Ein Gastblog von Réda El Arbi.

Exotisch, temperamentvoll und irgendwie lasziv: Tanzende in den Strassen von Buenos Aires. (Foto: Keystone)
Von Sonntag bis Freitag 19.00 Uhr sind sie selbstbewusste Frauen, leisten ihren Beitrag im Beruf, sind politisch interessiert oder sogar aktiv, und lassen sich nicht wie Küken behandeln – im Gegenteil! Sie sagen klar an, was sie sind und was sie wollen. Machismo und Chauvinismus hat bei ihnen keine Chance, wird mit klaren Argumenten und mit Tricks aus dem Selbstverteidigungskurs weggefegt. Respekt!
Aber Freitag abends wechseln sie die Persönlichkeit wie Werwölfe bei Vollmond. Sie ziehen sich gürtelbreite Röckchen oder Kleidchen mit Seitenschlitz bis zur Achselhöhle über, schlüpfen in Prinzessinnenschühchen und machen sich auf den Weg in den lateinischen Tanzpalast. Egal ob, Salsa, Tango oder Lambada, Hauptsache exotisch, temperamentvoll und irgendwie lasziv.
Plötzlich entdecken sie ihr Herz für eine Kultur, deren Frauenbild noch irgendwo im 18. Jahrhundert vor sich hindämmert. Sie lassen sich führen, dominieren und auf ihre Weiblichkeit reduzieren. Es stört sie nicht, dass ritualisierter Sexismus das Herz der Latino-Tanzszene ausmacht. Es ist, als ob sie die Mickey-Mouse-Sexualität in diesem klar umrissenen, vom Alltag abgegrenzten Setting eher ertragen, als echte, schmutzige Erotik.
Natürlich führt der eine oder andere Tanz dann auch mal zu einem horizontalen Lambada, wo Frau nicht selten erfährt, dass der schöne Latino sich kaum um die weiblichen Bedürfnisse im Bett kümmert. Noch schwieriger wirds, wenn Mama Chica Ursula oder Elsbeth eine Beziehung mit einem ihrer Latino-Lover eingeht und herausfindet, dass der Angebetete sie nicht als vollständige Partnerin betrachtet, sondern, wie in der Macho-Kultur vorgesehen, als schönes Beiwerk. Ausserdem wird er wahrscheinlich seine beweglichen Latin-Hüften weiterhin mit anderen, grossäugigen Tanzpartnerinnen schütteln, auf dem Parkett und auf dem Laken. Und nein, das sind keine Vorurteile, sondern Beispiele, in meinem Bekanntenkreis oft belegt.
Sie denken, ich sei eifersüchtig? Ich hab mit meiner arabischen Herkunft selbst vom Exotenbonus profitiert, als ich es noch nötig hatte. Trotzdem verstehe ich nicht, wieso das Frauen ihren Grips und ihre Würde der Sehnsucht nach platter Romantik und unverhohlenem Sexismus opfern.
Liebe Damen, holen Sie sich ihre Sexualität in den Alltag zurück. Lassen Sie lieber am Montag im Büro Ihre emotionale Rüstung fallen, als am Freitagabend ihr Selbstwertgefühl in ritualisiertem Sexismus zu baden. Romantik und Erotik finden im echten Leben statt, jeden Tag – und nicht auf dem Parkett in einstudiertem Rollenverhalten, das schon unsere BH-verbrennenden Mütter und Grossmütter als hirnrissig entlarvten.
Réda Philippe El Arbi ist Mitinhaber der Kommunikationsagentur SeinSchein, Autor, Geschichtenerzähler, Kolumnist bei Clack.ch, Stadt-Blogger bei Züritipp.ch, Haustiersitter und war kurze Zeit Herausgeber des Zürcher Satiremagazins «Hauptstadt». Er schreibt, weil er nicht anders kann.



Nina Merli war Journalistin für «Facts» und «Annabelle» ist heute Reporterin bei Newsnet und leitet den Mamablog. Sie ist Mutter einer Tochter und lebt mit ihrer Patchwork-Familie in Zürich.
Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. 


































































irgendwann macht es als Mann auch gar keinen Spass mehr irgendwas zu machen weil eben fies und gemein
reda philippe el arbi, sie schrieben den sensationellsten artikel, ich habe mich fast zu tode gelacht!!!! vielen dank und bitter, weiter so…….sie haben sooooooooooo recht!!! die wahrheit ist doch, frauen sollten frauen sein, und männer eben männer, im wahrsten sinne des wortes…………welches nicht ein zeichen der schwäche oder stärke ist sondern einfach realität und damit die schönheit des lebens…….
Trotzdem verstehe ich nicht, wieso das Frauen ihren Grips und ihre Würde der Sehnsucht nach platter Romantik und unverhohlenem Sexismus opfern.
=> Weil die Frauen halt genau SO sind.
Noch Fragen?