Archiv für die Kategorie ‘Transform’

Holligen: Randnotiz

Roland Fischer am Freitag den 28. April 2017

aufgezeichnet von Helmut Dick

Wie schon am Vortag komme ich wieder an der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage vorbei. Ich überlege kurz, ob ich noch einmal zu dem Brachgelände hochgehe. Genau in diesem Moment kommt, wie gestern, wieder der ältere Herr auf seinem E-Bike den Hügel heruntergefahren. Und auch heute fällt mir auf, wie eigenartigartig er die Rechtskurve am Ende des Hügels durchfährt. Er schneidet die Kurve nicht nur in einem komischen Winkel an. Auch das Zurücknehmen der Fahrgeschwindigkeit steht nicht im Verhältnis zur eigentlichen Reisegeschwindigkeit. Und dann noch diese angespannte Konzentration in seinem Gesicht.
Heute stoppt der Mann kurz hinter der Kurve, steigt ab und schaut nach dem Hinterrad seines E-Bikes. Kurz entschlossen gehe ich zu ihm hinüber. Ich beginne das Gespräch mit der Frage, ob etwas nicht in Ordnung sei. „Sie sind mir auch gestern schon mit Ihrem Fahrrad aufgefallen“. Ich merke, dass er es merkwürdig findet, dass ich ihn beobachtet habe. Darum beginne ich von Transform zu erzählen. Dass ich als Künstler dabei bin das Holligen Quartier zu erkunden. Und ich erzählte ihm von meinen Projekten. Bei The Blinking scheint ein Auto nachts in ein großes Gebäude gefahren zu sein und sowohl Auto als auch das ganze Haus blinken plötzlich einheitlich im selben orangefarbenen Rhythmus.
Das gefällt ihm. Auch er beginnt zu erzählen. Er arbeitet in einer Verwaltung. Noch ein paar Jahre bis zur Rente. Er fährt hier fast jeden Tag vorbei. Genau durch diese Kurve. Wenn er von der Arbeit kommt. Seit er das E-Bike hat, fährt er sogar schon mal eine Extrarunde. Seine Frau sagt immer, er soll es nicht rumerzählen. Aber er hat diese Faszination schon seit vielen Jahren. DENN wenn er es schafft GENAU, HAARGENAU im richtigen Bogen durch DIESE Kurve zu fahren, mit dem ABSOLUT richtigen Neigungswinkel UND EXAKT passender Geschwindigkeit DANN MUSS es möglich sein, in eine andere, noch UNBEKANNTE Dimension hinüberzufahren .
Ich habe ihn dann noch alles Mögliche gefragt, aber nicht wie er denn wieder zurückkommen würde. Dann hat er sich freundlich verabschiedet. Er müsse jetzt aber weiterfahren, da sich seine Frau sonst Sorgen machen würde.

Ich würde gerne im Zug sitzen und in einer gefunden Berner Zeitung die Randnotiz lesen, dass ein Mann aus Holligen mit Fahrrad auf dem Weg nach Hause spurlos verschwunden ist.

Das transdisziplinäre Kunstprojekt transform fragt in seiner sechsten Ausgabe gemeinsam mit zehn Kunstschaffenden aus allen Sparten und einer Jury bestehend aus BewohnerInnen Holligens, was Kunst im öffentlichen Raum Holligens soll. Seit Februar diskutiert die Jury gemeinsam mit transform, was sie von Kunst für ihr Quartier erwarten. Im April waren die eingeladenen KünstlerInnen in Holligen unterwegs und traten mit dem Quartier in Interaktion. Die Jury entscheidet demnächst, welcher ihrer Projektvorschläge für ein grosses Kunstprojekt in Holligen realisiert werden wird.

Holligen: Säulenheilige. Alhambra.

Roland Fischer am Freitag den 21. April 2017

Aufgezeichnet von Tom Kummer.
Es ist kurz vor Mitternacht. Noch fehlt die Orientierung. Es ist meine erste Stunde in Holligen. Ich weiss ungefähr wo mein alte Heimat liegt: Dort, im Osten. Länggasse. Ich kenne die Himmelsrichtung meiner anderen Heimat, die ich kürzlich verlassen habe: Los Angeles. Zwischen den Säulen blinken Lichter, der Westen, alte Landstrasse Richtung Fribourg – dort wo das Pannenlicht eines riesigen Sattelschleppers gespenstisch aufleuchtet. Mehr weiss ich noch nicht.

Ich war noch nie hier: Was für ein bedrohliches, verschlafenes Narbengelände. Über mir trohnt eine Autobahnbrücke, getragen von gewaltigen Betonsäulen. Wie Betonheilige. Wirkt wie ein Kathedrale ohne Religion, ohne Botschaft. Aber das werde ich ändern.

Ich bin an einem gespenstisch leeren S-Bahnhof ausgestiegen, ein Geisterbahnhof, habe sofort eine junge Frau verfolgt, eine erste Spur aufgenommen. Sie war die einzige Passagierin in meinem Abteil, Kopfhörer steckten in ihren Ohren. Schneller Schritt. Furchtlos. Eine Bewohnerin von Holligen? Ich verfolge sie bis vors Haus. Sie merkt es nicht. Ich will als fremdes Wesen agieren. Einer der beobachtet und verfolgt, Böses und Gutes im Kopf jongliert. Sich verliebt. In diesen Unort verliebt – ohne Sentimentalität – sich in Menschen verliebt, Pläne schmiedet.

© Marco Frauchiger

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Holligen: Notizen auf Hermes Schreibmaschine auf Europaplatz

Roland Fischer am Donnerstag den 13. April 2017

Was machen sie da?
Schreibe mit Maschine
Wie aus Keller, Hermes Maschine
Mein Bruder besser schreibe.
Ich nähe.
Was ist das
ein Bett
ein Tisch
ein Kunst
Projekt
Projekt waaaas,
So ein Pferd ohne Reiter, in meiner Land viele Soldaten aus Eisen, Bronze, Stein
alles Tot aber Gut
ooooo, aaaaa
Ich bin Schriftstellerin Dragica
was sie schreiben
Lieder
Nicht singen was schreiben
Warum dann?

Maria meine Name,
Mazedonien, reden wir srbski

ich lese ihnen Zukunft
ja cu vam čitati budućnost
was wenn ich sterbe, morgen
das sage ich nicht
sage ich nie
was machen sie da?
ich sammle Geschichten

dragica raijic und das künstlerduo boijeot.renauld auf dem europaplatz (© transform)

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Holligen: Gedanken mit Hund

Roland Fischer am Mittwoch den 5. April 2017

Da-Sein. Die Augen öffnen. Begegnungen suchen. Berührung finden: “Es muss nix, es kann alles.” ist der Ausgangspunkt des diesjährigen TRANSFORM. Die zweiwöchige Recherche ist der gegebene kompetitive Rahmen unter zehn in Holligen gastierenden Kunstschaffenden, das Eigene mit Vorgefundenem zu verbinden.., kontrastieren.., komponieren…
Wo beginnen? Wie weiterwandern? Wozu und für wen und woraus eine Idee formen? Sind einsame Wege auf der Suche nach Ausdruck sinnstiftend? Oder rufen ungegangene Pfade nach Gemeinschaft? Was treibt an? Und wen interessierts? Lauter Fragen, die Unruhe stiften. Rastlosigkeit braucht eine Wohnstatt und Unbekanntes einen Namen.

Laura Huonker@Holligen, Foto: Marco Frauchiger

Ich habe mir vorgenommen, Bern-Holligen ohne Navigationsgerät mit Anreise in meinem VW Bus zu finden. Das hat mich in die urbane Landschaft der Autobahnausfahrten geführt; nach Ittigen, N.N. und N.N. Bern-Holligen ist von Wald umgeben, ein geographischer Spitz in die Stadt, und liegt an zwei Hängen, keine eigene Autobahnausfahrt, gefächert rund um ein Fussballfeld. Mit meiner Kleinhündin bin ich durch die Quartierstrassen gelaufen, und habe Geschichten gefunden. Keine solchen, aus der Dramatik entsteht, sondern gelebter Alltag. Auf einer Bretterwand gesprayt lese ich: UNSERE TRÄUME SIND VIEL GRÖSSER ALS EURE URNEN. Wohnstrassen, Gärten, Institutionen und Ämter; Menschen im Transit, Eingesessene, Biografien mit Zuwanderungsgeschichte. Ein Stadtteil – auf seine Weise einzigartig und auch nicht. Weisen der Welterzeugung sind vielfältig. Die Kunst ist eine Weltenerfinderin. Welche Welt in Bern-Holligen zwischen Juni und September diesen Jahres aufscheinen wird, ist noch offen. Rastlose Sucher und Sucherinnen forschen, entwerfen und verwerfen, folgen Spuren und verlaufen sich in der Faszination des Neuen und persönlichen Mustern. Sich Orientierung schaffen ist die eine Aufgabe. Sich seiner selbst zu versichern in der scheinbaren Unendlichkeit von Alles und Nichts zwischen Europaplatz und Fischermätteli. Jede Kunst bewandert auch Grenzen; Bern-Holligen ist davon umgeben: Die Bahngeleise. Es sind offene Begrenzungen, die es nicht leicht machen, einen Kern zu erkennen, der diesen Ort zusammenhält.
Bern-Holligen ist ein nerviges Rätsel, etwa so, wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Es ist ja alles da, und doch muss eine Absicht den Funken schlagen. Dies meine beunruhigten Gedanken mit Hund.

festgehalten von Laura Huonker, Theatermacherin aus Zürich

Das transdisziplinäre Kunstprojekt transform fragt in seiner sechsten Ausgabe gemeinsam mit zehn Kunstschaffenden aus allen Sparten und einer Jury bestehend aus BewohnerInnen Holligens, was Kunst im öffentlichen Raum Holligens soll. Seit Februar diskutiert die Jury gemeinsam mit transform, was sie von Kunst für ihr Quartier erwarten. Noch bis zum 8. April sind die eingeladenen KünstlerInnen in Holligen unterwegs und treten mit dem Quartier in Interaktion. Danach legen sie Projektvorschläge für ein grosses Kunstprojekt in Holligen vor und die Jury entscheidet, welches Projekt realisiert werden soll.

Risotto und Maserati

Roland Fischer am Dienstag den 28. März 2017

So transformiert man eine urbane Leerstelle: Gestern abend machte es sich das Transform-Team auf dem Europaplatz gemütlich. Es wurden improvisierte (und gar nicht mal so unschöne) Möbel gezimmert, es wurden erste Quartiergeschichten ausgetauscht, es wurde gegessen und getrunken. Irgendwann gingen die Säulenlichter an und die Kälte kroch unter das mächtige Betondach. Noch nicht so richtig Sommer, man merkt es vor allem am Abend. Zwei Protagonisten zogen warme Unterwäsche an, die multifunktionalen Möbel dienen ihnen für die nächsten Tage auch als Schlafstatt.

Und dass während des Essens immer wieder neue schwarze Boliden auf den Platz rollten um im Hintergrund poliert, ausgeleuchtet und fotografiert zu werden, war eine site-specific Performance der sehr vertrackten Art. Sehr schön arrangiert, Chapeau! Die Welt ist Bühne. Das heisst in dem Fall: die kleine Welt im Westen, im Holligenquartier. In den nächsten Tagen werden so immer wieder andere öffentliche Orte mit Privatheiten infisziert. Mal sehen, als wie robust sich das Holliger Immunsystem erweist.

Heating up Lory

Roland Fischer am Samstag den 17. Dezember 2016

Man kann es ja mal versuchen: einen Platz ein wenig aufzuheizen mit ein paar Heizlüftern und -pilzen. Hatte zwar nur symbolische Wirkung gestern auf dem Loryplatz, aber das ist nicht unbedingt nichts, vor allem wenn man es mit Transform-Versuchsanordnungen zu tun hat. Das Kunstprojekt hatte ja von Anfang an die allegorische Transformation immer ebenso im Sinn wie die konkrete. Oder anders gesagt: Man weiss nie so ganz genau, was die Macher als nächstes vorhaben – und diese wissen mitunter auch nicht so genau, worauf ihre Versuchsanordnungen herauslaufen. Und das ist keineswegs als Kritik gemeint, Transform ist eines der wenigen echten Kulturexperimente, die man sich in Bern traut.

Gestern also stattete eine Schar Guteingepackter dem ewigen städtebaulichen Sorgenkind einen Besuch ab und wunderte sich, wie wenig man wieder mal vom Klimawandel merkt. Dazu trank man was heisses, hörte ein blogbekanntes und -verwandtes Konzert und liess sich statistich verorten. Und man horchte bei der kurzen Eröffnungsrede auf: Der Event (der heute abend noch weitergeht, mit einem tollen Programm) ist bloss der Auftakt für eine Art Castingshow in Sachen Kunst im öffentlichen Raum. Den Abschluss dieser Versuchsanordung wird Transform dann nächsten SOMMER feiern, wenn dieser öffentliche Raum nicht geheizt zu werden braucht.

Der Quartier-Transformer VII: Stress, Stress, Stress

Gisela Feuz am Freitag den 11. März 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz von Transform-Mitinitiant Franz Krähenbühl.

Ein Stress sei es, so berichten die Kunstschaffenden. Nur fünf Tage vor Ort. Fünf Tage, um den zugewiesenen Laden kennenzulernen und deren Besitzer oder Besitzerin. Fünf Tage, um zu verstehen, zumindest in Ansätzen, was sie machen und nicht minder auch zu verstehen, warum und wie sie das machen. Doch damit ist nicht genug. Dazu kommen die Kunden, die dann ebenso wissen wollen, was die künstlerisch tätigen Gäste denn hier machen. In den fünf Tagen will aber auch das Quartier erkundet sein. Will erfasst sein, wie das Quartier funktioniert, das von der Strasse Richtung Westen so geprägt wird. Und zu guter Letzt wollen die anderen Mitstreiter und Mitstreiterinnen dieser Woche kennen gelernt werden und erfahren werden, was sie machen und auf welche Widerstände diese stossen. Über allem droht das Ungemach des öffentlichen Rundgangs am Freitag. Fünf Tage. Wie lange sauge ich die Stimmung, das Umfeld und die Einzigartigkeit des Ortes auf, bevor ich in den Tätigkeitsmodus wechseln muss?

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Wie keine Staffel zuvor haben sich die Kunstschaffenden dieser Woche auch Gedanken zum heutigen Rundgang als gemeinsames Produkt gemacht. Nicht nur die individuellen Orte der Beteiligten sind Thema des Rundgangs, sondern auch Besonderheiten dieses Quartiers. Als Stadtwanderer und Seismographen des Viertels machten die Kunstschaffenden ihrer zugeschriebenen Fähigkeit, ein Gebiet mit anderen Mitteln als Geografen und Soziologen zu beschreiben, alle Ehre.
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Die Quartier-Transformer VI: Das Dilemma: gefallen?

Christian Zellweger am Freitag den 4. März 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz von Transform-Mitinitiant Lukas Manuel Gerber.

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Transform möchte durch seine experimentelle Anlage die Kunstschaffenden vom Präsentationszwang eines Werkes befreien, Raum zum Experiment und damit auch zum Scheitern, zum Fallen bieten. Gleichzeitig beinhalten die Grundsätze des Projekts folgenden Passus: «Transform richtet sich immer an eine breite, heterogene Öffentlichkeit und sucht den Austausch mit ihr.»

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Die Quartier-Transformer V: Von heruntergelassenen Rollläden

Christian Zellweger am Freitag den 26. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Eine Zwischenbilanz zur Versuchsanordnung 5 von transform von Co-Leiterin Julia Haenni.

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Auch diese Woche hat ein neues Trüpplein von Kunstschaffenden ihre Arbeitswoche für transform in Holligen angetreten. Und während bei den einen der Gastgeber bereits zum wiederholten Male Kunstschaffende empfing und als alter transform-Hase Tipps gab, wo man das Publikum platzieren könnte oder wie man das so gut machen könnte, wie die anderen beiden Künstler die da vor zwei Wochen sie wissen schon; sahen die anderen erst einmal ihre Erwartungen enttäuscht.

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Die Quartier-Transformer IV: What people do for money

Christian Zellweger am Freitag den 19. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz der dritten Woche von Franz Krähenbühl, Transfor-Mitinitiator.

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What people do for money fragt die Manifesta 11 diesen Sommer in Zürich und lädt mit ungeheurem Aufwand Kunstschaffende ein, Einblick in die zahlreichen Berufe und vielschichtigen Gewerbe der Stadt zu nehmen. Vor dem Hintergrund, dass der neoliberale Kunstmarkt das System Kunst längst unterwandert hat, führt die transeuropäische Kunstbiennale vor Augen, dass auch die Kunst ihrerseits die Akteure des ökonomischen Systems wie Luxusbootbauer, Feuerwehr und Hundesalon vereinnahmen kann.

In jenen kunstfernen Satellitenorten lässt sich bestens die Mechanik diskutieren, was weshalb zu Kunst wird und wer Publikum und wer Akteur ist… Gut dass es noch Manifesta Hauptaustragungsorte wie die Kunsthalle gibt, wo sich diese verwirrenden Fragen nur am Rande stellen.

Nicht so bei transform. Hier bildet keine Legitimationsmaschinerie das Rückgrat, das jegliche Regungen von Kunstschaffenden im Voraus als Kunst adelt. So war die Woche 3 der Versuchsanordnung 5 geprägt von konstant geführter Kommunikation seitens der Kunstschaffenden, was denn Kunst sein könnte und wie sich diese manifestiere. Diesen Vorstellungen gingen Sebastian Utzni und Dorothea Mildenberger im Bildungszentrum Pflege nach. Fragte Dorothea Mitarbeitende nach deren Wünschen für eine künstlerische Bereicherung des Arbeitsplatzes, so war das vorherrschende Stereotyp des bildenden Künstlers als farbklecksender Maler der Ausgangspunkt für die Intervention von Sebastian. Dass seine Arbeitspraxis jedoch nicht der landläufigen Vorstellung entspricht, unterstreicht ein Auszug einer SMS: «Ich probiere Leute zu erreichen, telefoniere, gehe hierhin und dahin. Mit dem einzigen Ergebnis, dass ich versucht habe TRANSFORM ganz vielen Leuten zu erklären… Vielleicht ist es das: About Art. Oder so. Aber ist gut so. Ich hab selten so viel über das, was wir da eigentlich machen als Künstler nachgedacht wie hier in diesen Tagen in diesem Quartier.»

Nichts weniger machte Nomi Villiger, die vor dem geschlossenen Kiosk Irina’s kurzerhand selber einen Stand mit Kaffee und Tee eröffnete, um mit Leuten das Gespräch zu suchen. Das Projekt transform wird zum immateriellen, abstrakten Hilfsmittel, die Kommunikation darüber zum wesentlichen Teil des Werks. Sich gegenseitig über Sprachbarrieren hinweg zu erklären, stellte die Herausforderung für Sonja Kretz dar.

Erschwerend kam beim gegenseitigen Beobachten hinzu, dass Jobbi Sport Da Pino’s Pokalladen nur zwei Stunden täglich offen hat. Nur bei Philippe Heule schien die Frage nach dem stillen Beobachter schnell gelöst, denn dazu hatte er gar keine Zeit. Freddy vom Fit-Life-Center gab Philippe gleich mehrere Probelektionen im Krafttraining. Doch beweist sein Muskelkater nun, dass seine Profession doch eher in der geistigen Arbeit liegt? What people do for money fördert bei transform zwischen Lory- und Europaplatz eines zu Tage: Kunst ist ein Aushandlungsprozess, in dem beide Seiten, Gewerbe wie Kunstschaffende, viel voneinander lernen können.

Freitag, 19.2., 18.30 Loryplatz, Start Rundgang zu den Aktionsorten von und mit Nomi Villiger, Dorothea Mildenberger, Philippe Heule, Sonja Kretz und Sebastian Utzni, BZ Pflege, Jobbi Sport da Primo’s, Fit-Life-Center und ein bisschen Kiosk Irina.

Alle Informationen: www.transform.bz