Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Ach, Bundi

Mirko Schwab am Donnerstag den 18. Mai 2017

Er hat keine Website, dafür eine grosse Klappe. Und wir können ihm beim Klettern zuschauen, dem Emanuel Bundi: Autor, Performer, Unikat.

Der Berner Schriftensteller Emanuel Bundi und ein etwas wüster Hund.

Dieser Text hat folgendes Vorwort: Bundi ist ein guter Freund und wir küssen uns oft auf den Mund. Ob man denn Kritik betreiben könne an einem, den man auf den Mund küsst. Ob das nicht eben genau diese inzestuöse Kulturfuzi-Kuschelei sei, dieses freischaffende «einander am Anus chräbele», wie der Porträtierte selbst es formulieren würde. Dazu muss ich die Begriffe der Freundschaft und der Kritik etwas von ihrer mitgemeinten Unbedingtheit befreien. Zum einen ist es durchaus möglich, manchmal nötig, streng zu sein mit guten Freunden. Im Gegensatz zu flüchtigen Bekannten besteht bei ihnen wenigstens die Gewissheit, dass, sollte einer beleidigt sein, man sich einmal gepflegt auf die Haube geben könnte und gut ist. Zum anderen wird auch der Begriff der Kritik oft als unbedingt, als unbedingt negativ nun, verstanden. Wobei einander 1 runterzuholen natürlich keine wohlgesinnte Kritik sein kann, die sorgfältig begründete Bewunderung aber mit Sicherheit schon.

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Sohn des Zweifels

Mirko Schwab am Donnerstag den 11. Mai 2017

Es ist ein Geschenk unserer Zeit, dass wir über DJ-Sets schreiben dürfen in der Erscheinung als kleine Kunstwerke. Zum Beispiel letzthin dank Sképson.

Sképson, Produzent und DJ. Photo: Nicu Strobo (www.nschmid.ch)

Tobias Jakob ist ein stiller Mann und Schaffer. Keiner, der aus unsauberen Motiven hinter dem Pult stehen würde. Wegen den Girls oder den Gratisgetränken. Oder den geckenhaften Moves, mit denen Einfallslosigkeit an den Reglern gerne kompensiert wird: Kopfhörer lässig eingeklemmt zwischen Schulter und Ohr, der tätowierte Arm nach dem einen Potie ausgestreckt, als gälte es, eine Heldenstatue der eigenen Männlichkeit zu werden, bevor mit gymnastischer Verve der Bass gedroppt, gedienstleistet wird, an jener Stelle, da der Saal ihn nach sechzehn Takten verlangt hat, das Controlpad am Glühen, der Scheiss ist lit, schnell wieder hochziehen und sich dann laben in der Dusche verzückten Gekreisches aus der ersten Reihe. Nein, so einer ist er nicht.

Die Rechnung ist eine umgekehrte: Jakobs Bühnen-Ich Sképson steht da in recht unspektakulärer Konzentration. Wenn es einen gäbe, der seine Steuererklärung im Stehen ausfüllte, sähe das vielleicht ganz ähnlich aus. Der Witz kommt aus den Boxen. Verträumte Synthesizergewebe im Donnergrollen. Grollen, das über einen hereinbricht, wenn man sich gerade die Zigarette anzuzünden im Begriff ist. Das Unerwartete und Schelmische reitet immer mit auf Sképsons dringlichem Ritt durch wohlkuratierten Techno und Eigenkompositionen hie und da. Und der Zweifel: Jeder draufgängerischen Wendung scheint auch ein Rest Unsicherheit anzuhaften, die eben dort entsteht, wo die gängigen Regeln der eigenen intuitiven Kraft entgegenlaufen. Kunst halt.

Zuerst war das DJ-Set nicht mehr als die Summe seiner Bestandteile. Im besten Fall gut erlesene Stücke, so aneinandergereiht, dass niemand am Schwofen gehindert ward. Das Set aber als eigene Grösse, in der das Ausgelesene aufgeht in einer selbständigen Geschichte, es ist ein Geschenk unserer Zeit. Und Sképson, der ewige Zweifler, stille Draufgänger; ein wahrer Held derjenigen, die zum Tanzen auch die Ohren spitzen.

Aus dem Rössli, 27. April:

Sképson ist nur einer vom Label «Tiefgang Recordings», das die lebendige Berner Technoszene seit Jahren um eine bittersüsse Note bereichert.

Kulturbeutel 19/17

Milena Krstic am Montag den 8. Mai 2017

Die Krstic empfiehlt:
Auawirleben
#forreal: Am Donnerstag ist in der Dampfere der Auftakt zum Theaterfestival der freien Szene. Musikalische Rosine: Julian Sartorius spielt am Samstag um 22 Uhr im Festivalzentrum sein meditatives Techno-Set.

Frau Feuz empfiehlt:
Heute Abend zeigt die Musikfilm-Reihe «Song and Dance Men» in der Cinématte «Bunch of Kunst», eine Dokumentation über das grantige Rap-Duo Sleafort Mods aus Nottingham. Am Mittwoch liefern in der Turnhalle Esmerine dramatischen Soundtrack, wobei sich im instrumentalen Kammerrock-Quintett Mitglieder von Godspeed You! Black Emperor und Thee Silver Mt. Zion finden lassen.

Schwab empfiehlt:
Xiu Xiu

(dreizeilige Lobeshymne, die den Youtubelink ja doch unterläuft)
am Dienstag im Dachstock.

Der Urs empfiehlt:
Das kleine Festival der grossen Bands
(oder umgekehrt), erst die zweite Austragung und schon ein Klassiker! Im Dachstock, am Samstag. Wo sich die Grenze zwischen Bühne und Publikum auflöst und sich das Gemenge zu einem üblen Cocktail mischt – wird archaisch! Und wenn wir schon im R’N’R Verve sind – Gimme Danger – der Jarmusch-Dok über Jim Osterberg alias Iggy Pop aka the oldest sixpack alive und The Stooges, hell yea – im Kino Rex Bern natürlich.

Hostettlers Erbe

Mirko Schwab am Donnerstag den 4. Mai 2017

Avec le temps tout s’en va. Und auch die alten Berner Folksongs gehen mit der Zeit – ein Streifzug durch Urs Hostettlers Diskographie auf $$$potify und so.

Es passt irgendwie nicht recht zusammen. Die auf Benutzerfreundlichkeit polierte, spätmoderne Rahmung des schwedischen Streamingdiensts und darin all die alten Platten, Lieder und Tänze, Geschichten von Bauernaufständen, Aufgehenkten und im Wald zverlieren gegangenen. Und dazwischen: die von der Spotify-Frau unerschöpflich gutgelaunt gestellte Frage, ob man sich nicht Premium «holen» wolle für den werbefreien Hörgenuss. Auch das zeitgenössische Verständnis von Autorenschaft – in unheiliger Allianz mit dem Bedürfnis nach effizienter Sortierung – steht dem anarchistischen Zeitgeist der Siebziger- und Achtzigerjahre etwas schief gegenüber: Auf den alten Platten tummeln sich berndeutsche Übersetzungen, historische Fundstücke nebst Hostettlers eigenen Texten. Und natürlich allerhand MitmusikerInnen. Dennoch prangt über der gesammelten Musik in fetten Lettern Hostettlers Name allein. Kanye-style. Dem Liedersucher und Liedermacher ist es dann selbst etwas sauer aufgestossen, dass es im spätmodernen Musikverleih nicht weit her ist mit der sauberen Verdankung. So hat er alle Beteiligten gewissenhaft nachgetragen in seinem persönlichen digitalen Daheim.

Sie kennen Hostettler nicht? Wahrscheinlich liegt irgendwo auf dem Küchentisch ein Spiel von ihm. Tichu vielleicht, das wohl beliebteste, für dessen Nichtbeherrschung einer auch gerne mal aus der lustigen Studentenrunde ausgeschlossen wird – und bleibt, weil das Ding ja nicht zu erlernen sei. Oder Anno Domini, das lange vor der kanonischen Toilettenlektüre «Unnützes Wissen» die schönsten historischen Nebensächlichkeiten versammelt hat. Tausend Dinge hat der promovierte Mathematiker schon angezettelt und ausgeheckt, historisch-literarische Bücher und mysteriöse Stationentheater. Zunächst aber war er ein Musiker und Dichter in den goldenen Schweizer Folkjahren nach 1970. Zusammen mit seinen kongenialen brothers in crime: Der für die technisch versierten und glasklar vorgetragenen Pickings zuständige Tinu Diem einerseits und der beherzt aufspielende Luc Mentha an der Geige andererseits. Mit ihnen hat Hostettler damals einige der bis heute anmutigsten berndeutschen Lieder ersonnen. Und nicht wenige auch ausgegraben, alte Verse und Melodien aus einer vergangenen Zeit, die so gar nichts mit dem Hudigäggeler zu tun haben, der am Bügellift aus dem Billethäuschen dudelt.

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Smells Like «PRO» Spirit

Urs Rihs am Sonntag den 16. April 2017

JEANS FOR JESUS – die Geburt eines Referenzwerkes am Freitag im Kreissaal Dachstock. Es lag in der Luft, das Konzept dieser Band, der Duft einer Idee – PRO – music and fragrance for postcool kids!

Und dieses Unisex Eau de Toilette gepaart mit dem Universal-Sign schien den Jeans im Vorfeld der Plattentaufe fast den Hosenboden unter den Ärschen zu entziehen. «Das Parfüm ist doch nur olle Promo, der Deal doch reinster Sell-Out» so in etwa der Tenor ausserhalb des Feuilletons.

Frustration machte sich breit bei der Band, ob nicht erhaltenem Air-Play, ob fehlender Unterstützung aus der stadteigenen Szene und ob diesem beängstigend reaktionärem Gedankengut im Musikkuchen. Als ob soviel Selbstbestimmtheit einer Quittung bedürfe, im Sinne von: «Das habt ihr davon, ihr verkopften Künstlertypen, ihr elitären Akademiker, so läuft das im Schweizer Pop-Biz halt nicht.»

Aber sollte es eben, nennte sich dies progressiv. Stellt euch vor, die Jeans versuchen sich an dieser Idee – Fortschrittlichkeit – welche Dreistigkeit!
Ihr Entscheid für den Deal beim Grossen war vor allem etwas: pragmatisch. Die besten Konditionen, die besten Voraussetzungen, das Beste für ihre Kreation – PRO.
Denn das ist es, eine Kreation, eine Schöpfung. PRO impliziert ein Phantasma, eine Dualität. Hier versucht eine Band Musik zu reideologisieren, ihr einen alternativen Kern zu verleihen. Eine klar politische Haltung im Pop. Abseits des Alten der Alten – obwohl die Jeans zugegebenermassen teilweise aus Züri-West-Denim geschneidert sind, dieser Kuno-Romantizismus blitzt immer mal wieder hervor – abseits des für den Hauptstrom passgenau Zugeschnitten und abseits natürlich von der Milch und Boden Romantik aus dem Schlagerzirkus. Stern und Trauffer – keine Silbe wert.

JEANS FOR JESUS Dualität also, dafür bedarf es einer metaphysischen Referenz und warum sollte dies den nicht ein Duft sein? For Boys & Girls, Girls & Boys, Boys & Boys, Girls &. Girls…
Natürlich ist das konzeptuell und natürlich wird hier ironisiert – Konsum, Zeitgeist, Privilegien – aber eben nicht im relativierenden Sinne. Hier bezieht eine Band Stellung, unterstreicht ihr Begehren den Kontext zu ändern, den so kunstfeindlichen Schweizer Mainstream-Musik-Diskurs beeinflussen zu wollen – Smells like PRO spirit nicht? das ist angewandte Postironie, for postcool kids versteht sich.

Ich treffe Mike am Freitagnachmittag vor dem Migros, er braucht Tiefkühlprodukte – ich brauch Olivenöl. Wir rauchen erst eine Runde.
«Urs ma men! Scheisse, i ha ächt chli dr Bärn- und Radio-Koller Aute.» Ich beschwichtige: «Chunt scho guet Boy, es isch viu Liebi ume, schiss uf ds Drüü, die Spile de die Single scho no.» Er sinniert: «Mir bruche Rückkopplig Urs, ohni euch simer nüt!» Ich schliesse: «Gang no chli ga lige vorem Gig, chille Boy, ds wird schön hüt.»

Nochmal eins rauchen und dann tschüss. Das Wiedersehen sechs Stunden später, JEANS FOR JESUS auf der Bühne, ich im Publikum, Curt Cobain six feet under. Fuck! Jetzt muss doch mal wieder was passieren in diesem Musikzirkus und seis auch nur im nationalen – da wird ja gerade ein Referenzwerk geboren, welches Anleitung zur Veränderung sein könnte. Peace & out.

essential furthermore for this gig was – ALL XS – big up & lots of props for the opening, likewise epic was the lightshow by wizard PIUS, thx a lot!

Messer und im Rücken

Urs Rihs am Samstag den 8. April 2017

Es schien kaum angesagt und darum kamen nur die Angesagtesten. Zu Messer, in der Dampfzentrale, am Donnerstag.

Eigentlich schade, denn Messer hätte locker gereicht, um den ganzen Berner Musikpulk zu exorzieren – von rückwärtsgerichteten Rockideen, von verkalkten Posen auf der Bühne und von bildungsbürgerlichen Freiheitsphantasien im Text.

Ich selbst war spät dran, zuvor hatte ein Pflichtspiel gegen die Anstalten Witzwil auf dem Programm gestanden. Fussball im Knast, der legendäre Integratinonsklub RACING Bern, gegen die gesellschaftlich Ausgeschlossenen. Familiäre Stimmung auf dem Rasen hinter Betonmauern, aber das nur am Rand.

Bei der Rückfahrt spürte ich Messer schon im Rücken, mein L5 Wirbel schien Millimeter vor dem Durchbruch – auf den Os sacrum, die Bandscheibe wohl wenig mehr noch, als ein spröder Dichtungsring. Schmerzen, elf, auf der Skala null bis zehn. Beste Voraussetzungen also, für die fünf Münsteraner Abreisser von Messer.
Die wirkten ihrerseits alles andere als brüchig oder ungelenk. Quasi akrobatisch ihre Verrenkungen während dem Schrammeln, vor allem von Frontmensch Hendrik Otremba, der Typ könnte locker bei rhythmischer Gymnastik antanzen, schaut schwer gut aus vom Bühnenrand.

Und obwohl die Truppe auf den ersten Blick etwas geckenhaft wirkt, wird schnell klar, da ist nichts aufgesetzt. Das Geschrei ist echt, das ist rohster körperlicher Ausdruck von Melancholie, Wut und eben – ich fühle mit – von Schmerzen.

Da hallen sie plötzlich wieder, diese Erinnerungen. Im Habdunkel der spartanisch ausgeleuchteten Dampfzentrale – das Licht macht auf «weniger ist mehr» Ernst, schön schick – leuchten Namen vor dem inneren Auge. Sisters of Mercy, Cure, Wire. Die Platten oben links im Gestell, dort muss wohl auch die aktuelle von Messer hin, Jalousie.

Robustester vertonter Neo-Existenzialismus – für den Schwab hier – bei Messer greifen musikalisch subtil feinfühlige, in brutal direkte Schaltkreise über. Leichten Synth-Passagen folgen Verstärkereruptionen, schmalbrüstig zerbrechlichen Gitarrensoli Perkussionskaskaden, gedroschen auf zwei Drums, parallel geschaltet quasi, scheissgut.

Auch textlich dynamisch übrigens, Opakes geht stufenlos über zu Glasklarem. Von verschleiert Romantischem zu politisch Anklagendem, ohne auch nur annähernd mit dem Echoeffekt zu liebäugeln, auch wenns in der Dampfzentrale mal wieder zu kräftig hallte.
Diese Band hat keine Antworten, braucht keine Trivial-Metaphern, will keine Chören von Gleichgetakteten.
Wo sich bei Wanda mediokerste Bierseeligkeit breit macht und sich Vice und Noisey lesendes Pack in den ordinärst-tätowierten Armen liegt, da bevorzugt Messer immer den Zweifel – oder den Gedankenstrich.

Messer bleibt stecken, wos weh tut, in meinem Rücken, und sicherlich im Kopf der leider nur knapp 30 Leuten vom Konzert am Donnerstag. Auf bald – lässt sich da nur hoffen.

Es tat so schrecklich schön weh, MESSER in meinem Rücken und der Dampfentrale Bern, letzten Donnerstag.

 

Genossen №9: Kuno Lauener

Mirko Schwab am Mittwoch den 29. März 2017

Sind es die Tramadoltröpfchen oder ist eben gerade … Grosse Persönlichkeiten der Kulturgeschichte gehen im «3 Eidgenossen» eins ziehen. Heute: Kuno Lauener.

Lauener zum Interview vor den Eidgenossen.

Es ist Krise auf der Redaktion.

Kurznachricht vom Urs, dem notorischen Styler: «Rockboy, hab da ne Scherbe ausgegraben, dystopisch-postpostmodernes, windschief neo-existenzialistisches Fricklermeisterwerk, Doppel-10inch in einer Auflage von 66 Stück, am Abgrund von japanischem Wave und Afro-Trash über Samples nie veröffentlichter sowjetischer Propagandastreifen und so. Mach doch was drüber, mal wieder was für den lokalen Untergrund …» Jaja, hörs mir an. Dandy Fischer meint, ich gehe zu wenig ins Museum. Ob Theater auch wieder einmal Thema sei. Und ob ich überhaupt wisse, wie eine Galerie von innen aussieht. Stimmt, aber das Wetter. Vielleicht. Joa. Auch von oben herab ist nichts gutes zu erwarten. Frau Feuz, die selbsternannte Chefin, zitiert mich ins Büro. Dass Doppelspurigkeiten mit dem gedruckten Bund tunlichst zu vermeiden seien, Finger weg von Flückiger, Anliker, Lauener, den Jeans for Jesus neuerdings – dass die ins Feuilleton gehörten, in einer anderen Liga spielten. Champions League, Herr Schwab, oder emel mindestens Super League mit europäischen Ambitionen! Das Blog aber, das könne knapp Alternativliga-Niveau halten. Und das auch nur, weil man aus der Alternativliga nicht absteigen könne. Und dann: «Schwab, überlassen Sie das den echten Journalisten!»

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Kulturbeutel 13/17

Mirko Schwab am Montag den 27. März 2017

Mirko Schwab empfiehlt:
Rap am Mittwoch an der Style Bakery im Ross: Zwei Mics und eine fette Band, die Freistilisten werden fliegen. Am Donnerstag dann ab nach dem Mattenhof, Werkhof 102: Das Seltene Orchester ist ein eigenartiger Haufen aus hochkarätigen Instrumentalist_innen unterschiedlichster musikalischer Provenienz und spielt die mal halsbrecherischen, mal feinfühligen Kompositionen aus den eigenen Reihen so, dass einem das Herz aufgeht.

Der Urs empfiehlt:
Diskutieren über Vertrauen im Kairo
. Die Uni mochte selten zu begeistern. Doch es gab auch Lichtblicke, im Philo bei der Metaethik mit Budnik beispielsweise. Der Typ schien zwar immer wenig übrig zu haben für existenzialistisches Kulturpräkariats-Gesülze, dafür umso mehr für die analytische Ausprägung der Liebe zur Weisheit. Mal sehen ob der im Café auch so staubtrocken diskutiert wie im Hörsaal, wär ne Freude! Heute Montag ab 19:30, mit Folgeveranstaltungen im April, Mai und Juni. Undogmatisches Debattieren in Wohnzimmeratmosphäre, so kann die Woche beginnen.
Und dann ein Pflichttermin im Bad zu Bonn am Donnerstag: Woods, Kult-Folk aus notBern Brooklyn, unterstützt von Dj Benedikt Sartorius.

Fischer empfiehlt:
Apropos Vertrauen: Am Donnerstag beginnt die tolle Filmreihe zu universalen Monstern im Rex. Es gibt ein Wiedersehen mit so liebenswerten Unwesen wie Dracula, dem Wolfmann und natürlich der unverwüstlichen Creature From The Black Lagoon.

«Window Shopper» IV

Urs Rihs am Samstag den 11. März 2017

…oder die schönsten Schaufenster der Stadt, eingerichtet durch König Zufall, mit Eigenwille dekoriert, angenagt durch den Zahn der Zeit.
Hier gibts weder fabrikneue Ware noch die hipsten Ernährungstrends. Das ist die Fotoserie abseits der hegemonial marktlogisch gestalteten Vitrinen unserer Einkaufsmeilen. Und dazu ein Versuch, ihnen Graustufen des Zeitgeistes abzugewinnen.

Seidenweg 2, Länggasse, der Hi-Fi Quartierladen. Ein hyperrealistisches Schaufenster, in seiner Athentizität die analoge Romantik regelrecht überschärfend. Die Vitrine riecht schon von aussen nach Lötkolben und Staub – wie Papas Werkstatt. Hart nostalgisch, aber null Vintage-Kitsch. Von früher steht hier nicht wegen cool, sondern von früher steht hier weil für länger: Video T.V. HI-FI Technico / Electric – stabil, langlebig, zuverlässig.

Der Typ welcher den Laden führt, die Geräte restauriert, flickt und wartet, unterstreicht das. Ein leidenschaftlicher Elektrotechniker, ein Bastler, ein Kunsthandwerker. Und trotzdem, mit gesunder Distanz zur Materie, unverblendet, geerdet. Dabei diese beiläufige  Zärtlichkeit – zu Transistoren, Reglern, vergoldeten Steckern und Kondensern. Bosstyp.

Auf den Regalen stapeln sich Verstärker, VHS-Rekorder, Plattenspieler, Kassettendecks, hie und da ein Beamer, geordnet wie Bücher, weil die Dinger, die richtigen, eben auch Seele haben, so wie gute Romane.

Go there and get yourself a tapedeck!

Bad Bonn Kilbi 2017: Bitte jubilieren Sie!

Christian Zellweger am Mittwoch den 1. März 2017

Mangels aktuell verfügbarer Ressourcen möchten wir an dieser Stelle zur Kilbi auf folgende Quellen hinweisen:

Das ganze Programm gibts hier (auf einer abseitigen Webseite): «Die grossen Namen spielen anderswo, hier geht’s an die Schmerzgrenzen.» Aber sehr gerne doch!