Leben


Andrea Fischer am Dienstag den 7. Februar 2012

Von Idioten umzingelt

Mamablog

Gregs Tagebücher machen Lust aufs Lesen: Illustration aus dem Buch «Von Idioten umzingelt». (Baumhaus Verlag)

Klar, es ist sehr amerikanisch. Und dass sich einer eine goldene Nase verdient mit unbedarften Strichmännchen und mittelmässigen Verfilmungen seiner Stories, wurmt auch. Trotzdem, ich muss es fast neidlos zugeben, die Dinger sind pädagogisch wertvoll: Gregs Tagebücher. Wenn vielleicht nicht für die Kids, so doch für ihre Eltern. Dabei ist das Strickmuster denkbar einfach: Ein egoistischer, selbstverliebter Junge erzählt in fiktiven Tagebüchern, was er von sich und der Welt hält. Die Welt, das sind sein beiden Brüder, seine Eltern, seine Freunde, Lehrer, Verwandte und Nachbarn. Aus Gregs Sicht alles Loser, versteht sich. Er selbst nennt sein Werk natürlich nicht Tagebuch, das wäre ja was für Weiber und Weicheier, sondern Memoiren. Schliesslich wird er als Erwachsener sowieso mal berühmt, nur weiss das ausser ihm noch keiner.

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Gregs Tagebuch 1, Jeff Kinney, Baumhaus Verlag, 218 Seiten.

Geschrieben sind die Bücher von einem erwachsenen Gamedesigner, selbst Vater und Comiczeichner (sicher nicht einer der Begnadetsten, aber das passt perfekt zu Gregs Selbstüberschätzung). Das klingt alles nicht sonderlich spektakulär, ist es aber. Jeff Kinney, so heisst der Autor, schafft es, Millionen von lesefaulen Jungs mit Lesefieber zu infizieren, wenn vielleicht auch nur für die Dauer der Lektüre (immerhin gibt es bereits sechs Bände mit so reisserischen Titeln wie «Von Idioten umzingelt» oder «Ich war’s nicht»). Danach spielen einige sogar noch ein Weilchen mit dem Gedanken, selbst ein berühmtes Tagebuch zu veröffentlichen, denn was der kann, können sie natürlich schon lang. Diese literarischen Anwandlungen halten vielleicht nicht ewig, aber immerhin.

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In der Ringerklasse: Szene aus dem Film «Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt» (2010). Greg ist der dritte von rechts.

Das Beste an den Büchern ist aber nicht der Effekt auf die Kids, sondern der auf die Eltern. So bös durchschaut gefühlt habe ich mich schon lange nicht mehr. Und so lustig auch nicht. Mein Lieblingsbeispiel ist der Entscheid von Gregs Schule, alle Spielgeräte vom Spielplatz zu entfernen, an denen sich je ein Kind verletzt hat. Das hat zu Folge, dass nach kürzester Zeit gar nichts mehr da steht und alle Kids in den Pausen wie im Knast langsam im Kreis herumgehen müssen. Hauptsache, es ist nicht gefährlich. Aus dem gleichen Grund gibt es in der Mensa auch eine erdnussfreie Zone und die Pommes Frites werden durch «Extrem Sport Sticks» ersetzt, Karottensticks in einem Sack mit einem coolen Skater drauf. Aus der Sicht eines Erwachsenen mag das alles nachvollziehbar sein, aus der Sicht eines Elfjährigen ist es einfach Kinderquälerei und muss sabotiert werden. Ebenso wie die Ermahnungen, selber Geld für Computerspiele zu verdienen, lieb zum kleinen Bruder zu sein, frische Unterwäsche anzuziehen und nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher zu sitzen.

Gregs Gegenstück ist sein braver Freund Rupert. Er ist Einzelkind einer Familie von politisch Ultrakorrekten und von unkaputtbarer Naivität. An Halloween darf er nur mit einer riesigen Leuchtantenne auf dem Rücken aus dem Haus, ein bisschen so wie ein Hund mit Leuchthalsband, und spielen tut er nur mit harmlosem Kram für Kleinkinder. Logisch, ist Greg da immer der Unruhestifter und Rupert der nervig Nette. Und logisch, hassen Ruperts Eltern Greg und er sie zurück.

Kurz, die Bücher sind eine wunderbare Anleitung dazu, wie wir Erwachsenen auf keinen Fall sein wollen. Darüber täuscht auch das Uramerikanische des Settings nicht hinweg. Viel Spass beim Lesen!

170 Kommentare zu „Von Idioten umzingelt“

  1. reiff heidi sagt:

    Ich mochte als Kind die Mickey MOUSE HEFTE von Walt Disney, die Oma Duck, der Erfinder Daniel Düsentrieb, die blöden Heftchen Kanisisustimmen haben mich Null die Bohne interesssiert, lagen zwar immer auf dem Tisch, heimlich haben wir mit einer Taschenlampe einfach gelesen, ich schätze nach wie vor das Buch von Ekkehard Braunmüll, Antipödagogig . Punkt. Luegit vo Bärg und Tal, flieht schone e Sunnestrahl, luegit uf daue ûnd Matte, fliehe die dunkele Schatte, ich wechsle jetzt Seite die Seite, im Hugo Stammblog sind keine Zeichen vorgeschrieben 600 ……… gute nacht ………

  2. Katharina sagt:

    “Klar, es ist sehr amerikanisch. Und … wurmt auch.” – naja Sie sind noch etwas in der Schonfrist. Aber da steckt schon etwas des Wurms des Giftes der frühen Jahre drin. Genauso werden gewisse Memes hervor gezaubert und genährt. Ein weiterführender Kommentar erübrigt sich.

    Wegen Kinderbüchern:

    Ich habe es mit dem kleinen Prinzen (Antoine de Saint-Exupéry), Momo (Michael Ende) und Winnie the Pooh (Alan Alexander Milne). Dann Pinocchio (Carlo Collodi) und Marcelino Pan y Vino (José María Sánchez Silva).

    Von Pinocchio habe ich immer noch die Edition, die es bei Silva, mit Bildern zum Einkleben, gab.
    Ich fand als Kind die meisten Silva Bücher schon toll. Meine Mama und ich klebten immer die Bilder zusammen ein. Währenddessen erzählte sie mir über das Thema, das gerade auf der Seite zu lesen war.

    • Franz Oettli sagt:

      Ja, diese Silva-, Avanti- oder Mondo-Bücher hatten wir auch. Da war nur schon das Punktesammeln ein Heidenspass!

  3. Franz Oettli sagt:

    Ja natürlich macht Lesen Spass! Für unsere Buben waren’s am Anfang natürlich Lederstrumpf, Karl May oder so. Auch technische Bücher, z.B. diese Wissens-Bücher aus der Bibliothek. Ist ja egal was, Hauptsache, sie lassen ihrer Phantasie freien Lauf und lernen, sich ihre Bilder selber zu produzieren. Nichts schlimmeres als eine Wohnung, wo der Radio oder der Fernseher den ganzen Tag läuft!

  4. reiff heidi sagt:

    Ich war immer eine Leseratte, hab die Bücher bei der GGG in Basel ausgeliehen, ein lustiges Bild gibts, eine Ratte über einem Buch, echt süss, mein Lieblingsbuch als Kind war das Mädchen mit den Streichhölzern inkl. die Prinzessin auf der Erbse. Zur Zeit bin ich eine Computer-Ratte .

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