Immer mehr Familien teilen statt kaufen

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Teilen macht mehr Spass: Kinder in einem Cargobike. Foto: wittco.gmbh (Flickr)

«Tüend doch bitte teile!» ist eine der meistgehörten Aufforderungen beim Sandkasten. Ein Kind, das seine Sändelisachen auch anderen zur Verfügung stellt, gilt als grosszügig und umgänglich, kleine «Alles meins!»-Spielzeugbewacher werden hingegen schnell als egoistisch und wenig sozial abgestempelt (lesen Sie dazu auch «Die 10 Spielplatz-Gebote»).

Während das Teilen bei Kindern also fix auf der Erziehungsagenda steht, spielte es bei uns Erwachsenen länger keine allzu grosse Rolle. Doch das ändert sich gerade ganz deutlich. Wir teilen unsere Wohnungen via Airbnb, unsere Autos über Car-Sharing-Dienste und sogar die Bohrmaschine über verschiedene Plattformen. Gerade Familien sind beim neuen Trend oft begeistert mit dabei, weil sie sich so Dinge für eine begrenzte Zeit besorgen können, die sie sich selber nicht leisten könnten. Oder die es sich nicht zu kaufen lohnt, weil man sie nur einmal braucht. Doch welche Plattformen und Dienste gibt es überhaupt und wie funktionieren sie? Eine Auswahl:

Alltagsgegenstände mieten

Auf Sharely kann ich fast alles ausleihen, was das Herz für einen Tag begehrt: Von der Kamera für den Kindergeburtstag (7 Franken pro Tag) bis zur Hüpfburg fürs Quartierfest (150 Franken). Suchen kann man nach Distanz zum eigenen Zuhause, schliesslich will niemand für den Camping-Kocher durch die halbe Schweiz fahren. Genauso einfach wie man mietet, kann man natürlich auch vermieten.

Auto vermieten

Dasselbe funktioniert mit dem Auto dank der Plattform Sharoo. Die Schlüsselübergabe entfällt, alles funktioniert via App. Und es gibt keine bösen Überraschungen, weil die Tankkosten im Mietpreis bereits enthalten sind.

Mit Teilen hat das nichts mehr zu tun, sondern eher mit Geldmacherei, mögen Kritiker solcher Plattformen einwenden. Ich denke, es ist eher eine Mischung aus beidem. Das grosse Geld wird niemand machen mit dem gelegentlichen Vermieten seiner Heissklebepistole. Aber er hilft vielleicht jemandem aus der Klemme, der einmal im Jahr eine solche braucht. Und: Man tut damit nicht nur diesem Menschen einen Gefallen, sondern verhält sich auch ökologisch sinnvoll, indem man Ressourcen teilt.

Gratis ausleihen


Wem die Geldmacherei zuwider ist, der ist bei Pumpipumpe richtig. Der Verein «setzt sich für einen bewussten Umgang mit Konsumgütern und mehr soziale Interaktion in der Nachbarschaft ein». Letzteres kommt gerade in grösseren Städten oft zu kurz – vielleicht ist Pumpipumpe deshalb in Zürich so verbreitet? So funktionierts:

Pumpipumpe verschickt gegen einen Unkostenbeitrag von 5 Franken ein Stickerset mit Bildern von Veloanhängern, Schlitten oder Lichterketten. Wer Gegenstände gratis ausleihen möchte, klebt die passenden Sticker an seinen Briefkasten. Damit nicht nur die direkten Nachbarn, sondern auch der Rest des Quartiers über das Angebot Bescheid weiss, sind alle markierten Briefkästen auf einer Karte online abrufbar.

Ausleihen und stehen lassen

Während Private im Kleinen teilen, machen Firmen, Städte und Thinktanks das im grossen Stil. Sehr oft drehen sich diese Projekte um Fahrräder – schliesslich will man nicht nur das Sharing promoten, sondern vor allem die Strassen freibekommen und die Menschen zu mehr Bewegung und einer umweltschonenderen Fortbewegungsart motivieren. In Zürich kann man bei den «Züri rollt»-Containern gratis ein Gefährt ausleihen. Neue Projekte gehen noch einen Schritt weiter:

Zurzeit läuft in Zürich ein Pilotprojekt der Mobiliar namens Smide. Zweihundert E-Bikes inklusive Helm hat die Versicherung in der Stadt verteilt, die man via App findet und mietet. Die ersten 20 Minuten sind gratis, danach muss man bezahlen. Der grösste Vorteil ist, dass man das Bike irgendwo innerhalb der Stadt abstellen kann. Man fährt also einfach von A nach B, stellt das Velo ab, sperrt es und muss sich nicht weiter darum kümmern. Perfekt, wenn man etwas spät aus dem Büro kommt und auf dem E-Bike ruckzuck in die Kita pedalen kann.

Lastenvelos mieten


Noch spannender für Familien ist das Projekt Carvelo2go, das die Mobilitätsakademie mit Unterstützung des Förderfonds Engagement Migros ins Leben gerufen hat. Hier können elektrische Lastenvelos für wenig Geld gemietet werden: Die erste Stunde kostet 5 Franken, danach sinkt der Stundenpreis erst auf zwei, später auf einen Franken. Was als kleines Pilotprojekt gestartet ist, hat sich mittlerweile bereits auf vier Städte ausgedehnt. 2017 sollen weitere dazukommen.

Die Carvelo2go-Verantwortlichen hatten beim Start nicht explizit die Familien als Zielgruppe im Kopf. «Eine erste Umfrage zeigt aber, dass mehr als die Hälfte der Nutzer als Haushaltsform ‹Paar mit Kindern› angeben», sagt Projektleiter Jonas Schmid. Zudem seien die Lastenvelos am häufigsten für Einkaufsfahrten (50 Prozent) und Kindertransporte (33 Prozent) genutzt worden. Schmid ist überzeugt, dass sich der Trend «Sharing» in den nächsten Jahren fortsetzen wird, gerade im Bereich Mobilität. Denn: «Das Teilen von Verkehrsmitteln bedeutet weniger Kosten, mehr Flexibilität und Multimodalität.»

Die Umfrage hat übrigens gezeigt, dass Frauen die Velos häufiger gemietet haben als Männer. Auch eine Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) besagt, dass Frauen generell mehr teilen als Männer. Das GDI ging zudem der Frage nach, welche Gegenstände wir eher teilen, welche weniger. Kurz zusammengefasst: Je höher der Wert einer Sache, sei dieser materiell oder immateriell, desto zurückhaltender sind wir beim Teilen. Und je stärker etwas mit unserer Haut in Berührung kommt, desto weniger gerne leihen wir es anderen Menschen aus. Weshalb Kopfhörer, Kleider und Bettdecken im Gegensatz zu Bohrmaschinen und Velos wohl nie den grossen Durchbruch haben werden auf Sharing-Plattformen.

60 Kommentare zu «Immer mehr Familien teilen statt kaufen»

  • K. Svec sagt:

    Auf sharingnet.ch finden Sie alle Sharing-Adressen nach Kategorien. So einfach. Man kann dort auch selber inserieren.

  • Sven Örensohn sagt:

    Sharoo.com ein Auto für 4Stunden bis 50km ca. ab 30Fr. x 40Wochen im Jahr = 1560Fr. + 3’600Fr.GA. = 5’160Fr.

    Kosten Auto im Jahr 6-7000Fr.
    4-6 in Deutschland für 1’000Euro Einkaufen = 4-6000Fr. einsparnis, profitieren von Aktionen in der Schweiz etc. -> Auto ist billiger

    • Thomas Stäubli sagt:

      Ein eigenes Auto gibt Komfort und Unabhängigkeit, die in Franken kaum zu messen ist. Ihre Rechnung ist daher so relevant wie der Tipp, man solle auf dem Boden sitzen, da dies viel billiger sei als ein Sofa:

      Sofagruppe, Kosten 4800 Franken, 10 Jahre Lebensdauer. Darauf verzichten bringt 40 Franken im Monat, die man einspart.

      Am besten aufs Leben verzichten, dass spart ca. 500 Tonnen CO2.

      • Helge Schneider sagt:

        ‚Komfort und Unabhängigkeit‘ für den Egoisten welcher drin sitzt und selber im Grünen am Ende einer Sackgasse wohnt. Der Komfort der Leute an wessen Fenster er vorbeibraust ist negativ, genauso wie die Unabhängigkeit wenn die Kinder nicht mehr vor dem Haus spielen können weil das ganze Umfeld von solchen Egoisten und ihren 2 Tonnen Blech dominiert wird.

      • Cybot sagt:

        Was interessiert es mich, ob da jetzt einer mit seinem eigenen oder einem ausgeliehenen Auto vorbeifährt? Der Lärm ist genau der gleiche.

      • Michael sagt:

        Aber da fahren Sie nur mit einem einzigen Auto durch die Gegend, was langsam alt wird, was zur Inspektion muss, was ggf. eine Beule durch einen Unfall oder schlimmer bekommt. Und es kostet, auch wenn es nicht benutzt wird. Ich benutze den Fuhrpark von Mobility. Im Sommer ein Cabrio, zum Umzug einen Lieferwagen, zum Einkaufen einen Combi. Ich fahre entspannt mit der Bahn in den Urlaub und habe das Auto nur am Urlaubsort. Und die Autos sind immer fit, immer aufgetankt und dank des grossen Netztes in 10 – 20 min zu erreichen.

  • Sven Örensohn sagt:

    Gut abgeschrieben den Artikel mit der Bohrmaschine, eine Bohrmaschine kostet ab 35Fr., einmal kaufen und man hat es. Warum soll ich jetzt in die nächste Stadt gehen um mir eine Bohrmaschine auszuleihen und dann nochmals hin, um es zurück zugeben(Aufwand und Nutzen??). Man kann auch den Nachbarn fragen und man hat sie gratis. Der Velodienst von der Mobiliar ist toll, nur muss ich eines der Velos irgendwo in Zürich suchen. Autosharing ist toll, ein GA kostet 3600Fr. und ein Auto 6-7’000Fr. im Jahr, nun kann sich jeder selber ausrechnen wieviele male er sich ein Auto leihen kann bis das Auto billiger ist.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Welches Auto genau kostet denn nur 6 bis 7’000.– / Jahr? Den Skoda Octavia Kombi, das ist der Lieblingskombi von Familie Schweizer, kriegt man z. B. Occasion nicht unter 20’000.– (ausser man will ein uraltes Modell mit 250’000km kaufen).

      • Katharina sagt:

        MZ: Ich denke er meinte laufende Kosten. Mit der Wertverminderung zusammen schätze ich etwa 80 Rappen bis 1 Fr pro km.

        Mein SUV würde mich dort etwa 400 im Monat nur für Benzin kosten. dann 1400 für die Autoversicherung und nochmal 1000 für die Nummer pro Jahr.

      • Sven Örensohn sagt:

        Dann nehmen sie halt 7-8’000Fr. , ich habe zum Beispiel letztes Jahr einen Occasion aus dritter Hand, VW-Touran gekauft für 24’000Fr. und 600Km. Xenonlicht, Parkhilfe, 8-fach bereift etc.! Es muss halt nicht immer das teuerste Auto sein und ein Skoda ein VW geht auch.

      • Sven Örensohn sagt:

        Katharina
        7. November 2016 um 15:48
        Man kann ja auch einen Panzer fahren.
        Nummer 500Fr.
        Versicherung 800Fr.
        Bezinverbrauch 2500Fr. = 25’000Km
        Autoreparatur 1000Fr.
        Amortisation 3000Fr.
        Reserve 1200Fr.
        0.80Fr.-1Fr. pro Km???

      • Zufferey Marcel sagt:

        @Katharina: Ja, das war mir schon klar mit den Kosten. Mein Komment war auch etwas missverständlich. Ich denke, mit –.80 bis 1.– pro gefahrenem Kilometer sind wir etwa im Bereich der Realität.

      • Sven Örensohn sagt:

        Zufferey Marcel
        7. November 2016 um 16:56
        1Fr. pro Km meinen sie das wirklich ernst oder wollen sie uns veralbern??? Wenn Sie das ernst meinen haben sie wohl komplet den Realitätsinn verloren. Die Portugiessischen Arbeiter die jedes Jahr mit dem Auto in die Ferien fahren, machen locker 6’000Km, die zahlen also 6’000Fr. nur Benzinkosten in den Ferien und das mit Baujobs und Putzfrauenjobs? Manchmal frage ich mich wie es soweit kommen konnte das manche Schweizer den Kopf vollkommen verloren haben. Welcher Haushalt zahlt 15-30’000Fr. im Jahr fürs Auto, oder 1000-2000Fr. im Monat. Traurig echt traurig wenn man vor lauter Ideologie die Realität nicht mehr sieht.

      • Katharina sagt:

        sven hat ein problem mit wertabschreibungen. aber das scheint ein schweizer problem zu sein, wenn ich die occasionspreise dort anschaue. 24’000 für einen krautwagen aus dritter hand? das teil ist neu soviel wert. (20 – 30 k USD).

      • Sven Örensohn sagt:

        Katharina
        7. November 2016 um 18:53
        600Km -> 24’000Sfr. mit der ganzen Ausstatung wie Kurvenlicht, Xenonlicht, Schiebedach, 8-fach breift etc. und sie kommen mir mit USD. Wir sind doch in der Schweiz und nicht in den USA. Neupreis wäre übrigens über 45’000Sfr. gewesen. Von welchen Wertabschreibungen reden wir? Amortisation 3000Fr. im Jahr (siehe Beispiel) -> in 8 Jahren komplett abgeschrieben liebe Frau. Sie haben meine Berechnung gesehen und sie haben mich Grosskotzig kritisiert. Jetzt möchte ich mal ihre Zahlen sehen wie sie auf ihre abendteuerlichen Zahlen von 1.0Fr. den Kilometer kommen. Ich behaupte mal sie sind einfach Ideologisch blind und können mir das ganze nicht erklären.

      • Susi sagt:

        @S.Ö.
        Aus dem K-Tipp:

        „Mit den Berechnungsansätzen des Touring Club Schweiz (TCS) ergeben sich bei einem Auto im Wert von 27000 Franken mit jährlich 15000 Kilometern feste und variable Kosten von insgesamt 9650 Franken pro Jahr. Das entspricht einem Kilometerpreis von 64 Rappen.“

        Ein teureres Auto kostet dementsprechend mehr. Ein SUV kann schnell mal 90’000.- kosten. Wenn man von 2% Abschreibung pro 10’000 km, rechnen Sie doch mal.

      • Thomas Stäubli sagt:

        Also mit meinem gebrauchten Golf (übernommen bei 68’000km) habe ich mittlerweilen ca. 145’000km zurückgelegt. Inkl. Abschreiber, Versicherung und Unterhalt hat mit der Kilometer unter dem Strich ca. 35 Rappen gekostet. Da er letzthin ein paar grössere Reparaturen hatte, hoffe ich, er fährt nun noch eine ganze Weile ohne grosse Investition, sodass die Kosten sich mit den nächsten 50’000km gegen die 30-Rappen-Marke bewegen.

      • Sven Örensohn sagt:

        Susi
        7. November 2016 um 21:49

        Sie sagen ja was ich Sage, das TCS auf 9600Fr. kommt liegt doch an den Durchschnittszahlen, schlechter Einkauf und nur 15’000km/Jahr. 25’000km sind wohl realistischer, habe zwar nur 10km Arbeitsweg, aber dies eben 4x. Wer Pendelt hat doch sofort 50km am Tag und mehr und das ohne Ferien/Einkauf und nichts.

    • Zufferey Marcel sagt:

      @SÖ: https://www.tcs.ch/de/der-tcs/presse/medienmitteilungen/2016/kilometerkostenstick.php

      Wohlgemerkt: Das sind Durchschnittswerte. Was der Durchschnitt statistisch bedeutet, ersehen Sie hier:

      https://de.statista.com/statistik/lexikon/definition/158/statistik_fuer_anfaenger_mittelwert_durchschnitt_und_streuung/

      So, und jetzt noch mal von vorne, guter Mann!

      • Zufferey Marcel sagt:

        Ja, und Mobility kostet mich im Schnitt 60.– pro Monat. Das ist der langjährige Durchschnitt.

  • Susi sagt:

    Institutionalisiertes Teilen mit Fremden ist mir persönlich zu aufwendig, ich teile lieber mit Freunden/Nachbarn/Bekannten. Zudem kaufe ich den Grossteil der Kleider unserer Tochter an der Kinderkleiderbörse, ausgetragene verschenke ich.
    Finde das ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

    Der Link im letzten Abschnitt („welche Gegenstände wir gerne teilen“) ist witzig; ich habe tatsächlich sämtliches auf der Liste schon mal geteilt!

  • anna lou sagt:

    Ich bin nicht grundsätzlich gegen die sharing economy. Aber am Ende hat dies nicht viel mit teilen zu tun. Ich kann mir einen Porsche ausleihen oder die Louis Vuitton Tasche Second Hand kaufen von Leuten, die sich für mehrere tausend Franken eine Handtasche kaufen und dann doch die Farbe nicht mögen. Wenn ich auf so einer Plattform unsere Kinderkleider zu einem tiefen Preis verkaufen will, muss ich jedesmal noch x Mails beantworten von Müttern, die das T-shirt noch um einen Franken runter märten wollen. Mir löscht das ab. Ich kaufe nur, was ich mir leisten kann, und wenn ich es nicht mehr brauche, dann verschenke ich es an Menschen, die wirklich finanzielle Sorgen haben.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Sagen wir es so, ich habe keine Erfahrung mit solchen Plattformen, aber bis ich Erfahrung hätte, müsste ich viel Zeit investieren und darauf habe ich keine Lust.
      Die Dinge die ich brauche, brauche ich meistens wirklich, so dass ich sie mir kaufen muss.
      Ansonsten, machen wirs wie Sie. Wir verschenken, das, was wir nicht mehr brauchen. Manchmal beschenkt uns jemand.
      Dann noch die Kleiderbörse um die Ecke und die Kinder versuchen ihr Glück auf dem Flohmarkt. (wie wir es schon taten.)
      Bei aller Konsumkritik sollten wir echt nicht übersehen, dass es nur Arbeit gibt, solange konsumiert wird. Wenn alle so konsumkritisch sind, wie hier gerne dargestellt, würden Millionen von Menschen auf der Strasse stehen.

      • Ka sagt:

        Für uns ist das Brockenhaus eine gute Alternative, wir bringen die Dinge die wir nicht eh schon in unserer Nachbarschaft verschenken, gerne dahin. Das dient einem guten Zweck und viele Menschen kommen so zu günstigen Sachen. Kleider durchlaufen die Kindergenerationen in unserer Nachbarschaft oft mehrfacht, ich freue mich immer wieder, wenn ich den Nachbarsjunge in der Jacke meines Sohnes sehe, die er auch schon vom grösseren Nachbarsbub erhalten hat. Und die Kids finden es übrigens auch toll, wenn sie die Jacke des coolen Typs tragen können.

      • Sven Örensohn sagt:

        Konsumkritisch, welch schweizerische (doppel) Moral und wenn es ums Jahresgespräch geht will man mehr Lohn. Mehr Lohn um mehr zu konsumieren.

  • 13 sagt:

    Echt jetzt? Sogar bei diesem Thema gibt es Nörgel?
    Natürlich gab es das früher schon, wenn auch in kleinerem Ausmass. Das Online-Sharing eröffnet halt einfach mehr Möglichkeiten, v.a. in zeitlicher Hinsicht, weil man halt auch um 3.00 Uhr morgens eine Anfrage starten oder beantworten kann und nicht sieben Mal läuten gehen muss, bis jemand zu Hause ist. Ich, als berufstätige Mutter, finde das sehr bequem und bin froh drum. Und teilweise ist die Hilfsbereitschaft und Solidarität unter an sich fremden Frauen beeindruckend. Einen Autositz oder einen Kinderwagen für die Ferien in einer völlig fremden Stadt mieten/leihen? Das ging ohne Internet früher kaum. Heute kein Problem.

    • Sportpapi sagt:

      @13: Sie finden also auch, dass wir „unsere Wohnungen via Airbnb, unsere Autos über Car-Sharing-Dienste und sogar die Bohrmaschine über verschiedene Plattformen“ teilen, dass wir gerade einen revolutiären Umbruch erleben, einen gewaltigen Trend? Und der ist erst noch ideologisch begründet, sinnvoll, usw.?
      Wundern Sie sich wirklich, dass da etwas relativiert wird?

      • tststs sagt:

        Ich glaube, es wird nicht an der Sache an sich herumgenörgelt (Ausnahmen bestätigen die Regeln), sondern dass stellenweise so getan wird, als hätte man soeben das Rad neu erfunden…

      • plop sagt:

        Ja.. Im Folio vom letzten Monat war ein Bericht über die verschiedenen Sharing-Plattformen und wie die eben nur so mässig gut funktionieren / genutzt werden… Die Idee, das Teilen aber auch online möglich zu machen ist doch einfach als ergänzend zum normalen, alltäglichem Teilen zu sehen, also alles gut –

      • plop sagt:

        …man sollte nun endlich mal das Dinge hin und her Beamen erfinden… Dann würden diese Plattformen voll durchstarten…

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Ja, dass es über die jeweiligen Plattformen läuft, ist eher neu. Dass es nicht nur für Private gilt, sondern eben auch Firmen oder der Staat sich beteiligt auch. Ebenfalls ideologisch begründet und sinnvoll.
        Das heisst ja nicht, dass man bisher nicht geteilt hat.

      • 13 sagt:

        @ plop
        Ich denke immer, wenn ich da wieder mal stöbere, warum sich die Post eigentlich über zu wenig Umsatz beklagt, was da teils verschickt wird. Aber ja, beamen wäre sehr praktisch.

  • tststs sagt:

    Also in der Schicht, in der ich aufgewachsen bin, war „Teilen“ ein wichtiger Grundpfeiler der Familie; okeee, es war noch kein modernes Shääääring auf Platformen, sondern die Tauschbörse, das Weiterreichen von Gegenständen und die div. Ausleihmöglichkeiten (Ludothek, Bibliothek, Videothek…).

  • Sportpapi sagt:

    Wobei ich mich wundere, dass es dafür Online-Plattformen braucht. In der Regel weiss man doch etwas, bei wem man je nach Bedarf fündig werden kann, und manchmal kommt dann mit dem Werkzeug der Arbeiter gleich mit. Und Kleider, Spielwaren, usw. werden sowieso im Freundeskreis wild herumgereicht oder in der Kinderkleiderbörse wieder in Umlauf gebracht.
    Allerdings ist es schon so, dass viele Eltern ihren Kindern auch gerne mal etwas Neues kaufen.

    • Muttis Liebling sagt:

      Tauschringe gibt es seit über 100 Jahren, genau so lange, wie alternative Währungen. Das alles funktioniert auch ohne Online- Plattformen. Aber es ist halt modern, alles die Methode Internet nutzende nicht nach dem Inhalt, sondern der Methode Digitalisierung zu nennen. Dann war die Schriftstellerei und der Journalismus der Vor- PC- Ära wohl Kugelschreiberisierung.

      Wichtiger ist mir die Unterscheidung zwischen (teil-) kommerziellen und völlig geschäftsbeziehungsfreien Tauschgemeinschaften. Nur letzteres hat Zukunft, und so etwas wie Uber ist nur alter Wein in neuen Schläuchen und gehört auf voller Linie bekämpft. Nicht aber die ohne Geld funktionierenden klassischen Tauschbörsen, ob mit oder ohne Smartphone, ist egal.

      • Sportpapi sagt:

        Weshalb sollte man in diesem Bereich irgendetwas bekämpfen?
        Teilnehmen oder nicht teilnehmen reicht völlig. Und Tauschbörsen funktionieren in der Regel nicht, wenn sie auf zwingende Gegenseitigkeit basieren. Ausser man gibt eben Geld als Tauschmittel.

      • Muttis Liebling sagt:

        Ich habe den Eindruck, dass gerade in der Schweiz Tauschbörsen gut funktionieren. Hier gibt es ja auch die WIR- Bank, während die meisten der berühmt gewordenen Alternativwährungsprojekte gescheitert sind. Meist am Widerstand der jeweiligen Staaten, welche ihre Geldhoheit gefährdet sahen.

        Tauschbörsen haben eine Satzung, in welcher steht, dass sie Gewerbe nicht konkurrenzieren. Das aber machen Uber und AirBnB und deshalb bin ich auch hier ganz bei den Schweizer Parlamentariern, welche sich da Gegenmittel einfallen lassen. Heute im TA: Web-Giganten schrecken Schweizer Parlamentarier auf.

        Ich gebe seit 15 Jahren Nachhilfeunterricht für Kinder, deren Eltern den nicht bezahlen könnten. Dafür bekomme ich Stundengutschriften, unsere Binnenwährung. Mit denen bezahle ich die Putzfrau.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Der Unterschied zur Geldwirtschaft sind die Stundenäquivalente. Die Putzfrau, die Frau, welche mir die Haare schneidet, haben den selben Stundenwert als ich. Für Geld könnte ich mich mehrfach teurer verkaufen.

        Deshalb konkurrenzieren wir das Gewerbe nicht, denn ohne Tauschring würde ich selber putzen. Es ist nur viel bequemer, statt dessen im bequemen Sessel bei einem Kaffee Kindern Elementarmathematik oder Deutsch beizubringen. Und deren Müttern und Grossmüttern ist das Putzen viel lieber.

        Bei solchen Tauschverhältnisse versagt das Prinzip Geld, weil es eine zusätzliche Wertung, die Qualifikation hineinbringt, die in dem Fall aber offensichtlich kontraproduktiv ist. Im Tausch macht jeder das, was er lieber macht.

      • Reincarnation of XY sagt:

        schimmert da so etwas wie der reale ML durch?

        Privates wird genannt. Lob für die Schweiz. Und eine soziale Seite.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Nachhilfestunden gegen Haarschnitt und Putzfrau. Tolle Idee.

    • lola sagt:

      Ja. Und ML scheint in einer Welt zu leben, in welcher die Mütter und Grossmütter lieber putzen als ihren Kindern und Grosskindern Deutsch und Elementarmathematik beizubringen…

      • Conchi sagt:

        Dieses Tauschsystem erlebt z.Bsp. in Spanien gerade grosse Beliebtheit. Das ist richtiges tauschen und eines Tages wird es eventuell sogar eine Paralellgesellschaft geben, wo das Geld nicht mehr so wichtig ist. Und ja lola, in dieser Welt von ML ist eine Stunde putzen gleich viel Wert wie eine Stunde Elementarmathematik. Ich finds toll.

      • Muttis Liebling sagt:

        Es darf auch gern höhere Mathematik gegen Autoschrauben sein. Hauptsache es ist nicht Geld, nicht Bewertung von Leistung, sondern nur von Zeit. Eine Stunde Putzen ist gleich einer Stunde Nachhilfe in linearer Algebra.

      • Katharina sagt:

        Lineare Algebra ist aber bloss Elementarmathematik. Beim Putzen wäre Chaostheorie angebrachter. Also währenddessen geputzt wird, wird Chaostheorie doziert. Und mit Webcam wird es fast zu einer dadaistischen Performance.

  • Dani sagt:

    Ja das ist super, und die Erwachsenen Teilen sich selber auf den Datingplattformen. Es wird wirklich alles geteilt, wenn auch nicht immer bewusst. Tolle Onlinewelt. :o) Alles andere gab es schon damals vor 30 Jahren, halt nicht Online, sondern in den Ludotheken, wo man sich diverse Spielsachen mieten konnte, anstatt eben zu kaufen. Wer so etwas erst jetzt für sich und seine Familie entdeckt, ist schlichtweg blind durchs Leben gelaufen und hat unnötig Geld zum Fenster rausgeworfen. Denn es dürfte ja weitaus bekannt sein, dass die Kleinen (egal an was) oftmals innert Minuten oder Stunden das Interesse verlieren, egal wie neu etwas ist.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    guter artikel und ein wegweiser für die zukunft. wir müssen als gesellschaft konsolidieren. das „ungebremste wachstum“ funktioniert nicht. die vernunft des konsumenten beginnt bei der einschränkung der kaufwut. „so gut wie nötig, und nicht – so gut wie möglich“ ist die devise zur nachhaltigkeit und dem schonenden umgang mit den (endlichen) ressourcen.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Letztendlich ist es doch so, dass mit dem Teilen einfach ALLE KINDER im totalen Überfluss aufwachsen können und sich so ans Schlaraffenland gewöhnen. Statt ein Dreirad mit 3 Jahren, ein Trottinett mit 5 und ein Velo mit 7, sind die Kleinen bereits mobil, bevor sie laufen können und wechseln ihr Transportmittel fast wie ihre Windeln (die sie heute bis 5, 6, 7 Jahren tragen, statt wie früher mit 3 Jahren spätestens ablegen). Ich sehe keinerlei Ökologie oder auch nur Ökonomie im Teilen, sondern vor allem noch mehr Überfluss, den man sich nicht mehr kaufen muss (was man ja auch nicht könnte), sondern mietet/ausleiht und sich so daran gewöhnt.
    Und wenn später Statussymbole wie Autos vielleicht wegfallen, werden sie halt durch Porsche-Brillen und Gucci-Täschchen ersetzt. Ein Nullsummen-Spiel.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Das sind alles in allem sehr gute Entwicklungen! Der heutige Superkapitalismus führt für immer mehr Menschen in eine Sackgasse. Insofern wird die sharing economy zu einem wichtigen Baustein in der Existenzbewältigung vieler Menschen werden. Statussymbole waren gestern. Weniger ist schliesslich mehr! Ich zum Beispiel habe seit sechs Jahren kein eigenes Auto mehr, Mobility reicht. Die Lebensqualität ist dadurch spürbar gestiegen!

    • Carolina sagt:

      In dem dem Ganzen ein englischer Name gegeben wird (der auch noch ziemlich holprig ist), wird wieder mal medial ein Trend ausgerufen (und auch noch weit ausgeholt, um ein wenig Kapitalismuskritik anzubringen), der bei vielen eigentlich auf privater Basis längst Normalität ist. Wir teilen Rasenmäher, Laubbläser, grössere Gartengeräte etc immer schon mit Nachbarn; die Kinderklamotten, Bücher, Spiele etc werden weitergegeben bzw ausgetauscht. Schon vor 30 Jahren haben unsere Eltern ein grosses Auto mit einer anderen Familie mit vielen Kindern geteilt.
      Natürlich ist es eine gute Sache, wenn man Velos, Autos etc teilt und nur bei Bedarf verwendet: hat aber meiner Ansicht nach nichts mit einer ’neuen Achtsamkeit‘ zu tun.

      • Muttis Liebling sagt:

        Gibt es überhaupt etwas Neues, ausser Technologie? Die Allmend reicht 1000 Jahre zurück.

    • Sven Örensohn sagt:

      Wobei ich bezweifle das Menschen mit der Sharing Economie Geld einsparen.

    • Katharina sagt:

      ‚ Insofern wird die sharing economy zu einem wichtigen Baustein in der Existenzbewältigung vieler Menschen werden‘

      da bin ich mir nicht so sicher. Wenn wir von Tauschbörsen und anderen nicht elektronischen Traditionen absehen und sharing economy als Ueberbregriff für Uber, AirBnB und andere rechtlich unsichere Dienste nehmen, ergibt sich eine digitale Gesellschaftsspaltung.

      Schau hier:

      http://www.pewinternet.org/2016/05/19/the-new-digital-economy/

      • Katharina sagt:

        Und wohin es mit Mobility (Carsharing) geht, siehst Du hier:

        https://techcrunch.com/2016/09/14/1386711/

        Will heissen: in etwa einer halben Generation wird Autobesitz hinfällig. Individualmobilität wird mit autonomen Fahrzeugen sicherer, billiger, umweltfreundlicher und für die Infrastruktur effizienter abgewickelt. Das hat Einfluss auf Taxibetriebe und den OeV (Nebenstrecken als Beispiel).

      • Katharina sagt:

        Otto, ein Lastwagen Startup für autonome Transporte bietet Ebene 4 Autonomie.

        https://techcrunch.com/2016/09/27/uber-otto-freight-services-2017/

        Das bedeutet: Die Disruption hat im Logistikbereich schon begonnen. Vergiss nicht, dass 40% der Stellen in den USA in genau diesem Sektor sind.

        Ich sehe das also insgesamt etwas zweischneidig, weil der soziale Teil (UBI) (noch?) nicht mitzieht.

        Kein Auto besitzen zu müssen, ist allerdings wirklich eine Verbesserung der Lebensqualität.

      • Katharina sagt:

        (Dazwischen wartet etwas)

      • Muttis Liebling sagt:

        Nichts zu besitzen ist die höchste Lebensqualität:

        Denn nur wer nichts hat
        der ist frei
        er kann nichts mehr verlieren

      • Zufferey Marcel sagt:

        @Katharina: Eine bemerkenswerte Artikelserie, danke! Die werde ich mir noch so gerne zu Gemüte führen! Irgendwo habe ich noch einen Link herum liegen, in dem xy ausgerechnet hat, ob sich mit sharing economy der Lebensunterhalt einigermassen menschenwürdig bestreiten lässt. Zur Hälfte ja, so weit ich mich erinnern kann. Das Bild fiel gemischt aus. Auch deshalb, weil nur jene sharen können, die bereits besitzen. Wer nichts hat, geht leer aus.

        Ein Kollege von mir lebt das halbe Jahr amix irgendwo auf der Welt. In dieser Zeit vermietet er jeweils seine Wohnung- und kassiert dafür ganz anständig, da sie sehr zentral gelegen ist. Allerdings nicht über eine sharingsite, sondern über ein klassisches Immobilienportal. Funktioniert seit Jahren prächtig und ist (sehr) rentabel!

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