Archiv für die Kategorie ‘Mode & Design’

Kleinstadt im Weltformat

Mirko Schwab am Samstag den 4. Februar 2017

Vor bald einundzwanzig Jahren hat der Storch uns einen Raben beschert. Einen quengligen, lauten, bunten, manchmal fahrigen, oft beflissenen und immer nötigen Glücksvogel. Alles Drucke zum Geburtstag!

Zum Zwanzigsten haben zwanzig Kulturleute dem Rebellenradio RaBe ein grafisches Kränzchen gewindet. Jetzt ist der alte Störenfried also schon bald einundzwanzig – und die besagten Geburtstagsgrüsse sind in Druckform erhältlich. Für an die Wand oder den Kühlschrank und auch besser, als immer eine Fahne haben … Lasch kommentiert, eine Auswahl der schönsten und wüstesten. (Und wie im Radioprogramm ist es eben auch das schönste, manchmal auf dem falschen Fuss erwischt zu werden. In diesem Sinne: Einmal Mittelfinger an die marktanalysierenden Nichtsnutze vom Hitradio, die das Wasser aus jenem Tümpelchen preisen, in das sie reinpinkeln.)

And now for the good things:

Alles Raben: Erst im Schwarm wird aus schrägen Vögeln eine Idee.

Laut und wüst wie der Reverend himslef: Des Beatmans Entwurf.

In jedem Vogel steckt ein Rabe. Die gelebte kulturelle Vielfalt aufs Plakat gebracht.

Ein echter Claude Kuhn: lakonisch und auf den Punkt. Die Erweiterung der Pupillen beim Einschalten des Radiogeräts.

Mit dem «Unknown Pleasures»-Cover wurde allerhand Blödsinn getrieben in den letzten Jahren – und so mancher Oberschenkel wäre besser dran ohne Joy-Divison-Tattoo «weil einem diese tiefgründigen Texte halt so unter die Haut gehen …» Item, ist jedenfalls eine der sinnvolleren Bemühungen des Motivs. Und RaBe fraglos eine zu unbekannte Freude.

Der weit aufgerissene Schnabel wirft Licht ins Dunkel. Lautstärke ist Licht. Diversität ist Licht. Dilettantismus ist Licht. Ein Schmuckstück in beherzter und einleuchtender Symbolik.

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es in diesem herrlichhässlichen Block am Randweg 21 so zugeht: Xsändus Einwurf zeigt die ganze Wahrheit.

Ein eher missglücktes Beispiel zum Schluss. Da sind wir uns vom renommierten Plakatgestalter Stephan Bundi aber höhere Flüge gewohnt. Ein Regenbogen-Arien kotzender Rabe auf weissem Hintergrund … Gut, so besehen machts schon wieder Spass.

Sämtliche Plakate gibts zu fairem Preis als Weltformat, A2 oder in Form einer Postkartenserie. Am besten mal am Randweg 21 vorbeischauen oder ein Mail machen an: rabe(ät)rabe(punkt)ch

Wär isch hässig?

Milena Krstic am Freitag den 27. Januar 2017

Zuerst waren da diese Sticker, irgendwie überall in dieser Stadt: an Ampelmasten, Häuserfassaden und auf Telefonhörern. Wer ist hässig und warum?

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Rosinen: Ein Designstück aus dem Jahr 1891

Roland Fischer am Mittwoch den 4. Mai 2016

Schöne Formen – das ist natürlich eine subjektive und zeitgeschmackliche Sache. Beste Formen umso mehr. Wenn also die Berner Designstiftung das aktuelle Best-Of der Berner Designszene zum Anlass nimmt, auch eine kleine Retrospektive durch die eigene Sammlung (die bis zurück ins Jahr 1869 reicht) in den Kornhaussaal zu stellen, dann darf man sich auf einige Überraschungen einstellen.

Lieblingsfund ist dieses seltsame Objekt hier (aus einer Zeit vor Form follows function, denn eine Funktion hatten Designobjekte damals üblicherweise noch gar nicht):

Berner Jubiläumsschild

Der Berner Jubiläumsschild aus unserer Sammlung ist nicht nur ein wichtiges Zeitzeugnis für den aufkommenden Patriotismus, sondern zugleich repräsentativ für den damaligen Handwerkstil.

Oder soll man Patriotismus vielleicht hier eine Funktion nennen? Man kommt da wunderbar ins Grübeln.

Aber natürlich war man da vor allem hingegangen, um die besten Formen von jetzt zu sehen: Sabine Affolter & Katja Rüfenacht, «Dolografie. Eine Kommunikationshilfe für die Schmerztherapie», Tobias Gutmann & Kathrin Grossenbacher, «Schmetterlinge auf dem Bauch», Christian Spiess, «schräg – ein Regalsystem» (persönliches Lieblingsstück!), Judith Zaugg & Bettina Wegenast, Motion-Comic «Trollen für Anfänger», Hanno Schwab, Earlybird Skis (Eco Freeride Skis).

Die gezeichnete Stadt zum Klicken

Christian Zellweger am Freitag den 23. Oktober 2015

karte

Es sind ja patente Typen, Nikolaj Vejlstrup, Rodja Galli und Basil Anliker vom Grafik-Atelier a259.ch und in Bern kennen sie sich natürlich aus.

Das persönliche Bern – von Kultur bis Kulinarik – der drei Gestalter ist nun auf einer interaktiven, handgezeichneten Karte festgehalten. Diese stammt Lea Schneider, welche das Werk während ihrem Praktikum bei a259 für ihre Ausbildung an der Grafikfachklasse in Biel gezeichnet hat.

Wo Anliker einst Burger gewendet hat, warum Galli früher Müllmann werden wollte und wo Vejlstrup in unbezahlbaren Büchern stöbert, lässt sich auf ihrer Webseite entdecken.

Mühsam? Ach was.

Roland Fischer am Freitag den 3. Juli 2015

Bisschen heiss? Vielleicht würde sowas helfen – anziehen, nicht ausziehen:

japan-air-conditioner-jacket-3

Aber man kann sich Abkühlung natürlich auch auf die gute alte Aareart holen. Der Blick hat gestern dankenswerterweise ein kleines Forschungsprojekt im Marzili durchgeführt, mit einer Wärmebildkamera. Ergebnis: ein Aareschwumm = 15 Grad weniger, zumindest an der Körperoberfläche.

vorher

nachher

Und ansonsten empfiehlt sich passend zum Wetter den ganzen Juli über ein Abstecher in die Mühsam-Bar in der Sattelkammer oben, einer Installation von Zora B. Weil:

Es ist sehr heiss. Die ältere Dame von nebenan mag es lieber sehr heiss als sehr kalt. Ich mag lieber sehr kalt und zuhause bleiben aber sage nichts. Unser Breitengrad verlangt Heizungen und Ventilatoren. Dieses Klima ist eine reine Energieverschwendung. Kann das bitte jemand ändern! Ha ha!
Die Mail-Adresse auf den Flyern, und am Schaufenster ist falsch. Zora hat einen Wutausbruch und schreit mich an. Ich versuche durch schweigen zu beruhigen, es geht nicht. Ich sage: Wir korrigieren nichts. Es passt fast ins Konzept, dass die Mail nicht geht.

Alles sehr oberflächlich?

Roland Fischer am Samstag den 11. April 2015

Design ist überall, und Designkritik in jüngster Zeit auch, zum Beispiel in der Süddeutschen:

Der notwendige Richtungswechsel stellt das Design nicht nur vor ganz neue Aufgaben, es stellt das Design, wie wir es kennen – als Formensprache der Konsumwirtschaft, als Styling von Produkten –, im Kern infrage. Es kommt nämlich nicht darauf an, grundsätzlich falschen Produkten wie einem SUV ein gutes oder gar grünes Design zu verpassen. Sondern es geht um das Re-Design des Verhältnisses zwischen Rohstoff und Erzeugnis. Denn die heutigen Designs verbergen ja perfekt, welche Wertschöpfungsketten, welcher Ressourcen- und Transportaufwand, welche Arbeit und Energie in allem steckt, was man konsumiert.

Das heute und morgen im Progr stattfindende Design Festival Bern gibt sich da nicht so kritisch. Und weiss offenbar um die ungebrochene Anziehungskraft von Design – das Publikum bezahlt sogar Eintritt, um aktuelles Berner Kreativschaffen zu sehen. Gratis gibt es dagegen Konzerte im Hof und besondere oberflächliche Spielereien mit dem Towerbus von Manuel Berner und Marc-André Gasser. Die beiden nutzen das ehemalige Militärflugübewachungs-Gefährt als Projektionswagen für 3D-Projektionen auf Fassaden – und haben es eigenhändig mit Wandtafelfarbe bemalt, so dass auch die automobile Oberfläche immer wieder anders bespielt werden kann. Heute abend kann man das Resultat und dazu eine kurze Fassadenmalerei aus Licht betrachten.

towerbus

Psycho-Heidi & Schlächter-Geissenpeter

Milena Krstic am Sonntag den 6. April 2014

Gestern wurden an der ersten Ausgabe des «Festivals für unabhängiges Modeschaffen» Adelheid & Peter  (chez la Heitere Fahne) Unmengen von Süssigkeiten fürs Auge verteilt.

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Wobei «verteilt» das falsche Wort ist, weil mein auserkorenes Lieblingsteil CHF 360.- (soweit ich mich erinnern mag) kostete. Natürlich wird dieser Preis für die Arbeit, den Stoff und die kleine Stückzahl gerechtfertigt sein, aber ich habe das Festival dann doch ohne Kauf verlassen.

Lieblingsteil in pink-métalisée der Designerin Yana Rei.

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Schön wars trotzdem, obwohl ich mich frage, wie innovativ das ist, bei der Werbekampagne so dermassen einen auf Heimat-Idylle und Hochglanz-Bergwelt gemacht zu haben. Wie wärs mit einem Psycho-Heidi und einen Schlächter-Geissenpeter gewesen? Aber das hätte dann nicht zum Rest des Konzepts gepasst. Item.

Karneval!

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Adelheid war übrigens vor Ort und ich ärgere mich jetzt noch, dass ich sie nicht gefragt habe, ob ich sie fotografieren darf.

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