
Schlankheitsfanatikerinnen oder dürre Ziegen? Victoria Beckham und Miranda Kerr rund dreieinhalb Monate nach der Geburt ihrer Kinder im letzen Jahr. (Foto links: Keystone, Foto rechts: AFP)
«Es gibt zwei Arten von Frauen: Fette Kühe und dürre Ziegen». Dieser Satz stammt nicht etwa von einem frauenverachtenden Idioten, sondern von meiner Kollegin Isabella. Etwas netter ausgedrückt wollte sie damit eigentlich nur sagen, dass Frauen ab einem gewissen Alter (ab 30 Jahren…) dazu neigen, entweder mollig oder hager zu werden. Die Frauen sollten sich gefälligst damit abfinden, denn hätten sie auch weitaus weniger Stress im Leben. Recht hat sie. Nur hapert es halt wie bei vielem im Leben manchmal an der Umsetzung und so sind leider unzählige Frauen – zumindest in unseren Breitengraden – mit ihrem Äusseren konstant unglücklich. Besonders ausgeprägt ist diese Unzufriedenheit in der Zeit nach der Schwangerschaft: Denn mit dem Muttersein beginnt für die fette Kuh auch der erbitterte Kampf gegen das hartnäckige Übergewicht – wobei diese Phase Monate, ja sogar Jahre dauern kann.
Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Schwangere unter ständiger Zustimmung ihres Umfelds («Du musst jetzt für zwei essen!») gelassen durch den Tag futtern konnte und für ihre runde Babykugel erst noch von allen Seiten Komplimente bekam. Das einst so entspannte Verhältnis zu den Extrapfunden verflüchtigt sich im Nu, zurück bleibt oft nur noch eins: Frust. Und seit Model-Mamis wie Miranda Kerr nur wenige Wochen nach der Geburt ihre perfekten Traumkörper wieder in Topform präsentieren, ist der Druck, möglichst schnell wieder schlank zu sein, noch grösser geworden.
Dass sich nicht nur ein paar wenige fanatische Frauen diesem Schlankheitsdiktat unterwerfen, beweist das Erlebnis einer Freundin von mir, die in London lebt: Nach der Geburt wurde ihr noch im Wochenbett von der Krankenschwester eine Broschüre mit Infos für ein sogenanntes «Mommy Makeover» in die Hand gedrückt. Sollte sie in einigen Monaten mit ihrem Aussehen nicht mehr zufrieden sein, würde man ihr im selben Krankenhaus ihren Körper wieder trimmen: Ein bisschen am Bauch und an der Brust schnipseln, wo nötig, Fett absaugen und per Laserstrahl auch die lästigen Schwangerschaftsstreifen wegradieren. Ganz nach dem Motto: Die Nachfrage bestimmt das Angebot.
Mir hat man kurze Zeit nach der Geburt die Schwangerschaft nicht mehr angesehen und nach wenigen Wochen konnte ich bereits wieder in meine allerengste Jeans schlüpfen, ohne zu murksen, als ob meine Taille niemals auf stattliche 110cm Umfang gewachsen wäre. Nein, ich habe mir kein «Mommy Makeover» geleistet, Sport, mal abgesehen von der empfohlenen Rückbildungsgymnastik, treibe ich auch jetzt knapp fünf Monate nach der Entbindung nicht und nein, ich habe auch keine radikale Diät gemacht oder mich auf mein ursprüngliches Gewicht runter gehungert. Ich habe das nicht nötig, denn ich gehöre zur Gattung dürre Ziege. Glück gehabt? Nur auf den ersten Blick. Denn glauben Sie mir, es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Während sich die fette Kuh damit abrackert, ihre überschüssigen Kilos loszuwerden, muss die dürre Ziege ständig darauf achten, dass sie ihr ohnehin schon spärliches Gewicht halten kann. Und das kann ganz schön anstrengend sein. Wagt sie es dann mal, sich zu beklagen, dass sie diese ständige Fresserei langsam satt hat, weht ihr ein eisiger Wind entgegen. Ganz im Gegensatz zur fetten Kuh: Sie kann bei jeder Gelegenheit rumjammern und wird erst noch moralisch aufgebaut und getröstet. Die dürre Ziege hingegen muss ihren Frust nicht nur für sich behalten, sie wird auch noch ständig auf ihr Dünnsein angesprochen. Es ist als ob man einen fiesen Pakt mit Heidi Klum geschlossen hätte und nun dafür bluten muss. Einer fetten Kuh gegenüber würde es niemand wagen ein «ui, wie du noch dick bist» entgegen zu schleudern, die dürre Ziege darf man aber als bemitleidenswertes Size-Zero-Opfer taxieren und auch noch vorwurfsvoll darauf hinweisen, dass eine stillende Mutter keine Diät machen sollte, weil dies dem Baby schaden könnte.
Falls Sie eine fette Kuh sind und sich gerade fürchterlich über das Geschriebene aufregen, so tut es mir leid. Doch möchte ich eigentlich nur klarmachen, dass wir am Ende im gleichen Boot sitzen: Sie möchten endlich aufhören ihre Problemzonen zu kaschieren, auch wieder mal etwas anderes als den langweiligen Fitnessteller bestellen und nicht immer gefragt werden, ob Sie wieder schon wieder schwanger sind und ich trauere meinem «saftigen» Aussehen und den sinnlichen Kurven nach und möchte Sätze wie «du musst jetzt aber aufpassen, dass du nicht zu dünn wirst, sonst siehst du am Ende aus wie Victoria Beckham» nicht mehr hören müssen. Same same but different. In diesem Sinn wünsche ich allen fetten Kühen da draussen viel Ausdauer und Geduld beim Abnehmen und den dürren Ziegen eine dicke Haut und viel Gelassenheit beim Ertragen giftiger Kommentare.



Jeanette Kuster ist Redaktorin, freie Journalistin und zweifache Mutter. Sie war bei verschiedenen Medien vorwiegend in den Ressorts Lifestyle und Kultur tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. 




































































Liebe Kühe, liebe Ziegen, lasst Euch einfach nicht zur Schnecke machen. Was mich betrifft, bin froh, dass ich eine graue Maus bin.
Ich bin zwar keine graue Maus aber zur Schnecke lasse ich mich nicht machen.
Es ist doch eigentlich relativ simpel: Frauen wollen weder das eine (fette Kuh) noch das andere (dürre Ziege) sein. Niemand will einen fetten Schwabbelarsch und überall heraus quillender Speck – genau so unattraktiv sind faltige Gesichter und knochige Hintern. Viel wichtiger als das Gewicht sind die Proportionen – und ob der Körper einigermassen straff ist. Sehr dünne Frauen haben häufig keine schöne Haut, früh Falten und kein gesundes Haar. Osteoporose-Gefahr kommt ebenfalls noch dazu. Wie immer und überall gilt: Das gesunde Mittelmass finden!
Da stimme ich voll zu, ich bin auch lieber ein Pferd
Hmm nee sehe ich anders Elissa, wir müssen schon von echten Magersüchtigen oder anderes kranken Frauen (verspätete Pubertät, frühzeitiger Eintritt der Wechseljahre, Schilddrüsenüberfunktion) sprechen, wenn du die Osteoporose ansprichst, hier erhöht sich das Risiko nämlich erst, wenn man seine Tage nicht mehr bekommt, da die meisten Frauen eh die Pille nehmen erübrigt sich die Gefahr. Weiter können auch Diabetes, zu wenig Bewegung, Rauchen und zb Schilddrüsenmedikamente Risikofaktoren sein. Es hängt nicht per se mit dem Dünnsein zusammen sondern mit Krankheiten die oft Dünnsein auslösen…
Weiter ist es ein Irrtum zu glauben, dass Übergewichtige weniger schnell altern und was für einer! Sowohl bei der Fettverbrennung wie beim Fettabbau werden viele freie Radikale frei, und naaa was machen die?ALT! durch Mutationen/Translationsfehler.. Sie lassen nicht nur die Haut sondern eben auch etliche andere wichtige Organe schneller altern, was zu vielen Krankheitsbildern führt. Schlimmer noch als fett zu sein, ist zunehmen-abnehmen-zunehmen, am besten immer schlank bleiben! Kurz was für ein Ammenmärchen das dünne Frauen runzliger sind. Phahaha! das liegt am Rauchen Stress und an der Sonne
als Vater von 3 Kindern von unterschiedlichen Frauen kann ich nur sagen: während der Schwangerschaft normal Essen, nach der Geburt stillen (was normal sein sollte) und der Frauenkörper ist noch kurzer Zeit wieder normal, d.h. so wie er davor war. Alles andere sind Ausreden und sich hinter etwas verstecken. Klar liebt ihr mich für meine Frauenversteherargumente
So viel zur Theorie. Wer nie schwanger war und es nie sein wird, kann auch keine Meinung dazu haben, weil er keine Ahnung hat wie das ist.
ich geh mich mal eine runde totlachen…
sehr, sehr offensichtlich sind sie nicht gynäkologe.
sorry aber mein Partnerinnen hatten es im Griff wie oben beschrieben, alle mit unterschiedlichen Körpern (Kühe, Ziegen, usw). Frau kann sich auch einreden, dass Frau nach der Geburt Figurprobleme hat / haben wird.
Schön, dass Sie Ihre Manneskraft gleich bei 3 Frauen ausprobieren durften. Eine Frau und 3 Kinder wären ja eigentlich genug (vorallem auch für das Portemonnaie!). Wo ist hier das Verantwortungsgefühl? Kinder brauchen beide Elternteile gleichermassen
Ein paar Tipps zum Glücklichsein:
-Eine weniger anthropozentrische Einstellung macht vieles einfacher.
-Die Suche nach Glück macht oft unglücklich.
-Sinn macht glücklich.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein sinnvolles Leben!
Jaja, ich weiss, ich bin ein Mann, und jaja, ich weiss, ich behandle die Sache mit Ratio, und beides ist in den Augen vieler des Teufels. Dennoch wage ich, mich zu Wort zu melden.
Die Sache ist einfach: Jeder Mensch hat seinen individuellen (!) Bedarf an Energie. Den deckt er mit Nahrung. Erfüllt er seinen Bedarf nicht, verringert das sein Gewicht, nimmt er mehr auf, als er benötigt, erhöht er sein Gewicht. Beides ist nicht im Sinne der Natur und schädigt die Gesundheit.
Das ist schon das ganze Geheimnis.
Also, wenn man echte Ziegen und heutige Kühe anschaut, ist da der Unterschied gar nicht so riesig. Beide sind eher dürr. Fette Kühe, wo sind die?
WTF? Meinst du das ernst?
Statt mit abwertenden begriffen um sich herumzuschlagen, und sich darüber zu ärgern, was andere vielleicht sagen oder denken mögen, hatten sie sich auf das wichtige Thema Self Body Image konzentrieren können. denn das ist ein Problem, besonders das bullying dazu (siehe “sich darüber zu ärgern, was andere vielleicht sagen oder denken mögen”). Somit eher ein seichter Text, der Frauen überhaupt keinen Anstoss für Reflexion gibt.
Ich glaube, da schweben Sie doch ein bisschen über allem.
Der Sarkasmus, der aus Begriffen wie Kühen und Ziegen durchscheint, tut Müttern gut, glaube ich. Sonst würden hier nicht viele so humorvoll und selbstkritisch reagieren.
Das hat wenig damit zu tun, was andere über uns denken.
Das sehe ich anders. besonders weil das Mantra darüber, was andere über einen sagen und was in den Glossen steht, und wie ach so schlecht der Glossen Inhalt doch sei, – und das auf einer Plattform, die selber Glossen unterhält und von denselben Schreibern befeuern lässt wie hier – , ständig perpetuiert wird. Sagen Sie mir nun, was denn ach so unglaublich mies daran sein soll. bei nip and tuck anzuklopfen, oder etwas Training zu machen.
/2: Das wesentliche, und das haben Sie vielleicht nicht erfasst, ist das Bullying und (eigenes) BODY IMAGE. das ist das Problem. Einerseits, dass sich Frauen konstant von den Glossen beeinflussen lassen – und den stichelnden Bemerkungen in ihrem Umfeld, – , und andererseits, dass sie sich nicht mit ihrem eigenen Body auseinandersetzen und ihn als das Gefäss ihrer selbst annehmen.
/3: Statt ihn anzunehmen und dann vielleicht etwas gegen Mängel ihres Selbstwertgefühls betreffend ihres Gefässes zu tun, so sie denn wollen, lassen sie sich von äusseren Faktoren beeinflussen, die ihnen in stichelnder Weise – aus dem Neid und Selbstdefinitionsgefühl des Umfeldes heraus, erniedrige deine nächste um dich selber besser zu fühlen – vermittelt werden. Im Wesentlichen: Eine Frau ist nicht einfach eine Nummer auf der Gewichtsskala.
Deshalb finde ich diesen Text oberflächlich, weil dieser nur mit p0lemischen abwertenden Wörtern um sich wirft, statt etwas unter die Oberfläche zu gehen.
Nein, ich bin überhaupt nicht abgehoben und ich sehe nicht, weshalb Sie von Sarkasmus sprechen. Ich bin nun selber neue Mama und ich habe mit den Änderungen meines Bodys keine Probleme. Ich schaue morgens in den Spiegel und freue mich über die lebensspendende Fähigkeit und dass ich, so wie ich bin, begehrt werde. „Ich glaube, da schweben Sie doch ein bisschen über allem.“ weise ich in dem Sinn zurück.
Ach ja…. meine Masse auf dem Fleischmarkt sind 96-61-89 cm, 1.75 m, 70 kg
… aber vielleicht sehen Sie, worum es geht hier:
http://www.slate.com/blogs/xx_factor/2012/10/03/wisconsin_news_anchor_jennifer_livingston_stands_up_to_fat_shaming_watch_the_video_.html
Vielen Dank für die ausführliiche Replik.
Eine junge Mama, toll, ich gratuliere, und dann mit diesen Massen! (Ich meins ehrlich).
Wenn Sie mal etwas weiter sind und ihr Kind etwas grösser, werden Sie den Sarkasmus vielleicht verstehen, der hier durchzieht. Ich bin eine selbstbewusste Frau, stolz auf mein Muttersein (meine Töchter sind young ladies) und finds lustig, uns mal über uns selber lustig zu machen. Das ist alles.
Sorry, die Typologie ist zu erweitern: 1. Ziege, 2. Rind und 3. Flusspferd. Eine fetter Ziege ist noch schmaler als ein Rind, ein mageres Rind breiter als eine fettärschige Ziege und ein Flusspferd steht vor den beiden anderen Prototypen und kann machen was es will.
Also, liebe Texter(Innen), vergleicht nicht immer wieder Äpfel mit Birnen! Die beiden abgebildeten Promi-Shönheiten sind Rehe, Monate nach der Geburt sichtbar zur neuen Empfängnis bereit. Whatever.
@Karl.. wunderbarer Kommentar.. mehr ist nicht zusagen..
Ich weiss nicht, warum die Menschen heutzutage soviel mehr Energie in den Schein als ins Sein investieren. Das bringt einem und die Umwelt doch nicht weiter. Man muss ja nur mal in die freudlosen, inhaltsleeren Augen schauen Keine Empathie, keine Lebenserfahrung, nur darauf bedacht, Lob und Anerkennung zu erheischen. Warum werden solche Menschen auch immer portraitiert, es darf doch nicht unsere Zukunft sein, oder?
ich stimme der autorin zu. als dürre ziege frag ich mich schon, woher sich die leute die frechheit nehmen, mich dauernd auf mein gewicht anzusprechen. ich entscheide selbst, wie schwer ich sein will und ja ich bin gern schlank.