Archiv für die Kategorie ‘Nachtleben & Freizeit’

Ein Kaleidoskop der Euphorie

Urs Rihs am Samstag den 25. Februar 2017

Am Freitag zu Gast im heiligen Bad, mit der frankokanadischen Krautfunk Band Avec le soleil sortant de sa bouche aus Montreal. Constellation Records. Das Konzert erzeugte die Impression einer mit Flakscheinwerfer beleuchteten Riesenspiegelkugel, zertrümmert durch Abrissbirnen. So müsste mehr!

Der Abend begann mit einem relativ krampfhaften Smalltalk bei Randen-Carpaccio und Pilzcremesuppe, der Vorspeise. Spätestens beim Dessert – Mousse au Chocolat mit Meringue – war dann aber klar, diese Montrealer sind mehr als bloss die Summe ihrer Superteile und alles andere als unentspannt. Höchstens was frustriert, ab dem Zu und Her beim südlichen Nachbarn und der fehlenden Strahlkraft alternativer Ideale. Dafür gabs Freundschaft auf Anhieb beim Nachtessen, immerhin.

Constellation Records, ein musikalisches Panoptikum, das Label um Gallionsfigur «Godspeed You! Black Emperor», die Kategorisierung lass ich an dieser Stelle bleiben, das Prinzip gilt jedoch unterstrichen: Pop-Montréal! Die gelebte Utopie einer genreüberschreitenden, nicht kommerziell orientierten, dogmatisch pro-Kunst eingestellten Musikbewegung. Das wärmt einem Herz und Seele.

Avec le soleil sortant de sa bouche stammt aus der Mitte dieses Kuchens, die Mitglieder der Band nebenher in X anderen Projekten aktiv – mensch stelle sich das als Flickteppich von Vollblutmusikern vor. Sowieso – auch was den Sound angeht – scheint Patchwork Trumpf. Hardcore, Post-Art-Rock, Kraut, Funk, hie und da ein Spitzlicht Folk, Eklektizismus pur.

Zugegeben, gestern war sicherlich nicht der geschmeidigste Auftritt der Band, zuvor hatten sie vier Tage Spielpause und zeigten an der einen oder anderen Stelle etwas Tour-Flugrost. Auch waren die Git-Verstärker etwas gar kantig, sodass auf die Zugabe hin dann trotzdem der Griff zu Ohr-Schalldämpfer nötig wurde. Und trotzdem, die Show war spektakulär. Diese Dynamik, sprühender Wahnsinn, Begeisterung in den verzerrten Gesichtern – dieser Groove, diese brachiale Tanzbarkeit, ein verdammter Dammbruch der Glücksgefühle.

Avec le soleil sortant de sa bouche ist ein Lösungsansatz, ein Heilmittel. Nach dem Konzert ruft jemand: «Guys, ce que vous faites, c’est de la médecine!» fuck’n A! Und das Ganze rezeptfrei!
Schön wars mal wieder im Bad Bonn, ein Dank in die Runde und bis zum nächsten.

Jean-Sebastien Truchy, Bassist und Schreier im Element.

EssenStattFressen

Urs Rihs am Donnerstag den 19. Januar 2017

Ein Appell an uns selbst, vor allem zur Mittagszeit. Das städtische «Lunchtime» ist gekennzeichnet von Sauce kleckernden, Krümel säenden, hypernervös und lustfern Sandwich schlingenden Massen.
Die kleinen feinen Örtchen, wo das Mittagsmahl hingegen als Ritual gepflegt werden könnte, sind selten. Die Situation im Zentrum – spätestens seit der Schliessung der Markthalle – eine Misere. Aber es gibt sie, die Silberstreifen am Horizont in den Gassen.

Donnerstags, ich war also auf der Pirsch nach Geniess- und Verwertbarem um die Mittagszeit. Mit der Prämisse einen Rest Selbstachtung zu wahren natürlich – schliesslich ist Esskultur auch ein Seelenspiegel – im Perimeter Bahnhof, eine schiere Unmöglichkeit. Der Vegi-Grossist am Eingang: Ein totaler Turn-off! Essen wie im Aquarium, gefangen zwischen Scheibenfront, open-air Salatbar und Juicer-Automaten. Bedrängt von mehrheitlich Yuppies und alles in Schaudistanz zum Prekariat vor dem Lokal. Nabelschau drinnen wie draussen, echt wie im Zoo. Ich bleib lieber draussen, auch der gesalzenen Preisen wegen.

Dann die Optionen Treppe hoch, Treppe runter, schwierig… Unten wartet der gelbe Doppelbogen mit seinem Dreck auf, flankiert von artgleichen Teufeleien, alles Kategorie «DIE HARD FAST». Oben, selber Buchstabe, nur etwas dunkler leuchtend, orange, kulinarisches- sowie konsumentenschützerisches Unheil verkündend: Trash-Bio zu einem Preis- Leistungsverhältnis, dass es dem Preisüberwacher eigentlich in den Ohren sausen müsste, krachen müsste. Die Devise scheint klar: «Erst das Fressen verkaufen, dann die Moral verkaufen.»
Nun denn, es bleibt nichts anderes übrig, Weg in Kauf nehmen. Lieber Weg als Knete, vor allem mit einem Drahtesel. Die Aarbergergasse ist schnell durchkreuzt – weil eben: Knete und Ambiente; da wünscht mensch sich Rosigeres als Alternative, sorry Sushi-Kebab-Burger-Pizza Meile… Kurzer Blick aufs Natel, da war doch was, Herrengasse 10, «Grüner Gaumen». Hatte der Bewegungsmelder mal drauf aufmerksam gemacht. Und sowieso hin da, weil sichs mit Sab, der werten Frau Betreiberin, neben Diskussionen über truly healthy food, auch so wunderbar über Musik austauschen lässt. Eine Oase des Seelenheils das Schüppchen.
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Mit Kevin auf Augenhöhe

Urs Rihs am Donnerstag den 17. November 2016

Am Dienstag war Marathonstart, im BadBonn in Düdingen, mit Kevin Morby und seiner Band. Sonst Bassist bei den Woods, früher Frontmann der Babies, seit 2013 unter eigenem Namen unterwegs. Folk, Roots, Americana, soviel zum Setting. Wir waren da und es war wunderschön.

Wir meint Martin, den Ragnar und ich. Und ja Ragnar, so wie der Wikinger, er verdient den Namen, glaubt mir und zu einer Folk-Rock Show macht sich das natürlich gut. Der Duktus ist an diesem kalten Dienstagabend sowieso sehr skandinavisch. Bärte, Wolle, Leder, alles sehr fransig und kuschelig. So sind die Leute auch drauf – anschmiegsam – es scheint als müsste was an Seelenwärme kompensiert werden. Kein Wunder nach den letzten Wochen.
Eröffnet wird der Abend im BadBonn von Meg Baird, so elfenhafter Wald-Folk-Gesang. Harter Tobak für uns drei Jungs, die auf der Hinfahrt von Bern im Fiat die strengen Sachen verhandelt hatten. Die schwarzen Teufel halt; Depression, Trennung, den Herbstblues und naja, eben, wir stiegen schon etwas gebeutelt aus der Kiste. Die gute Baird, nichts für ungut, ist uns da einfach ein bisschen zu Haight-Ashbury-hippiemässig…
Martin erzählt, dass er Meg letztes Jahr nach einem Morby Konzert im Wallis kennengelernt habe. Angesprochen hatte er sie, weil ihm ihr Geruch aufgefallen war. Oregano und Majoran oder so – ich versteh nur Bahnhof – er aber voll im Ernst weiter: «Es gibt da so ein mexikanisches Ritual. Temezcal – dabei reibt sich geneigter Geist mit ätherischen Kräuterölen ein und schwitz dann das Zeug in einer Dampfhütte wieder raus, wirkt kathartisch.»
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Vaudou Game groovt in bee-flat

Urs Rihs am Dienstag den 25. Oktober 2016

Zum Start der neuen bee-flat Konzertsaison im Progr, luden die Veranstalter dieses Wochenende zu einem kleinen aber sehr feinen Festival. Am Samstag standen die französisch-togolesischen Afrofunker Vaudou Game um Frontmann Peter Solo auf dem Programm.

Beni und ich wollten da unbedingt noch hin, ins bee-flat und zwar trotz Reitschulfest. Vaudou Game und ihr Hit «La vie c’est bon» werden auf couleur 3 schliesslich seit Wochen hoch und runter gespielt. Nur weil die hier noch niemand hört, war das doch ein verdammt aktuelles Booking und verdient ein Kränzchen gewunden. Liegt wohl an der Welsch-Connection im Programmationsteam, Big Up!
Nun denn, wir schafften es also tatsächlich in die Turnhalle und hatten Lust auf Tanz. Dennoch erst mal ran an die Bar und Bier bestellt. Etwas entäuscht ob der fehlenden Auswahl bezüglich guter Crafts aber was solls – Geschmäcklertum in die Ecke gestellt, auf zwei Grosse Offene geeinigt und ab aufs Parkett.

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Stage is ready für die neue Konzertsaison im bee-flat

Die Szenerie ist Anfangs leider etwas steril. Die pikfein hergerichtete Turnhalle – glänzende Kronleuchter, frisch geschliffener Holzboden, Polsterstühle aus dem Vintage-Laden, dazu etwas reserviertes Kulturpublikum – nicht gerade das perfekte Setting für fransigen und schweisstreibenden Afro-Funk-Groove. Aber drauf gepfiffen. Auch ich trage einen frischen Pullover und «was nicht ist, kann ja noch trinken», bemerkt Beni zu recht und wir warten auf die Band.
Vaudou Game betritt die Bühne, begrüsst Bern und Sänger Solo macht gleich darauf aufmerksam, dass getanzt werden darf, sollte man den Drang dazu verspüren. Ich schaue zu Beni rüber und wir sind uns einig: Jetzt muss was kommen. Das hat immer sowas «Räum dein Zimmer auf!» – mässiges, aber die Band wurde wohl gewarnt: Achtung, Bern hat einen Stock im Allerwertesten.
Naja, Vorurteile eben – langweilig eigentlich – aber so ists halt. Vielleicht handelt es sich bei dieser Ansage auch um «die Rache des Italieners», hat mal jemand im Magazin schön beschrieben.
Wer kennt den Moment nicht, wenn wir in der Pizzeria vom Kelner auf italienisch angesprochen, uns entweder mit fürchterlichem Akkzent blossstellen – oder aber auf Deutsch gebärden und somit erklären müssen. Ein Wimpernschlag Genugtuung, Fair enough nach jahrzehntelanger Ausbeutung an Maurerkelle und Asphaltiermaschine, oder?
Das wäre auf Musik übertragen, dann in etwa: «He, wir machen Tanzmusik und wenn du dich nicht bewegst, dann offenbarst du dich als verknorzter Europäer.» und ganz ehrlich, auch das gehört uns ja eigentlich.

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«Es musste etwas passieren»

Christian Zellweger am Freitag den 23. September 2016

Es tut sich was in Bern. Kürzlich haben sich die Popmusiker im Verein «Musikförderung Bern» zusammengeschlossen, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie bleiben nicht alleine. Auch die Akteure, welche sich Experimenten oder der Neuen Musik widmen, haben einen Verein: «pakt».

Der Verein wurde zwar schon Ende Dezember vorgestellt, hat jetzt aber kürzlich mit einer Facebook-Seite und einer ziemlich hübschen und informativen Webseite nochmals eine Kommunikationsoffensive lanciert.

Darum sagt hier Barbara Balba Weber vom «basisdemokratisch funktionierenden Verein mit einem Vorstand ohne Präsidium», was der Verein will und warum es ihn braucht:
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Wer hat diesen «Pakt» geschlossen?
Ausgegangen ist es von einer kleinen Gruppe, die ums Überleben kämpfte. Daraus wurden dann immer mehr. Mittlerweile haben sich 50 Akteure der neuen und experimentellen Musik zusammen geschlossen. Ziel ist eine Verdoppelung im 2017 und dann nochmals eine im 2018.

Wie ist es dazu gekommen?
Es musste einfach etwas passieren. Die Finanzierung der experimentellen Musik hatte sich innerhalb von 10 Jahren halbiert, die Szene war zerstritten. Das wollten wir ändern.

Warum braucht es diesen Verein?
Wir brauchen Zusammenhalt gegen innen und Präsenz gegen aussen. Das geht nur gemeinsam.

Was sind eure Hautpziele?
Gegen aussen: Eine Plattform zu bieten für eine ganze (bisher marginalisierte) Musiksparte, Kommunikation, Vermittlung, kulturpolitische Präsenz, Vernetzung mit der Gesellschaft; Gegen innen: Vernetzung, fachlicher Austausch und gegenseitige Unterstützung.

Wie steht es eigentlich um die Neue und experimentelle Musik in Bern?
Im Vergleich zu anderen Städten sind die Sparten vollständig unterfinanziert. Aber ebenfalls im Vergleich zu anderen Städten: Es gibt in Bern ein riesengrosses Potenzial an innovativen Leuten in der freien Szene. Viele spannende Junge, Elektroniker/innen, Performer/innen, etc.

Experimentelle Musik gibt es zum Beispiel am Samstag an der Uni Bern mit Collisions – of Music, Physics and Video-Art. Und am 8. Dezember findet im Sternensaal in Bümpliz der erste gemeinsame Event aller pakt-Akteure statt: Das «Neue Musik Battle».

Tanzen, immer

Milena Krstic am Mittwoch den 24. August 2016

«Es isch so schön hie», sagt Küre und hat natürlich Recht.

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Die Schütz ist ein kleines Utopia, jetzt, da hier keine Autos parkieren, sondern zwei Bars und eine Bühne aufgestellt sind. Solstage heisst diese Bühne. Und das wird nicht so ausgesprochen, wie es geschrieben steht, sondern: Sol und dann Stage, wie halt auf Englisch für Bühne.

Die Solstage wird betreut von einem von Berns schönsten Kollektiven. Jeden Dienstag und Donnerstag wird gekocht und wer isst, legt einen Batzen in den Kollektentopf. Es gibt Konzerte, Literatur und «Monday Means Rap» (da haben sich übrigens auch schon Max und Moritz die Ehre gegeben).

Yesterday night meant Thai-Curry mit acht Kilogramm Reis und dann spielte Mory Samb mit seiner Truppe zum Tanz auf. «On doit danser», schreit einer ins Mikrofon und hat natürlich Recht. Man soll, nein, muss tanzen. Immer.

Die Solstage steht noch bis am 22. September. Das ganze Programm finden Sie hier.

Gurten-Saufen fürs Dead End

Gisela Feuz am Sonntag den 26. Juni 2016

Bald geht auf dem Hausberg wieder die alljährliche Sause über die Haupt-, Zelt- und Waldbühne. In drei Wochen wird die trinkfreudige und musikverrückte Jugend auf den Gurten pilgern, die Anwohner werden dann entweder in den Ferien weilen (die Vernünftigen), einen scharfen Hund gekauft haben (die Sympathischen), um Pinkelfreudige am Verrichten ihrer Geschäfte in Vorgärten zu hindern oder sich ganz einfach selber im Bacardi-Dome die Nächte um die Ohren schlagen (die Berufsjugendlichen).

Zum 33. Mal geht das Gurtenfestival nun schon über die Bühne – die jährliche Programm-Diskussion soll jetzt hier nicht losgetreten werden. Vielmehr soll darauf hingewiesen werden, was neu ist auf dem Gurten und da sticht das Logo des Sleepers in der Rubrik «Partner» ins Auge. Dieses Jahr wird das Dead End nicht nur mit einem Stand auf dem Gurten vertreten sein, sondern auch derjenige Verein sein, dem die Einnahmen aus den Becherrückgaben zugesprochen werden. D.h. alle die, welche ihren Stutz für den leeren Becher nicht selber einheimsen, sondern spenden wollen, beschenken damit indirekt das Dead End. «Dieser abgehalfterte Partyschuppen beim Henkerbrünnli, der immer erst um Mitternacht aufmacht? Geits no??» Wenn Sie jetzt gerade das gedacht haben, dann haben Sie so was von keine Ahnung, was im Dead End tagein tagaus geleistet wird.

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Im Dead End gibt es eine Gassenküche, wo sich jedermann und -frau täglich für fünf Stutz verköstigen kann. Frau Feuz war für KSB testessen. Es gab Blumenkohl-Curry-Suppe, Salat mit Spinatküchlein, Omelette mit Hackfleisch und zum Dessert Aprikosenkuchen. Ich hab schon lange nicht mehr so gut gegessen, selbst Mama Feuz hätte das nicht besser hingekriegt und die ist kurz vor Gault Millau-Status. Ausserdem befindet sich im ersten Stock des Dead Ends eine Notschlafstelle, der Sleeper, mit insgesamt 18 Betten, die praktisch immer ausgebucht sind. Mit seinem niederschwelligen Angebot leistet das Dead End wichtige soziale Arbeit und bietet Menschen, die sich aus irgendeinem Grund in einer schwierigen Lage befinden, eine Art Familenersatz oder zumindest ein Dach über dem Kopf. Sleeper und Gassenküche werden vollumfänglich durch die Einnahmen aus dem Barbetrieb und durch Spenden finanziert, wobei die rund 15 Dead-End-Mitarbeiter_innen alle ehrenamtlich schuften.

Sollten sie am Gurtenfestival rumsürmeln, dann spenden sie doch ihren Becher.  Das Geld gelangt an den richtigen Ort. Drum auch: Applaus Gurtenfestival!! (Über das Programm nölen wir dann nächstes Jahr wieder.)

Kreissägen-Segen

Mirko Schwab am Freitag den 10. Juni 2016

Es schwingt schon bittere Schönheit mit, wenn Black Lung aus Baltimore im grössten Fumoir der Stadt einfahren.

Dem Hartblues verpflichtet: Black Lung aus Baltimore, USA.

Dem Hartblues verpflichtet: Black Lung aus Baltimore, USA.

Am Eingang zum Rössli steht unter der Affiche: «OHRENSTÖPSEL-PFLICHT!!!» Das will was heissen in einem Haus, wo ausser ein paar humanistischen Grundsätzen eigentlich gar nichts Pflicht ist.

Zuerst gilt das berüchtigte Berner Duo Sum Of R angehört. Ein hypnotisches Steinbruch-Mantra wird da zwischen Bar und Tür installiert, ein architektonischer Dialog von wenigen schaurigen, in feinste Verzerrung gekleideten Noten und einem Schlagwerk, das dem Teufel ab dem Karren gefallen ist.

Rasch Pfröpflüften, Auftritt Black Lung. Der Heavy-Blues-Dreier aus der Rabenstadt in Maryland fackelt nicht lange, greift rudimentäre Gitarrenriffs aus der angestaubten Truhe rudimentärer Gitarrenriffs – und schmettert sie der zahlreichen, etwas verdutzten Hörerschaft so entgegen, als wäre der Hartblues gerade eben on stage erfunden worden.

Vehemenz hilft, das ist auch dem Instrumentarium anzusehen. Der Verschleiss von Saiten ist antizipiert. Weil das Trio ohne Bass, dafür mit zwei Bassverstärker-Kühlschränken anreist, ist für den Wumms gesorgt. Auch schön: Hie und da werden die kreisrunden Klischeeriffs angebrochen oder verkettet, sodass statt mitgestampft auch mal mitgezählt werden darf. Über alldem (und diese Notiz ist der Kompetenz am Mischpult gewidmet), kreist und sägt der Pressgesang von Dave Cavalier in konstant angezerrter Körnigkeit. Selten hat man das paar Härchen im Innenohr so gerne geopfert vor dem Segen lauter Gitarrenmusik.

Black Lung – See The Enemy ist am 29. April 2016 auf Noisolution erschienen.



Mit diesem Beitrag begrüssen wir Herrn Schwab auf unserem kleinen Kulturstatt-Dampfer. Herzlich Willkommen!

Filmstar werden! Oder auch einfach so am Mittwoch Party machen.

Roland Fischer am Mittwoch den 18. Mai 2016

Schon was vor heute abend? Sonst könnte man an eine Party an der Jurastrasse und so tun als wäre das echt. Das heisst, als würde es im wirklichen Leben auch ein wildes Nachtleben geben, an einem ganz normalen Mittwoch in Bern.

Hi everyone.
We are shooting a short film called «Palindrome», a sort of love story that is all shot in Bern. The scene where the two characters meet takes place during a house party. Our gracious hosts Phillip and Ismene have allowed us to use thier flat and in exchange, we will throw a real-life party to happen after the shoot. Now all we need is you! Guests. Come be in our movie and have a good time on our dime ;)

cianfrani

Kultur in der (Best-)Besetzung

Christian Zellweger am Donnerstag den 21. April 2016

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Trotz allen guten Vorsätzen, die Abhängigkeit von sozialen Plattformen klein zu halten, hab ich gemerkt, dass sich meine Veranstaltungsagenda immer mehr auf Facebook verlagert. Was man da aber schön sehen kann: Dass sich meine «Interessiert»-Sternchen und «Going»-Zusagen in Sachen Musik in letzter Zeit stark auf den Dachstock konzentrieren. Und das sollte man doch mal honorieren. Die Fusstapfen von Sabine Rette waren nicht klein – aber Kathy Flück scheint sich darin ganz wohl zu fühlen.

Was sagt also der Blick auf den Konzert-Kalender? Da wären etwa Dinosaur Jr. in Originalbesetzung, für Nostalgiker und Zuspätgeborene, am 11. Juni. Am 18. Juni dann schon Erobique, ein Disco-Slacker vor dem Herrn. Am 12. Juli dann: Sun Kil Moon. Auch wenn sich Mark Kozelek desöfteren als nicht sehr sympathischer Zeitgenossen gebart und ein klassicher Fall von «Your fave is problematic» darstellt. Vielleicht gibt es neben der Musik auch eine eigene Publikumsbeschimpfung für den Dachstock. Am 14. September kommt dann Jochen Distelmeyer, Hamburger Schüler, Blumfeld-Sänger und Britney-Coverer in die Reitschule. Und schliesslich, hier bleibt noch etwas mehr Zeit zur Vorfreude: Die Swans, Ende Oktober.

Und das alles nach Konzerten von Acid Arab, Angel Haze, Sophie Hunger, Wire, Talib Kewli, The Sonics, Sinkane, Götz Widmann, DJ Krush. Nein, ich glaub nicht, dass das die Lieblingsbands von Erich Hess und Nils Fiechter sind. Aber diese Stadt ohne diesen Ort…aber wem sag ich das.