Leben


Jeanette Kuster am Sonntag den 29. Januar 2012

Ledig mit Kindern

Hin und her: Salma Hayek wurde im September 2007 Mutter, löste im Jahr darauf die Verlobung mit dem Kindsvater François-Henri Pinault – den sie im Februar 2009 dann doch heiratete. (Bild: AFP)

Hin und her: Salma Hayek wurde im September 2007 Mutter, löste im Jahr darauf die Verlobung mit dem Kindsvater François-Henri Pinault – den sie im Februar 2009 dann doch heiratete. (Bild: AFP)

Geht es nach Nationalrat Antonio Hodgers (Grüne), wird es in der Schweiz bald keine Geschiedenen mehr geben: Er hat einen Vorstoss eingereicht, in dem er fordert, dass der Zivilstand «geschieden» künftig durch «ledig» ersetzt wird. Auf die Idee kam Hodgers durch einen Freund, dessen Ehe gescheitert ist. «Er liess sich im Alter von 30 scheiden und hatte immer mit einem Makel zu kämpfen», so der Politiker gegenüber Blick.ch.

Es mag ja sein, dass manch einer seine zerbrochene Ehe und die hässliche Scheidung lieber aus seinem Gedächtnis und folglich auch aus allen juristischen Formularen streichen würde. Aber dass jemand im Jahr 2012 in der Schweiz geächtet wird, bloss weil er den Titel «geschieden» trägt, wage ich doch stark zu bezweifeln. Ganz im Gegenteil hätten wohl eher diejenigen Paare Grund zur Klage, die im Konkubinat zusammenleben und auf offiziellen Formularen meist nur das Kästchen «ledig» ankreuzen können, da sie nun mal weder verheiratet, noch verwitwet, noch geschieden sind. «In fester Partnerschaft» ist auf juristischen Formularen keine Option, auch wenn sie im wahren Leben längst zur Realität geworden ist.

War eineinhalb Jahre lang Mutter und ledig: Salma Hayek mit Tochter Valentina.

War eineinhalb Jahre lang Mutter und ledig: Salma Hayek mit Tochter Valentina.

Ich gehöre selber in diese Kategorie und habe schon einige Male schräge Blicke ernten dürfen, wenn ich – schwanger und/oder mit Kind – «ledig» als Zivilstand angeben musste. Natürlich sollte man das ignorieren, und doch macht es einen zuweilen wütend. Nicht, weil man als Alleinerziehende abgestempelt wird, denn schliesslich sind Single-Mütter und -Väter genau gleich viel wert wie verheiratete Eltern. Nein, mich ärgert vielmehr die Tatsache, dass in vielen Köpfen immer noch die Meinung vorherrscht, es habe zu heiraten, wer eine Familie gründe – was sich in genau diesen Situationen und auf eben diesen Formularen stets aufs Neue manifestiert.

Ausserdem fühlt es sich falsch an, nicht die ganze Wahrheit auf das Stück Papier bringen zu können. Meinen Mann – denn ja, so nenne ich ihn trotzdem, schliesslich ist er weder mein Partner (zu geschäftlich), noch mein Freund (zu unverbindlich), sondern eben der Mann, der zu mir gehört – ausschliessen zu müssen, mich auf dem Formular als Einzelperson zu deklarieren, obwohl wir doch gemeinsam durchs Leben gehen.

Natürlich könnten wir letzteres Problem mit einer Heirat sofort lösen. Und wer weiss, vielleicht werden wir eines Tages tatsächlich noch vor den Altar treten. Aber ganz sicher nicht aus der Motivation heraus, auf juristischen Formularen künftig eine passendere Zivilstandsbezeichnung vorfinden zu dürfen oder damit irgendwelche gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen.

Also gilt für uns weiterhin: «Ledig» ankreuzen und sich glücklich schätzen, dass man es als vollzählige Familie sein darf. Und die fragenden Blicke je nach Laune ignorieren, oder das Gegenüber über die eigentlich doch gar nicht so unübliche Lebensform des Konkubinats aufklären. Und wer weiss, vielleicht schafft es «in fester Partnerschaft» irgendwann einmal doch noch in die Gruppe der offiziellen Zivilstandsbezeichnungen. Schön wärs, wenn auch nicht lebensnotwendig. Wie das auch die Ausmerzung von «geschieden» nicht ist.

363 Kommentare zu „Ledig mit Kindern“

  1. Mann sagt:

    Viel lustiger (oder überholter) ist es beim Anmelden. Da kann man nicht einfach sagen, dass beide den Mietvertrag unterschrieben haben. Nein, da braucht es noch den Haushaltsvorstand! Und der hat dann für den anderen “Untermieter” die Einzugserklärung auszufüllen. Na sowas.

    Aber ich habe der beamteten Dame dann beim Rausgehen als Dankeschön “Fräulein” gesagt – und siehe da, da wurde dann doch noch eine Frau draus. Immerhin das ist schon angekommen.

    :-D

  2. Stadelman Reto sagt:

    Nun Frau Kuster hat den Kern der Sache getroffen: “schliesslich ist er weder mein Partner [...] noch mein Freund (zu unverbindlich), sondern eben der Mann, der zu mir gehört” ERGO heiratet man. Es sei denn man will bewusst unverbindlich bleiben… Sie widersprechen sich also selber. Gestehen Sie es sich ein, Sie sind eine typische Neuzeiterscheinung, unverbindlich und opportunistisch. Vielleicht gibt es ja bei den Nachbarn noch was besseres, vielleicht haben wir in 10 Jahren nicht mehr die gleichen Hobbys… Stehen Sie zu ihrer Beziehung oder akzeptieren Sie die “Diskriminierung”.

  3. Max Müller sagt:

    VERHEIRATET und für alle anderen LEDIG.
    Alles andere ist privat.
    Wirklich prüfenswert.
    Die Antwort vom Bund erhalten wir in der Frühlingssession.

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