer noch wieder
        und immer so weh?

      • Adina sagt:

        @ML: „Meine Gattin hätte nach der Geburt des zweiten Kindes 1 Jahr für 100% und die folgenden 2 Jahre für 60% Gehalt zu Hause bleiben können.“
        Also 3 Jahre eine Garantie für den Arbeitsplatz zu haben, ist auch schon extrem. Zwischen 3 Monate und 3 Jahre liegen noch Welten.
        Mir fällt gerade ein, ich hab ein Geheimwunsch für das Neue Jahr 2017: dass ich keine (stillende) Mutter mehr erlebe die arbeiten gehen muss weil sie das Geld braucht und gleichzeitig darüber klagen muss dass 3 1/2 Monate Mutter(&Baby)schutz nach der Geburt definitiv zu wenig sind.
        1 Jahr ist machbar, wegen dem wird die Schweiz noch lange nicht kommunistisch.
        Ein gutes Neues Jahr 2017 allerseits!

      • Sportpapi sagt:

        Hm, ist das nun MLs Geschichte, oder einfach irgendeine Geschichte, etwas Literarisches oder Reales? Wie auch immer, ein solcher Lebensplan funktioniert. Andere aber auch.
        Und ob es Erstrebenswert ist, dass Kinder sich bis ins Erwachsenenalter ein Zimmer teilen, weiss ich nicht. Machbar ist es natürlich. Aber wenn das nur ist, weil Geld fehlt, weil die Mutter nicht arbeitstätig ist, dann würde ich persönlich die Prioritäten wohl anders setzen.

      • Karl von Bruck sagt:

        @ML – Auch vor 1870 war der Beruf „Mutter“, allerdings nicht als dillettierende Wollmilchsau, sondern seuberlich aufgeteilt nach Neigung und Eignung in Ponzenkreisen gebreuchlich. Die Hauptfrau empfing und gebar oder liess sich kaiserschneiden. Zum Stillen war die Amme da, zum Haushalten die Gouvernante oder der Boetler mit Koechinnen, Serviererinnen, Zimmermaedchen, Bademaedchen usw. pp, die der Gebaererin all die muehsamen Nebenwirkungen einer Heirat und Mutterschaft abnahmen….

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        „Freiheit ist ein grosses Wort, Brunhild. In der DDR gab es eine andere Form davon. Niemand konnte arbeits- oder wohnungslos werden.“

        Was an sich wunderbar gewesen wär, hätte sich das auf alle bezogen, doch die systemkritischen und nicht-auf-Linie-sich-einschwörende wurden vielleicht nicht grad wohnungslos, dafür von Studium und vielem mehr ausgeschlossen was einer verordneten Arbeitslosigkeit dann wiederum eher nahekam…
        Sie wissen dass ich die Nachteile unseres Systems durchaus sehe und immer wieder mal zur Sprache bringe, mir scheint aber dass Sie dies mit den gewichtigen Nachteilen eines DDR-Systems eher nicht so handhaben und es unter „nicht zu umgehender Kollateralschaden im Namen des grossen Guten“ abgehakt hätten.

    • Karl von Bruck sagt:

      @ML – Bingo! Bis jetzt haben Sies durchgezogen. Aber wenn Sie eine Ehefrau haben, die – kaum den Megascheck Eheschein im Handtaeschchen – heult wenn sie einen Kinderwagen sieht und die Schwaengerung lieber schon erwerbsanstrengungsfrei abwartet, gehen wegen der einseitigen Unterhaltspflicht immer oefter bis zum Totalruin des Zahlungspflichtigen und bis zur Bahre die dollsten „Lebensentwuerfe“ baden. Zwei Jahre Mutterschutz duerften reichen, wovon ein halbes Jahr der Mann usurpieren duerfte aber nicht muesste. Die Lebensentwuerfe, in erster Linie mt Befriedigung aller Grunebeduerfnisse und in zweiter der „fakultativen“ Neigungen muessen heute nicht mehr von der Frau gegen den Mann, sondern von Frau und Mann zusammen statt gegeneinander gegen die Systemprivilegierten durchgesetzt wurden

  • 13 sagt:

    Schön, konnten Sie es geniessen. Genau so sollte es sein. Immer aufeinander hocken ist nicht immer gut, weder in einer Beziehung noch in einer Familie. Und gerade wenn man den Luxus hat, dass es noch mehr Menschen, als nur die Eltern, hat, die die Kinder lieben und die Ressourcen und den Wunsch haben, sie mal zu sich zu nehmen, sollte man sich das auch leisten. Und das Wiedersehen ist umso schöner.

  • Claudi sagt:

    Mutter macht nicht Betriebsferien, weil der Betrieb (Familie und Kinder) geht ja weiter. ‚Mutter = der Betrieb selbst‘ ist eine klassische Selbstüberschätzung von gewissen Müttern. Macht einfach mal normale Ferien wie andere Menschen, und gut ist.

    • Muttis Liebling sagt:

      Familie ist kein Betrieb. Es ist aber keine Selbstüberschätzung, sondern eine Selbstherabminderung, es so zu bezeichnen.

    • Ümit Yoker sagt:

      Liebe Claudi, selbstverständlich geht der Familienbetrieb auch weiter, wenn ich in den Ferien bin – nur hatte ich mich für zwei Wochen davon ausgeklinkt. Daher empfand ich die Zeit durchaus als „Betriebsferien“ – der Ausdruck selbst war aber auch nicht so bierernst gemeint..

    • Sportpapi sagt:

      Claudi hat schon recht. Betriebsferien heisst, der ganze Betrieb ruht. Die Familie läuft also nicht, wenn Mutter mal weg ist.

  • Adina sagt:

    Welch ein Luxus, Grosseltern zu haben die sich 2 Wochen lang um die Enkeln kümmern können!

    • Muttis Liebling sagt:

      Ist eine Frage des Alters und des Sozialstatus. Wenn die Grosseltern schon im Rentenalter sind und nicht von Armut geschlagen sind, geht das wohl. Als meine Eltern die 65 erreicht hatten, waren meine Kinder längst erwachsen.

      Aber, da ich schon einmal etwas schreibe. Der Satz

      ‚Eine glückliche Familie, die gerade zwei Wochen Betriebsferien macht.‘

      irritiert mich sehr.

      • Adina sagt:

        ML, mit Ende 70 geht das wohl nicht mehr so. Da wird man langsam selber hilfsbedürftig.

      • Muttis Liebling sagt:

        Adina, 75 wären es heute. Bis dahin gibt es kaum Substanzverlust und das ist gut so. Es ist wirklich viel passiert.

        Als ich studiert habe, galt >60 als alt. Jetzt ist es >75. Damals sind 80% der Erkrankten am Krebs gestorben, heute sind es 20%.

        Aber auch anderes hat sich verschoben. Auch die Kinder in Grimms Märchen hatten manchmal Grosseltern. Nur älter als 35 wurde damals niemand.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wenn damals Rotkäppchen ihre Grossmutter besucht hat, muss die unter 40 gewesen sein, denn älter sind Frauen bis zur Neuzeit nie geworden. Das hätte auch kein Märchen erzählt.

      • Adina sagt:

        ML, Sie scheinen Zahlen zu lieben, aber Zahlen scheinen nicht Ihr Ding zu sein. Auch für Zahlen muss man ein Gespür haben. Probieren Sie es mit ein paar Mathevorlesungen an der Uni, wird Ihnen bestimmt gut gefallen, Zeit haben Sie ja genug 🙂

      • Muttis Liebling sagt:

        Von der Zahlentheorie abgesehen, hat Mathematik nicht viel mit Zahlen zu tun. Ich war mal in der Mathematik- Nationalmannschaft meines Staates. Habe mich vor allem mit linearer Algebra beschäftigt. Aber das andere habe ich später, als Sozialmediziner gelernt. Das hat auch mit Zahlen zu tun.

      • Adina sagt:

        @ML: Sorry, fast vergessen. Ich wollte Ihnen eigentlich so etwas wie Masstheorie empfehlen. Sehr coole Sache, wirklich, und ziemlich zugänglich auch 🙂

      • Muttis Liebling sagt:

        @Adina, danke für den Tipp. Sind Sie Mathematikerin? Sonst versteht das doch keiner.

        Den Wunsch, alles auf reelle Zahlen mit grösser, kleiner, gleich abzubilden ist omnipräsent.

        Mich haben immer mehr Abstandsmasse interessiert. Ich glaube nicht, dass man den Schweregrad einer Psychose absolut messen kann, also in den reellen Zahlenraum abbilden kann. Aber Abstände kann man errechnen. Viele der aktuellen Diagnosebezeichnungen in der Psychiatrie sind explorativ statistisch entstanden. Faktoren- oder Clusteranalytisch.

        Die psychiatrische Morbidität ist ein Gebirge und jeder Berg hat einen Namen. Aber die meisten Kranken sind nicht auf einen Berg. Die sind dazwischen. Was misst nun Ihren Zustand, die Höhe oder die Entfernung zum nächsten Berg?

      • Adina sagt:

        @ML: Ähm…hm…ich verstehe Ihren letzten Satz nicht, aber ja, kann sein wir sind alle ein bisschen schräg. Der einte mehr als der andere…
        Na ja, immerhin darf ich als Mathematikerin als schräg gelten. Mein Masstheorie Prof war auch ganz schön schräg, der Wahrscheinlichkeitstheorie Prof noch schräger, umso besser waren ihre Vorlesungen. Hat auch was 🙂
        Immerhin verstehen Sie was von Faktoren/Clusteranalyse.
        Ich verstehe ja auch was von Diagnose in der Psychiatrie. ZB dass man zwischen Persönlichkeits -Züge, -Stil und -Störung unterscheidet.
        Alles Halbwissen, aber irgendwie besser als gar kein Wissen 🙂

    • Ümit Yoker sagt:

      Das ist es tatsächlich – und es sind nicht nur die Grosseltern, die sich gerne kümmern, sondern sogar auch Grosstanten und Grossonkel. Wir haben grosses Glück!

  • Luise sagt:

    Sehr schön. So soll es sein: Die Person bleiben, die man war und ist und nicht ausschliesslich Mutter sein. Aus Erfahrung weiss ich, dass Kinder später dankbar sind dafür.

    • Ümit Yoker sagt:

      Liebe Luise, danke für Ihre Worte! Das glaube ich auch – aber eben, wissen tut man es natürlich erst später, wenn die Kinder gross sind und einem sagen können, wie sie alles empfunden haben.

    • Sportpapi sagt:

      „Die Person bleiben, die man war und ist und nicht ausschliesslich Mutter sein.“
      Das geht allerdings auch ohne grossartige Auszeit. Sollte ja vielmehr ein Alltagsthema sein.
      Die Ferien mag ich jede/m aber trotzdem gönnen, auch wenn mir persönlich ein paar Tage allein zu Hause jeweils gut reichen.

      • Muttis Liebling sagt:

        „Die Person bleiben, die man war und ist und nicht ausschliesslich Mutter sein.“

        Das trifft wahrscheinlich auf 99.9% aller Mütter seit Adam und Eva zu und der gegenteilige Fall, Persönlichkeitsverschiebung ab Mutterschaft, holt den Psychiater auf den Plan.

      • Karl von Bruck sagt:

        Auch wenn der Neofeudalismus dazu tendiert, den Arbeitnehmer auch waehrend der Freizeit und gar den Ferien verfuegbar zu machen, ist eine echte Erholung nur moeglich, wenn die Pflichtenkreise etweder wirklich ruhen, oder voll von kompetenten Stellvertretern uebernommen werden. Das gilt insbesondere auch fuer Muetter, die echte Ferien noch noetiger haben.

        Ein anderes – mit der Verarmung der kleinbuergerlichen Familie und der damit verbundenen Erzwingung von zwei Resterwerbseinkommen – in Loesung begriffenes Problem, ist die Rundumbetreuung der Kinder nicht nur bis sie (weg)laufen koennen, sondern gar bis ueber die Volljaehrigkeit hinaus. Womit die Kinder der Moeglichkeit beraubt werden, die Selbstbetreuung spielerisch zu lernen. Was Haenschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr….

      • Karl von Bruck sagt:

        @Liebling – Das trifft auf die Muetter sicher zu, denen noch die zum Gebaeren benoetigte Zeit eingereumt, und das Tragen und Stillen des Kindes waehrend der (Zwangs)arbeit bewilligt wurde. Wenn jedoch ein Fehlanreizsystem die Muetterfreistellung von der Erwerbstaetigkeit auf mehr als 3 Jahre ausufert, ist es – mit den vielen Knopfdruckmaschinen – bequemer, den Haushalt selber zu schmeissen, als es den Kindern beizubringen. Und wo unbedarfte oder gar arglistige Politiker nicht rechtzeitig System“psychiater“ beiziehen, waechst der Bedarf an Psychiatern fuer die Systemopfer ebenso explosiv wie ruinoes….

      • Muttis Liebling sagt:

        @Karl von Bruck
        Das Einzige, was ich Ihnen abgewinnen kann ist: Mutter ist kein Beruf. Es ist eine soziale Rolle, die man so ausfüllt wie spazieren gehen. Es gibt weniger, was noch einfacher ist.

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        „es gibt weniges, was noch einfacher ist“

        naja, kommt wohl auf die Definition, und welche Fähigkeiten, Kompetenzen, Schlüsselqualifikationen, was für eine Bereitschaft sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, zu evaluieren/reflektieren, zu lernen, zu wachsen, man an eine Mutter, einen Vater stellt/darunter versteht.

        Da sind meine Ansprüche höher als „es gibt weniges was noch einfacher ist“.

      • Annika sagt:

        @ML: Na ja, wenn es so einfach wäre, dann wären alle Mütter eine genügend gute Mutter und das ist leider nicht der Fall….

      • Muttis Liebling sagt:

        Liebe Brunhild
        vor 70000 Jahren, manche sagen auch später, sind die Frühmenschen aus Afrika nach Europa marschiert. Die mussten das tun, sonst wäre da unten die Evolution am Ende gewesen.

        Dann hat das noch einmal gedauert, bis die erste Frau gelernt hat, statt zu sammeln, Pflanzen zu züchten und die Männer lieber Tiere gezüchtet haben, als die zu jagen. Das war vor 6000 Jahren. Nennt man Neusteinzeit, neolithische Revolution unter uns Eliten. Sie wissen, Brunhild, das sind wir, die Bösen, die Eliten, weil wir nicht mit denn Händen und den Sinnen, sondern mit Sinn arbeiten.

        Aber die ganze Zeit wurden Kinder nicht anders gezeugt und erzogen als heute. Einfach nur empfangen, geboren, erzogen. Das kann jeder Schmetterling. Nicht ganz, aber jeder Gorilla. Der kann es bestimmt.

      • Karl von Bruck sagt:

        @Annika – Gerade in schwierigen Fasen, wozu auch die Mutterschaft gehoert, ist es wichtig, dass das System erfolgsfoerdernd oder wenigstens nicht schaedlich bis toxisch wirkt. In noch nicht zu denaturierten Zivilisationen ist bei guenstigen Rahmenbedingungen die Rate der misslungenen Mutterschaften wegen Versagens der Muetter gering. Wenn allerdings bei der politischen Bastelung dieser Rahmenbedingungen die gerade aktuellen Beduerfnisse der Wirtschaft (einmal zum Fernhalten vom Arbeitsmarkt gar ohne Kleinkind, das andere Mal zum Wiedereinsteigen schon wenige Wochen nach der Geburt) sogar im Frieden wichtiger werden, als die von Kind, Mutter und Vater, sind immer mehr missratene Kinder und ruinierte Eltern vorprogrammiert….

      • Brunhild Steiner sagt:

        @Muttis Liebling

        ich will meinen neolithischen, und in anderen Zeitepochen ansässigen, Vorfahren ja nicht die Erziehungsmethoden/fähigkeiten kleinreden; aber für mich liegt die Latte schon höher als „tragen, werfen und fürs überleben trimmen“.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Brunhild
        die neolithische Mama hatte einfache Kriterien. Mehr Nahrung für das Kind ist besser als weniger. Die spätkapitalistische umgekehrt. Was immer auch ist, im Zeichen der bewussten Überflussgesellschaft gibt es ein Maximum bei ca. 66%. Weniger ist zu wenig und mehr ist Zuviel. Die Steinzeitmama kam nie über 50%, konnte also bewusst nichts falsch machen.

        Aber nun ist das so. Da macht man die soziale Nebenbeschäftigung Mutter, die auch mit 12 Kindern nur Nebenbeschäftigung bleibt, weil man im Wohlstand ertrinkt, zum Beruf.

        Es gibt eben nicht nur Beruf und Hobby. Daneben gibt es noch Sozialverhalten. Kinder sind das Letztere, nicht Beruf, nicht Hobby.

      • Karl von Bruck sagt:

        Zum Ueberleben trimmen, war waehrend Jahrtausenden fuer 99 Prozent der Muetter die Kroenung. Die mit der Arbeitsteilung bis zur Elektronifizierung erreichte Produktivitaetsexplosion reichte, um Kriege jahrelang rund um die Uhr und den Kalender zu fuehren, ohne dass die kriegswichtigen Ressourcen erschoepft wurden. Vor 1871 reichte es hoechstens fuer einzelne kleine Schlachten. Fronten, an denen es – bis auf den 25. Dezember von 0h00 bis 0h15 – nicht pausenlos ballerte gabs erst im 1. Weltkrieg. Wuerde eine Kriegsproduktion und die fuer die Verwundeten aufgewendeten Kapazitaeten im Frieden fuer die Luxusversorgung und in die ausexerzierte Betreuung von der Wiege bis zur Bahre verwendet, haetts – frei nach Gandi – genug fuer die Beduerfnisse aller, statt nie genug fuer die Gier der Nimmersat

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