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Auf Streifzug in hinteren Ecken

Urs Rihs am Samstag den 1. Juli 2017

Dieser Beitrag nimmt seinen Anfang, wo vieles sonst ein Ende findet. Im Klo – oder genauer, in einem Badezimmer, einem hellhörigen.

Da sass ich nämlich, mit meiner Sonnenbrille auf der Nase und wünschte mir nebst den schützenden Spiegelgläsern einen Radio. Denn in diesen Altbauwohnungen, wer kennt sie nicht, mit ihren Pappwändchen und den verzogenen Holztürchen, dort wo die Latrine meist gleich neben der Küche ist, im schlechteren Fall vis-à-vis des Esszimmers, im schlechtesten gegenüber dem Schlafzimmer – dort, dort verspricht ein Transistor Schutz. Tarnung – es schnöde hier Prüderie wer wolle, Abgehendes gehört ungehört, bitte! – vor offenbarenden Geräuschkulissen. 
Da wird klar, warum Radio Intimität bedeutet und darum nicht von Kommerziellen vergewaltigt werden sollte. Was gibts denn Würdigeres als Kacken begleitet von wunderbar schleierndem Rauschen des Äthers?

Item – jedenfalls erwachte in mir nach dem Toilettengang der Wunsch nach mehr stillen Örtchen, versteckten Plätzchen, hinteren Winkel, wo gute Menschen schön verborgen kulturen und verschleissen.
Am Donnerstag war erste Adresse dazu die Zoo Bar, dort traf sich ein wohldurchmischtes Häufchen, zum Quiz und zum Bier. Bloginterna: Gratulation zum dritten Rang, Frau F!

Zufällig fotografierter Fragenzettel der Gruppe “Die Untertheker” – am Ende einen Platz besser klassiert als Frau F’s Team.

Pub-Rätseln, mensch kennt es, schon seit längerem auch in unserer Stadt ein gern gepflegtes Hobby. Meist vom philisterhassenden Schlag, hoffnungslos der Besserwisserei verfallen, aber nur hintergründig natürlich. Maskierte Klugscheisserei quasi – aber Spass machts eben doch.

Vor allem wenn es so liebevoll vorbereitet und wohlorchestriert von statten geht wie in der Zoo Bar. Die beiden Organisatorinnen – schwerstbelesene wandelnde Enzyklopädien übrigens – erden den nervösen Ehrgeiz der Rategrüppchen mit solch einer Sanftmut, dass trotz des vorherrschenden Übereifers keine gehetzte Stimmung aufkommt. Dazu gibts ihr immer scharf überlegtes und breitgefächertes Fragenblatt: Wissenschaft, Popkultur, Kunst, Geschichte, alles in anspornender Wissensdistanz und schön getaktetem Rhythmus, so schnell macht ihnen das keiner nach.

Nun denn – zurück zum Streifzug. Der ging nachts weiter ins Ross – nicht gerade ein Rückzugsort, zugegeben, dafür dicht benebelnd – wo die lauten Punkrock-Spitzbuben der Strapones ihre neue Scherbe tauften. Die spielen neuerdings zwar nur noch Balladen, war trotzdem aber saugeil.
Freitags folgte ein Ausflug an ein wunderbar abgelegenes Winkelchen des Schwarzwassers. Die Sackau, Wandervögelchen aufgepasst, da musst du hin!

Der erste Kehr nach der Sackau im Schwarzwasser – wer da ein schöneres Fleckchen findet melde sich bei der Redaktion.

Abends dann ich Chäsitz, verschanzt in einer alten Tankstelle. Dort wird neuerdings mittels Grafik, Foto & Web gestaltet und gebastelt. Gestern noch unter Beihilfe von etwas Hochprozentigem und einigen Fetzen Jeansstoff – eine postcoole Sache war das. Danke an alle Beteiligten.

Jeansstoff trägt auch an einer Tankstelle in Chäsitz dick auf.

Die Streife endete heut kurz vor Zwölf, im Hauptstrom der Gerechtigkeitsgasse. Auf der Jagd nach was Essbarem – mit defekter Bankkarte und schmerzlich fehlender Sonnenbrille. Ohne Deckung – ausgeliefert – nackt. Definitiv also – alles Gute liegt im Schatten – ich verkriech mich mal, bis zum Beutel, tschau.

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Ein Kommentar zu “Auf Streifzug in hinteren Ecken”

  1. Frau Feuz sagt:

    Und ich gratulier zähneknirschend bzw eigentlich überhauptreingarnicht herzlichst zum zweiten Platz, werter Herr Latrinenböller.