Welten kreieren!

Roland Fischer am Mittwoch, den 5. Juli 2017 um 12:10 Uhr

Berner Binsenwahrheiten: Warum wegfahren im Sommer, wenn es hier am schönsten ist? Hält sich dann aber doch kaum jemand daran, scheint’s. Konsequenterweise kann man sich die Welt nun auf sehr vielfältige Weise in den Browser holen, einem HKB-Forschungsprojekt sei dank.

Unlängst haben die Macher eine interaktive Version aufgeschaltet, auf der man ganz nach Belieben an der Weltkarte schieben und zerren und herumfiguretlen kann, bis man meint, gar nicht mehr auf die gute alte Mutter Erde herabzuschauen. Nur schon die Namen der verschiedenen Projektionen!

Also: Perspektiven verschieben! Nein, wir sind nicht unbedingt der Nabel der Welt. Auch wenn es an einem aareseligen Sommertag so scheinen mag, wenn man gar nirgendwo sonst hin muss.

Keinzigartiges Lexikon: Folge 27

Gisela Feuz am Dienstag, den 4. Juli 2017 um 6:05 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Die Zwitterin
Im Bemühen um eine geschlechtergerechte Sprache redet man heute selbstverständlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Schülern und Schülerinnen. Die weibliche Form des Zwitters – die Zwitterin – wird aber immer noch sträflich vernachlässigt. Immerhin haben sich in letzter Zeit weniger androzentrische Formen wie „die Knäbin“ oder „die Bruderin“ durchgesetzt. Gendersensible Biologen und Landwirte reden heute auch etwa von Böckinnen oder Hengstessen. Kritiker fordern im Gegenzug, den Lesbier, den Tantel oder, in Anlehnung an das Fräulein, das Männlein in den Sprachgebrauch aufzunehmen, außerdem den Henner und – auch außerhalb der Schweiz – den Schneck. Zudem soll künftig jeder Mann das Recht einfordern können, als blöde Kuh bezeichnet zu werden.


Seit Jahrhunderten spricht man nur von Stierkämpfen, obwohl rund dreißig Prozent der Toreros und Toreras gegen Stierinnen antreten.

Nächste Woche: Der Augenstocher

Kulturbeutel 27/17

Urs Rihs am Montag, den 3. Juli 2017 um 5:58 Uhr

Der Urs empfiehlt:
Die halbe Stadt zu Protest bei den HanseatInnen und dazu Sommerpause in den meisten Schenken und Kaschemmen – das ja mal ne Aussicht für nächste Woche Freunde… In solchen Spannen empfehlen sich die notorischen Wiederholungstäter – die Kulturvollabhängigen, welche auch in der Konzertnebensaison den Stoff voll durchziehen. So beispielsweise im heilgen Bad in Düdingen. Dort kreuzt am Mittwoch ein gewisser Kevin Morby samt Band und pressfrischem Album im Gepäck zum Konzert auf. Oder ganz Daheim und sowieso mittwochs, die Radio Bollwerk Sommertour – bis Ende Juli übrigens an wechselnden Orten – mit dem «Studio Mondial» in der Zoo Bar.

Mirko Schwab empfiehlt:
Hoch lebt auf das Schlagzeugerherz: Unter dem Namen «Buergi’s Quest» macht sich Groovegrossmeister Fabian Buergi gemeinsam mit brother in crime onna bass Toni Schiavano konzertante Herausforderungen. Diesen Donnerstag dabei: Domi Chansorn, Multieverything und aber auch Katz an den Kübeln. Die Matte Brennerei könnte brennen in der Tat.

Frau Feuz empfiehlt:
Während die Buben in der Matte zeuseln und im Düdinger Wald Nielen rauchen, geht die Chefin moshen und zwar morgen im ISC mit den Hardcore-Punk-Legenden  Agnostic Front. Am Donnerstag gehts dann mit den Future-R’n’B-Poppern True im Liebefeldpark etwas subtiler und dezenter zu und her.

Die Krstic empfiehlt:
Ich hatte letzte Woche im Zeppelin so einen Schönen, dass ich Sie da hinschicken möchte: Am Freitag spielt dort, wo die Scheiben zerschlagen und das Barpersonal uber charmant ist, Tashi Noir vom Tech Noir Club auf. Dann noch ein #freundepromoten: Am Freitag eröffnet in der Stadtgalerie die Sommerlochfenster-Ausstellung «Argument Place». Es geht um – Zitat Pressetext – «Bilder ohne Träger, Aktionen ohne Ausführung, Zustände der Unvollständigkeit» und unsere ehemalige Mitbloggerin Sarah Elena Müller zeigt gemeinsam mit Roger F. einen Kurzfilm. Frau Müller hat dazu einen so schönen Einladungstext geschrieben, dass der hier hereingepastet gehört:«’The Drollinger Solution’ im Limbus des Videoloops, ganz frisch überarbeitet, ganz hot hot Version DEF x.0.2. Der Film handelt von der Möglichkeit, das komplette Leben in einem technologischen Dämmerzustand zu verbringen, das Programm F.O.X. Daten und Erkenntnisse sammeln zu lassen, während das aufgelöste Selbst ein von Sorgen befreites, verantwortungsloses Dasein geniesst.»

Fischer empfiehlt:
Fehlen eigentlich nur noch die kulturellen Säulenheiligen draussen in Holligen. Transform feat. Tom Kummer hat da was mit dem Europaplatz angestellt. Das wird gefeiert, am Samstag, mit einer schönen Schwetti Live-Gästen, darunter Reverend Beat-Man und Big Zis. 

Auf Streifzug in hinteren Ecken

Urs Rihs am Samstag, den 1. Juli 2017 um 16:23 Uhr

Dieser Beitrag nimmt seinen Anfang, wo vieles sonst ein Ende findet. Im Klo – oder genauer, in einem Badezimmer, einem hellhörigen.

Da sass ich nämlich, mit meiner Sonnenbrille auf der Nase und wünschte mir nebst den schützenden Spiegelgläsern einen Radio. Denn in diesen Altbauwohnungen, wer kennt sie nicht, mit ihren Pappwändchen und den verzogenen Holztürchen, dort wo die Latrine meist gleich neben der Küche ist, im schlechteren Fall vis-à-vis des Esszimmers, im schlechtesten gegenüber dem Schlafzimmer – dort, dort verspricht ein Transistor Schutz. Tarnung – es schnöde hier Prüderie wer wolle, Abgehendes gehört ungehört, bitte! – vor offenbarenden Geräuschkulissen. 
Da wird klar, warum Radio Intimität bedeutet und darum nicht von Kommerziellen vergewaltigt werden sollte. Was gibts denn Würdigeres als Kacken begleitet von wunderbar schleierndem Rauschen des Äthers?

Item – jedenfalls erwachte in mir nach dem Toilettengang der Wunsch nach mehr stillen Örtchen, versteckten Plätzchen, hinteren Winkel, wo gute Menschen schön verborgen kulturen und verschleissen.
Am Donnerstag war erste Adresse dazu die Zoo Bar, dort traf sich ein wohldurchmischtes Häufchen, zum Quiz und zum Bier. Bloginterna: Gratulation zum dritten Rang, Frau F!

Zufällig fotografierter Fragenzettel der Gruppe “Die Untertheker” – am Ende einen Platz besser klassiert als Frau F’s Team.

Pub-Rätseln, mensch kennt es, schon seit längerem auch in unserer Stadt ein gern gepflegtes Hobby. Meist vom philisterhassenden Schlag, hoffnungslos der Besserwisserei verfallen, aber nur hintergründig natürlich. Maskierte Klugscheisserei quasi – aber Spass machts eben doch.

Vor allem wenn es so liebevoll vorbereitet und wohlorchestriert von statten geht wie in der Zoo Bar. Die beiden Organisatorinnen – schwerstbelesene wandelnde Enzyklopädien übrigens – erden den nervösen Ehrgeiz der Rategrüppchen mit solch einer Sanftmut, dass trotz des vorherrschenden Übereifers keine gehetzte Stimmung aufkommt. Dazu gibts ihr immer scharf überlegtes und breitgefächertes Fragenblatt: Wissenschaft, Popkultur, Kunst, Geschichte, alles in anspornender Wissensdistanz und schön getaktetem Rhythmus, so schnell macht ihnen das keiner nach.
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Audiovisuelle Fantastik

Roland Fischer am Freitag, den 30. Juni 2017 um 10:50 Uhr

Heute startet das Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF)! Wer noch nie da war sollte das schleunigst ändern. Wir bleiben aber noch rasch in Berner Gefilden und empfehlen einen ebenfalls einigermassen fantastischen Film im Rex.

Ist das ein Dokumentarfilm? Oder ein langer versponnener Videoclip? Oder eine kreative Spurensuche der ausgesprochen essayistischen Art? Sehr egal, Supersonic Airglow von Stefan Davi und Karim Patwa ist jedenfalls ein schönes Beispiel, wie man ein Story-Gespinst einfängt, ohne es filmisch zu zerdrücken oder zu zerrupfen. Wie sich die beiden musikalischen Universen der Young Gods und Koch-Schütz-Studer annähern, um umso deutlicher dann auch wieder die auseinandertreibenden Kräfte zu spüren, das schaut und hört man sich gern an. Schade nur, dass die Soundanlage im Rex1 einfach keinen Wumms hat. Gerade die schön eingefangenen Live-Lärm-Momente lassen einen darum ein wenig kalt. Aber gut, sollte man sich ja sowieso besser im Konzertsaal ansehen.

Und die Gelegenheit kommt bald: Die Young Gods spielen im September nämlich ein exklusives Deutschschweizer Konzert, zum 30-Jahre-Jubiläum der Dampfzentrale. Das passt natürlich, weil die legendäre Debut-Platte der damals noch sehr jungen und unversehens auf dem Musikolymp gelandeten Götter (Album of the Year, Melody Maker) auch genau 30 Jahre auf dem Buckel hat. Herrje, man wird alt.

Gugus Gurte – Goldener Kaktus

Gisela Feuz am Donnerstag, den 29. Juni 2017 um 5:43 Uhr

Oben auf dem Berg geht’s dieses Jahr in Runde 34 – unten am Fuss doch immerhin auch schon in die fünfte Ausgabe. Vom 12. bis am 15. Juli findet in der Heiteren Fahne nämlich einmal mehr die Benefiz-Veranstaltung GugusGurte statt, wobei sich das Programm durchaus sehen lassen kann, welches das ehrenamtlich ackernde Kollektiv zum fünften Geburtstag auf die Beine gestellt hat. Mit dabei sind unter anderem Melker, Geplantes Nichtstun, Nikosh, Volca Massaker Orchester, Miss Tigre, Mister Milano, Capital Soul Sinners, Wassily, a=f/m, Kummerbuben u.v.a.

Übrigens sind Gurtenfestival und Heitere Fahne dieses Jahr noch enger verknüpft, als sie das aus geografischen Gründen eh schon sind. Der Erlös aus den Depotspenden der Mehrwegbecher soll dieses Jahr nämlich in die Kasse der Heiteren Fahne fliessen. Erwartet werden dürfen zwischen 15’000 – 20’000 Stutz. Und was macht die Heitere Fahne damit? Verschenken. Und das obwohl das Nonprofit-Projekt, in welchem 80 Prozent der Arbeit ehrenamtlich erledigt wird, das Geld doch eigentlich selber bitternötig hätte.

Sie seien halt quasi verdammt dazu, alles ein bisschen anders anzugehen, erklärt einer der Fahnisten lachend. Und drum würden sie das Geld nicht selber behalten, sondern hätten einen Preis damit ins Leben gerufen: den Goldenen Kaktus. Nominieren kann jede*r jede*n, der/die in irgendeiner Form das eigene Leben bereichert. Zum Beispiel die nette Verkäuferin aus der Migros, den lustigen pensionierten Geschichtenerzähler oder die Tankstelle im Quartier, wo alle Angestellten immer schampar freundlich sind. Ziel dieses Preises sei es, die Menschen dazu anzustiften, darüber nachzudenken, wer denn da eigentlich das eigene Leben bereichere. Schön nicht?! Frau Feuz hat soeben zwei Nominierungen abgefeuert. Sie möchten auch? Na dann hüü und zwar hier.

Aus den Nominierten werden die fünf schönsten Geschichten ausgewählt und am Samstag 9. Dezember in der Heiteren Fahne mit einem Goldenen Kaktus prämiert. Der Preis besteht nicht aus Geld per se, sondern vielmehr aus der Möglichkeit, auch etwas zu teilen und zum Beispiel die Arbeitskollegen oder grad das ganze Büro zu einem Essen in die Heitere Fahne einzuladen.

KSB out of Komfortzone

Milena Krstic am Mittwoch, den 28. Juni 2017 um 6:31 Uhr

Du findest es unfair/ärgerlich/langweilig/diskriminierend/hochnäsig/engstirnig/respektlos, dass KSB immer von den gleichen Orten in und um Bern herum berichtet? Du fragst dich, weshalb deine liebste Band noch nie bei uns im Blog gelandet ist? Du wohnst in der Agglo und dort gibt es einen kulturellen (Un)ort, den du gerne prominent bei uns vertreten haben möchtest?

Na dann. Lad uns ein auf eine Gurkenschorle und zeig uns den Ort, oder schreib gleich selbst einen Bericht. Wenn dir das zu viel unentlöhnter Aufwand ist, dann kannst du auch einfach ein Foto schicken plus ein, zwei erklärende oder auch (zusätzlich) verwirrende Sätze.

Was diese Aktion soll? KSB will aus der Komfortzone treten, den Horizont erweitern – und das Sommerloch stopfen.

«Mal was anderes» Artwork by KR$-T1C inspiriert von The G.

Keinzigartiges Lexikon: Folge 26

Gisela Feuz am Dienstag, den 27. Juni 2017 um 6:03 Uhr

Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio spürt für KSB jede Woche einen heimlichen Verwandten eines vermeintlich einzigartigen Begriffs auf. Manuel Kämpfer illustriert ihn.

Heute: Der Stadt-Öhi
Der Stadt-Öhi ist eine Figur aus einem Schweizer Kinderbuch. Als Lebemann, Socializer und Halbtagshallodri gehört er zur Crème de la Crème der großstädtischen In-Quartiere. Er hat seine Enkelin Adelheid in Obhut, bis diese zu ihrer gehbehinderten Freundin Klara ins hinterletzte Alpenkaff geschickt wird. Dort nennt man sie Heidi und setzt ihr sogleich einen sächlichen Artikel vor den Namen. Adelheid vermisst nicht nur die rund um die Uhr geöffneten Dönerstände, sie ekelt sich auch vor den unsterilen Verpackungen im Dorfladen, der stinkenden Ziegenmilch und der gruseligen Jodelmusik. Am Ende kann Adelheid zum Stadt-Öhi zurückkehren, gemeinsam mit Klara, die dort endlich die nötige medizinische Versorgung erhält und wieder laufen lernt.


Das Rauschen der Tannen und die blutverschmiert aussehenden Berge versetzen Adelheid in Angst und Schrecken.

Nächste Woche: Die Zwitterin

Kulturbeutel 26/17

Gisela Feuz am Montag, den 26. Juni 2017 um 6:01 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
am Donnerstag taufen im Rössli die Punk-Hardcorer The Strapones ihre neue 7″, am Freitag zeigt die Kultmoviegang im Ciné Clubs Lady Terminator (ausschliesslich für Filmmasochist*innen) und am Samstag kann man sich auf der kleinen Schanze bei der 24. Ausgabe von Anyone Can Play Guitar so richig schön die Birne verbruzeln. Mit von der Partie sind Get the Gorgeous, Willibald, Circles, Frankie Safari und Black Cat Bone.

Die Krstic empfiehlt mal was anderes:
Nämlich statt nur an der Heiliggeistkirche vorbeizustressen, dort einzutreten und sich die Ausstellung Ikonen² anzusehen. Wie erkläre ich Ihnen, was Ikonen sind, falls Sie das nicht schon wissen? Küre erklärt aus dem Bett heraus: «Flache, zweidimensional dargestellte Heilige. Es gibt sie auch im Auto, am Rückspiegel baumelnd etwa». In der Heiliggeistkirche wird sich diesem Thema traditionell und avantgardistisch angenähert, unter anderem mittels einem wiederbelebten Hundeskelett und einem Gedenkort für die Ausgeschlossenen. Vernissage ist am Freitag, 18 Uhr.

Der Urs empfiehlt:
Schnauze tief ihr LokalpatriotInnen – ein Lobieslied auf den freien Jura an dieser Stelle! Schickt euch mal ins Café du Soleil,  im guten alten Seigneleger – ja in Bern on dit comme ça – dort steppt zwar nicht der Bär, dafür aber ein horizontgerichteter Gemeinsinn . Am Samstag war Urs dort eingeladen zu Mister Milano, gutem Essen und wenig Bier. Da bleibt nur zu resümieren – gönnt euch selbst mal diesen diesen wunderbaren Flecken nahe Ferne! Fichtengesäumt zu erreichen via Hauptstrasse oder Regionalbahn, euch wird die trockene Bundesstadtspucke wegbleiben. Familiäre Atmosphäre, gute Musik und ein Hauch Fernwehflavour in doch ach so naher Region. Nächsten Samstag mit der Bluesnight des diesjährigen FÊTE DU SOLEIL Festivals – da bleibt nichts als Liebe übrig.

Fischer empfiehlt:
Memories, music and mojitos
in der Galerie DuflonRacz am Samstag (Kinderfoto mitnehmen!). Und falls es nach der Erinnerungsaktion mit der Künstlerin Nina Haab ein paar Mojitos zu viel wurden: am Sonntag dann Who cares, it’s Wurst, mit Live-Musik und den besten Würsten weit und breit (Eigendeklaration), in einem schönen Länggass-Garten.

Vergnüglicher Musical-Schabernack

Gisela Feuz am Samstag, den 24. Juni 2017 um 13:19 Uhr

Genosse Erdmann vom Mutterschiff hat mit seiner Kritik nicht gänzlich unrecht, wenn er festhält, dass im Musical «Sit so guet, s.v.p» etwas gar offensichtlich mit Klischees operiert werde. Ist aber wurscht (wahlweise auch schüblig, landjäger, cervelat oder merguez) denn beste Unterhaltung bietet «Sit so guet, s.v.p» alleweil, zumal das Musical aus der Feder von Dennis Schwabenland, Raphael Urweider und Matto Kämpf vor absurden Einfällen, Wortwitz und Anspielungen strotzt. Hier 14 Gründe, warum man sich den manchmal bitterbösen, manchmal vergnüglich kindischen Musical-Schabernack in der Dampfzentrale anschauen sollte:

  1. Weil Penis-Witze gemacht werden.
  2.  Weil das neue Maskottchen der S.V.P. Ein Walfisch ist, der bei der Huldigung von St. Christopher stets auf die Nase fällt.
  3. Weil die neue Hauptstadt «Downtown Ballenberg» heisst.
  4. Weil Matto Kämpf die ganze Pause über ein Tannenkostüm tragen muss.
  5. Weil keiner so schön zeitlupe-werbe-kitschig über die Bühne hüpft, wie Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) und Heidi de Cervelat von Schüblin (Anna-Katharina Müller).
  6. Weil Roger de Cervelat (Diego Valsecchi) und Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) nicht nur richtig gut singen, sondern auch ein unsäglich komisches schwules Diktatoren-Paar abgeben.

    Und beide sind sie scharf auf die Wurst: Ibrahim al Merguezi (Wael Sami Elkholy) und Cecilia de Buurenworst (Ntando Cele) buhlen um Roger de Cevelat (mitte, Diego Valsecchi)

  7. Weil die Anführerin der Linken, die sich im Jura verschanzen («ein von unbeugsamen Linken bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten»), Grünemine heisst. (Malika Kathir) 
  8. Weil Domink Gysin den gruusigen, misogynen Säufer Fritz Ländjäger dermassen überzeugend spielt, dass einem angst und bange wird.
  9. Weil das Sozialamt mit «Charity Events» verwechselt wird.
  10. Weil keiner so schön hechelt, wie der Bernhardiner-Hümpu im Edewelss-Gewand (Simone Gfeller).
  11. Weil die Schweizer-Hymne in Techno-Version und mit völlig überpitchter Schlumpf-Stimme gesungen wird.
  12. Weil Songkomponist und Musiker Simon Hari am Bühnenrand bei jeder Nummer vollen Körpereinsatz zeigt.
  13. Weil man nicht drauskommt, warum am Schluss dann trotzdem geheiratet wird.
  14. Weil man auf dem Heimweg den gnadenlosen Ohrwurm «from the outside we are brown» summt.

Das Musical «Sit so guet, s.v.p.» Wird noch bis und mit Freitag 30. Juni in der Dampfzentrale aufgeführt.