#BernNotBrooklyn

Gisela Feuz am Sonntag, den 28. Mai 2017 um 10:04 Uhr

Das Weyerli ist zwar nicht Coney Island, aber hey, auch an unseren Badestränden ist mächtig was los.

Man fürchtete ja kurz um das Seelenheil der Badi-Jugend und hoffte inbrünstig, dass diese dem Englischen noch nicht mächtig sei, als die beiden Herren Yangboy$ vom Dicksucken und Ähnlichem zu trappen begannen am Weyerli Beizli Fest in Frau Feuz’ Hausbadi. Die Jugend rächte sich dann auf ihre ganz eigene Weise, hielt sich zeitweilig demonstrativ die Ohren zu und fragte zwischen zwei Songs, ob die Herren Yangboy$ denn wirklich nicht besser rappen könnten. Aufmüpfige minderjährige Kunstverächter dürften allerdings nicht das Hauptproblem der zwei Yangboy$ gewesen sein, denn die Bühen, welche da kurzerhand neben die überdimensionierte Hüpfburg gepackt wurde, stand in der prallen Sonne. Nüt da mit chillen und dickdippen im kühlen Nass, sondern hüpfen you must, Bitches.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es pünktlich zum Katerfrühstück.

P.S. Falls Sie heute ins Weyerli chillen gehen, werte Leserschaft, und zufälligerweise unser werter Hummer Schwab noch irgendwo rumliegen sollte, schmieren Sie ihn doch bitte mit Sonnenschutzmittel Faktor 300 ein, ja?!

Velo oder Schildkröte?

Gisela Feuz am Freitag, den 26. Mai 2017 um 9:26 Uhr

Sommerzeit – Randsportartenzeit! So würden es zumindest die Herren drüben bezeichnen. Tatsächlich gibt es sehr viel nichts Schöneres, als im Sommer das Rad zu satteln, bei Gegenwind Beaufort 12 lauem Lüftchen durch schöne Auenlandschaften zu pedalen, sich perverso die Birne zu verbrennen am wolkenlosen Himmel zu erfreuen und beide Lungenflügel mit verdammten Dreckspollen Mutter Naturs Odem zu füllen. Das führt zu Mordgelüsten inspiriert den Geist und gibt Hornhaut am Arsch ist gut für Leib und Seele! Dieser Ansicht sind offenbar auch Tim & Puma Mimi, wie deren Ode an das Velo verrät.

Kreativer in der Wahl des Fortbewegungsmittels zeigt sich der jüngste Spross aus dem Hause Voodoo Rhythm namens Rolando Bruno. Anstelle eines schnöden Fahrrades besteigt Herr Bruno lieber eine Schildkröte, um der Liebsten zu Hilfe zu eilen. Was Greenpeace dazu sagen würde, sei jetzt mal dahingestellt. Jedenfalls macht die wunderbare Super-Mario-Bros-Ästhetik des Videos richtig Nostalgie-Freude, nicht? Rolando Bruno wird übrigens auch als King of Fuzz Cumbia bezeichnet. Sie wissen nicht, was Cumbia ist, werte Leserschaft? Cumbia ist diejenige Sorte von Musik, die einen als mitteleuropäische Frau mit der Beweglichkeit eines Besenstiels in Schockstarre verfallen lässt. Aber hören sie doch selber. Ich geh derweilen meine Uralt-Nintendo-Playstation im Keller suchen.

Frisch gepresst #7 «FRANK SPIRIT – LIVE IN STRASBOURG»

Urs Rihs am Donnerstag, den 25. Mai 2017 um 15:45 Uhr

«Frisch gepresst» die Serie auf KSB; bringt zum Vorschein, was in feuchten Kellerstudios und synthesizerbestückten Dachböden unserer Stadt an Mukke produziert wird – vornehmlich Elektronisches aber grundsätzlich alles was direkt ab Presswerk auf meinem MK landet.

FRANK SPIRIT – diese Freigeister – wobei, um genau zu sein «frank» meint ja eigentlich ehrlich und offen. With frank spirits, you wish to share your needs with!
In diesem Fall sind das analoge Tonmaschinen, in allen Formen und Farben und die daraus resultierenden Rhythmen – tanzbar, relaxt, smooth.

Für die Nerd Fraktion, damit klar wird womit hier angerührt wird: AKAI MPC 1000 – ROLAND TR 707 – JOMOX AIRBASE 99- MOOG MINIATUR – KORG POLY 800 – YAMAHA TX8IZ – ROLAND JV 2080 – AKAI MIC 42 – MOOG MF DRIVE – STRYMON EL CAPISTAN –BOSS RE 20 – MOTU MIDI EXPRESS.

Genug des Kauderwelsches jetzt aber – schliesslich berichtet hier selbst ein totaler Laie. Und um die Spirits zu lieben, brauchts sowieso nichts mehr als ein Faible für warme Sounds und etwas 90’s love in your heart! Funk Bastard und Azul Loose Ties – letzterer hat mit seinem Debut-Release «Harmonise EP» erst grad hart Welle gemacht – und der Bastard ist eh ein Rastloser. Mit seinen Dance-Anlässen, Label und handgelöteten Rotary Mixern – Brain & Device plus Varia Instruments lassen Grüssen.

Zusammen sind sie eben «FRANK SPIRIT», unterwegs in der Welt der Heads – weil es zu zweit einfach ein bisschen mehr Vibe hat – kürzlich gar auf Japantour und natürlich immer wieder mal im nicht allzu fernen Euroland. Da ist auch das frische Tape entstanden – live in Strasbourg – bei Freunden im Mudd Club, eigentlich ein Punk Schuppen. Aber mit dem richtigen Equipment lässts sich ja schnellstens umdisponieren. Der Live-Timbre ist auf der Aufnahme denn auch schön auszumachen, gerade am Anfang, ein klein wenig Ambient-Mic und schon wähnt man sich auf dem Dancefloor…

Releast haben die Beiden übrigens wie sichs zur Zeit gehört, beim einzig wahren Tape Label unserer Stadt: TOXICO – der Blog berichtete schon.

Muskialisch wird auf den Pfaden Beatmakertum und four-to-the-floor House gewandelt, mit einem Touch Disco hie und da, sehr organisch, knisternd und natürlich, auf dem Magnetband, mit diesem beruhigenden Hintergrundrauschen.
Gönnt euch diese Kassette, macht sich gut im Deck oder im Walkman. Im Gestell sollte sie indes besser nicht landen. Das wär dann vergebene Liebensmüh.

The tape in it’s natural habitat – surrounded by analog machines – like back in the days in motown.

Rahmenhandlung: Spazieren ob dem Thunersee

Roland Fischer am Mittwoch, den 24. Mai 2017 um 11:46 Uhr

Kunst geht auch ganz unprätentios: Der Skulpturenweg Krattigen versucht gar nicht erst, mit einem zeitgenössischen Kulturbegriff zu liebäugeln. Da stehen allerlei Sachen in der Landschaft und der in Museen und Galerien geschulte Betrachter weiss oft gar nicht so genau, was denn nun offizieller Teil dieses Skulpturenwegs ist. Sehr erfrischendes Kunsterlebnis. Tolle Aussichten auf den Thunersee inklusive.

Es geht da selbstredend auch um andere Themensetzungen, andere Länder, andere Sitten:

Auf der Zielscheibe ist das Krattigerwappen zu sehen. Zwei historische Gewehre verbinden Tradition und Wehrhaftigkeit. Ein Glaskrug bringt das Gewerbe ein, führt zum Handwerk, welches in Krattigen ausgeübt wird. Im wahrhaften Sinn, ein Talismann für Natur, Gewerbe und Sicherheit.

und, wie die BZ auch noch rapportierte von der Eröffnung:

«Es besteht die Möglichkeit, den Skulpturenweg zu erweitern. Weitere Sehenswürdigkeiten werden erwartet.»

Wir kommen wieder.

Keinzigartiges Lexikon: Folge 21

Gisela Feuz am Dienstag, den 23. Mai 2017 um 6:50 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Die Sintebbe
Die Sintebbe ist eine alternative Evolutionstheorie, die von Wissenschaftlern der Universität Stanford entwickelt wurde und die davon ausgeht, dass ein blubbernder Wassergott zu Urzeiten die Erde einer großen Trockenheit aussetzte, um die sündigen Fische zu strafen. Diese legten ihre Eier lasziv auf billigem Blasentang und halbseidenem Seegras ab, schürzten die Lippen zu Kussmündern und trieben Unzucht mit Korallen. In der Not entwickelten die Fische Lungen und Beine – so entstand der Mensch. Die Wissenschaftlichkeit dieser Theorie wird jedoch angezweifelt. Dies vor allem deshalb, weil gerade die verruchtesten Fischarten noch heute im Meer dem leichten Leben frönen, unter ihnen der Aal, der Stechrochen, der Franzosendorsch und der Butt.


Spielte sich die Entwicklung vom Fisch zum Menschen doch schneller ab als bisher vermutet?

Nächste Woche: Das Jazzcorn

Kulturbeutel 21/17

Milena Krstic am Montag, den 22. Mai 2017 um 6:16 Uhr

Die Krstic empfiehlt:
Die Badisaison startet am Samstag,ƁỊ₮ϾῌЄ$. Weil: Das Weyerli feiert sein neues, fesches Beizli, das für den Anlass ein paar nette Acts engagiert hat. Drei Mal dürfen Sie raten, wen (unter anderem). Oder klicken Sie einfach hier. 

Frau Feuz empfiehlt:
Am Samstag macht ein immer wieder gerne gesehener Gast im Kairo Halt: Der Düster-Folker Delaney Davidson. Ausserdem lohnt sich zwischen Donnerstag und Sonntag eine Reise in die Pampa, genauer: nach Münsingen, wo im Rahmen von Photo Münsingen diverse Fotografen und Fotografinnen ihre Werke ausstellen, so unter anderem auch Alain Schenk, der in «Live on stage» Konzertbilder von rund 20 Schweizer Bands zeigt. Am Donnerstag spielen zudem die grossartigen Harvey Rushmore & the Octopus an der Foto-Ausstellung.

Der Urs empfiehlt:
Die Silver Apples – ich glaubs nicht, das ist doch Spacerock! – und natürlich das ganze Drumherum, «Die lange Nacht der elektronischen Musik» – in der Dampfzentrale am Donnerstag. Geht hin, das war mal Synth-Proto-whatsoever – und darum  jetzt immer noch hip as fu**. Ist zwar leider – Dan Taylor R.I.P – nur noch einer davon, aber trotzdem legendär. Le – gen – där, no joke, wegweisender Sound!!

Mirko Schwab empfiehlt:
Massicot machen den schönsten Krach irgendwo zwischen Galerie, Nihilismus und No-Wave, kommen aus Genf und am Samstag in der Spinnerei vorbei. S/o to the club, der sich weiterhin unbeschwert und mit einem prächtigen Programm in der hauptstädtischen Konzertszene hervortut.

Im «SCHNEEGESTÖBER»

Urs Rihs am Samstag, den 20. Mai 2017 um 14:12 Uhr

Am Mittwoch war Vernissage in der Sattelkammer. «SCHNEEGESTÖBER», eine Ausstellung von Myriam Gallo und Natalie Reusser. Im Fokus der beiden stehen Kontraste – von Materialitäten, Stoffen, Strukturen. Ihre Werke erzeugen ein Flirren – hell, dunkel, scharfkantig, weich – zwischen Karbonfaser, Zucker, Gesso und Stoff entsteht ein analoges Bildrauschen. Eine faszinierende Werkschau.

Die Ausstellung «SCHNEEGESTÖBER» ist noch am 24./31. Mai und am 1./2. Juni zu besehen, macht also nichts, wenn ihr die Vernissage verpasst habt, ich war ja da. Und zwar zwischen abstrakten Werken – aus gebranntem Zucker, Dispersion bestrichenen Fuselstoffen, karbonglasierten Daunenkissen und angemalter Luftpolsterfolie – die beiden Künstlerinnen lassen wenig unversucht.

Es ist denn auch diese spielerische Herangehensweise, welche den Kunststücken zu ihrem Glanz verhelfen. Man merkt, hier sind zwei am Werk, welche den Versuch lieben, das Probieren. Was geschieht, wenn ich dieses Material thermisch traktiere, es verziehe, überziehe?

Ich war gänzlich fasziniert von den körnigen Ausstellungsstücken – welche übrigens im Ausstellungsraum nicht mit Autorenschaft versehen sind. Schien dem Künstlerinnenpaar nicht wichtig zu unterstreichen, wer was gemacht hat. Vielmehr scheint das gegenseitige Vertrauen zentral. Die Beiden kennen sich und haben schon manch eine Teilstrecke ihres künstlerischen Werdeganges zusammen beschritten – und ihre Arbeiten erweitern sich denn auch, sehr organisch das Ganze.

Geht also vorbei, in diese SATTELKAMMER an der Zähringerstrasse 42, junge, frische Kunst braucht Platz und genau solch schöne Räume!

 

Ach, Bundi

Mirko Schwab am Donnerstag, den 18. Mai 2017 um 13:20 Uhr

Er hat keine Website, dafür eine grosse Klappe. Und wir können ihm beim Klettern zuschauen, dem Emanuel Bundi: Autor, Performer, Unikat.

Der Berner Schriftensteller Emanuel Bundi und ein etwas wüster Hund. (Photo ©: ale, www.alexanderegger.ch)

Dieser Text hat folgendes Vorwort: Bundi ist ein guter Freund und wir küssen uns oft auf den Mund. Ob man denn Kritik betreiben könne an einem, den man auf den Mund küsst. Ob das nicht eben genau diese inzestuöse Kulturfuzi-Kuschelei sei, dieses freischaffende «einander am Anus chräbele», wie der Porträtierte selbst es formulieren würde. Dazu muss ich die Begriffe der Freundschaft und der Kritik etwas von ihrer mitgemeinten Unbedingtheit befreien. Zum einen ist es durchaus möglich, manchmal nötig, streng zu sein mit guten Freunden. Im Gegensatz zu flüchtigen Bekannten besteht bei ihnen wenigstens die Gewissheit, dass, sollte einer beleidigt sein, man sich einmal gepflegt auf die Haube geben könnte und gut ist. Zum anderen wird auch der Begriff der Kritik oft als unbedingt, als unbedingt negativ nun, verstanden. Wobei einander 1 runterzuholen natürlich keine wohlgesinnte Kritik sein kann, die sorgfältig begründete Bewunderung aber mit Sicherheit schon.

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Spazieren ist eine Kunst

Roland Fischer am Mittwoch, den 17. Mai 2017 um 9:55 Uhr

Ein Aperçu aus Hinterkappelen. Ein Kulturort abseits vielbegangener Pfade, vor einem Jahr zu Ehren des 2015 verstorbenen Malers, Zeichners und Bildhauers Jean-Louis Piguet eröffnet. Ein «Atelier-Mémoriale» als Gegenposition zum heisslaufenden Kunstbetrieb. Ein Spaziergangsmuseum.

Apropos spazieren:

Spazieren […] muß ich unbedingt, um mich zu beleben und um die Verbindung mit der lebendigen Welt aufrechtzuerhalten, ohne deren Empfinden ich keinen halben Buchstaben mehr schreiben und nicht das leiseste Gedicht in Vers oder Prosa mehr hervorbringen könnte. Ohne Spazieren wäre ich tot, und mein Beruf, den ich leidenschaftlich liebe, wäre vernichtet.

Das schrieb Robert Walser vor genau hundert Jahren, in seiner berühmten Erzählung «Der Spaziergang». Morgen bis Sonntag findet dazu eine vom Robert Walser-Zentrum zusammen mit der Uni Bern abwechslungsreich programmierte Tagung statt. Besonders zu empfehlen: Die Stadtwanderung am Sonntag vom Robert Walser-Zentrum zum Zentrum Paul Klee mit Benedikt Loderer.

Keinzigartiges Lexikon: Folge 20

Gisela Feuz am Dienstag, den 16. Mai 2017 um 6:58 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Der Flederhamster
Der Flederhamster ist das einzige fliegende Säugetier neben der Fledermaus und der Schwebekuh. Sein Flug zeichnet sich durch die typischen Schaukelbewegungen aus, die gewöhnliche Hamster nur mithilfe eines Hamsterrads hervorbringen. Der Flederhamster, der bei den Inka übrigens als Glücksbringer galt, orientiert sich über Ultraschalllaute, sofern seine Backen nicht gerade vollgestopft sind. In der transsilvanischen Literatur des frühen achtzehnten Jahrhunderts waren Vampire zunächst noch den Flederhamstern nachempfunden. Ihre langen Nagezähne wirkten aber wenig furchteinflößend. Erst als die englische Literatur stattdessen die Fledermaus mit ihren Reißzähnen als Vorbild nahm, stand dem Erfolg der Vampirromane nichts mehr im Weg.


Das Wort „masuklcha“ in der Sprache der Inka bedeutet zugleich „Flederhamster“ und „Juhu!“.

Nächste Woche: Die Sintebbe