Leben


Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 15. Februar 2012

Do, Re, Mi, Fa, So, La, Ti, Do

Ein Papablog von Rinaldo Dieziger.


Fast jedes Kind träumt irgendwann davon, in einer Band zu spielen.

Es waren drei Mädchen und ich, die sich an der Primarschule zum Flötenunterricht einfanden. Schon bald pfiff die Tonleiter aus unseren Speuzchnebeln. Meine Eltern kauften ein Klavier. Ich wechselte zu den Tasten. Und begann zu hadern. Mit der Ballade für Elise. Mit der kleinen Nachtmusik. Mit Mozart, Beethoven, Bach und Seichobsi (Tschaikowsky). Die waren alle von vorgestern. Ich lernte von Toten. Es war wie mit dem Latein. Requiescat in pace.

Doch ich hatte Glück. Mein Klavierlehrer fuhr einen weissen Cadillac Eldorado. Er brachte mir das Boxen bei. Später trafen wir uns zum Schachspielen. Und im Alpamare. Dahin lud er einmal im Jahr all seine Schüler (auch die Mädchen) ein. Ziemlich unklassisch. Und genau damit hatte er mich. Statt Präludien übten wir Boogie-Woogie. Roll Over Beethoven!

Ich gründete eine Band. Wir beschallten Samstag für Samstag die Nachbarschaft und riefen lange vor Dieter Bohlen zum Casting auf. Wir schlossen die Girls ins Gästezimmer ein, während wir Zigaretten rauchten, bis sie «Enjoy the Silence» von Depeche Mode ab Kassette mitsingen konnten. Wir waren Helden. Ein Instrument zu beherrschen, das war geil und sinnlich. Das war mehr als Fussball, Tennis und Hockey zusammen.

Es ist den Eltern zu verdanken, wenn ein Kind instrumentalisiert wird. Egal ob Klavier, Gitarre, Querflöte, Trompete, Bass oder Schlagzeug – der Lärm lohnt sich. Aber wie führt man Kinder an ein Instrument heran? Was, wenn der Musiklehrer einen Opel Astra fährt?

Elvis bekam seine erste Gitarre von den Eltern geschenkt. Bono entdeckte seine Liebe zum Gitarrenspielen in der Pubertät. Er war 15 Jahre alt. Rihanna gründete im selben Alter mit zwei Klassenkameradinnen eine Mädchenband. Elton John begann mit elf Jahren sein Studium an der Londoner Royal Academy of Music. Whitney Houston wurde das Talent in die Wiege gelegt; ihre Mutter sang Background für Elvis und Jimi Hendrix. Michael Jacksons Vater war Kranführer, die Mutter Verkäuferin. Sie führten ihre Kinder von Talentwettbewerb zu Talentwettbewerb. Bis sie gewannen. Und zerbrachen.

Sind Kinder von Natur aus musikalisch? Oder nur meines nicht? Wie wichtig ist die Wahl des Instruments? Müssen wir selbst Vorbild sein? O du Fröhliche. Oder schaffen es die Kleinen auch ohne uns? Curtis Jackson (50 Cent) wuchs nach dem Tod seiner Eltern bei den Grosseltern auf, handelte als 12-Jähriger mit Drogen und erhielt mit 18 seine erste grosse Gefängnisstrafe, bevor ihn Jam Master Jay für sein Label entdeckte.

Vielleicht steckt dahinter der Wunsch, ein Star zu sein. Vielleicht sucht es auch nur ein Mittel, sich auszudrücken. Sich Gehör zu verschaffen. Warten Sie nicht, bis DJ Bobo Ihr Kind in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies für die grössten Schweizer Talente entdeckt. Schenken Sie Ihrem Kind ein Xylophon. Oder installieren Sie das MiniPiano auf Ihrem iPhone.

rinaldoRinaldo Dieziger (36) ist Gründer und Geschäftsführer von Supertext, der ersten Textagentur im Internet. Er ist letztes Jahr Papa einer Tochter geworden und lebt mit seiner Familie in der Stadt Zürich.

179 Kommentare zu „Do, Re, Mi, Fa, So, La, Ti, Do“

  1. reiff heidi sagt:

    Ich mag einfach Schweizer Dialekte, es heimelet mi immer wider a, ha viel Begnige ka, mit Schwyzer, der Liedermacher Mani Matter find ich super ich wandere jetzt nonig us uf Aegypte oder Syrien und mit einem Alien auf den Mond. I gang jetzt emol in Chäller und lueg öb die Assle vo frühner no do sin……

  2. reiff heidi sagt:

    Bin froh, herrscht in der CH kein Krieg mehr, die Schlachten von Naefels mit den Hellebarden, ich heisse auch nicht Winkelried, gabs den mal in der CH-Geschichte der die CH gerettet hat mit seinem Einsatz oder war es ein Fakir aus einer anderen Ecke ? Den Bauchtanz Hula hab ich auch mal geübt,einfach eine Erfahrung, Leben und Leben lassen, ich weiss, was mir Selbst gut tut und was nicht. Punkt.

  3. xyxyxy sagt:

    Musikerziehung heisst Musik lieben und selbst eine grosse Bandbreite zu besitzen und nichts schlecht zu machen. Dann indoktriniert man nicht. Sondern zeigt die bunte weite Welt – ohne Wertung.
    Ich find es total interessant, bei welcher Musik meine Jungs ins tanzen, dirigieren und schwärmen kommen. Da gibt es keine Trennlinie Klassik contra Rock oder Indie contra Lady Gaga. Ich staune immer wieder, wie sie die Stücke mit Qualität heraus erkennen, völlig unabhängig von der Stilrichtung.

    • mila sagt:

      Treffender hätte ich es nicht ausdrücken können, xyxyxy. Die Qualität von Liedern hängt wirklich nicht am seidenen Faden des ‘richtigen’ Musikstils. Und am Ende ist es ohnehin die tiefsitzende Liebe zur respektive an der Musik, um die es geht.

  4. sepp z. sagt:

    “Doch ich hatte Glück. Mein Klavierlehrer fuhr einen weissen Cadillac Eldorado. Er brachte mir das Boxen bei. Später trafen wir uns zum Schachspielen. Und im Alpamare. ”
    -
    Autsch. Sowas wäre heute nicht mehr möglich. Da wäre der Klavierlehrer gleich unter Verdacht der Pädophilie.

  5. Amanda sagt:

    “Sind Kinder von Natur aus musikalisch? Oder nur meines nicht? Wie wichtig ist die Wahl des Instruments? Müssen wir selbst Vorbild sein? O du Fröhliche. Oder schaffen es die Kleinen auch ohne uns?” Das sind die Fragen, die Rinaldo Dieziger in den Blog stellte. Ich würde gerne die Meinung anderer Eltern dazu lesen.

    • plop sagt:

      Ja, Amanda, da wurde schon viel nebendurchgebloggt – xyxyxy fasst es aber wenig weiter oben sehr schön in Worte und mila kommentiert was wichtiges dazu. Aber all die Musikgeschmackskommentare sagen auch was aus: bei diesen Leuten ist Musik ein Thema und das ist wichtig…
      Ich versuche meinem Kind altersgerechte Instrumente und Musik zur Verfügung zu stellen. Ist aber noch ein Kleinkind. Ob er dann Geige, Klavier oder Gitarre spielen will ist mir hoffentlich dann egal. Er wird aber ein Instrument erlernen “müssen”. Und das hoffentlich dann auch wollen….

    • Franz Oettli sagt:

      Ja also die Kinder haben ja unterschiedliche Interessen und Talente, von Natur aus. Das gilt es herauszufinden. Wir haben immer viel gesungen zusammen. Bei einem Buben war musikalisch Hopfen und Malz verloren, der hat knapp den Flötenunterricht geschafft, dafür nachher gut Fussball gespielt. Ist doch auch gut! Aber der andere war etwas musikalischer. Und schliesslich ist es auch eine Kostenfrage. Am Anfang ann man’s ja noch mieten, aber nachher kostet so ein Instrument doch etwas Geld, das muss auch zuerst verdient werden.

      • plop sagt:

        Haben Sie dann dem Buben, der kaum das Flötenspiel schaffte, das musizieren ganz “erlassen”? Das sinnvollste ist es eigentlich – eben, man spart viel Geld und Nerven um den “Lätsch” zu ertragen…

  6. W. Meier sagt:

    Der beste Weg:
    1. selber häufig zu Hause musizieren, wenn man’s kann, nicht nur Konserven laufen lassen
    2. Die Kinder zu Hause ab Geburt unterschiedliche (Auswahl!) Musikarten hören lassen, die man selber mag (Glaubwürdigkeit)
    3. Kinder von klein auf an Live-Musik-Anlässe mitschleppen, in die Tonhalle, an Ländlerfestival, ins Moods etc. etc.
    4. Die Kinder selber ausgiebig Musikinstrumente ausprobieren lassen (Angebote der Musikschulen studieren!)
    5. nach spätestens 2 Unterrichtsjahren mit anderen spielen lassen: Band, Ensemble, Combo, Orchester

    6. nach spätestens 2 Unterrichts

  7. reiff heidi sagt:

    Kinder sind vielseitig begabt, Kinder brauchen Bewegung, ich mag Fussballmatchs nicht auch keine Boxmatchs, bin nach wie vor erstaunt, dass dieser Ali Clay so verherrlicht wird, der Weltmeister im Boxen, bei all diesen Wettbewerben geht es um Stutz, MiesmacherInnen sind nicht mein Ding, ich hatte als Kind ein kleines Xylophon, hat echt Spass gemacht, einfach zu pröbeln, und meine Nachbarin war eine Schildkrötenliebhaberin, eine ältere Frau, wir durften die Schildkröten füttern, hat mir echt Spass gemacht, so lernen Kinder immer was dazu…. hoffe die Xantippen sind endlich ausgestorben…..

  8. Einzelkind sagt:

    Bitte die Kinder nicht zum Musizieren zwingen! Ich und auch mein Cousin wurden jahrelang mit lustlosem, unfreiwilligem Instrumentalunterricht gequält; das war Horror!
    Obwohl auch der Lehrer schon nach der 3. Stunde merkte, dass weder Talent noch Willen noch Freude vorhanden war, und dies auch den Eltern klar machte, liess das diese kalt. “In unserer Familie gehört Musizieren zum guten Ton!” Ich hab diesen Foltersatz noch heute in den Ohren.
    Musik macht mir zwar Freude, die sich aber ganz auf’s Hören beschränkt.

  9. Peter Vogler sagt:

    Was wettert er jetzt da über Musik von Toten.Wir haben ja heute in der Regel nur noch die Noten,oder sehen z.B.auch Werke der bildenden Kunst aus der Zeit in der der Komponist gelebt hat.Daraus muss ein Interpret ein Werk heute neu interpretieren.Der heutige Zeitgeist fliesst sicher auch in die Interpretation ein.Von den Popgrössen überzeugen mich die Wenigsten.Whitney Housten gehört zu den überzeugend. Ausnahmen.Mozart,Bach oder Domenico Scarlatti von guten Interpreten gespielt,klingt lebendiger als das seelenlose Gestampfe und Geplärr von Bono und U-2.Zuviel Elektronik schlägt die Musik tot.

  10. Peter Vogler sagt:

    Bevor die Beckmesser mich korrigieren,es heisst natürlich Whitney Houston.

  11. Pippi Langstrumpf sagt:

    Noch ein kleines Mittagskonzert, ein Ohren- und Augenschmaus. Diese Spielfreude…….. :-) http://youtu.be/XO4OfBVBto4

  12. reiff heidi sagt:

    Ich bin zwischen 2 Brüdern aufgewachsen, waren glaub etwas Sammler, in einer Nacht und Nebelaktion haben sie mal ein Klavier auf Rollschuhen transportiert, somit gabs keine CO2-Schädigungen, ich hab dann einfach als Erwachsene Klavierstunden genommen, war echt stolz, dass ich den Basschlüssel allein spielen konnte ohne “Schimpfis”. Ich hatte dann den Spleen, ein Klavier zu kaufen resp. ich habe es gemietet, jetzt ist es gut aufgehoben bei meiner Enkeltochter (11 Jahre alt) sie hat echt Spass am Klimpern, die Musiknoten sind jetzt bei ihr gut aufgehoben, :-) .

  13. Rabe sagt:

    Lieber Herr Dieziger, die Zeiten der ideologischen Mauer zwischen Klassik und Pop etc. sind vorbei. Als Klavierlehrer mit einem normalen Familienauto sage ich Ihnen, dass eine Menge Kinder “für Elise” unbedingt spielen wollen. Leider, denn für viele ist der Mittelteil zu schwer. Ob die Musik gut ist oder nicht, hängt sicher nicht vom Alter der Musik ab. Chopin klingt auf dem Klavier einfach besser als Brittney Spears, ganz einfach, weil es für genau das Instrument geschrieben wurde, das hören auch Jugendliche. Aber einen guten Boogie tausche ich allemal gegen einen langweiligen Telemann.

  14. Reto sagt:

    …ich versteh sie nicht ganz…sie meinen die Reha füllt ihnen jetzt die “Papiere” aus ?

  15. Reto sagt:

    Aber sie müssen nicht meine nehmen, zondern ihre !

  16. Peter Vogler sagt:

    Rinaldo Dieziger müsste eigenlich wissen,dass die Zeit von Maos Rotem Büchlein langsam vorbei ist.Rein aussermusikalische,ideologigische Kritik ist eigentlich vorbei.”Argumente”wie:”Klassik ist eh nur für die Reichen,Musik von Toten”ist nur dumme Ideologie”.Während der Zeit der Kulturrevolution wurden klassische Musiker ins Gefängnis,ins Arbeitslager gesteckt und ermordet.Das beschreibt die Pianistin Xiao-Mei-Zhu in ihrem Buch von Mao zu Bach:Wie ich die Kulturrevolution überlebte.Wenn ich z.B.den Gesang von Kathleen Battle mit Adrian Stern`s Geleier vergleiche,benutze ich meine Ohren.

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