Noch unschlüssig?

Manuel Gnos am Mittwoch, den 5. Juli 2006 um 12:05 Uhr

Gurtenfestival-Special-RadioSind Sie noch nicht sicher, ob das diesjährige Programm des Gurtenfestivals etwas für Sie ist? Dann haben wir hier etwas für Sie: das original Gurtenfestival-Special-Radio!

Aber Vorsicht: Auch nach dem Hören dieses Internetradios könnten Sie noch zum Schluss kommen, zwischen dem 13. und dem 16. Juli den Gurten zu meiden. Wenigstens tun Sie es dann dank fundierter Recherche. Im umgekehrten Fall natürlich ebenfalls.

Oder in den Worten der Veranstalter gesprochen: «Der Gurten ist ja bekannt dafür, dass viele Acts spielen, die noch nicht oder noch nicht sehr bekannt sind, aber sehr geilen Sound machen.» Nun denn, urteilen Sie selbst.

Ein Hoch auf den schönsten Brunnen

Frau Götti am Montag, den 3. Juli 2006 um 16:11 Uhr

Brunnen Moosumwuchert steht er da, tagaus, tagein, und tröpfelt vor sich hin und wird viel zu wenig beachtet. Nicht erinnert mehr an die Empörung, die der Meret-Oppenheim-Brunnen in Bern in den Sandsteinköpfen der Traditionalisten nach seiner Errichtung 1983 auslöste.

Wer unterwegs ist zur neuen Ausstellung im Kunstmuseum, sollte unbedingt unterwegs wieder mal einen Zwischenhalt beim Brunnen von Frau Oppenheim einlegen.

Besonders schön ist der Brunnen jetzt im Sommer, wenn einem keine kitschigen Eiszapfen die Sicht verstellen und wenn das Moos einem so richtig obszön und fleischig den Gegensatz von kruder Natur und gestelzter Kultur zeigt. Die Säulen ganz oben und wir ganz unten.

Das gibt es eben auch in dieser Stadt der Kreiselbären. Zum Glück.

Nach dem Spiel ist vor dem Konzert

Manuel Gnos am Sonntag, den 2. Juli 2006 um 22:40 Uhr

Die Welt ist grad zu Gast bei Freunden. Und weil seit den 1990er-Jahren und dem «Existentialisten in kurzen Hosen» (ein Druckerzeugnis über Fabien Barthez) auch Kulturinteressierte öffentlich zur Verzückung über die runden Leder stehen dürfen, haben die hiesigen Veranstalter kapituliert und eine kulturfreie Zeit eingeläutet.

Simon Jäggi, Sänger von Dean Moriarty And The Dixie Dicks. (Bild: Manuel Gnos)

Mitten in diese Kulturlosigkeit platzte gestern Samstag das Hausfest der Berner Dampfzentrale. Das Programm war attraktiv – und für Unverbesserliche wie mich gab es sogar diverse Farbfernseher und eine Leinwand, wo sich der (hoffentlich nur vorübergehende) Niedergang des brasilianischen Fussballs mitverfolgen liess.

Doch nach dem Spiel ist vor dem Konzert. Und so betrat um Mitternacht die Berner Tom-Waits-Coverband «Dean Moriarty and the Dixie Dicks» die Bühne. Nach ihrem Bee-Flat-Auftritt in der Turnhalle war das meine zweite Begegnung mit der Band, und noch immer schaute ich ungläubig auf die Bühne, weil es schlicht nicht möglich sein kann, dass ein Mann von der Erscheinung von Simon Jäggi die rumpelnden und knorrigen Töne eines Tom Waits imitieren, ja gar mit einer eigenen Note versehen kann.

Dann war die Berliner Formation «Der Rote Bereich» an der Reihe. Ihre Version des Jazz war wunderbar anstrengend und die Ansagen des Bandleaders Frank Moebus waren wunderbar aufheiternd. Diese vertrackte Musik fand anschliessend ihre schweisstreibende Auflösung im Auftritt der Belgrader Gypsie-Rocker Kal.

Trotzdem ist ein flaues Gefühl zurückgeblieben. Nicht weil die nun folgende DJane ein Fehlbooking war, sondern weil auffällig wenig Menschen in die Dampfzentrale kamen. Lässt sich Fussball wirklich nicht mit Kultur verbinden?

Schneidersitz unter Baumallee

Daniel Gaberell am Sonntag, den 2. Juli 2006 um 9:02 Uhr

Wir blenden zurück: ziemlich genau vor zwei Jahren wurde er eingeweiht, unser neuer Bundesplatz. Frau und Herr Berner waren geteilter Meinung, was das Erscheinungsbild betrifft – im Allgemeinen aber gefiel der spritzende Granitboden.

Beinahe einig aber war man sich darüber, dass Bäume und Sitzgelegenheiten auf dem neuen Vorzeigeplatz fehlten. Nun sind sie da, die Bänklis zum draufsitzen. Ein Bänkli wiegt tolle 800 Kilos und – bald werden diese Bänklis, laut Behörden, wohl mit einem Sitzverbot belegt. Denn eigentlich dienen diese Steinquader dazu, die Autos davon abzuhalten, die Abkürzung über den Valser Gneis zu nehmen. Die „Bänklis“ stehen somit logischerweise zu nahe an der Fahrbahn und ein gefahrenloses Sitzen kann nicht garantiert werden.

Es ist natürlich schwierig zu ahnen, dass diese „Bänklis“ dann auch zum Sitzen genutzt werden – wo ja solche lauthals gefordert wurden und ich bin sehr gespannt, wie ein Sitzverbot für Bänklis aussieht und durchgesetzt wird.

Vielleicht wäre eine Baumallee in Töpfen die bessere Lösung gewesen.

Wir bleiben dran.

bk

Ausflug nach Zürich

Frau Götti am Donnerstag, den 29. Juni 2006 um 15:01 Uhr

Text
Bild1
Wie wärs denn mit einem kleinen Ausflug in die grosse weite Welt? Im Toni-Areal zu Zürich stellen die Gestalterinnen und Künstler der HGKZ ab morgen ihre Diplomarbeiten aus.

Bild2 Die Bandbreite ist gross, von Industrial Design über Videokunst und Fotografie bis zu wissenschaftlicher Illustration gibts alles.

Ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen, Bern untreu zu werden. Und das sag ich jetzt nicht nur, weil eine ziemlich fantastische visuelle Kommunikatorin zu den Ausstellenden gehört.

pfeil

Dem Himmel so nah

Daniel Gaberell am Montag, den 26. Juni 2006 um 15:44 Uhr

tower Bern hat ein neues Wahrzeichen: der 24 Meter hohen Turm anfangs der Lorrainebrücke.

Zugegeben, es ist recht lustig aus dieser luftigen Höhe über Bern hinweg zu blicken – Nahrung für Fernweh-Süchtige! Allerdings: von unten nichts Schönes.

«Das Gerüst von Ronny Hardliz funktioniert als ein temporäres Wahrzeichen, als offenes Gedankengerüst, das von der biblischen Himmelsleiter zum futuristischen Skyscraper reicht und vom Turmbau zu Babel zum Tatlin Tower. » Das schreibt Beate Engel von der Stadtgalerie über „ihre“ neuste Installation.

Und wenn wir schon dabei sind, erwähne ich gerne bei dieser Gelegenheit wieder einmal die engen Treppen hoch zum Münster rauf oder der Lochblechboden bei der Bergstation des Mattenlifts.

Los ihr Höhenängstler, rauf die Treppen. Es lohnt sich.

Das kurze Leben des Stuart Shorter

Grazia Pergoletti am Sonntag, den 25. Juni 2006 um 15:52 Uhr

Ich liebe ja das “Paradiesli”, das Frauenabteil im Marzili! Während einem die Sonne auf das blutte Füdli scheint, kann man sich erstklassige Gedanken machen zu Themen, wie: Weiblichkeit, Alter, Tatoos: Ja/Nein, oder soll-ich-mir-jetzt-auch-sone-ganz-Gesichts-abdeckende-trendy-Riesensonnenbrille-kaufen?

Eine weitere Frage ist dann auch immer: Was lese ich in der Badi? Es muss etwas sein, in das man sich mit Elan und Spass reinschmeisst, und lohnen soll es sich auch. Mein Tip: “Das kurze Leben des Stuart Shorter” von Alexander Masters. Unterhaltsam, interessant, authentisch und alles andere als belanglos!

Alexander Masters ist in New York geboren und lebt in Cambridge, wo er Physik und Mathematik studiert hat. Danach arbeitete er bei der Odachlosenhilfe und lernte dort Stuart Shorter kennen, einen chaotischen, zuweilen gewalttätigen Obdachlosen. Während die beiden grundverschiedenen Männer gemeinsam für eine Kampagne arbeiten, die zwei Sozialarbeiter aus dem Gefängnis befreien soll, erzählt Stuart Alexander sein Leben.

Mit Witz und Mitgefühl (auch mit Wut) arbeitet sich Masters durch Postüberfälle und Gefängniskrawalle zurück bis exakt zu dem Tag, an dem Stuart die Gewalt für sich entdeckt – um zu begreifen, warum sich ein fröhlicher kleiner Junge in eine drogen- und alkoholsüchtige Dr.Jekyll-und-Mr.Hide-Persönlichkeit verwandelt hat.
Sunday Telegraph

Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, es ist witzig und verzweifelt und lässt weitere brennende Badi-Fragen zu Themen wie Hautalterung oder ist-Heidi-Klum-wirklich-schwanger nur so dahinschmelzen.

“Das kurze Leben des Stuart Shorter” von Alexander Masters, erschienen im Kunstmann-Verlag

Regiert Fussball?

Frau Götti am Mittwoch, den 21. Juni 2006 um 14:48 Uhr

Bundeshaus

Programmvorschlag für alle, denen es ein bisschen genügelet mit Sie wissen ja schon, und die weder aus Japan oder Brasilien, noch aus Kroatien oder Australien kommen:

Das Kino Lichtspiel zeigt am Donnerstag einen interessanten Film.

OK, Sie haben ja recht, Frau Götti wird dort nicht anzutreffen sein, da sie Fussball schauen muss. Aber nicht dass KulturStattBern seine Pflicht nicht erfüllt hätte, auch im derzeitigen Ausnahmezustand.

Figuren-Theater Festival

Daniel Gaberell am Montag, den 19. Juni 2006 um 9:00 Uhr

Kathrin LeuenbergerFür die ganz Kleinen spielte am Samstag Kathrin Leuenberger das Figuren-Theater «Frau Meier, die Amsel». In einem kleinen weissen Koffer offenbart sich die ganze Welt der ängstlichen Frau Meier und ihrem gutmütigen Ehemann Theo.

Kathrin Leuenberger gilt mit ihrem Miniaturtheater Lupine als ganz besondere Perle und auch diese amüsante Geschichte (ursprünglich gezeichnet von Wolf Erlbruch), wo die Amsel (und Frau Meier!) das Fliegen lernen, ist ganz liebevoll und mit unzähligen Details ausstaffiert. Ein Genuss für alle grossen und kleinen Menschen.

Auch wenn der Begriff «Festival» wohl etwas hoch gegriffen war (nur ganz wenig Leute, handgeschriebene Orientierungshilfen auf A4-Blätter, klägliche Bratwürste), gab es doch ein Rösslispiel, welches derart schnell drehte, dass die Kinder durch die Fliehkraft beinahe in die jämmerliche Hamburgerbude gespickt wurden. Das immerhin war ein Festival – und was für eins!

Stattgefunden vom 16. bis 18. Juni 2006 in der Orangerie der Stadtgärtnerei in der Elfenau.

Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

christian pauli am Sonntag, den 18. Juni 2006 um 20:48 Uhr

Was ist wenn der japanische Trommler Doravideo (im Bild) bei 32 Grad am Schatten um drei Uhr Nachtmittags seine Felle traktiert, die ihrerseits die Projektionen manipulieren, die in seinem Hintergrund einen abartigen Rundgang durch die westliche Pop- und Politik-Kultur abspielen lassen?

Was ist, wenn in einer umwerfenden Ausstellung die Reaktorkatastrophe Tschernobyl einem die Augen und das Herzen streift und im Stock unten dran gleichzeitig eine verladene, verschwitzte Meute abravet?

Was ist wenn morgens um 3.30 Uhr der Amerikaner Otto von Schirach im von 30’000 Menschen besuchten Messegelände von Barcelona zu einer absurd-provokativen Performance ausholt?

Was ist wenn Senor Coconut und seine Band mitten im Gelände eine Retorten-Latinnummer nach der anderen abfeuern, derweil im Museum nebenan einem die Revolution erklärt, die der iPod ausgelöst hat?

Was ist wenn DJ Krush weit über 110 Dezibel fährt und neben Rahzel das Gleiche tut und zwischendrin beide aufeinmal?

Go to: sonar.es

Warum ich dies schreibe? Weil ich es immer ganz bemerkenswert finde, wie angenehm ruhig das Leben in dieser provinziellen, kleinen Kulturstadt Bern ist.