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Andrea Fischer am Dienstag den 9. Oktober 2012

Die Freiheit, eine Tussi zu sein

Mamablog

Frauen sollen selbst entscheiden, wie sie sich präsentieren wollen: Dolly Parton bedankt sich in Nashville bei ihren Fans, März 2010. (Foto: AFP)

Dolly Parton erzählt, dass sie als Kind im Dorf eine Frau gesehen habe mit glasklaren Absätzen und Goldfischen drin. Als Sie ihrer Mutter mitgeteilt habe, sie wünsche sich eines Tages auch solche, soll die ausgerufen haben, das sei billig. «That’s what I want to become, then», soll die Ikone aller Blondinen darauf gekontert haben. Und es blieb das Motto Ihres Lebens.

Niemand muss danach leben. Aber ich will. Im Moment sind Tussis ja grad wieder arg unter Beschuss. Gemeint sind Frauen, die sich vor allem auf ihr Äusseres konzentrieren und die so als schlechtes Vorbild für nachkeimende Generationen junger Mädchen gelten. Warum eigentlich? Offenbar gilt immer noch der Generalverdacht, dass Frauen, die sich mit Hingabe stylen und mit ihrem Äusseren experimentieren, dies prinzipiell auf Kosten ihrer Leistungen und Fähigkeiten tun. Vor allem, wenn sie den Effekt des Lolita-Modelles testen.

Solche Frauen versäumen es anscheinend, Teenies vor dem Weghungern von Kilos, Aufpumpen von Brüsten und Lippen abzuhalten. Ich finde diesen Trend auch bedenklich und trist, und auf Schlauchbootlippen steh ich auch nicht, zumindest nicht auf die falschen, denn die bewegen sich beim Sprechen in etwa so natürlich wie der Papst beim Sex.

Dennoch freue ich mich darüber, dass viele der aufsteigenden Stars und auch der normalen Mädels sehr bewusst mit ihrem Äusseren punkten, und der Botox-Silikonwahn wird auch vorübergehen. Diese Frauen sind dabei in nichts zu vergleichen mit den Tussis und Tüpfis der Fünfziger und Sechziger. Die neuen Tussis können etwas. Aber sie meinen nicht mehr, dass man das dadurch unterstreichen muss, dass man nicht mit seiner Eitelkeit spielt oder sie verleugnet.

Als ich Anfang der Neunziger an der Uni Biologie studierte, war ich eine der wenigen in der Fakultät, die geschminkt und mit hochhackigen Schuhen aufkreuzten. Ich hab nie eingesehen, warum bei allem wo «Bio» drin ist auch «Bio» draufstehen soll. Im Hörsaal Notizen machen kann man bestens auch in Highheels und mit roten Lippen und zwar unabhängig davon, ob da vorne grad das Obligationenrecht oder die Dynamik von Ökosystemen erklärt wird.

Viel später hat mir einmal ein Kommilitone (klingt irgendwie ein bisschen militärisch, so nach Uniform) gesagt, er hätte es nicht fassen können, als er mich dann auf einer Exkursion in Windjacke und Wanderschuhen gesehen hätte – sowas hätte er mir nie zugetraut. Interessant, dass hier die Tussi-Outfits offenbar nicht meine mentalen Fähigkeiten beeinträchtigt haben, sondern die eines Aussenstehenden. Und genau das scheint immer wieder zu passieren, wie die meisten Frauen wissen.

Allerdings ist die Entwicklung grundsätzlich erfrischend: Seit ein paar Jahren sieht man immer mehr gestylte Frauen, egal an welcher Fakultät, egal in welchem Beruf. Damit haben wir uns offenbar emanzipiert vom Diktat, das sich die Frauen in den Siebzigern gleich selber verpasst haben: Eine Frau, die etwas auf sich hält, macht auf natürlich. Also entweder schick oder schlau. Natürlich ist ja auch super, wenn freiwillig.

Und doch sind wir das Entweder-oder-Denken noch immer nicht ganz losgeworden. Das finde ich höchst bedauerlich. Ein Mann ist ja auch nicht entweder Muskelpaket oder Professor, sondern in der Regel eine ganze Menge irgendwo dazwischen.

Abgesehen davon, dass es veraltet ist, hat mir das Entweder-oder-Denken durchaus schon viele gute Dienste geleistet. Nicht meines, aber das der anderen. Zum Beispiel bei Interviews, wenn einem der Partner zuerst für etwas dööflich hält und darum hemmungslos drauflos plaudert. Unbezahlbar. Oder um es in den Worten einer Freundin zu sagen: «Es ist gut, immer noch mindestens einen Pfeil im Köcher zu haben.» Zum Beispiel Köpfchen.

Ich wünsche mir darum, dass junge Frauen das Frausein abfeiern, in allen Facetten, die ihnen gefallen, egal ob das Bling-Bling oder Naturlook ist und je nach Laune oszillieren zwischen allen möglichen Erscheinungsformen. Das bedingt, dass wir Frauen uns gegenseitig genau das zugestehen: die Fähigkeit, selber zu entscheiden.

Das können wir uns wirklich leisten. Wenn wir wollen. Nicht umsonst ist Dolly Parton seit Jahrzehnten eine der Iron Ladies im Showgeschäft und lässt sich von niemandem etwas vormachen, ausser vielleicht von ihrem Schönheitschirurgen. Oder wie sie jeweils am Anfang von Konzerten trällert: «Thank you for buying my tickets, because it costs an awful lot to look that cheap.»

514 Kommentare zu „Die Freiheit, eine Tussi zu sein“

    • Blitz Blank sagt:

      “Das Leben ist härter als jeder Schw*nz.”

      (Spruch auf einem Sessellift in Samnaun)

      • Katharina sagt:

        der ist nun aber primitiv, bb.

      • Katharina sagt:

        du bist wohl einer jener trottel, die bei country auf Gehirn ausschalten machen.

      • Blitz Blank sagt:

        @Katharina

        Immer zuerst schiessen, dann fragen?

        Ich finde den Spruch alles andere als primitiv!
        Ich finde ihn genau passend für jene gloriosen Männlichkeitserzählungen vom “Super-Mann”, der alles im Griff/unter Kontrolle hat.
        Das Leben kann man eben nicht im Griff haben auch der härteste Schw*nz (=potenteste Supermann) nicht.

        Anderer Meinung?

      • gabi sagt:

        “Fistik sagt:
        9. Oktober 2012 um 23:51

        Lea hat Brüste !

        Blitz Blank sagt:
        10. Oktober 2012 um 07:42

        @Fistik

        Grausam lustig!

        Ab ans Dorffest oder die Fasnacht zu ihren Kollegen.”

      • Katharina sagt:

        erstens hast du den song wohl nicht verstanden, denn es geht um die dekonstruktion des superman images zweitens dann als replik einfach zu schreiben “Das Leben ist härter als jeder Schw*nz.”, statt was du soeben geschrieben hast, ist primitives getrolle und spruecheklopfen auf stammtischniveau.

      • Blitz Blank sagt:

        @Katharina

        “denn es geht um die dekonstruktion des superman images”

        Genau das habe ich im Song verstanden. Sorry, sorry, sorry, dass ich nicht den Song zuerst ausgiebig gelobt habe.
        Ja der Spruch ist primitiv (und wahr) aber den verstehen die “Prim*tivlinge” wenigstens.

        Hoffentlich kannst du das jetzt annehmen. Sonst kannst du mir den Buckel runter rutschen.
        Du bist manchmal echt anstrengend.

        So long!

      • Katharina sagt:

        bb ist heute aber zickig, dabei bin ich eigentlich ganz gut gelaunt :roll:

        ich hoere sehr wenig country, aber den joe nichols, george strait und alan jackson finde ich sehr gut.

      • Blitz Blank sagt:

        @Katharina

        “du bist wohl einer jener trottel…”

        Mist, habe wieder den Fehler gemacht, die Beleidigung zu übergehen.
        Dabei habe ich im Selbstverteidigungskurs gelernt, dass man sich gegenüber Beleidigungen von BelästigerInnen zuerst mal eindeutig abgrenzen muss bevor man weiter inhaltlich kommuniziert.

        Ignorieren Sie also meine Kommentare nach dem “trottel” und nehmen Sie stattdessen dies:

        STOP!

      • Blitz Blank sagt:

        @Katharina

        “du bist wohl einer jener trottel…”

        Habe wieder den Fehler gemacht und Ihre Bele*digung übergangen.
        Dabei habe ich im Selbstverteidigungskurs gelernt, dass man sich gegenüber Bele*digungen zuerst mal eindeutig abgrenzen muss, bevor man weiter inhaltlich kommuniziert.

        Ignorieren Sie also meine Kommentare nach ihrem “trottel” und nehmen Sie stattdessen dies:

        STOP!

      • Blitz Blank sagt:

        @Katharina

        “du bist wohl einer jener tro*tel…”

        Habe wieder den Fehler gemacht und Ihre Bele*digung übergangen.
        Dabei habe ich im Selbstverteidigungskurs gelernt, dass man sich gegenüber Bele*digungen zuerst mal eindeutig abgrenzen muss, bevor man weiter inhaltlich kommuniziert.

        Ignorieren Sie also meine Zeilen nach ihrem “tro*tel” und nehmen Sie stattdessen dies:

        S T O P !

      • Fistik sagt:

        STOP …Katharina will kein harter Schwanz

      • Fistik sagt:

        jaja…das Leben kann hart sein…

    • gabi sagt:

      Passt doch noch viel besser für Euch zwei:

      http://www.youtube.com/watch?v=UEaKX9YYHiQ

      ;-)

    • Pippi Langstrumpf sagt:

      Wow, ganz schnucklig! Den kannte ich noch gar nicht, ein ganz besonders Herziger :-)

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Also ich meinte den Taylor Swift! Dem Schwachkopf seine Links tue ich mir nicht an.

      • Pippi Langstrumpf sagt:

        Ach nein, der heisst ja gar nicht so. Joe Nichols halt…. egal, Hauptsache, er ist ein Chouchou.

      • Gabi sagt:

        Stellen Sie sich bloss vor, Pippi, ich hätte mir ein Ignoriergebot Ihnen gegenüber aufgestellt.

        Was wäre das für ein Verlust an Lebensfreude!

        Da könnt ich dann ja nicht mal darüber hämen, wenn Sie das Ihre mir gegenüber wieder mal nicht – naja: eigentlich gar nie! – durchziehen können.

        Ich lach mich kringlig über so viel Unfähigkeit Anspruch und Wirklichkeit auch nur im Aller-aller-allergeringsten des täglichen Seins unter einen Hut zu bringen…

        Und dann noch glauben, auf Weltrettungsmission zu sein!

        Zum Schreien.

        Team America pur!

        :D

      • Monsieur de Hummel sagt:

        I’m So Ronery
        So ronery
        So ronery and sadry arone

        I work rearry hard and make up great prans
        But nobody ristens, no one understands
        Seems like no one takes me serirousry

        Ich muss den Film wirklich wieder mal sehen. ;)

      • gabi sagt:

        Tun Sie!

        Unbedingt.

        Macht Spass… Auch wenn (oder vor allem weil?) sich natürlich die unverblümten pornografischen Darstellungen, und das Frauenbild per se, als zutiefst frauenverachtend interpretieren lassen!

        :-)

  1. Leder Lynn sagt:

    So what – ich bin eine schlanke, gutaussehende Frau und trage gerne enges Leder und sehr hohe Absätze und rauche dazu meine Zigaretten mit einer Spitze – es ist mir eigentlich egal, ob mich andere eine Tussi nennen, Ernte dafür insbesondere von Frauen einerseits verachtende, andererseits (insbesondere von Männern) bewundernde Blicke. Hauptsache ist für mich, dass ich mich dabei selber gut fühle und meinen Lebensstil auch nach aussen zur Geltung bringe!

  2. Argonaut sagt:

    Was hat denn sich “nuttig” kleiden mit “Frau-Sein” zu tun, Frau Fischer? Frauen sollten sich kleiden wie Alice Schwarzer! Denn die ist ja das Mass alles “Frau-Seins”!

  3. Thomas1 sagt:

    Da ohnehin jeder Mensch verschieden ist, ist es müssig darüber zu diskutieren, was generell richtig, falsch, stilvoll oder nuttig ist. Ich persönlich kann Ihnen gerne meine Realität vorstellen: Menschen, die auf mich leer wirken, wirken immer leer – egal ob sie nuttig anzogen sind, wie ein Biofreak, topmodisch oder wie ein E.T. Das ist absolut irrelevant. Und umgekehrt wirkt auf mich eine Person, die Persönlichkeit nicht leer ist (was das genau ist, kann ich schwer mit Begriffen fassen) schön – egal wie sie sich anzieht. So einfach ist es. Also: es kommt nicht drauf an.

  4. max sagt:

    Arroganz und Ignoranz sind Schwester und Bruder. Es gibt Leute, die sind zu blöd um zu merken, wie blöd sie sind und tun dann so als wären sie gescheiter als alle anderen. Wenn deren Intelligenz noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wird, dann merken sie das erst recht nicht. Ich kann jedenfalls nichts intelligentes am Journalistenberuf erkennen. Und wenn eine Biologin nichts besseres gefunden hat, dann wird das wohl schon seinen Grund haben.

    Nur weil Dollly Parton aus ihrem Auftreten eine Super-Show macht, heisst das noch lange nicht,d ass wo Doilly drauf, auch Dolly drin ist.

  5. Aineko sagt:

    Tussis erkennt man nicht in erster Linie daran, was sie tragen und auftragen, sondern an ihrem nicht enden wollenden arroganten und oberflächlichen Geschwätz (samt zugehörigem Blick). Gewisse Tussis reden ständig über Mode, Ausgang, Wohneinrichtung und allgemein als weiblich assoziierte Konsumartikel. Repräsentation ist alles. Sie achten sehr auf ihr Aussehen und Auftreten, investieren enorm viel Zeit darin, und erwarten, dass alle anderen das ganz selbstverständlich auch tun. Sie urteilen streng und hart über das Aussehen und Auftreten ihrer Mitmenschen, egal wie sich diese dabei fühlen.

  6. Aineko sagt:

    Gewisse andere Tussis reden ununterbrochen über das ewige war-mit-wem. Das entscheidend tussi-hafte ist dabei ihr ständiges arrogantes Kommentieren darüber. Tussis urteilen ständig über Beziehungen und Freundschaften ihrer Mitmenschen, meist anhand von Äusserlichkeiten, weil sie sich für so furchtbar überlegen halten. Oft geht es um Männer. In verächtlichem Ton erzählt die Tussi von den angeblichen 100 Männern, die alle etwas von ihr wollen, um zu beweisen, wie toll und überlegen sie doch ist.

    Die meisten Tussis tun beides. Daher ist ihre Gesellschaft meist nicht sehr angenehm..

  7. Toni sagt:

    Frau Fischer, warum mussten sie in ihrem Beitrag den Satz “[..] denn die bewegen sich beim Sprechen in etwa so natürlich wie der Papst beim Sex” zufügen? War das wirklich nötig? Finden sie nicht das dieses Gleichnis eher unpassend und unnötig ist, abgesehen davon dass es zudem respektlos ist? Nächstes Mal versuchen sie ‘Allah’ oder ‘Mullah’ anstelle von ‘Papst’ zu verwenden. Ich werde dann weiter ihre ab und zu interessante Beiträge die sie aus dem Exil oder einem Versteck schreiben werden lesen

    • gabi sagt:

      ? Was allerdings weniger Grund ist, sich über Frau Fischer aufzuregen, als vielmehr über jene, die diese schlimme Vorstellung als durchaus im Bereich des Möglichen erscheinen lassen!

  8. Dolly Parton war schon immer eine fantastische begabte Frau voller Charm und sehr intelligent. Ich würde sagen eine sehr tüchtige Geschäftsfrau die sehr viel kann, und zwar nicht nur singen. Einige heutigen Tussis könnten ein wahres Beispiel nehmen. Heute ist leider immer wie mehr nicht vieles brauchbares in Sachen Song, Text, Bühnenbewegungen und Aussehen. Die meisten sind nur leere Töpfe!

  9. Liliana Schenk sagt:

    Ob hoher IQ oder nicht, bei solchen Frauen wird mir einfach schlecht. die haben nichts menschliches mehr an sich, ich kann solche Puppen nicht ansehen, geschweige denn mit ihnen reden. Hat bei mir nichts mit Vorurteilen zu tun, sondern einfach mit der Optik. Ich schminke mich auch etwas mehr als der Durchschnitt, aber zentimeter dick Make-Up und falsche Wimpern sieht einfach nur hässlich aus!

  10. Christian Duerig sagt:

    Talia Jay Castellano
    Das 13 jährige Mädchen wird Cover Girl.
    Sie hat über 150 Millionen Facebook Fans

    http://www.schweizer-illustrierte.ch/stars/krebskranke-talia-joy-castellano-werbegesicht-kosmetikfirma-cover-girl-ellen-de-generes-schminken-plakat

    Ich habe Talia in mein Herzen geschlossen. Crigs

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