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Archiv für die Kategorie „Film & Fotografie“

Pornografisch, blasphemisch, meisterhaft

Christian Zellweger am Montag den 14. Juli 2014

Es war ein ziemlich unerwartet starkes Stück Musik-Kultur, dass da am vergangenen Freitag über die Menschen im Innenhof der Reitschule niederging. Etwas vom Verrücktesten, was er je gemacht habe, hörte man Robert Butler vor dem Auftritt sagen. Sowas aus solch berufenem Rock'n'Roll-Mund weckte natürlich Erwartungen - und die wurden vollständig eingelöst.

Experimental-Industrial-Noise labelierte unsere Frau Krstic den Auftritt und tatsächlich: Ein wild gewordenes Schlagzeug mit Hang zum Becken-Lärm, eine äusserst kratzige Gitarre und über allem knirschend-fiepende Schaltkreis-Effekte aus dem Synthesizer schallten da an die Gemäuer und zurück.

Das Herzstück bildete aber der Film, zu dem das Ganze improvisiert wurde: Ein wilde Orgie aus pornografisch-blasphemischen Versatzstücken, ein stilistisch breiter Mix zwischen vergilbten Filmszenen, blutigen Cartoons und pythonesken Animationen, scham- und tabulos, aber mit einer grossen Portion ziemlich abseitigen Humors, alles aus dem Kopfe des (mir) unbekannten Franzosen an den elektronischen Geräten.

Sollte es je nochmals Gelegenheit geben, diesen Brocken aufzuführen: Duex ist sicher schon am Booking für die nächste Kilbi.

Openair-Kinos 2014

Roland Fischer am Dienstag den 1. Juli 2014

Ein kleiner Überblick zum Berner Kinosommer unter offenem Himmel (was aber hoffentlich nicht auch für die Regenschleusen gilt):

- den Anfang macht wie immer das Solar-Kino im Eichholz, mit einem grandiosen Programm dieses Jahr. Ab heute bis Samstag gibt's unter anderem Hitchcock (North by Northwest), Japan (das Highlight des Kinojahrs Like Father Like Son) und Cukor (The Philadelphia Story). Gibt's ein Abo? Ah nein, ist ja gratis.

- am Sonntag geht's dann auch wieder los mit dem Kleinen Dachkino. Vier etwas überhängende Juli-Wochenenden (jeweils von Sonntag bis Dienstag), vier verschiedene Dachterrassen (zwischen 3007 und 3011), zwölf tolle Filme. Sehr schöne Kulturinitiative.

dachkino

- eine Woche später startet dann das nach wie vor tollste Openairkino der Region, auf dem Dach des Bieler Filmpodiums, mit vielen Perlen aus den letzten paar Filmjahren.

- am gleichen Wochenende gibt's auch wieder drei Filmnächte in Münsingen, auch mit einem aparten Programm.

- zwei Wochen später starten das hof3-Openair in Trubschachen und das Marzili-Movie mit dem Länderthema Australien. Empfehlung hier: der wunderbar schrullig-warmherzige Animationsstreifen Mary et Max.

- dieses Jahr leider keinen schönen Openair-Schlusspunkt setzt das Kino Kunstmuseum - es ist derzeit ja auch mit wichtigeren Vorbereitungen beschäftigt.

Und der Big Screen oben auf der big Schanze feiert dieses Jahr übrigens das 25jährige Jubiläum und zeigt deshalb ab 24. Juli neben dem üblichen Zeug auch ein paar Kultfilme von Casablanca bis Pulp Fiction. Auch nett.

Geschichten aus dem Motel, früher und heute

Roland Fischer am Dienstag den 24. Juni 2014

Bisschen Nostalgie für die junggebliebene Leserschaft - und ein wenig TV-Historie für die tatsächlich junge: Vor dreissig Jahren sendete das Schweizer Fernsehen allwöchentlich eine Folge aus dem Motel. Sehr kontrovers war das, damals:

Kritisiert wurde, dass die Serie einen grauen und traurigen Alltag zeige.

Hier die Folge vom 15.4.1984.

Sehr schön übrigens auch der Vorabbericht aus dem Jahr 1983. «Nein, Dallas ist für uns kein Vorbild. Die Geschichten, die wir erzählen, sind keine Schwarzweiss-Geschichten.»

motelGanz und gar keinen grauen und traurigen Motel-Alltag zeigt dreissig Jahre später die Düsende Dora.

Das Motel ist spektakulär. Mitten im etwas anrüchigen Salon steht die Badewanne, die sowohl als Ehebett als auch als Dusche für die Gäste herhalten muss.

Das Zirkus-Theater-Ensemble zieht mit seiner ersten Produktion gerade kreuz und quer durch die Schweiz und wird in einer Woche auch auf dem Münsterplatz haltmachen.

Klein sein und klein bleiben

Roland Fischer am Mittwoch den 14. Mai 2014

Es walsert gerade allenthalben, im Kino Kunstmuseum - mit einer exquisiten Filmreihe - ebenso wie im Kunsthaus Aargau, wo in einer schönen Ausstellungsidee Zeitgenössisches und Historisches zum grossen Helden der ganz alltäglichen Unterwürfigkeit zusammengetragen wurde.

Wie glücklich bin ich, daß ich in mir nichts Achtens- und Sehenswertes zu erblickten vermag! Klein sein und klein bleiben. Und höbe und trüge mich eine Hand, ein Umstand, eine Weile bis hinauf, wo Nacht und Einfluß gebieten, ich würde die Verhältnisse, die mich bevorzugten, zerschlagen, und mich selber würde ich hinabwerfen ins niedrige, nichtssagende Dunkel. Ich kann nur in den untern Regionen atmen ... Liebe entbehren, ja, das heißt lieben ... Ich will nicht hoffen, daß ich mich sehne. Unsinn.

Das Zitat aus «Jakob von Gunten» fand ich in dieser schönen Kolumne, in der es zum Schluss heisst, wer Robert Walser erst für sich entdeckt habe, «braucht fortan nicht mehr sehr viele andere Literatur, fast möchte ich sagen: nicht mehr sehr viele andere Menschen.»

Heute abend gibt es im Kino Kunstmuseum das Institut Benjamenta zu sehen, die famos freie Interpretation der Brüder Quay von «Jakob von Gunten» aus dem Jahr 1995 - die Filmemacher sind anwesend. Und noch bis Ende August die (noch nicht gesehene) Ausstellung in Aarau.

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Die Ausstellung wie die Filmreihe sind in Zusammenarbeit mit dem Robert-Walser-Zentrum zustande gekommen, das natürlich auch immer einen Besuch lohnt. Noch bis im Oktober kann man da Walsers berühmte Mikrogramme erkunden.

Geld alleine macht nicht glücklich ….

Gisela Feuz am Donnerstag den 8. Mai 2014

... drum teilen Sie es doch mit anderen, werte Leser und Leserinnen, oder noch besser: Investieren Sie es in die Kultur. Hand dazu reicht die Schweizer Plattform wemakeit, die sich als feste Grösse etabliert hat, wenn es um die Unterstützung kultureller Projekte geht. Dabei buhlen Vorhaben höchst unterschiedlicher Natur um finanziellen Beistand, wie zwei momentane Beispiele aus der Region verdeutlichen.

Die Berner Fotografin Brigitte Lustenberger sammelt Geld, um ihre beiden neusten Werkserien in einem Kunstbuch herausgeben zu können. Lustenberger experimentiert gerne mit Präsenz und Abwesenheit und so wirken ihre Bildern denn auch wie Stills aus Filmen, wobei der Betrachter herausgefordert wird, die Geschichte vor und nach dem Bild selber weiterzuspinnen. Unterstützen können Sie Frau Lustenbergers Vorhaben hier.

«Vom Cherplatz with Love» soll die DVD hiessen, welche die Oberländer Mundart-Punkrock-Band Uristier herausgeben will. Darauf gibt es einerseits eine Dokumentation zu sehen, welche aus über 200 Stunden Archivmaterial die schönsten und abstrusesten Momente aus 20 Jahre Bandgeschichte zeigt. Zudem beinhaltet die DVD Live-Konzerte, gefilmt vom Berner Decoy Collective. Unterstützen können Sie Uristier hier.

Neu im Kino: Snowpiercer

Christian Zellweger am Donnerstag den 1. Mai 2014

Was man über einen neuen Film ja immer lesen will: Soll man den nun schauen gehen oder nicht? Ich war gestern bei der Bern-Premiere von Snowpiercer (nein, nicht am «Swisscom Männerabend», sondern als einer von sechs Besuchern im Kino Rex) – und, ja, gehen sie den schauen!

revolutionDer Revolutionsführer: Curtis (Chris Evans).

Auch wenn einem die ganze Kapitalismus- und Sozialgefüge-Allegorie ein bisschen sehr aufs Auge gedrückt wird, ist Snowpiercer mehr als einfach eine Dystopie mit Explosionen und choreographierten Schlachten, auch wenn die nicht fehlen. Die Welt ist zwar nach Klimamanipulationsversuchen komplett von lebensfeindlichem Eis überdeckt und der Rest der Menschheit kreist in einem autarken Zug bis in alle Ewigkeit um die Erde. Vorne lässt man es sich gut gehen, hinten darbt der Pöbel, es kommt zur Revolution, das kennt man ja.

snowpiercer

Was Regisseur Bong Joon-ho daraus macht, ist aber nicht nur schön anzuschauen, sondern auch sehr lustig. Wenn Tilda Swinton als böse Ministerin (wobei Gut und Böse auch noch zu verhandeln sind im Film) systemerhaltende Reden schwingt, oder wenn die Schulklasse dem (Zug)-Führer huldigt, kann einem schon mal der Gedanke kommen: Würde Wes Anderson Actionfilme machen, so könnten sie aussehen.

(Wenn Sie noch mehr zum Film lesen wollen, schauen Sie doch mal bei den Kollegen vom Tagi vorbei. Pascal Blum hat einen äusserst treffenden Text zum Film verfasst.)

Filmreisen um die Welt

Roland Fischer am Mittwoch den 30. April 2014

Dokfilme sind ja ein bisschen sowas wie Kuonikataloge für anspruchsvolle Zuhausebleib-Reisende. Bequem vom Kinosessel aus fremde Länder entdecken, spüren wie gross die Welt doch so ist, wie anders diese anderen Kulturen doch sind, wenn jemand mal nah genug rankommt und noch besser: hinter die Kulissen schaut und die Leute, die man trifft, all ihre spannenden Geschichten praktischerweise mit Untertiteln erzählen. In schwächeren Momenten ist das Visions du Réel auch einfach so ein farbiger Prospekt, und man denkt, das mit dem Fremden wäre dann doch eine etwas komplexere Angelegenheit, das mit uns ebensoviel zu tun hat wie mit dem Anderen - den Exotismus, die Kunst, die sich in der Faszination des Fremden erschöpft, hätten wir doch eigentlich überwunden.

Aber es gibt dann natürlich auch die starken Momente, wie zum Beispiel in «Mutso l'arrière-pays», der uns nach Georgien in die Berge entführt - an eine Grenze, wo auch die Russen ihren Part haben, als momentan sehr abwesende Anwesende allerdings. Ohnehin, da oben wohnt eigentlich niemand, und diese Menschenleere und gleichzeitige Mythenfülle hätte die junge Regisseurin Corinne Sullivan ursprünglich vor allem interessiert, erklärte sie nach dem Film. Gefunden hat sie dann aber doch jemanden, einen Randständigen in vielerlei Hinsicht, und wie sich die Geschichten des Orts und dieses unabsichtlichen Protagonisten langsam entfalten (und wie sie sich dabei ineinander verschlingen), das lässt etwas viel Grösseres entstehen als einfach eine Guided Tour in eine schöne exotische Welt.

Das Ereignis des gestrigen Visions-Tages war allerdings kein Neuling, sondern eine gut gealterte Perle aus dem Schaffen von Richard Dindo. Genet à Chatila führte beispielhaft vor, wie man den Dokfilm als Erzählform nutzen kann (und, nebenbei: dass die gerade wieder obsessiv geführten Diskussionen über Fakt und Fiktion im vermeintlich ja «objektiven» Filmgenre alles andere als neu sind). Der Film aus dem Jahr 1999 verschränkt die politische Realität des Massakers im Palästinenserlager in Beirut mit einer literarischen Sinn- und Selbstsuche des französischen Schriftstellers Jean Genet, der am Tag nach dem Massaker selbst in Chatila war. Man werfe ihm manchmal vor, Sätze interessierten ihn mehr als Bilder, sagte Dindo in Nyon. Aber nun, er sei und bleibe eben ein 68er. Womit er wohl ungefähr meinte: nicht nur zeigen, gestalten muss man, als Künstler. Und das gilt heute noch ebenso wie zu politisch bewegteren Zeiten.

Von Snoop zu Dikson

Roland Fischer am Sonntag den 27. April 2014

Die Jungs von der Soon-Galerie arbeiten seit einer Weile zuverlässig daran, simple Kategorien in Sachen Kunst durcheinanderzubringen. Street Art? Das greift allerdings viel zu kurz, auch wenn die Beziehungen zur Graffiti-Szene rege genützt werden. Gestern war Vernissage zur aktuellen Ausstellung, und die macht die Dinge für Schubladisierer nun endgültig ein wenig kompliziert. Eine Doppelschau zweier aufstrebender Jungfotografen, Janosch Abel und Beat Schweizer. Der erste holt am liebsten Musikprominenz vor die Linse, unter anderem fürs Bonsoir oder grosse Openairfestivals. Der zweite reist um die Welt und findet abseitige Orte - unlängst das nördlichste Dorf Russlands.

soon

Zwei Fotografen, die die unverfälschte, ehrliche Geschichte suchen, der eine in einer Welt voller Masken und Kulissen, der andere jenseits der in unseren Köpfen kartografierten Welt. Sehr verschiedene Bildsprachen, sehr verschiedene Vorstellungen vielleicht auch, was man mit einer Kamera heute anstellen kann. Aber sich nicht um solche Unterschiede zu kümmern und Janosch Abel und Beat Schweizer einfach mal in denselben Räumlichkeiten aufeiandertreffen zu lassen: genau sowas sollten Galeristen öfter riskieren. Gewagt und gewonnen.

Ein Goalie für den Sonntagabend

Roland Fischer am Mittwoch den 23. April 2014

Ok, kleiner Umweg zuerst, bevor wir zur Sache kommen:

Nicht grad eine Million, aber doch immerhin 100'000 Besucher konnte an Ostern offenbar «Der Goalie bin ig» verzeichnen, wurde gestern vermeldet. Und ich war mit für die Marke besorgt, am Montag abend. Keine Ursache, gern geschehen.

Ich hab dann mal noch nachgeschaut, ein durchschnittlicher Sonntagabend-Film auf SRF kommt auf rund eine halbe Million Zuschauer. Kann man sich natürlich fragen, welcher Zuschaueranteil schwerer wiegt. Ein wenig irritierend fand man das jedenfalls schon, wie schön der Film für seinen kommenden grossen Fernsehauftritt zurechtgemacht ist. Ecken und Kanten? Fast alle rundgeschliffen. Stolpersteine? Ein paar kleine vielleicht noch, sonst spaziert der Goalie ziemlich gemütlich und gradlinig durch seine Geschichte. Man kann sich natürlich auch fragen, ob das automatisch passiert, wenn Kunst zusammen mit zahlungskräftigen «Partnern» entsteht.

Aber ist ja gut und recht, ein solid gemachter Schweizerfilm. Und mit souveränem Spezialauftritt von Pedro Lenz himself, das ist den Eintritt allein schon wert. Etwas bemüht allerdings ist die filmische Zeitmaschine, die uns (wie im Buch) in die frühen 80er zurückschicken möchte, immer auf der Suche nach Schauplätzen und Requisiten, die dieses Früher heraufbeschwören. Als bräuchte die Geschichte dieses zeitliche Lokalkolorit, um zu funktionieren - warum kann der Goalie denn nicht durchs heutige Langenthal streifen? Was in der Literatur ein leichtes Spiel mit Erinnerungen ist, wird im Film zur Koketterie, die eher ablenkt vom Wesentlichen. Und die den Eindruck des eher Oberflächlichen dann halt noch verstärkt.

Ein Osterwochenende im Elend

Christian Zellweger am Dienstag den 22. April 2014

nakedDavid Thewlis als Johnny in Naked

Und wie haben Sie die Ostertage verbracht? Ich war eingeladen an die Dellsberger Filmtage (keine Angst, falls Sie die nicht kennen, es war «nur» ein ein wenig hochgestapelter Privatanlass mit sehr gutem Essen in einem hübschen Häuschen am Hang mit grossem Garten). Inoffizielle Klammer des Programms hätte «England von unten» sein können, standen doch Filme von Mike Leigh und Ken Loach auf dem Programm. Drei davon hab ich gesehen, und die haben sich trotz ähnlicher Thematik stark unterschieden:

- Zu Beginn der Schock: Ladybird, Ladybird von Ken Loach (1994). Dieser Film tut weh. Einer Mutter wird das Sorgerecht für ihre vier Kinder entzogen, weil sie offensichtlich nicht fähig ist, für sie zu sorgen. Als sie endlich einen Mann kennenlernt, der ihr die nötige Stabilität gibt, um das Muttersein vielleicht zu schaffen, wird den Eltern das gemeinsame Baby aber auch entzogen. Dasselbe geschieht mit dem zweiten Baby des Paares. Loach erzählt das alles ausführlich und schmerzhaft mit einem gnadenlos realistischen Blick. Die Geschichte ist wahr, und dient Loach der Anklage der bisweilen offenbar absurd agierenden britischen Social Services in den frühen 90ern. So ganz ohne Grautöne zwischen Schwarz und Weiss ist der Film, trotz versöhnlichem Ende, aber kaum zu ertragen.

- Die Atempause: Loachs Raining Stones (1993) . Ganz anders geht Loach in seinem ein Jahr älteren Raining Stones zu Werke. Auch hier geht es um Arbeitslosigkeit und Not in einer gesichtslosen englischen Industriestadt in der gerade angebrochenen Ära nach Maggie Thatcher. Es braucht einige Umwege des glücklich verheirateten Vaters mit der süssen Tochter über absurde Kleinkriminalitäten (Schafe klauen, illegales Rasen stechen um ihn weiterzuverkaufen), aber am Ende ist alles gut: Die Tochter hat das schöne, eigentlich viel zu teure Kommunionskleid, der Kredithai ist tot und der zwischenzeitlich gestohlene Van, unabdinglich für Gelegenheitsarbeiten, taucht auch wieder auf. Ein humorvolles Märchen mit Happy End vor einem düsteren Hintergrund, der jedoch nie so richtig zum Zuschauer durchdringt.

- Zum Schluss die Entdeckung (für Frühergeborene zumindest eine Wiederentdeckung): Mike Leighs Naked (1993) . In Artikeln zum DVD-Release 2011, viel zu spät, kann man lesen, dass Naked der vielleicht beste britische Film der letzten 20 Jahre sei. Es ist tatsächlich sehr beeindruckend, welche Figuren Leigh und seine Darsteller in monatelanger Vorarbeit durch Improvisation geschaffen haben. Allen voran natürlich dieser Johnny, dessen dunkle Seite, die sich vor allem in gewaltätigem Verhalten gegenüber Frauen zeigt, sich schon in der ersten Szene darlegt. Trotzdem ist Johnny im Grunde nicht unsympathisch: Intelligent, belesen und sehr, sehr witzig. So zieht er durch London, knüpft Kontakt zu allerlei Figuren, die genauso verloren sind wie er selbst, immer bissig, immer leicht verworren und immer auf der Suche nach Liebe und doch unfähig, diese anzunehmen. Gibt's auch auf Youtube, sollte man gesehen haben.