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Archiv für die Kategorie „Film & Fotografie“

Ein Goalie für den Sonntagabend

Roland Fischer am Mittwoch den 23. April 2014

Ok, kleiner Umweg zuerst, bevor wir zur Sache kommen:

Nicht grad eine Million, aber doch immerhin 100'000 Besucher konnte an Ostern offenbar «Der Goalie bin ig» verzeichnen, wurde gestern vermeldet. Und ich war mit für die Marke besorgt, am Montag abend. Keine Ursache, gern geschehen.

Ich hab dann mal noch nachgeschaut, ein durchschnittlicher Sonntagabend-Film auf SRF kommt auf rund eine halbe Million Zuschauer. Kann man sich natürlich fragen, welcher Zuschaueranteil schwerer wiegt. Ein wenig irritierend fand man das jedenfalls schon, wie schön der Film für seinen kommenden grossen Fernsehauftritt zurechtgemacht ist. Ecken und Kanten? Fast alle rundgeschliffen. Stolpersteine? Ein paar kleine vielleicht noch, sonst spaziert der Goalie ziemlich gemütlich und gradlinig durch seine Geschichte. Man kann sich natürlich auch fragen, ob das automatisch passiert, wenn Kunst zusammen mit zahlungskräftigen «Partnern» entsteht.

Aber ist ja gut und recht, ein solid gemachter Schweizerfilm. Und mit souveränem Spezialauftritt von Pedro Lenz himself, das ist den Eintritt allein schon wert. Etwas bemüht allerdings ist die filmische Zeitmaschine, die uns (wie im Buch) in die frühen 80er zurückschicken möchte, immer auf der Suche nach Schauplätzen und Requisiten, die dieses Früher heraufbeschwören. Als bräuchte die Geschichte dieses zeitliche Lokalkolorit, um zu funktionieren - warum kann der Goalie denn nicht durchs heutige Langenthal streifen? Was in der Literatur ein leichtes Spiel mit Erinnerungen ist, wird im Film zur Koketterie, die eher ablenkt vom Wesentlichen. Und die den Eindruck des eher Oberflächlichen dann halt noch verstärkt.

Ein Osterwochenende im Elend

Christian Zellweger am Dienstag den 22. April 2014

nakedDavid Thewlis als Johnny in Naked

Und wie haben Sie die Ostertage verbracht? Ich war eingeladen an die Dellsberger Filmtage (keine Angst, falls Sie die nicht kennen, es war «nur» ein ein wenig hochgestapelter Privatanlass mit sehr gutem Essen in einem hübschen Häuschen am Hang mit grossem Garten). Inoffizielle Klammer des Programms hätte «England von unten» sein können, standen doch Filme von Mike Leigh und Ken Loach auf dem Programm. Drei davon hab ich gesehen, und die haben sich trotz ähnlicher Thematik stark unterschieden:

- Zu Beginn der Schock: Ladybird, Ladybird von Ken Loach (1994). Dieser Film tut weh. Einer Mutter wird das Sorgerecht für ihre vier Kinder entzogen, weil sie offensichtlich nicht fähig ist, für sie zu sorgen. Als sie endlich einen Mann kennenlernt, der ihr die nötige Stabilität gibt, um das Muttersein vielleicht zu schaffen, wird den Eltern das gemeinsame Baby aber auch entzogen. Dasselbe geschieht mit dem zweiten Baby des Paares. Loach erzählt das alles ausführlich und schmerzhaft mit einem gnadenlos realistischen Blick. Die Geschichte ist wahr, und dient Loach der Anklage der bisweilen offenbar absurd agierenden britischen Social Services in den frühen 90ern. So ganz ohne Grautöne zwischen Schwarz und Weiss ist der Film, trotz versöhnlichem Ende, aber kaum zu ertragen.

- Die Atempause: Loachs Raining Stones (1993) . Ganz anders geht Loach in seinem ein Jahr älteren Raining Stones zu Werke. Auch hier geht es um Arbeitslosigkeit und Not in einer gesichtslosen englischen Industriestadt in der gerade angebrochenen Ära nach Maggie Thatcher. Es braucht einige Umwege des glücklich verheirateten Vaters mit der süssen Tochter über absurde Kleinkriminalitäten (Schafe klauen, illegales Rasen stechen um ihn weiterzuverkaufen), aber am Ende ist alles gut: Die Tochter hat das schöne, eigentlich viel zu teure Kommunionskleid, der Kredithai ist tot und der zwischenzeitlich gestohlene Van, unabdinglich für Gelegenheitsarbeiten, taucht auch wieder auf. Ein humorvolles Märchen mit Happy End vor einem düsteren Hintergrund, der jedoch nie so richtig zum Zuschauer durchdringt.

- Zum Schluss die Entdeckung (für Frühergeborene zumindest eine Wiederentdeckung): Mike Leighs Naked (1993) . In Artikeln zum DVD-Release 2011, viel zu spät, kann man lesen, dass Naked der vielleicht beste britische Film der letzten 20 Jahre sei. Es ist tatsächlich sehr beeindruckend, welche Figuren Leigh und seine Darsteller in monatelanger Vorarbeit durch Improvisation geschaffen haben. Allen voran natürlich dieser Johnny, dessen dunkle Seite, die sich vor allem in gewaltätigem Verhalten gegenüber Frauen zeigt, sich schon in der ersten Szene darlegt. Trotzdem ist Johnny im Grunde nicht unsympathisch: Intelligent, belesen und sehr, sehr witzig. So zieht er durch London, knüpft Kontakt zu allerlei Figuren, die genauso verloren sind wie er selbst, immer bissig, immer leicht verworren und immer auf der Suche nach Liebe und doch unfähig, diese anzunehmen. Gibt's auch auf Youtube, sollte man gesehen haben.

Computerliebe

Roland Fischer am Mittwoch den 9. April 2014

Sie ist gar nicht so fern, diese Zukunft, vielleicht 20 Jahre noch? Dann werden die Computer richtig reden gelernt haben, und dazu gehört dann auch, dass ihnen ein Bewusstsein wächst, das eine hat irgendwie ziemlich viel mit dem anderen zu tun (im Anfang war das Wort, oder so). «It's not just an OS. It's a consciousness» raunt die Werbung in Spike Jones' neuem Film «Her» - und dieses operating system wird sich dann bald auf einen ganz eigenen bewusstseinserweiternde Trip aufmachen, nach seiner Menschwerdung.

Konfigurieren muss der User (herrlich schusselig und weltverloren: Joaquin Phoenix) da nicht besonders viel, das System lernt schnell und passt sich an. Eine Frauenstimme gefällig? Ja, das wäre doch nett, bloss dass es dann eine so verführerische ist, damit hatte der KI-Anfänger nicht gerechnet - von nun an wird Scarlett Johansson die grosse An- und Abwesende dieses Films sein. Und da haben wir es dann wieder mal mit einem wunderbaren filmischen Erzähltrick zu tun, denn eigentlich entwickelt sich nun einfach eine Liebesgeschichte, nicht zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Mann und Frau. Und der Zaubertrick ist erst noch ein simpler, es braucht keine Special Effects, keine digitale Nachbearbeitung, bloss die Stimme einer Schauspielerin aus dem Off. Das Besondere und womöglich Unheimliche dieser Beziehung muss der Zuschauer sich immer wieder selbst klarmachen, denn vordergründig flirten da einfach zwei miteinander, und finden sich, und verlieren sich. Aber hintergründig passiert da natürlich noch einiges anderes: soll man (darf man?) sich in diese Geschichte hineinziehen lassen, geht man da ebenso wie die Filmfigur einer blossen Behauptung von Emotion auf den Leim - und: sind im Kino nicht sowieso alle Gefühle Surrogate, mehr oder weniger gut dem (echten, wahren) Leben nachempfunden?

Das ist die Ebene, die Jonze interessiert - er fragt nach dem «uncanny valley» der künstlichen Intelligenz. In der Trickfilmbranche nennt man so den ungemütlichen Ort, an dem wir derzeit feststecken: kurz vor der perfekten Nachbildung der Welt, da wo sich ein unheimliches Gefühl einstellt, weil man eigentlich nicht mehr sagen kann, was dieser künstlichen Realität noch fehlt, man aber doch untrügbar weiss, dass man es mit Computerwelten zu tun hat. Auch das OS in «Her» geht durch dieses unheimliche Tal, und wie es auf der anderen Seite herausfindet, ist vielleicht ein wenig zu dramatisch erzählt, mit etwas zu viel philosophischem Eifer. Man hätte gern gesehen, wie die beiden einfach irgendwo in einem hinteren Winkel des verwunschenen Tals glücklich werden, aber das geht natürlich nicht - oder?

Hommage an die Disco

Gisela Feuz am Mittwoch den 19. März 2014

Sie würden beide extrem gerne Musik machen, die Vermarktung sei dabei zweitrangig, erklärten Rico Baumann und Daniela Sarda alias True kürzlich in einem Interview. Dafür, dass das Berner Future-Pop-Duo der Vermarktung nicht viel abgewinnen kann, hat es sich allerdings ein verdammt chices Video zugelegt.

Für die Bebilderung der ersten Single «Vertyko» wurde eine vergnüglich futurisitsche Disko-Ästhetik kreiert, in der allerdings in Form von 70er-Jahre Glittervorhang und beachtlichen Platteauschuhen auch Tribut an den Ursprung von Disco gezollt wird. Wer sich in solchen Platteauschuhen so agil bewegen kann und dabei noch Glühbirnen-Girlanden und Amadeus-Turm-Perrücken durch die Gegend trägt, der verdient grösstmöglichen Respekt. Dieser gebührt im Übrigen auch den Regisseuren Nicole Pfister und Kapuly Dietrich, kommt das «Vertyko»-Video doch ohne auch nur einen einzigen Schnitt aus. True werden übrigens nach Jeans for Jesus als der vielversprechendste Stern am Berner Pop-Himmel gehandelt. Die KSB-Celebrity-und-Hype-Abteilung behält das Duo für Sie im Auge, werte Leser und Leserinnen.

True spielen am 4. April in der Soon Galerie ein Showcase.

Grandios verstörend: Ex-Drummer

Gisela Feuz am Samstag den 8. März 2014

«Gute Erholung», wurde einem gestern nach der Visionierung von «Ex-Drummer» im Kino der Reitschule gewünscht. Und die hatte man fürwahr nötig. Der «Feel Bad Movie» des belgischen Regisseurs Koen Mortier gehört zum Verstörendsten und Beelendensten, was Frau Feuz jemals unter die Augen gekommen ist. Trotzdem - oder gerade deswegen - sollte man ihn sich antun, sofern man ihn denn aushält.

Bereits die Romanvorlage von Herman Brusselmans, die sich Koen Mortier vorgeknöpft hat, galt als skandalös und unverfilmbar. Dabei klingt der Plott doch einigermassen harmlos: Drei verwahrloste Gestalten begeben sich im belgischen Quartier Ostende auf die Suche nach einem Drummer für ihre Band und landen dabei bei einem berühmten Schriftsteller. Das Ziel des Unterfangens ist ein einmaliger Auftritt bei einem Rockwettbewerb. So weit so gut. Was anfänglich noch mit verspielten surrealen Elementen beginnt – wundersame Rückwärtsfahrten auf dem Fahrrad und Fortbewegungen an Zimmerdecken – entwickelt sich zum düsteren, trostlosen und brutalst-möglichen Drama.

Drastischer kann man soziales Elend nicht darstellen. So überfällt der lispelnde Sänger in seiner Freizeit Frauen und schlägt diese blutig, der Bassist mit dem steifen Arm muss daheim einen Vater «pflegen», der mit einer Zwangsjacke ans Bett gefesselt ist und dabei die stets von Gewalt begleitete Promiskuität seiner Mutter mitansehen und der taube, verdrögte Gitarrist schlägt zu Hause die Ehefrau, das schreiende Kind wird mit Drogen ruhiggestellt, woran es schlussendlich stirbt. Und da ist dann noch dieser Dries, der Schriftsteller, der sich als Schlagzeuger einspannen lässt, getrieben vom Drang, das soziale Elend zu beobachten. Obwohl wirtschaftlich und sozial besser gestellt, ist der Nihilist eine der übelsten Figuren in «Ex-Drummer», weil er manipuliert, instrumentalisiert und in der Welt der Asozialen versucht, Gott zu spielen.

Tröstliche Momente im Film? Vergessen Sie es. In der Welt von «Ex-Drummer» regiert Gewalt, Exzess, Dreck und Blut. Das Delirium wird mit schnellen Schnitten und hektischer Kameraführung festgehalten, Ekel und Abscheu mit düsterer Unschärfe verdeutlicht. Der Soundtrack von «Ex-Drummer» ist allerdings grandios, haben doch Bands wie Mogwai, Millionaire, Isis und Ghinzu Songs beigesteuert.

Mit Ex-Drummer wurde gestern im Kino Reitschule die Filmreihe «Abgefahren ....» eröffnet. Im Rahmen dieser Reihe wird heute Abend Esteban Sapirs Hommage an die Stummfilmära «La Antena» gezeigt. Weiter sind das opulente Western-Epos «El Topo» (21.3.) und der ebenfalls mit viel Symbolismus ausgestattete «Montana Sacre» (22.3.) des Kultregisseurs Alejandro Jodorowsky zu sehen. Den Abschluss der Reihe macht am 28.3. «Bronson» von Nicolas Winding. Die Vorführungen starten jeweils um 21 Uhr.

Happen statt Häppchen

Roland Fischer am Donnerstag den 6. März 2014

Unter Cathy Marston gab's am Stadttheater mal ein Ballettformat namens «Carte Blanche». Der Name war Programm, und dahinter verbarg sich nicht unbedingt Konzeptlosigkeit, sondern vor allem grösstes Vertrauen in die Künstler, die eine solche Karte erhielten. Sie dankten es regelmässig mit schönen Überraschungen. Die neue Ballettchefin Estefania Miranda hat die Idee einer tänzerischen Fahrt ins Blaue mit Nachwuchstalenten übernommen, aber sie mag ihren jungen Kollegen dieses Vertrauen nicht so ganz aussprechen, hat man nach der gestrigen Premiere von «Cut - Cinema unleashes dance» das Gefühl. Ein langer, streckenweise eintöniger Abend ist es geworden, bei dem das vorgegebene Kino-Thema die Energien mitunter nicht wie gewünscht freisetzt sondern im Gegenteil eher dämpft.

Drei Filmvorlagen standen als Leitmotive zur Auswahl: «Persepolis», «Waltz with Bashir» und - äh, tatsächlich: «Ratatouille». Kein Wunder bei der Auswahl, dass letztere aus Rang und Traktanden fiel, womit man sich dann aber gleich das nächste dramaturgische Problem einhandelt: Es ist schwerer Stoff, mit dem da hantiert werden sollte, und die Jungchoreografen aus dem Ensemble gehen auch entsprechend in die Vollen. Da wird gekrampft und gelitten was das Zeug hält, es werden die ganz grossen Emotionen gesucht (und dann halt nicht immer zuverlässig gefunden). Sechs Stücke sind es, jeweils gegen eine halbe Stunde lang, das macht dann zusammen kein Häppchenbuffet, sondern ein ziemlich happiges und schwer im Magen liegendes Menu. Zweifellos, es gibt da viele wunderbare Momente, bei Martina Langmanns konziser Suche nach dem Ausdruck der Sprachlosigkeit oder bei Marion Zurbachs zartbitterer Befragung von Heimat und Fremde mittels ganz persönlicher Geschichten der Tänzer. Aber insgesamt ist der Abend viel zu überladen, als dass er den einzelnen Werken einen passenden Rahmen bieten könnte. Schade - weniger wäre wohl wieder mal mehr gewesen, und das gilt hier weniger für die einzelnen Kreationen als für die Konzeption im Ganzen.

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«Cut - Cinema unleashes dance» wird heute noch einmal gezeigt, in der Vidmar 1. Für die Tanzplattform Bern werden ausgewählte Beiträge weiterentwickelt und unter dem Titel «Next Generation» am 18. Mai 2014 präsentiert.

Cinemaniac, zweigeteilt

Roland Fischer am Dienstag den 4. März 2014

Nun ist es also von der Leine, Lars von Trier jüngstes Biest. Oder zumindest mal: eine Hälfte davon, das macht es natürlich ein bisschen weniger wild. So ein seltsamer Filmrelease war noch selten, zunächst kam die ganze Kurzversion direkt ins Kino, Ende letzten Jahres schon, aber nur in Triers Independent-Lieblingssaal in Kopenhagen, in den dann alle Filmkritiker von weither pilgerten. Und erst gut zwei Monate später hatte die unbeschnittene Version des ersten Teils ihre grosse Premiere an der Berlinale. Das hatte dann die kuriose Folge, dass beispielsweise die Süddeutsche zwei Rezensionen brachte, eine komplette (beschnittene) und eine halbe (vollständige). In der zweiten nach der Berlinale kam sich der Filmkritiker demenstsprechend etwas blöd vor, weil er nur über den halben Film reden konnte, wohlwissend, dass sein Kollege dem aufmerksamen Leser schon lange vom ganzen erzählt hatte.

Wie dem auch sei - Triers Nymphomanie ist lang, auch in der zurechtgestutzten Version runde vier Stunden. Das kann man einem normalen Kinopublikum offenbar nicht zumuten, weshalb das Ganze absurderweise in zwei Gängen serviert wird. Es gab vor einiger Zeit mal eine Polemik von einem in der Schweiz lebenden Deutschen, der das Irritierendste hierzulande die Filmpause im Kino fand, beziehungsweise unsere Angewohnheit, von der «ersten» bzw. «zweiten Hälfte» eines Films zu reden, als handle es sich um ein Fussballspiel.

Es heisst, das mit den helvetischen zwei Hälften habe weniger mit dem Filmrollenwechsel (der sich in digitalen Zeiten ja sowieso erübrigt hat) als mit der Pausenkonsumation zu tun. Und dieser Geschäftssinn wird nun bei Nymphomaniac auf die Spitze getrieben, wenn ein Film sogar in zwei Tranchen verkauft wird. Dabei ist hier überhaupt gar nichts auf eine Zweiteilung angelegt, Trier erzählt eine runde (und allerdings sehr seltsame, aber das soll man sich selber anschauen gehen) Geschichte - mit Spannungsbogen, Rahmenhandlung und allem was dazu gehört - in acht Kapiteln. Der vom Verleih eingebaute Cliffhanger nach dem vierten Kapitel ist ein kleiner Affront für den Zuschauer, der erst noch wochenlang warten muss, bis die Geschichte weitergeht. Trier war damit zwar nicht einverstanden, aber er schaffte auch keine Kurzversion, die im tolerierbaren 3-Stunden-Rahmen blieb. Also dieser faule Kompromiss.

S’Rothe Zäuerli around the world

Christian Zellweger am Dienstag den 25. Februar 2014

öseschuppel

Kennen Sie nicht, s'Rothe Zäuerli? Ein Zäuerli jedenfalls ist

ein ganz spezieller Naturjodel, welcher nur im Appenzell gesungen oder gespielt wird.

Sagt volksmusik.ch. Bald kennts die ganze Welt, das Zäuerli der Roths, gesungen von den Jodlern von Öse Schuppel und auch der Schweizer Illustrierten hats gefallen.

budapest

Verantwortlich für den Zäuerli-Hype zeichnet Wes Anderson, respektive seine Soundleute Alexandre Desplat und Randall Poster, die mit dem Jodel den Soundtrack zum neusten Anderson-Werk The Grand Budapest Hotel eröffnen. Und so kommts, dass es dieser exklusive Appenzeller-Gesang nun sogar bis zu Pitchfork geschafft hat.

Vom Film hatten wirs hier schon mal, jetzt ist der Start doch deutlich näher gerückt: Ab dem 6. März im Kino ihrer Wahl.

Schweizer Hardcore in Marokko

Gisela Feuz am Donnerstag den 20. Februar 2014

30 Stunden Material hat er durchgearbeitet und auf 80 Minuten heruntergeschnitten. Ja, die Arbeitstage und -nächte des Berner Filmemachers Johannes Hartmann waren lang in den letzten Wochen. Die Zürcher Hardcore-Band Vale Tudo hatte ihn angefragt, ob er nicht mit ihnen nach Marokko mitfliegen wolle, um dort ihren Konzert-Trip zu filmen. Da waren sie bei Metal-Fan Hartmann natürlich beim richtigen gelandet, der liess sich nicht zweimal bitten und packte Kamera und Siebensachen.

2003 waren in Casablanca 14 Leute zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, alles Mitglieder der Metal-Bands Nekros, Infected Brain und Reborn oder Freunde aus dem Umfeld dieser Bands. Die offizielle Begründung lautete, dass diese Leute mit ihrer Musik und ihrem Auftreten die islamische Religion beschmutzen und gefährden würden. Heute – 10 Jahre später – werden Metalheads in Nordafrika immer noch mit grösster Skepsis betrachtet, wie sich aus den Interviews schliessen lässt, die Hartmann mit jungen Marokkanern und Marokkanerinnen aufgezeichnet hat. «A Trip, Not A Tour – Swiss Hardcore in Morocco» zeigt aber auch, dass sich die marokkanischen Metaller nicht unterkriegen lassen und die Konzerte von Vale Tudo auf grosse Begeisterung stossen.

Ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass bei so was kein Geld herausspringen würde. Aber er kenne die Jungs von Vale Tudo schon lange und eine solche Reise sei doch ein tolles Abenteuer, so Hartmann. Und ausserdem sei er sich sicher gewesen, dass sie auch was «hergeben» würden vor der Kamera, sprich: lustig seien und man ihnen gerne zuhören würde. Sie geben fürwahr etwas her, die fünf von Kopf bis Fuss tätowierten Kerle. Vale Tudo sind in der Schweizer Hardcore-Szene bestens bekannt, haben fünf Studioalben herausgegeben, gehören mit ihren schweisstreibenden Live-Shows in die Kategorie Wildsäue und sind in Marokko auf gleich enthusiastische, emotionale und wilde Metal-Liebhaber getroffen. «A Trip not a Tour – Swiss Hardcore in Morocco» macht deutlich, dass Freitagsgebet und Rock'n'Roll durchaus vereinbar sind und zeigt, wie Musik einmal mehr als Brückenbauerin über geografische, kulturelle und religiöse Hürden dient.

A Trip, Not A Tour – Swiss Hardcore in Morocco» feiert diesen Sonntag 23. Februar 2014 im Zürcher Klub Komplex 457 Premiere. Im Anschluss gibts Vale Tudo live zu sehen. Gewinnen Sie hier 1x2 Tickets für die Premiere und das Konzert. Teilnahmeschluss ist Freitagabend 21.Februar um Mitternacht.

Kino in der Kiste

Roland Fischer am Donnerstag den 13. Februar 2014

Die Box auf dem Centralwegareal steht ja schon seit ein paar Wochen - die Wemakeit-Finanzierung ist seit kurzem auch in trockenen Tüchern. Bis Mitte April finden in der Holzbox regelmässig Veranstaltungen statt, informiert darüber wird ganz old school per Aushang direkt vor Ort.

2014-01-17 19.40.11

Ein sicherer Termin ist der Donnerstagabend, da werden jeweils Filme über Städtebau und alternative Wohnformen gezeigt. Heute abend gibt's zwei schöne Beispiele aus Zürich, mit «Labitzke und Fabritzke». Am Samstag nachmittag wird dann über die weitere Entwicklung auf dem Centralwegareal diskutiert, an der Quartierversammlung im Lorraine-Schulhaus. Hier baut das Quartier!