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Archiv für die Kategorie „Nachtleben & Freizeit“

Ein Festivalgelände mitten im Quartier

Roland Fischer am Samstag den 20. Juli 2013

Täuscht das oder wird es auch immer grösser, das Gartenfestival? Viele Leute bei den Konzerten hinter dem Haus, noch mehr Leute vorne auf der Strasse, zu viele Leute später unten im Keller - ein Gewühl und ein Gewusel. Zum Glück haben sich die Organisatoren dieses Jahr zum ersten Mal die Mühe gemacht, einen Plan zu zeichnen, damit man sich zurechtzufindet im unüberschaubaren Festivalgelände.

Keinen Plan hatte der KSB-Berichterstatter - und darum hat er dann auch elegant das erste Konzert des Abends verpasst. Ein Jammer, fand die pflichtbewusstere Frau Feuz, Nick Porsche & Band hätten bestens als zweiter Act funktioniert - ein filmmusikalisch wunderbares Set hätten die abgeliefert (erinnere ich mich richtig an die Worte? - es folgten dann noch einige alkoholische Getränke). Zusammen gesehen wurden dann die Concrete Knives aus Frankreich, und die spielten ihren schön aufgerauhten Pop vielleicht ein wenig zu gut. Ein paar Tauchgänge in grössere Seelentiefen hätten da nicht geschadet - und dass das Gartenpublikum keine Mitmach- und Singspiele mag, hätten die charmante Truppe dann auch mal merken können. Aber egal, die gute Laune verdarb das keineswegs. Sehr schön wieder mal, diese lau(t)e Festivalnacht im Quartier - auf ein zweites, heute abend!

Festwirtschaften allenthalben?

Roland Fischer am Donnerstag den 11. Juli 2013

Man darf sich freuen auf die Eröffnung der Serini-Bar heute abend, gestern gab's schon mal einen Augenschein für die Nachbarschaft. Allerdings: Es ist ein weiteres unrühmliches Kapitel im Berner Ruhe und Ordnungsstreit, die vorübergehende Bewirtschaftung der Ex-Garage in der Lorraine. Seit Monaten haben die Betreiber Konzepte erwogen und nach Rücksprache mit den Behörden wieder verworfen, und als die Bewilligung vor ein paar Tagen dann doch noch eintrudelte lag sie erst einmal ein wenig im Briefkasten rum, so wenig wurde sie da noch erwartet. Kein Restaurantbetrieb, keine Konzerte (die Jazzwerkstatt hätte hier einen Raum zum Werken finden sollen), keinesfalls Betrieb draussen nach 22 Uhr. Eine Festwirtschaftsbewilligung, das ist alles was die Stadt derzeit an unkonventioneller Problemlösung in Sachen Freiräume und Zwischennutzungen anzubieten hat. Dreimonatige Festwirtschaften allenthalben? So meinten wir das eigentlich nicht.

Will das diese Stadt, dass so gut wie keine spontanen Initiativen möglich sind, Belebungen toter Ecken? Auf offizielle Weise lässt sich solches derzeit nämlich fast nicht bewerkstelligen, dafür ist der Gang durch den Paragrafendschungel viel zu mühsam - und teuer. Machen lässt sich das höchstens - wenn man als Gesuchssteller gute Nerven und einen Sinn für Schildbürgereien hat - für drei kurze Monate. Und dann ist aber Schluss! Auch wenn die Liegenschaft danach womöglich noch lange leersteht.

Ein Sommerabend in der Lorraine

Roland Fischer am Sonntag den 7. Juli 2013

Der grosse Trubel, das war vor zwei Wochen. Aber auch gestern abend liess sich bestens von Bar zu Bar durch die Lorraine streunen - und dabei allerlei Neues entdecken.

Angefangen am Talweg, wo die Soon-Jungs endlich wieder mal die Bar auftun durften, anlässlich der aktuellen Ausstellungseröffnung. Das Treiben fand dann vor allem vor statt in der Galerie statt, aber das ist auch ein sehr schönes Plätzchen, wenn die Sonne über dem Bahnviadukt untergeht.

Weiter ging's zur Pneu-Bar, dem Lokal mit der am weitesten offen stehenden Tür der Stadt. Drinks und Kunst auch hier. Eine sehr schöne Bar haben die HKB-Ypsilonerin Yeboaa Ofosu und der Galerist Michael Krethlow da innert Kürze in den Garagenraum gezaubert - leider nur für drei Monate, vorerst.

Ausklingen liess man den Abend dann gleich um die Ecke, auf dem eigentlichen Serini-Gelände. Dort wird schon mal zwischen-zwischengenutzt, bevor eine weitere Bar eröffnet wird - demnächst, wie man hört und ebenfalls auf Zeit, weil das ganze Areal bald abgerissen werden soll. Gestern hat die Tanzcompagnie DeRothfils zur Filmpremiere von White Elefant geladen, nachdem die hintersinnige weil ebenso manierliche wie dreiste Performance schon den ganzen Nachmittag durch die Berner Innenstadt gezogen war.

In Ruhe rumstehen

Miko Hucko am Samstag den 6. Juli 2013

Ein Sommerfest sollte es werden, und der Sommer oder so was ähnliches war da, das Volk auch. Und es war Festwillig, lauschte den Bands, die draussen für nette Hintergrundmusik sorgten - all das wunderbar, der Beginn eines wunderbaren Abends. Aber es blieb beim Beginn: Bald nach Zehn war Schluss mit Musik draussen, es gab noch weiter Bier und Drinks und festwillige Menschen. Die angekündigten DJs spielten im Parterre drinnen, und natürlich kam nur ein Bruchteil der Besuchenden in Genuss der Musik.

Ich dümpelte also ein bisschen planlos und sprachlos herum - ein Sommerfest und die Party findet drinnen statt? Die Nacht war lau, die Menschen gut gelaunt, weiter nichts. Oder eben doch (und ich möchte hier explizit nicht den Betreiber_innen des Parterre einen Vorwurf machen): Sollten wir nicht schon dankbar sein, dass wir überhaupt um diese Uhrzeit in grossen Gruppen draussen stehen dürfen? Irgendwie schon, wenn es nach der Berner Polizei geht. Diese erklärte die Anwesenden kurzerhand zu einer Gefährdung ihrer selbst und der Mitwelt und zäunte sie ein.

Damit auch auf der Strasse alles seine Ordnung hat und die wilde Herde weiss, wo sie hingehört.

Offbeats aus dem Offspace

Till Hillbrecht am Freitag den 7. Juni 2013

Gestern wurde es einem warm ums Herz und bange um die Magengegend zugleich. Grund dafür: Die Veranstaltung Dubtopia bespielte nach letztem Sommer zum zweiten Mal die Reithalle, diesmal im Rössli. Ungewohnte Gefühle im Magen standen aber nicht in Zusammenhang mit schlechter Musik, sondern vielmehr mit dem massiven Soundsystem, dessen Eigentümer «Justice Rivah Soundsystem» während der ersten Hälfte der Veranstaltung gleich selber Mikrofon und Plattenspieler bediente.

Fazit: Ein Delay ist ein Delay ist ein Delay. Das darf halt nur der Dub und dem bekommt es eben wahnsinnig gut. Kurzum: Es war so, wie es sein soll - nichts neu erfunden, sondern altehrwürdige Offbeats über einen derart satten Tieftonteppich, dass man darauf zu wetten begann, wie lange die Rumflasche an der Bar brauchen würde, bis sie ob der Vibrationen herunterfallen würde. Nach dem Traditionalisten-Dub wurde der Faden mit neuzeitlichem Dubstep weitergesponnen. Das brauchte etwas Angewöhnungszeit, aber es tat gut wieder einmal zu hören, dass zeitgenössische Formen dieser Musik nie vergessen haben, woher sie eigentlich kommen. Nämlich von da:

Klang für den Sommer

Miko Hucko am Mittwoch den 15. Mai 2013

Stellen Sie sich vor, es ist Sommer. Ich weiss, es schmerzt und ist nicht leicht, aber versuchen Sie es. So.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Garten, einen schönen grossen grünen Garten. Vielleicht haben Sie ja wirklich einen. Oder ihre Freundinnen. Oder ihre Nachbarn. Oder die Nachbarinnen von Freunden. So:

Jetzt fehlt in diesem Garten nur noch die Party, und für eine Party ist passende Beschallung von Nöten. Schön wäre es, wenn Sie mit einer echten Band angeben könnten, nicht?

Pompöser Auftritt des Vermittlungsprojekts «Le Son d'Été»! Auf der bunten Website können sich sowohl spielfreudige Bands als auch (und vor allem jetzt wird's für die Gartenbesitzenden interessant) musikfreudige Partyveranstaltende melden mixen matchen, damit für beide Seiten ein schöner Abend entsteht. Richtig, für beide Seiten. Zwar steht Geld nicht im Mittelpunkt, aber es sollte doch möglich sein, dass - gegenseitige Absprache halt - beide Seiten etwas vom Konzert haben. Wenn Sie sich also Menic, das Trio Miesch am Rügge oder Mischa Wyss ab 1. Juni in den Garten (oder die regenfeste Stube) holen wollen , dürfen Sie den Musizierenden etwas dafür geben! Also hopp nicht lange zögern und schon mal die Party planen. Der Sommer kommt bestimmt.

Wifag the System

Roland Fischer am Sonntag den 21. April 2013

Was ist eigentlich mit dem Wifag-Gelände - nochmal? Im einen Trakt haben sich chaotische Piloten breitgemacht, ein anderer wird neu von Zürich aus verwaltet, und ein dritter hat das Potential, ein Zuhause für die Kreativwirtschaft zu werden - ein Anfang ist gemacht. Und nun also auch noch eine wildere Art von Immobilienbewirtschaftung - die Kinder von Bern haben ein ganzes Gebäude gekapert, wohl bloss für ein verlängertes Wochenende, wenn die Drohungen der Besitzer ernst gemeint sind.

Ein kurzer Besuch gestern endete mit der leisen Enttäuschung, dass der wunderbare Dachstock (von dem hier auch schon die Rede war) das exklusive Reich der Besetzer bleibt und nur das nüchterne Erdgeschoss zum etwas gross geratenen Partyraum umfunktioniert wurde. Auf dem Heimweg ging es dann gleich weiter mit den Enttäuschungen - der weitreichende Arm der Ordnungshüter hatte schon vor der angekündigten Räumung oben im Wyler die hintere Lorraine gestreift und die Türe der tollen zur Soon-Galerie gehörenden Zoo-Bar geschlossen. Man sei daran, eine Lösung mit den Behörden zu suchen, erfährt man dazu auf Facebook. Hoffentlich wird sie bald gefunden.

Gastromeile an der Speichergasse

Roland Fischer am Sonntag den 24. März 2013

Nein, es ist kein Ableger hiervon, die Neueröffnung an der Speichergasse. Vielmehr gibt es seit Freitag im ehemaligen China-Restaurant Peking visavis vom Progr einen McGspürsch-mi - «das schweizweit erste Lokal für nachhaltigen Fastfood». Nicht ganz nachhaltig war übrigens die Geschäftsstrategie der chinesischen Vorgänger-Familie, die offenbar über Nacht das Weite gesucht und das Lokal in betriebsfertigem Zustand zurückgelassen hat. Filmreife Geschichte, wie man hört.

Auf der anderen Strassenseite wird unterdessen auch mit grosser Kelle angerührt: Die Turnhalle bekam beim Umbau auch gleich noch eine richtige Küche verpasst. Dort gibt's ab Ostern Essen über Mittag und Happen von früh bis spät, am Wochenende sogar bis 3 Uhr in der früh. Hört man als Nachtschwärmer gern, dass sich da eine Alternative zum (ja eigentlich unschlagbaren) Casa Marcello auftut.

Der Vollständigkeit halber dann noch, weiter die Gasse rauf: Im Burgunder kann man am Sonntag bestens brunchen, und auch im Lehrerzimmer gibt es seit Februar sehr feine Menüs über Mittag und etwas Warmes auch am Abend - wobei vor allem der Toast-nach-Wunsch-Dienstag immer einen Besuch wert ist.

Tanz dich (nicht so) frei in Zürich

Roland Fischer am Sonntag den 3. März 2013

Ein Abend in Zürich, mit Berner Impressionen. Zunächst gab's viel Kunst rund um die Langstrasse, initiiert unter anderem von Livio Baumgartner, der seit ein paar Jahren in der Diele die wohl kleinste Galerie Zürichs betreibt. Bald mal verdichteten sich die Gerüchte, dass der Kunstfreistaat Binz die bevorstehende Räumung der besetzten Fabrik nicht sang- und klanglos sondern standesgemäss mit einigem Lärm begehen würde, und das nicht in der Peripherie draussen. Die Besetzer würden ihren Frust diesen Abend mitten hinein in die Stadt tragen, war von allen Seiten zu hören.

Tatsächlich tauchten bald die ersten Soundwagen auf, um durchs Zürcher Ausgehviertel zu rollen. Man war gespannt, wie frei hier getanzt würde - und mischte sich mit schönen Erinnerungen unter die Meute. Richtige Feierlaune kam aber nicht auf, und das lag nicht bloss an der humorlosen Polizei, die bald mal mit Wasserwerfern und Tränengas ins Geschehen eingriff. Eine Stadt besiegt vom zügellosen Nachtleben? Das hat in Bern besser funktioniert. Aber womöglich haben es die Zürcher Tanzdemonstranten mit ihrer Inbeschlagnahme des Stadtraums auch ein wenig politischer gemeint, von Anfang an.

Offen. Auch mal für neue Formate

Miko Hucko am Freitag den 1. März 2013

Offene Bühnen gibt es ja in Bern mittlerweile mindestens deren vier, wie R.B. bereits berichtet hat. Ich habe mich nun einem Selbstversuch ausgesetzt und bin heute Abend eine dieser «Nächte, in denen alles passieren kann» besuchen gegangen, die Offene Bühne in der Piazza Bar.

Das sah folgendermassen aus:

Zugegeben, das mit dem Fotografieren muss nochmal geübt werden. Die junge Dame auf dem Bild jedenfalls hat neben ihrer Stimme auch grad ihre ganze Band mitgebracht. Falls Sie sich jetzt wundern, wo diese wohl geblieben sei - es handelte sich bei dieser Performance um das berühmt-berüchtigte Halbplayback. So fühlte ich mich denn sachte an SRF-Formate wie «Music Star» erinnert. Auch schön. Der Rest des Abends wurde eindeutig von Singer/Songwritern (sic) dominiert, die bei mir allerhöchstens in die Kategorie hoffnungsvoll gefallen sind. Alles in allem: Falls Sie sich mal, was auch immer Sie beruflich so treiben, zur Gesangskunst hingezogen fühlen, hier ist der richtige Ort, sich auszuprobieren. Das Publikum ist wohlgesonnen, der Eintritt besteht aus Kollekte, das Bier ist kühl - auf geht's!