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Dieter Liechti am Dienstag den 20. März 2012

Wo Beckham auf Federer trifft

Jetzt weiss man, wie die Athleten im Olympischen Village in London leben werden. Kein Grund zur Eifersucht.

In Sachen Olympische Sommerspiele hat sich die britische Trendmetropole London schon ein paar Aussetzer geleistet: Nebst dem schrecklichen Logo in Pink, das aussieht als sei der Bildschirm des Designers zu Boden gefallen und zersplittert, sorgten auch die beiden Maskottchen Wenlock und Mandeville für Spott und Hohn. Denn Wenlock und Mandeville sind eine ziemlich gewagte Kreuzung aus Teletubbie und dem Marshmallow Mann aus dem Hollywood-Blockbuster «Ghostbusters». Neben dem britischen Duo sahen sogar die beiden Doofmänner Trix und Flix der Fussball-EM 2008 in der Schweiz und Österreich ziemlich cool aus. Und das heisst was.

Doch damit sind die Kreativen im Umfeld der Olympischen Sommerspiele noch nicht am Ende: Anish Kapoors Skulptur am Eingang zum Olympiastadion wird von den Briten als «monumentale Anmutslosigkeit», oder als «Überreste eines entgleisten Zuges» bezeichnet. Und die eben veröffentlichten offiziellen Bilder der ersten fertiggestellten und möblierten Apartments des Olympic Village sorgen ebenfalls für wenig Begeisterung.

Jonathan Edwards, Vertreter der Athleten und Athletinnen, besucht die ersten fertigen Unterkünfte im Olympischen Dorf. Der britische Olympiasieger im Dreisprung bezeichnet die lieblosen Apartments mit den schrecklichen Duvets als «Kompromiss».

Denn die Zimmer sehen aus wie billige Studentenbuden, eine zufällige Kombination aus der Fundgrube bei IKEA oder Doppelzimmer im London Central YMCA (Young Men’s Christian Association) in den 80er-Jahren. Vielleicht gar kein Zufall: Denn mitverantwortlich für das Möblieren der Apartments ist der britische Dreisprung-Olympiasieger Jonathan Edwards, der die Wünsche der Athleten im Organisations-Komitee vertritt. Wie die britische Presse gerne daran erinnert, weigerte sich Edwards zu Beginn seiner Karriere wegen seines streng christlichen Glaubens, an Wettkämpfen teilzunehmen, die an einem Sonntag ausgetragen wurden. Erst ein paar Jahre später änderte er diese Haltung. Edwards kam zur Überzeugung, dass Gott ihm das Talent gegeben habe, um es auch im Wettkampf unter Beweis zu stellen.

«Es ist ein Kompromiss», gibt selbst Edwards nach dem Augenschein und Probeliegen im Olympic Village zu, und erinnert an «die Schönheit und die Ironie der Olympischen Spiele». Im Klartext verteidigt Edwards das Design und die spartanische Möblierung so: «Für die Athleten ist es der wichtigste Anlass ihres Lebens, aber die Rahmenbedingungen sind im Vergleich zu allen anderen Wettbewerben bestenfalls durchschnittlich. Aber man darf nie vergessen, dass die Bewohner hier eine einmalige Atmosphäre erleben werden.»

Und, als besonderes Schmankerl: «Die Athleten dürfen das exklusive Duvet mit nach Hause nehmen.» Also eines von rund 28 000 gebrandeten Duvets, das sich mit seiner Lieblosigkeit nahtlos in die Design-Misère rund um London 2012 einfügt. Denn bei längerem Betrachten sorgt das Teil wohl in erster Linie für Schlafstörungen bei den Athleten.

Doch nicht alle Superstars werden die «einmalige Atmosphäre» geniessen und eines der exklusiven Duvets einpacken können. Denn obwohl der englische Fussballverband bestätigt hat, dass sein Team «Zeit mit den anderen Athleten im olympischen Dorf verbringen wird», geht man davon aus, das Beckham & Co. – falls die Fussball-Ikone nominiert wird –, wohl höchstens für ein Fotoshooting mit ihren Security-Armeen und Familien in den Londoner Osten reisen werden.

Nicht Fundgrube bei Otto's Warenposten, sondern spartanisch eingerichteter Gemeinschaftsraum in einem Apartment (Bild oben) im Olympischen Dorf in Londons East End (Bild unten).

Aber auch andere Superstars wie unser Tennis-As Roger Federer werden wohl höchstens zur Stippvisite erwartet. Schon 2008 in Peking logierte Federer in einem Hotel, um sich besser auf die Wettkämpfe vorbereiten zu können. Das hat aber nichts genützt: Im Viertelfinal des Einzelturniers unterlag Federer damals dem Amerikaner James Blake; die Goldmedaille im Doppel mit Stanislav Wawrinka war nur ein schwacher Trost. Vielleicht ändert Federer seine Vorbereitung deswegen und lässt sich im Juli in eines der insgesamt 2818 Apartments einquartieren?

Wohl kaum. Die Chancen, dass man Becks und Federer mal beim gemeinsamen Znacht im Olympic Village sehen wird, sind zwar rein theoretisch noch immer vorhanden. Aber im besten Fall verschwindend klein. Da ist die Chance grösser, dass London für seine Design-Misère rund um die Olympischen Sommerspiele ausgezeichnet wird…

Schmerzt beim Ansehen: Das offizielle Logo der Olympischen Sommerspiele (Bild links). Schmerzfrei: Wenlock und Mandeville, die beiden skurrilen und einäugigen Maskottchen im Londoner Olympiastadion.

Olympic Village in Zahlen

  • 16 000 Athleten werden während den Olympischen Sommerspielen im Olympic Village untergebracht.
  • Ein 40-Mann-Team ist daran, die 16 000 Betten (alles Einzelbetten), 11 000 Sofas und 9000 Garderobenschränke zu montieren.
  • Das rund 1,5 Millarden teure Dorf besteht aus 11 Wohnblocks.
  • Nebst einer «Dining Area» mit 5000 Sitzplätzen steht ein Schönheitssalon für die Vorbereitung auf allfällige Siegesfeiern parat.
  • Der gesamte Komplex wird von insgesamt 1500 Sicherheitsleuten bewacht.
  • Nach den Paralympics im Herbst werden die Apartments des Olmypic Village als Wohnungen vermietet.

 

3 Kommentare zu „Wo Beckham auf Federer trifft“

  1. Dan sagt:

    Im Vergleich zu den meisten – bezahlbaren – Londoner Hotels ist das Zimmer ja okay. Aber man fragt sich wirklich, wer beim Londoner OK für das Design zuständig ist. Das Logo ist jenseits von Gut und Böse, die beiden Maskottchen Witzfiguren und ein derartiges Duvet würde man bei Otto’s nicht mal in der Fundgrube finden. Wär ich Federer oder Beckham, würde ich ganz bestimmt nicht dort hausen. Wer was anderes behauptet, lügt.

  2. Flo sagt:

    Das Logo finde ich immer noch sehr gekonnt: Olympia «nimmt» London von hinten…:) Ob nur finanziell sei mal dahingestellt.

  3. Franz sagt:

    Die Appartments sind doch voellig ok. Funktional, schlicht und vorallem neu.
    Ich bin sicher dass die gesamte Infrastruktur ( WC, Kueche, Bad, Betten ) bequem sind und einwandfrei funktionieren.
    Dass hier wiedermal alle verwoehnten Wohlstandsschweizer aufheulen und jammern ist mir echt ein Graeuel. Nicht jedem auf diesem Planeten gehts so gut wie dem Durchschnittsschweizer. Hoert doch auf zu meckern und macht selber etwas Sport!

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