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Archiv für die Kategorie „Folklore & Unterhaltung“

Boui-Boui: Liebeserklärung an ein Festival

Milena Krstic am Dienstag den 26. August 2014

... und ein Nachtrag.
Es gibt unendlich viele Gründe dafür, Musikerin zu sein  (und mindestens so viele dagegen, aber dazu ein anderes Mal mehr). So kann es passieren, dass man an zuvor noch unbekannten Orten landet und die Aussicht beim nachmittäglichen Soundcheck diese hier sein kann:

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Gut im Schwung

Roland Fischer am Sonntag den 10. August 2014

Ja, auch Volkstum kann heute Guerilla sein (wie die BZ findet). So richtig widerständig wollte einem das gestern allerdings nicht vorkommen, an der Bolligenstrasse, das Sägemehlrund und die standesgemäss aus Paletten und Dachlatten improvisierten Tribünen. Hipsterschwingthing würde man es vielleicht nennen, wenn es in Bern denn richtige Hipster gäbe. So war es einfach ein sehr gemütlicher Samstagnachmittag und -abend zwischen Autobahn und Tramdepot, mit ein paar richtig Bösen im Zentrum und einer Nähe zum Geschehen, die tatsächlich eine Ahnung davon vermittelte, was da an Emotionen steckt im Nationalsport: Wenn er andere aufs Kreuz legen kann, dann packt er gern zu, der Schweizer (und die Schweizerin natürlich auch, es kämpften auch ein paar böse Frauen).

schwingfestUnd weil alles ganz wie auf dem Land war, gab es für den Obenaus-Schwinger auch nicht einfach nur Ruhm und Ehre, sondern einen echten Läbigpreis, für den sich hoffentlich dann ein Plätzchen im Garten finden wird:

Hämpu

«Das Paléo ist wie ein 3D-Buch»

Oliver Roth am Mittwoch den 23. Juli 2014


Protokoll vom Festival in Nyon.

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(Bitte klicken Sie auf die Dateien und lassen sie diese im Hintergrund laufen, während sie den Text laut vorlesen.)

 

«Dieser Jake Bugg spielt ziemlich belanglosen Rock'n'Roll.»
«Aber er macht das toll. Nur ist kein Kontakt mit dem Publikum da, wie hinter einer Glaswand. Die Qualität ist top.»
«Ich erwarte auch, dass die Qualität gut ist, bitte sehr.»
«Er hat einfach keinen Draht zum Publikum.»
«Ist mir doch egal!»
«Gut aber herzlos. Ein Konzert zum Vergessen.»
«Nicht jeder muss mit Herz.»

«Warum sind eigentlich die Leute am Paléo weniger Prolls als am Gurten?»
«Kein Ahnung.»
«Am Gurten kommen sie von überall. Von Thun und so. Das ist mehr ein Volksfest.»
«Ja, stimmt. Hier kommen die Leute wegen der Musik.»
«Der Camping ist auch viel besser. Du kannst machen, was du willst! Nicht wie auf dem Gurten»

 

«Diese Hype-Band Jungle hat wohl nicht genug Lieder. Sie haben gerade mal 50 Minuten gespielt.»
«Ich habe nur mit einem Ohr hingehört. Aber ich sage, klar 70er Disco!»

«Welches andere Festival hat sonst schon ein Village du monde? Die anderen bringen ja nur diese Mainstream-Kacke. Etwas wie hier, zum Beispiel aus den Anden, würde bei anderen Festivals nicht reinpassen.»
«Ja, aber was haben diese komischen Schnur-Zelte mit den Anden zu tun? Ich finde das irgendwie überhaupt nicht passend.»
«Ich verstehe das total, das sind halt Schnurberge!»

 

«Ich bin froh, wirkt MIA so sympathisch. Ich respektiere sie sehr als Künstlerin und wäre enttäuscht gewesen, wenn nicht. Das halbe Konzert spielt sie am Gitter bei den Leuten.»
«Ich möchte sie küssen und heiraten.»
«Aber das Konzert war jetzt im klassischen Sinne nicht besonders gut.»

«Das Paléo ist wie ein 3D-Buch, das beim Zahnarzt im Warteraum liegt. Und die anderen Festivals sind der Zahnarzt. Der Zahnarzt möchte auch gerne ein Künstler sein, aber das ist er nicht. Auch wenn er in einer Steelband spielt.»

«Wow, diese DJs sind besser als jede Band.»
«Die heissen A Tribe Called Red

«Diese Kunstinstallation mit den Wohnwagen und den Dächern aus Alufolie sieht aus, als sei sie aus einem Kanye West Video.»

«Dafür, dass sie nur zu zweit auf der Bühne stehen, rocken diese Black Keys ganz schön. Die Qualität ist krass gut.»
«Stell dir mal vor du sitzt an diesem Schlagzeug und haust diese unglaublich lauten Schallwellen in die Menge raus.»

«Das Magret-Sandwich ist ganz klar das Beste, was du auf der Passage essen kannst.»
«Ich muss ja jedes Jahr dieses eine Pad Thai essen. Jetzt finde ich es nicht mehr, sie haben irgendwie die Essensstände umgestellt.»

«Ich schlafe nie wieder in einem Zelt. Im Wohnwagen bist du wie in einer Glasglocke – wunderbar!»

«Dieser Gesaffelstein bringt nicht wirklich geilen Sound.»
«Nein, aber es flasht.»

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Das Paléo Festival in Nyon läuft noch bis am Sonntag, 27. Juli 2014. Das Festival ist ausverkauft. Es gibt jedoch täglich noch 1'500 Tickets bei Ticketcorner und auf der Festivalseite.

Regenfest und Stiefeltanz

Oliver Roth am Montag den 21. Juli 2014

Am letzten Tag wage ich den Aufstieg auf den Hügel und werde von einer atmosphärisch-apokalyptischen Stimmung empfangen. Als qualme die Natur vor sich hin, zeigt sich mir ein mit Nebelschwaden verhangener Berg mit rasch vorbeiziehenden Schleierwolken.

Viele nacktbeinige, in Gummistiefel gestülpte und in halb durchsichtige Hüllen verpackte Gestalten torkeln umher: Wie Angehörige eines Geheimbundes, die sich auf einem mesoamerikanischen Hügel an ihrer Gottesstätte im Regenwald zu ihrer jährlichen Versammlung treffen.

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Bei den Sportfreunde Stiller erweisen sich denn die Lokalen nicht ganz so textsicher, was der Mann am Leitgesang aber ohne Umschweife mit Nachhilfe ausbügelt. So geht das!

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Die Davide unter den Goliath-Festivals

Milena Krstic am Samstag den 5. Juli 2014

Letztes Jahr bin ich von berufs wegen vier Tag lang auf dem Gurten herumgestolpert, nur um Ende die Gurtenbahn als Zahnradbahn zu bezeichnen, was mir viel Spott und Häme eingebracht hat (ich wurde noch ein halbes Jahr später von einem Arbeitskollegen meiner Mutter darauf angesprochen: «Bist du nicht die Journalistin, die ...»). Aber ich habe das als Zeichen gedeutet und gehe dieses Jahr nicht mehr hin. Es gibt ja Alternativen, wie etwa das GArtenfestival, organisiert vom schmucken Café Kairo, das zeitgleich wie der Güsche stattfindet und ein paar hübsche Acts auf dem Programm stehen hat:

Berns King Pepe bin ich ja sowieso Fan seit seinem charmanten Auftritt im Hauptsitz. Am Gartenfestival spielt er mit seinen Le Rex und singt sich durch eigene Versionen von Musik aus den schwunghaften 20ern.

Auch charmant ist der Hamburger Barde Gisbert zu Knyphausen: «Ich habe euch Blumen und Pralinen vom Arsch der Hölle mitgebracht.» Merci, nehmen wir gerne.

Oder schauen Sie hier, I Am In Love aus England, die wirklich schmissigen Elektro-Pop spielen. Sehr modern, sehr zeitgeistig und gut verdaulich.

Und weil aller guten Dinge drei sind: Cheyenne aus Lausanne, das Rock-Trio um eine Sängerin mit wohlig-düsterer Stimme.

Das volle Gartenfestival-Programm ist hier einzusehen.

Nicht zu vergessen: Am Schluss Festival in Thun, organisiert vom Wahrzeichen-Club der Stadt: Cafe Bar MOKKA! Da werden vor allem Liebhabende von World Music auf ihre Kosten kommen, aber nicht nur. Vom 23. Juli bis am 3. August. Wir werden berichten.

Letztens in Thun (wieder einmal)

Milena Krstic am Samstag den 21. Juni 2014

Holaduli Akut ThunIn der Stadt Thun geschah gestern Abend Magisches: In dem nah an den Bahngeleisen gelegenen Kultur- und Politzentrum Akut spielte die Band Holaduli. Die vier jungen Berner Oberländer geben schon seit Jahren Konzerte, aber auf Tonträger haben sie ihren schaurig schönen Mundart-Pop noch nicht verewigt. Und obwohl man sich Holaduli nicht in der Endlosschlaufe anhören kann (man würde ja gerne), hat die Band eine treue Gefolgschaft, die mehrstimmig mitsingt, wenn der verwegene Sänger «dSunneblueme» oder «Dr Cowboy» anspielt. Besungen werden die Planeten, das Meer («zMeer i mir isch zMeer i dir»), die Blumen und die Revolte gegen alles, was dem Gemüt nicht gut tut. Veredelt von Kontrabass, Piano und einem stimmigen Schlagzeugspiel, stimmt irgendwie alles in Holadulis Galaxie. Und weil die Stimmfarbe des Sängers an Thom Yorke erinnert, könnte man meinen, das Berner Oberland habe seine eigenen Radiohead. Der Mond kreist um die Erde? Gestern hat er für ein Weilchen die Umlaufbahn geändert und Holaduli in sein Zentrum genommen.

Ein paar Worte zum Akut: Das Akut ist eine selbstverwaltetes und unkommerzielles (Eintritt und Preise für Getränke sind frei wählbar) Kultur- und Politzentrum, das im Dezember 2013 eröffnet wurde. Es ist die Errungenschaft vom Kollektiv A-Perron, das sich seit geraumer Zeit für Freiräume in der Stadt Thun engagiert – und auch schon symbolisch das Schloss Thun besetzt hat. Die Stadt Thun hat dem Vereinskollektiv eine ungenutzte Baracke auf dem Gelände des ehemaligen Feldschlösschen-Depots zur Nutzung überlassen. Die SVP-Fraktion macht sich nun aber Sorgen darum, wie die Stadt Thun sicherstellen will, dass es nicht zu «übermässigen Störungen der Nachbarschaft, Problemen mit Gewalt und/oder Drogenkonsum» kommt. Nun gibt es aber an der Seestrasse – also praktisch vor der Haustüre des Akut - einen Strassenstrich, der seit Jahr und Tag geduldet wird. Dass dort täglich Prostituierte in Autos von Fremden steigen und garantiert einer grösseren Gefahr ausgesetzt sind als die Nachbarn, denen es aufgrund von tiefen Bässen zu laut werden könnte, stört weder die SVP noch sonst jemanden. I just don’t get it.

Bizarre Musikgenres Teil 14: Pagan Metal

Gisela Feuz am Dienstag den 17. Juni 2014

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Pagan Metal oder auch Folk Metal.

Letztes Wochenende bevölkerte eine wundersame Spezies das Greenfield Open Air. Besagte Gattung besteht aus vorwiegend jugendlichen Geschöpfen, die Schottenröcke, Wams, Gamaschen, ein wallendes Gewand oder auch mal einen Hexenhut tragen, ein Trinkhorn mit sich führen und generell gerne die Garderobe mit mittelalterlichen Accessoires aufpeppen. Der Grund für den Putz waren wohl die Bands Saltatio Mortis und Eluveitie, die beide melodischen Rock bzw. Metal mit Elementen aus der mittelalterlichen Folkmusik anreichern und entsprechend dem Genre Folk oder Pagan Metal zugerechnet werden.

Die Schweizer Band Eluveitie (etruskische Form des keltischen Wortes Helvetios, also «der Helvetier»), die im Ausland erheblichen Erfolge feiert und in Übersee so richtig grosse Stadien füllt, ergänzt ihren Death- oder Black-Metal gerne mit typisch folkloristischen Instrumenten wie Rahmentrommeln, Flöten, Fiddeln oder Dudelsäcken, wobei es nicht einer gewissen Komik entbehrt, wenn ein gestandenes langhaariges Mannsbild eine Flöte bedient. Man stelle sich den Aufriss-Spruch im Backstage vor: «Hey Baby, ich bin Flötist bei einer Metal-Band.» Die Text sind bei Eluveitie phasenweise wenig mitsingfreundlich, werden sie doch zum Teil in einer rekonstruierten Form des helvetischen Gallisch verfasst.

Die Deutschen Saltatio Mortis (lat. für Totentanz) sind zwar nicht in der ganz harten Metal-Ecke zu verorten, bedienen sich nebst der gängigen Rock-Gerätschaften aber auch gerne Instrumenten wie Schalmei, Marktsackpfeife, Mandola oder Harfe und haben sich zudem nach mittelalterlicher Manier lustige Namen wie Alea der Bescheidene, Lasterbalk der Lästerliche und Luzi das L zugelegt. Wer sich solche Musik anhört? Offenbar mehr Leute, als einem bewusst ist, ist doch das letzte Album von Saltatio Mortis namens «das schwarze Einmaleins» im 2013 auf Platz eins der deutschen Album-Charts geklettert, während Eluveitie im März diesen Jahres als erste Metal-Band überhaupt den Swiss Music Award in der Kategorie «Best Live Act» abgeräumt hat. O tempora! O mores! (In helvetisches Gallisch müssen sie das schon selber übersetzten.)

Zonen der öffentlichen Übertragung

Milena Krstic am Sonntag den 15. Juni 2014

Public Viewing. Ein ulkiger Begriff, wahlweise zu ergänzen mit «Zone». Jetzt, da die Fussball-Weltmeisterschaft stattfindet, ist die ganze Stadt zu einer Zone der öffentlichen Übertragung geworden; kein Beizli zu klein, Public Viewing Zone zu sein. Eine charmante Variante dieser Form der kollektiven Anteilnahme an einem «identitätsstiftenden Grossereignis» (ja, Wikipedia) gab es gestern Abend bei der Reitschule zu sehen:Public Viewing Cafete

Dort, wo die mit Mosaiksteinen besetzte Treppe in das kleine, verrauchte Lokal namens Cafete hineinführt, war es installiert, dieses Fernsehgerät aus einem gefühlten früheren Jahrhundert. Zu den Worten eines Französisch sprechenden Kommentators flitzten die Spieler über das Miniature-Feld. Diese Szenerie gab ein hübsches Bild ab; ein so ganz anderes als im Rest dieser öffentlichen Übertragungszone, zu der Bern geworden ist – und noch ein Weilchen bleiben wird.

Der König ist eine Königin. Sie ist schwarz.

Milena Krstic am Samstag den 24. Mai 2014

Der Besuch im Broadway Variété Freitagabend hat mich unweigerlich an die hippen T-Shirts des New Yorker Designers Dylan Chenfield erinnert. Das besonders in Rap-Kreisen beliebte Message-Shirt propagiert die Kunde:

Ich habe zwar gestern nicht Gott getroffen, aber dafür den König. Und ja, sie ist schwarz. Und sie hat eine Stimme wie Billie Holliday, oder Whitney Houston oder doch wie Nina Simone? Seit etwa fünf Jahren habe ich jede Broadway-Aufführung gesehen, aber so politisch konkret wie dieses Jahr war das Thema noch nie: «Le Königreich» heisst die diesjährige Show des «original Spiel- und Verzehrthaters», das jeden Sommer mit Wohnwägen durch die Landen zieht und in fünf Schweizer Städten eine temporäre Parallel-Welt kreiert. Während knapp vier Stunden wird das Publikum von Kleinkunst-Cracks unterhalten und showintegriert mit einem exquisiten Vier-Gang-Menu verköstigt. Nein, Zirkus ist das nicht, oder vielleicht ein bisschen, aber dann mit sehr viel Rock’n’Roll. Dieses Jahr sorgte eben genau dieser König, verkörpert von der tätowierten und gepiercten Kanadierin Sarah E. Reid, für eine Extraportion dieser Ingredienz, oft begleitet von einem hendrix’schen Gitarrenspiel des Gilbert Trefzger.

Sarah_E_Reid_Broadway_VariétéHofstaat-Regel Nummer 1: «Die Königin ist ein König», denn sie will als Mann gehandelt werden, damit man sie ernst nimmt. Wie viel Gesellschaftskritik diese Show auslösen will, lässt das Ensemble nicht durchscheinen. Am Ende ist doch alles auf Unterhaltung ausgerichtet. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was man an dieser Einstellung kritisieren sollte (sagen Sie es mir). Ich fand es schlicht cool, haben sich diese irrsinnig talentierten Freaks zusammengeschlossen, um ein zahlungskräfiges Publikum (ein Abend koststet zu recht CHF 120.-) mit ihrem Können zu unterhalten und dem Ganzen kritisches Gedankengut auf humorvolle Art und Weise beizumengen. Nebenbei verschwindet Artistin Sarah Willemin-Zürrer in einem Klavier oder windet sich um einen gigantischen Triangel. Die verschiedenen Showeinlagen passen nicht immer zusammen, aber das stört hier und an diesem Abend niemanden. Das Ambiente ist illusorisch, unwirklich und alles liebevoll gehandwerkt. Küre hatte sich besonders schick gemacht und zog seinen weissen Dandy-Hut vor dem Ensemble: «Ein Wunder, haben die nicht auch noch das WC-Papier selbst genäht.»

Die letzte Berner Vorstellung heute Abend ist ausverkauft. Ab nächster Woche gastiert das Broadway Variété in Zug. Die KSB-Autorin bereut die späte Berichterstattung.

Bizarre Musikgenres Teil 14: Khoomei

Gisela Feuz am Dienstag den 6. Mai 2014

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Heute: Khoomei oder auch Kehlkopfgesang.

Die Republik Tuwa ist im geografischen Zetrum Asiens zu finden und gehört zum Süden Sibiriens. Das Volk der Tuwa ist von mongolischer Abstammung und traditionellerweise ein Nomaden-Volk, das in Yurten lebt. Wer den Launen der Natur tagtäglich ausgeliefert ist, ist zwangsläufig auch eng mit dieser verbunden. Jeder auch noch so kleine Teil der Welt und Natur wird von den Tuwa als Fragment des Ganzen betrachtet und entsprechend gebührt jedem Stein, jeder Pflanze und natürlich auch jedem Tier und jedem Menschen Respekt. Warum dies wichtig ist, um den Kehlkopfgesang der Tuwa zu verstehen? Weil ein zentrales Ursprungs-Element dieses Gesangs höchstwahrscheinlich in der Ehrfurcht vor der beseelten Natur zu verorten ist. Spiritualität wird nämlich nicht nur in den Objekten der Natur, in Aussehen oder Orten, sondern eben auch im Klang der Dinge festgemacht. Deswegen, so die Vermutung, wurden mit dieser Art von Gesang anfänglich Tiergeräusche oder Naturgewalten wie Wind und Wasser imitiert.

Das Spektakuläre am Khoomei ist die Tatsache, dass ein Sänger seiner Kehle bis zu vier Tönen gleichzeitig zu entlocken vermag. Was spektakulär ist, schafft es früher oder später auch ins Fernsehen. So war der wohl bekannteste Kehlkopfgesang-Künstler Kongar-ol Ondar vor einigen Jahren bei David Letterman zu Gast. Welche Spiritualität sich in einem Fernsehstudio oder dank einem Album namens «Back Tuva Future» (!) einzustellen vermag, sei dahingestellt.