Archiv für die Kategorie „Film & Fotografie“

Verherrlichung oder Demontage? Nichts von beidem.

Roland Fischer am Freitag den 24. Oktober 2014

Wo soll man anfangen? Der neue (und wie es heisst: letzte) Film des Bildermagiers Hayao Miyazaki ist nicht leicht zu fassen, dabei hat sich Miyazaki doch das erste Mal in seiner langen Karriere eine Geschichte vorgenommen, die ganz ohne Märchenwelten auskommt, einen «realen» Stoff aus der jüngeren japanischen Geschichte. Aber eben: real - mit solchen Kategorien kommt man zumal im Animationsfilm nicht weit, und dass der Altmeister Miyazaki da für besonderes Durcheinander sorgt, war anzunehmen.

Die Erdbebenszene am Anfang des Films nutzt er schon mal für eine Erschütterung auch der Realitätsebenen - das Beben kommt bei ihm nicht als geologische Urmacht, sondern als zerstörerisches, raunendes Etwas. Da ist man für einen Moment in die früheren Miyazaki-Welten zurückversetzt, wo es meist um das Verhältnis von Mensch und Natur ging, beziehungsweise um die Erzählweisen, die das Andere da draussen zum Freund- oder aber Feindlichen machen, je nach Sichtweise. Schon da waren die Rollen meist nicht so klar belegt, nicht umsonst kommen die liebenswertesten Monster der Filmgeschichte aus der Ghibli-Traumfabrik. Und eben da gibt es eine grosse Kontinuität in Miyazakis Schaffen, bis zu «The Wind Rises», und eben da wird es nun plötzlich ziemlich kompliziert.

Denn nun geht es nicht mehr um Fabelwesen, sondern um den Flugzeugingenieur Jiro Horikoshi, einem Helden des japanischen Technikwunders im 20. Jahrhundert, der eben nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Flugzeug konstruiert hat, das es plötzlich mit der ausländischen Konkurrenz aufnehmen konnte, sondern der das genau in den Aufrüstungsjahren vor und während des Zweiten Weltkriegs geschafft und damit Japan zu unverhoffter militärischer Macht verholfen hat (Stichwort: «Pearl Harbour»). Hiyazaki hat sich mit der Wahl und der Behandlung des Themas denn auch in Teufels Küche gebracht: Ihm wurde zuhause Verherrlichung eines Waffenentwicklers ebenso wie Demontage eines Nationalheiligen vorgeworfen. Wenn man Vorwürfe aus so weit auseinanderliegenden Lagern bekommt ist das meist ein gutes Zeichen - dann kommt man mit vorschnellen Urteilen nämlich nicht sehr weit.

Das Zauberhafte am Film ist ohnehin, dass die Fragen nach der Rolle des (träumenden, schwärmenden und damit auch blind fortschrittsgläubigen) Ingenieurs in Zeiten des Kriegs immer nur im Hintergrund mitschwingen, während ganz andere Handlungsfäden das Geschehen prägen. Eine sehr simple aber deshalb kein bisschen weniger schöne Liebesgeschichte steht im Vordergrund, dazu der Übergang von Tradition und Moderne und die Frage danach, was man mit der Sehnsucht nach diesem verklärten Gestern am besten anfängt, wenn die Zeit unerbittlich (und viel Grosses versprechend) nach vorne drängt. Lose eingewoben dann noch eine Hommage an Thomas Manns Zauberberg und überhaupt ein dauerndes melancholisches Hinüberblinzeln nach Europa, dieser zerbröselnden Kulturhochburg - das ergibt ein famoses und unendlich facettenreiches Alterswerk, nach dem man es als Regisseur getrost gut sein lassen kann.

Oh Shnit!!

Milena Krstic am Donnerstag den 9. Oktober 2014

Meine ersten Karriereschritte beging ich im Callcenter des grössten Mobilfunkanbieters der Schweiz. Ich half den Menschen, herauszufinden, welches Handy-Abonnement sich am besten eignet: Soll es ein Natel xtra-liberty plus, Natel xtra-liberty mini oder doch ein Natel xtra-liberty-schlagmichtot sein? Da kommt auch das Personal ins Grübeln.

Wenn ich heute das Programm des Kurzfilmfestivals Shnit studiere, kommen all diese Gefühle wieder hoch: So viele Informationen, die so ähnlich klingen. In fünf Tagen werden in Bern 160 Kurzfilme gezeigt, es gibt verschiedene Spielstätten (z. B. das Zelt im Innenhof des Progr) und «Playgrounds» (u. a. Moskau und Cape Town), zwei Überthemen («Life Is a Beach» und «Marry Me»), es gibt SHNIT Opening, Night of Nominations, Local Flavour, Animates, Documents, Experiments ... AAAH!

Und doch: Dieses im Jahr 2003 in Bern gegründete Kurzfilmfestival ist eine feine Sache und startet nun – gestärkt durch den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern – in Runde zwölf.

Ich bin dann gestern, so ziemlich gegen Ende des Eröffnungstages, noch beim Peeping Shnit hineingesneakt: dort, wo die «lüstern-frivolen» Kurzfilme gezeigt werden. Nach der ersten Hälfte habe ich die Hitze in der Aula des Progrs nicht mehr ertragen, aber zum Glück hat es für die Penismaus gereicht, denn die ist toll:

PS. «Penismouse», der Kurzfilm des Polen Kristof Babaski, ist bereits im Jahr 1957 entstanden, wurde aber erst in den letzten Jahren entdeckt. Ein kleines Kugelschreiber-Zauberstück!

 Das Shnit dauert noch bis am Sonntag, 12. Oktober. Das ganze Programm hier.

Hindernis-Parcours à la OK GO

Gisela Feuz am Mittwoch den 8. Oktober 2014

Frau Feuz: Sie haben's wieder getan, die Jungs von OK GO!

KSB-Leserschaft: Frau Feuz, bisschen Präzision jetzt hier mal. Welche OK GO?

Frau Feuz (nachäffend): welche OK GO, welche OK GO. Na welche wohl?! Die OK GO, die damals das legendäre Laufband-Video gemacht haben, denk. Die Indie-Rocker aus Chicago. Die gurken ja mittlerweile auch schon seit 15 Jahren im Musikzirkus rum. Und die haben doch eben im 2005 dieses grandiose Video zu «Here it goes again» aufgenommen. (singt sehr laut und ausgesprochen falsch) «HERE IT GOES, HERE IT GOES, HERE IT GOES AGAIN, AH HERE IT GOES AGAIN!» Das war ja tami grosses Kino damals, so simpel und dann eben doch ungemein bestechend und ich fand ja vor allem den im schwarzen Anzug ....

KSB-Leserschaft: Zur Sache, Frau Feuz! Was haben diese OK GO denn nun?

Frau Feuz: Ja eben, noch mal so ein Video gemacht, so ein richtig gutes, ohne Schnitt und optisch super-schniek. Mit Täuschungen und so. Also ohne Laufbänder. Mehr so mit Hindernis-Parcours, wies amigs im Turnen gab. Gott war ich da immer schlecht. Diese gottverdammten Schwedenkästen ...

KSB-Leserschaft: FEUZ!

FF: (eingeschnappt) Ja dann gucken Sie doch einfach selber, Sie empathieloser Sauhaufen Sie.

«Das Schweigen der Männer»

Milena Krstic am Freitag den 3. Oktober 2014

Was macht denn der skandalumwitterte Fotograf Terry Richardson auf einem Plakat des Kino Kunstmuseum?, dachte ich mir, als ich die Treppe zu eben diesem herunterstieg.Clemens_Klopfenstein_Kulturstattbern

Später erfuhr ich, dass es sich um ein Foto des Berner Filmemachers Clemens Klopfenstein handelt. Das Kino Kunstmuseum hat allen Grund, gerade ihn aufs Plakat zu hieven, schliesslich organisiert es eine grosse Retrospektive zu Klopfensteins Schaffen – die gestern Abend mit «Das Schweigen der Männer» gestartet hat.

Zuerst dachte ich daran, aus dem Kinosaal zu flüchten:
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Keiner schreit schöner als Wilhelm

Gisela Feuz am Donnerstag den 2. Oktober 2014

Auch wenn Sie nicht wissen, was der Wilhelmsschrei ist, so haben Sie ihn garantiert schon mal gehört, werte Leserinnen und Leser. Er erklingt regelmässig, wenn sich die Damenwelt mit Blasenentzündung aufs Klo begibt, aber vor allem auch in diversen Filmen. Aufgenommen wurde der Schrei ursprünglich für den Western «Die Teufelsbrigade» (1951) mit Gary Cooper. Darin stösst ein Mann diesen markdurchdringenden Schrei aus, als er beim Marsch durch die Everglades in Florida von einem Alligator gepackt und unter Wasser gezogen wird. Seit dieser Premiere ist der Schrei in mehr als 200 Filmen benutzt worden. Lustigerweise wurde er aber nicht nach dem originalen Schreier benannt, sondern nach einem Soldaten namens Wilhelm, der im Film «Der brennende Pfeil» (1953) von einem Indianerpfeil durchbohrt wird.

Der Schrei existiert in sechs verschiedenen Versionen. Wiederentdeckt hat ihn der Sound-Designer von Star Wars und zum Kult gemacht haben ihn unter anderem Regisseure wie Steven Spielberg oder Quention Tarantino, die ihn in ihren Filmen regelmässig verwenden. Wie ich gerade jetzt darauf komme? Ich habe eine *%(*/&*+%I Blasenenzündung und muss jetzt mal pinkeln gehen ............AAAAAAAH!

Fantoche on Tour

Roland Fischer am Donnerstag den 18. September 2014

Das Animationsfilmfestival (und persönliche Highlight im Festivalkalender) Fantoche geht mit den besten Filmen dieses Jahres wieder mal auf Schweizer Reise. Morgen macht es Halt in der Cinématte - ein Besuch ist sehr empfohlen!

Gezeigt wird auch das wagemutige Wunderwerk «Through the Hawthorn» der Engländerinnen Anna Benner, Pia Borg und Gemma Burditt. Ein dokumentarischer Kurzfilm über einen schizophrenen Teenager, über Medikamente, gesellschaftliche Zwänge und eine Mutter, die in dem ganzen Durcheinander ihren Platz sucht - auch auf der Leinwand.

I am groot

Miko Hucko am Donnerstag den 11. September 2014

Ich liebe Science Fiction. Wirklich. Sowohl in Buch- als auch in Film- oder welcher Form auch immer, Theater ist da leider eher selten vertreten. Und so nehme ich ab und zu Kinobesuche in Kauf - war das schon immer so teuer? - von denen ich weiss, dass sie mit Unzulänglichkeiten gespickt sein werden. Ich habe mir also Guardians of the Galaxy angesehen, eine Komödie, die mit allen Mitteln Hollywoods und des Sci-Fi kokettiert. Wie es sich für einen guten lustigen Film gehört, ist auch eine Portion Selbstironie dabei.

Es gab einiges zu lachen, ziemlich viel Action und einen bestandenen Bechdeltest. Nicht schlecht. Andererseits ist mir auch eine gewisse Faulheit auf Seiten der Filmemacher_innen aufgefallen: 1. im Notfall greifen sie auf die zuvor ironisierten Muster zurück und 2. Alle Spezies ausser Groot sind ungemein Humanoid und langweilig. Sie unterscheiden sich vom weissen Mann (der einzige Mensch) höchstens durch andere Hautfarben, Nasen- und Augenstellungen. Was durchaus eine schwierige Aussage in sich birgt, wenn man dies konsequent zu Ende denkt. Sonst ist das Worlbuilding ziemlich dicht und gelungen, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich hier auf ein ganzes Marvel-Universum bezogen werden kann.

Und dann das Ende. Wenigstens keine Romantik. Aber nachdem den ganzen Film hindurch der Teambildungsaspekt, das Treffen gemeinsamer Entscheidungen und das Einstehen füreinander im Vordergrund standen, wird Mr. Hauptfigur mit der letzten Einstellung zum Anführer des sympathisch-verliererischen Grüppchens ernannt.

Apropos Comicverfilmungen: Der nächste grosse Wurf gehört dann für einmal wieder DC. Sie wollen im Frühjahr 2016 mit Batman vs. Superman auftrumpfen. Ich freue mich jetzt schon auf dieses wahrscheinliche Desaster.

Destilliertes Morsen

Gisela Feuz am Mittwoch den 10. September 2014

Waren sie früher in der Pfadi und haben da Morsen gelernt? So was lernt man doch in der Pfadi, nicht? Jedenfalls wären genau in diesem Moment Kenntnisse im Bereich kurz-lang-lang-kurz-lang-pause-kurz-kurz (falls ich Sie gerade beschimpft haben sollte, wäre das unabsichtlich geschehen) äusserst hilfreich, um den Beginn des neuen Videos von Destilacija entschlüsseln zu können.  Also nichts wie mit Kugelschreiber und einem Stück Papier vor den Compi gesetzt und Video gestartet. Das Wetter ist eh sch....lecht, aus dem Fenster schauen brauchen Sie also nicht und der Chef guckt bestimmt auch grad nicht. Und sonst behaupten Sie einfach, sie würden sich für den Kriegsfall rüsten. Man weiss ja nie.

Wer als erstes die Morsezeichen am Anfang entschlüsselt, gewinnt das Akkordeon von Mario Batkovic. Das ist ein Witz. Aber ein Destilacija-Album können Sie gewinnen. Video ab:

Selling Vivian Maier

Roland Fischer am Dienstag den 2. September 2014

Es ist wohl die Filmenttäuschung des Jahres - das traurige Märchen von Vivian Maier, der grossen Fotografin, die erst nach ihrem Tod entdeckt wurde. Man war gespannt auf diese Geschichte von einem Leben, das doch ganz anders hätte verlaufen sollen, wenn es nach Drehbuch gegangen wäre. Oder?

So haben wir es wieder einmal mit der Crux der inszenierten Wahrheit zu tun, mit dem «Mind the gap» zwischen Fakt und Fiktion. Der Dokfilm, gleich vom Entdecker von Maiers fotografischem Schatz, John Maloof, selber realisiert, wäre lieber ein Hollywooddrama als eine sorgfältige Nachforschung. Und vor allem verwechselt er das subjektive Element, das heute ja fast zwangsläufig zu einem Dokfilm gehört, mit der Selbstinszenierung des Regisseurs.

Und so interessiert sich Maloof viel mehr für das Klischee von der tragischen und unentdeckten Künstlerin als für die Geschichte von Vivian Maier, der Frau, die ganz eigene Wege ging und dabei wohl auch ein ganz eigenes Glück fand. Dass ihre Bilder in Kisten statt an Museumswänden landeten mag ein Skandal sein oder nicht - da kann man geteilter Meinung sein, das lassen die Protagonisten des Films, die Maier kannten, erahnen. Dass der Filmemacher, der an den entdeckten Bildern gut verdient, dazu eine so dezidierte Meinung hat, ist allerdings viel eindeutiger einer.

Haben Sie mal eine halbe Stunde?

Christian Zellweger am Freitag den 29. August 2014

Dann gehen Sie raus, solange es grad nicht regnet. Oder Sie bleiben drin, vor dem Computer. Dann können Sie sich diese zwei Dinge ansehen, völlig zusammenhangslos aus dem Internet gefischt:

1. Miranda July hatte eine Idee. Von fremden Menschen und wie sie sich begegnen. Quasi das Leitmotiv ihres Werkes. Bewährt ist: Sie hat daraus einen Film gemacht. Neu ist: Sie hat daraus ein App gemacht:

2. Teju Cole schrieb einen Text. Über das Schwarz-sein 2014 und 1953, über Leukerbad und was das Heute mit dem Früher und mit den Ereignissen in Ferguson zu tun hat. Auch er bleibt seinen Leitmotiven treu und verknüpft Hoch- und Popkultur, Politisches mit Persönlichem:
Black Body: Rereading James Baldwin’s “Stranger in the Village

Und falls Sie doch lieber rausgehen, machen Sie Halt in der Buchhandlung Ihrer Wahl und suchen Sie nach Julys No One Belongs Here More Than You und Coles Open City.

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