Jeder ein kleiner Fussballstar

Gabriela Braun am Donnerstag, den 28. Mai 2015
Bitte lächeln: Teenager auf dem Fussballplatz. Foto: ·tlc∙ (Flickr)

Gute Miene zu bösem Spiel: Beobachtete Teenager auf dem Fussballplatz. Foto: ·tlc∙ (Flickr)

Nando hat schon wieder den Ball an den aufsässigen Kleinen mit der Nummer 3 verloren. «NANDOOO!» Nandos Miene bleibt unbewegt. Die Gegner sind stark, die meisten schneller oder grösser als er. Nando kämpft um den Ball, doch die anderen Spieler ziehen an ihm vorbei. Nandos Kopf ist rot. «Nandooo! Jetzt SETZ dich mal ein. Du musst kämpfen. KÄMPFEN musst du!»

Den nächsten Ball, eine halbe Minute später, wird er mit dem Fuss runterholen, kontrollieren, mit dem linken und dem rechten Schuh kurz streicheln und weiterpassen. «JA! Du kannst es doch! Zeig es ihnen, Nando! So, und jetzt keine halben Sachen mehr!» Der Mann neben mir verwirft seine Hände in Richtung Spielfeld, seine Stimme ist bereits etwas heiser.

Neben ihm stehen fünf, sechs andere Männer, alles Väter von Jungen aus unserer Mannschaft. Es ist Samstagmorgen, neun Uhr. Ein Auswärtsspiel in der Gegend, aber Feindesland. Der Gegner ist unsympathisch; in der Vorrunde hatten ein paar seiner Spieler unsere Jungs auf dem Platz beleidigt. Jetzt erst recht, haben sich die zwölfjährigen Buben und ihre Väter vor dem Spiel gesagt. «Kämpft um den Ball, aber bleibt cool. Lasst euch nicht schon wieder provozieren. Verstanden?!»

Daddy weiss, wies geht: Vater und Sohn am Spielfeldrand. Foto: popofatticus (Flickr)

Daddy weiss, wies geht: Vater und Sohn am Spielfeldrand. Foto: popofatticus (Flickr)

Aber das Team kommt nicht in die Gänge, und die Väter an der Seite schreien sich die Stimme aus dem Leib: «Abgeben, Nico!», gellt es über den Platz. Dann «Max! Schiess doch endlich! MAAAX!!» oder «Leonardo! Mehr bewegen! Beweg dich!». Bei einer gelungenen Aktion seiner Brut ruft Leonardos Vater «Jaaa!» und klatscht in die Hände. Anders Julian senior: «Über die Seite, spiel endlich mal über die Seite. Mann, Julian, du gehörst auf die Seite!» Jeder Vater feuert seinen Sohn an.

Irgendwann der Abpfiff. Unser Team hat verloren. Der Trainer reiht die Spieler um sich, schaut jeden einzeln an, um sogleich von der Mannschaftsleistung zu sprechen. Von der elenden Eigenbrötlerei jedes einzelnen, dem fehlenden Zusammenspiel und einem mangelnden Mannschaftsgeist. «Einer für alle, alle für einen, versteht ihr? Ihr spielt miteinander und müsst zusammenhalten. Ihr seid eine Mannschaft. So muss es sein. Aber ihr verhält euch, als wäre jeder von euch allein auf dem Platz. Ihr macht hier nicht euer Ego-Ding, klar? Wir spielen Fussball. Das ist ein Mannschaftssport.»

Die Jungs lassen den Kopf hängen, stehen auf. Jene, die ihren Vater am Spielrand stehen haben, gehen zu ihm. Die Väter klatschen mit ihren Buben ab und drücken ihnen ein isotonisches Getränk in die Hand. «Hast du gut gemacht, mein Lieber, war doch gar nicht so schlecht», sagt der Papa zu Max. «Nächstes Mal spielst du noch etwas besser, gell. So wie der Messi. Und dann gewinnst du, ist doch klar.»


«Was hast du dir dabei gedacht?» Nicht nur Väter, sondern auch Soccer-Moms können laut werden. Video: Jim Haskins (Youtube)


«Sie sind schlecht erzogen worden»: Toughe Schiedsrichterin gibt einem schwierigen Vater einen Platzverweis. Video: Rafal Wlazlo (Youtube)

Hitparaden-Englisch statt Schulfranzösisch

Blog-Redaktion am Mittwoch, den 27. Mai 2015

Dieser Beitrag ist Teil der Serie #Schulewohin. Der «Tages-Anzeiger» beleuchtet im Monat Mai die grössten Herausforderungen der Volksschule.

Ein Gastbeitrag von Markus Dütschler*

Beim Austausch geht es nicht nur um eine Sprache: Drei Mädchen auf Entdeckungstour. Foto: stephane (Flickr)

Beim Austausch geht es nicht nur um Sprache: Mädchen auf Entdeckungstour. Foto: stephane (Flickr)

Zu den 1700 Kindern, die beim Austauschprogramm «2 langues – 1 Ziel» mitmachen, gehörte auch unsere Tochter. Wir waren begeistert, dass sich ihre Schule seit Jahren am Programm beteiligt. Gespannt fuhren wir ins Wallis für eine erste Beschnupperung der «Gegenseite». Beim Informationsanlass in der Fachschule Siders hatten wir trotz des Gedränges unser Gegenüber bald gefunden, und bei einigen Gläschen Weisswein stellten wir fest, dass wir ähnliche Ansichten über Schule und Erziehung haben.

Weil die Zahl der Gastfamilien hüben wie drüben nicht genau übereinstimmte, hatte unsere Tochter zwei Gastfamilien, bei denen sie je zwei Nächte verbrachte und mit den beiden Mädchen die Schule besuchte. Am Mittwoch war «Wachablösung»: Wir bekamen im Gegenzug zwei «Töchter», die vier Tage bei uns in Bern logierten. Die drei Mädchen installierten sich im Kinderzimmer und besichtigten am freien Nachmittag die Berner Altstadt, wobei sie vor allem ein Auge auf die Schaufenster von Kleidergeschäften warfen.

Um frühmorgens eine stundenlange Blockade des Badezimmers zu vermeiden, legten wir fest, dass abends geduscht wird. Auch die Projektleitung hatte uns ein Anliegen mitgegeben: Man möge darauf achten, dass die Kinder nicht dauernd in ihr Smartphone stieren, um in ihrer Muttersprache mit entfernten Kollegen zu chatten, sondern mit der Gastfamilie in der fremden Sprache parlieren. Das fanden wir Eltern eine Superidee. In der Praxis blieben die Handys oft in Aktion, dagegen war kein Kraut gewachsen. Live geschwatzt wurde dennoch, natürlich auf Hochdeutsch, dazwischen verfielen auch wir ins Französische.

Irgendwann bekamen die Walliserinnen das Lehrbuch eines Nachbarbuben in die Hände, das famose «Mille feuilles», das ähnlich wie das Austauschprogramm den Anspruch hat, Schüler in einen frankophonen See einzutauchen. Der Wortschatz des Buches verliert sich in absurden Verästelungen. Jedenfalls rätselten die Walliserinnen bei der Lektüre eines Texts, was das wohl für ein Tier sein könnte, von dem sie noch nie gehört hatten. Schon gehört hatten sie von der Existenz St. Gallens, doch waren sie noch nie in diesem Unesco-Weltkulturerbe, das mental weiter entfernt liegt als Paris oder Brüssel. Grund genug, die erweiterte Famille in ein Auto zu packen und gen Osten zu fahren.

Da sassen die drei Mademoisellen auf dem Rücksitz, wohin der Fader der Musikanlage die Pop-Schallwellen lenkte, naturellement englischsprachige Musik. Unisono sangen die drei den Text mit. Zuweilen entscheidet sich die Frage «Frühfranzösisch oder Englisch?» auf der Rückbank. Und schon holten die Eltern ihre Mädchen wieder bei uns ab, am liebsten hätten wir sie gar nicht mehr hergegeben. Eine Woche Sprachaustausch mit zwei angehängten Wochenenden, also neun Tage: Das ist kurz und kaum mehr als ein Teaser. Aber es ist ein Anfang, so etwas wie eine Schnupperlehre. Mehr als ein paar Wörter in der fremden Sprache bleiben kaum haften, dafür ein Eindruck von der Vielschichtigkeit unseres Landes.

Es sollte darum mehr Austauschmöglichkeiten geben, solche von zwei oder fünf Wochen, für ein Semester oder ein Jahr – und zwar in alle Richtungen. Das Eintauchen in eine andere Umgebung öffnet auch die Augen für die Vielgestaltigkeit der Schweiz.

duetschler*Markus Dütschler ist Lokalredaktor bei «Der Bund».

Der Liebesmarathon von Single-Eltern

Mamablog-Redaktion am Dienstag, den 26. Mai 2015

Ein Gastbeitrag von Martina Marti*

Mamablog

Ist er der Richtige? Rachel Weisz und Hugh Grant im Film «About a Boy». Foto: PD

Sie entdeckt ihn zwischen den Charcuterie- und Frischkäse-Auslagen: «Wow, was für ein Mann! Einfach zum Niederknien!» Sie reckt ihren Hals noch etwas weiter am Tupperware-Turm vorbei. Just in dieser Sekunde dreht der Beau seinen Kopf in ihre Richtung und – schenkt ihr prompt ein Lächeln. Sie zwingt sich, den Kopf nicht gleich wieder einziehen, wirft stattdessen ihre blonde Mähne gekonnt zurück und hebt cool die Hand. «Oh mein Gott, oh mein Gott, jetzt kommt er rüber ...» – aber viel Zeit zum Nachdenken hat die Mitte Dreissigjährige nicht. Schon baut sich Muskel um Muskel vor ihr auf und sie hört seine warme Stimme: «Ciao, ich...» «Mammmmiiiiii! Schau mal dieses Auto! Und Zoé will die violetten Looms! Und...» ... Filmschnitt. Nein, Filmriss ... Der Adonis widmet sich augenblicklich einer besonders grünen Tupperwaredose, um kurz danach an die Migroskasse zu verschwinden.

Ja, meine Single-Freundin ist hübsch, langbeinig und hat eine gewinnende Ausstrahlung. Sie fällt auf. Männer kennenzulernen war für sie noch nie ein Problem. Und trotzdem lebt sie seit fünf Jahren – nach der Trennung vom Kindsvater – mehrheitlich alleine. «Seit der anfänglichen Selbstfindungsphase definitiv ungewollt», wie sie betont. Doch den richtigen Partner zu finden gestaltet sich komplizierter als gedacht:

1. Kennenlernen: «Das Einkaufen mit zwei Kindern im Schlepptau ist eher suboptimal. Zumal die meisten Männer automatisch davon ausgehen, dass es einen Vater an meiner Seite gibt. Sport betreibe ich dann, wenn die meisten Männer bei der Arbeit sind. In der Kino-Spätvorführung schlafe ich regelmässig ein. Und im Ausgang lassen sich zwar aufgeschlossene Männer finden, aber garantiert nicht die Sorte, die bereit ist, mit den Kids am Sonntagmorgen um sechs Uhr aufzustehen.» Und über Internetportale? «Ja, das ist wirklich die einzige Option», bestätigt sie. «Wenn ich Zeit und Nerven habe, alle Fake-Profile und Nur-Sex-Suchende auszusortieren. Und da kommen wir schon zu Problem Nummer 2.»

2. Alleinstehend oder Vater? «Die meisten alleinstehenden Männer zwischen 30 und 40 möchten früher oder später eigene Kinder haben. Ich aber nicht mehr! Und ich mache daraus von Anfang an kein Geheimnis. Beim Kennenlernen ist das für die meisten kein Problem – jedoch später garantiert. Idealerweise hat mein Traummann bereits Kinder. Bloss: Die wenigsten geben diese Info auf ihrem Datingprofil preis. Den Grund kann ich nur erahnen: Um Frauen nicht gleich abzuschrecken, da sie ja oft nur jedes zweite Wochenende gebunden sind. Nicht so wie Mütter.»

3. Datingphase: «Wie oft trifft man sich mit jemandem, bis man ihn gut kennt? Fünf, zehn, fünfzehn Mal? Wie kriegt das eine Mutter in ihren Terminkalender? Wo kriegt sie die Babysitter her? Diese Phase empfinde ich als die Aufreibendste: Mit Kopf und Herz bei einem neuen Mann und man kann ihn vielleicht nur alle zwei Wochen treffen. Ich habe das Glück, ein grosses Betreuungsnetz zu haben, aber ich kenne Frauen, die ihr erstes Date – mit den Kindern! – auf dem Spielplatz abhalten, weil es einfach nicht anders geht. Apropos Kinder...»

4. Wann beziehe ich die Kinder ein? «Da bin ich unglaublich strikt. Meine Kinder haben in den letzten fünf Jahren nur zwei Männer kennengelernt und zwar erst dann, wenn ich mir so sicher wie nur möglich gewesen bin. Ein neuer Partner an der Seite der Mutter ist einschneidend. Darum gibt's in der Datingphase auch keine Treffen bei mir zu Hause. Die Kinder könnten ja jederzeit aufstehen.»

5. No-Gos: «Einmal klingelte ein Date nachts um 23 Uhr an meiner Wohnungstüre sturm, weil er solche Sehnsucht hatte. Als Single irgendwie süss. Also Single-Mama eine Katastrophe! Ich brauchte eine Stunde, bis die Kids wieder eingeschlafen sind.»

Auch meine Illusion, dass es nach der Anfangsphase leichter wird, bringt meine Freundin schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: «Was, wenn Kind und Partner sich nicht mögen? Was, wenn der Freund sich den Kinder-Alltag doch etwas anders vorgestellt hat und ihm die Zweisamkeit fehlt? Was, wenn er sich in die Erziehung einmischt? Und was, wenn es irgendwann doch nicht funktioniert? Wie sage ich es meinen Kindern?»

Ich gebe mich geschlagen, einfach haben es Single-Eltern definitiv nicht. In Familien tangiert eine neue Liebe eben nicht mehr «nur» zwei Herzen. Sondern gleich drei, vier oder noch mehr ...

(Ein Portal für Single-Eltern: www.singlemitkind.ch)

bild_martina_marti* Martina Marti ist freie Journalistin und Psychosoziale Beraterin in eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, www.martinamarti.ch. Sie lebt mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern (Jg. 06 und 09) in der Nähe von Zürich.

Wir sind Supermamas!

Jeanette Kuster am Montag, den 25. Mai 2015
Revellers dress as comic character Superwoman during the 23nd Street Parade dance music event in Zurich

Wir haben alle auch ein «S» auf der Brust: Drei Frauen an der Street-Parade. Foto: Reuters

Vermutlich kennen Sie diese Momente, in denen man als Mutter das Gefühl hat, alles falsch zu machen. Weil die Kleinen nicht zuhören, egal was man sagt. Weil man aus Übermüdung herumschreit oder am Morgen vergisst, den Znüni ins Kindergartentäschli zu packen. Zum Glück gibt es auch die Momente am anderen Ende der emotionalen Skala, auch wenn diese in der Regel spärlicher gesät sind. Die, in denen man sich nicht nur als einigermassen annehmliche Mutter fühlt, sondern als Supermama. Etwas hoch gegriffen, sagen Sie? Das war auch der Einwand einer Freundin, die sich selber auch in den wunderbarsten Mama-Momenten nie als Superwoman sieht, sondern vielmehr als «Mutter, die zum Glück doch nicht ganz alles falsch macht».

Andere Freundinnen hingegen konnten mir sofort eine Geschichte erzählen, in der sie sich als Supermutter gefühlt haben. Ich habe ihre und meine Supermama-Momente gesammelt. Als Inspiration für uns alle. Damit wir uns wieder einmal bewusst werden, dass man nicht immer auf die eigenen Fehler und Schwächen fokussieren sollte, sondern mindestens genauso viel Energie in die Freude über die eigenen Heldentaten investieren darf. Auch wenn einem diese noch so banal erscheinen.

  • «Wenn mein Sohn unruhig schläft, muss ich nur meine Hand auf seinen Bauch legen, schon atmet er wieder ganz gleichmässig. Das fühlt sich fast so an, als hätte ich Superkräfte.»
  • «Ich fühle mich als Supermama, wenn mein Sohn freiwillig mit mir Fussball spielen gehen will und ich es sogar schaffe, ein paar Tore zu schiessen.
  • «Manchmal helfen weder das bunteste Pflaster noch das am schönsten gesungene ‹Heile, heile Säge› der Grossmutter, wenn meine Tochter hingefallen ist. Sie will dann einfach nur von mir in den Arm genommen werden und hört innert Sekunden auf zu weinen. Ein wunderbares Gefühl.»
  • «Das klingt vielleicht seltsam, aber ich bin nicht nur stolz, wenn meine Jungs freundlich Bitte und Danke sagen, sondern fühle mich dabei ein bisschen als Supermama. Weil mir das zeigt, dass ich Ihnen das richtige Verhalten vorlebe und es sich lohnt, ihnen solche Regeln mit viel Geduld beizubringen.»
  • «Tickt meine Tochter wieder einmal aus und ich schaffe es, ruhig und geduldig an ihrer Seite zu bleiben, bis alles vorbei ist, fühle ich mich als richtige Supermutter. Weil ich mich trotz der schwierigen Umstände genau so verhalten habe, wie ich es von der idealen Mutter erwarten würde.»
  • «Wenn meine Tochter mir sagt, dass ich richtig gut Playmobil spielen kann, fühle ich mich ein klitzekleines bisschen wie Supermama. Sie ist schliesslich die Spielexpertin schlechthin und geht mit solchen Komplimenten äusserst zurückhaltend um.»
  • «Früher war es für mich selbstverständlich, eine gute Gastgeberin zu sein. Haben wir heute Besuch und es brennt nichts an, die Kleinen benehmen sich vorbildlich und ich kann meine Aufmerksamkeit zumindest phasenweise auch den Gästen widmen, fühle ich mich wirklich als Superwoman.»
  • «Dass mein Kind mit anderen teilt, macht mich sowieso stolz. Teilt es aber sogar sein letztes Gummibärchen mit der Freundin, verleiht mir das ein solches Glücksgefühl, dass ich mich in dem Moment als Supermama fühle. Mein Kind, so selbstlos – überirdisch schön!»

In welchen Momenten fühlen Sie sich als Supermama?

Schön kitschig: «Superwoman», gesungen von den Superfrauen Glady Knight, Patti LaBelle und Dionne Warwick. Quelle: Youtube

Einfach weils so schön Power gibt: «Eye of the Tiger» (bitte im Text einfach «man» durch «woman» ersetzen), The Survivors. Quelle: Youtube

Vertraut euren Schulkindern

Mamablog-Redaktion am Freitag, den 22. Mai 2015

Dieser Beitrag ist Teil der Serie #Schulewohin. Der «Tages-Anzeiger» beleuchtet im Monat Mai die grössten Herausforderungen der Volksschule.

Ein Gastbeitrag von Marianne Kuhn*

little  girl going to school

Kinder müssen lernen, selbstständig zu denken und zu handeln – und das vom ersten Schultag an. Foto: iStock

Spätestens mit dem ersten Schultag eines Kindes beginnt der Ernst des Lebens. Nichts darf mehr schiefgehen. Wird ein Defizit nicht sofort aufgedeckt, kann das Folgen für den Rest des Lebens haben, sind viele Eltern der Meinung. Viele Mütter und Väter sind verunsichert und kontrollieren und analysieren alles, was ihre Kinder und deren Lehrer in der Schule tun oder nicht tun. Da werden Tests kopiert und mit denen der besten Freundin verglichen. Ist man mit einer Bewertung nicht einverstanden, schreibt man dem Lehrer eine Nachricht, Fehler des Lehrers werden der Schulleitung gemeldet.

Bringt das Kind nicht die erwarteten Bestleistungen nach Hause, muss etwas unternommen werden. Der Telefondraht unter den Eltern läuft heiss. Geht es anderen Kindern ähnlich? Vermittelt die Lehrerin den Stoff richtig, wird von den Kindern zu viel verlangt – oder zu wenig?

Um dem Kind zu helfen, wird das Arbeitsblatt schon mal in einer Nachtschicht von der Mutter ausgemalt. Papi liest derweil noch einmal seine Asterix-Sammlung durch, um die Fragen des Antolin-Leseförderungsprogramms im Netz zu beantworten – und so wertvolle Punkte für seinen Sprössling zu sammeln. Der Grossvater kennt doch da noch ein paar mathematische Tricks, die dem Kind bestimmt weiterhelfen. Die Kollegin weiss von einer Therapie, welche auf jeden Fall nützen wird. Und die Tochter der Bürokollegin hat grosse Fortschritte gemacht, seit sie mit der neuen App auf ihrem Tablet übt.

Ja, stimmt etwas mit der heutigen Schule nicht? Oder können Schüler heute weniger als früher? Ich bin der Meinung, nichts von beidem stimmt. Tatsache ist allerdings, dass die Welt und die Schule sich in den letzten Jahren verändert haben. Die Schüler müssen heutzutage viel mehr und anderes können als früher. Die Lehrer kennen ihre Aufgaben und geben sich in der Regel grosse Mühe, alle Kinder optimal zu fördern. Sie haben ihre Schüler gern. Sie sind gut ausgebildet und werden von entsprechenden Behörden unterstützt und kontrolliert. Manchmal machen sie, wie jeder andere Mensch auch, Fehler, und dann sollen diese auch korrigiert werden.

Ständige Kritik an der Schule von allen Seiten ist allerdings nicht nötig. Es verunsichert viele engagierte Lehrer und ist auf die Dauer nur frustrierend. Ich rate deshalb allen Eltern: Habt Vertrauen in eure Kinder! Sie müssen lernen, selbstständig zu denken und zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und starke, eigenständige, ehrliche Persönlichkeiten zu werden. Dazu brauchen sie Vorbilder. Menschen, die ihnen zeigen, dass man auch einmal straucheln und dann wieder aufstehen kann, dass man Probleme selber bewältigen kann. Die auch hinter ihnen stehen, wenn sie nicht Klassenbeste sind. Kinder müssen für Fortschritte gelobt werden und Fehler machen dürfen. Sie müssen ausprobieren und lernen, Grenzen zu akzeptieren. Eltern müssen für ihre Kinder da sein, ihnen Mut machen und sie unterstützen, wenn sie Hilfe brauchen. Kinder können viel! Oft viel mehr, als wir uns vorstellen können. Trauen wir es ihnen einfach zu!

MB_portrait_kuhn_150* Marianne Kuhn arbeitet als Lehrerin und Heilpädagogin an der Oberstufe. Sie lebt mit ihrer Familie im Kanton Aargau.

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