Von Tieren und von unberühmten Menschen

Mirko Schwab am Donnerstag, den 6. April 2017 um 5:48 Uhr

Die sublimsten Dinge begegnen einem manchmal am Urinal. Eine Hymne auf das Rössliplakat.

Sie ist nötig. Sie muss gesungen werden. Die sublimsten Dinge, sie gehen auch gerne vergessen. Gerade wenn sie über der Pissrinne hängen. Flankiert von den gesprühten Zeugnissen hündischer Markierungstriebe im Manne nebst unzähligen Klebern, einer Open-Source-Bibliothek subkultureller Gestaltungsmarotten und Codes – aber mittendrin: ein durchs Sieb gedrucktes Meisterwerk im Harndampf. Dem Feuilleton entgeht gerne, was nicht schreit «sieh mich an, ich bin Kunst!».

Die Jungs vom Grafik- und Illustrationsbüro opak haben die Meisterwerke zu verantworten. Seit Jahren begleiten Sie das stoisch im popmusikalischen Untergrund mäandrierende Programm der Rösslibar mit ihrer leichtfüssigen Bildsprache. Ihre Ästhetik variieren sie dabei derart facettenreich und gleichzeitig verbindlich, dass jeder noch so verschrobene Gedankenblitz schliesslich ganz intuitiv auf sein Mutterrössli zurückweist: Selten ging Corporate Identity derart unverkrampft. Diese ästhetische Verbindlichkeit speist sich aus dem Repertoire der Themen und Techniken, die zur Anwendung kommen. Der zweifarbige Siebdruck prägt die Serie ebenso wie die Lust an der Impferfektion auch der grafischsten und strengsten Entwürfe, die sich so den Charme der Handarbeit erhalten. Und nicht zuletzt das konsequent ausgesparte Rändchen; eine Abgrenzung vielleicht gegen die ordinäre Nachbarschaft, in der die Plakate angebracht sind – und eine würdige Rahmung ganz sicher für die detailverliebten Geschichten, die einem da beim Schiffen erzählt werden.

Geschichten erzählen, wenn die Köpfe fehlen. Die grossen Namen sucht man im Programm des Rössli bekanntlich umsonst. Und also dürfen sich die Plakate um anderes kümmern als die geschickte Einbettung des ikonischen Bandfotos oder die möglichst schreihalsige Lesbarkeit des Headliners, der die Vorverkäufe abheben lässt. Nein, das Rössliplakat leistet ungleich mehr: Es erschliesst hintersinnige bis im originärsten Sinn plakative Interpretationen der zahlreichen Band- und Künstlernamen, die Woche für Woche auf dem Programm stehen – Karikaturen, Wortspiele, Hommagen und Referenzen. Die Motivik weist dabei oft in die Welt der Pflanzen und Tiere, die, ins Absurde oder gar Morbide abgekantet, den schrägen und aufwühlenden Darbietungen aus der Subkultur in grafischen Kürzestgeschichten die Ehre erweist.

Ein Hoch darum auf das Rössliplakat. Die poetische Antithese zu den Mechanismen der Werbeindustrie; nur sehr spärlich aufgehängt, als solle es den Selbstzweck geradezu zelebrieren, wild, ausufernd und bisweilen fast kryptisch verschwiegen in seiner Gestaltung und in dieser Unverfrorenheit letztlich mehr als jedes andere Konzertplakat der Stadt: Kunst.

Holligen: Gedanken mit Hund

Roland Fischer am Mittwoch, den 5. April 2017 um 12:08 Uhr

Da-Sein. Die Augen öffnen. Begegnungen suchen. Berührung finden: “Es muss nix, es kann alles.” ist der Ausgangspunkt des diesjährigen TRANSFORM. Die zweiwöchige Recherche ist der gegebene kompetitive Rahmen unter zehn in Holligen gastierenden Kunstschaffenden, das Eigene mit Vorgefundenem zu verbinden.., kontrastieren.., komponieren…
Wo beginnen? Wie weiterwandern? Wozu und für wen und woraus eine Idee formen? Sind einsame Wege auf der Suche nach Ausdruck sinnstiftend? Oder rufen ungegangene Pfade nach Gemeinschaft? Was treibt an? Und wen interessierts? Lauter Fragen, die Unruhe stiften. Rastlosigkeit braucht eine Wohnstatt und Unbekanntes einen Namen.

Laura Huonker@Holligen, Foto: Marco Frauchiger

Ich habe mir vorgenommen, Bern-Holligen ohne Navigationsgerät mit Anreise in meinem VW Bus zu finden. Das hat mich in die urbane Landschaft der Autobahnausfahrten geführt; nach Ittigen, N.N. und N.N. Bern-Holligen ist von Wald umgeben, ein geographischer Spitz in die Stadt, und liegt an zwei Hängen, keine eigene Autobahnausfahrt, gefächert rund um ein Fussballfeld. Mit meiner Kleinhündin bin ich durch die Quartierstrassen gelaufen, und habe Geschichten gefunden. Keine solchen, aus der Dramatik entsteht, sondern gelebter Alltag. Auf einer Bretterwand gesprayt lese ich: UNSERE TRÄUME SIND VIEL GRÖSSER ALS EURE URNEN. Wohnstrassen, Gärten, Institutionen und Ämter; Menschen im Transit, Eingesessene, Biografien mit Zuwanderungsgeschichte. Ein Stadtteil – auf seine Weise einzigartig und auch nicht. Weisen der Welterzeugung sind vielfältig. Die Kunst ist eine Weltenerfinderin. Welche Welt in Bern-Holligen zwischen Juni und September diesen Jahres aufscheinen wird, ist noch offen. Rastlose Sucher und Sucherinnen forschen, entwerfen und verwerfen, folgen Spuren und verlaufen sich in der Faszination des Neuen und persönlichen Mustern. Sich Orientierung schaffen ist die eine Aufgabe. Sich seiner selbst zu versichern in der scheinbaren Unendlichkeit von Alles und Nichts zwischen Europaplatz und Fischermätteli. Jede Kunst bewandert auch Grenzen; Bern-Holligen ist davon umgeben: Die Bahngeleise. Es sind offene Begrenzungen, die es nicht leicht machen, einen Kern zu erkennen, der diesen Ort zusammenhält.
Bern-Holligen ist ein nerviges Rätsel, etwa so, wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Es ist ja alles da, und doch muss eine Absicht den Funken schlagen. Dies meine beunruhigten Gedanken mit Hund.

festgehalten von Laura Huonker, Theatermacherin aus Zürich

Das transdisziplinäre Kunstprojekt transform fragt in seiner sechsten Ausgabe gemeinsam mit zehn Kunstschaffenden aus allen Sparten und einer Jury bestehend aus BewohnerInnen Holligens, was Kunst im öffentlichen Raum Holligens soll. Seit Februar diskutiert die Jury gemeinsam mit transform, was sie von Kunst für ihr Quartier erwarten. Noch bis zum 8. April sind die eingeladenen KünstlerInnen in Holligen unterwegs und treten mit dem Quartier in Interaktion. Danach legen sie Projektvorschläge für ein grosses Kunstprojekt in Holligen vor und die Jury entscheidet, welches Projekt realisiert werden soll.

Mehr Platz für weniger Menschen!

Gisela Feuz am Dienstag, den 4. April 2017 um 11:01 Uhr

Soeben wurde Frau Matt’ullo Stocher in der Berner Innenstadt gesichtet, wo sich die Politikerin offensichtlich über die Wahlplakate einer neuen Berner Partei echauffierte. «Verständnis – Nein!» oder «Mehr Platz für weniger Menschen» steht da auf diesen Plakaten geschrieben, darunter prangt ein Logo mit strahlender Wurst und dem Parteinamen «Sit so guet, s.v.p.»

«Jo näi, will uns da etwa einer die Wurst versenfen?! Sehr is ä problem i häf to solf», soll Frau Matt’ullo Stocher beim Anblick der Plakate laut ausgerufen haben und soll erzünt von dannen gestapft sein. Wir bleiben dran. Beim Teutates.

Hinter dem Parteinamen «Sit so guet, s.v.p.» verbirgt sich ein Musical, bzw. eine SVP-Satire, bei der es darum geht, dass sich die letzten Linken in einem Asterix-Dorf im Jura verschanzt haben. Ausgedacht haben sich den Schabernack die Herren Matto Kämpf, Raphael Urweider, Dennis Schwabenland und Simon Hari, gezeigt wird das Stück ab 22. Juni in der Dampfzentrale zu Bern, sofern einem bis dahin nicht der Himmel auf den Kopf gefallen ist.

Keinzigartiges Lexikon: Folge 14

Gisela Feuz am Dienstag, den 4. April 2017 um 6:46 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Das Leut
Das Leut ist ein aus der Menge der Leute isoliertes Individuum. Obwohl es abgeschieden lebt und ausgesprochen einsam ist, zeigt es durchweg Verhaltensweisen, die eigentlich für Menschenmengen üblich wären. So macht es immer mal wieder eine Stadionwelle oder tanzt Macarena. An der Street Parade wurde schon ein Leut allein auf einem Lovemobile gesichtet, wo es abwechselnd tanzte und das Fahrzeug steuerte. Besonders tragisch ist, dass das Leut durch sein Verhalten noch stärker isoliert wird. Schmerzlich auf seine trostlose Existenz zurückgeworfen wird es regelmäßig bei seinen Versuchen, einen Kanon zu singen oder eine Polonaise anzuführen. Es kommt immer wieder vor, dass das Leut in solchen Situationen in Massenpanik gerät.


Gelegentlich feiert das Leut in seiner Einzel-WG für sich allein Partys, die in Einzel-Massenschlägereien ausarten.

Nächste Woche: Der Spätling

Kulturbeutel 14/17

Milena Krstic am Montag, den 3. April 2017 um 5:20 Uhr

Die Krstic empfiehlt
einen Besuch in Beckys Bude. Die Becky serviert da nämlich Pommes aus ihrem Waggon heraus und präsentiert jeweils ein kulturelles Schmankerl dazu. Start ist heute Montag in der Länggassner Sattelkammer mit der Band Vater Morgana. Becky tourt den ganzen April über, von Montag bis Mittwoch, aber nur bei schönem Wetter. Ganzes Programm hier.

Frau Feuz empfiehlt:
Am Mittwoch Dark Hop bzw. Hip Noir mit View im Rössli, am Donnerstag die Taufe von Hartmut Abenscheins korpuspoetischem Projekt «nicht begonnenes fortsetzen» im Kairo (mit musikalischer Untermalung von KSB-Ex-Chef Sartorius) und am Freitag zeigt dann die Kultmoviegang denn richtig schön schlechten Hitchcock-Verschitt «Birdemic: Shock and Terror» im Cine Club.

Der Urs empfiehlt:
Den jüngsten der Fela Söhne, Seun Kuti, mit den legendären Egypt 80 im Heuboden der Reitschule am Dienstag. Einer bee-flat / Dachstock Koproduktion, Afro-Funk Kings live – wird ein Fest!
Dann am Mittwoch ab ins Kapitel. Radio Bollwerk präsentiert dort eine Perle der überregionalen Klubkultur. EL TIGRE aus Luzern – so muss Eklektizismus!
Und am Donnerstag Ethio-Jazz enet dem Röstigraben. Mulatu Astatke, the legend, am CULLY JAZZ, an den Gestaden des Genfersees Lac Léman. Dort wo die Festivalsaison eigentlich so richtig beginnt. In familiärer Atmo und zu gelassenem Groove, vor allem auch nach den Main-Acts, in den pitoresken Weinkellerchen des Dörfchens. Die wahre Alternative zum grosskotzigen Montreux Kommerz Jazz Festival!

Mirko Schwab empfiehlt:
Es ist spät, ich machs kurz: Am Mittwoch gehen Sie ins Kairo und ersteigern sich «Rares gegen Bares» an der Vernissage von Carlo Lüthi. Und am Samstag dürfen Sie sich entscheiden: zwischen diesem Badass hier und vielen weiteren duften Musiken bei «Sounds Like Bern» im Dachstock. Oder der einzig wahren New-School-Fête der Stadt – «Larash» im Internationalen Stabiloboss-Club.

Fischer empfiehlt:
Endlich wieder mal Theater in der Grossen Halle, dem Theater Marie wäre es ein bisschen zu eng geworden im Tojo. Die Gruppe verwickelt Liliom in eine Spirale aus Gewalt und Perspektivlosigkeit – immer noch, immer wieder, seit der Uraufführung des Stücks 1909.

#BernNotBrooklyn

Mirko Schwab am Montag, den 3. April 2017 um 0:31 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los.

«Klassik im Dachstock.
Der Fokus mäandriert vom Funkeln der Diskokugel zu Mahler zu Rauchschwaden im Gegenlicht. Das leise Klimpern sorgfältig entsorgten Leerguts. Zwischenrufe aus dem Treppenhaus. Meiner sonntaglichen Stimmung bleibt der Rote und nichts mehr zu wünschen übrig.»

Eine Einsendung von Kea aka Anna-Pierina Godenzi. KSB dankt herzlich; wir wären wohl zu vercrackt gewesen heute. Und ein Sonntag ohne #BnB ist wie ein Montag ohne Beutel: say whaaat?!

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es manchmal sogar pünktlich zum Katerfrühstück erst nach Mitternacht.

Künstlerische Darmentleerung

Milena Krstic am Samstag, den 1. April 2017 um 11:29 Uhr

Der Berner Marco Morelli sezierte gestern im Stück «Clown, Poet und Chaot» die Abgründe des (Schweizer) «Schowbitz». Ein Rekonstruktionsversuch.

Der Hin- und Hergerissene Marco Morelli, hier im Jahr 2011. Es hätte aber auch gestern sein können. Bild: zvg

Er ist seit 40 Jahren als das unterwegs, was sich einer nennt, der Publikum unterhält. Vom Angeklagten bis zum Zauberer zählt er auf seiner Internetseite gleich selbst auf, was er alles kann, ist und macht. Seine Biographie liest sich wie ein bitterböses Manifest auf ein selbstbestimmtes Dasein.

Marco Morelli also.

Er ist immer wieder auf der Bühne, im Tojo dieser Tage gleich fünf Abende hintereinander und er sagt es am gestrigen gleich selbst: «In der Presse ist gestanden, der Marco Morelli käme mit einem neuen Programm auf die Bühne. Settige Seich! I mache sit vierzg Jahr zgliche». Ich habe in der die Presse gelesen hineininterpretiert, dass er seine Shows nicht plane, er «switche» zwischen den Rollen, Privates verschmelze mit Gespieltem. Da gleitet er vom Kellner zum Liedermacher, gibt den Gärtner und dann noch rasch den Marschbläser.

Er, dieser Hin- und Hergerissene, versetzte auch das Publikum in einen solchen Zustand. Ich zum Beispiel hatte während der zweistündigen Show auch schon mal das Bedürfnis, den Saal zu verlassen (dieses «Pornolied» hat mir fast den Rest gegeben), nur, um kurz darauf wieder von Morelli um den Finger gewickelt zu werden, etwa wenn Schosshund Flumer seinen Einsatz hatte.

Am Ende hat er mich doch viel zu sehr angesprochen, der Morelli mit seinem Gram auf die Mechanismen des «Schowbitz», auf die Applausgeilheit und auf das, was Kunstschaffende nebst dem Erschaffen ihrer Kunst sonst noch tun, zum Beispiel ihre «Kreativität» in Sozialprojekte investieren oder am Jubiläum des AKW Mühleberg als «Kellner, Entertainer und Hintersinner» auftreten (so gesehen unter Referenzen).

An einem Punkt, kurz vor Ende der Show, erzählt und inszeniert Marco Morelli seinen eigenen Nahtod, wie er da aus dem Tojo schwebt, die Beine steif und vorab, aus dem grossen Tor heraus bis hin zum Bundeshaus, wo er kurz noch seinen Darm entleert. «Um an Höhe zu gewinnen», wie er sagt.

Marco Morelli gastiert noch heute (20.30 Uhr) und morgen Sonntag (19 Uhr) im Tojo der Reitschule.

Stöck, WOODS, Stich

Urs Rihs am Samstag, den 1. April 2017 um 9:44 Uhr

Fünf Trümpfe, drei Sichere obenabe und ein Bock. Matchblatt, zweifelsohne. Jetzt also das Pokerface, gelassen bleiben, keine überschwängliche Euphorie signalisieren. Unaufgeregt und abgeklärt – so spielt man das. Wie die WOODS am Donnerstag ihr Konzert im BadBonn.

Und wärs ein Jass gewesen, gschnuret war bei den WOODS sicherlich gar nichts. Die New Yorker kult Folker präsentierten sich melancholisch einsilbig. Silence is Golden – Zwischen den Stücken kaum Konversation, höchstens mal ein «nice to be here» und «we’re gona bring out a new record» – im Mai übrigens – sonst nur knisterndes Brummen aus den Amps, verlegene Räusperer oder das Stimmen einer Saite.

Als wollten sie sich entschuldigen. Für den Weltenlauf vielleicht, für das politische Desaster in Übersee. Sie, die doch soviel der alten Versprechen, Träume und Hoffnungen der Idee «US of A» in und auf sich tragen. Die Trauer schwingt mit bei ihrer Interpretation von Americana, und etwas Trotz. Etwas «jetzt erst recht» Haltung. Der verwaschene Weisskopfseeadler auf dem ausgebeulten Cord-Blazer, die Roots-Rock Riffs auf dem Griffbrett. Lethargische Gesichtszüge, gepaart mit einem Funkeln in den Augen, trotzdem eben, ein Silberstreifen am Horizont.
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Gewinnen mit KSB: Jeans-for-Jesus-Parfüm

Christian Zellweger am Freitag, den 31. März 2017 um 5:00 Uhr

Es ist soweit: Heute kommt der Zweitling von KSBs-dearest Jeans for Jesus raus! «PRO» heisst das Werk, das nicht nur aus der berufenen Feder des Bund/Tagi-Musikmannes Christoph Fellmann in den höchsten Tönen gelobt wurde. So ist das eben: Jeans for Jesus sind dem Berner Untergrund entwachsen, sie haben jetzt einen richtigen Platz in der Schweizer Musikgeschichte. Nicht verwunderlich: Mundartmusik mit dieser Haltung hat man wohl noch nie gehört. «Dr Drake bin ig» heisst das bei Fellmann. Drake statt Trauffer ist ja zumindest künstlerisch die einzig vernünftige Entscheidung. Obs auch kommerziell klappt, sehen wir ab heute.

Kommen wir zum Kern der Sache: Wir haben natürlich was für Sie und zwar…Parfüm! Ziemlich Drake, dieses JfJ-Merchandise, hat dieser schliesslich ein Tattoo eines Aftershave-Fläschchen am Arm. Neben den Flacons gibts für die zwei Gewinner sogar noch je eine CD-Version des neuen Albums dazu.

Zur Inspiration für den Wettbewerb hören Sie bitte die erste Single aus dem Album:

Jetzt wollen wir nur eines von Ihnen sehen: Ein Bild, schön wie ä Mond im Fluss, schön wie ä Palme im Sturm, New York im Sunneungergang, schön wie gäubi Taxis im Sand! Einfach hier in die Kommentare posten bitte. (Korrekturen zur Phonetik des Berndeutschen gerne auch in die Kommentare…)

(Wie Sie ein Bild in den Kommentaren unterbringen lernen Sie bei unseren Freunden vom Runden Leder, oder Sie schicken uns das Bild an christian [punkt] zellweger [ät] derbund [punkt] ch).

Zeit haben Sie bis Montagabend, dann werden die schönsten Bilder gekürt. Viel Vergnüngen!

Sollte es nicht klappen mit dem Gewinn: «PRO» gibt es beispielsweise auch bei cede.ch. Und dann natürlich nicht verpassen: Die Plattentaufe am 14. April. See you im Dachstock.

Whisky, Lady, Uschi

Milena Krstic am Donnerstag, den 30. März 2017 um 11:11 Uhr

Gestern taufte Michael Fehr sein Buch «Glanz und Schatten» im Rahmen von Bee-Flat. Wer eine Lesung erwartet hatte, bekam ein Konzert zu hören. Ein pretty grosses sogar.

Vor zwei Jahren war das, als ich an einem Sommerabend in einen der Räume des Progrs trat und mich mit anderen Interessierten in einen Halbkreis stellte, um mir diesen grossgewachsenen Mann im weissen Hemd anzuhören. Fehrs Foto war damals auf fast jeder Titelseite der Schweizer Kulturblätter zu sehen. Da musste doch was dran sein, dachte ich mir.

Und da war was dran. Mit Manuel Troller an der Gitarre und James Gruntz am hinreissend reduzierten Schlagzeug tat er etwas, was leider viel zu selten passiert: Er überraschte. Da stand er, sang Hochdeutsch, aber mit Schweizer Akzent (war das nicht ein No-Go, vorbehalten den PolitikerInnen?), seine Stimme kreischend raspy, seine Hände verwarf er stetig und durch die Fenster strömte abendwarme Sommerluft.

So wusste ich also in etwa, was mich erwarten würde, wenn Fehr sagt, er taufe sein neues Buch, aber mit Band und nicht klassisch am Pult sitzend mit Anknipslampe. Andi Schnellmann spielte Bass, Julian Sartorius bediente das Schlagzeug und wie damals war Manuel Troller Gitarrist. Nicht, dass ich «Glanz und Schatten» gelesen hätte, sogar der «Simeliberg» ist bei mir noch in Folie verpackt. Aber man muss Fehrs Bücher nicht gelesen haben, um diesen Konzertabend begriffen zu haben. Mit einer streberhaften Präzision zog die Band rund um Fehrs wunderlich trippigen Märchen jazzig-bluesige Welten auf und stand ihm bei, als dieser erzählerisch ein Rebhuhn auseinandernahm.

Er sang und sprach er von einem Hirt (Hirt, jawoll, nicht Hirten), von vom fettgrünen Gras flankierten Landstreichern und von Messern, die ihm in seinen Träumen entgegenflogen.

Und dann erzählte er uns von Uschi Obermaier. Auf einer Amerikareise hatte er die 70er-Jahre Ikone getroffen. So wie das aus seinem Munde klang, hat die Uschi nicht an Wirkung verloren. Der Fehr hatte mich endgültig im Sack. Uschi war schliesslich eine der Heldinnen meiner späteren Jugend. Ich goss mir etwas vom Demeter-Orangensaft, der da auf einem Buffet bereitstand, in ein Weinglas und stoss an auf Fehr, der gerade das Lied «Whisky Lady» darbrachte, eine Hommage an die Uschi.

«Glanz und Schatten» ist bei Der gesunde Menschenversand erschienen. Und hier ein Einblick in Michael Fehrs Agenda.