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Archiv für die Kategorie „Politik & Debatten“

Reaktionärer Künstler

Roland Fischer am Donnerstag den 27. März 2014

Eigentlich logisch, bei dem Namen: Bonaparte bricht heute in der NZZ mit einem Tabu und nennt sich freimütig einen «reaktionären Songwriter». Gibt da endlich mal jemand zu, dass Pop in Zeiten des grossen Retro nicht mehr vorwärts schauen kann, sondern sich nur noch in ein verklärtes Gestern zurücksehnen?

bonaparte

Aber Moment, weiter im Text - das war ein bisschen anders gemeint, nämlich auf das Live-Erlebnis gemünzt: «Ich brauche das Publikum als Spiegel und Boxsack.» Interessantes Interview auf jeden Fall, mit irgendwie widersprüchlichem Befund, was die popmusikalische Lage der Schweiz betrifft: «Man kann in der Schweiz nur mit Mainstream-Pop-Musik überleben oder in stark subventionierten Genres wie Jazz oder Klassik.» Und dann aber doch: «Die Fördermöglichkeiten in der Schweiz sind wirklich einzigartig.»

NSAUA!

Roland Fischer am Dienstag den 25. März 2014

Es ist ein durchaus freches Motto, das sich die Auawirleben-Macherinnen dieses Jahr ausgesucht haben, man kann es auch einfach mal als kulturpolitisches Statement lesen: «Von öffentlichem Interesse». Das sollte Theater natürlich sein, und das darf man als altgedientes, junggebliebenes Theaterfestival auch mal so festhalten. Aber da schwingt natürlich noch so einiges mehr mit in diesen Tagen, da geht es um Verschwiegen- vs. Exponiertheiten, um verschiedene Sphären des Privaten und um eine Öffentlichkeit, von der man nicht mehr so recht weiss, was man mit ihr zu schaffen haben möchte.

auawirleben

Theater ist ein sehr passender Ort, um derlei Grenzverschiebungen zu beobachten: zeigen und verbergen, Intimes und Explizites, darum geht es da ja eigentlich sowieso immer. Oder wie es im Editorial des Programmheftes schön heisst: «Wieviel die Akteur_innen von sich selber auf der Bühne zeigen, ist auch nur eine Frage ihrer künstlerischen 'privacy settings'.» Das Programm bietet demenstprechend eine breit gefächerte Lagebeurteilung: Das Ballhaus Naunynstrasse aus Berlin stellt die heutige Gretchenfrage nach dem Gehen oder Bleiben, die HKB versucht, himmelblauen und energieeffizienten Speck anzusetzen, das Theater HORA attackiert vom Mars aus, Brian Lobel verliert Facebookfreunde en masse und Ontroerend Goed und die Sydney Theatre Company erzählen ob der allgemeinen Unübersichtlichkeit gleich die Geschichte von allem.

Ach, und apropos Lagebeurteilung: Dann gibt es ja noch das Festivalzentrum und die Social Space Agency, die unter Beteiligung unserer Miko Hucko Berner Verhältnisse neu ausmessen werden. 700m2! Soviel Zentrum war nie! Und so wagemutig an den Rand gerückt auch nicht, das Auawirleben feiert abends nämlich jeweils in der alten Wifag-Halle, das kann was werden. Was mit dieser Social Space Agency wird muss man noch schauen, das blieb gestern noch ein wenig rätselhaft - es wird irgendwie um den öffentlichen Raum gehen und ums Einschleichen in denselben. Bern, besser schon mal die privacy settings anpassen!

Konföderierte Kultur

Miko Hucko am Donnerstag den 6. März 2014

Die erste Berner Kulturkonferenz. Im Vorfeld werde ich etwas skeptisch, als ich Lukas Vogelsangs Facebook-Status lese, der folgende Passage enthält:

Die Berner Kulturkonferenz ist am Donnerstag ab 14.00 Uhr eröffnet. Ich kann zur Zeit keine Garantie abgeben, dass wir für SpontanbesucherInnen noch Platz haben. Und "gratis" heisst nicht, dass man einfach so kommen und gehen darf, wie man will. Respekt! Deswegen führen wir eine Eingangskontrolle - deswegen muss man sich anmelden. (Webseite!)
Gemeinsam werden wir uns dem Thema "Kulturkonzept" nähern. Wer danach weiterhin in der Berner Kulturbranche arbeiten will, unzufrieden ist mit den Bedingungen oder einfach mithelfen will, soll sich für die Fachgruppen anmelden. Wir erarbeiten in den nächsten Monaten ein Grob-Kulturkonzept für Bern - und dabei geht es mal erst um den INHALT. Wer nicht mitarbeitet, verliert für die nächsten 5 Jahre das Motzrecht, wenn in der Kulturförderung oder im Kulturdialog Bern (ist da was?...) etwas nicht passt. Punkt.

Das nenne ich mal demokratisch verstandene Kulturpolitik: Wer sich seiner Idee einer Konferenz / Diskussion nicht anschliesst, hat nichts zu sagen.

kulturkonferenzKollege Fischer übernimmt an dieser Stelle besser, weil Kollegin Hucko aus arbeitstechnischen Gründen das Motzrecht bis auf weiteres verwirkt hat - vielleicht werden es dann ja wegen guter Führung nicht ganz 5 Jahre, mal sehen. Und ah ja, merci für das Stichwort: Nichts zu sagen, das passt, das galt heute leider nicht nur für die Abwesenden. Ewa Hess, Sonntagszeitung: merci für die Guided Tour durch die Rumpelkammer des Kulturbegriffs, war interessant, aber tat nichts zur Sache. Philippe Bischof, Kulturchef: merci für die Analyse der Basler Verhältnisse und den Beweis, dass es auch ausgesprochen sendungsbewusste Kultursekretäre gibt. Aber im Grunde: tat das nichts zur Sache. Und Daniel Spanke, Kunstmuseum: merci für die Bestätigung der These, dass Elitekultur längst nicht von gestern ist sondern in geschützten Nischen bestens gedeiht. Ansonsten: tat das nichts zur Sache.

Die Diskussion im Anschluss war dann schon aufschlussreicher, weil sie einmal mehr gezeigt hat, dass man eigentlich gar nicht weiss, wo der Schuh drückt. Am liebsten hat man sich darüber ereifert, dass sich Kultur gefälligst nicht messen lässt, ansonsten war da kein grundlegender Unfriede spür-, auf jeden Fall nicht fassbar. Wenn die Berner Kulturszene sich so in Stellung bringt, dann spielt sie der (ja, ohne Zweifel) unglücklich agierenden Kultursekretärin in die Hände, die ja auch keine groben Missstände wahrhaben will: Dann hätten wir es wirklich mit nichts weiter als dem guten alten Unbehagen in der Kultur zu tun. Und dann gehörten alle auf die Couch, nicht auf die Barrikaden.

Neues aus der Kulturstadt Bern

Miko Hucko am Dienstag den 18. Februar 2014

Da war doch letztens dieses Kulturhearing, zu dem Krethi und Plethi der Berner Kulturszene geladen waren, um in einem offenen Prozess mal mit der Stadtregierung / Abteilung Kulturelles (Frau Schaller und Herrn Tschäppät) darüber zu plaudern, was in Bern irgendwie runder laufen könnte. Wie man sich das vorstellt mit der Zusammenarbeit von Stadt und Szene. Transparenz, Debatte, Fairness.

Wie es scheint, hat die Stadt so grosses Interesse an den Meinungen der Kulturschaffenden nicht: Von einem Tag auf den anderen, ohne vorheriges Wissen der Verantwortlichen, kommuniziert Frau Schaller, dass der Vertrag mit dem Musikfestival nicht erneuert werde. Oder ist es einfach allen entgangen, dass das zweijährliche Festival der Kulturkommission ein Dorn im Auge war? Und weiter:

Welche Festivals künftig wie subventioniert werden, ist offen. Schaller spricht mit Blick auf die nächste Subventionsperiode 2016–2019 von «neuen Schwerpunkten» und «Optimierungsmöglichkeiten».

Optimierungsmöglichkeiten, das klingt ja ganz so, als sei die Kulturszene der Stadt eine Firma, deren Angestellte mal wieder ein bisschen ausgesiebt werden müssten. Dennoch ist Frau Schaller der Meinung, dass kein Grund zur Aufregung bestehe. Ist das noch Demokratie, wenn die Betroffenen vor Tatsachen gestellt und erst anschliessend zum Gespräch geladen werden?

Das Musikfestival Bern findet im Wechsel mit der Biennale Bern statt, und wenn wir obigem Zitat von Frau Schaller Glauben schenken, so muss wohl auch diese betroffen sein von den «neuen Schwerpunkten», die im Fall wirklich keine Sparmassnahme sein sollen. Die Biennale Bern 2014, die vom 11. - 20. September stattfinden wird, ist wohl gerade noch gerettet und hat auch schon ein Thema: Zwischen Räumen.

Christian Marclay, Everyday, zu sehen an der BiennaleIrgendwie passt dieses Thema ganz gut zur aktuellen Stimmung, niemand weiss mehr so genau, wo sie/er sich befindet bei diesen ewigen runden Tischen und Hearings und Podien, die dann doch nicht wahrgenommen werden. Zwischen Räumen heisst aber auch, dass die Biennale 2014 Künstlerinnen und Künstler geladen hat, die sich in ihren Arbeiten innovativ und auf ästhetisch und formal sehr unterschiedliche Weise mit Fragen nach dem Raum, seiner Funktion und seiner Wahrnehmung auseinandersetzen. Was ich schon erfahren habe: Anna Teresa De Keersmaeker kommt! Und verchoreographiert die Komposition «Vortex Temporum» (Zeiten und Räume indeed) von Gérard Grisey gemeinsam mit ihrer Kompagnie Rosas. Belgien also - und trotzdem hoffen wir, dass Bern nicht Bruxelles wird, was Mitspracherecht anbelangt.

Rösti-Graben vs. Kartoffel-Barriere

Gisela Feuz am Samstag den 15. Februar 2014

Hier die von Martin Luther geprägte, asketische und auf Funktionalität ausgerichtete Handwerkersprache, drüben die noble, verspielte und überkandidelte Langue der französischen Königshäuser. Humoristisch-plakativ eröffnete gestern Journalist Martin Heule sein Gastreferat zum Thema «Warum tönt welsches Radio anders?» an der vierten Ausgabe des Berner Hörfestivals sonOhr. Heule hatte selber lange Zeit in Lausanne als DRS 2-Korrespondent gearbeitet und ging in seinem äusserst informativen Referat nicht nur auf die Unterschiede bezüglich Machart, Stil und Inhalt zwischen Deutschschweizer und Westschweizer Radio ein, sondern verdeutlichte auch kulturelle Unterschiede, die der unterschiedlichen Herangehensweise ans Radiomachen zu Grunde liegen.

heule

Gastreferat Martin Heule verdeutlich anhand eines Bildes aus dem Hause Plonk & Replonk die welsche Vorstellung des Röstigrabens.

Ennet des Röstigrabens (die Welschen sprechen hierbei übrigens von einer Kartoffel-Barriere) wird gemäss Heule grundsätzlich eine urbanere Art Radio gepflegt, dies, weil flächenmässig schlichtweg weniger ländliche Teile angesprochen werden müssen als in der Deutschschweiz. Die Redebeiträge der Moderatoren und Moderatorinnen sind länger, persönlicher und familiärer (so werden am Ende einer Sendung immer alle Beteiligten inklusive Tontechniker verdankt), während in der Deutschschweiz das Diktat der kurzen Redebeiträge herrscht, ein Moderator mehr darum bemüht sein muss, es allen Hörern und Hörerinnen recht zu machen (Stichwort «Durchhörbarkeit») und dadurch automatisch weniger persönlichen Bezug herstellt.

Spannend war auch, wie Martin Heule anhand von Fernsehbildern die Einflüsse des grossen Nachbarn in Norden bzw. im Westen auf die jeweiligen Landesteile herleitete: In Deutschland und im Deutschschweizer Fernsehen wird gestanden, wenn diskutiert oder Nachrichten verlesen werden, und zwar in einem farblich dezent gehaltenen Setting. In Frankreich und der Westschweiz setzt man sich um einen runden Tisch, wobei die Farbgebung der Kulissen eindeutig mutiger gestaltet wird und für Deutschschweizer schon fast kitschig anmuten mag.

«Jeder so, wie es seiner Kultur entspricht», so das Fazit von Heules Referat. Die kulturellen Unterschiede und unterschiedlichen Einflüsse zeigen sich dann eben nicht nur bei Abstimmungen, sondern auch in der Herangehensweise ans Radio- oder Fernsehmachen. Das Resultat ist nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders.

Martin Heule hat gestern mit seinem Gastreferat die vierte Ausgabe des Berner Hörfestivals sonOhr eröffnet. Bis Sonntagabend werden im Kino Kunstmuseum und der Stadtgalerie im Progr Hörstücke unterschiedlichster Machart zu hören sein. Das ganze Programm gibts hier.

Was macht Macht?

Miko Hucko am Samstag den 8. Februar 2014

Maria Stuart im Stadttheater Bern. Ich kann schon mal vorweg sagen, dass ich positiv überrascht wurde, weil eigentlich mag ich nichts von Schiller. Schon gar nicht Maria Stuart (oder Wilhelm Tell, wenn wir schon dabei sind), ein Stück, das ein Kollege von mir treffenderweise mit zwei Frauen und einem Staubsauger inszeniert hat.

Macht macht weiche Hände, schrieb Heiner Müller. Macht macht männlich, sagt uns mindestens die letzte Szene von Stephan Rottkamps Inszenierung, als Elisabeth sich des (toten?) Leicester's Anzug anzieht. Oder, wenn die Mächtige eine Frau ist, macht sie vom Männlichen abhängig. Grundsätzlich hat mir das Konzept sehr gut gefallen (ganz gross, Bühne und Licht von Robert Schweer und tja, den unbekannten Helferlein). Alle Männerrollen, acht an der Zahl, bilden gemeinsam einen Chor aus Anzugträgern, die Elisabeth und Maria abwechslungsweise umgarnen und bedrängen. Die Männer verbrüdern sich gegen die beiden Schwestern und bilden ein starkes Netz, eine wabernde Masse aus Patriarchat, die die Königinnen stetig umgibt.

Das Konzept bleibt aber zu wenig radikal: Obwohl stark gekürzt, hat das Stück vor allem, wenn die Männer unter sich reden, immer noch Längen, und brechen die Männer nicht immer gleich konsequent mit dem Chor. Die grösste Schwäche aber bleibt trotz all der Mühe, genau das zu thematisieren, das schwache Geschlecht. Elisabeth, die starke Königin, bleibt unverständlich, manchmal fast ein bisschen hysterisch weinerlich, ohne Kern oder doppelten Boden. Sie bleibt in ihrer Vielstimmigkeit ungreifbar, ungreifbarer noch als Leicester, Mortimer und wie die alle heissen, in die die Regie mehr Zeit gesteckt zu haben scheint als in ihre Hauptfiguren.

Die Frage mit der Macht wird im Equilibrium zu halten versucht, so wie die Bühnenschaukel oder die Beziehung zwischen den Königsschwestern. Leider schwingt das Pendel ein bisschen zu oft in die eine Richtung aus. Für einen Schiller aber durchaus unterhaltsam.

La vraie Tour de Lorraine

Miko Hucko am Samstag den 18. Januar 2014

Jawohl, eine geführte Tour, über einenhalb Stunden, manchmal etwas leise gesprochen, in der Kälte. Hat sich trotzdem sehr gelohnt, ich erfuhr von Initiativen der Quartierbewohnenden, Grundbesitzern und eigentümlichen Bauplänen der Stadtverwaltung. Und zum Schluss die Krönung am Centralweg: die Wohnbox.

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Hier baut wirklich das Quartier - hingehen, mitlaufen, mitreden, mitdenken und sich vielleicht zum mitmachen animieren lassen. Tour de Lorraine heute ganztags, diese ganz eigene Führung ab 18:00 beim Lorrainepark.

Achtung: «Kulturkonzept»

Christian Zellweger am Dienstag den 7. Januar 2014

Es ist zu einem Reizwort in der Berner Kulturdiskussion geworden: Das Kulturkonzept. Viele sehen ein solches Papier als unabdingbare Grundlage für die Verteilung der Fördergelder, Berns Kultursekretärin Veronica Schaller betont jedoch bei jeder Gelegenheit, Inhalte seien ihre Sache nicht, da sollen sich die Kulturschaffenden drum kümmern.

Das tun sie nun – mit einem ehrgeizigen Fahrplan. Bis im Juli schon soll eine Grobvariante stehen. Wer mitmachen will, kann das tun, die richtige Adresse lautet: www.kulturkonferenz.ch

Vorerst sollen Beiträge und Ideen gesammelt werden, Anfangs März findet eine «echte» Kulturkonferenz statt, ab April wird in Fachgruppen aus Interessierten diskutiert und im Juli eben will man dann eine erste Version dieses ominösen Kulturkonzeptes präsentieren können.

Ein grosses Projekt für eine Stadt, die sich offensichtlich so schwer tut damit, substanziell über Kultur zu diskutieren und nicht nur immer über Subventionen oder einen kaum definierbaren Kultur- und Kunstbegriff.

Eine schöne Gesprächsgrundlage wäre ein solches Papier sicherlich. Breit abgestützt ist die Idee der Kulturkonferenz mit Bekult, Progr, Kunstmuseum, Ensuite, Kornhausforum und anderen schon mal. Ob sich in der einigermassen zersplitterten (oder: verschachtelten) Berner Szene die erwünschte Diskussion ergibt, wird sich zeigen.

«Warum sollte irgendjemand diese Musik anhören wollen?»

Benedikt Sartorius am Montag den 23. Dezember 2013

Derzeit ist im Kino der aktuelle Film der Coen-Brüder «Inside Llewyn Davis» zu sehen. Es ist ein Film, den man sich sehr gerne geben darf. Da ist – einmal mehr – der Sinn fürs liebevolle Detail und der Sinn für die absurde Geschichte, den die Coens seit jeher pflegen. Und irgendwie ist «Inside Llewyn Davis» auch die quasi Fortsetzung zu «Oh Brother Where Art Thou?».

clancyAuch in «Inside Llewyn Davis» gibt es einen Ulysses – zumindest heisst die Katze so –, auch hier gibts eine Irrfahrt, auch hier spielt John Goodman grossartig, und vor allem ist es auch eine Hommage an das Musikbusiness, welche die Coens gemeinsam mit ihrem Soundtrack-Mann T Bone Burnett gestalten. Dieses Mal ist es nicht mehr die ganz alte Country-Bluegrass-Plattenindustrie, sondern die Folk-Welt der End-Sechzigerjahre in New York und Umgebung, mit all den Labels, den Sängern und gescheiterten Existenzen, während bereits die drogenversehrten Beatniks bereits am Horizont auftauchen.

Kurz, ein Konsens-Film, der nun aber doch noch gebrochen wird – dank dem Autoren und Bob-Dylan-Bücherschreiber Greil Marcus, der insbesondere die Musik im Film hasst: «Wenn das wirklich so gewesen sein soll, damals in Greenwich Village, 1961, warum hätte das irgendjemand interessieren sollen? Warum sollte irgendjemand diese Musik anhören wollen?», sagt Marcus in der «Zeit». Ja, abseits der Filmbilder, die die unfreiwillig komischen Abgründe des damaligen Folk-Booms nachzeichnen, funktioniert das kaum. Deshalb: weg vom historisierenden Soundtrack, rein in die Kinos.

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Es lebe der Progr

Roland Fischer am Freitag den 20. Dezember 2013

Im Progr tut sich mal wieder so einiges, hinter den Kulissen, vornehmlich. Der Stiftungsrat verkündete unlängst den erfolgreichen Abschluss der Aufbauphase und zieht sich Mitte 2014 aus dem operativen Geschäft zurück - ein neuer Geschäftsleiter wird gesucht. Inzwischen beklagt ein früherer Progr-Protagonist, dass man durch einige falsche strategische Entscheide nicht wirklich eine «dynamische Kunstszene im Zentrum Berns» habe entstehen lassen.

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Dazu liesse sich so einiges sagen, dafür wie dawider. Für den Moment muss ein Hinweis auf eine sympathische kleine Kunstinitiative genügen, die heute Abend ein zweites Mal die Türen öffnet und die an die Anfangszeiten des Progr-Experiments erinnert. Neben der Stadtgalerie hat sich ein Ausstellungsraum im Schrank eingenistet, der Kunst ohne viel Raumfülle zeigt. Ab heute da zu sehen: Neal Byrne Jossens Arbeit «fish tank».