Viel Platz auf dem Platz

Frau Götti am Dienstag, den 25. April 2006 um 13:07 Uhr

Rauhausplatz, Sonntag, 15:37 Wie lieben wir doch den Platz vor unserem Parlament – diese Ruhe, diese Besinnlichkeit, diese Erhabenheit. Nur dann und wann durchbricht das Klicken eines japanischen Fotoapparats die Stille. Schön ist auch, dass das Café auf dem Platz nie geöffnet ist: So ist unsere Andacht nicht gestört. Und niemand stolpert über Kinder.

Bundesplatz, Sonntag, 16:00 Uhr Wahrlich, welch wohltuender Konstrast zu nebenstehendem Platz, auch dies einer vor einem Parlament. Lärm von johlenden Kindern, kreischenden Touristen, plappernden Teenagern. Schmutzig, nass der Boden. Wie soll man da in sich gehen können? Wie kann man dies den Herren und Frauen Parlamentariern zumuten?

Und die absolute Höhe: Nicht unser Rathausplatz, sondern dieser Ort wurde mit einem Preis ausgezeichnet in Amerika drüben bei den Architekten!

Bazaaris mit neuem Tonträger

Daniel Gaberell am Montag, den 24. April 2006 um 10:54 Uhr

Cover Watersongs Bazaaris steht für einen bunten Musikbazar in ganz unterschiedlichen Besetzungen. Asita Hamidi, Björn Meyer und Fredrik Gille sind diesmal die Urheber und Täter des neusten Tonträgers „Watersongs“. Als Ausgangspunkt gilt die Stadt Bern, wo Asita (schon viele, viele Jahre) und Björn (schon viele Jahre) leben. Die gebürtige Perserin wohnte vorher in Wien, Björn war in Schweden zu Hause. Auch der dritte im Bunde, dieser Fredrik, ist Schwede. Allerdings lebte der Akustiker einige Jahre in Madrid und war schon immer Dauergast in der Schweiz (u.a. mit “Flamencos en route“ unterwegs).

Zusammen also bringen die drei eine neue und wunderschöne CD auf den Markt. Bei Track 3 zum Beispiel wünscht man sich – trotz sehnlichst erwarteten Frühlingsgefühlen – den Winter zurück oder bei Nummer 7 „Kebne Kaise“ möchte man unbedingt eine lange Zugreise antreten und die innigen Glücksgefühlen voll auskosten.

Dies ist eine eindringliche Kaufempfehlung! [-> www.hamidi.ch]

Zu hören und sehen am Freitag 9. Juni und Samstag 10. Juni 2006 (jeweils 21 Uhr) im Atelier 363 im Progr in Bern.

Mehr Infos unter www.bazaarpool.com

Bärn fägt, Vol. I

christian pauli am Samstag, den 22. April 2006 um 9:03 Uhr

FusskopfballEs gibt Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt, die behaupten, Alexander Tschäppät sei eher in der VIP-Loge im Wankdorf aka Stade de Suisse anzutreffen, als – sagen wir – an einem Avantgardekonzert in der Dampfzentrale.

Als fussballbegeisterte Kulturmacher haben wir für diese Präferenzen unseres Stapis, wenn sie denn zutreffen würden, natürlich alles Verständnis. Mit Interesse nehmen wir auch zur Kenntnis, dass uns Tschäppät 26 Monate vor der EM ’08 noch mehr fussballbegeistern will. Unter dem Motto «Einwurf. Nicht Abseits» schreibt der Stapi:

«Wir wollen uns um jene Personen kümmern, welche die Euro mit ihren Steuerngeldern mitfinanzieren: Die Berner Bevölkerung.»

Dabei gehe es nicht primär um die 440 Gramm rundes Leder, sondern die Botschaft laute: «Bärn fägt»

Ja, wir sind dabei! Nein, wir lassen uns auch nicht unterkriegen, wenn der Stadtpräsident offen sagt: «Von uns dürfen Sie keine Mittel erwarten, die wir nicht haben.» Nein, wir schauen grosszügig weg, wenn wir hören, dass die grosse Brause, die jeweils nach dem EM-Spielen im Stade de Suisse auf dem Bundesplatz stattfinden soll, schon an die grossen Partyplayer in dieser Stadt verklinkert ist. Nein, wir stecken auch locker die Depression weg, die uns der YB-Abwehr-Intellektuelle Gernod Roth mit seiner Cup-Blamage verpasst hat.

Stapi, wir kommen! Aber wir haben eine kleine Frage, die uns sehr verunsichert: Wer zum Teufel ist eigentlich wir?

KünstlerInnenbörse in Thun

Daniel Gaberell am Freitag, den 21. April 2006 um 17:10 Uhr

Wer eine gewaltige Ladung an Kleinkünstlertum einverleiben möchte, der reise schleunigst nach Thun. Dort findet zur Zeit (noch bis Sonntag) die 47. KünstlerInnenbörse statt. Der Sinn: man zeigt sich und sein Programm den ungefähr 600 VeranstalterInnen aus dem In- und Ausland. Hauptsächlich Kleinkunst ist angesagt – oftmals die Kombination von Theater, Musik und Worte.

Besonders spannend, die Off-Bühne (ohne Eintritt) rund um den Schadausaal. Dort können/müssen sich all jene präsentieren, die eine von 240 Absagen der Organisatoren erhielten – denn offiziell werden nur 60 Darbietungen programmiert und gezeigt.

Die Folgen: I’m overdosed!

Kleinkunst

Eben doch ein Popper: Sophia-Frontmann Robin Proper-Sheppard

Frau Götti am Donnerstag, den 20. April 2006 um 15:46 Uhr

«I’m not in a poppy mood», sagte Herr Proper-Sheppard beim gestrigen Autritt im Bad Bonn, Düdingen. Heute Abend könne er nur vor sitzenden Leuten spielen. Gehorsam nahmen seine Fans daraufhin auf dem Boden Platz. Und lauschten den einlullenden Klängen von Robins akustischer Gitarre. Eine sehr un-poppige, gesetzte Atmosphäre wollte Robin schaffen und sang die Sophia-Songs halb so langsam wie sonst und mit geschlossenen Augen.

Aber der Sophia-Mann ist und bleibt (zum Glück) ein Popper: Dafür sorgten effektvolle Stilbrüche, wie die ziemlich schnodrigen und ziemlich witzigen Anekdoten, mit denen er die Lieder immer wieder unterbrach. Und der zweite Teil des Konzerts, für den Robin “the boys” auf die Bühne holte – die fünf Mitglieder der britischen Band Vito. Zusammen mit denen sorgte er für harte Riffs und heisse Stimmung. Ans Sitzen dachte keiner mehr.

Übrigens: Vito kann auch alleine Stimmung machen. Dies zeigte ihr Auftritt als Vorband von Robin, nach dem das Publikum lautstark Zugaben forderte…

Pop-Beweis: die sehr eleganten Schuhe von Robin

Weitere Auftritte in der Schweiz:
Heute Abend im
Le Romandie, Lausanne
Morgen im El Lokal, Zürich

Erdbeerbaum & Zaubernuss

Daniel Gaberell am Mittwoch, den 19. April 2006 um 15:31 Uhr

Buchcover BeatRaffinierte Räuber, fleissige Fleischfresser, zierliche Alpenbewohner, stattliche Königinnen und viele andere spielen im neuen Buch von Beat Fischer, Thomas Mathis und Adrian Möhl die Hauptrollen. Dabei handelt es sich in allen Fällen um Pflanzen. Pflanzen aus dem tropischen Regenwald, der trockenen Wüste, den weiten Steppen, aus dem Mittelmeergebiet oder aus den Alpen.

Und sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: erstens gedeihen sie im Botanischen Garten in Bern und zweitens bilden sie das Herzstück des neuen Buches Erdbeerbaum & Zaubernuss [Pflanzengeschichten aus dem Botanischen Garten Bern], welches im Haupt-Verlag soeben erschienen ist. Beat Fischer, der Mitautor und Herausgeber, ist den Bund-LeserInnen sicherlich auch einen Begriff durch seine erholsamen Kolumnen im Bund über saisongerechte Alltagsbiologie.

Ein hübsches Buch von 160 Seiten für Fr. 29.90.

Vernissage: 27. April um 18 Uhr im Botanischen Garten.

Geschundene Seelen

Manuel Gnos am Mittwoch, den 19. April 2006 um 13:01 Uhr

So manche Amateurmusiker-Karriere in der Schweiz beginnt mit dem Blockflötenunterricht. Die Zahl der geschundenen Seelen landauf landab dürfte demnach immens sein.

Blockflöte und geschundene SeelenIch jedenfalls war froh, nach einem Jahr Blockflötengruppenunterricht in die Klarinetteneinzelhaft wechseln zu können. Auch wenn dort – unter der Aufsicht eines osteuropäischen Meisters – die Strafe fürs Nichtüben mit Liegestützen beglichen werden musste.

Immerhin, so schlimm wie bei der Freundin eines Freundes sind meine Pflötenerfahrungen denn doch wieder nicht: «Während ich mich mit Menuettlis von Mozart abmühte, zog Fräulein Meiler (sie war damals um die 60) die Schuhe aus und führte höfische Tänze auf.»

Trotzdem kommt mir folgende Feststellung des deutschen Blockflötenportals wie eine Drohung vor: «Viele Blockflötenorchester gibt es bereits.» Wenigstens scheint die Gefahr noch abwendbar. Denn: «Es kennt sie nur keiner und sie kennen sich untereinander nicht.»

Kein Beitrag zur erfolgreichen Vergangenheitsbewältigung ist auch der Mann auf unserem Bild: Friedhelm Schneidewind.

Romeo And Juliet Get Married

Daniel Gaberell am Dienstag, den 18. April 2006 um 11:02 Uhr

Nach dem enttäuschenden Cupfinal, erhoffte ich mir fussballerische Genugtuung im soeben angelaufenen Kinofilm „Romeo And Juliet Get Married“.

Doch weit gefehlt: im brasilianischen Streifen dreht sich zwar alles um Fussball (und Liebe), aber der matte und laue Fussballsonntag fand auch in den Abendstunden seine Fortsetzung. Zu lächerlich, zu klischiert und zu übertrieben wirkten die Protagonisten auf der Leinwand.

Lags an meiner Stimmung oder ist der Film tatsächlich schlecht?

Fans

Der Hauptdarsteller (hier ganz vorne, wild fuchtelnd) ist nicht nur Augenarzt, sondern auch Präsident des Fanclubs der Corinthians.

«It must be the tie»

Manuel Gnos am Freitag, den 14. April 2006 um 13:32 Uhr

Ron CarterRon Carter hat Jahrgang 1937, spielte in den 1960er-Jahren im Quintett von Miles Davis – und mit über 2000 Alben gehört er zur Weltspitze der Bassisten.

Diese Einschätzung teilte gestern Donnerstagabend auch das Publikum in Marians Jazzroom: Als sich nach rund einer Stunde erstmals die Gelegenheit zum Applaus bietete, war dieser langanhaltend und herzlich. Fast etwas verlegen meldete sich Ron Carter darauf zu Wort: «It must be the tie», sagte er grinsend und in Anspielung auf die Kritik im «Bund» am selben Tag.

Dort nämlich stand geschrieben: «Wenn die in bestes Tuch gehüllten Musiker (natürlich inklusive Krawatte, zum Teil sogar mit Poschettli) mit lässiger Eleganz den kurzen Weg von der Garderobe zur Bühne unter die Füsse nehmen, denkt man unweigerlich an den Auftritt eines piekfeinen High-Society-Löwen mit seinen Butlern.»

Ron Carter wunderte sich zunächst aber darüber, dass in Berns Zeitungen die Konzertbesprechungen mit einem Tag Verspätung erscheinen. Etwas gereizt kommentierte er schliesslich Tom Gsteigers Aussage im «Bund», er – Carter – bevorzuge einen «aufgeplusterten Pickup-Sound der 70er-Jahre»: «Das ist annähernd mein Alter. Ich denke, ich darf also auch so tönen.»

Ulrich Roth dagegen schrieb im Lokalteil der Berner Zeitung: «Den schwarzen Odysseus am Bass stört selbst das Klicken einer Kamera.» Das Resultat dieses Klickens gibt es hier zu sehen.

(Bild: Daniel Marti)

Neues von Francesco Micieli

Daniel Gaberell am Donnerstag, den 13. April 2006 um 12:32 Uhr

Cover MicieliNeues Buch des Berner Autors Francesco Micieli. Der Italoberner bringt mit “Am Strand ein Buch” eine weitere Erzählung über die Suche nach der verlorenen Heimat. Er selber ist übrigens in Lützelflüh aufgewachsen.

Buchvernissage bei Libromania in Bern am 28. April um 19.15 h. Das Buch kostet 20 Fr. und ist unter www.verlagxtime.ch oder im Buchhandel zu kaufen.