Sali Sally! Sali Billi!

Grazia Pergoletti am Samstag, den 15. Juli 2006 um 4:00 Uhr

Was ist ein Sitzriese? Meines Wissens ist das jemand mit langem Ober- und kurzem Unterkörper, der im Sitzen gross erscheint, aber wenn er aufsteht, kleiner ist, als erwartet. Laut Guz von den Zorros ist es jedoch genau umgekehrt. Einigen wir uns darauf, dass ein Sitzriese jemand ist, der auch gross ist, wenn er sitzt. Wie Beatman zum Beispiel hinter dem Schlagzeug.

Der erste Abend am Gartenfestival im Café Kairo war gross und ich sass kaum. Erst gabs Billi dr Bueb von Kämpf/Debatin/Lenz/Urweider. Ich habe diese Theaterproduktion schon im Schlachthaus gesehen und war auch heute nicht enttäuscht! Lustig und herzergreifend.

Lustig zum Beispiel “der Gittertanz, offeriert von den Tanztagen” oder so ähnlich. Herzergreifend zum Beispiel Marcus Signer als Billi und Pfarrer Gerbers (Andreas Matti) Monolog, in dem er erzählt, wie er von einem Felsen stürzt und “…näbem ne tote Reh mit luuter Wäschpi im Ranze” wieder zu sich kommt. Entzückend auch Vanessa Brandestini als Sally mit ihrem hölzigen Trotz!

Danach die Zorros mit allerlei Wissenswertem und toller Musik. Und dazwischen viele “Hallos!” und “Salis!”, Wurst und Getränke und eine charmante Barcrew.

Vielleicht ist ein Sitzriese auch Eine, die schon um halb eins sagt: “So, jetzt gehe ich mal langsam” und morgens um drei immer noch da ist. So wie ich zum Beispiel. Obwohl ich um drei nicht sass, sondern tanzte, denn die Disco war auch riesig!

Wahre Worte

Manuel Gnos am Freitag, den 14. Juli 2006 um 7:30 Uhr

Sänger Endo Anaconda von Stiller Has. (Bild: zvg)Gestern im «Bund» hat der Endo Anaconda (aka Andreas Flückiger) wahre Worte gesprochen: «Ein Grossanlass kommt wohl nicht ohne Sponsoren aus. Ich finde es scheinheilig, wenn man der Kultur vorwirft, dass sie gesponsert wird.»

In eine ähnliche Richtung geht die Aussage von Konzertveranstalter und Good-News-Boss André Béchir im «Magazin» vom letzten Samstag: «Rock ist skandalträchtig und gilt nicht als Kultur, sondern bloss als billiger Kommerz.»

Zugegeben, auch ich habe früher den Heavy-Metal-Posern vorgeworfen, kommerzielle Musik zu machen. Aber – wie man es dieser Tage wieder oft hört – zum Beispiel dem Jazzfestival Montreux vorzuwerfen, kommerziell zu sein, hat etwas Absurdes. Was sich nicht rechnet, wird nicht überleben. Auch in der Kultur nicht.

Brecht zum zweiten

Grazia Pergoletti am Donnerstag, den 13. Juli 2006 um 9:49 Uhr

Von Hannover aus gings für mich letzte Woche weiter über Berlin nach Jena, genauer ins Theaterhaus Jena. Ein ausgesprochen sympathischer Kulturbetrieb, der eher an die Gessnerallee in Zürich erinnert, als an ein Stadttheater. Co-Leiter des Theaters ist Regisseur Markus Heinzelmann, der kommenden Herbst die europäische Erstaufführung des israelischen Stückes Sieh mich an und sprich von Savyon Liebrecht im Stadttheater Bern inszenieren wird. Nach dem Besuch in Jena kann ich nur sagen: Freue dich, Bern!

Herr und Frau PeachumZu sehen gab es letzte Woche eine Freilicht-Inszenierung der Dreigroschenoper von Brecht, mit sehr viel spielerischer Fantasie, Liebe zum Detail und einem umwerfenden Humor, ein bisschen à la Schorsch Kamerun (um das Zitronen-thema endgültig zu Boden zu reiten). Trotz Understatement sieht man der Grossproduktion jedoch an, dass hier jemand am Werk war, der grosse Erfahrung hat.

Zum Brüllen komisch etwa Gunnar Titzmann, der in einem halbwegs gelangweilten Rocko-Schamoni-Ton den Peachum charmant auf die Bühne fläzt, beeindruckend und echt sexy Saskia Taeger als Polly Peachum, auf Riesen-Plateau-Schuhen einen Kopf grösser als ihr Macheath. Klasse auch die musikalische Umsetzung unter der Leitung von Vicki Schmatolla und die Videos von Heiko Kalmbach (die beiden Letzteren werden auch für die Produktion in Bern mit von der Partie sein).

In der Art könnte ich jetzt noch Zeile um Zeile mit Lob und Namen füllen… Seien wir also gespannt auf die Arbeit von Markus Heinzelmann, ab Ende Oktober in dieser Stadt.

Lorraine oder Länggasse?

Daniel Gaberell am Mittwoch, den 12. Juli 2006 um 21:02 Uhr

BouleWährend die lauen Sommerabende so dahinplätschern und man sich schon ganz fest daran gewöhnt hat, sein Jäcklein auch am Abend zu Hause zu lassen, ist für die BoulespielerInnen ebenso klar, dass man sich ab 18 Uhr tagtäglich auf dem Platz trifft. Ganz ohne spezielles Abmachen, man ist einfach da.

Bloss, wo trifft man sich? Im Lorrainepärkli oder unter den Platanen bei der Unitobler?

Für die Lorraine spricht ganz klar der Publikumsaufmarsch. Die Passanten legen nicht selten kurze oder längere Pausen ein um dem Metallkugelngeschehen Beachtung zu schenken.

Auch der Untergrund, das einigermassen berechenbare Kies, spricht klar für die Lorraine. Nicht zu vergessen „Tinus OK Bar“ gleich gegenüber sowie die Bäckerei und das Restaurant Du Nord. Und natürlich gibt es keine Bäume (die Kugeln können also mächtig in den Himmel geschossen werden) und seit diesem Jahr eine fantastische Beleuchtung bis tief in die Nacht hinein.

Warum also gibt es trotzdem noch Spieler bei der Unitobler? Und das jeden Abend und zwar nicht wenige? Hat jemand dort draussen im Cyberspace eine Erklärung dafür?

Das offizielle Berner Turnier findet dieses Jahr übrigens vom 4. bis 6. August 2006 hinten bei der BEA statt. Mehr Infos gibt es hier.

Lied der Stimmungshochhalter

christian pauli am Dienstag, den 11. Juli 2006 um 7:07 Uhr

Jetzt, wo wir das Ganze hinter uns haben, klärt sich der Blick auf die Dinge wie sie nun mal sind. Es gibt ein Leben neben dem Fussball. Zinedine Zidane zum Beispiel. Er machte uns am Sonntag vor, dass archaische Regungen auch im modernen Superathleten schlummern. Irgendwie tröstlich.

Aber lassen wir das. Ist ja nicht unsere Domäne, nicht wahr, liebe Kollegen vom Leder-Blog? Wollte auch nicht mehr davon schreiben, aber da ist mir diese CD in die Hände geraten, die mit dem schönen «Lied der Stimmungshochhalter» anfängt.

Ich denke nicht, dass Die Goldenen Zitronen an die WM gedacht haben, als sie dieses Stück kreierten. Passen tuts anyway: «Training im Unterwerfungskompetenz. Mit Aussicht auf Laufburschenschaft. Micky Mäuse, Nikoläuse, Pfortenwächter der Partyschleuse, Systemrädchen. Zigarettenmädchen.» Soweit.

Nicht, dass sich hier noch einer zum Patriotismus light äussern will. Aber mir scheint, dass es nun, in dieser Post-WM-Zeit, ganz gut tut, Bands zu hören, die zum Stand der Dinge sich äussern, ungeschminkt und unbestechlich, intelligent, schnittig, hektisch gar, und ganz schön eigentümlich, punkig und funkig.

Liebe Zitronen. Ich wollte euch einladen, hier in Bern mal wieder einzukehren. Ich hätte euch einen netten Abend in der Dampfzentrale zubereitet. Aber da war der Duex im Bad Bonn mal wieder fitter. Na denn, dann fahren wir am 12. September ins Bad Bonn zu Düdingen. Dort ists auch ganz nett.

Um zehn war Schluss

Manuel Gnos am Montag, den 10. Juli 2006 um 10:50 Uhr

Flink aus Luzern am Anyone-Can-Play-Guitar-Festival in Bern. (Bild: Manuel Gnos)
Flink aus Luzern am Anyone-Can-Play-Guitar-Festival. (Bild: Manuel Gnos)

Um 21.55 Uhr bestieg einer der Anyone-Can-Play-Guitar-Veranstalter die Bühne: «Bis zehn Uhr dürfen wir noch!» Der darauf folgende Applaus bewegt die Luzerner Indipendent-Rocker Flink aus Luzern zu einer letzten Zugabe. Und dann, pünktlich um zehn, klingt das Festival auf der Kleinen Schanze mit den letzten Akkorden eines Pixies-Covers aus.

Zwei Tage danach darf festgehalten werden:

Erstens, das Festival war auch heuer ein gelungener Anlass in schöner Umgebung (auch wenn die von den Schanzen-Alkis zwischendurch verbreitete Hektik mit der Zeit etwas anstrengend wurde).

Zweitens ist es schade, dass das Festival so früh beginnen muss. Denn zu Beginn waren gerade mal 30 Nasen und 60 Ohren da, was für die Bands doch eher frustrierend sein muss.

Drittens hätten unbedingt die Spacies Googies aus La Chaux-de-Fonds (oder doch Nöschenbourrrg?, wie es der Sänger sagte) als Headliner aufgestellt werden sollen. Schlicht weil sie die beste Band des Tages waren.

But anyway: Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Live von der Kleinen Schanze

Manuel Gnos am Samstag, den 8. Juli 2006 um 16:50 Uhr

Jetzt gerade in diesem Moment (und noch bis 22 Uhr) läuft auf der Kleinen Schanze in Bern das feine Festival «Anyone Can Play Guitar». Den Anfang haben die Spacies Googies aus La Chaux-de-Fonds mit ihrem rumpelnden, aufregenden Rock’n’Roll gemacht. Dann folgten die Berner Oberländer Seemannsgarn. Und zurzeit spielen The Unborn Chikken Voices.

Das weitere Programm: King Louis um 18:15 Uhr, Tortilla Flat um 19:30 Uhr und Flink aus Luzern um 21 Uhr. Gehet hin und habet Spass! (Auch deshalb…)

Anyone Can Play Guitar, Spacies Googies. (Bild: Manuel Gnos)
Die Spacies Googies aus La Chaux-de-Fonds. (Bild: Manuel Gnos)

Brecht zum ersten

Grazia Pergoletti am Samstag, den 8. Juli 2006 um 15:18 Uhr

Nein, ich werde jetzt nicht darüber schreiben, wie ich als Italoseconda am Dienstag Abend in der Kulturbrauerei in Berlin, umringt von na-was-wohl-deutschen-Fans-natürlich, dem zauberhaften Ereignis beiwohnte, das da Sieg genannt wird (für mich zumindest).

Vielmehr komme ich Euch mit Brecht! Und damit, was eine Bernerin in Hannover so treibt. Die Regisseurin Meret Matter hat am Schauspielhaus Hannover Die heilige Johanna der Schlachthöfe von Berthold Brecht inszeniert. Eine Produktion, die ihres Erfolges wegen vorraussichtlich in die nächste Spielzeit übernommen wird.

Ein spannender, bewegender und erstaunlich aktueller Abend mit tollen Schauspielern und Schauspielerinnen – allen voran Wolfgang Michalek als Fleischfabrikant Mauler. Seine eitle Selbstzerfleischung, die nichts mit Einsicht zu tun hat, sondern immer egoistsisch bleibt, ist absolut auf den Punkt gebracht. Viel Atmosphäre erhält die Aufführung auch durch die filmmässige Musik von Ted Gaier (Die goldenen Zitronen).

Johanna und Mauler

Super Text, den ich doch gleich wieder einmal lesen werde. Simpel und treffend zum Beispiel das Gleichnis von der Schaukel: Oben sind die Reichen, unten die Armen und dazwischen ist etwas, das aussieht, wie ein Weg, sich bei genauerem Hinsehen aber als Schaukel erweist: Die oben können nur oben bleiben, weil die unten unten sitzen. Und natürlich braucht es unten viel mehr, als oben. Ein echt tolles Stück, dachte ich mir halbwegs verblüfft. Selbst wenn es auch etwas Seltsames hat, solche Texte in einem Staatstheater von diesem Format präsentiert zu bekommen.

Für Lang- & Kurzentschlossene

Daniel Gaberell am Donnerstag, den 6. Juli 2006 um 19:11 Uhr

Am Freitagabend, bei jedem Wetter (improvisierte Plastikdächer), wie jedes Jahr, ein schönes Fest. Und die Band: allererste Sahne!

Flyer Parterre

Noch unschlüssig?

Manuel Gnos am Mittwoch, den 5. Juli 2006 um 12:05 Uhr

Gurtenfestival-Special-RadioSind Sie noch nicht sicher, ob das diesjährige Programm des Gurtenfestivals etwas für Sie ist? Dann haben wir hier etwas für Sie: das original Gurtenfestival-Special-Radio!

Aber Vorsicht: Auch nach dem Hören dieses Internetradios könnten Sie noch zum Schluss kommen, zwischen dem 13. und dem 16. Juli den Gurten zu meiden. Wenigstens tun Sie es dann dank fundierter Recherche. Im umgekehrten Fall natürlich ebenfalls.

Oder in den Worten der Veranstalter gesprochen: «Der Gurten ist ja bekannt dafür, dass viele Acts spielen, die noch nicht oder noch nicht sehr bekannt sind, aber sehr geilen Sound machen.» Nun denn, urteilen Sie selbst.