I ♥ Killl, I ♥ Knut

Manuel Gnos am Samstag, den 3. Juni 2006 um 14:54 Uhr

Bad Bonn Kilbi 1«Ihr seid ein fantastisches Publikum!» Mir doch egal, denke ich und mache mich von der Zeltbühne davon. Es ist Kilbi im Bad Bonn, irgendwo zwischen Bern und Freiburg. Es droht Bodenfrost im Juni; und Blackmail – wie zuvor schon JR Ewing – vermögen dem nur wenig Erbauliches entgegen zu halten.

Mehr aus Trägheit denn aus Überzeugung verschieben wir die Heimkehr trotz Blackmail auf später. Glücklicherweise, darf man sagen, denn jetzt kommen noch Killl und Knut – und die tun gut.

Killl kommen aus Norwegen und sie spielen, man kann es nicht anders benennen, Ultra Death Metal: kreischendverzerrte Stimmen unterlegt mit elektronischem Knacken und Klirren, überschallartigen Gitarren und lärmendem Schlagzeug. Es ist Musik, die entsteht, wenn besorgte norwegische Mütter ihren teilnahmslosen Söhnen eines ewigfinsteren Wintertages raten, sich doch ein Hobby zu suchen. Die vier Herren von Killl haben eines gefunden: Sie hämmern dem Jazz den Hardcore ein.

Knut aus Genf sind typenähnlich, jedoch sind ihre Songs klassischer gestrickt und damit näher an den Vorbildern der späten Achtziger und frühen Neunziger (Napalm Death, Pungent Stench) gehalten. Die Präzision, der glasklare Sound und ein Schlagzeuger, der sein Instrument mit dem ganzen Körper zu spielen scheint, machen grosse Freude.

Fazit: Die Kilbi hat eine weiteres Mal gehalten, was sie versprochen hat. Nämlich, das wohl gemütlichste Openair zu sein, an dem man zudem musikalische Leckerbissen entdecken kann. Heute Abend bietet sich noch einmal Gelegenheit dazu.

Schön klingts aus dem Casino

Daniel Gaberell am Freitag, den 2. Juni 2006 um 23:59 Uhr

Zuerst Rachmaninow, dann Dvorak und zum Schluss Schostakowitsch. Auf Letzteres hätte ich gerne verzichtet. Aber der Mittelteil, der war wunderschön: Die deutsche Geigerin Antje Weithaas übernahm dort den Solopart und verlangte ihrer Violine viel bis alles ab, während wir im Publikum, dank den a-Moll-Klängen, wieder einmal spürten, wie gut klassische Musik unserer Seele und dem Herzen tut.

erJa, es ist pompös, es ist steif und konservativ, es ist sogar langweilig und alles andere als knackig, das Casino und seine Darbietungen. Aber schliesse ich meine Augen, so sitze ich nicht mehr im Casino, sondern reise quer durch meine Träume und Sehnsüchte, wundersam geleitet von den sinnlichen Klängen der Oboe, dem Cello und den zahlreichen Bratschen und Violinen.

Und zum Schluss bin ich dann immer super froh zu sehen, mit welcher Inbrunst und Entschlossenheit meine blaue Nylonjacke bewacht wird.

Auch zu empfehlen: 15./16. Juni wiederum im Casino und wieder mit dem Berner Symphonie-Orchester. Dann aber mit Christoph Berner am Klavier anstelle von Antje.

Alpenrosen auf dem Mittelmeer

Manuel Gnos am Mittwoch, den 31. Mai 2006 um 14:45 Uhr

Zugegeben, wir sind etwas spät dran mit dieser Geschichte. Doch nach dem Durchsehen der Sendung «Kulturplatz» von SF1 zur ersten Rock- & Bluescruise auf dem Mittelmeer, lässt es sich leider nicht verhindern, hier ein paar Bilder aus dem Beitrag dazu zu publizieren.

Polo Hofer auf der Rock- & Bluescruise (Bild: SF1)

Dem Vernehmen nach schwankt es beim «Bund»-Starjournalisten Ane Hebeisen immer noch etwas. Dagegen ist nichts bekannt über den aktuellen Zustand von Initiator und Alpenrosenerfinder Polo Hofer, der laut der «Berner Zeitung» sagte: «Auf der ganzen Reise hatte ich eigentlich nie Durst.»

Aber: Sehen Sie selbst!

Bravo Luc Besson

Daniel Gaberell am Dienstag, den 30. Mai 2006 um 9:29 Uhr

Er macht gute Filme, der Franzose. Immer wieder. Sein neustes Werk Angel-A (ist soeben in CinemaStar angelaufen) reiht sich mühelos in die sehenswerte Parade von Bessons Filmen ein.

Eine etwas abgedrehte, aber durchaus sinnliche Geschichte führt den Betrachter durch die Welt der Engel, auf den Eiffelturm, in die Machenschaften der Pariser Unterwelt und in die Herzen der DarstellerInnen. Besonders der sympathische Jamel Debbouze brilliert in der Hauptrolle des Verlierers.

er Die Beinahe-Bloggerin, Parisliebende und frühere Bund-Redaktorin H. G. (hier auf dem Foto) fand den Film „ein wenig zu pathetisch“, betonte aber, dass sie genau dieses Paris, so wie Luc es uns vorführt, wunderschön findet.

Während Frau G. nicht an Engel glauben mag, ich persönlich aber schon (und zwar nicht nur meines Familiennamens wegen), ist der Beweis erbracht, dass die Glaubensfrage für diesen Film keine Rolle spielt.

Schmunzeln mit Knarf Rellöm

Manuel Gnos am Sonntag, den 28. Mai 2006 um 17:04 Uhr

Knarf Rellöm«Hallo, ich bin Knarf. Ich bin von der Band, die heut’ Abend hier spielt. Dürfen wir schon mal unser Material in den Keller bringen?» Knarf darf. Also schleppen er und seine drei MitstreiterInnen Keyboards, Mikrofone und Gitarren die Treppe runter und machen ein bisschen Soundcheck. Das ist für die Gäste in der Gaststube des Café Kairo etwas unangenehm, weil laut. Doch die Band hält sich kurz, was gut zu der zuvorkommenden Art der vier passt.

Mit einiger Verspätung begannen Knarf Rellöm, DJ Patex und die beiden Herren von Saalschutz dann ihr Konzert. Ihre Musik ist elektronisch, minimalistisch und sehr tanzbar; die Texte sind meist verwirrend, angriffig. Knarf trägt etwas, das entfernt an einen Taucheranzug mit Trompetenärmeln erinnert, und ist dekoriert mit einem Paillettencowboyhut.

Ein Rätsel bleibt, wieso lediglich um die zwanzig Leute dieses Konzert sehen wollten – obwohl «Der Bund» und sogar der «Blick» darauf hingewiesen hatten. Lag es am Unifest? Am schönen Wetter? Oder daran, dass man sich nicht so gerne auf etwas Unbekanntes mit irritierenden Namen einlässt?

Wie dem auch sei: Jene, die trotzdem einen Besuch wagten, haben jedenfalls das Café Kairo mit einem Schmunzeln auf den Lippen verlassen.

Sperrzone Länggasse

Daniel Gaberell am Samstag, den 27. Mai 2006 um 1:17 Uhr

Achtung, Achtung! Heute Samstag ist es wieder soweit: die biertrinkenden Studenten ergötzen sich am alljährlichen Unifest. Es empfiehlt sich dringend, auf andere Veranstaltungen auszuweichen und die hintere Länggasse grossräumig zu umfahren.

Durchaus sinnvollere und mit Sicherheit unterhaltsamere Alternativen sind zum Beispiel die Tanznacht mit den „Golden Boys“ in der Mehrzweckhalle Wynigen oder in Interlaken das legendäre Pub-Festival…

ks

Berner Rock- und Bluescruise

Frau Götti am Mittwoch, den 24. Mai 2006 um 7:44 Uhr

Sugerbabies
Sugarbabies auf hoher See. Von links nach rechts: Fehlmann, Lauener, Rufener, Stäuble, Häfliger. (Bild: rrr-press)

Ob wohl das Ganze etwas seekrank klang? Oder verschaukelt?

Das könnten einige unter uns bald herausfinden, denn nach inoffiziellen Angaben soll es eine limitierte CD von der Kreuzfahrt des Berner Musikantenstadels geben…

Bis die ersten Töne an unser Ohr dringen, tauchen wenigstens schon mal die ersten Worte bei uns auf, und zwar vom “Bund”-Exklusiv-Reporter Hebeisen Ane, nachzulesen hier.

Und ein Bild haben wir jetzt auch, denn auch KulturStattBern hat zuweilen den einen oder anderen Exklusiv-Reporter.

Sex sells

christian pauli am Dienstag, den 23. Mai 2006 um 17:33 Uhr

Poster von Beatman

Im Kopf rauschen Bilder vorbei: Legionen von adretten Mädchen mit grosszügigen Tattoos und ebensolchen Ausschnitten und Horden von endlos Bier in sich hinein schüttenden Rockjungs. Dazwischen viele Neugierige. Ein schöner, wilder Mix, der da am letzten Freitag unsereins in der Dampfzentrale aufsuchte.

Man nennt es Burlesque. Es geht um Striptease mit angezogener Handbremse. Und offenbar ein neu-altes Partyformat mit Potential: 650 Besucher/innen wollten dabei sein, als Scarlette Fever, Lucy Ferette, Nina LaFiamma und Diamondback Annie die Hüllen fallen liessen. Na ja, ich sage es hier ganz offen: Na ja. Das meine ich quasi persönlich. Ich hielt mich lieber an die göttlichen Zorros und die flotten SuperSupers, die die Party mit Verve beschallt haben. Coole Szene, die derart unterhaltsame und eigenwillige Bands produziert.

Als Veranstalter dieser Burlesque durfte ich auf einen alten Markting-Trick zurückgreifen: Sex sells. Zugegeben, das haben auch schon andere herausgefunden. Aber für mich – der noch vor einem Jahr aus dem doch eher weniger sexy Bundeshaus berichtet hat – ein Erlebnis, das mich schmunzeln liess. Und der Dampfzentrale tun ein paar sexy Bad-Taste-Nächte auch nicht schlecht, oder?

Beatman, Rob, Hope, Reni, El Tiki und Co: Haltet das Feuerchen am Kochen, Freunde. Wir haben das nötig.

Ein kleiner Streifzug bietet übrigens folgender Blog.

Bern ist keine Kinostadt

Daniel Gaberell am Dienstag, den 23. Mai 2006 um 16:05 Uhr

Allen Unkenrufen zum Trotz: seit gestern ist klar, Bern ist keine Kinostadt!

Denn zum Zeitpunkt, als der Kassenschlager The da Vinci Code bereits seit 4 Minuten und 47 Sekunden über die Leinwand flimmerte, waren gestern Abend noch immer drei Kinoplätze im Gotthard zu haben.

Einzig eine Möglichkeit kann ich dabei nicht ganz ausschliessen: man könnte die drei leeren Sitze vielleicht auch auf den guten Kino-Geschmack der Bernerinnen und Berner zurückführen – aber nur vielleicht…

Heute Abend jedenfalls bleibt ein Stuhl im Gotthard ganz sicher leer, ich werde es nämlich mit Volver versuchen.

Und ganz nebenbei empfehle ich allen dringend, Hanks, Reno & Co. links liegen zu lassen, es erwarten einem harte drei Kino-Stunden.

kino

Sonne im Herzen, vol. 1

Frau Götti am Montag, den 22. Mai 2006 um 21:02 Uhr

Wichtige Durchsage an alle, die den Sommer bereits abgeschrieben haben: Es gibt ihn. Doch doch, ganz sicher:

trojanTrojan Records heisst der Sommer und brennt heiss und feurig. Und heiss und feurig ist auch das Land, wo das Label 1968 gegründet wurde und das da heisst: Jamaika. Zunächst diente Trojan einzig dazu, die Produktionen von Altmeister Duke Reid herauszubringen – woher auch der Name stammt: Reid pflegte nämlich sein umfangreiches Sound System in Lastwagen der Marke “Trojan” zu transportieren.

Aber bald schon weitete Trojan Records den Kreis seiner Musiker aus und wurde unter anderem zum Sprungbrett für Lee “Scratch” Perry, Dennis Brown, Ken Boothe oder Bob Marley & The Wailers.

Heute ist Trojan in London und gibt neben Reggae, Rocksteady und Ska auch jüngere Musikstile wie Dancehall und Jungle heraus. Und selbstverständlich alles aus der Dub-Küche.

Melodians Ein einziger Sommernachtstraum. Wenn Sies mir nicht glauben, gehen Sie und kaufen sich zum Beispiel dieses Wunderwerk der Tonkunst:

Und jetzt raten Sie, auf was Sie sich noch freuen dürfen, während Sie (wettermässig) auf den Sommer warten: Auf eine ganze goldene Serie “Sonne im Herzen”. Denn noch viele Geschichten ranken sich um den jamaikanischen Sommer, und man gönnt sich ja sonst nichts…