Archiv für die Kategorie ‘Window Shopper’

Der Zeppelin hebt wieder ab

Roland Fischer am Mittwoch den 3. Mai 2017

Rasche Meldung aus der Lorraine: Das Gentrifizierungszentrum Zeppelin nimmt seinen Betrieb demnächst wieder auf. Endlich wieder eine nette Bar, kaum einen Steinwurf vom verkehrsberuhigten und politisch beunruhigten Quartierleben entfernt.

Der Infoabend gestern sei entsprechend lebendig verlaufen. Nächste Woche also dann Eröffnung, am Donnerstag – und am Freitag geht’s schon in die grossen Ferien.

«Window Shopper» V

Urs Rihs am Samstag den 22. April 2017

…oder die schönsten Schaufenster der Stadt, eingerichtet durch König Zufall, mit Eigenwille dekoriert, angenagt durch den Zahn der Zeit.
Hier gibts weder fabrikneue Ware noch die hipsten Ernährungstrends. Das ist die Fotoserie abseits der hegemonial marktlogisch gestalteten Vitrinen unserer Einkaufsmeilen. Und dazu ein Versuch, ihnen Graustufen des Zeitgeistes abzugewinnen.

Gestern traurig schöne sechs Minuten hinter diesem eigentlichen Anti-Schaufenster verbracht. Vor den Aludosen erst: «Hesch mr zwe Stuz für vier Gralsburg, de hani drum gad no gnue für nes Päckli Batton?» Dann neben dem harten Fusel: «I wana have this – Red-Label – can you help me with some coins my friend?» Am Schluss kostet mich also mein Parmesan trotzdem etwa gleichviel wie im LOLA. Fuck, und dazu dieses Scheissgefühl ein Wohltäter zu sein, wobei das hätt ich im LOLA auch gehabt, und dort irgendwie aus noch beschisseneren Gründen. Beim Austreten durch die Schiebetür auf die Strasse ergreift mich eine Gerührtheit, ob der Szenerie im Laden und davor, dicht gefolgt von Ekel.
So ist das mit diesen Widersprüchen im Quartier.

Der Denner am Schmiedweg 3 in der Lorraine, vielleicht einer der letzten wirklichen Quartierläden – geziehrt durch dieses wunderbare Anti-Schaufenster.

«Window Shopper» III

Urs Rihs am Samstag den 7. Januar 2017

…oder die schönsten Schaufenster der Stadt, eingerichtet durch König Zufall, mit Eigenwille dekoriert, angenagt durch den Zahn der Zeit.
Hier gibts weder fabrikneue Ware noch die hipsten Ernährungstrends. Das ist die Fotoserie abseits der hegemonial marktlogisch gestalteten Vitrinen unserer Einkaufsmeilen. Und dazu ein Versuch, ihnen Graustufen des Zeitgeistes abzugewinnen.

Der Window Shopper, auf der Suche nach dem verlorenen Handwerk.
«Die Firma ist infolge Geschäftsaufgabe erloschen.» So lautet der offizielle Eintrag im Handelsregister des Kantons. Das Einzelunternehmen HUGO KÄSER «POLYTECHNIK» wurde am 4. Juni 1953 ins Register aufgenommen und am 4. Januar 2007 daraus gelöscht.
Von den «Werkstätten für Oberflächentechnik vieler Art» ist nicht mehr geblieben, als dieses Schaufenster an der Schwarztorstrasse 77. Doppelt gerahmt – in Sandstein und Holz – einem Bild ähnlich, grafisch von schlichtem Pinselstrich. Die Typografieabteilung meint dazu: «Wohl eine Berthold-Akzidenz-Grotesk oder ähnlich, medium condensed, eine moderne Schrift auf jeden Fall, um 1900 erstmals im Gebrauch, klassisch, zeugt von Sorgfalt. Dafür sprechen auch die Anführungszeichen in schweizerischer Handhabung, geschlossen «POLYTECHNIK» und nicht – wie etwa im französischen Sprachraum – geöffnet »POLYTECHNIK«. Das ist Liebe zum Detail, vermisst man heute oft.»
Ein Schaufenster mit hopperscher Ausstrahlung, entrückt, in zeitloser Eleganz gehalten, wahrlich eine Perle.

Wer sich  an der Schwarztorstrasse rumtreibt, soll doch bei Gelegenheit im werkhof102 eine Käffchen trinken gehen. Etwas Leben kann dem Quartier nicht schaden.

«Window Shopper» II

Urs Rihs am Samstag den 29. Oktober 2016

…oder die schönsten Schaufenster der Stadt, eingerichtet durch König Zufall, mit Eigenwille dekoriert, angenagt durch den Zahn der Zeit.
Hier gibts weder fabrikneue Ware noch die hipsten Ernährungstrends. Das ist die Fotoserie abseits der hegemonial marktlogisch gestalteten Vitrinen unserer Einkaufsmeilen. Und dazu ein Versuch, ihnen Graustufen des Zeitgeistes abzugewinnen.

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Der FUNK-SHOP befindet sich an der Murtenstrasse, vis-à-vis vom Bremgartenfriedhof. Keine Ahnung wann da zum letzten Mal die Kasse klingelte, aber Leerstand ist kein Zustand!

Ausgefunkt an der Murtenstrasse. Die Store, vom Efeu eingewachsen, zeugt von sonnigeren Tagen dieser Stube. Schwer schade, mit einer Kiste gut sortierter P-Funk Platten liesse sich der Schuppen eigentlich im Nu in Betrieb nehmen. George Clinton und Tower of Power Nerds beim Güterbahnhof, warum nicht?
Der schlicht zeitlose Ultra-Bold Schrifttzug «FUNK SHOP» auf der Scheibe würde sich alternativ auch für Normcorer empfehlen, welche sich einer Renaissance des Amateurfunkens annehmen möchten.
Führt diesen Laden an seine Ursprünge zurück! Schliesslich ist Funken ein sehr bodenständiges und der humanistischen Tradition zuzumessendes Hobby: «Ham Spirit» Kodex und so: Funkamateure verschreiben sich der Weltoffenheit, Technikbegeisterung, Toleranz, Menschlichkeit und selbstlosen Hilfsbereitschaft.
An dieser Ecke liesse sich also was machen: Mit Parabolantennen und Teltow 215B Funktransceiver gegen den immer mehr von Werbung und Boulevard zersetzten Gemeinsinn zum Beispiel!
Da werden Agitationsgelüste wach; wahrlich ein Schaufenster zum Sinnieren.
Nachtrag zum kleinen ICOM Kleber auf der Vitrine noch, der Vorbesitzer war wohl Postironiker. ICOM ist der Verband Schweizer Museumsfachleute, nice…

Mindestens einmal im Monat gibts an dieser Stelle Ideologiekritik vom «Window Shopper»

 

«Window Shopper»

Urs Rihs am Mittwoch den 19. Oktober 2016

…oder die schönsten Schaufenster der Stadt, eingerichtet durch König Zufall, mit Eigenwille dekoriert oder angenagt durch den Zahn der Zeit.
Hier gibts weder fabrikneue Ware noch die hipsten Ernährungstrends. Das ist die Fotoserie abseits der hegemonial marktlogisch gestalteten Vitrinen unserer Einkaufsmeilen. Und dazu ein Versuch, ihnen Graustufen des Zeitgeistes abzugewinnen.

schaufenster

Schaufenster vis-à-vis vom Lorraine-Migros, gehört – glaube ich – irgendwie zur Druckbude «Basisdruck» aber wer weiss das schon so genau…

Ein Prachtsexemplar zum Start dieser Bildfolge. Zusammengetragener Nippes im XXL Format oder besser gesagt; zusammen getragen, der Kessel wiegt sicherlich 100Kilo! Folklore und Schweizer Tugendhaftigkeit scheinen hier im Vordergrund zu stehen, sehr bodenständig das Ganze. Hinten Käsereiutensilien und an der Scheibe Werbung für ein Treuhand Büro, beziehungsweise Steuerberatungen. Zudem – gerahmt vom wuchernden 70er Style Contoneaster – ein Sticker von BUS-DRIVER und zwar nicht dem Rapper, sondern dem schweizerischen Busfahrerverband.
Hier sind entweder Oldschooler am Drücker, die das Erbe der Büezer im Quartier hochhalten wollen oder aber Konzept-Hipster, welche – gemäss dialogischem Prinzip – der durch siebgedruckte Konzertplakate, Graffiti und Vintage-Möbel-Läden marginalisierten bürgerlichen Ästhetik in der Lorraine eine Plattform bieten wollen. Ersteres wäre irgendwie puritanisch, letzteres eigentlich progresiv…

Mindestens einmal im Monat gibts an dieser Stelle Ideologiekritik vom «Window Shopper»