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Archiv für die Kategorie „Hip & Hop“

«Das Paléo ist wie ein 3D-Buch»

Oliver Roth am Mittwoch den 23. Juli 2014


Protokoll vom Festival in Nyon.

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(Bitte klicken Sie auf die Dateien und lassen sie diese im Hintergrund laufen, während sie den Text laut vorlesen.)

 

«Dieser Jake Bugg spielt ziemlich belanglosen Rock'n'Roll.»
«Aber er macht das toll. Nur ist kein Kontakt mit dem Publikum da, wie hinter einer Glaswand. Die Qualität ist top.»
«Ich erwarte auch, dass die Qualität gut ist, bitte sehr.»
«Er hat einfach keinen Draht zum Publikum.»
«Ist mir doch egal!»
«Gut aber herzlos. Ein Konzert zum Vergessen.»
«Nicht jeder muss mit Herz.»

«Warum sind eigentlich die Leute am Paléo weniger Prolls als am Gurten?»
«Kein Ahnung.»
«Am Gurten kommen sie von überall. Von Thun und so. Das ist mehr ein Volksfest.»
«Ja, stimmt. Hier kommen die Leute wegen der Musik.»
«Der Camping ist auch viel besser. Du kannst machen, was du willst! Nicht wie auf dem Gurten»

 

«Diese Hype-Band Jungle hat wohl nicht genug Lieder. Sie haben gerade mal 50 Minuten gespielt.»
«Ich habe nur mit einem Ohr hingehört. Aber ich sage, klar 70er Disco!»

«Welches andere Festival hat sonst schon ein Village du monde? Die anderen bringen ja nur diese Mainstream-Kacke. Etwas wie hier, zum Beispiel aus den Anden, würde bei anderen Festivals nicht reinpassen.»
«Ja, aber was haben diese komischen Schnur-Zelte mit den Anden zu tun? Ich finde das irgendwie überhaupt nicht passend.»
«Ich verstehe das total, das sind halt Schnurberge!»

 

«Ich bin froh, wirkt MIA so sympathisch. Ich respektiere sie sehr als Künstlerin und wäre enttäuscht gewesen, wenn nicht. Das halbe Konzert spielt sie am Gitter bei den Leuten.»
«Ich möchte sie küssen und heiraten.»
«Aber das Konzert war jetzt im klassischen Sinne nicht besonders gut.»

«Das Paléo ist wie ein 3D-Buch, das beim Zahnarzt im Warteraum liegt. Und die anderen Festivals sind der Zahnarzt. Der Zahnarzt möchte auch gerne ein Künstler sein, aber das ist er nicht. Auch wenn er in einer Steelband spielt.»

«Wow, diese DJs sind besser als jede Band.»
«Die heissen A Tribe Called Red

«Diese Kunstinstallation mit den Wohnwagen und den Dächern aus Alufolie sieht aus, als sei sie aus einem Kanye West Video.»

«Dafür, dass sie nur zu zweit auf der Bühne stehen, rocken diese Black Keys ganz schön. Die Qualität ist krass gut.»
«Stell dir mal vor du sitzt an diesem Schlagzeug und haust diese unglaublich lauten Schallwellen in die Menge raus.»

«Das Magret-Sandwich ist ganz klar das Beste, was du auf der Passage essen kannst.»
«Ich muss ja jedes Jahr dieses eine Pad Thai essen. Jetzt finde ich es nicht mehr, sie haben irgendwie die Essensstände umgestellt.»

«Ich schlafe nie wieder in einem Zelt. Im Wohnwagen bist du wie in einer Glasglocke – wunderbar!»

«Dieser Gesaffelstein bringt nicht wirklich geilen Sound.»
«Nein, aber es flasht.»

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Das Paléo Festival in Nyon läuft noch bis am Sonntag, 27. Juli 2014. Das Festival ist ausverkauft. Es gibt jedoch täglich noch 1'500 Tickets bei Ticketcorner und auf der Festivalseite.

Vorher-Nachher mit Lo & Leduc

Milena Krstic am Samstag den 26. April 2014

Nach drei Gratis-Alben haben Lo & Leduc  nun ihr erstes offizielles Album «Zucker fürs Volk» veröffentlicht - und Freitagnacht im Bierhübeli getauft. KSB hat sich in den Backstage-Bereich geschlichen, um ein Vorher-Nachher-Experiment mit den Berner Lokalhelden zu wagen.

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Lo (links) und Leduc, abgelichtet im Backstage.

← Vor und

unmittelbar nach dem Konzert →

 

Auf dem Foto sieht man es vielleicht nicht so krass, aber die Jungs haben geschwitzt. Ich schwöre es! Die sehen sogar nach einem zweistündigen Konzert und maximaler Verausgabung immer noch aus wie Traumschwiegersöhne. Gleich zwei Abende hintereinander füllen sie das Bierhübeli. Der zweite Streich folgt heute Nacht. Wer hingeht: Es wird ein Fest! Versprochen.

Auf Brocki–Tour

Milena Krstic am Donnerstag den 27. Februar 2014

Mixtape FrontEs geschah auf einer meiner Brockenstuben-Touren durch Bern. Da habe ich ein Mixtape gefunden, gebrannt auf CD. DJ Funkmaster Flex - fragen Sie nicht, ich kenne ihn auch nicht - hat ein paar Tracks zusammengetragen, und dazu ein eigenes Cover gebastelt. Darauf abgebildet, zwar klitzeklein, aber immerhin: ein Snowboarder. Das weckte Erinnerungen. Zum einen FUNK, zum anderen SNOWBOARD.

Ich war gefährlich jung und meine erste grosse Liebe liebte den Funk und fuhr Snowboard. Er war es schliesslich, der mir Prince näher brachte (he still makes me dance).

Die Verkäuferin hat mir DJ Funkmaster Flexs CD geschenkt, da sie «gebrannt» sei. Ich dachte dann so bei mir, dass die wilden Zeiten des Meisters vorbei sein mussten, denn mit CDs legt heute kein DJ-Mensch mehr auf. Ist er in ein Reihenhaus am Stadtrand gezogen und hat mit Plunder gefüllte Kisten zur Heilsarmee-Brockenstube im Breitsch gebracht?

Viele Fragen und noch viel mehr Trouvaillen, über die man Geschichten zusammendichten könnte. Vielleicht eröffne ich auch eine neue Rubrik, «Auf Brocki-Tour» oder so. Aber das weiss ich jetzt noch nicht. Das ist ja erst mein Anfang hier.

Mixtape FlipsideOh, und sehen Sie, ein Auszug aus der Trackliste des DJ Funkmaster Flex (leider ohne Prince):

Biz Markie - Make The Music With Your Mouth

DJ Cool - 20 Minute Workout

Run-D.M.C. - Peter Piper

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Mit diesem Beitrag begrüssen wir Frau Krstic auf unserem kleinen Kulturstatt-Dampfer. Herzlich Willkommen!

Plattenkiste Vol. 38: Young Fathers

Benedikt Sartorius am Donnerstag den 6. Februar 2014

Die dritte Platte des Jahres in der Plattenkiste: Die Young Fathers mit «DEAD».

dead Wenn das Pop-Koordinatensystem gesprengt wird, landet man derzeit in Edinburgh. Dort, in der schottischen Hauptstadt, wohnen die drei Mitglieder der Young Fathers, die nach den beiden Mixtapes «Tape One» und «Tape Two» nun ihr Debütalbum «DEAD» veröffentlichen.

Die Platte ist in Europa auf Big Dada und in den USA auf Anticon erschienen und damit auf den Labels, die Rap und Hip-Hop im Untergrund weiterdenken. «DEAD» passt grossartig in diese furchtlosen Labeltraditionen, die in den vergangenen Jahren auch arge Schwächephasen erlebten. So gibts eine kurze, überaus dichte Platte zu bestaunen, die – bei allen Fusionen und Amalgamisierungen – den lustigen und knalligen Anything-Goes-Schüttelbecher überwindet

Verantwortlich für diese Gegenwartsmusik sind Alloysious Massaquoi, Kayus Bankole und 'G' Hastings, «three young men from Edinburgh and Nigeria and Liberia, all at the same time». Die drei mischen auf ihrem Debüt rabiate Raps, Gospelgesänge, Poprefrains, ganz tiefe Bässe, listige Instrumente und verschraubte Beats zu einem frenetischen und dringlichen, beunruhigenden und auch tröstenden Welt-Soundtrack.

«Come here and do the right thing//Get up and have a party», singen die Young Fathers in der Single «Get Up», doch gleichzeitig zur Party klingen hier Unruhe, Krieg, Hoffnung und Heimatlosigkeit an. Man könnte auch sagen: «DEAD» ist der widerspenstige Soundtrack zum Jetzt.


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Young Fathers: «DEAD» (Big Dada). Konzerte: 21.2., Palace, St. Gallen; 22.2., Fri-Son, Fribourg

Berner Battle

Benedikt Sartorius am Mittwoch den 4. Dezember 2013

Derzeit wird in der Berner Hip-Hop-Landschaft ein Battle ausgetragen. Protagonist ist der Rapper Tommy Vercetti, der auf dem neuen, gemeinsam mit Dezmond Dez eingespielten Album «Glanton Gang», einen Diss in Richtung Erfolgsmann Knackeboul schickt. Es geht um die mittlerweile viel zitierte Zeile «Dr Knack dä Hueresohn macht üsi Arbeit zumnä Witz, verharmlost aues wi d’Kommentarinnä-Bitch». Die Diskussion um diese Zeile, die auf Knackebouls Moderatorentätigkeit in der Sendung «Cover Me» abzielt, entbrannte am Donnerstag auf dem Sender Joiz. Wir schauen mal rein in die Diskussion:

Hier gibts eine Einschätzung, auf den Facebook-Walls häufen sich noch immer die Beiträge, kurz: eine bessere, wenn auch höchst zwiespältige Promo für die Platte «Glanton Gang», die am 21. Dezember im Bierhübeli getauft wird, gibt es kaum.

Hochleistungs-Hochstapelei

Christian Zellweger am Montag den 26. August 2013

Es gibt Geschichten, die klingen zu gut, um wahr zu sein. Öfters sind sie dann auch tatsächlich gar nicht wahr. Eine Maxime, die sich immer wieder bestätigt, gerade bei unglaublichen Storys, die einem irgendwo in diesem Internet begegnen. (Kleines Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Das Hochhaus im spanischen Benidorm, bei dessen Planung angeblich der Lift vergessen gegangen sein soll. Unglaublich? Stimmt auch gar nicht.)

Diese unglaublich gute Geschichte hier scheint aber zumindest auf den ersten Blick zu stimmen.

snb

Sie geht so: Zwei verschuldete Studenten aus der schottischen Provinz fahren im Fernbus nach London. Hier hoffen sie, mit ihren Rap-Skills gross rauszukommen. Das einzige, was man für die sie übrig hat, ist aber die Beschmähung als "rappende Proclaimers".

Die Beleidigung sitzt tief und so beschliessen die Nachwuchs-Eminems, es dem ganzen Business so richtig zu zeigen.

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Eine kleine Ehrenrettung

Christian Zellweger am Dienstag den 16. Juli 2013

Eine kleine Ehrenrettung für das Programm des Gurtenfestivals: Böse Zungen behaupten jedes Jahr aufs neue, das Gurtenfestival würde sich nicht ganz auf der Höhe der Zeit befinden. Vergleicht man aber das Openair mit den zwei anderen musikalischen Gemischtwarenläden diesseits des Röstigrabens, dem Openair St. Gallen und demjenigen in Gampel, zeigt sich erstaunliches: Das Gurten-Programm ist das aktuellste.

Um den Gurten so gut dastehen zu lassen, muss man sich fragen: Wann haben die jeweils vier Headliner der Hauptbühne ihr letztes Studioalbum veröffentlicht? Und kommt zu folgendem Schluss:

Am Gurten:
Volbeat: 2013
Die Toten Hosen: 2012
Smashing Pumpkins: 2012
Die Fantastischen 4: 2012

Am Openair St. Gallen:
Die Antwoord: 2012
Biffy Clyro: 2012
Kings of Leon: 2010
Die Ärzte: 2012

Am Openair Gampel:
Billy Talent: 2012
Tenacious D: 2012
Xavas: 2012
Max Herre: 2012

Etwas ungelenk visualisiert wird es klar: Das Gurtenfestival schwingt obenaus!

Voilà. Auf vier sonnige Tage am zeitgeistigsten Gross-Festival der Deutschschweiz.

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Zugegeben: Einen Haken hat die Sache: Die 2012-er-Veröffentlichung der Fantastischen 4 ist «nur» ein MTV-Unplugged-Album. Aber da sie ebenfalls unplugged kommen, solls gelten.

Plattenkiste 35: Digable Planets

Benedikt Sartorius am Mittwoch den 10. Juli 2013

Für einmal schauen wir zurück in der Plattenkiste – dank der Neuauflage von «Blowout Comb» von den Digable Planets.

Kanye Wests «Yeezus» und Jay-Zs «Magna Carta Holy Grail» bestimmen derzeit die Berichterstattung in Sachen Hip-Hop. Unsereiner bleibt derweil noch immer im Jahr 2011 hängen, im Jahr, als Shabazz Palaces um Palaceer Lazaro ihre fantastische Platte «Black Up» veröffentlichten. Damals, ja, war mir das zu roh und minimal, doch seit ihrem palaststürmenden Auftritt in St. Gallen kratzt diese Platte immer wieder alles raus.

Zwanzig Jahre vor Shabazz Palaces war Palaceer alias Ishmael «Butterfly» Butler Teil des Hip-Hop-Trios Digable Planets. Deren zweites Album «Blowout Comb» (1994) ist nun in einer Vinyl-Nachpressung neu erschienen – und so dreht die Platte auf dem Teller des Nachgeborenen erst seit kurzer Zeit ihre beeindruckenden Runden. Geschmeidig, nie aber seicht, ist die mit diversen Jazz-Samples infizierte Rap-Spielart der Digable Planets auf dieser ausgesprochenen New-York-Platte. Die Sprechgesänge sind nie nach vorne gemischt, sondern scheinen in den Beats und Melodien mitzuschwingen, Hits wie «Rebirth of Slick (Cool Like Dat)» fehlten zum Kummer der damaligen Plattenfirma völlig, kurz: es ist ein geschlossenes Album, das nahtlos fliesst, und das Trio an Grenzen brachte, wo es schliesslich für die Band nicht mehr weiterging.

Derweil dreht Ishmael Butler als Palaceer Lazaro weiter seine ganz eigenen Kreise: Das Blackness-Konzept, das auf «Blowout Comb» noch merklich von der Black-Panther-Ästhetik geprägt war, ist bei Shabazz Palaces einem hochverschlüsselten Afrofuturismus gewichen, während in seinem neuesten Meisterwerk die Vorlage auch für Animal-Collective-Superfreunde nur schwer zu erkennen ist.

Bern gepresst: Hot Jam & Luana Records

Till Hillbrecht am Donnerstag den 6. Juni 2013

Es ist immer wieder eine Freude, wenn Bern einen Teil zum konstant wachsenden Vinylmarkt beiträgt - es geschieht selten genug. Umso schöner, wenn man gleich von zwei Fällen berichten kann. In diesem Sinne geht’s hier auch weniger um eine Plattenrezension als vielmehr um einen guten Moment, die Labels in Szene zu rücken.

Im ersten Fall handelt es sich sogar um das Stell-Dich-Ein des neuen Berner Labels HOT JAM. Es hat sich klar den Gefilden um die in Chicago und Detroit geborenen Deep House-Music verschrieben. Auf der ersten EP geben Matto & Matsuki vor, wie die erklärte Musikidentität des Imprints zu klingen hat: Puristische, analoge, reduzierte Grooves bei maximaler Discoattitüde. Oder wie vor kurzem Matsuki spätnachts gesagt hat: «Hot Jam muss einfach nach Jack-Sound klingen.» Wichtig zu wissen: Mit «Jack» ist nicht etwa Whiskey-Musik zum Mitlallen gemeint. Der Begriff weist auf den epochalen Bezug zur amerikanischen, elektronischen Clubmusik der späten Achtziger hin.

Luana Records hat hingegen schon einen eindrucksvollen Katalog vorzuweisen: Zwischen 2010 und heute hat der Inhaber Le Copain Pale beachtliche zehn 7"-Singles (davon 3x in Grau, 1x in Orange, 1x in Weiss, 1x in Blau und 4x in Schwarz), drei 10"-Platten und geschlagene drei Alben (1x Vinyl und 2x Kassetten) herausgebracht. Die Künstler darauf sind kaum Berner (vielleicht sogar nie - man weiss es nicht genau), selten Schweizer, sondern fast immer von Welt. Gerade erschienen auf Luana Records: «Wisdom Comes Through Struggle» von Valance Drakes. Ob mit Struggle, dem englischen Wort für Kampf, das harte Business eines Plattenlabels gemeint ist? Schwierig herauszufinden, denn es handelt sich dabei um drei rein instrumentale Cuts - was nicht weiter verwunderlich ist, den Luana bringt ausschliesslich Instrumentals raus - oder zumindest zu 99.9% (Zitat Le Copain Pale: «Auf einem Tape hat es irgendwo Raps drauf»). Die EP des jungen Engländers ist eine verspielte Downbeat-Angelegenheit, deren Struktur zwischen klaren Grooves und abstrakten Knisterei-Geflechten pendelt. Dem ersten Track hört man den britischen Club-Ursprung noch rudimentär an, die zwei weiteren entziehen sich jeglicher vernünftigen Genre-Beschreibung. Es bleibt zu sagen: Verspielt, aber nicht verschnörkelt - im positiven Sinne.

Die Nostalgie von morgen

Nicolette Kretz am Mittwoch den 5. Juni 2013

Nun traut man sich ja langsam endlich ein bisschen, an den Festivalsommer zu denken. Das kürzlich erschiene Belluard-Programm lässt die Vorfreude jedenfalls steigen. Es wird eine ganz besondere Ausgabe des Festival Belluard Bollwerk International in Fribourg werden, denn es ist zugleich das 30. Jubiläum wie auch die letzte Ausgabe, der derzeitigen Leiterin Sally De Kunst. Das Festival vom 28. Juni bis 6. Juli läuft sodann auch unter dem passenden Motto «Future Nostalgia».

Das Programm zeichnet sich wieder durch viel Spartenübergreifendes und schwer Klassifizierbares aus. Da stechen z.B. einige workshop-artige Veranstaltungen ins Auge wie «tools for the next revolution» bei dem man von Christoph Wachter und Thomas Jud, wie man Mobiltelefone, ohne auf Mobilfunk-Anbieter zurückzugreifen, zu einem Netzwerk verbindet. Oder man bastelt sich mit dem Domestic Science Club in «Big Fat Failed Beginnings» seine ganze persönliche Urkatastrophe.

Doch auch die Bühnenstücke sind dieses Jahr wieder ebenso vielfältig wie vielversprechend: Der relativ durchgeknallte bulgarische Performance-Künstler Ivo Dimchev präsentiert seine Diva-Figur «Lili Handel», die zwischen urkomisch, schräg und bemitleidenswert tragisch changiert. Ein ziemlich abgefahrener Trip. «Jake & Pete’s Big Reconciliation Attempt for the Disputes from the Past» ist wunderbarstes Physical Theatre der beiden Brüder Jakob und Pieter Ampe übers Geschwister-Sein. Sehr rührend und lustig!

Es gibt noch vieles, vieles mehr zu entdecken in Fribourg. Am besten sucht man sich einen beliebigen Abend aus und schaut sich alles an, was dann läuft. Dazwischen geniesst man im schönen Festivalzentrum den Sommer. Zum Schluss spielt nochmals Reggie Watts auf, der auch schon am Belluard zu Gast war. Diesmal spannt der MC, Beatboxer und Comedian allerdings mit einer Konstellation aus lokalen Musikern und vielen Gästen zusammen. Das wird zweifellos eine grosse Sause.