Archiv für die Kategorie „Film & Fotografie“

Word. Für den Sonntag

Roland Fischer am Sonntag den 25. Januar 2015

Nichts zu tun heute? Wie wär's mit einem Dokfilm über einen eher unbekannten - und sehr tragischen - Helden des Internets? Der Hacktivist Aaron Swartz nahm sich vor zwei Jahren das Leben, weil er in die ziemlich unbarmherzig mahlenden Mühlen der amerikanischen Justiz geraten war. Unlängst ist ein Film rausgekommen, der die Geschichte des Internet-Wunderkinds, RSS-Miterfinders und Autors des Guerilla Open Access Manifest aufrollt - und die Frage stellt, was da bloss schiefgelaufen ist. Sehr sehenswert.

Aus dem Manifest, das Swartz letztlich wohl das Genick gebrochen hat, weil die Strafverfolger es als Bedrohung der Rechtsordnung ansahen:

Only those blinded by greed would refuse to let a friend make a copy.

Tatsächlich war Swartz kein krimineller Hacker, sondern ein Politiker mit digitalen Mitteln - und mit einem starkem Gespür für die Ungerechtigkeiten in dieser neuen Welt. Oder wie es im Film mal heisst: «He was the Internet's own boy - and the old world killed him»

Und das schrieb der Internet-Begründer Tim Berners-Lee, als er von Swartz' Tod hörte:

Aaron is dead.

Wanderers in this crazy world,
we have lost a mentor, a wise elder.

Hackers for right, we are one down,
we have lost one of our own.

Nurtures, careers, listeners, feeders,
parents all,
we have lost a child.

Let us all weep.

Erwartetes und Unerwartetes

Roland Fischer am Samstag den 17. Januar 2015

Was ist das eigentlich, ein Musikfilm? Das Norient-Festival stellt diese Grundsatzfrage in Sachen eigenes Profil immer wieder neu, und dieses Jahr auf besonders anregende Weise. Man bringt es wohl am besten auf den sehr simplen Nenner: Filme, die irgendwie mit Musik zu tun haben - Dokumentarfilme, vorzugsweise.

Der Eröffnungsfilm gestern, Broken Song, brachte das schön auf den Punkt. Klarer Norient-Fall zunächst einmal, es ging um Rapper in Dublin, um eine Musikkulturszene, von der man sonst nicht unbedingt hört. Aber die Musik war dann nur noch insofern zentrales Element des Films, als sie Dreh- und Angelpunkt dieser zuweilen ziemlich ruppigen Schicksale ist. Die schönste dramaturgische Idee (die übrigens den Sample-Lizenzgebühren und dem schmalen Filmbudget geschuldet ist), auf pumpende Beats fast durchwegs zu verzichten und die Texte fast immer allein wirken zu lassen, in ihrer Fragilität oder auch nackten Ehrlichkeit, dreht den Film ja eher weg vom musikalischen Dokumentieren. Es ging da um Menschen, und ob sie nun zu einer Sprayerszene oder zu einer Hooligan-Gang gehörten, spielte am Ende gar nicht so eine Rolle.

Das ist nun nicht als Kritik gemeint, im Gegenteil, es macht den Reiz dieses Festivals aus. Es ist einfach aufgefallen, zumal beim Schauen des zweiten Films des Abends, der sich dann weniger für die Menschen als für ihre schrägen Gerätschaften und die ebenso seltsamen Sounds interessierte, die sie aus alten Computern, Gameboys und Ähnlichem herauslocken. Europe in 8bits - sowas würde man klassischerweise erwarten, an einem Musikfilmfestival, pädagogisch wertvolle und im besten Fall auch noch unterhaltsame Ausflüge in fremde Musikwelten. Zum Glück fänden das die Macher selber auch langweilig, immer bloss diese Erwartungen zu erfüllen.

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Das Norient-Musikfilmfestival dauert noch bis morgen abend. Sehr zu empfehlen heute abend spät das Live-Special in der Turnhalle mit Islam Chipsy aus Kairo und dem News-Rapper Xuman aus dem Senegal.

Gleich und gleich

Christian Zellweger am Sonntag den 11. Januar 2015

Diese «Kontroverse» zeigt einmal mehr: Inspiration und Kopie liegen nah beisammen.

Manchmal kann man mit gutem Willen aber nur Zufall vermuten. Zum Beispiel, wenn die in Los Angeles lebende russische Künstlerin Renata Raksha ein Video macht, das einen unweigerlich an eine Arbeit der Bernerin Chantal Michel erinnert. Aber sehen Sie selbst:

«Pour Auguste» – Chantal Michel, 2010
ChantalMichel

Purity Ring – «push pull», Artwork by Renata Raksha, 2014

Oder gibt es eine Verbindung zwischen den Künstlerinnen? Oder sie beziehen sich beide auf ein weiteres Werk?

Xavier Dolan ist ein Sauhund

Roland Fischer am Samstag den 3. Januar 2015

So, gleich weiter mit den Jahresrückblicken, man kann nämlich getrost auch schon 2015 abschliessen, aus cinematographischer Sicht - sobald man Xavier Dolans Mommy gesehen hat. Nach diesem Hurrican von einem Film kommen ziemlich sicher nur noch laue Lüftchen.

Während alle Kino-Masochisten sich auf den neuen Seidl freuen, um sich wieder mal so richtig elend fühlen zu können, weil sie ja im tiefsten ehrlichsten Grund so elend ist, diese Welt, während sich alle also diesen Fremdschauder holen (denn bei Seidl geht's ja eigentlich nie um uns, sondern um den hässlichen Bodensatz, über den wir uns schaudernd dann doch ein wenig erheben), haut uns Xavier Dolan einfach sehr direkt und ungekünstelt eins in die Fresse. Nein, nicht nur eins, man sei gewarnt: dieser Film macht einen fertig, er beutelt einen zweieinhalb Stunden lang, Magengrube, Nierengegend, Kinnhaken, und wieder voll in die Weichteile - Dolan ist ein verdammtes Schwergewicht, und dabei ist er doch erst 25 Jahre alt. Und er ist ein frecher Hund, ein tänzelnder Heisssporn, der keinen Respekt und vor allem keine Angst vor der grossen Leinwand und den grossen Gefühlen hat. Er fordert gleich alles heraus: uns, das Kino an sich, alle möglichen Vorreiter, alle Konventionen und Gepflogenheiten des Genres. Wie Dolan allein mit dem Bildformat herumspielt ist eigentlich eine Unverschämtheit und würde von jedem Filmdozenten verboten. Zum Glück braucht Dolan keine Lehrer mehr.

Das könnte also gehörig schief gehen, diese Geschichte um eine Mutter, die nicht so viel Feingefühl und Sinn für gesellschaftliche Kriechereien hat, aber dafür einen umso derberen Wortschatz und vor allem umso mehr Liebe für ihren Sohn - der trotzdem zuverlässig auf die schiefe Bahn gerät. Oder: diese Geschichte um einen Sohn, der nicht versteht, was die schlicht viel zu kleinkarierte und enge Welt von ihm will, der liebt und um sich schlägt und der damit alle vollkommen ohnmächtig macht (auch den Zuschauer). Könnte schiefgehen, aber: diese Wildsau von Regisseur macht einfach alles richtig, man weiss nicht recht wie - man würde ihn ja nicht ungern auf die Schnauze fallen sehen, so grossspurig ist das alles, aber er fällt nicht. Und seine Schauspieler gehen das gewagte Spiel mit und machen ihre Figuren fast überlebensgross, so dass man am Schluss nicht mehr recht weiss, war das jetzt eine fein beobachtete Gesellschaftsstudie aus den kanadischen Suburbs oder griechischer Mythos. So oder so: muss man gesehen haben. Man wird noch oft daran denken, im weiteren Laufe des Kinojahres.

Überdosis

Oliver Roth am Mittwoch den 24. Dezember 2014

Interstellar haut rein. Er haut so krass rein, dass man noch ein paar gute Stunden nach dem Film kaum mehr klar denken kann. Er ist eine Wucht!

Vielleicht denkt der eine oder die andere: Schon wieder so ein Science-Fiction Film. Schon wieder steht die Erde vor ihrem Untergang und ein paar wenige müssen sie retten. Ja, das stimmt. Aber Interstellar ist sich seiner Tradition bewusst (Referenzen z.B. an 2001: A Space Odyssey) und ist noch etwas mehr als ein normaler Weltraumfilm.

Für das Drehbuch stand dem grossen Übertreiber des Kinos unserer Zeit, Christopher Nolan, der theoretische Physiker Kip Thorne zur Seite. Der Plot beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen – etwa auf Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie (die Physiker streiten) und die Handlung nimmt die Umweltkatastrophen von 1930 in den USA, die als Dust Bowl in die Geschichte eingingen als Ausgangslage. Über die Erde wehen Staubstürme und die Menschheit kann nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt werden. Ein Team von Astronauten reist in eine andere Galaxie, um einen neuen bewohnbaren Planeten zu finden, während auf der Erde die Menschheit um ihr Überleben kämpft. interstellar-ice

Nolan schichtet und türmt seine Geschichte zu einer kulturellen Überdosis, die sich in stimmig-plausibler Weise auf uns niederschüttet. Mit hämmernder orchestrierter Musik, den bekannten Nolanschen Überbildern und manchmal nervenaufreibender Spannung schöpft der Film ohne 3D-Effekte alles aus, was das Kino heute leisten kann. Es sind diese, sich potenzierenden Umstände und Stilmittel von wissenschaftlichen Grundlagen, allzumenschlichem Verhalten, visuellen Eindrücken, kurz: die Potenzierung von Kultur, die den Film so heftig wirken lassen.

Der Film läuft in Bern im Kino Splendid 2 jeweils um 14:00 und 20:15 Uhr.

Shnit! Cut! Cut!!

Roland Fischer am Donnerstag den 18. Dezember 2014

Was, Shnit? Bitte, das soll schnell jemand aufklären. Das kann doch nicht wahr sein, was man bei der Mannschaft drüben liest.

cut

Man hat vielleicht gelesen von der unsäglichen behördlichen Aktion gegen ein Schwulenbad in Kairo anfangs Dezember - sehr billiges politisches Ablenkungsmanöver, das Land hat nun wirklich andere Probleme. Noch unsäglicher war die Beteiligung eines regierungsnahen Fernsehsenders, der gleich vor Ort war und sich als Pranger nützlich machte. Lassen wir der FAZ das Wort:

Die Bilder waren aufrüttelnd: Zwei Dutzend nackte Männer, die Hände vors Gesicht geschlagen, werden von ägyptischen Polizisten in einen Mannschaftswagen gepfercht. Das war zu Beginn der Woche, als die Beamten die Männer abends aus einem Hamam zerrten und wegen angeblicher Verstöße gegen die Sittengesetze des nordafrikanischen Landes festnahmen. An Ort und Stelle dabei war die Reporterin eines staatsnahen Fernsehsenders, der die Bilder der Gedemütigten unverzüglich auf der Facebook-Seite der Sendung „Al Mestakhabi“ („Die Versteckten“) veröffentlichte.

„Al Mestakhabi ist es gelungen, einen Verschlag dichtmachen zu lassen, in dem Männer Sex miteinander hatten. Sie wurden alle auf frischer Tat ertappt“, brüstete sich die Journalistin Mona Iraqi und sprach vom „größten Sündenpfuhl für Gruppenperversion in Kairo“. Als willige Helferin des Regimes von General Abd al Fattah al Sisi, der in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit und des Krieges gegen bewaffnete Islamisten auf der Sinai-Halbinsel verzweifelt auf der Suche nach Legitimität ist, steigerte Iraqi mit ihrem Filmbericht nicht nur die Einschaltquote - sie unterstützt so auch die Sittenkampagnen der Regierung.

Und nun kommt's: Mona Iraqi ist Chefin (oder «Playground»-Managerin, wie das im Shnitspeak heisst) von Shnit Kairo! Oder war es zumindest bis vor kurzem. Hier die kleinlaute Stellungnahme der Shnit-Leitung:

The festival is exclusively an art event that does not support any political movements. We strongly believe in freedom of lifestyle and of expression and we condemn the violation of human rights in any form. [...] Regarding the events of December 7 in Cairo; out of respect towards all parties involved, we must refrain from commenting in detail until our own investigation, as well as the investigation undertaken by Egyptian authorities, bring forth clear and definite findings. [..] At the moment the collaboration with Mona Iraqi is on hold until the situation is clarified.

Das ist alles, Shnit? Das ist echt alles?

19.12., update: Allem Anschein nach war Mona Iraqi nicht einfach vor Ort, sondern war beim Ausheben des «Sündenpfuhls» federführend und hat selber die Polizei informiert. Die Motivation der «Journalistin» ist offenbar ein kruder und unverhohlen homophober Anti-AIDS-Kampf.

Netflix ist da…

Oliver Roth am Donnerstag den 11. Dezember 2014

... und es ist gut. Das soll kein Werbebeitrag sein, aber eine Kurzbesprechung, denn: Serien sind die neuen Filme! Und es ist ja Winter und wir verlassen das Haus nicht mehr. Die Streaming-Plattform ist seit rund zwei Monaten auch in der Schweiz verfügbar und die EidgenossInnen können ab dem Dumpingpreis von CHF 11.90 unbeschränkt audiovisuellen Stuff laden. Das amerikanische Unternehmen, das zunächst als gute alte Videothek funktionierte und DVDs nach Hause verschickte, mausert sich seit 2007 zu einem online-Giganten – die Serie House of Cards wird beispielsweise direkt von Netflix selber produziert. Diese Serie schaue ich unter anderem während meinem ersten gratis Testmonat.

Und es funktioniert überraschend gut. Kaum Ladezeiten, das System merkt sich, bei welcher Folge ich gerade bin und empfiehlt mir andere, ähnliche Serien nach meinem Geschmack. Ich schaue auch Dexter und habe der Nostalgie halber wieder mal Dragon Ball gefeiert. Wer zudem einen Apple TV oder eine Playstation besitzt kann sich Netflix einfach auf diese Geräte installieren – die Einbettung funktioniert extrem flüssig. Abzüge gibt’s für das noch eher überschaubare Angebot auf dem Schweizer Markt (z.B. einige qualitiy series von HBO wie The Wire oder Girls fehlen), plus für die fehlende offline-Funktion. Netflix ist in diesem Punkt strikt und zieht seine Verbundenheit zum Direktstream und dem damit verbundenen Fernseh-Live-Effekt restriktiv durch. Schön sind die sehr einfache und aufgeräumte Handhabung und, dass am Ende jeder Folge einer Serie nach 12 Sekunden direkt die nächste Folge automatisch startet. Der Tod für jeden Serienjunkie!

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Das düstere Universum des HR Giger

Gisela Feuz am Dienstag den 9. Dezember 2014

Mitten im pulsierenden Zürich-Oerlikon steht es, dieses Haus von Hansruedi «HR» Giger, dem Schöpfer zahlreicher düsterer Bilder, Visionen, Zeichnungen und Skulpturen. Auf seine ganz eigentümliche Weise ist Gigers Wohnsitz eine Art Oase, wenn auch eine Oase der etwas andern Art. Vom Keller bis unters Dach vollgestopft mit Büchern, Möbeln, Skulpturen, Kunstwerken, Arbeitsmaterialen, Schädeln und sonst allerlei düsterem Krimskrams, vom Sonnenlicht abgeschirmt und ausgestattet mit einer hauseigenen Mini-Geisterbahn bleibt kaum ein Zentimeter frei in diesem dämmrigen und gespenstischen Wohnuniversum. Gigers Haus ist denn auch zentral in Belinda Sallins Dokumentarfilm «Dark Star - HR Gigers Welt», in welchem die Zürcherin ein sensibles Portrait über das Leben und Wirken von HR Giger entwirft. Kurz nach den Dreharbeiten verunglückte dieser in seinem eigenen Haus und schied im April diesen Jahres im Alter von 74 Jahren aus dem Leben.

Schon als kleiner Bub hob sich Hansruedi offenbar von anderen ab bezüglich seinem Umgang mit den eigenen Ängste. Mit sechs Jahren bekam er von seinem Papa, einem Apotheker, einen Totenschädel geschenkt und um zu beweisen, dass er keine Angst vor dem Tod habe, zog er diesen fortan wie einen Spielzeughund an einer Leine auf der Strasse hinter sich her. Giger erklärt in «Dark Star», dass es seine ureigenen Ängste seien, die er in seinen Kunstwerken verarbeite und dass er ihnen damit die Macht nehme. Die Motive, welche sein ganzes Schaffen durchziehen, sind denn auch stets die gleichen: Geburt, Sexualität und Tod. Sein bio-mechanischen Wesen sind unheimlich und doch anziehend, sie symbolisieren das Zusammenspiel von Eros und Thantanos und bewegen sich dabei auf Messers Schneide zwischen surrealem Traum und Traumata.

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Ein transformativer Blick ins neue Jahr

Roland Fischer am Dienstag den 2. Dezember 2014

Schon geht das Jahr wieder in den grossen Schlussverkauf - Grund genug, mal rasch ins 2015 rüberzulinsen. Gerade sind nämlich zwei Vorankündigungen für den Januar hereingetrudelt, die beide viel Freude machen.

Zunächst einmal ist endlich die nächste Transform-Katze aus dem Sack - und wow, so zentral war Zwischennutzung noch nie. Diesmal wird der frühere SBB Historic-Sitz am Bollwerk 12 bespielt - die Eisenbahnarchivare müssen (ein gewisser ferrophiler Liebesentzug ist das schon) raus aus dem Zentrum und ziehen nach Windisch um. Die Transformer freut's - und uns auch. Die Versuchsanordnung 4 öffnet am 9. Januar die Pforten und dauert bis am 15. Februar. Was da genau passieren wird, ist uns zwar auch nach den Erläuterungen der Macher nicht ganz klar:

Musiker sowie bildende und darstellende Künstlerinnen entwickeln in einer experimentellen Vorgehensweise 10 Positionen zum soziogeografischen Raum rings um die Lokalität.

Aber es wird mit Sicherheit auch wieder eine nette Bar geben.

Soziogeografie und Experimente musikalischer Art bietet das Norient Festival, das vom 15. bis zum 18. Januar schon in die sechste Ausgabe geht - und erstmals auch über Bern hinaus expandiert, ins ja als Konzertlokal auch hie im Westen schon lang heissgeliebte Palace St.Gallen (shnit lässt grüssen?). Das Programm ist wieder mal eine grosse Wundertüte, eine musikalische Weltenreise. Und natürlich ist es kein Zufall, dass die Organisatoren für den Schlussabend extra das deutsch-französische Kollektiv Transforma eingeladen haben. Die könnten doch eigentlich gleich drüben im Bollwerk performen?

Zwei Tage, eine Nacht

Roland Fischer am Dienstag den 25. November 2014

Der Film läuft wohl nicht mehr allzu lang, man sollte also nichts wie hin. Viel muss man eigentlich gar nicht sagen - wenn die Dardenne-Brüder die Cotillard für eine Produktion gewinnen können, dann kann das Ergebnis ja gar nicht anders als formidabel herauskommen.

Wie einfach grosses Kino doch sein kann. Man nehme einen gesellschaftlichen Brennpunkt und eine persönliche Betroffenheit und buchstabiere sie fein säuberlich durch. Ein bisschen griechische (oder auch französische, das spielt heute ja nicht mehr so eine Rolle) Tragödie dazu, ein von irgendwelchen fiesen Gottheiten - höheren Mächten, ob nun von dieser oder jener Welt - gesponnener Schicksalsfaden und ein paar einfache Menschen, die gewillt sind, es mit diesem Schicksal aufzunehmen. So sieht die Krise aus. So und nicht anders. Für einen magischen Kinomoment wenigstens.

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