«I ha dr doch gseit, du söusch di häbe!»

kind

Bevors wehtut, warnen die Eltern, danach trösten sie. Das kann ganz schön anstrengend sein. Foto: Lance Shields, Flickr.com

Seit einigen Wochen hallt bei uns immer wieder ein «Richi! I ha dr doch gseit …» durch die Wohnung. Der Mann und ich rufen uns den Satz zu, meistens in nicht ganz so lustigen Momenten. Aber genau in jenen braucht man ja besonders viel Humor.

Wir nutzen dazu die ganz kleine Pause, die kleine Kinder machen zwischen dem Moment, in dem sie – wieder einmal – in die Tischkante gerannt sind und der darauffolgenden Sekunde, in der sie das realisieren: «Richi!» Dann geht es los mit Heulen und Trösten.

Warum Richi?

Richi ist der Sohn von Hermann und Christine Schönbächler, die mit der ganzen Familie in die Wildnis Kanadas ausgewandert waren und 2011 vom Schweizer Fernsehen für die Serie «Auf und davon» dort besucht wurden. Vater Hermann lässt den damals ca. 3½-jährigen Richi selbstständig aus dem Bagger klettern, was dann leider nicht problemlos klappt:

 

Nach der Ausstrahlung dieser Sequenz ging ein Aufschrei durch die Schweiz, man entrüstete sich über den groben Vater, seine anscheinend herzlose Reaktion. Gleichzeitig erhielt das Video Kultstatus, ebenso wie Hermanns Ausruf: «Richi, i ha dr doch gseit, du söusch di häbe!» («Richi, ich hab dir doch gesagt, du sollst dich festhalten!»)

Ich selber, damals noch knapp kinderlos, fand das auch total daneben. Das arme Kind, doch noch viel zu klein, um zu verstehen, was «halte dich gut fest» bedeutet! Aber stimmt das wirklich? Oder entscheiden sich Kinder einfach aktiv gegen unsere Ratschläge?

Einmal den Beschützerinstinkt ausschalten

Sobald das Kind lernt, sich selbst zu bewegen, besteht die Hauptaufgabe von uns Eltern grundsätzlich darin, zu verhindern, dass es sich in lebensgefährliche Situationen bringt. Wie oft wünscht man sich als Kleinkindeltern nicht eine Spiel-Gummizelle ohne Ecken und Kanten, wo man den Beschützerinstinkt kurzfristig ausschalten könnte? Wo das Kind sich einmal zehn Minuten lang nicht wehtun kann?

Mittlerweile sind meine Kinder zwei und vier Jahre alt. Regelmässig befinden sie sich jetzt freiwillig und gewollt in der Kamikaze-Zone, wollen austesten, was geht und was nicht. Gefahren einschätzen? Kompetenz gering. Gefahren suchen? Hell yeah! Oft kann ich gar nicht hinsehen, wenn sie uuuunbedingt vom Sofa Turmspringen üben wollen oder mit gefühlten 60 km/h einen Hang hinunterrennen.

Ob man sie machen lässt, liegt dabei natürlich im eigenen Ermessen. Bei mir direkt abhängig von meiner Nervenstärke. «Pick your fights» ist mein Mama-Mantra, und wenn man dann halt ums Verrecke unter dem Esstisch Fangen spielen muss – dann bitte, macht, wie ihr wollt. Aber passt auf die Köpfe auf!

Das Mitleid hält sich in Grenzen

Minuten später kollidieren Kopf und Kante dann natürlich doch – und ehrlich gesagt, mein Mitleid hält sich in Grenzen. Klar singe ich schnell ein «Heile-Heile-Säge», aber ohne Inbrunst. Irgendwo in meinem Hinterkopf hallt es: «Ich hab dir doch gesagt …», und gelernt hat die Lädierte jetzt auch noch etwas. Hoffentlich. Ich bin mir nämlich mittlerweile ziemlich sicher, dass meine Kinder wissen, was «pass auf» bedeutet. Und sich entscheiden, mich aktiv zu ignorieren.

Schon beinahe in waschechte Schadenfreude artet es aus, wenn ich etwas explizit verboten habe. Dann folgt Protest, Geschrei, der Versuch, hinter meinem Rücken doch den Bostitch aus dem Büro zu klauen, und natürlich klemmt sich der Amateurdieb dabei das Patschhändchen ein oder rennt davon und stolpert über sein Diebesgut. «Gott straft schnell», hiess es bei uns früher, oder «Wer nicht hören will, muss fühlen». Natürlich küsse ich pflichtbewusst auch dieses Händchen, aber mit einem Blick, den der Sohn schon zu interpretieren weiss: I ha dr doch gseit …!

Das schlechte Gewissen

Auch die (wahrscheinlich persönlichkeitsbedingt etwas raue) Reaktion von Richis Vater kann ich mittlerweile besser nachvollziehen. Tut sich eines meiner Kinder weh, kriege ich sofort ein schlechtes Gewissen (Immer. Auch wenn es selbst schuld ist, auch wenn die Schadenfreude im Nacken tanzt), und manchmal werde ich laut und wütend – auf mein Kind, weil es wieder nicht auf mich gehört hat und jetzt unnötig Tränen fliessen, aber vor allem und viel mehr auf mich selber, weil ich nicht besser aufgepasst habe.

Weil meine Hand nicht an der Tischkante war, die Schublade im Büro nicht abgeschlossen, weil ich entschieden hatte, den Downhill-Spurt zu erlauben und jetzt die Knie aufgeschlagen sind.

Bleibt die Frage, wo wir Eltern die Grenzen ziehen sollen und wie viel Verantwortung jedes einzelne Kind schon tragen kann. Das müssen wir selbst herausfinden – denn uns sagt es ja keiner.

*****

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104 Kommentare zu ««I ha dr doch gseit, du söusch di häbe!»»

  • Sambalolek sagt:

    Liebe Andrea
    Habe selten bei einem blog so gelacht. Vielen Dank für die paar amüsanten Minuten, die ich zum Glück ohne ‚ i ha dr doch gseit‘ erleben durfte. Die Rackers sind im Bett – und hoffentlich nicht rausgefallen…

  • Georg sagt:

    Guter Typ, dieser Förstervater! Der gefällt mir.

    • alam sagt:

      Ob das die Kinder auch sagen, wenn sie mal gross sind? Die Eltern, vor allem der Vater, haben sich selbst verwirklicht. Vielleicht gefällt es den Kindern da ja wirklich noch, aber irgendwann wollen die nicht mehr so im Kakao leben. Oder werden das dann alles auch Förster oder Hausmütterchen?

  • mengold sagt:

    wenn mitleid zu viel verlangt ist, dann spenden Sie wenigstens trost. ein kind in seinem schmerz allein zu lassen, ist vielleicht erziehungsmethodisch modern, aber mehr als fies.

  • A. Horvath sagt:

    Schon zu Beginn habe ich mich dazu entschieden, meine Kinder über den Intellekt lernen zu lassen und nicht über die schlechte Erfahrung, sprich den Schmerz. Somit habe ich dann auch entsprechend für die kleinen Kinder vorausgeschaut. Gewisse Abläufe waren für mich als Erwachsene nunmal einfach vorhersehbar und dann habe ich es unseren Kindern bereits im Vorfeld erklärt, was passieren kann, wenn…. Mit dieser Methode sind unsere Kinder ohne grosse Verletzungen und Gezeter gut gefahren und haben auch m. E. sehr rasch gelernt, Gefahren abzuschätzen.
    Wenn ich dann so Sprüche höre, wie „Bisch sälber Schuld!“ oder „Das gscheht dir jetzt rächt!“ läuten bei mir schon die Sadismus-Alarmglocken.

    • Reincarnation of XY sagt:

      so handhaben wir das in etwa auch
      ähnlich hat es ja auch alpöhi gesagt

      Wenn die Eltern nicht ganz dumm sind, sind es die Kinder meist auch nicht und verstehen und lernen ziemlich gut, wenn man es ihnen nur richtig erklärt/beibringt

      • Ka sagt:

        meine Kinder sind über vernünftiges Aufklären der Gefahren nicht immer zugänglich, einiges muss auch einfach erfahren werden. Als sie noch klein waren, war ich einfach zur Stelle um sie aufzufangen, aufgeschlagene Knie gabs aber schon öfter. Sie haben viel ausprobiert und oft musste ich auch wegschauen, oder hab ihnen gesagt, das hätte ich jetzt lieber nicht gewusst, dass du da rauf kletterst. Mütter sind doch oft zu ängstlich 😉 Die wirklich gefährliche Zeit kommt ja im Teenageralter, oder wenn sie Autofahren, da hören sie dann eh nicht mehr auf die Eltern. 🙁

      • Reincarnation of XY sagt:

        KA „immer“ und „nie“ gibt es nie.
        Ich sage ja nur, dass man vieles auch lernen kann.
        Und mit verängstigten Kindern hat das nichts zu tun 13. Ein so verängstigtes Kind, wie sie es beschreiben, ist entweder vom Charakter her so, oder die Eltern haben es eingeschüchtert. Ich finde so etwas schlimm. Und rede überhaupt nicht davon. Ich rede davon, dass man Kinder auch ermächtigen kann, sich vernünftig an Dinge zu wagen.
        Es ist wie mit dem Vertrauen. Vertrauen kann zu einer starken Selbständigkeit führen. Oder aber, wenn negativ ausgelebt, zu Unmündigkeit.

        Ich finde im heutigen Diskurs, wird viel zu wenig beschrieben, was positiv gelebtes Vertrauen, positive gelebte Anleitung/Führung bedeutet.

      • 13 sagt:

        @ roxy
        Das ist doch das, was ich gesagt habe. Die Eltern haben die Kinder mit gut gemeinten Warnungen derart eingeschüchtert, dass sie sich nichts mehr einfach wagen. Dass das kaum immer der Fall sein wird, habe ich ja so diplomatisch wie selten relativiert.

    • 13 sagt:

      Das finde ich schön, wenn es funktioniert. Ich habe jedoch zwei Familien in meinem Umfeld, die es ähnlich handhaben. Das Ergebnis sind sehr bedachte und vorsichtige, aber auch sehr ängstliche Kinder, die sich immer zuerst überlegen, ob sie sich irgendwo weh tun könnten und was passieren könnte, bevor sie etwas wagen. Sie sind alle zwischen 9 und 11 Jahren, können nicht schwimmen, weil sie Angst vor dem Wasser haben, gehen nie alleine etwas einkaufen, spielen ausschliesslich im eigenen Garten, klettern erst seit Kurzem auf Klettergerüst etc. Ich bin nicht immer sicher, ob man ihnen damit einen Gefallen getan hat.
      Aber ich schätze auch hier gibt es nicht nur schwarz und weiss, sondern viele Grautöne und zwei Familien sind kein Statistik, schon klar.

      • 13 sagt:

        Dem letzten Satz von Herrn Horvath kann ich mich aber zu 100% anschliessen. Das verstehe ich nicht.

    • Sportpapi sagt:

      Gefahren über den Intellekt abschätzen tönt vernünftig. Braucht allerdings korrekte Informationen und Berechnungen. Und woher sollen die stammen, wenn man keine Erfahrungen macht?
      Und Kinder, die nie stürzen oder fallen, würde ich nie wollen. Viel mehr lernen sie ihre Grenzen kennen und vor allem verschieben, wenn sie sie auch erproben.
      Und nein, wenn die Kinder darauf pochen, selber zu entscheiden, dann ist es nicht Sadismus, sie dann darauf hinzuweisen, dass sie das selber entschieden haben. Also selber schuld ok, geschieht dir recht natürlich nicht.

      • A. Horvath sagt:

        @Sportpapi: Also unsere Kinder sind nun 8 und 11 Jahre und die Liste der Sport- / und Freizeitaktivitäten (inkl. Pfadi) hätte auf dieser Seite gar keinen Platz (nur so viel zum Thema „keine Erfahrungen machen“). Zu neugierigen, lebendigen Kindern gehören nicht gleich auch Verletzungen und Schmerz. Ich mag es einfach nicht, wenn man Kinder ins Messer laufen lässt , nur weil man sich nicht die Überlegung machen mag, welche Infos das Kind benötigt, um Gefahren / Verletzungen selber vorbeugen zu können. Aber spätestens mit 8 Jahren ist das ja dann eh hinfällig.

      • Sportpapi sagt:

        @Horvath: Meinen drei Kinder sind auch alle In der Pfadi und in Sportgruppen, und ich war das auch.
        Meine Aussage war eigentlich nur, dass es auch Erfahrungen braucht, um das Risiko korrekt kalkulieren zu können.

  • Anja Meyer sagt:

    Zuerst sagen, das Kind soll aufpassen. Dann passiert doch was. Dann troestet man das Kind. Und DANN redet man mit dem Kind darueber, was passiert ist, und warum, und wie es das naechstes mal besser machen kann. Ein weinendes Kind (mit Schmerzen) anzumuffeln, bloss weil man vorher Recht hatte, bringt ja wohl keinem was.

  • extraterrestre sagt:

    echt jetzt? das war ein beispiel. es gibt x solche situationen im alltag, wo das gleiche schema abläuft. dass man sogar sowas erklären muss….

    • 13 sagt:

      @ extraterreste
      Sie müssen nichts erklären, ich habe das Phänomen ja schon vor Ihrem Beitrag begriffen:

      „Das Traurige am Ganzen erscheint mir eher, dass manche Eltern die Lektion, dass die Eltern recht hatten und man auf sie hören soll, als wichtiger empfinden, als diejenige, dass die Herdplatte heiss ist. Anders kann ich mir die Schadenfreude oder die Boshaftigkeit dieser Eltern, mit einem „Ich hab es Dir ja gesagt“ noch eins drauf zu geben, nicht erklären.“
      (mein Beitrag von 09.49)

      • extraterrestre sagt:

        ich empfinde weder schadenfreude noch boshaftigkeit und ich sage meinem kind auch nicht „ich habs dir ja gesagt“. sie lesen nicht, aber urteilen. was ihre kinder da mitkriegen ist ja dann auch fraglich, wenn wir schon am austeilen sind.

      • extraterrestre sagt:

        und nun doch noch einmal (obwohl mir das fast zu blöd ist): ich habe eine frage in die runde geworfen, ob es wohl nicht AUCH darum geht, dem kind zu zeigen, dass mama und papa sachen wissen und voraussehen, die das kind nicht kann. damit sie im ernstfall auf uns hören, weil die erfahrung ihnen das UNTER ANDEREM gezeigt hat. ich habe nie davon gesprochen, dass dies der hauptaspekt ist, aber es könnte MIT ein grund sein, warum wir weiterhin warnen, obwohl wir wissen, dass die kinder nicht hinhören und ihre eigenen erfahrungen machen müssen, was ja auch richtig ist. haben sie jetzt meine frage, die ganz am anfang meines beitrags stand, vielleicht begriffen?und könnten darauf auch noch konstruktiv antworten, oder bleiben sie bei ihrer ich-machs-besser-die-anderen-sind weltfremd haltung?

      • 13 sagt:

        Eigentlich gefällt mir ja meine Haltung 😉

        Aber im Ernst: Nein, ich halte das nicht für einen wichtigen Lernaspekt, weil ich meine Kinder gerne zum denken anstatt zum gehorchen anhalte. Daher werde ich auch, solange sie die Gefährlichkeit der Strasse nicht selber begriffen haben, sie eher physisch als mit Worten davon abhalten, auf die Strasse zu rennen, ihnen aber so rasch wie möglich, die Gefährlichkeit erklären und auch bessere Handlungsweise üben, als einfach loszurennen. Nicht, weil ich es sage und weil ich es besser weiss, sondern weil sie ja auch nicht überfahren werden wollen.

      • Reincarnation of XY sagt:

        stimme hier extrat. zu – sie macht nicht den Eindruck, dass sie diese negative ich-habs-dir-ja-gesagt-Eltern fährt

        Und es geht ihr wohl auch nicht ums „gehorchen“. Sondern eher ums Vertrauen, dass wenn das Kind die Erfahrung macht, dass es nicht schlecht fährt, wenn es auf den Rat von Mami/Papi hört bzw. dass das was diese sagen, meist Hand und Fuss hat. (Erfahrung)

        Vertrauen schliesst den Intellekt nicht im Mindesten aus.

      • 13 sagt:

        @ Roxy
        Um die Schadenfreude und das „ich habs Dir ja gesagt“ ging es im Text. Wenn die Lektion sein sollte, dass Mami recht hat, dann ist der Schritt, es dem Kind auch so zu erklären, sehr naheliegend. Und ich fand meine Gegenfrage: „Was ist denn, wenn Mami nicht recht hatte, weil der Sturz vom Sofa ausfällt?“ nicht ganz aus der Luft gegriffen.
        Ich habe auch nichts gegen Vertrauen, dieses setze ich eigentlich voraus, aber dieses sollte eigentlich eine Vorstufe zum selber denken sein. „Ich gebe Mami die Hand und sie führt mich sicher über die Strasse“ = Vertrauen. Ab dann, wo sie es selber machen, ziehe ich das Denken vor.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ 13

        Ihre Haltung ist richtig und gut und darf Ihnen auch gefallen

        Es ist unwichtig, ob Eltern recht haben. Eichtig ist, dass Kinder keinen Schaden nehmrn und Trost erfahren, wenn mal etwas daneben geht. Kinder sind keine Hunde, die gehorchen müssen, sondern Wesen, die lernen müssen, zu leben.

      • Sportpapi sagt:

        Das mit Schadenfreude und Boshaftigkeit zu bezeichnen ist schlicht am Thema vorbei. Ebenso wie der Link zum Gehorchen, obwohl ich auch da explizit anderer Meinung bin. Es gibt Situationen, da verlange ich Gehorsam, weil ich keine Lust habe, die Kinder immer anzubinden.
        Die Kinder bekommen die Verantwortung, eigene Erfahrungen zu machen. Daran kann man sie erinnern. Ebenso daran, dass die Eltern vor möglichen Folgen gewarnt haben, weil sie einen Erfahrungsvorsprung haben. Kluge Kinder merken dann vielleicht, dass sie von diesem Erfahrungsvorsprung hin und wieder profitieren können.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Der Vater erwartet von seinem Kleinkind, dass es sein ganzes Körpergewicht alleine halten kann und hält ihn noch nicht einmal zur Sicherheit fest. Da muss er ja geradezu damit rechnen, dass das Kind fällt. Wenn man es genau nimmt, könnte man meinen, dass es Absicht ist/war, für das TV.

        Das Einzige, was der Kleine lernt ist, dass er sich nie und unter keinen Umständen auf seinen Vater verlassen kann, weil der ihm Schaden zufügt und ihn dann noch anschreit. Bravo Superdad……….!!!!!

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Ein Gehorchen zu verlangen ist das Gleiche wie anbinden, nur psychisch. Mit Verantwortung übertragen hat das gar nichts zu tun. Im Gegenteil. Wenn ich der Meinung bin, dass ein Kind Verantwortung tragen kann, dann muss es ja nicht mehr mir gehorchen, sondern es kann eben selber die Verantwortung übernehmen. Die Kinder sollen sich nach Ihrer Logik frei entscheiden, das zu tun, was die Eltern von ihnen verlangen. Dass das ein Trugschluss ist, ist offensichtlich.

      • Sportpapi sagt:

        „Der Vater erwartet von seinem Kleinkind, dass es sein ganzes Körpergewicht alleine halten kann.“ Als ob das jetzt in der Situation so übertrieben wäre. Scheint ja nicht wirklich schwieriger, als von einem Spielturm oder einer Sprossenwand klettern. Aber ja, sichern wäre sicher gut gewesen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Ein Gehorchen zu verlangen ist das Gleiche wie anbinden, nur psychisch.“ Eine etwas extreme Ansicht. Nun ja, für meine Kinder ist es nicht das gleiche. Wenn sie beispielsweise beim Wandern auf einem schwierigen Weg allein gehen können, weil ich ihnen vertrauen kann, dass sie es so tun, wie ich es verlangt habe. Und sie nicht mehr wie früher am Seil laufen müssen. Es ist nicht das gleiche, wenn sie ohne Aufsicht ins Freie dürfen, weil ich erwarten darf, dass sie sich an die Regeln halten, die ich aufgestellt habe, wie wenn ich immer neben ihnen stehe.
        Das Stichwort heisst Vertrauen. Und ja, Vertrauen, dass sie sich an vorgegebene Regeln, nicht nur von mir, halten werden.

  • extraterrestre sagt:

    geht es nicht auch darum, dem kind zu zeigen, dass mama und papa einige dinge wissen oder voraussehen können, die das kind nicht kann? denke, vor allem bei etwas grösseren kindern ist das der fall. bei noch relativ „harmlosen“ dingen, wie vom sofa springen, etc…. ist doch schon vorprogrammiert: ich sage den kindern, sie sollen es lassen, weil sonst früher oder später einer sich weh tut. sie lassen es nicht. sie tun sich weh. was lernen sie nebenbei? dass mama recht hatte. in einem anderen, schwerwiegenderen fall werden sie daher whs eher auf mama hören, z.b im strassenverkehr oder wenn es darum geht, mit einem messer zu schneiden, etc.

    • 13 sagt:

      Und wenn sie zufällig nicht ab dem Sofa fallen, lernen sie dabei, dass Mami nicht recht hat und kommen unter das Auto? Komische Ansicht.

      • extraterrestre sagt:

        echt jetzt? das war ein beispiel. es gibt x situationen im alltag, wo das gleiche schema abläuft. mein gott, dass man sogar sowas erklären muss…..

    • Sportpapi sagt:

      Genau so.

  • Nora sagt:

    Mich erschreckt es manchmal, dass Eltern ihre Kinder ( in meine Augen ) zu viel zumuten. Wie soll ein 2 jährige wissen was die Konsequenzen seine Handlungen sind? Mein Enkel is dauernd verletzt und ich persönlich würde zu mehr Vorsicht mahnen. Ein Kind soll gefordert, aber nicht überfordert werden.

  • Alpöhi sagt:

    Zwischen Überbehüten und Machen lassen gibt es noch einen Mittelweg: Die „gefährliche Aktion “ zusammen mit dem Kind durchführen und zwar so, dass man das Kind 1:1, Handgriff für Handgriff in die richtige Handhabung einführt. Das braucht etwas Zeit, hat aber mehrere Vorteile:
    – Das Kind lernt die richtige Handhabung (wo festhalten? wo hintreten?)
    – Man kann das (zu diesem Zeitpunkt aufmerksame) Kind auf die Gefahren hinweisen
    – Wenn es trotzdem schief geht, ist man da und kann das Schlimmste verhindern
    – Die Kinder lernen die Kompetenz, wie man etwas „richtig“ macht

    Erstaunlich, dass dies noch nicht erwähnt wurde.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Genau so.

      Was mir in diesem Beitrag sauer aufstösst, ist die Verweigerung von Trost, weil das Kind es wagt, sich der Dressur der Eltern zu widersetzen. Wie soll ein Kind eigenständig werden, wenn es lernt, dass es für seinen Willen, selber etwas zu versuchen mit Liebesentzug bestraft wird?

      Ich wurde selber so erzogen, mit dem Ergebnis, dass ich mich später auch von meinem Mann so behandeln liess.

  • Marianne sagt:

    Wir nutzen die Sekunde zwischen Unfall und Realisierung dazu, Bagatellunfälle zu bagatellisieren mit einem locker-leichten „Hoppa, da hast du jetzt wohl nicht gut genug aufgepasst“. Funktioniert bestens: wenn die Kinder (2 und 4) beim herumrennen mal stolpern und hinfallen, gibt’s kein Geschrei. (Das gilt natürlich nur für Bagatellen wie Knie ein bisschen abgeschürft, etc.)

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Schadenfreude wenn das Kind sich weh tut? Wie tief muss man sinken, dass man solche Gefühle gegen seine eigenen Kinder hegt?

    Offensichtlich ist das Schönbächler-Syndrom schon weit verbreitet und wir steuern wieder auf das Mittelalter zu, wo Empathie und Mitgefühl noch nicht erfunden worden sind. Naja, in vielen Ländern dieser Welt, ist man noch nie über das Mittelalter hinaus gekommen. Passen wir uns doch diesen Ländern an…… Ironie of

    • Patrick sagt:

      Haben sie Kinder?
      Falls ja und sie tatsächlich noch nie das Gefühlsdurcheinander von Mitleid, Ha dr’s doch gseit und einigem mehr mitgemacht haben…
      tja, dann hatten sie vermutlich eine unbefleckte Empfängnis.
      Oder ein anderes Problem.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Sorry Patrick, ja ich habe Kinder und wenn sie sich wehtun habe ich Mitleid und spende ihnen Trost, aber Schadenfreude empfinde ich da nicht. Ich war auch schon genervt, weil sie meine Verbote/Gebote missachtet haben, aber Schadenfreude habe ich dabei nie empfunden, nur Mitgefühl. Mein jüngerer Sohn wurde im Frühling bei einem Unfall lebensbedrohlich verletzt mit bleibenden Schäden. War ich deswegen bei der Empfängnis unbefleckt, nur weil ich darüber KEINE Schadenfreude empfinde und auch nicht gesagt habe, dass er selber Schuld sei?

  • Adina sagt:

    Schadenfreude, das gibt’s wahrscheinlich nur dann, wenn man sauer ist dass das Kind nicht blind gehorcht hat.
    Ich finde, kein Kind soll blind gehorchen. Es darf Grenzen überschreiten wenn es sich traut und meint es sei so weit. Meine Pflicht dabei als Elternteil ist es, dem Kind die Konsequenzen seines Tuns vorher gut zu erklären und dann dabei zu sein, falls das Kind nicht gehorcht und es doch schief geht, zB Kopf unterm Tisch anschlagen. Dann kann ich das Kind zwar genervt aber ehrlich trösten, und nicht mit versteckter Schadenfreude oder so.

    Ausgenommen sind natürlich gesundheitsbedrohiche Situationen wo das Kind geschützt werden muss, da warte ich nicht dass es gehorcht sondern greife ich schon vorher aktiv ein.

    • Sportpapi sagt:

      Dummerweise sind ja die meisten dieser Situationen gesundheitsbedrohlich, sonst würde man ja nichts sagen.

      • Adina sagt:

        Hmm, na ja, ich gehöre zu den übervorsichtigen Eltern. Umso mehr freue ich mich wenn mal eine (zu konservativ von mir gesetzten) Grenze überschritten wird und dabei nichts schlimmes passiert 🙂

  • Patrick sagt:

    „Gott straft sofort!“. Manchmal schade, bin ich Atheist, denn dieser Spruch lag schon einige Male auf meiner Zunge.

  • gabi sagt:

    bin zwar kinderlos, Weiss aber noch sehr genau wie ich als kind war. alles musste ich ausprobieren. und wenn was verboten war hatte es einen besonderen reiz auf mich. bis heute. und ja, hab mich in meinem ganzen leben schon oft verletzt. ich habe den satz „ich habs dir ja gesagt!“ wohl mehr gehört als alles andere. aber ich habe in meinem leben nie jemand anderem als mir die schuld an meinen wehwehchen gegeben. und das schimpfen danach hab ich immer als gerechtfertigt empfunden. wichtig ist einfach, dass die eltern, trotz schimpfen, da sind wenn was passiert, dass das „heile heile sege“ nicht verwehrt bleibt! solange dem so ist, gehört das aufgeschürfte knie einfach zu einem ausgefüllten leben dazu!

    • Dani sagt:

      Ich war letztes Jahr mit meiner Frau in Luzern im Verkehrshaus. Wir sind auch noch kinderlos. Da hat es eine Rutsche, und sie musste diese natürlich runter fahren. Ich habe ihr noch oben gesagt: „Die ist recht steil, bist sicher? Du bekommst ordentlich Speed, soll ich dich unten bremsen?“ Es folgte ein Ja und ein Nein. Unten war sie dann so schnell, so dass sie nach vorne gefallen ist und auf die Knie. Sie steckte es mit einem Lächeln weg. Ein paar Meter von den Leuten weg rieb sie sich die Knie und ich sah die Tränen in ihren Augen. Mir schossen auch gleich die Tränen hoch, weil sie mir leid tat und ich wütend auf mich war, weil ich auf sie gehört und ihr nicht geholfen habe. Sie ist ein Kindskopf und dafür liebe ich sie. *hihi* Mir schwant übles wenn wir mal Kinder haben.

      • gabi sagt:

        danke für die geschichte! kann mir das bildlich vorstellen. 😀 ist bei mir so ähnlich. hatte eben ne kreuzband-OP (jaja, wie gesagt, ich liebe gefährliche dinge) auf jeden fall war ich kurz nach der OP mit freunden (wir sind alle zwischen 25 und 30) auf dem spielplatz. da hatte es ne rackstange. und ich musste natürlich draufsitzen und drumrumwirbeln. wir nannten das in der primarschule den „hexenbesen“. leider hatte das die folge, dass es mir eine kleine muskelzerrung im oberschenkel holte. tat höllisch weh! ich kletterte von der stange runter ohne mit der wimper zu zucken und humpelte danach mit zusammengebissenen zähnen weiter und hoffte, dass es niemand merkte. die zerrung tat noch 5 tage tierisch weh!… 😀 viel glück mit den zukünftigen kids! die grauen haare sind vorprogrammiert!

    • 13 sagt:

      Was rechtfertigt denn das Schimpfen? Das Kind hat eine Warnung nicht befolgt, ist hingefallen und hat sich weh getan. Das heisst, die Strafe hat es ja schon bekommen. Und es tut ihm weh. Dem Kind, nicht mir. Mir hat es ja gar nichts getan. Warum sollte ich dann schimpfen? Ausser man sieht es, wie Malena oben zu recht sagt, als eine persönliche Beleidigung an, dass das Kind nicht dem Rat der Mutter gefolgt ist.

      • Sportpapi sagt:

        Schimpfen? Höchstens dann, wenn ich es schliesslich mit ausbade. Und das ist vielfach der Fall. Ansonsten sage ich entweder gar nichts, oder erinnere daran, dass es ein bewusster (Fehl-) Entscheid des Kindes war.
        Da ich auf mutige Kinder stehe, heisst das noch lange nicht, dass ich das verurteile.

      • 13 sagt:

        „oder erinnere daran, dass es ein bewusster (Fehl-) Entscheid des Kindes war.“

        Was genau das ist, was ich oben als Boshaftigkeit bezeichne. Insbesondere da dieses, wie Herr Hintermeier richtig sagt, nur noch mehr schmerzt. Ich bin auch als Erwachsene sehr glücklich darüber, Menschen wie meinen Mann und einige gute Freunde zu haben, die mir zwar klar die Meinung sagen und Ratschläge geben, aber trotzdem da sind, wenn ich mich anders entschieden habe und von denen ich noch nie ein „ich habe es Dir ja gleich gesagt, aber Du wolltest es ja so“ gehört habe. Meine Kinder sind schlau genug, selber zu merken, dass die Entscheid nicht gut war. Da brauchen sie niemanden, der Salz in die Wunde streut.

      • Sportpapi sagt:

        Gut, wenn die Kinder schlau genug sind. Ich habe oft schon anderes erlebt. Aber gut, wenn sie es selber wissen, muss man es ja nicht mehr erwähnen.

    • Jo sagt:

      Bei mir war es weniger das Verbot, sondern die Eltern mal richtig zu ärgern (ab einem gewissen Alter). Blöd ist es halt, wenn der Vater kocht vor Wut =)

  • Rahel Emmenegger sagt:

    Als Mutter und Bewegungstherapuetin sehe ich oft Eltern, die ihre Kinder in der Bewegunsentwicklung nicht gut unterstützen (Babys hinsetzten und mit Kissen stützen, an den Händen haltend laufen, obwohl das Kind noch nicht gehen kann, mit Angst neben dem Kind stehen, wenn das Kind auf einen Stein klettert…). Wenn Kinder in ihrem Tempo vielfältige Bewegungserfahrungen machen können, entwickeln die meisten ein gutes Gefühl für die eigene Bewegungskompetenz. Dennoch tun sich auch diese Kinder weh und wir als Eltern können einfach liebevoll da sein. Das Kind braucht einen kurzen Rückhalt, damit es die Welt wieder aus eigenen Kräften erkunden kann. Die Kinder lernen so früh, Eigenverantwortung zu übernehmen. Bei wirklicher (Lebens-) Gefahr sind die Kinder natürlich zu schützen!

  • stella3 sagt:

    ich finde es verlogen, dann noch heile heile säge zu singen… wenn man es nicht will und Schadenfreude meinen Kindern gegenüber kenne ich auch nicht. Wenn mein Kind etwas tut, was es nicht sollte und das vor meinen Augen, dann schreite ich ein. Wenn meine Kinder den Bostich nicht nehmen dürfen und es trotzdem vor meinen Augen oder so dass ich es merke, bleibt der Bostich da wo ist und tu nicht so, wie wenn ich es nicht gemerkt hätte, bei einer Ecke des Tisches den Kopf anschlagen kann passieren, wenn ich aber daneben stehe schaue ich nicht zu bis etwas passiert und singe dann verärgert heile heile säge.. so einen Seich habe ich schon lange nicht mehr gelesen! Hier fehlt es an Ehrlichkeit und Erziehung den Kindern gegenüber.

    • Reincarnation of XY sagt:

      das machte mich auch stutzig – Schadenfreude, wenn meine Kinder sich verletzen? Nein, das hatte ich noch nie. Auch nicht Ansatzweise.
      Eltern sollten sich einfach darüber klar sein, dass die nicht hörenden, sturköpfigen und minderbemittelten Kinder ein Produkt ihrer eigenen Gene und Umgangsformen sind.
      Vielleicht hapert es etwas mit Selbsterkenntnis.

      Jedenfalls, meine Kinder haben sich noch nie an der Herdplatte verbrannt, noch sich mit dem Bostich verletzt. Die hören zwischendurch auch auf uns und können auch denken. Das eine ist von Grund auf vorsichtig. Das andere eher ein Draufgänger (hat deshalb den Kopf auch 10mal mehr angeschlagen).

      • Sportpapi sagt:

        Ja hat es jetzt den Kopf angeschlagen oder nicht?
        Man kann sie nicht vor allem bewahren, ohne sie in ihrer Entwicklung zu hemmen. Und auch ihr Denken basiert auf Erfahrungen, die sie gemacht haben. Ängstliche Kinder sind nicht etwa klüger, sondern können Gefahren gar nicht einschätzen.

  • Jeanne sagt:

    Ich möchte mein Mitgefühl für mein Kind nicht verlieren, steckt es doch in einem permanenten Lernprozess, der auch aus schmerzhaften Erfahrungen besteht. Meine Aufgabe ist abzuschätzen, ob ich das Kind einer Gefahr aussetzen kann, ohne ständig die schützende Hand auszustrecken, es aushalten, dass es auch fallen kann und dadurch lernt. Meine Kinder kletterten schon früh auf Bäume, Stühle, sprangen, kletterten. Sie lernten sich zu bewegen, was letztendlich die beste Unfallversicherung war und ist. Es gibt natürlich Gefahren, die ein Kind nicht abschätzen kann, Strasse, Gewässer, Internet etc. Davor müssen wir Kinder schützen und den Umgang sorgfältig begleiten. Aber wenn sie stürzen und weinen ist es auch wichtig sie ehrlich zu trösten und zu ermutigen. Mir tat Richi leid.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Danke vielmal, genauso empfinde ich auch. Mir tun Schönbächlers Kinder leid, in so einer Lieblosigkeit aufwachsen zu müssen. Was geben diese ihren Kindern weiter, und diese den ihrigen usw?

      • Papperlapapi sagt:

        @TAmar: Haben Sie die Sendungen gesehen? War ja eine ganze Serie. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Schönbächlers einen lieblosen Umgang mit ihren Kindern pflegen.

      • tina sagt:

        oh nein, ich auch nicht, im gegenteil. der vater ist halt ein bisschen bärig 🙂 aber die kinder haben es traumhaft dort und sind super aufgehoben.

      • Jo sagt:

        und die Kinder der Autorin – die nur so tut als ob sie das Kind trösten will, aber vor Schadenfreude kaum eine ernste Mine zustande bringt?

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Ich habe 2/3 Mal reingeschaut: ja, ich finde den Umgang innerhalb dieser Familie extrem lieblos, bzw, der Vater ist ein ungehobelter Grobian und die Mutter lässt zu, dass ihr Mann derart mit ihren Kindern umgeht.

        Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.

      • 13 sagt:

        Eine schöne Umgebung kann aber den Tonfall, den der Vater wählt, nicht aufheben. Und was soll dieses: „Dann musst Du Dich, wie ein grosser Bub verhalten.“ Das Kind ist 3,5 kann sich also gar nicht wie ein grosser Bub verhalten, weil er eben ein kleiner Bub ist. Ich kann auch nicht singen, nur weil ich mich wie Céline Dion verhalte. Oder bin ein Genie, wenn ich Albert Einstein imitiere. Tatsache ist, der Vater hat das Kind schlicht fallen lassen. Aber anstatt zu seinem Fehler zu stehen, schiebt er die Schuld noch dem Kind zu. Und damit nicht genug, muss das auch noch medial verwertet werden. Ja, mir tut das Kind auch mehr als leid. Und wer halt so an die Presse geht, muss halt damit rechnen, dass es wirklich Menschen mit Mitgefühl gibt.

      • Jürg. sagt:

        Der Vater bemerkt nicht dass er das Kind überfordert, was hier fatal endet.
        Mit Lieblosigkeit hat das nicht viel zu tun sondern mit einem überforderten Vater.
        Hoffentlich sieht der Vater den Film auch..

      • tina sagt:

        die umgebung ist aber nicht nur schön, sondern gut für kinder.
        was hier vielleicht überbewertet wird: in der sendung ging es nicht um erziehungsmethoden.
        gleich vom gegenteil von liebe und gleichgültigkeit zu sprechen ist einfach total verhältnislos, ebenso wie TvS‘ reaktion mir gegenüber. aber diskussionen auf diesem niveau sind mir zu blöd

      • Sportpapi sagt:

        @13: Natürlich kann sich ein Kind wie ein reifes Kind (=grosser Bub) verhalten. Es geht darum, in einer wilden Umgebung etwas zu dürfen, das Gleichaltrige üblicherweise nicht erleben können. Und entweder klappt es, oder das Kind darf vorübergehend nicht mehr mit. Für mich logisch.
        Und was ich in dieser kurzen Sequenz gesehen habe, erscheint mir auch alles andere als lieblos.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Nein, ein Kind, welches eine Reifestufe noch nicht erreicht hat, kann sich auch nicht wie ein Kind benehmen, welches diese erreicht hat, sonst wäre es ja da. Sie können schon von einem 3jährigen verlangen, sich wie ein 8jähriger zu benehmen, klappen wird es aber nicht. Wie auch?
        Und ich halte es für lieblos, ein Kind, welches (aufgrund des Fehlers des Erwachsenen) gefallen ist, anzuschnauzen. Und erst recht danach zur Mutter zu rennen, bei der das Kind Trost sucht, und es dort noch zu verunglimpfen. Bei Kindern kommt das oft vor, dass eines weinend kommt, weil das andere es gehauen hat und dann kommt das andere angerannt, um zu erklären, das erste habe zuerst gehauen. Von Erwachsenen erwarte ich etwas mehr Reife, aber vielleicht erbringen sie diese auch nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Es ist Ihre immer wiederkehrende Grundhaltung, dass man Kinder nicht erziehen, und nicht frühzeitig zur Selbstverantwortung bringen kann. Obwohl alle früheren Erfahrungen anderes zeigen. Obwohl es kaum ein Land auf der Welt gibt, in dem die Kinder/Jugendlichen so spät reifen, Verantwortung übernehmen, erwachsen werden. Ein Kind kann sehr viel mehr, als man ihm üblicherweise zutraut.
        Auf der anderen Seite sollen wir dann wieder Kinder wie Erwachsene „auf Augehöhe“ behandeln und sie in Entscheidungsfindungen einbeziehen. Was für Widersprüche!

    • D.Meier sagt:

      Ich kann deinen Text zu einem grossen Teil unterschreiben. Ich sehe es ähnlich. Auch mir tat Richi leid. Die Frage ist, ob er schon die Kraft hatte, sich so festzuhalten, wie es der Vater gefordert hat. Eltern können ihre Verantwortung nicht einfach aufs Kind abschieben, wie im Video. Der Vater hätte rausklettern können. Andererseits sind die Gefahren, die wir hier haben und das Leben in der Wildnis auch nicht wirklich zu vergleichen. Dort muss man wohl härter sein, um zu überleben. Manchmal müssten wir mit oder über uns selbst schimpfen. D.h. ehrlich sein und zugeben, dass man selbst die Höhe z.b. falsch eingeschätzt hat und dann einfach beim Kind entschuldigen und es trösten. Kinder verzeihen ja so viel. Aber sie sollten lernen, dass sie zu ihrem Gefühlen, wie Schmerz stehen dürfen.

    • Jeanne sagt:

      Ich kenne Herr Schönbächler nicht. Allerdings in einer Folge haut er dem Richi den Doppelmeter so schnell mal auf den Kopf, in einem Elektronikgeschäft. Finde das etwas eigenartig für eine so religiöse Familie. Ich würde Vater Schönbächler gerne fragen, wie er das so sieht mit Mitgefühl, Bestrafung, Strenge und liebevollen Umgang mit seinen Kindern. Wenn wir Eltern unseren Kindern Mitgefühl, Respekt und liebevollen Umgang nicht vorleben, woher sollten sie es sonst erfahren? Auch wenn sie uns zuweilen herausfordern, ist das noch lange kein Grund bösartig zu werden, im Gegenteil: eine gute Gelegenheit zu zeigen, wie man mit Widrigkeiten umgehen soll. Herr Schönbächler hätte seinen Sohn trösten können und mit ihm üben, aus diesem wirklich hohen Fahrzeug heil herauszuklettern.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Danke 13 und Jeanne.

        Dass die Familie religiös ist, wusste ich nicht, aber erklärt die Gefühlskälte allem und jedem gegenüber, der nicht Gott persönlich ist.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Danke 13 und Jeanne für diese guten Kommentare, ich wusste nicht, dass die Familie religiös ist, erklärt aber die Gefühlskälte allem und jedem gegenüber, der nicht GOtT persönlich ist.

  • Laura Blau sagt:

    Ich habe mich immer gefragt: Ist das, was dein Kind gerade tut lebensgefährlich? Wenn ja: eingreifen. Wenn nein: Weder eingreifen noch etwas sagen.
    Resultat: Das Kind ist heute 15 Jahre halt und hat sich nie ernsthaft verletzt. (Beulen, blaue Flecken und „Blätze“ natürlich ausgenommen.) Es ist auch sehr sportlich geworden und weiss, was es verträgt und was nicht. Es ist mir klar, dass jedem ein Unfall passieren kann. Aber Kindern, denen ein gutes Körpergefühl mitgegeben wird, passiert das vermutlich seltener.
    Übrigens finde ich es auch übertrieben, einem Kind zum Rollschuhfahren usw. Schoner anzuziehen. Dabei lernt es nur, auf die besonders gefährdeten Körperteile zu fallen und hat dann diesen Reflex auch, wenn es keine Schoner trägt.

    • Marcel sagt:

      ähmmm, also einem 3 jährigen Schoner und Helm finde ich auch übertrieben. Aber wenn er 15 ist und ordentlich Gas gibt, muss der Schutz stimmen. Bei den kleinen Knirpsen kann nicht viel passieren, dazu ist der Weg von oben nach unten einfach zu nahe. Ich bin mir aber zu 99% sicher, dass viele Eltern den Kindern nicht helme kaufen weil sie es wollen, sondern weil sie Angst haben als Rabeneltern bezeichnet zu werden.

      • alam sagt:

        Sobald ein Kind – egal wie gross – auf Rädern unterwegs ist, gehört ein Helm auf den Kopf. Klar haben Schädel-Hirn-Traumata nur selten bleibende Folgen, trotzdem: Muss man das Risiko eingehen, wo es so einfach zu vermeiden wäre? Wer Kinder kennt, die dabei kein Glück hatten, wird nie mehr solchen Käse erzählen.

  • Carla sagt:

    Ja, Schadenfreude. Weil irgendwann die Phase kommt, in der die Kinder extra nicht gehorchen. Das Mami mit berechnendem Blick ansehen, während sie etwas Verbotenes machen, lächelnd. Immer und immer wieder. Mami ist auch nur ein Mensch und bekommt mit der Geburt nicht extra Nerven aus Stahl geschenkt. Ich habe schon oft gedacht „Das geschieht Dir jetzt recht!“ Nicht immer und ausschliesslich- aber es kommt vor.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Ja, ich bin auch nur ein Mensch, aber sorry, ich habe NIE empfunden, dass meinen Kindern recht geschieht, wenn sie sich was getan haben. Ich habe viele Fehler, aber Schadenfreude gegenüber meinen Kindern gehört nicht dazu. Nur, weil ich Recht hatte? Finde ich überirdisch.

    • Jo sagt:

      Vielleicht zu oft verboten – ohne dass das Kind gelernt hat, wenn was verboten wird wird’s wirklich böse?

  • Marcel sagt:

    Ich bin der festen Überzeugung, dass Schmerz aus der Aktion, mit dem Lerneffekt eng zusammenhängt. Auch wir Erwachsene lernen noch heute erst, wenn es uns weh tut oder wir einen Unfall haben, vorher sind wir einfach uneinsichtig. Das gilt leider auch für meine und viele andere Kids. Man kann noch so oft sagen es ist HEISS, der Kleine spürt es erst wenn er sich mal die Finger verbrannt hat. Seit da an? Nie wieder am Kochherd gesehen. Hör auf die Katze zu ärgern… Tja, jetzt weisst du, wie die Krallen einer Katze weh tun. Von daher: Es ist schlimm wenn man die Kinder ihrer Erfahrung beraubt, indem man sie permanent beschützt, weil genau aus dem Schmerz lernen sie. Wichtig ist nur, dass man sie vor dem gröbsten bewahrt, alles andere dient der Lehre zum Leben.

    • 13 sagt:

      Alles richtig. Das Traurige am Ganzen erscheint mir eher, dass manche Eltern die Lektion, dass die Eltern recht hatten und man auf sie hören soll, als wichtiger empfinden, als diejenige, dass die Herdplatte heiss ist. Anders kann ich mir die Schadenfreude oder die Boshaftigkeit dieser Eltern, mit einem „Ich hab es Dir ja gesagt“ noch eins drauf zu geben, nicht erklären.

      • Marcel sagt:

        So habe ich es nie empfunden. Es tut mir leid wenn sich die Kids verletzen, aber wie schon meine Mutter sagte: „Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Ich finde es auch der falsche Ansatz, dass man sich der Schadenfreude oder der Rechthaberei bezichtigen muss, nur weil man ja eben wusste dass es passiert. Ich nicke meistens nur in mich hinein und leg nicht mal die Zeitung weg, wenn ich es dann rumsen höre und das Geheule anfängt, weil die Warnung und der Versuch zu erklären, was den Kids wiederfahren könnte, habe ich gemacht. Nun sind die Fakten dran, etwas Licht in die dumme Welt der Erwachsenen zu bringen. :o) Natürlich gibt’s auch von mir ein „Isch nöd so schlimm, tuet gli nümme weh.“

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Ist so, wie ich es meine. Ich versuche meine Kinder vor Schaden zu bewahren, aber wenn sie entgegen meiner Warnung/Rat dich trotzdem weh tun, haben sie meinen Trost verdient, immer.

        Das gilt nicht nur bei meinen Kindern, sondern auch bei meiner Familie und Freunden. Selbst wenn ich „es“ voraussehe, nie bekommt jemand „ich habe dich ja gewarnt“ von mir zu hören.

      • tina sagt:

        dafür dass du dermassen darauf hinweist, wie korrekt du dich verhältst, bist du aber erstaunlich vernichtend in deinen texten (weiter unten, da tun dir schönbächlers kinder leid, du nennst es ein schönbächlersyndrom und kommst mit mittelalter). kommt nicht so glaubwürdig rüber, weil passt nicht unter den selben hut

      • Sportpapi sagt:

        Ich sehe da keine Schadenfreude oder Boshaftigkeit.
        Aber vielleicht kommt auch etwas Ärger dazu, da es doch in der Regel (zumindest auch) die Eltern sind, die es wieder ausbaden?

      • 13 sagt:

        Die Eltern müssen es ausbaden, wenn sich das Kind die Hand verbrennt?

      • Sportpapi sagt:

        Selbst das. Ich erinnere mich noch gut, wie unser Sohn mal die FInger so stark auf den heissen Grill gehalten hat, dass wir umgehend das Familienfest im Wald verlassen mussten.
        Oder an das Kind, das in den Bergen ins kalte Wasser fiel und dann mit Vaters warmen Kleidern den Tag verbrachte.
        Oder das Kind, das wir gestern auf dem Berg getroffen haben, das unbedingt barfuss spielen musste. Und sich dann so die Füsse verschnitt, dass der Vater das Kind über eine Stunde den Berg runter tragen musste. Usw. Es ist nicht so, dass nur das Kind den Schaden hat.

    • Jo sagt:

      Ich würde es jetzt nicht auf Schmerz reduzieren. Auch ein Schrecken kann ein lernen bewirken. (Fast heruntergefallen zu sein, und sich ganz fest zu erschrecken nützt auch)
      Aber man muss ja auch lernen was „Heiss“ ist!?
      Das hört ja bei Erwachsenen nicht auf 😉 Ich „weiss“ auch, eine Geburt ist kein Zuckerschlecken…. aber wirklich wissen tu ich es erst, wenn ich das erlebt habe.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ tina

        Finden Sie sich einfach damit ab, dass ich grundsätzlich immer für die Wehrlosen Partei ergreife, dass heisst Kinder, Alte, Kranke, Behinderte und Tiere, aber sicher nie für jene, welche ihre Übermacht gegenüber Schwächeren ausnutzen, also auch nicht für Eltern gegenüber ihren Kindern.

        Wenn meine Ethik nicht unter Ihren Hut passt, dann sagt das mehr über Ihr Charakter aus, als über meinen. Nun, das Recht des Stärkeren mag Ihre Kultur sein, meine ist es nicht.

      • tina sagt:

        patz, holzhammer über die rübe, na danke. ich habe doch nirgends das recht des stärkeren propagiert.
        stichwort diskussionskultur…..?

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Sorry Tina, wenn Sie so vehement Eltern verteidigen, die derart grob mit ihren Kindern umgehen, sie einfach runterfallen lassen und sogar schlagen, auch mit Gegenständen (siehe Kommentar Jeanne), dann brauchen Sie sich nicht zu wundern. Und Sie kommen mit der schönen Umgebung, in denen diese Kinder aufwachsen und vor dem unschönen Rest verschliessen Sie die Augen.

        Wir wohnen auch ab vom Schuss, auf dem Bauernhof ohne Verkehr und mit viel Natur. Ist das jetzt ein Freibrieb, meine Kinder zu schlagen?

  • Philipp Rittermann sagt:

    nun ja. kinder sehen gefahren nicht wirklich. das ist fluch und segen zugleich. nicht alle latent vorhandenen potentiellen gefahren bedürfen einer über-vorsichtigkeit. ansonsten man die kids gleich „wegschliessen“ müsste. es liegt wohl im ermessen der eltern, welche der gefahren prioritär zu gewichten sind. beispielsweise strassenverkehr, heisse herdplatten u.ä. bei „kindes-alltäglichen“ fallen wie spielplätzen, ecken und kanten, usw. spricht meist das verhältnis gefahr vs verletzung für die unverkrampfte spontanreaktion der kinder, mit vergleichsweise wenigen kollateralschäden. glücklicherweise haben kinder – ähnlich wie katzen – 7 leben.

  • 13 sagt:

    Die ganze Geschichte bringt mich einmal mehr auf die Frage, wie Kinder lernen. Dadurch, dass die Mutter/der Vater sagen: „pass auf, wenn du herumrennst, schlägst du dir den Kopf an die Tischkante auf und das tut weh!“ oder wohl eher dadurch, dass sie sich eben den Kopf anschlagen? Wohl eher das zweite. Und doch sage ich es auch, immer und immer wieder. Warum? Um mein eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen, wenn es doch passiert. Nicht im Sinne von „ich habs dir ja gesagt“, sondern „zumindest habe ich es versucht“. Und natürlich kommt dann Mitleid. Eifach weil gewisse Erfahrungen so wichtig sie auch sind, weh tun und wen man liebt, würde man doch gerne von Schmerzen fernhalten. aber Schadenfreude? Aus dem Schmerz des Kindes ziehen?

    • Sportpapi sagt:

      Zum Lernen gehört auch, zu merken, wem man in welchen Themen vertrauen sollte. Man kann nicht jedes Rad neu erfinden.
      Insofern ist es eben auch wichtig, dass Kinder merken, dass Eltern öfter mal recht haben – wenn es denn so ist.

  • Malena sagt:

    Spannendes Thema. Wir überprüfen fast reflexartig unsere eigene Rolle/Mitschuld an einem Missgeschick oder Unfall, und thematisieren dies im ersten Ausruf, oft noch vor dem „wo tut es weh?“. Und das Muster beschränkt sich ja nicht auf die Beziehung zu kleinen Kindern, ist auch unter Grossen ähnlich. Warum? Weil wir das Missachten unseres Ratschlags/Befehls als Kränkung empfinden? Um der Welt um uns herum mitzuteilen, dass wir unsere Elternpflicht im Fall korrekt erfüllt haben und nichts dafür können? Oder um unsern Status als weise und wohlwollende Autorität zu stärken beim Kind im Sinn der Prävention, damit es beim nächsten Mal vorher besser auf uns hört?

    • Carolina sagt:

      Ihr Beitrag, Malena, gefällt mir bislang am besten – diese Beobachtungen, die in die von Ihnen gestellten Fragen münden, mache ich auch. Passt auch gut zu dem, was 13 unten sagt: dass bei manchen Eltern das Rechthaben (siehst Du, ich habe es ja gesagt) wichtiger zu sein scheint als die Tatsache, dass Kinder nun mal Grenzen ausprobieren – und zwar immer und immer wieder.
      Die reflexartige Ueberprüfung unserer eigenen Rolle (Mitschuld) kann man allerdings auch positiver sehen: vielleicht wird der einen oder dem anderen dadurch auch klar, dass wir unser eigenes Verhalten und unsere eigenen Muster ab und an überprüfen müssen und vielleicht einsehen müssen, dass wir irgendwelchen Aeusserlichkeiten mehr Stellenwert einräumen als dem Wohl der Kinder.

      • Malena sagt:

        Danke Carolina. Und so negativ meine ich es ja gar nicht. Ich hinterfrage Verhalten kritisch, es ist nicht meine Absicht, Eltern zu bashen, die reflexartig zuerst die Verantwortung zuteilen und verbal zu verstehen geben, dass sie ihren Teil korrekt erledigt haben. Das ist auch die menschliche Natur. Ich finde es aber schon wichtig, dass wir Gelegenheiten zur Selbstreflexion und -kritik wahrnehmen, und unsere Selbstgerechtigkeit in der Tendenz eher reduzieren als zementieren.

      • Sportpapi sagt:

        Wenn ich ein Kind daran erinnere, dass ein Unfall in seiner eigenen, möglicherweise erkämpften Verantwortung geschehen ist, dann geht es nicht darum, mich reinzuwaschen.

  • Jo sagt:

    „Natürlich küsse ich pflichtbewusst auch dieses Händchen, aber mit einem Blick, den der Sohn schon zu interpretieren weiss: I ha dr doch gseit …!“

    Das finde ich persönlich ganz schlecht. Wieso dann nicht sagen? Hier lernt man dem Kind, nicht auf sein Gespür zu hören.
    Ist es nicht ehrlicher zu sagen: „I ha der doch gseit du söllsch ned.“ Und vielleicht auch erklären, dass es der Mama auch weh tut, wenn sowas passiert. Und dann: Ehrlich trösten ohne unterschwellig schadenfreudig oder was auch immer zu sein.
    Manche lernen nach dem ersten mal heisse Herdplatte, manche müssen es mehrmals testen… nur vom hören lernt man nicht – zum Glück. Kinder müssen lernen zu hinterfragen – sonst hat man ein haufen Schäfchen, die irgendwelchen Wölfen in den Tod folgen….

    • Reincarnation of XY sagt:

      richtig – Ehrlichkeit in der Kommunikation ist immer das Beste.
      Etwas anderes sagen, als man denkt und fühlt…. da lernen die Kinder nur, dass sie es selbst auch so machen.

    • k. miller sagt:

      Ein bisschen Probleme habe ich mit dem „das es der Mama auch weh tut“. Sprüche in dieser Richtung habe ich als Kind viele abbekommen, und dadurch ein dauerhaftes schlechtes Gewissen bekommen, wenn ich mich später für etwas entschieden habe, was zwar gut für mich war, aber den Vorstellungen meiner Eltern entgegen lief. Hielt bis ins Erwachsenenalter an. Übertreiben sollte man es mit diesen Aussagen bitte nicht. „Der Mama zulieb“, „die Mama hat nicht gern wenn du…“, „der Mama tut es weh wenn du…“.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Ehrlich sein Gefühl mitteilen, ist ok. Ist man jedoch eine manipulative Persönlichkeit, sind solche Sätze natürlich Gift.

        Daraus lernen wir: was wir tun und sagen ist letztlich zweitrangig, unser Motiv hingegen und aus welcher Beziehung heraus etwas geschieht, das wird immer das Wichtigste bleiben.

      • Jo sagt:

        Ganz klar Ihrer Meinung! Kenne dieses Gefühl auch zu gut und wollte damit nicht sagen, dass man es missbrauchen soll.
        Geht mehr um die Vorstellung, dass Mama oder Papa etwas nicht aus purer Freude verbietet – sondern dass eben was passieren kann..

  • Hans Hintermeier sagt:

    „und manchmal werde ich laut und wütend – auf mein Kind, weil es wieder nicht auf mich gehört hat und jetzt unnötig Tränen fliessen, aber vor allem und viel mehr auf mich selber, weil ich nicht besser aufgepasst habe.“
    Ja, ich glaube das ist wahrscheinlich die Hauptmotivation für das Richi-Mantra. Wenn man dem Kind vorgängig gesagt hat, dass es aufpassen soll/respektive es nicht machen soll, dann weiss das das Kind auch. Es ist nicht nötig es noch extra zu sagen, ausser man möchte es auch ärgern. Aber ist ja nicht schlimm, wir sind alles nur Menschen und solche Sprüche sind ein Stück weit auch natürlich. Also mich als Kind hat dieses Richi-Mantra damals noch mehr genervt, als der jeweilige Schmerz am Kopf, wusste ich es doch selber, wollte es aber versuchen.

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