Archiv für die Kategorie ‘Wüsten & Oasen’

Kultur im Kocher

Roland Fischer am Freitag den 14. Juli 2017

So sieht es also aus, Berns niederschwelliges Kulturangebot:

Tatsächlich ist das eine schöne Initiative, dieses Parkonia-Festival im Kocherpark. Die Barcrew wirkte zwar zuweilen ein wenig überfordert, aber weil die Stimmung sonst überaus entspannt war zwischen Jonglierenden, Ping-Pong-Tisch und Bühne war das ziemlich egal. Gestern legten die Hiphopper von Churchhill einen fast schon offensiv gutgelaunten und pünktlich um zehn (die Nachbarn!) fertigen Auftritt hin. Wenn die Regeln brav eingehalten werden hilft die Stadt wo sie kann; demenstprechend poppen grad allenthalben Sommerspecials up – davon soll hier dann auch mal noch die Rede sein.

Hier bloss noch der Hinweis, dass es im Kocherpark Mitte Sommer einen fliegenden Wechsel geben wird: Die Bühne wird ab- und eine Leinwand aufgebaut. Bern bekommt endlich wieder ein richtiges Openair-Kino! Und erst noch – wie schon Parkonia – mit Gratis-Eintritt. Bisschen seltsam, oder, dass im reichsten Land der Welt Kultur immer öfter damit beworben wird, dass sie das Portmonnaie nicht belastet?

Kultur am Sankt-Immerleinstag

Roland Fischer am Donnerstag den 8. Juni 2017

Noch nichts vor am Wochenende? Dann empfiehlt sich ein Ausflug in den (unumstritten Berner!) Jura, nach Saint-Imier. Da geht am Samstag und Sonntag nämlich die HKB an Land, mit einem vielfältigen Kulturprogramm in allen möglichen (Leer)Räumen.

Allein der alte Schlachthof lohnt einen Besuch – so hat man Ende des 19. Jahrhunderts Industrie gebaut. Und so wird da in diesem Moment Kultur aufgebaut:

Es wird Kino fürs Ohr geben, Video-Transformationen, Klassik in der Fleischhalle, Theater Theoriediskurs zu anarchistischen Szenen, eine Begegnung von Microtonality und Jazz, das legendäre Reich-Stück Drumming und ein Musikexperiment mit der Bevölkerung. Und einen sehr charakteristischen Mikrokosmos zwischen Land und Stadt, Politik und Kultur.

Säulenheilige Gewinner

Roland Fischer am Mittwoch den 7. Juni 2017

Bei Transform ist die Entscheidung gefallen. 10 Künstlerinnen und Künstler hatten dieses Frühjahr schon mal mit Holligen Tuchfühlung aufgenommen und sich mit Projektvorschlägen für Kunst im öffentlichen Raum der Quartierjury gestellt. Ende Mai hat diese schliesslich entschieden – and the winner is…: Bad Boy Tom Kummer, mit «Die Säulenheiligen von Holligen». Wir hatten schon berichtet von der Idee.

Und Kummer hat auch schon angefangen mit der Forschungsarbeit beim Europaplatz.


Säulen-Botschaft 1:

Die Säulenheiligen am Europaplatz haben ein Energiefeld über Holligen gelegt. Bei meinen Recherchen habe ich Energiespuren aufgespürt. Es betrifft sechs Säulen. Ihre Aura nimmt zu. Das hat Folgen.

Oder wie Transform schreibt:
Tom Kummer fokussiert in seiner Arbeit auf die Säulenlandschaft auf dem Europaplatz – welche von vielen Leuten im Quartier als misslungene städtebauliche Entwicklung betrachtet wird. Man wünscht sich eine Verschönerung dieser Betonwüste, Swimming Pools, einen Spielplatz, mehr Grün oder vielleicht auch einfach mal ein zwei Bänke… Tom Kummer sieht die Sache etwas anders. Er sei fasziniert von der Aura, von der sakralen Qualität dieser Säulenlandschaft und hat bei seinen Recherchen vor Ort bemerkt, dass diese heiligen Säulen eine Energie ins ganze Quartier ausstrahlen und es Punkte im Quartier gibt, die klar mit den Säulen im energetischen Austausch stehen.

Soviel kann geteasert werden: Es wird eine Muttersäule markiert, eine Litfasssäule, die mit einer riesigen dicken Schicht auf eine grosse (narrative) Vergangenheit von Holligen verweist. Es wird eine interaktive Tochtersäule geben, die die Gegenwart vertritt und wo jede und jeder seine Geschichte auf neue Geschichtsschichten auftragen kann. Es wird Pilgerwanderungen im Quartier geben. Es wird only-in-Holligen-Souvenirs geben. Es wird Konzerte und Speaches geben. Und es wird am 8. Juli ab 18 Uhr eine Einweihung der heiligen Säulen und eine Opening Night auf dem Europaplatz geben. Mit Feuerpredigt, Chor, spoken Word, Oper, electronic experiments, Rap Specials und weiteren Huldigungen.

Eine Hammer-Ausstellung

Roland Fischer am Mittwoch den 31. Mai 2017

Also: zuerst mal eine Entschuldigung für den mehr als müden Wortspiel-Titel. Elf Uhr nachts und keine bessere Idee gehabt.

Also: Hammerwerk. Worblaufen. Wird bald abgerissen, das Ensemble an der engen Aare-Kurve, hat man sagen hören. Wäre sehr schade um diesen Zeugen der Industriegeschichte – aber vielleicht darf er auch ein wenig bei der Aufwertung des Areals helfen:

Siebzig Wohnungen sollen Ruhe in den eigenen vier Wänden und in der Auenlandschaft bieten. Das Herz der Anlage bildet die älteste, wasserbetriebene Hammeranlage der Schweiz.

Und nun hätte ich eigentlich gern geschrieben: Sollte man sich also noch einmal anschauen, diesen Zeitzeugen, wo sich doch eine schöne Gelegenheit bietet – die HKB hat in den Räumen nämlich eine kunterbunte Schau eingerichtet, Frucht des diesjährigen spartenübergreifenden Grossprojekts «Material <> Digital».  So bekommt man zeitgenössische Kunst sonst nie zu sehen: Das Hammerwerk ist die perfekte White-Cube-Antithese, da stehen grandiose Hydraulik-Hammer herum (die am Montag auch noch sehr performativ zum Einsatz kamen, als DJ-Prelude), viel Kunst und Krempel, der mit der HKB wohl nichts zu tun hat und in einer hinteren Ecke dann tatsächlich noch diese Hammeranlage samt hölzerner Nockenwelle, alt und feucht und gar nicht museal.

Einziges Problem: Diese HKB-Vermittlungsinititative war offenbar vor allem für den internen Gebrauch gedacht. Wer am Montag nicht da war (und es war über den Kreis der beteiligten Studierenden und Dozenten heraus kaum jemand da), der hat dieses Spektakel verpasst. Ziemlich defensiv, diese Art von Kunstvermittlung. Die Vernissage: ein schöner Erfolg. Und dann am besten gleich wieder abbauen.

Der Zeppelin hebt wieder ab

Roland Fischer am Mittwoch den 3. Mai 2017

Rasche Meldung aus der Lorraine: Das Gentrifizierungszentrum Zeppelin nimmt seinen Betrieb demnächst wieder auf. Endlich wieder eine nette Bar, kaum einen Steinwurf vom verkehrsberuhigten und politisch beunruhigten Quartierleben entfernt.

Der Infoabend gestern sei entsprechend lebendig verlaufen. Nächste Woche also dann Eröffnung, am Donnerstag – und am Freitag geht’s schon in die grossen Ferien.

Holligen: Randnotiz

Roland Fischer am Freitag den 28. April 2017

aufgezeichnet von Helmut Dick

Wie schon am Vortag komme ich wieder an der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage vorbei. Ich überlege kurz, ob ich noch einmal zu dem Brachgelände hochgehe. Genau in diesem Moment kommt, wie gestern, wieder der ältere Herr auf seinem E-Bike den Hügel heruntergefahren. Und auch heute fällt mir auf, wie eigenartigartig er die Rechtskurve am Ende des Hügels durchfährt. Er schneidet die Kurve nicht nur in einem komischen Winkel an. Auch das Zurücknehmen der Fahrgeschwindigkeit steht nicht im Verhältnis zur eigentlichen Reisegeschwindigkeit. Und dann noch diese angespannte Konzentration in seinem Gesicht.
Heute stoppt der Mann kurz hinter der Kurve, steigt ab und schaut nach dem Hinterrad seines E-Bikes. Kurz entschlossen gehe ich zu ihm hinüber. Ich beginne das Gespräch mit der Frage, ob etwas nicht in Ordnung sei. „Sie sind mir auch gestern schon mit Ihrem Fahrrad aufgefallen“. Ich merke, dass er es merkwürdig findet, dass ich ihn beobachtet habe. Darum beginne ich von Transform zu erzählen. Dass ich als Künstler dabei bin das Holligen Quartier zu erkunden. Und ich erzählte ihm von meinen Projekten. Bei The Blinking scheint ein Auto nachts in ein großes Gebäude gefahren zu sein und sowohl Auto als auch das ganze Haus blinken plötzlich einheitlich im selben orangefarbenen Rhythmus.
Das gefällt ihm. Auch er beginnt zu erzählen. Er arbeitet in einer Verwaltung. Noch ein paar Jahre bis zur Rente. Er fährt hier fast jeden Tag vorbei. Genau durch diese Kurve. Wenn er von der Arbeit kommt. Seit er das E-Bike hat, fährt er sogar schon mal eine Extrarunde. Seine Frau sagt immer, er soll es nicht rumerzählen. Aber er hat diese Faszination schon seit vielen Jahren. DENN wenn er es schafft GENAU, HAARGENAU im richtigen Bogen durch DIESE Kurve zu fahren, mit dem ABSOLUT richtigen Neigungswinkel UND EXAKT passender Geschwindigkeit DANN MUSS es möglich sein, in eine andere, noch UNBEKANNTE Dimension hinüberzufahren .
Ich habe ihn dann noch alles Mögliche gefragt, aber nicht wie er denn wieder zurückkommen würde. Dann hat er sich freundlich verabschiedet. Er müsse jetzt aber weiterfahren, da sich seine Frau sonst Sorgen machen würde.

Ich würde gerne im Zug sitzen und in einer gefunden Berner Zeitung die Randnotiz lesen, dass ein Mann aus Holligen mit Fahrrad auf dem Weg nach Hause spurlos verschwunden ist.

Das transdisziplinäre Kunstprojekt transform fragt in seiner sechsten Ausgabe gemeinsam mit zehn Kunstschaffenden aus allen Sparten und einer Jury bestehend aus BewohnerInnen Holligens, was Kunst im öffentlichen Raum Holligens soll. Seit Februar diskutiert die Jury gemeinsam mit transform, was sie von Kunst für ihr Quartier erwarten. Im April waren die eingeladenen KünstlerInnen in Holligen unterwegs und traten mit dem Quartier in Interaktion. Die Jury entscheidet demnächst, welcher ihrer Projektvorschläge für ein grosses Kunstprojekt in Holligen realisiert werden wird.

Holligen: Notizen auf Hermes Schreibmaschine auf Europaplatz

Roland Fischer am Donnerstag den 13. April 2017

Was machen sie da?
Schreibe mit Maschine
Wie aus Keller, Hermes Maschine
Mein Bruder besser schreibe.
Ich nähe.
Was ist das
ein Bett
ein Tisch
ein Kunst
Projekt
Projekt waaaas,
So ein Pferd ohne Reiter, in meiner Land viele Soldaten aus Eisen, Bronze, Stein
alles Tot aber Gut
ooooo, aaaaa
Ich bin Schriftstellerin Dragica
was sie schreiben
Lieder
Nicht singen was schreiben
Warum dann?

Maria meine Name,
Mazedonien, reden wir srbski

ich lese ihnen Zukunft
ja cu vam čitati budućnost
was wenn ich sterbe, morgen
das sage ich nicht
sage ich nie
was machen sie da?
ich sammle Geschichten

dragica raijic und das künstlerduo boijeot.renauld auf dem europaplatz (© transform)

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Von Tieren und von unberühmten Menschen

Mirko Schwab am Donnerstag den 6. April 2017

Die sublimsten Dinge begegnen einem manchmal am Urinal. Eine Hymne auf das Rössliplakat.

Sie ist nötig. Sie muss gesungen werden. Die sublimsten Dinge, sie gehen auch gerne vergessen. Gerade wenn sie über der Pissrinne hängen. Flankiert von den gesprühten Zeugnissen hündischer Markierungstriebe im Manne nebst unzähligen Klebern, einer Open-Source-Bibliothek subkultureller Gestaltungsmarotten und Codes – aber mittendrin: ein durchs Sieb gedrucktes Meisterwerk im Harndampf. Dem Feuilleton entgeht gerne, was nicht schreit «sieh mich an, ich bin Kunst!».

Die Jungs vom Grafik- und Illustrationsbüro opak haben die Meisterwerke zu verantworten. Seit Jahren begleiten Sie das stoisch im popmusikalischen Untergrund mäandrierende Programm der Rösslibar mit ihrer leichtfüssigen Bildsprache. Ihre Ästhetik variieren sie dabei derart facettenreich und gleichzeitig verbindlich, dass jeder noch so verschrobene Gedankenblitz schliesslich ganz intuitiv auf sein Mutterrössli zurückweist: Selten ging Corporate Identity derart unverkrampft. Diese ästhetische Verbindlichkeit speist sich aus dem Repertoire der Themen und Techniken, die zur Anwendung kommen. Der zweifarbige Siebdruck prägt die Serie ebenso wie die Lust an der Impferfektion auch der grafischsten und strengsten Entwürfe, die sich so den Charme der Handarbeit erhalten. Und nicht zuletzt das konsequent ausgesparte Rändchen; eine Abgrenzung vielleicht gegen die ordinäre Nachbarschaft, in der die Plakate angebracht sind – und eine würdige Rahmung ganz sicher für die detailverliebten Geschichten, die einem da beim Schiffen erzählt werden.

Geschichten erzählen, wenn die Köpfe fehlen. Die grossen Namen sucht man im Programm des Rössli bekanntlich umsonst. Und also dürfen sich die Plakate um anderes kümmern als die geschickte Einbettung des ikonischen Bandfotos oder die möglichst schreihalsige Lesbarkeit des Headliners, der die Vorverkäufe abheben lässt. Nein, das Rössliplakat leistet ungleich mehr: Es erschliesst hintersinnige bis im originärsten Sinn plakative Interpretationen der zahlreichen Band- und Künstlernamen, die Woche für Woche auf dem Programm stehen – Karikaturen, Wortspiele, Hommagen und Referenzen. Die Motivik weist dabei oft in die Welt der Pflanzen und Tiere, die, ins Absurde oder gar Morbide abgekantet, den schrägen und aufwühlenden Darbietungen aus der Subkultur in grafischen Kürzestgeschichten die Ehre erweist.

Ein Hoch darum auf das Rössliplakat. Die poetische Antithese zu den Mechanismen der Werbeindustrie; nur sehr spärlich aufgehängt, als solle es den Selbstzweck geradezu zelebrieren, wild, ausufernd und bisweilen fast kryptisch verschwiegen in seiner Gestaltung und in dieser Unverfrorenheit letztlich mehr als jedes andere Konzertplakat der Stadt: Kunst.

Holligen: Gedanken mit Hund

Roland Fischer am Mittwoch den 5. April 2017

Da-Sein. Die Augen öffnen. Begegnungen suchen. Berührung finden: “Es muss nix, es kann alles.” ist der Ausgangspunkt des diesjährigen TRANSFORM. Die zweiwöchige Recherche ist der gegebene kompetitive Rahmen unter zehn in Holligen gastierenden Kunstschaffenden, das Eigene mit Vorgefundenem zu verbinden.., kontrastieren.., komponieren…
Wo beginnen? Wie weiterwandern? Wozu und für wen und woraus eine Idee formen? Sind einsame Wege auf der Suche nach Ausdruck sinnstiftend? Oder rufen ungegangene Pfade nach Gemeinschaft? Was treibt an? Und wen interessierts? Lauter Fragen, die Unruhe stiften. Rastlosigkeit braucht eine Wohnstatt und Unbekanntes einen Namen.

Laura Huonker@Holligen, Foto: Marco Frauchiger

Ich habe mir vorgenommen, Bern-Holligen ohne Navigationsgerät mit Anreise in meinem VW Bus zu finden. Das hat mich in die urbane Landschaft der Autobahnausfahrten geführt; nach Ittigen, N.N. und N.N. Bern-Holligen ist von Wald umgeben, ein geographischer Spitz in die Stadt, und liegt an zwei Hängen, keine eigene Autobahnausfahrt, gefächert rund um ein Fussballfeld. Mit meiner Kleinhündin bin ich durch die Quartierstrassen gelaufen, und habe Geschichten gefunden. Keine solchen, aus der Dramatik entsteht, sondern gelebter Alltag. Auf einer Bretterwand gesprayt lese ich: UNSERE TRÄUME SIND VIEL GRÖSSER ALS EURE URNEN. Wohnstrassen, Gärten, Institutionen und Ämter; Menschen im Transit, Eingesessene, Biografien mit Zuwanderungsgeschichte. Ein Stadtteil – auf seine Weise einzigartig und auch nicht. Weisen der Welterzeugung sind vielfältig. Die Kunst ist eine Weltenerfinderin. Welche Welt in Bern-Holligen zwischen Juni und September diesen Jahres aufscheinen wird, ist noch offen. Rastlose Sucher und Sucherinnen forschen, entwerfen und verwerfen, folgen Spuren und verlaufen sich in der Faszination des Neuen und persönlichen Mustern. Sich Orientierung schaffen ist die eine Aufgabe. Sich seiner selbst zu versichern in der scheinbaren Unendlichkeit von Alles und Nichts zwischen Europaplatz und Fischermätteli. Jede Kunst bewandert auch Grenzen; Bern-Holligen ist davon umgeben: Die Bahngeleise. Es sind offene Begrenzungen, die es nicht leicht machen, einen Kern zu erkennen, der diesen Ort zusammenhält.
Bern-Holligen ist ein nerviges Rätsel, etwa so, wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Es ist ja alles da, und doch muss eine Absicht den Funken schlagen. Dies meine beunruhigten Gedanken mit Hund.

festgehalten von Laura Huonker, Theatermacherin aus Zürich

Das transdisziplinäre Kunstprojekt transform fragt in seiner sechsten Ausgabe gemeinsam mit zehn Kunstschaffenden aus allen Sparten und einer Jury bestehend aus BewohnerInnen Holligens, was Kunst im öffentlichen Raum Holligens soll. Seit Februar diskutiert die Jury gemeinsam mit transform, was sie von Kunst für ihr Quartier erwarten. Noch bis zum 8. April sind die eingeladenen KünstlerInnen in Holligen unterwegs und treten mit dem Quartier in Interaktion. Danach legen sie Projektvorschläge für ein grosses Kunstprojekt in Holligen vor und die Jury entscheidet, welches Projekt realisiert werden soll.

Risotto und Maserati

Roland Fischer am Dienstag den 28. März 2017

So transformiert man eine urbane Leerstelle: Gestern abend machte es sich das Transform-Team auf dem Europaplatz gemütlich. Es wurden improvisierte (und gar nicht mal so unschöne) Möbel gezimmert, es wurden erste Quartiergeschichten ausgetauscht, es wurde gegessen und getrunken. Irgendwann gingen die Säulenlichter an und die Kälte kroch unter das mächtige Betondach. Noch nicht so richtig Sommer, man merkt es vor allem am Abend. Zwei Protagonisten zogen warme Unterwäsche an, die multifunktionalen Möbel dienen ihnen für die nächsten Tage auch als Schlafstatt.

Und dass während des Essens immer wieder neue schwarze Boliden auf den Platz rollten um im Hintergrund poliert, ausgeleuchtet und fotografiert zu werden, war eine site-specific Performance der sehr vertrackten Art. Sehr schön arrangiert, Chapeau! Die Welt ist Bühne. Das heisst in dem Fall: die kleine Welt im Westen, im Holligenquartier. In den nächsten Tagen werden so immer wieder andere öffentliche Orte mit Privatheiten infisziert. Mal sehen, als wie robust sich das Holliger Immunsystem erweist.