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Andrea Fischer am Dienstag den 21. Mai 2013

Angelinas Opfer und wir

Der Mensch will Macht über seinen Körper: Angelina Jolie und ihr Gatte. (Reuters/Mario Anzuoni)

Es geht eigentlich nicht um sie. Aber sie ist ein ausgezeichneter Kristallisationskeim: Angelina Jolie, für viele eine der schönsten Frauen der Welt plus Ehefrau eines der knackigsten Männer Hollywoods. Und jetzt das: Sie hat sich beide Brüste entfernen lassen und sagt es jedem, der es wissen will und allen anderen auch.

Die Reaktionen waren erstaunlich positiv und verhalten, fast schon rücksichtsvoll. Gegen eine Mutter, die sich für ihre Kinder aufopfert, kann man schlecht wettern. Oder nur hinter vorgehaltener Hand oder anonym als Kommentator im Web. Sich über eine Madonna zu mokieren, ist höchst unschicklich. Aber in unseren Köpfen ploppen dennoch auch ungnädige Fragen auf, da nützt alle innere Zensur nichts.

Zum Beispiel frage ich mich, was Brad Pitt wirklich dazu meint, inoffiziell, nicht in einer Pressemitteilung. Was sagt er dazu, dass nun feststeht, dass er seine Frau nie mehr wird verlassen können, selbst wenn er wollte? – Wer verlässt schon eine Märtyrerin, die ihr weiblichstes Attribut für die gemeinsamen und gemeinsam adoptierten Kinder geopfert hat? Brad wäre sofort der personifizierte Shitstorm.

Niemand würde ihm glauben, dass er nicht wegen Angelinas fehlendem Naturbusen Reissaus genommen hat. Da nützt es auch nichts, wenn seine Frau allen versichert, ihr neuer Busen sehe genauso aus, wie der alte. Instinkte lassen sich nicht mit Worten überlisten. Die moralische Anbindung ihres Ehemannes wird zwar kaum Beweggrund für die Amputation gewesen sein, Tatsache ist sie deshalb nicht minder. Hinzu kommt, dass Angelina offenbar auch eine Eierstockoperation in Erwägung zieht (laut ihrem eigenen Artikel in der «New York Times»).

Doch das mit den Beweggründen ist ohnehin ein tiefer Sumpf. Selten tun wir etwas aus nur einem einzigen Grund. Darum drängt sich auch die Frage auf, ob hinter dem scheinbar selbstlosen Akt nicht ein altes, urmenschliches Bedürfnis danach steckt, Macht über seinen Körper zu haben, ihn verändern zu können. Diese Möglichkeit gibt uns seit Menschengedenken das Gefühl, einzigartig zu sein und den Göttern ein Schnippchen schlagen zu können (eine spannend Arbeit dazu gibt es hier). Im Fall der Brustentfernung geschieht das gleich doppelt: Zum einen auf einer psychologisch-philosophischen Ebene und zum anderen auf einer medizinischen.

Am spannendsten jedoch finde ich die Frage nach dem Fatalismus-Faktor: Nichts wünschen wir uns schliesslich mehr, als über unser Schicksal zu bestimmen. Doch die klugen Geister dieser Erde scheiden sich daran, ob wir es wirklich können oder ob ohnehin alles vorbestimmt ist, wie bei Ödipus. Den hat ja letztlich sein Schicksal nur ereilt, weil er ihm entrinnen wollte. Mit genau dieser Frage schlagen sich Mütter und Väter tagtäglich herum. Etwas vom Härtesten, was wir uns eingestehen müssen, ist, wie wenig Einfluss wir letztlich auf das Leben haben. Trotzdem gilt Schicksalsergebenheit in unseren kulturellen Breitengraden nicht als Tugend, sondern als Resignation und mangelnder Ehrgeiz.

Der Preis für diesen Glauben an das Kontrollierbare ist eine latente Angst vor dem Unkontrollierbaren, dem zu begegnen wir uns nicht mehr zutrauen. «Das Leben birgt viele Herausforderungen. Diejenigen, die uns keine Angst machen sollten, sind auch diejenigen, die wir annehmen und kontrollieren können», sagt Jolie dazu (eine Übersetzung der«Zeit»). Offenbar hofft auch sie auf die Macht über das eigene Schicksal.

Die letzte Frage, die mich beschäftigt ist: Muss man eine Brustamputation wirklich so offensiv öffentlich machen? Ich weiss es nicht. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit hat Angelina Jolie damit vielen Frauen einen grossen Gefallen getan, andere vielleicht unnötig verunsichert. Immerhin erkrankt zwar jede zehnte Frau an Brustkrebs, aber nur ungefähr fünf bis maximal zehn Prozent der Fälle sind auf eine genetische Anfälligkeit zurückzuführen.

Die wahren Gründe, warum Angelina Jolie ihre Brüste entfernen liess und alle darüber informierte, sind vielleicht auch gar nicht so relevant. Aber die Spekulationen darüber sind es auf jeden Fall, denn sie konfrontieren uns mit ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens. Und darum geht es ja letztlich. Ob wir das aussprechen wollen oder nicht.

Und was denken Sie darüber? Als Frau oder als Mann?

Mamablog-Redaktion am Freitag den 17. Mai 2013

Die Macht der Bindung

Eine Carte Blanche von Michael Miedaner*.

Natürlicher Bindungsinstinkt: Eltern müssen in ihrer Erziehung die Rolle der primären Bindungsperson wahrnehmen.(Flickr/Nico's Art)

Natürlicher Bindungsinstinkt: Eine tiefe Bindung zu einem Erwachsenen ist für die Entwicklung eines Kindes von zentraler Bedeutung. (Flickr/Nico's Art)

Vielen Eltern ist heute gar nicht mehr bewusst, wie unentbehrlich Zuwendung und Geborgenheit für die gesunde Entwicklung ihrer Kinder sind. Die moderne Bindungsforschung zeigt klar, wie wir unseren Kindern helfen können, sie selbst zu werden. Das Geheimnis elterlicher Erziehung besteht dabei nicht in erster Linie in dem, was die Eltern tun, sondern in dem, was sie für ihr Kind sind. Es ist paradox: Noch nie gab es ein dermassen grosses Angebot an Literatur über Kindererziehung, an Erziehungskursen, an Experten. Auch hatten wir noch nie im Schnitt so wenig Kinder zu erziehen. Zudem waren wir noch nie so engagiert mit unseren Kindern wie heute. Dennoch erleben wir eine Zeit, in der die Kindererziehung sehr schwierig geworden ist.

Offensichtlich scheint uns das natürliche Gefühl dafür abhanden gekommen zu sein. Wie konnte es so weit kommen? Kinder kommen mit einem ausgeprägten Bindungsinstinkt zur Welt, einem Drang, sich an jene Menschen zu binden und zu orientieren, von denen sie versorgt werden. Dies sind im Normalfall die Eltern. Die Kinder übernehmen zunächst die Werte ihrer Eltern und entwickeln erst auf dem Boden dieser Geborgenheit die Reife zu echter, selbstbewusster Eigenständigkeit. So funktioniert seit Menschengedenken das Heranreifen von Menschen und die Übermittlung kultureller Errungenschaften von Generation zu Generation. Der Säugling bindet sich an uns, indem er zum Beispiel unseren Finger fest umklammert oder später als Antwort auf unsere ausgebreiteten Arme ebenfalls die Ärmchen ausstreckt, um sich aufheben zu lassen.

Dies sind instinktive Verhaltensweisen, die seit Hunderttausenden von Jahren das Überleben sichern. Seit dem Beginn der Industrialisierung vor etwa 200 Jahren und noch stärker seit dem zweiten Weltkrieg haben sich die Lebensumstände in den Industrieländern so grundlegend verändert, dass die natürlichen Bindungshierarchien arg durcheinander geraten sind. Seit Tausenden von Jahren (und auch heute noch in traditionellen Gesellschaften) verliefen die Bindungen innerhalb einer Gesellschft vertikal, das heisst:  Das kulturelle Wissen wurde von einer zur nächsten Generation weitergegeben.

Wenn aber die verantwortlichen Erwachsenen, was heute immer öfter der Fall ist, die Rolle der primären Bindungsperson nicht mehr wahrnehmen, überträgt das Kind seinen Bindungsinstinkt woandershin so wie das frisch geschlüpfte Entenküken. Fehlt die Entenmutter, läuft es vertrauensvoll der Bäuerin, dem Hofhund oder einem Spielzeugauto hinterher. Es fühlt sich in Gegenwart seines Bindungsobjektes beruhigt und sicher, auch wenn es auf diese Weise weder schwimmen noch fliegen lernt.

Auch Kinder unterscheiden nicht, ob das Objekt, auf das sie ihren Bindungsinstinkt richten, überhaupt in der Lage und geeignet ist, für ihre gedeihliche Entwicklung zu sorgen. Und so beobachten wir seit geraumer Zeit wie diese Übermittlung von «oben» nach «unten» durch eine horizontale Orientierung und Wertevermittlung ersetzt wird. Die Kinder und Jugendlichen orientieren sich an ihresgleichen (Musik, Kleidung, Sprache) und die Werte der Erwachsenen verlieren zunehmend an Bedeutung.

Der kanadische Entwicklungspsychologe und Bindungsforscher Gordon Neufeld hat aus den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie und Verhaltensforschung die Umrisse der grundlegenden Gesetzmässigkeiten von Bindung extrahiert. Wir haben vergessen, wie wichtig es ist, dass wir den Kindern das Gefühl vermitteln, dass wir wissen, wo es lang geht. Dass wir diejenigen sind, die es beschützen und versorgen. Wenn wir diese Rolle nicht wahrnehmen, fällt das Kind in eine Bindungslücke. Panik und Alarm werden ausgelöst: «Ich kann hier nur überleben, wenn ich jemanden oder etwas habe, an dem ich mich orientieren kann.» Leider orientieren sich immer mehr Kinder in ihrer Not an Gleichaltrigen oder an elektronische Bindungstechnologien (Handy, Computerspiele, Facebook). Die Bindungslücke ist vorübergehend überbrückt, der Alarm lässt nach, eine innere Entspannung tritt an deren Stelle.

Doch das ist genau der Moment wo es anfängt schiefzulaufen! Laut Gordon Neufeld haben Verzerrungen und Störungen im Verhalten, Fühlen und Denken des Kindes ihren Ursprung fast immer in Störungen der Bindungsentwicklung. Die Resillienzforschung (die Resillienzforschung untersucht jene Faktoren, welche die Widerstandskraft von Individuen oder Systemen fördern) hat untersucht, welches der signifikanteste Einzelfaktor bei Jugendlichen ist, der sie davon abhält, verhaltensauffällig zu werden, exzessiv Drogen zu konsumieren, kriminell und gewalttätig zu werden. Es ist dies mindestens eine tiefe Bindung zu einem Anteil nehmenden, reifen Erwachsenen, (einem Elternteil, einem Lehrer oder der Grossmutter). Eine reife Person also, die dem Jugendlichen das Gefühl vermittelt: «Ich sorge mich um dich, du kannst dich auf mich verlassen, du darfst dich bei mir weich und verletzlich zeigen.»

Michael Miedaner*Michael Miedaner (51) ist Sekundarlehrer, Erwachsenenbildner und Neufeld-Kursleiter. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Basel.

Michael Marti am Donnerstag den 16. Mai 2013

Hausmitteilung

Liebe Mamablog-Leserinnen, liebe Mamablog-Leser

Wir stehen vor einem Wechsel im Mamablog-Team. Die bisherige Team-Chefin Nina Merli wechselt zur «Blick»-Gruppe, wo sie als Co-Leiterin Lifestyle arbeiten wird. Wir möchten ihr an dieser Stelle ganz herzlich gratulieren und wünschen ihr viel Erfolg in der neuen Aufgabe.

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Nina Merli (l.) wird als Chefin des Mamablogs von Gabriela Braun (r.) abgelöst.

Nina Merli führte das Mamablog-Team seit Januar 2011, sie hat in dieser Zeit den Blog geprägt und bereichert – als Schreiberin, aber auch als verantwortliche Planerin, die Schwerpunkt-Wochen organisierte, spannende Carte-Blanche-Schreiberinnen und -Schreiber gewinnen konnte oder neue Gefässe konzipierte. Kurzum: Nina Merli schuf die Voraussetzungen dafür, dass der Mamablog sich weiterentwickeln konnte und seine Stellung als reichweitenstärkster Blog der Schweiz behauptete.

Was mich persönlich an der Bloggerin Nina Merli immer wieder von neuem beeindruckte: Wie sie auf der einen Seite mit ausrecherchierten Postings die Mamablog-Community kompetent über relevante, aktuelle Themen informierte. Und ebenso souverän auf der anderen Seite mit charmanten, witzigen Beiträgen ihre Leserinnen und Leser bestens unterhielt (zum Beispiel hier!).  Für beides gebührt Nina Merli unser grosser Dank.

Unsere neue Mamablog-Chefin ist eine Frau, die Sie alle bereits kennenlernen konnten. Ab 1. Juli übernimmt Gabriela Braun das Team, sie schreibt seit 2011 regelmässig für den Blog, und wir freuen uns sehr, dass wir Sie für die Leitung gewinnen konnten.

Ich hoffe, Sie, geschätzte Userinnen und User, weiterhin so zahlreich im Mamablog begrüssen zu können. Denn erst alle gemeinsam, die Mamablog-Community und das Autorinnen-Team, machen diesen Blog weiterhin zu einem der spannendsten Projekte im Schweizer Online-Journalismus.

Ihr Michael Marti

MICHAEL-MARTI_100Michael Marti ist Mitglied der Chefredaktion des «Tages-Anzeigers» und Mitgründer des Mamablogs.

Nina Merli am Donnerstag den 16. Mai 2013

Zeit für eine Veränderung

Heute erscheint leider Nina Merlis letzter Text. Wir danken ihr für ihr Engagement als Leiterin des Mamablogs. Nina, wir werden dich vermissen! Alles Gute! Die Redaktion.

nina.emma

Ein Geben und Nehmen: Mamabloggerin Merli mit ihrer wichtigsten Inspirations-Quelle.

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Wie wahr. Ich sitze gerade an meinem Arbeitsplatz, vor mir mein Mamablog-Ordner, wo ich Notizen, Zeitungsartikel, Pressemitteilungen, allerlei Studien- und sonstiges Infomaterial abgelegt habe. Zur späteren Verwendung. Doch heute ist mein letzter Mamablog-Arbeitstag und der Zeitpunkt «spätere Verwendung» ist zu einem sehr konkreten und definitiven «Jetzt!» mutiert.

Seit Beginn meiner Schwangerschaft vor über eineinhalb Jahren habe ich hier Texte verfasst, die im weitesten Sinn unter den Begriff Mutterschaft fallen. Manche Beiträge waren aus meinem eigenen Leben gegriffen, wobei meine Tochter mir als wichtigste Inspirationsquelle diente – obwohl sie mich manchmal um meinen kostbaren Schlaf brachte und somit meine Gehirnleistung auf Sparflammen-Modus stellte. Die meisten Ideen stammten aber aus Begegnungen mit anderen, zum Teil mir völlig unbekannten Müttern, die sich als begeisterte Mamablog-Leserinnen herausstellten und mir mit ihren offenen und ehrlichen Schilderungen viele intime Einblicke in ihr Leben boten. Da war auch diese italienische Künstlerin, die lange in Damaskus gelebt hatte und mir ein Interview mit einer syrischen Mutter, die seit Monaten mit ihren Kindern auf der Flucht war, organisieren wollte. Ein Gespräch, das leider nicht zustande kam, weil die Mutter aus Angst vor Repressionen am Ende ihre Schicksalsgeschichte doch lieber für sich behielt.

Und heute sitze ich da, mit diesem Sammelsurium an Ideen und Gesprächsnotizen und bereue es, dass ich so vieles nicht schon früher veröffentlicht habe! Da war zum Beispiel dieser Artikel in der«Zeit» über eine dänische Schule, die den gesamten Stoff mittels Rollenspielen vermittelt. So erklärt etwa der Mathematik-Lehrer seiner Klasse das Gesetz der Auftriebskraft, in dem er – in ein weisses Gewand gehüllt – in die Rolle des Archimedes schlüpft. Der Nutzen dieser aussergewöhnlichen Lernmethode liegt laut dem Schulleiter Mads Lunau darin, dass die Rollenspiel-Methode viel näher am Arbeitsalltag sei als das klassische Unterrichtssystem. An herkömmlichen Schulen würden Schüler nur lernen, dass ein Lehrer sie anhand ihrer Leistungen bewertet, während einem hier vor allem Motivation für die Sache vermittelt werde. Tönt spannend, dachte ich, aber ob das tatsächlich funktioniert?

Oder da ist der E-Mail-Ausdruck eines Kollegen, der mir einen Link zu einem Artikel schickte, der der Frage nachging, wieso Schüler aus disziplinarischen Massnahmen vom Unterricht dispensiert würden – wo doch das Fernbleiben der Schule genau das Ziel von verhaltensauffälligen Schülern sei. Ausserdem führe die Suspendierung, zumindest für die Betroffenen, zu keinerlei Verbesserung, im Gegenteil. Auch dieses Thema müsste mal besprochen werden. Am besten mit einer Carte Jeune aus der Sicht eines suspendierten Schülers und eine Woche darauf aus der Perspektive seines Lehrers. Oder wie wärs mit einer Vertiefung der Idee einer Mutter, die in der «Huffington Post» einen iPhone-Vertrag zwischen ihr (als Besitzerin) und ihrem Sohn (als Benutzer) veröffentlicht hat. Ein Ansatz, der bei Teenager-Eltern mit Sicherheit eine Überlegung wert sein könnte. Wobei auch die im «Atlantic» besprochene These über den Vorteil von mehreren Ehemännern Diskussionspotenzial hat.

Und dann war da dieses Projekt, dass vor einigen Monaten von drei Müttern ins Leben gerufen wurde (und deren Pressemappe ich auch zur «späteren Verwendung» abgelegt habe). Die Zürcherinnen Claudia Scivoli Biafori, Gal Müller Proietto und Stephanie Berz haben ein Web-Radio gegründet, dass Kinder zwischen drei und zwölf Jahren unterhalten soll. Radiolino heisst das gemeinsame Baby. Statt Spongebob am Bildschirm gibts Märchen, Detektivgeschichten, Kinderlieder oder Minidisco. Und wenn die Kinder im Bett sind und die Eltern endlich ihre wohlverdiente Ruhe haben, ist auch am Radio fertig lustig: Dann kommt Happy Hour – ausgesuchte Musik für die Grossen. Auf der Website gibt es ausserdem Basteltipps, Informationen über Kinderbetreuungsprogramme oder Hinweise auf spezielle Kinderaktivitäten in verschiedenen Schweizer Städten.

Ausserdem wollte ich die besten Secondhand-Geschäfte für Kinderkleider zusammentragen, nachhaltig produzierte Kindermöbel vorstellen und auch die liebevollen «Love Notes» einer Mutter erwähnen, die ihren Kindern positive Botschaften in den Schulthek packt, um sie auf diesem Weg zu bestärken und ihnen zu zeigen, dass sie sie lieb hat. Lauter Projekte, die voller Herzblut sind und allemal wert hier im Mamablog genannt zu werden. Darum: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich werde meinen kostbaren Mamablog-Ordner meiner Nachfolgerin vererben, damit sie daraus aus dem vollen Schöpfen kann – und wer weiss, vielleicht werde ich ja den einen oder anderen Beitrag als Gastautorin auch selber schreiben können.

Mamablog-Redaktion am Mittwoch den 15. Mai 2013

Der Partykönig (Teil II)

Ein Papablog von Maurice Thiriet.

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Die Kindergeburtstagspartys in Seebach werden immer aufwändiger: Clown Koko bezaubert die Kinder. (Foto: Maurice Thiriet)

Kürzlich wurde an dieser Stelle der Neonatologe aus dem vierten Stock zum König der Seebacher Kindergeburtstagsfeiern ausgerufen. Seine Stockwerknachbarn, die Griechen, kamen in «Der Partykönig Teil I» nur am Rande vor. Sie beschwerten sich und kündigten an, den Partykönig zu stürzen.

Vergangenen Samstag fand die entsprechende Veranstaltung statt. Feiern die Griechen üblicherweise unter sich, weil andere Leute die Ausmasse griechischer Feste nicht verstehen können, waren dieses Mal auch der Neonatologe und der Berichterstatter samt Anhang eingeladen. Damit die mal sehen konnten. Sie sahen das Folgende:

Statt des kleinen Siedlungspavillons mieteten die Griechen den Festsaal des Gemeinschaftszentrums mit Bühne, Sound- und Lichtanlage. Statt 20 bis 30 Gästen luden sie 80 bis 100. Statt einer Tischbombe gab es eine Stunde Clown, live. Eigentlich hätten es zwei sein sollen, aber einer sagte kurzfristig ab. Statt einer Torte gab es zwei Torten, wovon eine ausreichte, um alle Gäste zu bedienen und allein der Kindertisch war an der Griechenparty so gross wie an herkömmlichen Partys alle Tische zusammen. Statt keines Sicherheitsdienstes war die Securitas engagiert. Und zwei Nannies, die die Kinder beschäftigten, wenn das nicht gerade der Clown tat.

Um den Umfang des Anlasses zu rechtfertigen, griffen die Griechen zu einem simplen Trick. Sie behaupteten, ihre beiden Kinder hätten am gleichen Tag Geburtstag und die Feier sei für beide Kinder gleichzeitig.

Der Neonatologe begriff in dem Moment, dass er als Partykönig abgelöst werden würde, als er den Festsaal des Gemeinschaftszentrums betrat und das Ausmass der Geburtstagstafel sah. Er liess sich nichts anmerken. Er schöpfte sich Pulpo-Salat, wie alle anderen. Er bedankte sich wie alle anderen, wenn man ihm unaufgefordert eine grosse Flasche Bier hinstellte oder griechischen Weisswein nachschenkte. Und er verfolgte wie alle anderen die Show von Kiko-Clown.

Aber wer ihn gut kennt, sah, dass es in ihm arbeitete. Er machte einen Plan zur Rückeroberung des Partykönig-Titels.

Kurz bevor er nach Hause ging, macht er einen Fehler und verriet mir seinen Plan: «Das nächste Mal bestelle ich die Feuerwehr. Grossbrandalarm. Zwei volle Löschzüge Berufsfeuerwehr und das Pikett Glattal. Nehmt das, Griechen!»

Unser Jüngster ist der nächste, der Geburtstag hat.

mauriceMaurice Thiriet ist seit 2008 Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger». 2011 wurde er mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.