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Smells Like «PRO» Spirit

Urs Rihs am Sonntag den 16. April 2017

JEANS FOR JESUS – die Geburt eines Referenzwerkes am Freitag im Kreissaal Dachstock. Es lag in der Luft, das Konzept dieser Band, der Duft einer Idee – PRO – music and fragrance for postcool kids!

Und dieses Unisex Eau de Toilette gepaart mit dem Universal-Sign schien den Jeans im Vorfeld der Plattentaufe fast den Hosenboden unter den Ärschen zu entziehen. «Das Parfüm ist doch nur olle Promo, der Deal doch reinster Sell-Out» so in etwa der Tenor ausserhalb des Feuilletons.

Frustration machte sich breit bei der Band, ob nicht erhaltenem Air-Play, ob fehlender Unterstützung aus der stadteigenen Szene und ob diesem beängstigend reaktionärem Gedankengut im Musikkuchen. Als ob soviel Selbstbestimmtheit einer Quittung bedürfe, im Sinne von: «Das habt ihr davon, ihr verkopften Künstlertypen, ihr elitären Akademiker, so läuft das im Schweizer Pop-Biz halt nicht.»

Aber sollte es eben, nennte sich dies progressiv. Stellt euch vor, die Jeans versuchen sich an dieser Idee – Fortschrittlichkeit – welche Dreistigkeit!
Ihr Entscheid für den Deal beim Grossen war vor allem etwas: pragmatisch. Die besten Konditionen, die besten Voraussetzungen, das Beste für ihre Kreation – PRO.
Denn das ist es, eine Kreation, eine Schöpfung. PRO impliziert ein Phantasma, eine Dualität. Hier versucht eine Band Musik zu reideologisieren, ihr einen alternativen Kern zu verleihen. Eine klar politische Haltung im Pop. Abseits des Alten der Alten – obwohl die Jeans zugegebenermassen teilweise aus Züri-West-Denim geschneidert sind, dieser Kuno-Romantizismus blitzt immer mal wieder hervor – abseits des für den Hauptstrom passgenau Zugeschnitten und abseits natürlich von der Milch und Boden Romantik aus dem Schlagerzirkus. Stern und Trauffer – keine Silbe wert.

JEANS FOR JESUS Dualität also, dafür bedarf es einer metaphysischen Referenz und warum sollte dies den nicht ein Duft sein? For Boys & Girls, Girls & Boys, Boys & Boys, Girls &. Girls…
Natürlich ist das konzeptuell und natürlich wird hier ironisiert – Konsum, Zeitgeist, Privilegien – aber eben nicht im relativierenden Sinne. Hier bezieht eine Band Stellung, unterstreicht ihr Begehren den Kontext zu ändern, den so kunstfeindlichen Schweizer Mainstream-Musik-Diskurs beeinflussen zu wollen – Smells like PRO spirit nicht? das ist angewandte Postironie, for postcool kids versteht sich.

Ich treffe Mike am Freitagnachmittag vor dem Migros, er braucht Tiefkühlprodukte – ich brauch Olivenöl. Wir rauchen erst eine Runde.
«Urs ma men! Scheisse, i ha ächt chli dr Bärn- und Radio-Koller Aute.» Ich beschwichtige: «Chunt scho guet Boy, es isch viu Liebi ume, schiss uf ds Drüü, die Spile de die Single scho no.» Er sinniert: «Mir bruche Rückkopplig Urs, ohni euch simer nüt!» Ich schliesse: «Gang no chli ga lige vorem Gig, chille Boy, ds wird schön hüt.»

Nochmal eins rauchen und dann tschüss. Das Wiedersehen sechs Stunden später, JEANS FOR JESUS auf der Bühne, ich im Publikum, Curt Cobain six feet under. Fuck! Jetzt muss doch mal wieder was passieren in diesem Musikzirkus und seis auch nur im nationalen – da wird ja gerade ein Referenzwerk geboren, welches Anleitung zur Veränderung sein könnte. Peace & out.

essential furthermore for this gig was – ALL XS – big up & lots of props for the opening, likewise epic was the lightshow by wizard PIUS, thx a lot!

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Ein Kommentar zu “Smells Like «PRO» Spirit”

  1. Regina Probst sagt:

    Bin mit fast allem einverstanden, wenn ich `s auch nicht so “schwülstig” formulieren würde. Nur erschliesst sich mir die “Ironie” des Parfüms auch jetzt nicht. Die Band hat solche Spielereien für mich nicht nötig. Ich kaufte “PRO” trotzdem, nicht weil. Und ich hab vorher in meinem langen Leben ein ganzes Album einer Schweizer Band nie so gut gefunden, dass ich es kaufte. Und das Debut- Album finde ich noch toller.