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Kulturbeutel 15/14

Milena Krstic am Montag, den 7. April 2014 um 5:55 Uhr

Milena Krstic empfiehlt: 
Sich am Mittwoch, Freitag oder Samstag die «sinnesverwirrende Performance» Signal to Noise im Tojo Theater angucken. Das Künstlerkollektiv Pulp.Noir erkundet «mit allen Mitteln und Medien die Absurdität des Lebens, um sie dem Publikum zugänglich zu machen.» Hier ein kleiner Teaser.

Frau Feuz empfiehlt:
Das Konzert von Die Goldenen Zitronen am Freitag im Dachstock. Die Hamburger Urgesteine vereinen Punkrock und Wave zu intelligentem Pop. Am Samstag liefert die Berner Drag Queen Clausette La Trine zusammen mit His Master's Voice einen ihrer fulminanten Auftritte in der Comeback Bar.

Miko Hucko empfiehlt:
Einen Festbesuch. Entweder zum Lesen oder um dem Tsunderobsi merci zu sagen. Oder sagt das Tsunderobsi dem Publikum merci? Item. Oder, da könnte man ja auch gleich merci sagen, zum letzten Mal ins Wasserwerk an den Endroit Perdu. Da könnte ich gleich über die sterbenden offenen Bühnen ins jammern kommen, aber festen lohnt sich da allemal mehr.

Fischer empfiehlt:
Japanische Filmperlen quer durch die Jahrzehnte im Kino Kunstmuseum - auch wenn das Wetter natürlich eher nach draussen lockt. Zum Beispiel den famosen Ballad of the papermoon am Mittwoch.

Psycho-Heidi & Schlächter-Geissenpeter

Milena Krstic am Sonntag, den 6. April 2014 um 16:00 Uhr

Gestern wurden an der ersten Ausgabe des «Festivals für unabhängiges Modeschaffen» Adelheid & Peter  (chez la Heitere Fahne) Unmengen von Süssigkeiten fürs Auge verteilt.

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Wobei «verteilt» das falsche Wort ist, weil mein auserkorenes Lieblingsteil CHF 360.- (soweit ich mich erinnern mag) kostete. Natürlich wird dieser Preis für die Arbeit, den Stoff und die kleine Stückzahl gerechtfertigt sein, aber ich habe das Festival dann doch ohne Kauf verlassen.

Lieblingsteil in pink-métalisée der Designerin Yana Rei.

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Schön wars trotzdem, obwohl ich mich frage, wie innovativ das ist, bei der Werbekampagne so dermassen einen auf Heimat-Idylle und Hochglanz-Bergwelt gemacht zu haben. Wie wärs mit einem Psycho-Heidi und einen Schlächter-Geissenpeter gewesen? Aber das hätte dann nicht zum Rest des Konzepts gepasst. Item.

Karneval!

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Adelheid war übrigens vor Ort und ich ärgere mich jetzt noch, dass ich sie nicht gefragt habe, ob ich sie fotografieren darf.

Poetische Tiefsee-Groteske

Gisela Feuz am Sonntag, den 6. April 2014 um 13:00 Uhr

Balts Nill nennt ihn im Vorwort einen «Tintentaucher». Tatsächlich ist der Berner Illustrator und Grafiker Jared Muralt für sein neues Buch tief getaucht und hat das letzte Jahr geistig wohl mehr im Marianengraben als auf der Welt zugebracht. Es sind die bizarren, skurrilen und monströs wirkenden Fische, die tief unter dem Meeresspiegel leben, die es Muralt angetan haben und die er in seinem Buch «Tiefsee-Angler» portraitiert. Dazu hat sich der 32-Jährige die Punktiertechnik angeeignet, die seine liebevollen Zeichnungen wie traditionelle wissenschaftliche Illustrationen wirken lassen. Seit gestern sind Muralts abstruse Zeitgenossen der Tiefe nun im Grand Palais ausgestellt, wobei sich die Ausstellungsmacher etwas Besonderes haben einfallen lassen.

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Ab 300 Meter verliert sich das Licht in den Ozeanen der Welt, ab 1'000 Meter herrscht ewige Dunkelheit. Wer in dieser kargen, kalten und lebensfeindlichen Umwelt überleben will, der muss sich ausgefallene Strategien aneignen. So haben einige Tiefseeangler-Fische äusserliche Merkmale ausgebildet, die einmalig sind im Tierreich: leuchtende, überdimensionierte Angelruten am Körper, Laternen am Kopf und furchterregende, rasiermesserscharfe Zähne sind nur einige der Accessoires, die den Monstern der Tiefe bei der Jagd nach Beute und der Liebe zur Verfügung stehen.

Die Schwärze der Tiefseewelt lässt sich denn auch in Muralts Ausstellung erfahren. So wurde ein Raum komplett abgedunkelt und mit kleinen, schwach-leuchtenden Taschenlampen ausgestattet muss sich der Betrachter im tiefschwarzen Nichts auf die Suche nach den Fischen machen. Als Orientierungshilfe dienen einzig die Leuchtkörper der Tiefsee-Geschöpfe – von Muralt mit Nachtleucht-Farbe eingefärbt - die blass in die Schwärze schimmern. Die ästhetische Wahrnehmung ist somit eine andere: Anstatt dass die ganze Gestalt auf einmal erfassbar ist, muss mit der abgedunkelten Taschenlampe der Fisch erst in seinen Details «ertastet» werden. Die ganze skurrile Groteskheit der Tiefsee-Anglerfische erhält dadurch spezielles Augenmerk – Was wiederum ein durchaus poetisches Seherlebnis erzeugt.

Die Ausstellung «Tiefsee-Angler» ist noch bis am 25.4. Im Grand Palais zu sehen, die Unterwasser-Klangkulisse im «Darkroom» hat Julian Sartorius beigesteuert; Jared Muralts 100 liebevoll gestalteten Fische gibt es auch in Buchform.

Mit Tequila ins Bad Bonn

Milena Krstic am Samstag, den 5. April 2014 um 13:42 Uhr

Ein Ausflug nach Düdingen ins Bad Bonn fühlt sich so an, als wäre man auf einem Roadtrip (ich war noch nie auf einem, aber so stelle ich mir das vor) und würde irgendwo in der Pampa anhalten, um auf Toillette zu gehen. Man bleibt dann aber länger, weil in dem Schuppen irgend so eine Band spielt und ein Bier eigentlich genau das ist, was man gerade gebraucht hatte. Dort, wo das Bad Bonn steht, gibt es einen Parkplatz, eine Wiese, einen dunklen, schmalen Weg zum Bahnhof und im Hintergrund beginnt der Wald.

Der Zufall wollte es, dass ich mein Mobiltelefon zuhause liegengelassen hatte und mich im unbarmherzigen Licht des neuen BLS-Doppelstöcker-Agglo-Zuges voll und ganz Kinky Friedmans «Nie wieder Tequila» (gefunden in Küres Büchergestell) widmen konnte:

«Offensichtlich hatte ich mich einige Wochen lang nicht mehr rasiert, und ich würde verdammt sicher nicht damit anfangen, nur weil eine Hausplage zu mir kommen wollte. Schliesslich war er nicht Prinz Charles; er war ein ausgebrannter, paranoider Gitarrenzupfer mit einer finsteren Streptocumulus-Wolke von der Grösse Bangladeschs über dem Kopf. Und er glaubte, dass jemand versuchte ihn umzubringen. Das konnte ein netter Besuch werden.»

Ist Kinky ein Möchtegern-Charles-Bukowski? Ich habe ihn nicht gegoogelt, um unwissend zu bleiben.

Im Bad Bonn angekommen bespielten die Briten Heymoonshaker die Bühne.

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Zwei Typen in Röhrenjeans und der eine davon mit beachtlichem Ausschnitt, aber beiden Männern rutschte das Shirt so hoch, dass man freie Sicht auf Bauchnäbel hatte. Ziemlich stilecht. Der Sänger hatte diese kratzige Fistelstimme und war gleichzeitig der Gitarrenzupfer – um in Kinkys Jargon zu bleiben – und sein Kumpel übernahm als Beatboxer den Part, der eigentlich einem Schlagzeuger zuteil wäre.

Schmutz-Blues funktioniert auch so bestens, und erstaunlicherweise auch dann, wenn der Beatbox-Mann Skrillex-ähnliche Beat-Variationen von sich gab. «Organic Dubstep», meinte Küre.

Und was würde wohl Kinky Friedman dazu schreiben? Vielleicht so etwas wie auf Seite 29:

«Musik ist ein Geschenk», schrie McGovern von der Jukebox (...) zu mir rüber. «Sie bringt die Menschen zusammen. (...) Du bist gesegnet Mann, du bist gesegnet!»

«Yeah», sagte ich. «Vielleicht könnte ich Rhythmusgitarre für den Dalai Lama spielen.»

Die Sonntagsband Ihres Vertrauens

Gisela Feuz am Freitag, den 4. April 2014 um 16:07 Uhr

Wer A sagt, muss auch ppenzeller sagen. Drum dauerte es dann offenbar ein bisschen länger, bis das neue Video nach der Taufe am letzten Sonntag online gestellt werden konnte. Den Protagonisten sei vergeben, denn es ist ja schon fast eine Tradition, dass Bands bei allfälligen Taufen im Rössli der Reitschule den dunkelbraunen Bitterschnaps kredenzen müssen. Oder dürfen. Alles eine Frage der Perspektive. Nicht anders erging es der Berner Hardcore-Truppe Chelsea Deadbeat Combo, die letzten Sonntag nicht nur eine Video sondern auch gleich die erste Platte namens «If everything goes well» taufte und damit eine vergnügliche Alternative bot zum langweiligen Tatort-Sofasurfen.

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Spielen tun die Mannen HBHC, also Herzogenbrooklyn-Hardcore. Mit Hardcore ist hier die härtere und brachialere Spielart des ursprünglichen Punkrock gemeint, wobei sich bei Chelsea Deadbeat Combo auch Anleihen an den Melodic Punkrock finden lassen, wie ihn Bands wie Rise Against oder Ignite spielen.

Das Video zu «Under the Bottom Line» wurde im ehemaligen Langenthaler Kino OldCapitol aufgenommen und zwar an einem Sonntagnachmittag. Es wird gemunkelt, dass diverse Statisten nach dem Dreh einigermassen lädiert und bedamenräuschelt das Kino verlassen hätten. Chelsea Deadbeat Combo - die Sonntagsband ihres Vertrauens.

Ausdrucksstarke Punk-Poesie

Gisela Feuz am Donnerstag, den 3. April 2014 um 11:55 Uhr

Kotzreiz-Scheisse«Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs», «Die toten Crackhuren im Kofferraum», «The Deinemutter» – gehts um die Namensgebung laufen einige Bands zu literarischer Höchstform auf. Interessanterweise zeigen sich dabei diejenigen Vertreter, die dem Dosenbier, mangelnder Körperhygiene und verfilzten Hunden zugetan sind, äusserst kreativ.

Punkbands benennen sich gerne nach anatomischen Eigenheiten («Abgestorbene Gehirnhälften», «Blase’n’Schwäche», «Eisenpimmel»), reflektieren kritisch den eigenen Werdegang («Abeizamt», «Bildungslücke», «Die asozialen Superhelden»), deuten im Namen das ästhetische Konzept des eigenen musikalischen Schaffens an («Arschfaltenquintett», «Kindercore», «Lärmbelästigung», «Das Niveau singt»), geben sich verschwörerisch («Siewissenschon», «Pinocchio auf der Flucht») und lassen sich auch gerne von der Kulinarik inspirieren («Blutpudding», «Ernährungsfehler», «Stasi Goräng»).

In die Kategorie letzterer Bands gehören auch «Kotzreiz» aus Berlin und «Fondükotze» aus Zürich, die heute Abend in Bern ihr Œuvre präsentieren. Es wird gemunkelt, dass die Zürcher auch ein Nebenrojekt namens «Raclette Gaggi» hätten. Welch wunderbar  musische Schöpferkraft, welch ingeniöse Fantasie da doch in den Seelen der Nieten- und Sicherheitsnadelnbestückten schlummert. Goethe, Shakespeare, ja die ganze Poeten-Gilde, verneiget euch!

Kotzreiz aus Berlin und Fondükotze aus Zürich spielen heute Abend im Rössli der Reitschule. Türe 21 Uhr.

Idealismus in der theatralen Zentralperspektive

Roland Fischer am Donnerstag, den 3. April 2014 um 10:55 Uhr

Am Schluss sitzt man einfach da und liest. Während vorne auf der mächtigen Bühne des Turbinensaals auch einer von der Truppe sitzt – und liest; es gibt keinen Unterschied zwischen Publikums- und Bühnenrealtität (kann man ja jedenfalls mal behaupten). Kein Applaus, kein richtiges Ende, irgendwann beginnen die ersten Zuschauer rauszugehen. Man kann auch noch bleiben und sich vertiefen in das Buch, das verteilt worden ist. «Idealisten, Idealists, Idealisti. Schauplatz International» steht darauf, und das ist dann fast der letzte einer ganzen Reihe von schönen Theaterzaubertricks, die an diesem Abend gezündet werden. Einer sollte dann noch kommen, aber das erlebten vielleicht noch ein halbes Dutzend Zuschauer, die besonders Gefallen gefunden hatten an den tagebuchartigen Skizzen über eine Reise in die Idealstädte Italiens, und an den architekturhistorischen Exkursen, die den Begriff «Idealismus» von den utopischen Ursprüngen her zu verstehen versuchen.

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Was die Truppe auf ihrer Recherchereise angetroffen hatte muss in seiner Perfektion allerdings eher unheimlich angemutet haben - solch lupenreinen Idealismus kann sich heute niemand mehr leisten. Und so macht sich das Schauplatz-Bauteam dann im Verlaufe des Abends zwar daran, eine Idealstadt auf die Bühne zu hieven, aber sie tut es auf Beckettsche Weise, ganz seinem zwischen Optimismus und Pessimismus hängenden «besser scheitern» verplichtet. Vorgeführt wird dieses Scheitern mit einer Art Slowmotion-Slapstick, einer im Vergleich zum Meister einiges weniger artistischen Buster-Keaton-Hommage (aber das ist, davon darf man bei diesen ausgefuchsten Theaterhinterfragern ausgehen, nicht Unvermögen, sondern durchaus Absicht). Zunächst geht das alles noch nach Plan, aber bald hängen die Elemente schief, suchen eine prekäre Balance, werden notdürftig zusammengeschustert. Ist das nun der Idealismus von heute, dass die Truppe ungerührt weiterbaut, obwohl schon lange klar ist, dass da nichts Grosses, nichts Bleibendes entstehen wird?

Aber eben, man kann ja zaubern: Die gebaute Lächerlichkeit wird kurzerhand mit einem Tuch überzogen (Christo lässt grüssen) und so zum Denkmal verklärt. Dass das Publikum dann auch zur Andacht gezwungen wird, ist vielleicht ein wenig unnötig, aber das ist nur ein kurzer Moment, wo dieser prekäre Abend den festen Stand zu verlieren droht. Sonst schafft Schauplatz International das Kunststück, aus eher sperrigem Material einen ebenso robusten wie wunderbar durchsichtigen (aber nicht etwa durchschaubaren) Theaterabend zu zimmern (der übrigens fast ohne gesprochene Sprache auskommt, aber das tut eigentlich nichts zur Sache). Sollte man sich unbedingt ansehen, und sei es nur aus dem Idealismus heraus, sich nach wie vor für Kultur zu begeistern, hin und wieder.

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Das Stück wird von von Freitag bis Sonntag noch dreimal gezeigt - als Schlachthaus-Gastspiel in der Dampfzentrale, weil die tolle Bühne entsprechend Platz braucht. Allerdings ohne Garantie dafür, dass der schöne Schlusspunkt dann jeweils auch zu sehen sein wird, als mitten ins stille Lesen hinein ein abermals neu aufgebautes Bühnenelement vor der Statik kapituliert und krachend kaputt geht.

Die Gschicht isch besser

Resli Burri am Mittwoch, den 2. April 2014 um 5:55 Uhr

Neues aus der Ostschweiz gibts ab Freitag in jedem Quartier im Plattenladen. Stahlberger lassen ihr neues Werk vom Stapel. Das hübsch zuckende Video des Titelsongs stammt vom St Galler Künstler Beni Bischof.

Der Berner Auftritt folgt am 20. April im Dachstock.

Reisen ins musikalische All

Roland Fischer am Dienstag, den 1. April 2014 um 12:53 Uhr

Irgendwie passend, dass Neugier auf englisch Kuriosität heisst. Gestern gabs in der Dampfzentrale von der Basel Sinfonietta eine «Conversation with Curiosity» zu hören, die einen doch etwas ratlos machte. Tatsächlich drehte sich das nicht nur um künstlerische Neugierde, sondern um eine Kuriosität ganz konkreter Art, den Marsrover gleichen Namens nämlich. Trotz kundiger Einführung des Berner Astrophysikers Rudolf von Steiger kam man nicht so ganz dahinter, wie genau da Daten vom Mars zu einer dirigentenlosen Improvisation in Neuer Musik wurden. Immerhin, leicht ausserirdisch klang das dann schon.

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Wesentlich abgespaceter (Verzeihung) kam dann Thomas Kesslers «Utopia II» daher, das die Sinfonietta zur Schweizer Erstaufführung brachte. Wo das Loopgerät heute aus Popsolisten ohne weiteres ganze Bands macht, verdoppelt er hier flugs ein Orchester - zu den 49 Musikern kommen 49 Computer-Setups, die das Gespielte in die Mangel nehmen, zurückspiegeln, zerhäckseln. Das frickelt und zittert dann zuweilen sehr fragil, um zum Schluss hin zur mächtigen und ungehörten Soundskulptur anzuwachsen. Dagegen: Edgar Varèses «Déserts» aus dem Jahr 1954: sehr irdisch, sehr trocken, sehr gestern. Ein wichtiges Stück offenbar, musikhistorisch - eine Urgeste der elektronischen Musik. Die aber keine Flügel mehr verleiht, sechzig Jahre später. Und schon gar nicht in andere Welten entführt.

Bizarre Musikgenres Teil 10: Cuddlecore

Gisela Feuz am Dienstag, den 1. April 2014 um 6:12 Uhr

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Cuddlecore.

Die Bezeichnung Cuddlecore (cuddle = kuscheln) wurde anfänglich für die kanadischen Bands «Cub» oder «Bunnygrunt» verwendet. Diese verstanden sich in den frühen 90er-Jahren als Gegenpol zu der Riot-Grrrl-Bewegung, in welcher (Frauen-)Bands wie L7, Hole oder The Muffs rotzigen Alternative-Rock oder Punk produzierten. Der Begriff Cuddlecore wird seitdem für Bands verwendet, die oft, wenn auch nicht immer, nur aus Frauen bestehen und eine eher pop- und harmonieorientierte Art von Punk oder Rock spielen. Während die Riot Grrls in schönster Teenager-Manier mit zerrissenen Strümpfen, schwarzumrandeten Augen und gestrecktem Mittelfingern der Welt einen Tritt in den Hintern zu verpassen gedenken, sind Cuddlecore-Mädchen quasi die kleinen Zahnspangen-Schwestern, die höchstens mit Stofftieren um sich werfen und sich anschliessend dann auch noch dafür entschuldigen.