Archiv für die Kategorie ‘Transform’

Heating up Lory

Roland Fischer am Samstag den 17. Dezember 2016

Man kann es ja mal versuchen: einen Platz ein wenig aufzuheizen mit ein paar Heizlüftern und -pilzen. Hatte zwar nur symbolische Wirkung gestern auf dem Loryplatz, aber das ist nicht unbedingt nichts, vor allem wenn man es mit Transform-Versuchsanordnungen zu tun hat. Das Kunstprojekt hatte ja von Anfang an die allegorische Transformation immer ebenso im Sinn wie die konkrete. Oder anders gesagt: Man weiss nie so ganz genau, was die Macher als nächstes vorhaben – und diese wissen mitunter auch nicht so genau, worauf ihre Versuchsanordnungen herauslaufen. Und das ist keineswegs als Kritik gemeint, Transform ist eines der wenigen echten Kulturexperimente, die man sich in Bern traut.

Gestern also stattete eine Schar Guteingepackter dem ewigen städtebaulichen Sorgenkind einen Besuch ab und wunderte sich, wie wenig man wieder mal vom Klimawandel merkt. Dazu trank man was heisses, hörte ein blogbekanntes und -verwandtes Konzert und liess sich statistich verorten. Und man horchte bei der kurzen Eröffnungsrede auf: Der Event (der heute abend noch weitergeht, mit einem tollen Programm) ist bloss der Auftakt für eine Art Castingshow in Sachen Kunst im öffentlichen Raum. Den Abschluss dieser Versuchsanordung wird Transform dann nächsten SOMMER feiern, wenn dieser öffentliche Raum nicht geheizt zu werden braucht.

Der Quartier-Transformer VII: Stress, Stress, Stress

Gisela Feuz am Freitag den 11. März 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz von Transform-Mitinitiant Franz Krähenbühl.

Ein Stress sei es, so berichten die Kunstschaffenden. Nur fünf Tage vor Ort. Fünf Tage, um den zugewiesenen Laden kennenzulernen und deren Besitzer oder Besitzerin. Fünf Tage, um zu verstehen, zumindest in Ansätzen, was sie machen und nicht minder auch zu verstehen, warum und wie sie das machen. Doch damit ist nicht genug. Dazu kommen die Kunden, die dann ebenso wissen wollen, was die künstlerisch tätigen Gäste denn hier machen. In den fünf Tagen will aber auch das Quartier erkundet sein. Will erfasst sein, wie das Quartier funktioniert, das von der Strasse Richtung Westen so geprägt wird. Und zu guter Letzt wollen die anderen Mitstreiter und Mitstreiterinnen dieser Woche kennen gelernt werden und erfahren werden, was sie machen und auf welche Widerstände diese stossen. Über allem droht das Ungemach des öffentlichen Rundgangs am Freitag. Fünf Tage. Wie lange sauge ich die Stimmung, das Umfeld und die Einzigartigkeit des Ortes auf, bevor ich in den Tätigkeitsmodus wechseln muss?

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Wie keine Staffel zuvor haben sich die Kunstschaffenden dieser Woche auch Gedanken zum heutigen Rundgang als gemeinsames Produkt gemacht. Nicht nur die individuellen Orte der Beteiligten sind Thema des Rundgangs, sondern auch Besonderheiten dieses Quartiers. Als Stadtwanderer und Seismographen des Viertels machten die Kunstschaffenden ihrer zugeschriebenen Fähigkeit, ein Gebiet mit anderen Mitteln als Geografen und Soziologen zu beschreiben, alle Ehre.
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Die Quartier-Transformer VI: Das Dilemma: gefallen?

Christian Zellweger am Freitag den 4. März 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz von Transform-Mitinitiant Lukas Manuel Gerber.

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Transform möchte durch seine experimentelle Anlage die Kunstschaffenden vom Präsentationszwang eines Werkes befreien, Raum zum Experiment und damit auch zum Scheitern, zum Fallen bieten. Gleichzeitig beinhalten die Grundsätze des Projekts folgenden Passus: «Transform richtet sich immer an eine breite, heterogene Öffentlichkeit und sucht den Austausch mit ihr.»

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Die Quartier-Transformer V: Von heruntergelassenen Rollläden

Christian Zellweger am Freitag den 26. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Eine Zwischenbilanz zur Versuchsanordnung 5 von transform von Co-Leiterin Julia Haenni.

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Auch diese Woche hat ein neues Trüpplein von Kunstschaffenden ihre Arbeitswoche für transform in Holligen angetreten. Und während bei den einen der Gastgeber bereits zum wiederholten Male Kunstschaffende empfing und als alter transform-Hase Tipps gab, wo man das Publikum platzieren könnte oder wie man das so gut machen könnte, wie die anderen beiden Künstler die da vor zwei Wochen sie wissen schon; sahen die anderen erst einmal ihre Erwartungen enttäuscht.

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Die Quartier-Transformer IV: What people do for money

Christian Zellweger am Freitag den 19. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz der dritten Woche von Franz Krähenbühl, Transfor-Mitinitiator.

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What people do for money fragt die Manifesta 11 diesen Sommer in Zürich und lädt mit ungeheurem Aufwand Kunstschaffende ein, Einblick in die zahlreichen Berufe und vielschichtigen Gewerbe der Stadt zu nehmen. Vor dem Hintergrund, dass der neoliberale Kunstmarkt das System Kunst längst unterwandert hat, führt die transeuropäische Kunstbiennale vor Augen, dass auch die Kunst ihrerseits die Akteure des ökonomischen Systems wie Luxusbootbauer, Feuerwehr und Hundesalon vereinnahmen kann.

In jenen kunstfernen Satellitenorten lässt sich bestens die Mechanik diskutieren, was weshalb zu Kunst wird und wer Publikum und wer Akteur ist… Gut dass es noch Manifesta Hauptaustragungsorte wie die Kunsthalle gibt, wo sich diese verwirrenden Fragen nur am Rande stellen.

Nicht so bei transform. Hier bildet keine Legitimationsmaschinerie das Rückgrat, das jegliche Regungen von Kunstschaffenden im Voraus als Kunst adelt. So war die Woche 3 der Versuchsanordnung 5 geprägt von konstant geführter Kommunikation seitens der Kunstschaffenden, was denn Kunst sein könnte und wie sich diese manifestiere. Diesen Vorstellungen gingen Sebastian Utzni und Dorothea Mildenberger im Bildungszentrum Pflege nach. Fragte Dorothea Mitarbeitende nach deren Wünschen für eine künstlerische Bereicherung des Arbeitsplatzes, so war das vorherrschende Stereotyp des bildenden Künstlers als farbklecksender Maler der Ausgangspunkt für die Intervention von Sebastian. Dass seine Arbeitspraxis jedoch nicht der landläufigen Vorstellung entspricht, unterstreicht ein Auszug einer SMS: «Ich probiere Leute zu erreichen, telefoniere, gehe hierhin und dahin. Mit dem einzigen Ergebnis, dass ich versucht habe TRANSFORM ganz vielen Leuten zu erklären… Vielleicht ist es das: About Art. Oder so. Aber ist gut so. Ich hab selten so viel über das, was wir da eigentlich machen als Künstler nachgedacht wie hier in diesen Tagen in diesem Quartier.»

Nichts weniger machte Nomi Villiger, die vor dem geschlossenen Kiosk Irina’s kurzerhand selber einen Stand mit Kaffee und Tee eröffnete, um mit Leuten das Gespräch zu suchen. Das Projekt transform wird zum immateriellen, abstrakten Hilfsmittel, die Kommunikation darüber zum wesentlichen Teil des Werks. Sich gegenseitig über Sprachbarrieren hinweg zu erklären, stellte die Herausforderung für Sonja Kretz dar.

Erschwerend kam beim gegenseitigen Beobachten hinzu, dass Jobbi Sport Da Pino’s Pokalladen nur zwei Stunden täglich offen hat. Nur bei Philippe Heule schien die Frage nach dem stillen Beobachter schnell gelöst, denn dazu hatte er gar keine Zeit. Freddy vom Fit-Life-Center gab Philippe gleich mehrere Probelektionen im Krafttraining. Doch beweist sein Muskelkater nun, dass seine Profession doch eher in der geistigen Arbeit liegt? What people do for money fördert bei transform zwischen Lory- und Europaplatz eines zu Tage: Kunst ist ein Aushandlungsprozess, in dem beide Seiten, Gewerbe wie Kunstschaffende, viel voneinander lernen können.

Freitag, 19.2., 18.30 Loryplatz, Start Rundgang zu den Aktionsorten von und mit Nomi Villiger, Dorothea Mildenberger, Philippe Heule, Sonja Kretz und Sebastian Utzni, BZ Pflege, Jobbi Sport da Primo’s, Fit-Life-Center und ein bisschen Kiosk Irina.

Alle Informationen: www.transform.bz

Die Quartier-Transformer III: Von goldenen Dreiecken

Christian Zellweger am Freitag den 12. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz der zweiten Woche von Julia Haenni, seit diesem Jahr neu im Leitungsteam dabei.

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«Oliver Roth: Aktionsplan #5_Die Pizza reicht nicht, ich brauche noch ein Brot», Teil einer Serie. Ab morgen 18.30 im Coop an der Schlossstrasse zu betrachten.

 

Auch diese Woche war transform mit 8 Kunstschaffenden im goldenen Dreieck* zwischen Freiburgstrasse, Loryplatz und Europaplatz unterwegs und begegnete den vielseitigen Lebens- und Arbeitswelten der QuartierbewohnerInnen.

Nachdem eine weithergereiste riesige Peperoni am Montagmorgen sofort phantasievolle Ideen in die Köpfe der KünstlerInnen zauberte, wurde aber bald klar: Das Leben, das sich im Quartier tagtäglich abspielt, will erst gründlich betrachtet und angehört werden, die Menschen und ihre Geschichten kennengelernt und die Strukturen der Räume verstanden werden.

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Die Quartier-Transformer II

Christian Zellweger am Freitag den 5. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz der ersten Woche von Transform-Mitinitiant Franz Krähenbühl.

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Also wie genau? Was machen denn die Kunstschaffenden vor Ort? Monolog im Coiffeur? Skulptur im Starmarket? Also was machen die dann da? Das der Versuchsanordnung 5 zugrundeliegende Konzept, den Kunstschaffenden nicht einen leeren Raum zur Veränderung anzubieten, sondern sie in funktionierende Geschäfte und öffentliche Strukturen eines Quartiers zu platzieren, sorgte im Vorfeld für ein ordentliches Mass an Skepsis. Was soll denn schon aussergewöhnliches passieren, wenn Kunstschaffende zum Coiffeur gehen? Ohne Konzept und «schauen, was passieren wird»?

Die Orte mit ihren BetreiberInnen sind für einmal künstlerischer Bezugspunkt und Inspirationsquelle; die Begegnungen das Material. Und damit unterscheidet sich diese Versuchsanordnung fundamental von den bisherigen, wo vielmehr der Raum und die anderen Kunstschaffenden Reibungsfläche für die Kunstproduktion boten.

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Die Raum-Transformer sind jetzt Quartier-Transformer

Christian Zellweger am Freitag den 29. Januar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» transform. Den Auftakt macht Lukas Manuel Gerber mit einer Erklärung, was die fünfte Versuchsanordnung will. In den nächsten sechs Wochen erscheint jeweils donnerstags an dieser Stelle das wöchentliche Zwischenfazit der Transformer.

Wie aus den Gesprächen mit einem Vorplatzpunk, einer Familie aus Niederwangen und SBB Mitarbeitenden ein Konzept entsteht: transform in Bern-Holligen.

transform5Nach der Versuchsanordnung ist vor der Versuchsanordnung. Eindrücke, Beobachtungen und Rückmeldungen zum vergangenen Projekt fliessen in die Konzeption der neuen Ausgabe von transform ein.

Ein Aspekt der letztjährigen Versuchsanordnung am Bollwerk 12 in Bahnhofsnähe interessierte uns besonders: Durch die Teebar vor der langen Schaufensterfront kamen wir in Kontakt mit PassantInnen, haben Tee und Informationen zu transform an Vorplatzpunks und LandbewohnerInnen mit Auto auf der Schützenmatte verteilt und standen damit als Vermittelnde eines Kunstprojekts einem für uns neuen Publikum gegenüber.

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Winterspaziergänge mit Transform

Roland Fischer am Dienstag den 19. Januar 2016

Schöne Übersichtskarte zum fünften Transform-Streich im wilden Westen:

Worauf man sich besonders freuen darf: Die AS-Bar – ein wunderbar aus der Zeit gefallenes Lokal an der Schlossstrasse, gleich bei der Haltestelle Steigerhubel. Jeweils am Freitag wird der Rundgang zu den Aktionsorten am Schluss ins AS führen, das dann ab 20 Uhr mit Live-Musik gehörig transformiert wird. Mal sehen, was die Stammkundschaft dazu sagt. Oder auch die Kunden des Star Market Lory.

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Transforming Christmas

Roland Fischer am Donnerstag den 24. Dezember 2015

Merci für das Weihnachtsgeschenk, transform! Gestern haben die Macher endlich erste Infos zur nächsten Versuchsanordnung ausgeplaudert:

Das Experiment geht weiter. Während der Versuchsanordnung 5 vom 1. Februar bis zum 13. März 2016 transformieren um die 30 Kunstschaffende ein ganzes Quartier: Bern-Holligen

Aber das Quartier wurde schon gefragt, oder? Nicht dass die Bewohner nicht mehr nach hause finden, weil die Künstler kurzerhand alles umgestellt haben. Ich finde sonst, man könnte beim Europaplatz mal anfangen mit transformieren.

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Und wer noch ein Last-Minute-Geschenk braucht: transform gibt es auch als Buch, frisch herausgekommen. Man es dann ganz bewusst zwischen die anderen Bände im Regal stellen.

transform begibt sich damit auf ungewohntes Terrain: Das Projekt hinterfragt mit seinen Versuchsanordnungen nicht nur starre Abgrenzungen zwischen den Gattungen, sondern stellt sich bewusst ins Dazwischen und wird dadurch schwer fassbar. Diese Publikation versucht es trotzdem: Sie erzählt die verschiedenen Prozesse als eine Art Zwischenbericht nach und vertieft in sechs Beiträgen ausgewählte kunsttheoretische Ansätze.