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Der Tarnkappen-Chauvinist

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 22. Mai 2013

Ein Papablog von Réda El Arbi.

Mamablog_Kutcher

Weiche Schale ist heute angesagt: Ashton Kutcher im Film «New Year's Eve» (2011). Foto: New Line Cinema

In den 70ern erkannte man einen Macho schon am Äusseren: Harte Schale, weicher Kern. Heute sind sie aussen matschig wie Apfelmus, dafür innen hart wie Kruppstahl.

Sie sind meist gut verdienender Mittelstand, oft kreativ, urban, wählen häufig links oder wirtschaftsliberal. Sie verkünden wortreich Gleichberechtigung und geben vor, sich starke Partnerinnen zu wünschen. Der neue, urbane Macho ist auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen. Er gibt sich einfühlsam, verständnisvoll und aufgeschlossen. Er zeigt Gefühle, oder das, was er dafür hält, hört zu und weint manchmal. Meist aber aus Selbstmitleid. Und er trägt mit Vorliebe längere Haare, um seine feminine Seite zu unterstreichen.

Ich erkenne ihn, wenn er in Männerrunden sitzt, chauvnistischen Scheiss von sich gibt und seine Maske fallen lässt. Er will, dass seine Frau gebildet ist und eigene Projekte hat. Er will, dass sie einen guten Job hat, irgendwas, mit dem man vor Freunden angeben kann. Er gibt mit ihrer Ausbildung an, fährt ihr aber in Gesellschaft trotzdem über den Mund (rein ironisch natürlich), wenn sie anderer Ansicht ist und auch Argumente dafür hat. Er liebt ihren guten Job, hasst es aber insgeheim, wenn sie erfolgreicher ist oder mehr verdient.

Er unterstützt ihre Karriere, bis dann Kinder kommen. Dann unterstützt er seine Liebste in der Sichtweise, dass nur eine Mutter in den ersten Jahren eine adäquate Betreuung für die Kleinen ist. So schiebt er ihr Mutterschaft als einen Ersatz für Selbstwertgefühl unter und muss in seinem Leben nichts ändern. Plötzlich ist die Familie eine so wichtige Entscheidung, dass man (sie) auch Opfer dafür bringen muss. Und überhaupt, er verdient ja genug. Sie muss ihre Projekte nicht für den Lebensunterhalt weiterführen. Sie kann das ja nebenbei weitermachen, als Hobby sozusagen ...

Es sind die Typen, die weinen, wenn sie beim Fremdgehen erwischt werden. Die sich als Opfer ihrer Natur bemitleiden und schon mit der letzten Träne nach neuen Opfern schielen. Es sind die Typen, die Dalai Lama zitieren, während sie ihre eigenen Projekte in gehetzter Egomanie durchpeitschen und über die Bedürfnisse von Familie und Partnerin hinwegtrampeln.

Natürlich sind sie offen. Offen für alles. Sie träumen von einem Dreier mit ihrer Freundin. Solange die Dritte eine Frau ist, die sie selbst auswählen – und nicht etwa ein Mann. So offen sind sie dann doch nicht.

Und wenn sie selbst betrogen werden schlagen sie zu. Um dann wieder zu weinen.

Soweit, so bekannt. Warum nur präsentieren wirklich kluge, selbstständige Frauen solche Idioten voller Stolz ihrem Freundeskreis. Früher hiess es «Harte Schale, weicher Kern». Inzwischen ist die Mogelpackung wieder beim «weiche Schale, harter Kern» oder der Wolf im Schafspelz. Was mich am meisten nervt an diesen Typen, ist, dass sie sich selbst wirklich für emanzipiert und aufgeschlossen halten. Sie wissen nicht mal, dass sie die gleichen alten Machos sind, einfach in Hipsterklamotten und mit viel mehr Tränen. Früher hatte man einen Macho direkt erkannt, jetzt erkennen sie sich nicht mal selbst.

Aber in einem Detail verrät der neue Tarnkappen-Macho sich: Liebe Damen, wenn ein erfolgreicher Typ euch Paolo Coelho zitiert, haut ab! Oder noch besser: Haut zu!

Réda El Arbi ist Mitinhaber der Kommunikationsagentur SeinSchein, Autor, Geschichtenerzähler und Stadt-Blogger bei «Züritipp».

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229 Kommentare zu „Der Tarnkappen-Chauvinist“

  1. Manfred Meier sagt:

    Der ungeniessbare Typ heisst Paulo Coelho, nicht Paolo. Aber sonst: Word; nein, Doubleword.

  2. Kim Mueller sagt:

    Danke Mr. El Arbi, das war jetzt sehr amüsant.

  3. “Was mich am meisten nervt an diesen Typen, ist, dass sie sich selbst wirklich für emanzipiert und aufgeschlossen halten. Sie wissen nicht mal, dass sie die gleichen alten Machos sind, einfach in Hipsterklamotten und mit viel mehr Tränen.”

    Das klingt fast so, als sei es eine schlechte Sache, ein Macho zu sein. Diese sichtweise ist falsch und zeugt vom verweichlichten männlichen Selbstverständnis heutiger Tage. Ich fordere zu mehr Machismus auf, denn danach trachten Frauen insgeheim!

    • Reda El Arbi sagt:

      Das heisst Machismo. Und Frauen trachten nicht danach. Wenn schon, verzehren sie sich danach. Oder sie sehnen sich, so wie auf den Buchumschlägen der Adels-Groschenromane. Alle Frauen. Ich schwör!

  4. Tonia sagt:

    Pseudofrauenversteher waren mir schon immer suspekt…

    Alphamachomännchen sind da viel einfacher zu führen..

  5. Michael Seba sagt:

    Hauptsache Männer-bashing und Recycling von uralten Schlachtworten wie “Chauvinismus” und “Macho”. Der beschriebene Typ Mensch ist doch einfach nur der typische passiv-aggressive Durchschnittsbünzli mit schlecht verschleierten Selbstzweifeln. Davon gibts unter Frauen genau so viele, und die Charaktermerkmale äussern sich gar nicht so anders. Ich frage mich, ob der Autor selbst sich bewusst ist, dass er genausowenig genderfrei ist wie die von ihm beschriebenen Subjekte. Worin liegt denn der gesellschaftliche Mehrwert von solchen Texten?

  6. Karin S. sagt:

    Uiih, da fühlen sich ja mal wieder mächtig viele Männer angegriffen… mag sein, dass es solche Typen schon in den Hippiezeiten gab, trotzdem sehr aktuell.

  7. Zähmer sagt:

    Nanu, soviel männliche Selbstverachtung? Über diese Anbiederung werden sich die Feministinnen aber freuen (bzw. nur hämisch grinsen, weil es eh vergeblich ist). Als Typus gibt es diesen angeblichen neuen Macho mit seinen scheinbar genau definierten Eigenschaften genauso wenig wie viele andere Typen. Im übrigen lehnen viele Frauen (bzw. genauer gesagt v. a. Medienfrauen) die echten Machos offiziell ab, verzehren sich aber heimlich schier nach ihnen. Esther Vilar hat das und vieles andere in ihrem Meisterwerk “Der dressierte Mann” bereits gründlich und für alle Zeiten mustergültig aufgearbeitet.

  8. Tonia23 sagt:

    Bester Beitrag, den ich je auf auf dieser Seite gelesen habe :-)

  9. Perkin Elmer sagt:

    Wieso nur ist immer der erste Gedanke der mir bei Typen mit Unterlippenbärtchen in den Sinn kommt, hoffentlich hat der nichts mit Kindern zu tun. Bis zu diesem Artikel wäre ich nie auf die Idee gekommen, diesen Gedanken auszusprechen.Aber wenn einer anhand des Aussehens einen Anderen beurteilt und zu wissen meint wie jemand ist und wie jemand tickt, dann hat er es nicht anders verdient, auf die gleiche Art und Weise schubladisiert zu werden.Nur so ein kleiner Hinweis.Es gibt wahrscheinlich mehr Männer mit kurzen Haaren die ihre Frauen scheisse behandeln – weils evtl mehr kurzhaarige davon gibt

    • Reda El Arbi sagt:

      Naja, ihre Fantasien zu Unterlippenbärtchen sollten Sie mal mit Ihrem Therapeuten besprechen. Ausserdem sagte ich nicht, alle Männer mit langen Haaren seien Tarnkappen-Chauvis, sondern diese hätten eine Vorliebe für lange Haare.

      Oder behaupten Sie auch, weil Prostituierte gerne Miniröcke tragen, seien alle Minirock-Trägerinnen Prostituierte? Lesen Sie, was geschrieben steht, nicht, was sie das Gefühl haben, stehe da geschrieben.

  10. erika sagt:

    … bitterböse, aber ziemlich treffend… danke für die warnung!!! ;-)))

  11. sabine sagt:

    “Liebe Damen, wenn ein erfolgreicher Typ euch Paolo Coelho zitiert, haut ab! Oder noch besser: Haut zu!” In der Tat, ein wirklich gebildeter und intelligenter Mensch – ob Mann oder Frau – wird automatisch die Flucht ergreifen, wenn Paulo Coelho auf den Plan tritt. Gott bewahre uns vor diesen urbanen, kreativen, pseudoemanzipierten Kriegern des Lichts, die, wenns drauf ankommt, eiskalt ihre Interessen durchsetzen, ein Kalendersprüchli vom Dalai-Lama zitierend. Dass Frauen auf sowas reinfallen, zeigt wohl, dass die Auswahl so gross nicht sein kann: frau nimmt halt, was zu haben ist.

  12. Christoph sagt:

    Stimmt alles ganz genau… Nur längere Haare habe ich keine ;)

  13. Eleganz sagt:

    Irgendwie kommt dieser Artikel verbittert rüber.

    Und nein, ich mag Typen wie Ashton Kutcher nicht. Habe lieber einen mit harter Schale bzw. einen richtigen Mann, statt so einen Softie.

  14. Ein sehr genialer Beitrag. Habe schon lange keinen Beitrag mehr so gefesselt gelesen. ;) Dankeschön.

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